Freiflug

das müsst ein wahrer vogel sein
dem niemals fiel das landen ein
ernst jandl

Undzwar gleich fliegen, wie ohne zu starten, albatrosanalog: Der spannt die Flügel in den Wind und – fliegt! … Der wahrhaft Startende denkt an kein Landen; sonst käme er nie in die Luft. Demgemäß erlaube ich mir, Brucknern heranzuziehen:

Ich bereite mich meistens nie vor
Anton Bruckner über sein Improvisieren

Freiflug schließt den Kreis meiner solistischen Arbeit. Anderes Zeug kann vorbeifliegen, das will ich gerne im freien Flug gleitend auffangen, wie es mir halt gelingen mag. Mitflieger: Sind herzlich willkommen!

Dorothea Wimmer† hat das 1999 in Lienz aufgenommen.

… es wird schon keiner nass werden. Was ich allerdings nicht, also nicht rechtsverbindlich, versprechen kann.


Meine Freiflüge haben zumeist das erkundende Bespielen von Räumen (eine lange verfolgte Übung) im Sinn. Hier darf ich zitieren:

Es wär doch schön, wenn du Räume musikalisch erobern, neu entdecken, vielleicht auch umdrehn oder wenden könntest. Vielleicht sollte es ein ›Mütter Gütesiegel‹ geben, sobald du einen Raum musikalisch auf- bzw. entladen hast, um ›Neues‹ wieder möglich zu machen. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Konzerträume, Kirchen, Säle, Bühnen oder Foyers der großen Kunsthäuser darauf warten, ein ›Mütter Gütesiegel‹ zu erhalten, um in allen Ritzen wieder eine musikalisch-spirituelle Ordnung einziehn zu lassen – so ähnlich wie ein Ausräuchern der Räume zum Jahresbeginn. ›Bespielt vom Mütter‹ sollte bald ein akustisches ›Must have‹ sein, so wie die jährliche Überprüfung der Feuermelder.
Gottfried Gusenbauer, 2015

In so einem Statement weiß ich meine Absichten (deren ich selber nicht eine jede kenne) erkannt.


SONNENSTAND. Pures Klingen im Raum.

In einer Zeit gesellschaftlicher Erosion sei SONNENSTAND meine persönliche Übung in Unabhängigkeit und Resilienz. Es gilt, Gelegenheiten zu schaffen, wo Menschen Positives erfahren können. Darüber kann man lange räsonieren, hier wird’s zur Tat: Ein – im Wortsinn – Poetischer Act.

Bertl Mütter erkundet alle Vierteljahre, zum astronomischen Beginn einer jeden Jahreszeit, einen (nicht nur) akustisch inspirierenden (Kirchen-)Raum mit seinem epischen Posaunenspiel.

Davor – es soll nicht lediglich ein »Konzert« sein – erzählen mir befreundete Menschen Erhellendes über den jeweiligen Anlass bzw. Ort: Beim Kick-Off in der Wiener Jesuitenkirche zu Winterbeginn 2025 hat Kirchenrektor Gustav Schörghofer SJ die verschiedenen Putti-Darstellungen im Raum erläutert. Im Frühling 2026 hat die klinische Seelsorgerin Margret Wohlfahrt Idee und Praxis der Otto Wagner-Kirche am Steinhof Texte ehemaliger Patientinnen in Bezug zu ihrer Programmatik gesetzt. Zur Sommersonnenwende 2026 ist der beredte Astronom Franz Kerschbaum unser Gastgeber in der Wiener Universitätssternwarte und protuberiert über Wendezeiten. Und so weiter. Aber schaun’ Sie sich doch in der dafür gewidmeten Rubrik der Agenda direkt um.

Mein im Freiflug durchmessenes Spiel wächst aus einer musikalischen Zelle (dem Gregorianischen Cantus vom Tag oder sonstwie stimmiges Klangmaterial). Von da aus will ich zu meinen aus|cul|ta|tio|nes anheben, in die Tiefe, nach Innen, unbenennbar, weil wesentlich, pointenlos pures Sein im Klang, ein Akt der Hingabe.


Auch auf Tonträgerinnen sind (solistische) Freiflüge von mir akustisch dokumentiert1:

• aus|cul|ta|tio|nes (2020)
Das (wie) systematische Abhorchen des Stephansdoms Wien, im Frühling 2020, ›in Zeiten der inneren Leere, die die Fülle selbst ist bzw. sein könnte‹.
CD ARBE 15 (2020) – Booklet

• parlando (2004)
Im Juni 2004 habe ich Peterskirche, Karner und Schlosskapelle im Stift St. Lambrecht erkundet, unter teilweise reger Anteilnahme der sie umgebenden Ornithologie.
CD ARBE 12 (2004) – Booklet

• written images (2000)
Meine spontanen akustischen Kommentare zu Bildern von Stefan Emmelmann. Aufgenommen in der Minoritenkirche Stein.
CD ARBE 8 (2000)


Stets gilt: Fragen Sie mich. Uns fällt sicher gemeinsam / was / Gemeinsames ein.

  1. (quasi un Serviervorschlag)