muet:ter:tuliano

Bertl Mütter, Posaune
Antonino Tertuliano, Kontrabass

14.10.25, Salzburg: m:t:t lächeln im Mirabellgarten (Foto: ein anonymer koreanischer Tourist)

(1. Versuch)
Ein gemeinsamer Freund hat uns verkuppelt, und nach dem ersten musikalischen Beschnuppern sind wir gemeinsam ins Müllnerbräu zum Maßnehmen gegangen.

26.8.25, Salzburg: m:t:t nehmen Maß im Müllnerbräu


(2. Versuch)
Wohl kaum ein Instrument bildet so sehr die menschliche Stimme ab alswie der Kontrabass (und natürlich die Posaune). So war es nur logisch, dass sich Antonino Tertuliano und Bertl Mütter zusammentaten.

21.11.25, Museu do Pico: m:t:t beim gemeinsamen Abbilden der menschlichen Stimme © Magda Oliveira


(3. Versuch)
Braucht irgendwer so ein Duo? Wir sind überzeugt: JA. Die Welt, wie sie darniederliegt, sie braucht uns.

21.11.25, Museu do Pico: m:t:t nach dem gemeinsamen Abbilden der menschlichen Stimme © Magda Oliveira


Jetzt aber ernsthaft.

Im klassischen Symphonieorchester spielen der Kontrabass und die Posaune ein je eigene, recht spezielle Rolle. Liefert der Bass das unumstößliche Fundament von Allem, so stabilisiert und definiert die Posaune, oftmals mit warmen Tönen, die eigentliche Harmonie. Solistisch sind beide eher im Hintergrund, ihr gewaltiges Potential aber ist jederzeit immanent und augenblicklich verfügbar, wenn es etwa darum geht, in dunkel leuchtenden Effekten den Blick ins Chthonische der Unterwelt oder bis hinauf zum Himmel zu weisen.

Im kammermusikalischen Austausch des Duos treten dazu besonders beglückende Koinzidenzen: Die Klangfarben und Frequenzen von insbesondere muet:ters Posaune und ter:tulianos Kontrabass »mögen« einander, sodass das Ganze mehr (weit mehr) ist als die Summe der gespielten Töne. Darauf aufbauend erschließen muet:ter:tuliano ein Programm, in dem sie sich von der Gregorianik bis zu ›experimentellen‹ (stets ausschließlich analog und unverstärkt erzeugten) Klangfolgen aufschwingen, mit Flügeln des Gesangs: Eine faszinierende Reise ins Dazwischen, und das ist immer dort, wo wir uns gerade befinden.

Ein weiteres Dazwischen ist der wechselseitig als reizvoll erlebte Abstand einer Generation, von dem jeder auf seine Art profitieren kann, zur beidseitigen Erkenntnisfreude – und der des mit offenen Ohren (und Herzen) lauschenden, interessierten Publikums.

Das Programm von muet:ter:tuliano besteht aus Adaptionen ikonischer Werke der gesamten abendländischen Musikgeschichte, mit Ausflügen in den kammermusikalischen Cool Jazz: Gregorianik, Renaissance, Mozart, Beethoven, Hüttenbrenner, Bruckner, Ives, Ligeti, Giuffre, (…). Mit unseren Instrumenten befragen wir diese Stücke stets aufs Neue, wie sie gerade jetzt von uns gespielt werden wollen. Das schärft unsere Wachheit: Ist doch mit Überraschungen immer zu rechnen.
Hinzu kommen Werke aus der Kontrabass-Sololiteratur, sowie freie Improvisationen auf der Posaune, oftmals in Hinführung zu Verneigungen vor Schubert, Schumann, Wagner, Bruckner, Schostakowitsch, Feldman, ….

21.11.25, Museu do Pico: m:t:t mögen sich – und gerne für Sie spielen © Magda Oliveira


Antonino Tertuliano wurde 1993 in Recife im Nordosten Brasiliens geboren und stammt aus einfachen Verhältnissen. Durch das Programm der Fundação Criança Cidadã fand er mit vierzehn Jahren zur klassischen Musik, konnte rasch Fortschritte machen und spielte bald im Jugendsymphonieorchester seines Heimatbundesstaates Pernambuco. Seine Studien schloss er mit dem Bachelor an der Universität Pernambuco ab und etablierte sich in der brasilianischen Musikszene, etwa im Orquestra Sinfônica de Goiânia, sodass er zu zahlreichen nationalen Festivals eingeladen wurde, was seinen musikalischen Horizont erweiterte.
2016 bis 2024 lebte Antonino in Israel und vertiefte seine Studien an der renommierten Buchmann-Mehta School of Music (Diplom als Exceptional Musician). In dieser Zeit spielte er, zunächst als Gast, im Israel Chamber Orchestra, mit den Tel Aviv Soloists und in der Israel State Opera. Von 2021 bis 2024 war er beim Israel Philharmonic Orchestra fest angestellt. Er kam so nicht nur der Essenz der Musik näher, es war auch eine äußerst lehrreiche Schule des Lebens, in einem derart multiperspektivischen Land zu leben.
2024 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Salzburg, wo er seither am Mozarteum sein Masterstudium absolviert (Klasse Christine Hook). Zugleich dient er als stellvertretender Solobassist bei der Niederbayerischen Philharmonie Passau.
Es ist Antonino Tertuliano ein großes Anliegen, einen größeren Kreis junger Menschen für die klassische Musik zu begeistern, definitiv ein Königsweg, um den Favelas, aus denen er ja selber stammt, zu entwachsen. Er gibt gratis Kurse, hält Vorträge und hilft so, die nächste Generation an die klassische Musik heranzuführen. Es erscheint nur sinnfällig, dass gegenwärtig ein Dokumentarfilm über seinen beeindruckenden bisherigen Lebensweg gedreht wird.


Antonino Tertuliano übers gemeinsame Spielen1

Zunächst spielte ich mit wenig Lautstärke und dunklen, aber sauberen Tönen. Bertl antwortete ohne Zögern, warm und unverschämt, seine Töne umhüllten meine, als hätte er die ganze Zeit auf mich gewartet. Wir unterhielten uns in untypischer Harmonie: »Hörst du mich?«, fragte ich mit schwebenden Akkorden. »Ich höre dich«, antwortete er mit Noten, die meine Akkorde auflösten. Wir konkurrierten nicht, sondern lehnten uns aneinander an – der Klang meines Kontrabasses traf auf seine Posaune, mein Schatten umarmte seinen warmen Klang.
Es gab viele Momente während unserer Probe, in denen ich nicht wusste, wo der Klang meines Kontrabasses endete und der der Posaune begann. Gemeinsam schufen wir etwas, das größer war als wir selbst: einen vollen Klang, gemalt nicht in Worten, sondern in Tönen.


Bertl Mütter über Antonino Tertuliano

(Da kommt noch ein total lieber Text her, was auch sonst.)

  1. (Notiert nach dem ersten Zusammentreffen in Salzburg am 24. August 2025)