mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


schuhgrößenmaßstabversetzung

das elefantenbaby in schönbrunn tritt in die fußstapfen des berühmten panda-bären fu long und mausert sich zum publikumsliebling.
orf wien, 13.8.2010

merkwürdig metamorph also präsentiert sich das meistpopuläre jungtier im ältesten zoo der welt, und hier ist es – zumindest den praktikanten von orfon – gelungen, ein tier in die umgekehrte richtung zu verwandeln, also nicht vom stechsauginsekt (od. kleinnager) zum größttrompeter, nein, aus dem elefanten ward ein mäuslein, im pandakostüm noch dazu, und sowas muss uns einmal einer nachmachen, also wirklich wahr!

in diesem sinne: gedenken wir wieder einmal des sketch-a-graphen!

sketch-a-graph

siedelnd, immer vorläufig

ein teil nach dem anderen konnte der entropie entrissen werden und einem geordneten neuewohnungsleben beigefügt werden (dieweil an der alten adresse eins nach dem andern in einem malstromwirbel versank), was ihn, sinnierend nach den besten (stets vorläufigen) ruheplätzen für all das zeug in den schachteln, nicht allzulang in den federn weilen ließ (liegst du allein, kreisen sie um dich, durch dich durch, diese denkprogrammgedanken), und darum war es wohl doch besser aufzustehen, aufauf!, einblasen dann!, halali! und auf zum proben, am weg lag ja auch das kindheitsvertraute jagdmuseum, und heiliger sankt florian, verschone unser haus, zünd s’haus vom nachbarn an!, nicht aber hier am dichtverbauten altstadtrand, ordentlich gezierte, vor allem negentropische ordnung, das war jetzt von vordringlicher wichtigkeit. proben fürs eigentliche, das ja jetzt (immer jetzt!) bereits geschah. die aufführung war ja stets nur ein quasiritueller vollzug und hatte keine über sie selbst hinausverweisende bedeutung, verfiel augenblicklich dem verfall, schon im errichten des vorführungskartengebäudes. genau, was man ewigkeit nannte war nichts anderes als permanente veränderung des gleichen.
oder so ähnlich.

sinoramisch damisch

keine ruhe tag
zusatzinformation, chinarestaurantstraßenplakatwerbeaufsteller (form: kartenhausgrundelement, hochkant)

und wirklich, der selbstversuch durch eintreten bewies es abermals (obwohl sie es ohnehin vorher schon wussten): chop-suey-muzak diffundierte wie gewohnt und erwartet ausm und übers glutamatbuffet, man war daheim, und die chinesen würden uns sowieso noch überrollen, hatten es vermutlich ganz sicherlich bereits längst, und sie arbeiteten acht tage die woche mit dröhnend unterschwellig aufgedrehtem chinapop, ruhelos wäre ein hilfsbegriff dafür.
bloß weg.

hololo

die dicken werden europaweit gejagt
aufregungsaugenfänger, kronenzeitung

was für gewohnt schlanke gedanken im österreichischen leithetzmedium. die überschrift hololo aber, weil halali allzu schlank klänge, vom dürren aussehen der letternkombination -lali anstelle des vollbauchigen -lalo ganz zu schweigen.

himmelfart

wenn du aber den feiertag am fünfzehnten an einem sonntag begehen willst, so ist es unvermeidlich, dass dem ein freitagderdreizehnte vorausgeht. was wiederum nur was für abergläubische (oder sagt man abergläubige?) ist, und das sind wir doch nicht, und falls doch (ein bisschen) dann lasset uns unser beliebtes ohomaharihiahahilf bittbeten, das hilft, ganz sicherlich möglicherweise.
und außerdem: zwischen dreizehntem und fünfzehntem ist ja noch der demarkationssamstag, ein vierzehnter: puffertag, genau definiertes niemandsland zwischen gläubig und gläubisch, gewissermaßen.

werkzeugend (2)

imbus oder inbus oder imbuss (keinesfalls amboss), dieser schlüssel war ihm seit ehundje der merkwürdig sympathischste, er hatte so etwas nobles, distinguiertes, setzte mehr auf diskretion und innere werte.
bei den justierungsversuchen an der so eleganten und praktischen schiebegardine aber, überkopfige kleinfuzelei, war er nahe daran, den (war er katholisch gewesen, so sicherlich seliggesprochenen) weiland imbuserfinder in die hölle zu verdammen (wenn die für ihn, den vielleicht in einem höllenlosen welt- und nachweltbild befangenen, überhaupt zuständig war – und auch er selbst war ja qua diesbezüglicher glaubens- undalso angstlosigkeit letztlich gar nicht in der lage).
wie sich das auch immer winden mochte: weiterschrauben.

werkzeugend (1)

a fool with a tool is still a fool
lebensweisheit (engl.)

dass ihm dieser satz ausgerechnet in den tagen des übersiedelns – des bohrens, dübelns, schraubens und aufhängens also – wieder in den sinn kam (nach dem besuch im baumarkt war es), das war jedenfalls merkwürdig. dass er im umgang mit diesen einer männlichen sphäre zugeordneten dinge und tätigkeiten nicht zu den allergeschicktesten gehörte (gehören wollte!), veranlasste ihn aber nicht, gleich den kopf hängen zu lassen, und immerhin, der haken für die schlafzimmerlampe (eine kugel, wie eine himmelsboje hing sie daran herab) hielt allemal.

durchhaltend

dieses männlein im boden der neuen wohnung, ein wurzlseppgesicht (genau, alswie ein alter tiroler vom riesenrundgemälde schaute es aus, mit breitkrempigem hut und langem zwergenbart), bei offener klotür sitzend konnte er ganz genau sehen, wie es ihn ermunterte, jetzt nicht aufzugeben, so ein einziehtief komme doch für jeden einmal, er möge sich doch umschauen.
das tat er, schaute sich um und zählte dann wieder die sieben laminatparkettstreifen von der türschwelle hinauf, aber das männchen, es war verschwunden mit einemmale.
es würde morgen früh wieder auf ihn warten, natürlich an einer anderen stelle, er hatte es schließlich noch jeden tag gefunden, hatte es ihm doch so schön zugewunken die letzten tage und würde ihn auch durch diese zeit heben.
sonst aber war er allerbester verfassung.

gräberfeld, tautologisches

… und jeda wird amoi fürn totengräber
der auftraggeber…

josef hader

trögern/korte, beinah verlassener (ausgestorbener?) hochweiler hinter der langen (klammen) klamm, und dann noch hinauf auf 1.000 meter. auf dem kleinen friedhof wäre noch viel platz. der dominierende name dort: smrtnik. die trivialen slawischkenntnisse verweisen auf smrt, den tod. anderntags die nachfrage beim slowenischkärntner freund ergibt, dass smrtnik eigentlich nichts anderes heißt alswie: der verstorbene.
nona, und warum steht das nicht überhaupt bei jedem grab, weltweit (in der jeweiligen lokalsprache)? tod, finaler gleichrichter, der endgültige (und einzig wahre) demokrat.
nachsatz: der bürgermeister von bad eisenkappel / železna kapla, dem auch der hof neben der trögerner kirche gehört, natürlich heißt er smrtnik, meint, sein name bedeute eher der mit dem tod zu tun hat, und auch das haben wir ja alle, permanent understrecht final, was raubritterhaftes könne es auch haben, sagt er noch (der smrtnik), eine weitere bestätigung dieser thanatotautologie…

Über Leben

Dieser planlose Plan der Evolution, ausschließlich auf den anpassungsfähigsten ausgerichtet! Es gilt die Eitelkeit des fittesten (besten, stärksten, intelligentesten, klügsten) in dieser oberflächlich-falschen Übersetzungsbedeutung hinter sich zu lassen. Sie (die Evolution sei eine Dame) macht ohnehin was sie will.

Das ist nicht schlimm, immerhin, aber so ist es.

Eigentlich befreiend; auch, das nebenbei, vom – vielgepriesenen – sog. freien Willen.

Jetzt aber genug gescheit geredet.

Abwarten, aktiviert.

genießreizend

bitterschokolade (extrembitterschokolade, hundertprozentschokolade), das war ein klassischer lerngenuss, der, im vorzeigen, distingiertes genussvermögen undalso fortgeschrittene menschliche reife (vergleichbar einem gorgon- oder, hierzulands, österzolischen blauschimmel) propagierte.
wo man nicht überall mitmachen müssen musste.
zu meinen glaubte.
schoko-, nein nicht -verzicht, so wichtig war das nicht (was auch für alkohol, schnaps und zigarren gelten durfte), schokoladenlosigkeit also, warum nicht? und wenn, dann mild und weich, noisette, crà¨me, nichts anspruchsvolles halt, und: schmecken sollte sie, genau!

essig (scharf, doppelt, rund, bitter?)

ach es ist so gut
ernst jandl

noir special
72% cacao
extra dunkle schokolade
chocolat extra noir
finissimo cioccolato nero

produktaufschrift (ch)

süsse reise! hatte ihm die kollegial bestbefreundete schweizer sängerin scharfesslos undalso korrekt schweizerisch auf die ihm hinterbrachte schokolade geschrieben (man schrieb in diesem panisch weitweltgewandten land auch gerne chocolade), und unwillkürlich musste er das doppeless inwendig doppelessig, also scharf aussprechen, was eben gerade nicht die ihm gewunschene süße ausfahrt menetekelisierte, und, da aprüü mochd wåsawüü, es war dann auch einiges herbes dabei gewesen unterwegs, am ziel.
was denn das sein könne, ein ziel? nein, ziel, von diesem konzept hatte er sich schon länger verabschieden wollen, nicht verbittert, sondern – sub specie à¦ternitatis – rational und pragmatisch der allem grundgelegten sterblichkeit wegen, und wenn die sonne, die nicht einmal die hälfte ihres lebenszyklus hinter sich hatte, dereinst ausgebrannt sein würde, würde, falls es leben geben würde, die erde von – unvorstellbaren – lebewesen besiedelt sein, die mit uns so viel zu tun haben würden wie wir mit amöben oder blaualgen. es war ihm diese vernunftbegründete gelassenheit auch immer besser gelungen, mit zeitweiligen rückschlägen halt, und an den letzten größeren dachte er nun unwillkürlich zurück, als er die bittere süssspeise seinem diesmalignen reiseproviant entnahm, kräftigend und zugleich beruhigend das alles, und der nächste bahnhof würde die blickwende nach vorn mit sich bringen.
so war es gut.

freizeitbeschäftigung

doch spuckt den ozean
ein lotse an
so gibt es einen sturm

georg kreisler

im überfliegen der aufregungsaufmerksamkeitszeilen des elektronischen leitmediums stach ihm die folgende meldung ins erregungsbereite auge: die spanischen fluglotsen streiken in der urlaubszeit. er wusste nicht, warum darüber so aufschreierisch berichtet werden musste: so etwas ist doch höchst rücksichtsvoll. weil entweder wir urlauber merkten nichts davon, weil wir im urlaub waren oder wir urlauber merkten nichts davon, weil die auch im urlaub waren; möglicherweise saßen sie sogar neben uns am strand und erholten sich von ihren verantwortungsvollen aufgaben.

vergeigt

jandlprà¦ambl

das schöne bild

spar aus dem schönen bild den menschen aus
damit die tränen du, die jeder mensch verlangt
aussparen kannst; spar jede spur von menschen aus:
kein weg erinnere an festen gang, kein feld an brot
kein wald an haus und schrank, kein stein an wand
kein quell an trank, kein teich kein see kein meer
an schwimmer, boote, ruder, segel, seefahrt
kein fels an kletternde, kein wölkchen
an gegen wetter kämpfende, kein himmelsstück
an aufblick, flugzeug, raumschiff – nichts
erinnere an etwas; außer weiß an weiß
schwarz an schwarz, rot an rot, gerade an gerade
rund an rund;
so wird meine seele gesund.

ernst jandl, das schöne bild

der ausrufezeichenvirtuose schoss die von ihm usurpierte, ihm inwendig (in pectore) leider völlig fremde lyrik aus seinem kunstgefechtsturm, derart nichts der imagination überlassend, als hätte thomas mann sie, atteste über seine idealtypisch intakte verdauung schwenkend, in stetiger präseniler verstopfung hervorgepresst, argumentativ in jedem fall zu hundert prozent unantastbar.
unberührbar, genau.
den nachsommer, jawohl, den nachsommer, sollte er lesen; die wahrscheinlichkeit aber, dass er es daraus kapieren könnte, war leider eine verschwindende, nein: verschwundene.

Avatar

a watta
a watta

ernst jandl

Der Virtuose, der nur Deluxestestes executierte (und darauf wort- und gestenreich zu verweisen lassen wusste), ließ extra verlauten, dass alle Klänge, so schwierig sie auch zu erzeugen waren, von Ihm selbst hervorgebracht würden, lebendich auf der Bühne vorm Publikum, sowas aber auch, und das ist ja heute längst nicht mehr selbstverständlich wirklich wahr.

Nur: Er selber war leider ein handwerklich und materialschlachtend überreich ausgestatteter poesiefreier Kreativeunuch, eklektisch über alle vorstellbare Maßen (am eklektischsten sind immer jene, die ihre Eigenschöperkraft am gewandtesten auszuformulieren und zu begründen wissen), jede Heuchelgeste unmittelbarer Inspiration saß sowas von bombensicher, und, vor allem: Er war purer Klon seiner selbst, kreativkannibaler Zombie, photographieren verboten, wenns blitzt vor allem, sowas muss einen doch stutzig machen.

Aber der König ist doch nackt, sieht denn das keiner?! – Ein Ernstes Missverständnis.

Und, Nachsatz, kunstlich sein, das meint was beweisen zu müssen, und das beweist eins mit Sicherheit: genau NICHTS.

Dieses aber unfehlbar.

konstanz (bleibende werte)

zahlen bitte, und bitte keinen pflaumenwein.
exotischer bezahlwunschreflex

die traditionellen festwochen in der handgemalten keramikstadt mit dem allzu vorhersehbar gleichbleibend großzügig gesponserten zweitewahlkeramikgastgeschenk. jedes konzert als wärs ein auftritt im chinarestaurant. danke nein, glückskeks auch keinen.
schlichte wertschätzung ohne bussibussi, das wäre doch schon genug.
danke.

Koberindmassage

Eingerastet ruhend haltend sie und seitlich hüftaufundabwärts ihre Dufthaut, dieses so niedliche Schwarterl in den Fingern knuddelnd, dabei in aller (völliger) Innig- und Einigkeit ehrlich bemüht, sich dabei nicht vorzustellen, wie ähnlich (aber anders, mit jedenfalls anderen, finaleren Absichten) wohlig zärtlich mit dem exklusivsten Fleisch der Welt umgegangen wird, zu Lebzeiten auch und ganzundgar unkannibalisch animalisch. Habhaft haptisch, besessen, nicht besitzend, wie wohl und irgendwie doch metamorph, bimorph vielleicht, wohl jedenfalls.

mimikry (2)

gummiringerl getarnt als regloser regenwurm auf der gesprengten esplanade zu gmunden. und umgekehrt, zuhauf.
obacht, ihr schwäne!

mimikry (1)

fichtenzapfen auf dem wanderweg: nacktschnecken, als gürteltiere verkleidet. nicht zertreten, naturschutz! womit eichkätzchen, diese indischen laufenten des mischwalds, unter generalverdacht stünden: halali, die jagdsaison ist eröffnet!
aber selbst hier gelte, wie bei ehemaligen besten finanzministern der welt, nach wie vor die so beliebte unschuldsvermutung.

sauber, sauber

einhandmischer, was für eine unmöglichkeit, man stelle sich diesen virtuosesten aller kartenspieler vor, wobei damit aber nicht gesagt ist, dass der dann das beste gedächtnis auch haben muss, beides zusammen aber: unschlagbar. oder beim drinkerzeugen in der bar, was für ein multitaskingpotential, das ist doch so modern heutzutage. bleibt noch das beliebte buddhistische klatschen, und da kennt ja auch jeder jemanden, der das ganz allein zusammenbringt, auch wenn man es nicht für möglich halten würde, genau, so ist das.
als er ins bad kam, freute er sich über die einfache möglichkeit, die flüssigseife (auch so eine ehemalige unmöglichkeit) aufzutragen, zugleich das wasser aufzudrehen und in einem zu temperieren.

zweiundzwanzig, fünfunddreißig

experten hatten ja damals, 1975, es konnte nur im sommer sein, zweifelsfreie zweiundzwanzig festgestellt, in dieser spätelviszeit, so schoppte sich das bei ihm zusammen, in italien nämlich, da ist er dann 1977 gestorben, man hatte in lignano ein appartement genommen, also starb elvis im august und nicht bereits im juli, wie früher, als man bei mario wohnte, in den ersten beiden ferienwochen, dieweil donna summer in einem fort stöhnte, love to love you baby, i feel love, zwei jahre ging das schon, und immer noch hatte er keine ahnung, was für organismen, was für eine zoologische ausbildung brauchte man, wenn man dafür einmal auch experte werden wollte, im tonstudio oder sonstwo, dorthin war er ja immerhin gelangt, fiel ihm beim aufwachen ein, ob allein wird nicht verraten.

hutgesicht

da war also eine überdreimeterlange würgeschlange ausgekommen, der hase am sonntag war seine letzte bekannte nahrung gewesen, und eine schlange über drei meter mit fünfundzwanzig bis dreißig kilogramm purer muskelmasse, mit nirgendwo einem erkennbaren bauchansatz also, und was wäre das auch eine wamperte undalso unschlanke schlange, die kann schon einen recht einen appetit entwickeln und würde sich auch einen ausgewachsenen erwachsenen zu würgegemüte führen, kleinere beute (schlanke frauen, kinder, kleinkinder) aber ganz sicher nicht verschmähen, und wahrscheinlich würde sie schon jetzt, ja, gerade jetzt, in diesem moment, die sich erstmalig bietende einmalige gelegenheit nutzen, ein frisches hündchen zu umwickeln, ans schlangenherzerl zuzudrücken und einzunehmen, worauf sie für die zeit des verdauungsvorgangs jedenfalls ein bissl wampert daherkommen dürfte, dessine-moi un mouton, jaja, hut ab!

vom besuchsmittagessen (der mästung, wie sein alter vater stets sprach) ins kaffeehaus entkommen, nahm er sich fest vor, heute nichts mehr zu sich zu nehmen, außer den kaffee und die zeitung, in der er davon informiert wurde, dass in der anderen stadt gleichen pantherwappens eine boa constrictor namens amanda, wie es hieß: ausgebüxt sei.
in größeren abständen größere mahlzeiten zu sich nehmen, ob das auf dauer gut gehen könne und was das für verdauungskonsequenzen haben würde? er würde sich das noch einmal überlegen und sein fortkommen (sein fortbestehen durch fortdauernde nahrungszufuhr) wohl besser in kleineren portionen anlegen, jawohl, es wäre auch gut wegen der wampe.

baumgrenzfalle

die obersten, mickrigsten zirben, jene, die, vergeblich, atemlos, wie die beistrichsetzung illustrativ impliziert, die baumgrenze bis in die gipfelregionen auszuweiten trachten, sind sie nun die glorreichen sieger, wo sie doch jeden zusätzlichen höhenmeter mit noch dramatischerem kretinismus bezahlen mussten, oder sind sie nichts anderes als ihrer art und damit sichselbst davongezogene missverständnisse, verschrumpeltes krüppelholz, aber, immerhin, zuoberst, was für ein preis und, in der verwertung, preisverfall, ja, das auch, vor allem?!

Berganabgang

Die Talsohle würde, was beim Abstieg ohnehin klar war, wesentlich früher durch sein; trotzdem war es die Bergsohle, welcher am Vortag die undankbare Talsohlenrolle zugefallen war, die als erstes abging, wie ein Schneebrett ging sie ab und riss mittelbar auch die Bergsohle mit sich, welche keine zwei Stunden später ihren Schuh verließ.

Für den Winter nahm er sich vor, beim Schikauf im Sportgeschäft nach zwei Bergschiern, gleichwertigen Bergschiern, zu verlangen, keinen minderen Talschi würden sie ihm diesmal andrehen können, keinen Talschi, um den sich jedes Bogerl drehen sollte, was ihm zunehmend ein Gräuel geworden war. Die sollten erst gar nicht versuchen, ihn übers Ohr zu hauen, empfahl er ihnen im Stillen und im Voraus.

Noch aber war Sommer, die Talsohlen füllten sich abends mit den Heimgekehrten Bergtouristen, die sich fußwund immerhin aufs mehrgängige Menü freuen durften, und Zwischengrößen gab es Beim Oberthaler, von wo es rechts ins Villgraten ging, es sei denn man käme von den welschen, dann bitte links, auf leisen Sohlen, das sowieso.

pausenspurt

der fernzug, rollende quarantänestation zum höhentraining im vollen. wie es, derart bestärkt, erst auf seehöhe dann würde laufen, na aber hawedieehre und gute nacht ohja!
festhalten am lockerlassen, jawohl, und es rollt doch so schön, bergowi und auch bergauffi!

Mehrleister

Da dürfen Sie sich nicht hersetzen, das ist der Stammtisch! Halbzehn in St. Valentin, Frühstück beim Umsteigen. Der Morgentrinker gegenüber, der es nicht zum Stammtischsitzplatz gebracht hat, macht einen auf Blockwart. Und wirklich, keine fünf Minuten später kommen sie, heiß wirds heut wieder, ein Vierterl Weißn – mir a Bier, und fürn Sepp, der ist noch am Klo, kannst auch gleich eins bringen! Aufgeschlagen die Zeitung, zwei jugendliche Drogentote wieder, Mit die Süchtigen gehört sowieso abgefahrn. Mit einem Hustenanfall eröffnet der Außerstammtischische sein zweites Packerl Tschick aus dem Apothekensackerl, und sonst gehts uns noch gut.

gelandet

ihr erfinder ist in die ewige blackbox eingegangen. ob er verbrannt wird (kleine bb) oder dem regulären zerfall überlassen (große schachtel), kann noch nicht berichtet werden. diesbezüglich wartet die jedenfalls zu informierende öffentlichkeit gespannt auf die auswertung des voicerecorders. mit vorläufigen ergebnissen ist im spätherbst zu rechnen, aber auch dann wird das grab, dieser finale touch-down, ortbar bleiben, lebenslang.

vegan, aber fleischlos

der hangspieler (mögen alle wesen glücklich sein!)am graben: glauben sie ihm keinen ton, erst recht keine geste meditativer inspiration. weil mit dem hang, klangwok, lässt sich, manu delago sei dank, schon auch richtige musik machen.

zeitverschiebung, saisonal

ich träumte von bunten blumen
wilhelm müller

die stadt in zwischenkühler sommerhitze, der täglich prozentuell abnehmende schluss wird verkauft, und in den fenstern der dekorationsgeschäfte wird mit tadellos konservierten gefallenen braunen blättern eifrig werbung für den herbstwinter betrieben, die rollkragenstrickpullover und schibrillen finden reißenden absatz, vereinzelt hat man auch schon leute mit schischuhen die mariahilferstraße hinunterstapfen gesehen und fröhlich vorfrierend freuen wir uns alle schon so auf die ersten maronistandln und das behördlich verfügte allerletzte eis.

speise wagen

zum abnehmen wärmstens empfohlen: eine tagestour mit der sommerubahn, unserer einzigartigen fahrenden geruchsimbissstation: danke, wir haben schon gegessen.

austreten

keiner wusste, warum so unpraktisch, aber so war es nun einmal. als er gastlich empfangen wurde, zeigte man ihm als erstes den weg zur toilette und machte ihn, freundlich aber bestimmt, darauf aufmerksam, dass man ihn nur einmal darin unterweise und jedenfalls allergrößten wert darauf lege, dass er die gemeinsam festgelegten verhaltensregeln (verrichtungsregeln) aufs peinlichste einhalte. und das jedenfalls auch beobachten werde. völlig dranglos also folgte er den jungen freundlichen menschen, die stets lächelten, sich untereinander mit kleinen scherzchen neckten, die eine große persönliche nähe aller zu allen suggerierten, scherzchen allerdings, die ihm infantil und nicht dem durchschnittsalter (die jüngsten waren etwa mitte zwanzig, studienendphase) zu entsprechen schienen, auch war ein gewisses geheimnishaftes verschworensein zu konstatieren. aber dass es sich tatsächlich um eine spirituelle gemeinschaft handelte, die sich der tiefsten themen der existenz in meditation und vortrag annahm (ein permanentes innesein von allem), konnte er nicht wirklich herauslesen aus ihrem umgang miteinander, dem ihn unmittelbar etwas irritierenden standardbegleitverhalten zu allen zwischenmenschlichen kurzkontakten am gang, in der küche, ins innerste (sie nannten es, etwas nüchtern, die zentrale), auf dem weg vom und zum klo (der hauptweg, wie ihm schien), nämlich diesem schallenden lachen, und alle setzten ein ähnliches grinsen auf, das deswegen nicht minder herzlich war, wie zu ihrer eigenen illustration lachte es in einem fort aus ihnen heraus, grinsekatzisch, aber schon sympathisch, sehr, ja.
diese gedanken wanderten durch seinen kopf, sodass er, als sie die straße überquert hatten, mit klammheimlicher bestürzung (ihm standen ihm die worte angst und bang vor dem imaginären auge) feststellen musste, dass er unkonzentriert auf das wesentliche gewesen war, und war dies doch eine übung in ihren meditationen, hatte er einmal gehört, der weg zurück, beruhigte er sich, würde ihn die ersten schritte bis hierher in umgehkehrter richtung lehren, und kamen ihnen ja beständig einander neckende auflachende junge schöne menschen entgegen, die einander tief in die herzen zu blicken schienen (ein großes einverständnis, einssein), der verkehr war beinah so rege wie auf einer ameisenstraße vorm gewitter.
schräg gegenüber also das alte zinshaus, bewohnt von orthodoxen juden: wortlos redende schwarze barthutmantelmänner mit identischem blick gingen aus und ein, dazwischen kleine buben mit kippa, einem war bei seinem bunten fahrrad die kette nicht einfach herausgehüpft, sondern sie hatte sich verheddert wie bei einem seiltrick, der darauf beruht, dass der gegenwärtige zustand nur so herbeigeführt werden hatte können, indem man das seil aufgeschnitten, überkreuzt eingefädelt und dann wieder zusammengebunden hätte, aber da ist kein knoten – zauberei! er beugte sich also hinunter zu dem buben und wollte ihm helfen, redete ihn an (ja, er konnte auch wienerisch), hedderte herum und gab nach gut zehn minuten mit ehrlichem bedauern auf, aber der bub und auch sein onkel (der wortlos aber redend; es waren alles onkel) dankten ihm recht freundlich, und er wischte mit seinen kettenschmierigen schwarzen finger über den asphalt, um zumindest den gröbsten schmutz abzubekommen, umso mehr, als es zu den sanitären räumen gehen sollte, und seine kloreiseeinweiser (waren es inzwischen mehr geworden?) warteten schallend lachend aber doch ein wenig ungeduldig (was für eine nützliche übung er bzw. der bub mit der kippa und der verhedderten kette ihnen aufgegeben hatte; es ist nämlich alles, immer, übung – vor einem ernstfall, der das leben wäre, schien man hier in dieser zentralen modellsituation gut bewahrt, und die jüdischen mitbewohner waren teil einer bemerkenswerten symbiose, dämmerte es ihm, interessant irgendwie das).
jetzt also der schlüssel, zuerst zur vordersten haustüre, links oben auf dem gläsernen vordach, er war mit seinen einsneunzig gerade groß genug; man brauchte ihn aber kaum, weil der verkehr so rege war, dass man sich die klinke in die hand gab (die kleineren mussten halt, wenn, was unwahrscheinlich war, weniger los war, warten, sodass man einander lachend helfen konnte, stellte er sich vor). drinnen dann, der schlüssel zum hinterhaus, genau die gleiche situation. warum hatte man eigentlich hier nicht auch so praktische zahlenkombinationssesamöffnedichs angebracht, wie man sie beim eingang zur zentrale selbst verwendete? seltsam.
lachbegleitet ging die tür auf und nach der treppe in den halbstock kam die letzte tür, diesmal mit zahlenkombination, geht ja doch. natürlich verriet man sie ihm nicht, aber es waren ja genügend menschen unterwegs, beständig, so viele, als wären sie von jemand auf ein förderband gestellt worden, wie in der oper, wenn der chor heeresmassen darzustellen hat und, aus der szene, schnellschnell hintenrum, wieder daherkommt, ein lachend seltsam drangloses riesenheer fürwahr.
jetzt, die eigentliche verrichtung – mittlerweile musste er zumindest wasser lassen: man lachbat ihn, in einen etwas überhüfthohen hölzernen bottich zu steigen, der ihn an die japanische badekultur erinnerte; und durfte man dort aber nie nie nie, unter keinen umständen hineinpissen, das wasser in ihnen wurde von der ganzen familie verwendet. hinhockerln. den hahn rechtsoberhalb der schulter aufdrehen (gut temperiert war das wasser, allerhand!). wenn die knöchel mit wasser bedeckt sind, es rinnen lassen, jaja, durch das gewand, gehtschon! warten, bis das wasser bis zu den schultern angestiegen ist und knapp unterm kinn den hahn zudrehen, langsam bis acht zählen, sieben, acht. jetzt mit der linken hand den stöpsel ziehen, genau, zwischen den füßen. warten wieder, die anderen ringsum lachgrüßen, paar belanglose floskeln auslachen (haha – du auch da? – haha – jaja – haha). wenn die schuhe vom abfließenden pissmischwasser wieder freigegeben werden, langsam aufstehen. exakt drei sekunden verharren, ein kräftiges ha! lachen und über den bottichrand steigen. fertig, so einfach geht das bei uns, haha!
merkwürdig, er war tatsächlich völlig trocken. und geruchsneutral, wie alles hier. den weg zurück registrierte er über dieser verblüffung nicht, aber er war es zufrieden. und das scheißen würden sie ihn auch noch lehren.

in diesem braus

die wetterlage ist allgemein sehr labil
(…)
es kann eng werden
(…)
die luft ist allerdings energiegeladen und hochexplosiv

präzise wetterwarnsprüche, zamg (jederzeit topaktuell)

dann kam es, das wetter, und es blieb über nacht und noch einen ganzen tag und ging dann wieder. was würde man sich baldschon hierorts wieder nach einem echten wetter (echtes wetter, richtige männer, pitralon) sehnen, in jenen charakterlos kaltgrauen herbstundwintertagen am grunde jenes kaltluftsees, wo der wettermann, wenn er wettermanns genug wäre, schulterzuckend und ehrlich (gerne mit dem beliebt treuherzigen blick über seinen schnauzbart) die ernüchternd einzig wahre prognose verkünden würde (es wäre keine prognose, mehr eine dieser lähmungszeit entsprechende zustandsbeschreibung), dass das wetter, wie schon in den vorangegangen tagen abermals leider ausfalle, morgen entfällt das wetter, womit er zu erfreulicherem mit ähnlichem neuigkeitswert wechseln würde, in china ist ein fahrrad auf einen reissack gefallen, wir halten sie auf dem laufenden, bleiben sie dran!
sommer. oja. aber das wetter war anderswo geblieben. villach, vielleicht villach.

sonnentor

follen
follen
hünuntergefollen
auf dön töppüch

ernst jandl, die tassen

wo ist der campari?
legendäre frage, werbefrühzeit

die sonne geht auf und zu
ernst jandl

ein junger, zu allen hoffnungen anlass gebender kärntner künstler (verlinkschutz), dessen zentrale botschaften in melodien, die zu herzen gehen eingebettet sind, lädt zu einem etwas spät anmutenden wo-ist-die-sonne-wandertag, ohne fragezeichen, weil irgendwo muss sie ja sein die sonne und ist doch so lang schon hünuntergefollen vom kärntner himmel und hat sich nimmer blicken lassen, nicht einmal bei der starnacht am wörthersee, und was ist denn die sonne alswie ein stern, der stern, gefallen wie lucifer, lichtträger in seinem verfallenen zauberreich, und keine blumenmädchen nirgends, nicht einmal buberl, die melodien aber klingen ans ohr, da geht die sonne auf!
(dass mir aber keiner einen schwan erlege, auch du nicht, du junger sänger!)

pura nuditas

Wieder so ein merkwürdiger Nackttraum, in dem er völlig nackt im öffentlichen Raum (eine Galerie, ein freier Innenstadtplatz, am Schluss eine Kirche zum Ende eines Gottesdienstes; man hatte auf ihn gewartet, um die letzten beiden Segensworte sagen zu können) herumlief, und keiner bemerkte es, d. h. man dürfte es schon bemerkt haben, aber es nahm niemand davon Notiz, nicht einmal er selbst, und erst als er seiner Nacktheit gewahrte, dürfte er Aufsehen erregt haben, was er nicht mehr mitbekommen konnte, der Krampf im rechten Wadl, hupfauf, völlig nackert, aber das war ja normal, in seiner puren Privatheit erregte das niemanden und wozu auch, in diesem Sommersommer, in dieser Braus’.

donnertag, pressluftverstärkt

da gab es ja die geschichte von dem, der sich wundert, dass es überall wo er hinkommt in einem fort regnet und regnet und regnet, schlicht aufgrund dessen, dass er, ohne die leiseste ahnung zu haben, der regengott in person war. dieser feinen paraboloiden anekdote kundig, begann er zu argwöhnen, ob er nicht möglicherweise st. hilti, der presslufthammerundmeißelgott sei. jedenfalls, so konnte er bei einem ausfluchtausflug aus dem verwunschenen und von seinem sonnengott (und etlichen weiteren göttern, nicht aber von st. h.) verlassenen südlichen freistaatenaspiranten feststellen, schien dieser götterfluch nur in dieser sonnenbeschienenen südprovinz zu gelten, was aber auch des lärms genug war, und etlicher durchfallgenerierender vibraà§iones zudem.
schluss damit.

suppenhaarefroh

ohomaharihiahahilf
beliebte beistandsanrufung

was für ein glückliches leben dürfen doch jene führen, deren nationale, ethnische, religiöse (am besten: alle zusammen) anstandsgefühle fragil undalso zutiefst (zuallerhöchst) verletzlich sind. und reschpeckcht: zum erreichen derartiger sensibilitäten bedarf es einer langwierigen, fundamentalen aus- und vor allem: einbildung (eine steinbildung): was bin ich stolz, derart stolz sein zu können, dass ich aufs leichteste empfindlich in meinem stolz gekränkt werden kann. dann aber habe die ehre!
wenns aber keine kunst gäbe, man müsste ein eigenes kränkungsministerium erfinden, zumindest jedoch ein amt für beleidungsangelegenheiten und satisfaktion. und martin humer, unser geliebter führender pornochroniker sei ehrenentrüsteter auf lebenszeit.

fernsichtig, gesichert

ihr punkte schwarz, auf gelbem grund,
euch weiß ich sehr zu schätzen:
bin ich auch stark und kerngesund,
kann trotzdem ich mich setzen

peter hammerschlag, krüppellied

bundesheer warnt wanderer vor blindgängern
orfon

ob man diejenigen, vor denen unsere präsenztruppe die (uns) wanderer so eindringlich zu warnen weiß, an ihrer schleife am oberarm erkennen kann, und wie sie dann, ganz oben am höchsten punkt, die aussicht genießen: das sind sehr schöne vorstellungen zur so hart-, gleichwie wohlverdienten urlaubs- und erholungssaison.
fürchten müssen wollen wir uns aber nicht. (schützen uns ja unsere gebirgsschützen, zum krüppel, wenn es sein muss.)

ankunft, voll der kraft

kurz bevor der zug einfuhr, kontrollierte er mit seinem praktischen (smarten) funknabel aus der linken hand heraus noch rasch die ihm zugedachten in jedem fall dringlichen nachrichten. eine von seinem diener als englischer dosenschinken markierte hatte es trotzdem geschafft zu ihm durchzudringen. ihr inhalt war eine nur wenig verklausulierte werbung für ein sprichwörtliches arzneimittel zur männlichen kraftsteigerung, deren er für den augenblick jedoch nicht wirklich bedurfte. als er die unverlangte werbebotschaft löschen wollte, erreichte der zug seinen platz unmittelbar parallel zum bahnsteig, er musste also dringend aussteigen.
sowie weiteres, worüber hier nicht näher berichtet werden kann noch muss.

gehen

es muss noch graduierungen geben zwischen aktiv und passiv, nach außen (hyperaktiv, hypopassiv), nach innen (passives aktiv, aktives passiv), dazwischen den neutralen nullzustand.
zum abschied holten sie all den nichtgeschlafenen schlaf nach. nachgerade hyperaktiv passiv lagen sie da, obwohl (oder weil) es das gar nicht geben konnte. merkwürdig, aber schon gut so. irgendwie positiv neutral.
gehen. gehen können. weiter. heiter, jaja.

nachthelle

die nacht ist heiter und ist rein
johann gabriel seidl (vertont von franz schubert)

während des in allen details nicht annähernd ausagierten aktes liefen mehrere kinofilme (allesamt klassiker), zwei symphonien, drei opern, ein bühnenweihfestspiel, und zugleich verfertigten sich zumindest drei romane, ganz zu schweigen von einer umfassenden aphorismussammlung, ganz von selbst, ein borgesscher unendlicher augenblick also, geheimes wunder.
voller heiterkeit standen sie auf.

Metamacht

Und Liebe, wenn es sowas gab (es gab sie), war eine deduktive Größe, jedes Ichliebedich, sei es ein aktives, sei es ein passives, sowieso von vorne herein suspekt. Und sie war da im Lauschen im Schweigen, im Schweigenlauschen, die Augen zu aber nicht blicklos, heiter in jedem Fall, auch im Ernstfall.
Ganz sicher nicht war sie argumentierbar, rhetorisch erzeug- oder verjagbar. Und der Macht (des Zulassens, des Abweisens) völlig fremd.

mitteilsam

leiche zerstückelt: täter legt teilgeständnis ab
orfon

was aber hat der unschuldsvermutlich täter genannte tatsächlich gestanden? er hat sie doch lediglich geteilt. – wir wollen unverzüglich wissen, mit wem er sie geteilt hat. man möge ihn schleunigst dahzu bringen, uns das auch noch mitzuteilen.
den mörder aber (der, welcher die leiche zur leiche gemacht hat), den werden sie auch noch finden, da kann er jetztschon gift drauf nehmen.
es ist doch, wie bei allem, wie beim fußball: am schluss bleibt immer einer übrig. der andere, und darin unterscheidet sich der fußball nur manchmal, darf um platz drei spielen, hat die chance, als verlierer neu zu gewinnen.
(manchmal teilen sie sich die punkte, nicht aber in der finalphase.)

public viewing

eine merkwürdige häufing trauriger anlässe musste die aus den staaten herüberkommene gastakademikerin konstatieren, als in jenen tagen immer wieder menschen, die garnicht so traurig schienen oder gar so gekleidet waren, sich zu gewissen nachmittäglichen zeiten oder abends empfahlen, mit dem entschuldigenden hinweis, dass sie nun zu einem public viewing müssten. mit ernster miene verabschiedete sie sich dann von ihnen und wunderte sich weiter zusehends, wieviele menschen das tagtäglich waren in diesem frühhochsommer, so ein pietätvolles land dieses deutschland, wenn offenbar selbst weitschichtig verwandte oder fernbefreundete, großstadtmenschen noch dazu, zu öffentlichen aufbahrungen gingen! dabei hatte sie stets gemeint, dass eine derartig unverhohlene nekrophilie nur in ihrer geburtsstadt (wien, was sonst?) ausgelebt würde, nicht aber im lebensfroh-schicken münchen.
obwohl, katholisch war man hier auch. und geteilt wurde hier, das brot (sein leib), die freude, das leid. jedenfalls öffentlich beschaut.

falschnummer

was für eine entsetzliche verhörsituation, in die er da geraten war. draußen war es schon hell aber merkwürdig vogelstill in diesem hohen talkessel, und sein traumzimmer war südöstlich gerichtet, hochsommer in jeder hinsicht, mit der hier gebietstypischen frische.
aber was für ein verhör? warum wollte da jemand beharrlich wiederholt fragend (bohrend, stetig wiederholend, sicher tausende male fragend, immer die gleiche frage) seine kontonummer wissen, und die frage wurde gestellt, als wäre ein mord geschehen und sie hätte natürlich gelautet: wo waren sie gestern abend zwischen einundzwanzig und dreiundzwanzig uhr?, und er hätte reinsten gewissens den in dieser causa harmlosen ort genannt, was auch überprüft hätte werden können (womit es sich gehabt hätte), aber in wirklichkeit wäre er gar nicht an diesem alibiort gewesen, wie sich herausstellen musste, was er allerdings selbst nicht geahnt hätte, jetzt aber wie da herauskommen?, wer war er oder war er ein anderer? – zum glück aber war das geträumte verhör ein harmloseres, wobei, nach der beharrlichkeit der immergleichen bohrfrage wie lautet ihre kontonummer? bzw., kurz: ihre kontonummer? dieser unbekannten autorität zu urteilen, war sie offenbar von weltbewegender (oder weltanhaltender?) wichtigkeit, er aber wiederholte stetig und immerdar ebenso unschuldigsten herzens laut die ziffern vier-eins-zwo-drei-null-eins-nullnull (das letzte nullnull immer im beschleunigten zeitmaß), was dem verhörpersonal wenig bis keinen eindruck machte, den nachdruck aber erhöhte. von zeit zu zeit kam jemand herein und flüsterte dem leitenden verhörer etwas ins ohr, dann ging wieder jemand hinaus, schlug die tür zu, was aber keinen türknall erzeugte. einmal musste sogar die glühbirne in der verhörschreibtischlampe gewechselt werden, es war aber keine glühbirne mehr da, also musste eine energiesparlampe mit ihrem kelvinkalten licht eingeschraubt werden, was das ganze – trotz der kurzen erholung – noch schlimmer machte, matter aber greller, ging es ihm durch den kopf, während er mantragleich sein vier-eins-zwo-drei-null-eins-nullnull (das letzte nullnull immer im beschleunigten zeitmaß) herunterbetete, und im aufwachen erst schoss ihm sein fehler augenaufschlagsaugenblicklich ein: vier-eins-zwo-drei-null-eins-nullnull war ja gar nicht seine kontonummer!, nein, die umsatzsteueridentifikationsnummer seines einpersonenunternehmens war es, und sofort wollte er zurück, den irrtum aufklären und alles hätte sich in wohlgefallen aufgelöst, seine peiniger wären mit einemmal immer schon die freundlichsten menschen gewesen, sodass keinem noch so hartgesottenen menschenrechtsbeobachter auch nur der hauch eines zweifels an ihrer beinah schon plüschtierhaften harmlosigkeit gekommen wäre, peinlich händeringend lächelnd hätte er dagestanden und alles gestanden, er hätte seine kontokarte gezückt und die korrekte nummer abgelesen, aber sprich nur ein wort – sonst bin ich gesund!, jetzt aber gab es kein zurück mehr, es war zu spät, zwei vor acht, was, wie er erbebend feststellen musste, exakt der finalen quersumme gepaart mit der anzahl der ziffern seiner so unseligen uid-nummer entsprach.
sechster juli. wie weiter altern?

auftaucher

viel gab es zu spüren da in jenem herausgehobenen land mitten in der welt, wasser und salz in adern unter betten, verschwundene ehefrauen (die gatten verschwanden fast nie oder mussten nicht gesucht werden, weil ihre gattinnen wussten, wo – bei welchem wirtn, in welchen armen – sie zu finden waren, und unterließen es meist, sie zurück zu wollen, vermutlich war das besitzdenken der frauen ihre männer betreffend in diesem auspendelbezirk schwächer ausgeprägt als umgekehrt), auch eine (echte) grüne mamba hatte man schon aufgespürt, so eine anstrengende arbeit für den aufspürer, und das trittbrettgewerbe reagierte schnell hier, grüne plastikschlangen gingen weg wie die warmen semmeln, sodass bis vor kurzem noch der reißende absatz frischen gebäcks mit dem vergleich die semmeln gehen heute aber weg alswie die grünen plastikmambas gebräuchlich gewesen war, man legte sie seinen gattinnen oder freundinnen ins bett oder ins handschuhfach zu den augengläsern (brillenschlange), im kurbezirk, in dem das gifttier vermutet worden war, war in ebenso deftig-inneralpinem humor kurzerhand das bad in schwiegermuttertherme umbenannt worden, eine pension zur schwiegermutter gab es auch gleich, in diesem kessel also war immer was los, selbstbewusst bis zu sturheit, aber originell waren gewisse leute hier und jedenfalls sehr eigenständig.
der aufspürer hat sie noch alle gefunden, fast.
ihm gefiel das.

falschmeldung

frau wurde falsches bein amputiert
orfon (quelle: kleine zeitung)

einer frau wurde ein falsches bein amputiert. das ist sehr tragisch und macht betroffen. was aber zuvörderst (wie man in der in kritischer analyse federführenden schweiz zu sagen pflegt) untersuchen sollte ist, wie denn die dame so lange mit einem falschen bein gelebt haben kann, ohne dass sie oder wer anderer (ein orthopäde, rechtsfüßer – nein, das wäre ein orthopode) es bemerkt hat, ein falsches bein, pappmachà©attrappe möglicherweise, und so gesehen wäre es schon gut, dass man sie von einer solchen vortäuschextremität befreit hätte und ihr das richtige aber drangelassen hätte (und hat!), jawohl, und derart lässt sich das entsetzen, das das des medialen vojeurs sein muss (und darf!,) dieser wohlige schauer beim eintreffen der unglücksmeldung in curiose bahnen ablenken, absurdisieren, skurrilisieren, genau, während anderswo menschen ihre (echten?) hände überm kopf zusammenschlagen müssen können, in falschem mitgefühl belustigt.
auch dieses gehörte, kugelflächendeckend, dringendst amputiert.

spiegel (außen – innen)

natürlich, ihm war der begriff des inwendig getragenen gamsbarts, welcher den wahren (oder echten – aber was wäre das, wahrheit?) österreicher auszeichne (herzmanovsky-orlando), geläufig, und er fiel ihm in jener gemsengegend im herzinnersten des binnenlandes wie von selbst ein, just bei der julirasur, und mantragleich beschwor er sich, seine eben sich erschabende glätte aufs gründlichste zu bereiten, sodass seine freiwillige und dennoch den gesetzen der lebenszeitschwerkraft einer von selbst nachundnach eingestellt sich habenden äußeren kähle folgenmüssende (wollte er kein unfreiwilliges priorinvondoktordralletestimonial werden – etliche davon liefen herum), wollte er also, dass seine glatze nicht nur eine oberflächliche (das kann ein jeder fußballer, so er keine bundesligafrisur hat), sondern eine mit, ja, eine mit tiefenwirkung sei, äußeres strahlen bei innerer dunkelheit oder so oder umgekehrt, und man solle nicht alle vergleiche und metaphern durcheinander wirbeln, da käme nämlich ein arges tohuwabohu heraus, was ja auch was wäre, aber sie, geneigter leserin, sie wissen schon, was ich meine, und darum gehts doch, zumindest hier, verstanden, tohuwabohu, ein anfang also wäre gesetzt.

trophäe, endogen

lutsch- bzw., in deutschland: knuutschflecken in jungen (sehr jungen) jahren dürfen als taugliche tragbare trophäe betrachtet werden, und wie gerne hätte man selber welche gehabt, am hals, wo es unverdächtig war, sie selber hergestellt zu haben – den unterarm konnte sich ein jeder in der geographie- oder biologiestunde leicht selber saugpräparieren. in späteren, weniger peinlichen jahren, wäre es wiederum peinlich gewesen, diese male an unverdeckten stellen zur schau zu stellen, stolzgeschwellt gar.
für den reiferen herrn, der ans gurren einer spätsommerlich-frühherbstlichen liebesnacht erinnert sein will, empfiehlt sich der schmatztinnitus als (lebens-)zeitgemäßer akustischer knuutsch- bzw., in österreich: lutschfleck, die dezente akustische markierung, einzig endogen tragbar. und die tauben gurren geil, bis du eingehst ins akustische nirvana und nichts mehr weht, grru grru.

Nihil nisi bonum

Er war eine Persönlichkeit mit ausgeprägtem Interesse für Kunst
UHBP Heinz Fischer zum für undenkbar gehaltenen Tode Hans Dichands

Nun, das traf sich ja gut. Der gleiche Satz ließe sich auch über den ihm auf dem Fuß gefolgten Augenarzt sagen (welcher mit einer durchaus selektiven Wahrnehmung die Rechtmäßigkeit des Erwerbs der von ihm gesammelten Werke betreffend ausgestattet war). Wir bleiben dabei: Hinschaun erlaubt. Wegschaun aber, das wolln wir schon gefördert wissen, jetzt und immerdar. Wir wolln ja über den engen Zaun unsrer hierörtlichen Existenz hinaus in die Welt blicken, dazu müssen wir doch wegschaun können dürfen!

(Welche Macht der Herr Augenarzt Leopold auf seinen Hund ausgeübt haben mag, man wird es zu recherchieren haben; oder war er etwa gar ein Katzennarr?)

wir bedauern

alles haben sie mittlerweile voll modernisiert bei dem weltbewegenden (bewegte sie sich ohne nicht? oder irgendwie unrunder?) gruppenspiel mit den drei unparteiischen tatsachenerzeugern: elektronische werbetafeln an der bande mit ihren sich stets der jeweiligen lebens- und spiellage anpassenden botschaften), eingekleidete analysatoren, stimmung erzeugende logojingles, die einen ebenso stets ans ebenmiterleben eines historischen moments oder zumindest ablaufes, vorganges gemahnen, und die schiedsrichter, was werden sie gescholten, die doch nur ihre den aktuellen regeln entsprechende pflichtverrichter sind (gerade österreichs abermaligne zaungastexistenz müsste eigentlich umfassendstes verständnis haben fürs pflichtverrichten, gesetz ist nun einmal gesetz, in seiner jeweils gültigen form, versteht sich, rehaugen hinoderher, und auch waldheims pferd hat ja nur seine pflicht verrichtet damals, braune knödl xlarge), dazu aber scheinen der schiedsrichter mit seinen assistenten im nebenberuf callcentermitarbeiter zu sein, da ist man schon recht effektiv, durchunnddurch.
zum videobeweis (umfassend zu verstehen!) allerdings getraue ich mir keine meinung zu haben, da kann man schon so viel mani- und pedipulieren.
und, damit das auch klar ist: als guter österreicher habe ich mir angewöhnt, zu den siegern zu helfen und die unterlegenen aber sportlich fair und zutiefst aufrichtig zu bedauern.

forever younger

caritas: obdachlose werden immer jünger
orfon, 22.6.2010

merkwürdig, da haben sie uns erst unlängst die jubelmeldung hinterbracht, dass es bei mäusen (ganzsicher baldauch bei uns posthominiden) schon funktioniere, irgendein (vermutlich das) wundermedikament gegen das altern, dabei ist es so einfach: raus aus dem haus, und du wirst nicht nur nicht älter (älter würde man bekanntlich auch nicht, stürbe man alser jüngerer), sondern es juvenilisiert dich regelrecht. rechtzeitig vor dem rückeintritt in den kindergarten (oder weiterer peinlichkeiten wegen: die zweite volksschulklasse – das erstkommunionsjahr!) wäre halt wieder eine taugliche behausung aufzutreiben (indianerzelt?), und das leben drehte sich fröhlich weiter, pendelte beständig dahin, wie sonst nur am senioreneffkakastrand gewisse im alter besonderen schwerkräften unterworfene primäre und sekundäre geschlechtsmerkmale, welche ja in jüngeren jahren zur gattungsrelevanten (nicht individuellen) verjüngung locken alswie lechzen.
in der folge könnte man die friedhöfe abschaffen und den derart neu gewonnenen lebensraum für, sagen wir: zeltlager verwenden. (das ist aber jetzt nur ein erster, nicht völlig ausgereifter vorschlag.)

kommsommer (oder herbst)

die wettervorhersage für die kommenden tage ist wenig vielversprechend
kurier, 19.6.2010

ein trost, mitten im klirrkaltfeuchten sommer, das interview mit dem gewerkschaftsboss: er verspricht uns, immerhin, einen heißen herbst.
ja, gut, es hat schon originellere metaphern gegeben, aber was will man, sprachbescheiden geworden, von einem gewerkschaftschef oder seinem ihm zu schlagzeilenschlagkraft verhelfen sollenden orfonpraktikanten mehr verlangen? erinnern wir uns seines penthäuslichen vorgängers, der einmal seine antwort auf eine frage mit dem bekannten zitat der weg ist das ziel eröffnete, um noch lautet eine französische autowerbung hinzuzufügen.
so gesehen sind wir mit dem hehe (heißem h.) noch gut weggekommen, und wir freuen uns alle schon so, nicht wahr? (gert jonke)

nullnull, torreich

öffentlich-rechtliches fußballschaun (aufgrund der eher wenigen – regenschauer draußen – zuschauer drinnen ließe sich von einem astreinen public fewing sprechen) beim – ut sit nomen omen! – torwirt: nach dem spiel (das nächste lähmend torlose unentschieden, ein weiterer spieltorso) würden noch einmal, so kündet der töricht eingekleidete moderator mit seinem noch eingekleideteren gastanalysator an, die alles entscheidenden szenen gezeigt und einer ausgiebigen analyse unterzogen.
die spannung im saal ist zum zerreißen gespannt. tore indes gibt es, außer denen vom nachbarspiel, keine, was keinem torwirttoren nicht einmal nicht wurscht ist, murauer – und murelli – sei dank.

rezent

der duft der sensation wird immer intensiver.
fußballkommentar (esp:sui), orf

am schluss (0:1), das ist bekannt, chääselte es gewaltig (um nach der überschrift ein weiteres schweizadäquates gleichnisvokabel zu verwenden) im südafrikanischen winter, was den spaniern einigermaßen sauer aufstieß und, ja: stank.
(dieser – nach dem impulsgebenden zitat zugegeben reichlich unoriginelle – gebrauchstext verdankt sich einzigundallein dem witterung aufnehmen nach der unvermittelt ins hirn des schreibers gelangten angewandten metaphorischen brillanz des geschätzen kommentators vom österreichschen rundfunk und fernsehen orf, danke, wir bleiben dran.)

tolle leistung

abscheulicher! wo eilst du hin?
leonore in fidelio (sonnleithner/von breuning/treitschke zu beethoven)

bist du toll?
veraltet für: [siehe toll, bedeutung (1)]

da gibt es also einen junggeiger, der soll der allerflinkeste von der ganzen welt sein und sich durch den gleichnamigen flug in 65,26 sekunden durchhummeln, dreizehn noten pro sekunde, allerhand und herzliche (man könnte fast schon sagen kilohertzliche) gratulationen zum guinness, das er sich nach seinem rekord genehmigen hat dürfen.
ab sofort will ich der langsamste posaunenspieler überhaupt aller multiversen sein. wer meldet mich an zur beweisführung, und wo ist das atemlos gespannt dem rekordversuch folgende publikum? (campieren wird empfohlen, es kann nämlich dauern: zum einstieg ins weltrekordmetier will ich mit einem ton – noten mögen andere spielen, man hat noch nie auch nur eine gehört – pro woche anfangen. später dann werde ich mich, langsam, steigern.)

im fluss

mein körper ist eine posaune geworden
performance, vinko globokar

in letzter zeit knurrte sein magen morgens wie der designte logoklang beim abmelden vom internetfernkommunikationsprogramm skype. was das wieder bedeuten mochte? eine zeitgemäße adaption der theorie vom atomfluss bei flann o’briens der dritte polizist, nach der der radfahrer und das sehr häufig von ihm bestiegene fahrrad mehr und mehr zu verschmierten existenzen wurden, beinah halb mensch und halb rad? nun also der elektronenfluss, die durch den magen gehende digitalisierung, er als cy- bzw. skypeborg.
schnellschnell wieder die posaune beatmen, denn dieser atomfluss war ihm ein angestrebter und lebte er schließlich davon.

engelsgelsengels?

natürlich würden die dauerhyperventilierenden krawallzeitungen seines landes spätestens nach der nächsten regenfront von den insektengeschwadern, die über sein (nur über sein) land herfielen, schlagzeilen. ihn kratzte das nicht wirklich, d.h. kratzen, das war schon ein wesentliches thema, jeden sommer, und wenn man sich am abend in einen gastgarten niederließ (der garten, ein neutestamentliches symbol! – schoss es ihm in – oder sagt man: durch? – den kopf), kamen sie, die gelsenweibchen, und die fesseln sowie vorne der übergang vom unterschenkel zum fuß (wie nannte man den korrekt?) waren beliebte lande- und ruhige stechsaugplätze: während oben der sommergspritzte (udo jürgens sang einst vom blut der erde) hineinfloss und die kehle hinunterrann, sogen sie sich blutvoll. so hatte jeder seine mahlzeit, das ist mein leib, das ist mein blut. später dann – oben zunehmend anregende gespräche, unten zunehmendes jucken – das gedankenlose kratzen an den tatzen, später auch oben an den handgelenken (ein paar ganz verwegene, meist kamikazeinsekten, hatten es geschafft, ihn auch dort anzuzapfen).
so bekam er binnen kürzester zeit vier gut sichtbare krusten, vor allem die an den füßen sahen sehr dekorativ aus, und auch das anbringen einer seitenwunde würde kein allzugroßes problem darstellen: bald würde er vor eine einschlägige kirchliche kommission gezerrt, die seine heilandsähnlichkeit zweifellos bescheinigen würde müssen, du großer schmerzensmann.
jetzt, was machen damit.
es gäbe aber auch gels.

sieoderer

in eigener sache. (ist ihnen sicher schon aufgefallen.)

seit einiger zeit gendere ich in meinen texten kreuzundquer herum, nach völlig willkürlichem belieben, so mag es scheinen. es dient der – auch meiner eigenen – kreativen verwirrung, ist versuch, mir die andere seite der platonischen halbkugel inwendiger vorzustellen. natürlich ist das alles ausnahmslos fiktiv und mutmaßlich, wie alles, was sie hier zu lesen finden, wiewohl alles zweifellos völlig zutreffend ist, oder, wie ich es früher hier genannt habe: wirklich wahr. und wirklich wahr ist ja alles was so wirkt, also erscheint oder was eben wirkliche auswirkungen (auswirkungen wirklicher art) hat.
es ist ein spiel, und was für eines. und es geht ums überleben. wortwörtlich.

(geschrieben im venusberg, während des ersten aufzugs der tannhäuserpremià¨re am 16. juni 2010.)

XOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOX

und, nochwas (ist ihnen sicher schon aufgefallen):
wir haben das layout erneuert, den textblock ins zentrum gestellt und die seitenleisten moderat und gemäß den erfahrungen aus mehr als fünf jahren täglicher bemütterung angepasst. danke, christof und tobias zachl und überhaupt allen besten freundinnen von atteneder.at!

solar

die planeten bewegen sich auf elliptischen bahnen, in deren einem brennpunkt die sonne steht.
1. keplersches gesetz

scheen is so ein ringlsgspüü
des is a hetz und kost‘ ned vüü
peter herz (musik: hermann leopoldi)

sie war single, er lp (oder umgekehrt), zusammen ergab das eine schellack, und alles drehte sich um sie herum. natürlich nur scheinbar, denn die auf dem karussell, drehe es sich nun mit 33, 45 oder 78 umdrehungen pro minute, rotieren, während rundum die welt stehenbleibt oder, in manchen fällen, zeit und welt zu existieren aufhören, und du selber bist aber mittendrin. und die großartigsten gaben der natur gab es seit ehundje gratis, und sie waren alles andere als umsonst, nein, viel mehr als das.

… soviel zum sommeranfang, astronomisch wendekreiswendend, also kreisend, denn kreise sind ja strenggenommen nur ein möglicher sonderfall der keplerschen ellipsen: zwei brennpunkte identer position (x/y/z).

volkssport, doppelt republikanisch

i’m lovin‘ it
internationaler werbespruch

der nordkoreanische ball flog verdächtig oft verdächtig direkt auf das logo des klassenfeinds zu.
die brasilianer wiederum spielten cremig wie das gleichfarbige mangoeis am (warum eigentlich?) nicht gleichfärbig beflaggten schwedenplatz, katzenartig geschmeidige bewegung als wärs ein eisaufnehmender osmotischer vorverdauvorgang.

fußball, tektonisch

die elfenbeinküste zieht sich überhaupt ganz zurück.
sportkommentar, orf

… ob man das schon eine kontinentalverschiebung nennen könnte? dass man sich schlussendlich neutral trennte, deutet jedenfalls darauf hin, dass die drift für diesmal hintangehalten werden konnte.

alles, annähernd

er wäre bereit, alles für sie zu tun, damit sie endlich vom süßen lager aufstehen könne, ins bad, sich entzrupfen, um später in gewohnt tadelloser manier ihren bedeutsamen tagesverpflichtungen nachzugehen. alles, und als sie gefährlich (sphingenhaft, wie ihm scheinen mochte) zu lächeln anfing, beeilte er sich hinzuzufügen, außer sachen aus dem märchenbuch. wodurch er sein kopfundkragen gerade noch einmal gerettet hatte.
sie ging ihm so nah, dachte es wieder in ihm beim zweiten in den tag dämmern.
sechs vorbei, auf, wo war er?

(rückgängig unmöglich)

als er zur kreuzung kam und im gehen seinen laptop aufklappte, bemerkte er, dass er das eben rechts den berg heraufkommende auto als video auf seinem schirm hatte und dass das schnittprogramm aktiviert war. aus purer neugierde drückte er auf den cursorpfeil nach oben, da verlangsamte sich plötzlich die bewegung des wagens, noch einmal, und er fuhr in zeitlupe, beim nächsten drücken entsprach das ruckelige zeitintervall einem wimpernschlag. ein tastendruck noch, und er hielt an, ein weiterer, und er fuhr filmfolgerichtig retour. er ließ ihn nun mehrere male so hin und her fahren, bis er ihn, am scheitelpunkt seines linksabbiegehalbkreises, völlig anhielt, um ihn sogleich und abrupt voll zu beschleunigen, was, zuviel der augenblicklichen zentrifugalkraft, den wagen aus seiner bahn schleuderte, sodass er seitfrontal in das in der gegenrichtung straßenverkehrsordnungskonform auf grün wartende fahrzeug krachen musste, berstgeräusche, zersplitterndes sicherheitsglas, pfeifende airbags, ein hupdauerton. da half kein schneideprogramm, den derart provozierten unfall ungeschehen zu machen. verstohlen blickte er um sich, ob niemand seine zeugen-, ja: urheberschaft bemerkt habe und verdrückte sich schleunigstmöglich mit seiner bettdecke, die er wer weiß warum (was hatte er mit linus aus den peanuts gemein?) dabei hatte, in eines der häuser am rand der straße, aus der der von ihm übernommene wagen heraufgekommen war. als die dreierlei einsatzfahrzeugsgeschwader von ihren entgegengesetzten einsatzzentralen zum unfallort folgetönten und den stadtteil in ein epizentrum verwandelten, schlief er längst wieder, fest und tief und irgendwie sündlos zufrieden.

vorausahnungsrekonstruktionen

wie es wohl sein könne, dass bisher niemandem diese idee gekommen sei? – vermutlich habe sie darauf gewartet, von ihr ersonnen zu werden. da sie nun aber einmal durch sie ans licht dieses morgens gebracht worden war, sei ihr erfolgreicher zug um den erdball nimmer aufhaltbar, pandämiegleich, zweifellos.
um was für eine idee es sich gehandelt hatte, war leider bei aller trauminvestigativen recherche nicht mehr zu rekonstruieren. später aber dann, in der welt, würde man die große idee anhand von indizien zurückrechnen können, vergleichbar unseren ahnenspuren vermittelst der berühmten, ausschließlich über die mütter vererbten mitochondrialen dna.

namentlich

als ihm auffiel, dass sein gesprächspartner bereits zum viertenmal auf den gleichen sachverhalt hinwies (und seine müde erkenntnis als jedesmal noch neuer und plötzlicher pries), kam ihm in den sinn, dass sein gegenüber – offenbar durch langjährige gewöhnung nach außen hin annähernd unauffällig – sturzbetrunken war. schade, das bedeutete fürs nächste gespräch wieder von vorne anfangen zu müssen, den termin zudem so früh am tag anzusetzen, dass eine gewisse aufmerksamkeitsspanne und erinnerungsfähigkeit nicht gänzlich unwahrscheinlich war, was den ansich sympathischen wankenden zumindest in dieser hinsicht fürs amt des wiener bürgermeister zu qualifizieren schien. was er ihm in jedem fall voraus hatte, das war sein sagengleich sprechender name, der hier nicht verraten werden kann und, wenn er leichtathlet gewesen wäre, etwa springer lauten hätte können.

angreifer!

… wo mutti nur noch blasen kann.
minimal verhörter fiktiver werbesloganteil, vicco von bülow

die alljährlich so beliebte gelsenwarnwerbung rechtzeitig zur brüthitze nach der großen feuchtkälte: sollen wir uns nun eher vor den aberwitzig vergrößerten surrinsekten fürchten oder vor den riesen, auf deren unterarmen sie zu ihrem unseligen stechsaugwerk anheben?
fürchten jedenfalls tun wir uns, soviel ist sicher.

aufmachen!

sempre una mobile
arientextfragment

ihm waren ja die popularisierenden simplifizierer, über die die fachleute ihre expertennasen rümpften, zunehmend lieb. die einen sperrten das gut gehütete gesicherte wissen streng bei und unter sich ein, die anderen aber brachten ihre kenntnisse (und spekulationen; nie gaben sie an, die einzige wahrheit, und sei sie, wie man sagte, wissenschaftlich fundiert, zu besitzen) hinaus unter die leute, lebten diese neugierde vor, wie spannend es sein kann, sich mit einem thema zu beschäftigen, lustvoll darüber zu spekulieren.
es ist die alte und traurige frage, wer denn geliebt würde und zum klassensprecher gewählt; nicht in jedem fall (eig. eher nicht) der klassenbeste (er möge weiterhin recht haben).
zu fordern sind kinderunis, auch für die großen, und, wo nötig: auf krankenschein!
man muss, die welt ins dasein singend, die dinge in bewegung halten, sonst erstarren sie und sterben ab. leben aber ist bewegung, wider die entropie, genau.

antidot

balea coffein tonikum / bei haarausfall
depilan for men / enthaarungslotion

drogeriemarktregal, men’s special

am besten beides ins körberl, und bei optionaler überdosierung (vor allem des coffein tonikums) – besonders prekäre ungeschicke passieren stets in größtmöglicher geschäftsöffnungsferne, am unzugänglichkeitspol – haben sie das gegengift im hygieneschrank, das beruhigt erst einmal, und schönes wochenende auch.

umsommernachtet

nichts gibt so sehr das gefühl der unendlichkeit als wie die dummheit.
ödön von horvà¡th (1901–1938)

als „besondere neuerung” wurden in diesem jahr rund 20 stück riesenscheinwerfer mit einer leistung von rund 7.000 watt eingesetzt. diese beleuchteten den abendhimmel. die austro-control musste im vorfeld eine genehmigung dafür geben.
berechtigte jubelmeldung, orfon

soistdasalso, wenn man philharmonisch ein sommernachtskonzert zum thema mond – planeten – sterne gibt. gut, der mond war sichelig abnehmend, das war auszugleichen. bitte, ich war ja nicht da, aber es täte mich interessieren, ob die mit den leicht zu errechnenden 140.000 watt (in schilling wären das immerhin annähernd zwei millionen!) bestrahlten monde, planeten und sterne nun noch funkeliger gefunkelt haben. (zu befürchten stehts.)

o vielfach unendliches universum!

orate iove

achtung ankündigung!
bis zur sommerpause findet nur mehr am 17. juni 2010 eine donnerstaganbetung statt.

achtung ankündigung, franziskanerkirche st. pölten

ob das nicht eine erstaunlich unverhohlen heidnische betankündigung ist? – die in jedem fall dem oder den anzubetenden nicht gerade die allergrößte freude machen dürfte, weil es entweder der falsche betadressat ist oder aber der vermutete betadressat (iovis = iuppiter; immerhin der chef vom griechisch-römischen pantheon bzw. sein germanischer donar = thor-kollege) bis, wie den p.t. betenden (den petenten) weiter unten mitgeteilt wird, in den september hinein (wo man dann wieder beten werde wollen) sitzen gelassen werden soll, kein nahrhaft aufsteigender duft von rauch- und brandopfern, von dem ja seinereiniger in erster linie lebt, wie allgemein bekannt sein müsste, rauchfrei einen sommer lang, immerhin, gesund wärs ja.

flopflip

grüßsie, fischer, sie stehen in meinen schuhen.
zuverlässige überlieferung (maschek) der begrüßungsworte von uhbp heinz fischer an herrn benedikt xvi, flughafen wien, 7.9.2007

ob es gewissermaßen unterirdische verbindungskanäle zwischen kragenweite und schuhgröße gäbe? dass etwa erst der- oder diejenige ihre oder seine kragenweite haben könne, der oder die in die auf nachgerade mythische art in ihren oder seinen besitz gekommenen und mit einem wahrspruch belegten flipflops (es könnten auch berg- oder schischuhe sein, ja, selbst schwimmflossen) passe?
unwahrscheinlich, aber, quod erat demonstrandum, nicht undenkbar!
was, zugleich, überhaupt nichts zu bedeuten habe oder auch nicht.

Machtmasse

Da kommt der Chor dazu, setzt ein, setzt sich ein, wallt auf, schwelgt, wissend, hebt das Geschehen in höh’re Sphär’n. Dass nur ein Kollektiv je so weise wäre als wie in der Oper, der romantischen zumal, sagen wir Lohengrin.

Unhaltbar. Das Theater als moralische Besserungsanstalt. Unübertrefflich.
Unhaltbar.

glissando misterioso & reset

o du mein holder abendstern
richard wagner, tannhäuser und der sängerkrieg auf wartburg

bis zu jenem konzert galt das werk als schlechthin unsingbar. bis zu jenem konzert galt der chor als schlechthin unsinkbar. sie sangen und sanken, nicht schlecht, und es soll ja schon manchen beim modulieren derart schlecht geworden sein, dass sie von c kommend im fisland aufwachten, diabolisch, diabolisch.
auch nach dem konzert (gerade nach dem konzert) musste das werk weiterhin und wohl überhaupt für diese zeit als unaufführbar gelten, völlig versungen, gesunken, versenkt, alswie ein erster zufallstreffer (c4) beim schifferlversenken. versunken indes war keiner im saal, und auch die akustik war eine merkwürdig trocken-hallige.
am schluss war man unten, ganz unten angekommen und konnte wieder von vorne beginnen. hätte können beginnen, üben etwa.
danke.

strahlkammer, metamorph

bereits als er die befreundete, hypermoderne duschkabine betrat, überkam ihn dieses gewisse ungute gefühl, eine zelle anderer bestimmung betreten zu haben, und wirklich, kaum hatte er eine beidbeinig breitbeinige stabile ruheposition eingenommen (kein spielbein weit und breit), ging dieses hohe, potentiell zersetzende surren los, auf der plexiglasscheibe rechts der brausearmaturen, die auf unerklärliche weise vorerst völlig spurlos abhanden gekommen waren, blinkten mit einemmal blaue und grüne lichter, eine schattenhaft transluzente figur flimmerte über den versteckten monitor und begann mit einem merkwürdig rasanten countdown, nämlich, und das merkte er erst, als der zähler bei unter tausend angekommen war, 987, sechzehn stationen vor seinem unabwendbar unweigerlichen ende, sehr schnell wie ein schwacher kerzendocht im luftzug würde es die restliche, jene allerpopulärste fibonacci-reihe hinunter(!)rasseln, schon meinte er das brodelnde zünden von triebwerken unter seinen fußsohlen zu spüren, als es – 8! – einen ächzenden ruck gab…

(hier fehlt eine gesicherte überlieferung)

völlig durchnässt, und das war sein glück!, torkelte er durch den nach etlichen rüttelversuchen letztlich doch noch die tür freigebenden eckausstieg, wandwärts musste er sich hinauszwängen, denn die kabine hatte sich im unendlich erdmittelpunktwärts fallenden zeitschleifensog seines eingeschlossenseins um die durch die ekliptik vorgegebenen exakt 23,4385° im gegenuhrzeigersinn gedreht (und zugleich gekippt!), nichts wie hinaus, ins freie.
aber immerhin freiheit, immerhin ein besitz, schoss es ihm, als er sich abbeutelte, durch seinen hundekopf.
draußen wartete frau scotty. (ja, die gab es.)

meer, steinern, anlandend

wann würde ein binnenländer zum angehörigen der gebirgsmarine (hoch- bzw. übergebirgsmatrose)? angeheuert auf welchem schiff, dampfer gar (historisch, zukunftsweisend; beides?)? sein heimathafen? wenn aber der kahn – etwa durch eine kleine unachtsamkeit des steuermanns – wieder einmal, das kam vor, seine fahrt verfehlte? gracchus, der große jäger vom schwarzwald, anlandend in riva.
jawohl, ufer.
das territorialprinzip, in liebesdingen, ob es so etwas gab? oder, besser: wo es das wohl nicht gab? und, soviel war sicher, jeder noch so entlegene weiher war ein kommunizierendes gefäß.
bitte die schwimmweste abzulegen.
fliegen. segeln. auffliegen.
und landen, auf feuchtem moos.

emporung

traumbild zur kirchenkrise (anfänglich) in der nacht zum feiertag (blasenvoll, zum morgen hin): in einem verkehrsberuhigten wohngebiet mit bescheidenen, in den fünfziger- und sechzigerjahren errichteten einfamilienhäusern (diese diffuse kleinabermeinbehaglichkeit; vielleicht klagenfurt, südlich des hauptbahnhofs) rast ein mittelalter mittelklassewagen mitten in die fronleichnamsprozession, der himmel fliegt durch die luft, gefolgt von einer regelrechten monstranzprotuberanz, unzählbare schraubensalti in supersuperzeitlupe werden vom unbekannten bildregisseur, der der seiner unbewusste träumer selber ist, ins wahrnehmungszentrum gezoomt, am scheitelpunkt in ungefährer höhe der geplanten aussichtsplattform des noch zu errichtenden holzschraubenturms am pyramidenkogel hoch über sekirn verweilt sie eine kurze unendlichkeit, wobei sie in einem höllentempo um ihre vertikalachse rotiert, was (inkl. umwolkung) das ideale weichbild des grals, wie er traditionell überliefert wurde, ergibt, kurz nur, aber einprägsam wie ein blitz, woraufhin das geheiligte goldgeschirr erdwärts braust, mitten in den knapp vor seiner nach wirrem wirbelflug wieder der identen ausgangslage entsprechend landenden himmel, der, zum himmelsprungtuch mutiert, den einschlag aber nur so zu bremsen in der lage ist, dass er im mittelklassewagen (es ist, jetzt sieht man es genau, ein golf rabbit) unter dem himmel einschlägt und sich als kühlerfigur auf die motorhaube regelrecht aufschweißt, woraufhin das auto mit seinem jugendlichen amoklenker augenblicklich zu blank poliertem granit mutiert, die christenmenschen verwandeln sich in eine fesche junge partymeute und beginnen, immer darauf achtend, dass die einzig ungewandelten kärtneranzüglichen himmelträger das steinheiligtum, monument unerbittlichster mobilitätsverweigerung, permanent unterhimmeln, mit dem pyramidenerrichtungsgleichen zerrtransport bis unterhalb des nämlichen kogels, aber an den see, reifnitz, jawohl.

einzig vom oberpriester fehlt bis heute jegliche spur, man wird den einschlagskrater, ground zero (der eigentliche ist nur ein paar autominuten enfernt) des mittelklassigen sonnenwagens näher untersuchen müssen, dna-analysen werden anzustellen sein. damit das aber in träumen realisierbar sein kann, bedarf es gesonderter anstrengungen. es wird und kann aber daran die sache nicht scheitern, ganz sicherlich nicht.
auf der heimreise dann ein wolkenloch. der strahl aus dem himmel weist auf hochosterwitz.
so ist das also: zumindest alle verschwörungstheorien sind wahr! und der zehnte, unmittelbar gefolgt vom elften oktober, er wird kommen! er wird wiederkommen, fürchten die scheucher.
fürchtet euch also, nicht.

nobody’s perfect

sie (daphne – die ovidsche, nicht jene von jack lemmon dargestellte; diese aber auch, oder gar doch nicht?; anm.) verzichtete auf die jagd, um nicht von der liebe erlegt zu werden.
erläuterung zum besseren kognitiven verständnis einer opernaufführung, graz, regenmai 2010 (in italienischer sprache, gleichwohl jedoch nicht im eigentlichen zentralinteressensbereich allfälliger friends of the italian opera.).

ob aber das waidvieh aus eignem betreiben sich so einfach dem sucher des jägers entziehen wird können, ist hiermit nicht eindeutig beantwortet. und was denn das für ein liebesbegriff sei, erlegt (oder auch nicht) zu werden?
fragen, fragen.
dann gibt es noch antworten. vorwiegend (und -züglich) auf nicht gestellte fragen. das leben als solches pflegt sie zu geben.
sei, in jedem fall, achtsam!

empathieermöglichend

zahnarzt. vorstellung, dass er (zumindest, solange in ausbildung) verpflichtet sei, stets ein stethoskop in den ohren zu tragen, dessen abhörende auf der schädelkalotte des dental zu beamtshandelnden applicà®rt wurde. so kann er genau mithören, was er seinem patienten akustisch zumutet. weiters, für allzu gesprächige, das gleichzeitige kauen zumindest eines jonglierballs.
das wäre endlich kommunikation auf augenhöhe.

sommermütter 2010

liebe mba,

komm, lieber mai und ma-
beliebtes frühlingslied (1. strophe, 1. zeile, 1. hälfte)

da nun der trübste mai seit messbeginn vorbei ist (orfon, 28.5.2010) – ist ihnen schon aufgefallen, mai und vorbei bilden einen durchaus tauglichen, wenn auch nicht allzu originellen reim, und tatsächlich dürfte es nicht viele gedichte geben, die sich mit dem maienvorbeisein beschäftigen, wird er (der mai) doch gemeinhin sowas von herbeigesehnt, alswie das im südlichen australien die menschen dort mit dem november tun dürften, wobei es wiederum so ist, dass diese novembersehnsuchtsmetapher nicht auf die nordhemisphäre übersetzen konnte, nicht einmal über den äquator, den allesgleichmacher hat sie es geschafft, und wenn, dann arg verstümmelt, an graues grübeln und verabschiedungsgedanken erinnert sie uns, nicht aber die südaustralier, vermutlich auch nicht die chilenen, wohnen sie jetzt im osten oder westlichen teil dieses so vielfältigen landes, in dem ich auch noch niemals war. aber es ist halt unser wesen, dass wir von sachen und orten und so weiter reden, ohne, dass wir dort gewesen sind, kant, dem wir die nach ihm benannte wurst verdanken, hat bekanntlich die welt weit umfassender zu denken vermocht als die meisten seiner schon damals weiter als er gereisten weltgenossen, ortsfest in königsberg, ob ich da noch einmal hinkomme und ob wieder weg und wo denn mein, ihr königsberg sein könne?

nun, schlechtwetter. das ist aber kein thema für einen mütterbrief, tut mir leid.

ich muss aber doch zugeben, dass mich die orfon-überschrift trübster mai seit messbeginn (wann waren sie das letzte mal in der kirche?) merkwürdig tief berührt hat. diese berührung wesentlich vertiefend wirkte der einleitend erläuternde satz an manchen orten hat es im mai fast dreimal so viel geregnet wie im langjährigen durchschnitt. und dann dieses dankbarkeitsgefühl (ein warmer strom) für die erklärung die sonne zeigte sich dafür kaum, was nur ein scheinbares no-na darstellt, wenn auch, wie allgemein bekannt, zum regnen nicht unmittelbarer sonnenschein voraussetzung ist (eher: wolken, luftfeuchtigkeit, etwas mehr als plus zwei grad celsius). dass sich die sonne aber auch nicht von der seite gezeigt hat (wo ist eigentlich die seite von einem ball?), das macht uns schon recht traurig. so muss denn auch dieser in dem sinn ausnahmeregenbogen als ein trauriger in die geschichte dieses mais eingehen:

jetzt aber ist endlich zeit für gerechtigkeit! – fay-man, der judikator, dem diese zeilen zugeschrieben werden (sein unvermeidlich huschendes grüsgod hat man uns für diesmal unterschlagen), sorgt dafür, dass österreich (nicht nur österreich!) zittert, erbebt, es atmet auf und durch, wie nach dem lutschen eines eiszapfenzuckerls ist das (oder wäre das innerlich braune firnbonbon von je engelhofer je lieber angebrachter?), aaaah, und die morgenröte der gerechtigkeitszeit, sie dämmert herauf, der verheißne äon!

nun, politik, gar arg verbrämt mit religion ist aber wirklich kein thema für einen mütterbrief, tut mir leid.

erster juni, graz, hotel ibis, diese merkwürdig verunfallte ziqqurrat am bahnhof, mit lärmstopfenstern, wenn man sie zulässt. unten im kleinen park, wo um diese jahreszeit menschen mit ihrer ganzen habe im sackerl nächtigen, beginnen sie knapp nach tagesanbruch mit dem rasenmähen: ein akustisch tadellos nachvollziehbarer formationsflug, finalisiert von den um eine große septime höher gestimmten schnürlmäherhelikoptern. beim aufstehen dann fehlen unten zwei bäume mit gut einem dreiviertel meter durchmesser. vermutlich aber sind sie mir gestern, noch im trübsten mai seit messbeginn, nur deshalb nicht aufgefallen, weil sie da auch schon umgefallen gewesen sein dürften, auch sind keine weiteren spuren (astreste, blätter, säge-, d.h. mähspäne) zu erkennen, die auf ihren fall just zu junibeginn hindeuten würden. die schnittstelle (der stammstumpf) aber wird auf jeden fall gesondert zu untersuchen sein.

nun, rasenmähen vor ziqqurratibissen ist aber doch wirklich kein thema für einen mütterbrief, tut mir leid.

wie weiter. knapp nach redaktionsschluss ereilt uns eine exklusivmeldung, die orfonischen ganzjahrespraktikanten können uns zuverlässig verheißen, wie der heurige sommer wird.


(vermutlich waren sie schon dort; denen ist alles zuzutrauen und scheuen sie bei orfon bekanntermaßen weder kosten noch mühen noch spesenverrechnungen.)

für die zwischenzeit verspreche ich, mich in sprichwörtlich buddhistischer gelassenheit zu üben oder mich zumindest umfassend und eindringlich mit ihr zu beschäftigen. das kann dann ein lustiger sommer werden. und man ist ja bekanntlich der gestalter seiner welten, wenn man nur will.

was ich, von herzen, auch ihnen wünschen mag.

ihr bertl mütter
steyr, graz und sonstwo, ende mai bis anfang juni 2010


service

– vorbei ist vorbei.

– mütterlog (täglich, seit 1.12.2004)

– kaufen sie tonträger.

– konzerte, symposien, workshops: finden sie alles rechtzeitig auf muetter.at. ich erlaube mir, besonders auf viktring (11.-18.7.) hinzuweisen, da gibt es wie immer noch einige wenige restplätze.

– der nächste mütterbrief kommt zirka am 1. september 2010 zu mittag. bis dahin wird muetter.at und muetterlog.at erneuert, und auch ich werde frisch umgezogen sein, rasiert auch.

– ende.

realvieh

blitz, triff mich! blitz, triff mich!
gert jonke, freier fall

wald am schoberpass. auf der südlichen talseite weidet eine herde schwarzer schafe, und nirgends ist auch nur ein sog. weißes zu sehen, ein lämmlein gar.
ehrliches wald. hierher sollte man ziehen.

mundfrisch

was denn das sein könne, ein kultivierter kaugummikauer? das wäre doch so, also ob es einen ouzo gäbe, der nicht nach odol schmecke.
immerhin, beides bewirke frischen atem, konzedierte er.
wodka, genau, wodka solle man trinken, wolle man ein neutrales, also geruchsfreies luftgemisch ausstoßen. kultiviert, in jedem fall, absolut.

Unbefleckt, ohne Vorzeichen

Una Poenitentium, sonst Gretchen genannt (sich anschmiegend.)
Neige, neige,
Du ohnegleiche,
Du strahlenreiche,
Dein Antlitz gnädig meinem Glück!
Der früh geliebte,
Nicht mehr getrübte,
Er kommt zurück.
Selige Knaben (in Kreisbewegung sich nähernd.)
Er überwächst uns schon
An mächtigen Gliedern,
(…)
Johann Wolfgang Goethe, Faust II

Radio Maria, der Sender mit Sendung, lädt ein zur störungsfreien Empfängnis, wahlweise (in best. Gebieten Österreichs) UKW, Satellit Astra digital, Kabel-TV oder im Internet.

Das mit dem ganz direkten Draht dauert wohl noch ein bisschen. Aber wenn der harmlos wirkende Pater, der auf dem Imagefolder den Programmdirektor mimt, nur recht beständig auf seiner Lagerfeuergitarre das höchstreine C-Dur ausgreift, wird es schon noch werden. Ein besonderes Schmuckstück dürfte das Studio im schönen Amstetten (man sendet ober-, vermutlich sogar überirdisch) sein.

(Linkverzicht (genug gelinkt!))

glasfaserkommunikativ

der nachbar vom nachbarhaus, der es sich zur gewohnheit gemacht hatte, durch alle, mit denen er schon einmal streit angefangen hatte, hindurchzuschauen: bald würde er, wollte er noch eine ansprach‘ haben, weiterziehenmüssen, war doch demnächst das gesamte viertel von plexiglasmenschen besiedelt.
woran, das stand zu befürchten (der restmenschheit wegen, die durch ihn noch derart zu missionieren war), zu zweifeln sein musste.

koralmbahnanalog

nun hatte man also die verschiedenen tunnelbaulose ausgelobt, ein, zwei und sogar einen dritten bereits mehr oder weniger tief angestochen, wie man sagt, einer würde von der maschekseite her noch dazukommen, und doch, es musste unklar bleiben, ob das – zusammen mit den erdbaulosen – je eine gesamte strecke würde werden können.
er nun jedenfalls wollte seine strategie noch einmal überdenken, besser: alle strategie fahren lassen; nur so würde er je dorthin kommen, wohin zu wollen er glaubte, bis 2020, und das ging mit jedem jahr schneller.

a night at the opera

dringend notwendig: das remake des mahlerfilms von ken russell, zeitdokument des fin de sià¨cle aus dem genietrunkenen jahr 1974 (auch die bohemian rhapsody ist aus dieser zeit).

mahler wird von franz welser-möst darzustellen sein, aus verschiedenen gründen. oder von karl-heinz grasser*, was noch mehr glam-appeal hätte. und fiona gibt sich und uns die ideale cosima, jawoll.
unerträglich das.

* bilder von khg finden sie überall, wo es schöne menschen gibt. schöne menschen, genau.

informationsauftrag erfüllt

wer selten fernsieht, der sieht, schaut er einmal doch, einiges. man lernt ganz viel wichtiges, vor allem in den nachrichten, die uns nur das allerwichtigste zeigen, was möglichst alle möglichst genau sehen sollen, damit wir es nicht vergessen und – bildungsauftrag! – moralisch und staatsbürgerlich daran reifen mögen.
unlängst bei einem in einer fußballpause dringend notwendigen sog. newsflash wird zuerst ein papierenes kind aus dem flugzeugwrack des tages geborgen, dann dürfen alle und mit aufmerksamkeitssteigernder spezialansage gewissermaßen nichthinschauunmöglich (ein reflex) einem berühmten stierkämpfer zuschauen müssen, dem – hoppala, ausg’rutscht! – das böse böse vieh sein horn von unten durchs kiefer stößt, dass es vorne heraussieht, schön scharf und gut sichtbar: bestens informiert mit ihrem reality-splatter-tv für die ganze familie.
danke vielmals.

vom hl. ödön von

komm, o geist von oben!
anrufung

großes glück hatte ein ehepaar aus graz: ein ast fiel auf das auto, mit dem es gerade unterwegs waren (sic!).
agenturmeldung (kurier), 18.5.2010

(horvà¡th lässt grüßen.)
(oder wer sonst?)
(na also)

entspannung pur

die einzigen menschen, die ein maler kennen sollte, pflegte er zu sagen, sind solche, die blöd und schön sind: schön zum anschauen, geistig erholsam, wenn man mit ihnen spricht. dandys und hübsche frauen regieren die welt, sollten es wenigstens.
oscar wilde

…. warum ihm dieser satz just zu pfingsten in den sinn gekommen sein mochte? geistig erholsam, und ihm fielen gleich ein paar solcher schöner exemplare ein.
merken.

ver(w)irrt

deutscher blieb in kärnten mit auto in gasse stecken
orfon

nächster aufenthalt: pama
durchsage, öbb

nicht einmal der schein von einem schwein, geschweige denn von einem schinken, es winken lediglich die windräder, die sich mit einem halben hertz drehen in diesem herbstmai.
was so ein fehlendes r ausmachen kann. scheißnavi. zumindest hatte er sich nicht im (ins?) allzu enge(n) kärnten verirrt und (sich dadurch?) selber in die enge getrieben.
zu diesem tragischen ereignis kann nicht gepostet werden.
weiter, kittsee. morgen retour.

schnuppe

wir sind immer oben
und wenn wir einmal unten sind
ist unten oben

otto m. zykan

komm o geiheist vohon ohben!, intubiert der benachbarte pater um halbacht auf seinem tiefen blasinstrument mit durchwandig hörbar gewellter stirn, sehr erbaulich. aber anstatt dass der geist von oben komme, wäre es da nicht (immer, überall) wesentlich zweckmäßiger (und zudem billiger), er gelänge nach oben, endlich einmal, undzwar überall, wo es ein oben und ein unten gibt? weil von diesem (nennen wir es ohne scheu:) irdischen oben nach unten, das wäre dann ja nurmehr ein recht ein kurzer weg, verglichen mit den zuvor zu durchmessenden äonen, und bei den verteilungs- und befehlsstrukturen, über die so manche gebietskörperschaft hierzuwelts verfügt, ginge sich der restweg doch im prinzip wie von selbst. am problematischsten jedenfalls ist der eintritt in die atmosphäre, ganz oben. (gäbe es den tubist im himmel, sein hl. instrument würde – unhörbar, man stelle sich das vor! – verglühen.)

tonbosheit (für herbert fuchs)

dass die gleichen wiener linien genannten verkehrsbetriebe in der u6 auf die überflüssige nichtinformation nach drücken des haltewunsch- = nachanhaltendietürenöffnenknopfes (ein augenblicklich tödliches zweitonfiepen) zu verzichten in der lage sind, bei der wesensgleichen situationsherbeiführung (bitte bei der nächsten haltestelle diese türe zum nur so möglichen aussteigen aufmachen) aber in den zuerst in den roten bezirken ein- und spazierengeführten ulfgarnituren der straßenbahn ebenjene todbringende kleine aufwärtsterz, noch dazu beliebig oft wiederholbar, in den fahrgastraum und auf die fahrgastohrinnen und -ohren loslässt, kann nicht anders als eine t. allerschlimmster kategorie bezeichnet werden.

(völlig frei erfunden im auftrag von herbert fuchs)

nachtkummer (für herbert fuchs)

raumzeitversetzt, trotzdem aber völlig unverzögert, starrten sie sich an einander vorbeischauend antipodisch an. man versuchte zu lächeln, aber jedesmal war ein gegenüber ausgeschlafen oder müde. ob er sich zur verständnisermöglichungsleichterung (gleichklang phasengleicher wellen) am späten abend (ihrem) auch zwei vierterl hineinstellen wollen sollte? durchsaufen bis zum abend (seinem) am morgen (dem ihrigen)? was für ein trüber herbstmai. mit traumlosigkeitsabsichten legte er sich nieder, und tatsächlich gelang es, für eine gewisse zeit, sichselbst (seine eigenexistenzwahrnehmung) zu vergessen. was heißt vergessen? – nicht einmal vergessen: niemand im nichts. im dazwischenvakuum, am nichtzeitort. wen kümmert der n. wo nichts mehr weht, bei tag (hie) oder nacht (da)? bereits im unweigerlichen traum aber war er wieder da. dort nicht.

(völlig frei erfunden im auftrag von herbert fuchs)

abschied (zwischenzeitlich, saftig)

warum es kein wirklich taugliches satzzeichenkürzel für: dicker (inniger) kuss gebe? – weil seine lippen dafür zu groß seien, essemmesste sie zurück.
zu groß, sowas auch. dabei war ihm immer wieder (auch ungefragt, was ihm sogleich verdächtig erschienen war) versichert worden, dass er nicht seines (nennen wir es diskret:) ansatzes wegen begehrt wurde. nicht nur.
raumzeitunabhängiges küssen, ach.

Wurschthund

Erinnern wir uns an den Finanzminister Edlinger, welcher einst lieber seinen lieben Hund auf eine Knackwurscht aufpassen lassen wollte, als das Finanzministerium den Schwarzen zu geben. (Die Wurscht: längst verzehrt. Der Hund vermutlich: längst verwurschtet.)

Warum mir dieses so wienerische Bomotscherl wohl gerade im folgenden Zusammenhang einfallen mochte? – Nämlich Herr Berluskoni in Italien (grenzt an Österreich, vor allem in Kärnten) lässt ausrichten, dass er jetzt aber wirklich und: entschiedenst! gegen die Korruption (auch dieses Wort kennt keine Mehrzahl) losgehen werde.

Breite Unterstützung erhält er dafür von Karl-Heinz Grasser. Vor allem das Teilenmüssen von Schmiergeld sehe er als großes Problem nicht nur in Österreich. Unternationales Schulterschließen sei das Gebot der Stunde, so seine Homepage (Verlinkverzicht; außerdem: unauffindbar).

wetter, nachgereicht

im burgenland ging der schneefall bereits freitagnachmittag in niederschlag über. (…) der niederschlag kann regional sehr heftig ausfallen. (…) bei schlechten straßenverhältnissen sind zudem vermehrt unfälle und ein chaos zu befürchten.
orfon, 9.1.2010

manche neuigkeitsmeldungen musste man liegenlassen, bis sie wirklich zu einer gegenwartstauglichen form gefunden hatten. nachrichten als nachgerichtete aktualität, ein neuer hundertjähriger kalender würde so wie ganz von selbst entstehen.
zu klären wäre lediglich die frage nach dem plural von chaos oder (älter) tohuwabohu. oder zumindest der dual, wenn diese mehrzahlform auch im deutschen nicht gebräuchlich war, tohuwabohim (?) pflegten sich eher nicht daran zu halten. und gab es sicherlich auch außerhalb des burgenlands phänomena dieser art, dachte er sich, kärnten regionalexpress durchmessend.

Nasszone (gemäßigt, nordpolnah, adriatief)

Sometimes It Snows In May
Prince (zeitverschoben adaptiert)

Es regnet. 10 Liter pro Quadratmeter momentan in Sillian.
Wetterbericht, Radio (Datum unbekannt; d.h.: variabel)

Er liebte es ja, genau und bis an die Ränder der Heimat informiert zu werden. Und natürlich hatte er dafür Verständnis, dass bei einer solchen Sillianer Detailliertheit auch nur ungefähre Angaben über den sonstigen Wetterverlauf leider nicht gemacht werden konnten. Man wusste das doch spätestens seit Heisenberg. Und auch der Eswiadwiedawoamweantrost war zwar zuverlässige Erfahrung, aber er wirkte nur schwach, kaum trocknend, erwärmend gar.

Döblinger Doppel, garniert

Neben dem neuen Domizil in Döbling ist Abramowitsch auch der Eigentümer des englischen Fußballclubs Chelsea.
informativer Nachsatz (vorgespannt), orfon

Die Herren (Herr Abramowitsch, Herr Putin – Anm.) seien von Bodyguards umgarnt auf Abramowitschs Terrasse gesessen.
orfon (ein Magazin zitierend)

Wie darf man sich das vorstellen müssen, zwei Herren, von Bodyguards umgarnt? Bodygarns? Bodyguards nämlich sind so gebaut, dass sie ihre Anzüge sprengen wie weiland die Ottowanze, telefonbuchzerreißend. Praktisch wären da jedenfalls diese dehnbaren Bodies aus Elasthan®. Männer (rrrichtige Männer!) im Body, mit kugelsicherer Verstärkung in der Bikinizone.

Die Garnboys haben aber bitte schon alle so einen Stöpsel im linken Ohr? Und rundherum sind sie bis auf die Sonnenbrille glatzert, dass du dich in ihnen Frisieren kannst oder zumindest das Mascherl binden. Da hängt nämlich nichts unmotiviert herum, es ist alles gespannt entspannt, und soviel freundlich ist man zu den Nachbarn (sowas, Herr Putin traut sich in ein Mehrparteiensystem!), mit denen man sich die Sauna, von aufgießenden und wachelnden Bodyguards umgarnt, teilt.

Was für ein Fest!

Soviel zum fünfundfünfzigsten Jubeltag der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags.

Tonstarr

der rechte fuß bleibt auf dem pedal.
die linke hand greift –
daneben!

Ernst Jandl

Auch die falschen Töne, die Mahler manchmal unterliefen, blieben unangetastet
Tonträgerbeipacktext Gustav Mahler und sein Klavier

… also die von Mahler auf dem Welte-Mignon fälschlich niedergedrückten Tasten, völlig ungerührt, wie man sagt. Oder etwa doch, ganz im Gegenteil, hat man ihn wieder draufhaun (in den Gatsch greifen) lassen.

So wird es bleiben in alle Ewigkeit. Vorläufig einmal halt. (Wir sind da nicht so stur. Oder starr.)

555–845

knapp vor sechs (ansich unter bestimmten umständen eine seiner lieblingszwischentagundnachtzeiten) ging nichts mehr mit schlafen, und es war nicht die blase, eher eine denk- und gedankenblase, der er diesen zustand verdankte, wenn man denn von verdanken sprechen bzw. denken konnte hier (wer könnte oder würde es der blase, sei sie frühmorgentlich überdehnt, sei sie ein denkwalz- und -wälzlager, letztlich verdenken?). schließlich musste er doch noch eingeschlafen sein, weil er sich, aufwachend, matt erinnerte, dass er im traum überwacht hatte er, ob er noch schlief – und ob!
aber wer war es denn eigentlich, der seine träume träumte, seine gefühle fühlte?
(diese frage allerdings galt letztlich für alle menschen gleichermaßen, am meisten und peinlichsten allerdings für jene, die sie sich und die sich ihr stellten. für ihn war es diesbezüglich hiermit definitiv zu spät.)
dreiviertelneun.

aeiouü

anda
ellö
illo
oflo
utty
üllö

wortinnereien (pharmazeut.; alphabeth.)

gewisse pharmazeutische produkte hatten schon ein erstaunliches innenleben. er mochte diese binnenletternabfolge, sehr. zugegeben, ein schwacher trost fürs zahnrekonvaleszenzbedingte einnehmenmüssen der bitteren arzeneien, spüllösungen, gurgellösungen wie tonsillol, dazu das nach einnahme des breitbandantibiotikums angeblich darmbakterienversöhnende (eig. in zigmillionen wiederauferstehenmachende) bioflorin.
eine creme für alle hauttypen hielt er, für andere notfälle (otfä), jedenfalls in evidenz.