Agenda

»Dinge, die getan werden müssen.« Bei mir: Was ich tun will, weil ich es tun muss. Öffentlich, damit auch Sie dabeisein können.


Mittwoch, 14. Dezember 2022, 12.00

Wien, Akademie der Wissenschaften
Award of Excellence – Akademische Feierstunde

Das ist die Akademie der Wissenschaften, gefunden auf Wikipedia, photographiert von P e z i (Peter Haas).

Alljährlich1 werden die dreißig2 als beste erkannten Dissertationen des abgelaufenen akademischen Jahres im Rahmen einer ministeriellen Feierstunde öffentlich ausgezeichnet: Jede einzelne Arbeit wird kurz (so allgemein verständlich das nun einmal gehen mag) vorgestellt und beapplaudiert, di:er Preisträg:er erhält dreitausend Euro3.

Als einschlägig akademisch Vorbestrafter darf ich dazu und dazwischen musizieren, und man wird mich auch öffentlich befragen, so haben sie mir hinterbracht. Dafür sollte ich einen Text abschicken, den sie dann ins Programmheft geben wollten. War nicht ganz leicht. Folgt Textvorschlag 1:

Künstler (m/w/d) heißt es, sollen bitte künsteln – und das Reden darüber (und das Leben, die Welt, Alles) den dazu Berufenen überlassen sollen. Das geht so weit, dass gewisse Wissenschaft Treibende den Spielenden erklären (wollen), was sie da machen. Sowas hat nir nie getaugt. Nun, seit gut zehn Jahren habe ich zusätzlich die Lizenz zum Reden, die besagt, dass ich, wenn ich mir über die Welt (…) Gedanken mache, diese auch sagen darf; will heißen: »Künstlerisches Doktorat«, und ich war, eine merkwürdige Koinzidenz, der Allererste im Österreich (was jetzt exzellenzmäßig nichts weiter bedeutet). Die Posaune ist mir mein Hör-Rohr in die Welt. Was sich damit alles sagen lässt – Sie werden hören!

Das sei zu schwer verständlich. – Bittegerne, ich geb’s auch betulicher:

Bertl Mütter ist ein Unikum. Improvisierender Extemporierer bzw. extemporierender Improvisator: Er spielt Posaune, komponiert, schreibt Texte (literarische und wissenschaftliche). Und seit 2013 ist er (als erster seiner Art) Doctor artium. An der Kunstuni Graz hat er über »Das Geräusch-das-man-macht-bevor-man-anfängt-zu-dichten« promoviert und darf seither seine Kunst nicht nur hörbar ausüben sondern auch selbst und ohne weitere Vermittlung (so wohlmeinend eine solche auch immer sein möge) kundig davon erzählen.

Weil es sich als möglicherweise notwendig erwiesen hatte, habe ich4 noch angefügt:

Achja: Wenn ich es noch nicht gesagt habe: Bitte den Begriff ›Umrahmung‹ unter allen Umständen vermeiden. Es ist die musikalische Gestaltung, die ich mit meiner Posaune liefere. Man umrahmt, was nicht selbständig für sich bestehen kann – und das woll’n wir ja nicht hoffen, dass das ausgerechnet beim AoE so sei.5

Große Ehre, immense Vorfreude. Dank an Martin Vogg6, meinen Impresario in Dingen wie diesen.

Folgt, ta-tamm! – das Programm (angeführt werden die Titel der jeweiligen Dissertation):


Festlicher Start, bevor Andrea Radakovits zu moderieren beginnt – ist immer eher klassisch

Schulentwicklungsprozesse initiieren, leiten und begleiten
Die Emergenz der Anschaulichkeit in Comenius’ Orbis pictus (1658)
Das Memorieren in der Musik und Lernstrategien des Auswendiglernens
Herumlungern?! Begegnungsräume an urbanen Orten
Die Inhalte und Auswirkungen des Fake-News-Diskurses
Auf dem Weg zu skalierbarem Quantenrechnen mit gefangenen Ionen
Verbesserung von Modernen Kryptografischen Protokollen mittels Domänenspezifischen Symmetrischen Primitiven
Erzeugung und Anwendung hochenergetischer THz Felder gespeist mittels Laserpulsen im mittleren Infrarotbereich
Regularitätstheorie und Gradientenflüsse von geometrischer Krümmungsenergien für Kurven

launiges Kurzinterview der Moderatorin mit dem Trombonauten

Musikalische Reflexion nach dem ersten Block und dem kurzen Gespräch mit dir – etwas mit mathematischem Bezug wäre da sicher fein, gut wäre auf jeden Fall ein Bogen von der Klassik zum Jazz

Umstrukturierung der Hierarchie innerhalb und zwischen Jazz- und Klassik-Orchestern
Diskriminierungskritische Perspektiven auf Musiktherapie und ihre Kontexte
Semantische Modellierung wahrnehmungspsychologischer Musikdimensionen auf Basis von akustischen Signaleigenschaften
Optimierung von drahtlosen Kommunikationssystemen für das Internet der Dinge
Nichtlineare Störungsunterdrückung in LTE-A/5G Hochfrequenz-Transceivern
Extraktion von Cyber Threat Intelligence aus rohen Logdaten
Ressourceneffiziente neuronale Netze für die Rauschunterdrückung von Störsignalen in Radarsensoren
Ein Beitrag zur Implementierung von Konzepten zur Gebirgsdruckbeherrschung im untertätigen Bergbau
Wer hat Adolf Loos bildlich wahrgenommen?

Musikalische Reflexion: ev. ein musikalisches Zitat der Jahrhundertwende (Loos-Dissertation) mit einem Bogen zu den Bienen – ›Bienenstock im Looshaus‹ … aber ab hier kannst du völlig frei auf die Inhalte reagieren

Untersuchungen zum Ausbreitungsverhalten und den ökologischen Faktoren, welche die Invasion der Asiatischen Wildbienenart, Megachile sculpturalis, in Europa begünstigen
STAT5A und STAT5B in der Hämatopoese und Leukämie
Der natürliche Verlauf von Patienten mit anti-mitochondrialen Antikörpern: eine Kohortenstudie mit über 6 Jahren Follow-up
Eine Untersuchung hämostatischer Biomarker zur Risikoprädiktion in ausgewählten Erkrankungen
Isolierung und Charakterisierung von extrazellulären Vesikeln unterschiedlicher zellulärer Herkunft
Untersuchungen der molekularen Mechanismen der Spannungssensoren von Kalziumkanälen
Aufklärung der molekularen Mechanismen, die die Insulinexpression in Pankreasinselzellen regulieren
Hybridmodellierung in Tangentialflussfiltration für biopharmazeutische Produktion
Feuerbestattung und der Umgang mit Leichenasche in Österreich
Anorganisches Leben. Post-Vitalismus nach Deleuze

Musikalische Reflexion

Nutzung der Chalcogen Bonding als supramolekulares Werkzeug für vielseitige Anwendungen in der festen und flüssigen Phase
Neue Ansätze zur Bestimmung der elementaren Zusammensetzung von innovativen Materialien mit Hilfe Laser-spektroskopischer Methoden
Verbesserung der Oxidationsbeständigkeit und Bruchzähigkeit bei refraktären keramischen Schichten
Modellierung von Heterogenität mittels Bayes-Ökonometrie
Der gemeinnützige Konzern aus steuerrechtlicher Sicht
Künstliche Intelligenz und Strafrecht – Grundsätzliche Fragestellungen und rechtliche Lösungsansätze
Neue Erkenntnisse über die Verwendung von Produktgas aus der Biomassevergasung in Festoxidbrennstoffzellen durch experimentelle und numerische Ansätze
Öffentlicher und privater Umgang mit dem Klimawandel

Musikalischer Schlusspunkt – deine musikalische Zusammenfassung


Da ich als Echter Österreicher selbstverständlich zu allem meine eigene, fundierte Meinung habe, werde ich zweifellos jeder einzelnen Dissertation umfänglichste Gerechtigkeit widerfahren lassen; so mir nichts Widriges widerfährt.


 

Freitag, 20. bis Montag, 30. Jänner 2023

Mütter-Oberleitner-Laber : Trio 90YA

Gerhard Laber, perc. (*1946) – Ewald Oberleitner, b (*1937) – Bertl Mütter, tb (*1965)

Trio 90YA1 – TTT 01232

Freitag, 20.1.2023, 20.00 – Steyr, Akku3
Samstag, 21.1.2023, 20.00 – Ulrichsberg, Jazzatelier

Mittwoch, 25.1.2023, 20.00 – Graz, Stockwerk
Donnerstag, 26.1.2023, 20.30 – Wien, Porgy & Bess
Freitag, 27.1.2023, 20.00 – Salzburg, Jazzit
Samstag, 28.1.2023, 20.30 – Innsbruck, Treibhaus
Sonntag, 29.1.2023, 11.00 – St. Johann i.T., Alte Gerberei
Montag, 30.1.2023, 20.00 – Klagenfurt, Villa For Forest

Das sind an allen Orten die ersten Spielstätten, und das bei minimalem Engagementwiderstand. Der Ténor, wenn ich das rückgemeldet habe, lautete, ziemlich gleichlautend, in etwa so: »Naja, da bürgt doch jeder Name für Qualität.«


Kurz erzählt: Im Jahr 1991 haben wir ein paarmal miteinander gespielt; ich war damals 26 Jahre alt, die beiden Kollegen zusammen 100. Im Oktober 2021 hat mich Andreas Felber in einem Radiointerview mit Archivaufnahmen aus Linz konfrontiert. Das bedingte die umgehende Neubegründung, mittlerweile waren wir 216. Im April 2022 haben wir uns zur Radiosession im Funkhaus getroffen, diese wurde im Sommer gesendet. Jetzt kommt die Tour: Was für eine Freude!

Das der Würde des Alters angemessene Retro-Logo ist von Michael Atteneder

Das Trio 90YA jetzt zu engagieren ist übrigens, es muss gesagt werden, eine veritable Okkasion, denn ewig wird’s die Band leider nicht geben können, halten wir doch 2023 strenggenommen bereits bei 96YA!

Es wird mir ganz angst um die Welt, wenn ich an die Ewigkeit denk’.
Ewig, das ist ewig! Das sieht Er ein.
Nun ist es aber wieder nicht ewig, sondern ein Augenblick, ja, ein Augenblick!

Georg Büchner (adapt. Alban Berg): Wozzeck (1. Akt, 1. Szene)

Bis zum Eintritt der – sich bitte noch lange hinziehenden! – Ewigkeit gilt: Es ist kein großer Aufwand, uns zusammenzubringen, wir brauchen auch kein extra Equipment. Und, das ist das allerwichtigste, die Musik, die zwischen uns entsteht, verfügt indertat über einen besonderen Zauber.

Freitag, 28. April 2023, 18.00

Fels am Wagram, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 22

Das hat Markus Lidauer bereits 2012 photographiert: Was für eine Kontinuität!

Alle Jahre wieder, bereits zum zweiundzwanzigsten Mal!


tba, Lesung

tba, Musikinstrument
Christoph Cech
, Wurlitzer, Schlagzeug
tba, Kontrabass
Bertl Mütter, Posaune; Intendanz & Conférence

Hans Czerny, Eröffnungsredner

Dies die zum Zeitpunkt der Datumsbekanntgabe zugegeben recht dürre Besetzung. Aber, versprochen: Es wird!

Markus Lidauer hat 2012 auch das photographiert.

Der WeinKult ist das nachgerade ideale Symposion: Zuerst gibt’s einmal was zu trinken. Dann wird gespielt, daraufhin wird gegessen und getrunken, dann gespielt, woraufhin getrunken und gegessen wird, daraufhin spielen und lesen die Künstler:innen wieder und unmittelbar darauf gibt’s was Gutes zu essen, und zu trinken ist auch noch genug da und so weiter: Wir achteln uns hinauf, alle sind wir illuminiert, aber keine:r angesoffen, und das nennt man angewandte Trinkkultur.

Der Rote Veltliner – erst kürzlich bei Gault & Millau prämiert!

Dass die Weine1und Speisen2 allesamt vom Hof der Czernys und von dementsprechend erlesenster Qualität sind, darf als bekannt vorausgesetzt werden.

Herzlich willkommen!

Freitag, 30. Juni 2023

Thalgau, kulturkraftwerk oh456
Bertl Mütter SOLO

so leicht – so schwer!

Ich spiele – wie auf dieser Zeichnung1 festgehalten – in einem Zug.

(Details tba.)

((Ist ja noch Zeit.))

Samstag, 8. – Samstag, 15. Juli 2023

Wir SPIELEN! im Saal des Musilinstituts, das uns bereits 2022 so gastfreundlich beherbergt hat. Ist (unser) SPIELEN! doch ein großes poetisches Anliegen, an diesem Ort nichts weniger alswie eine musilmusikalische Parallelaktion!


Gespielt wird täglich in zwei Blöcken (10–13, 14–17; flexibel nach gemeinsamer Übereinkunft).


Danke Edith Bernhofer6 vom Musilinstitut und dem Verein Innenhofkultur, wo wir auch 2023 unserelängst legendäre, nunmehr 19. Galanacht der Improvisation zelebrieren werden, für ihre großzügige Gastfreundschaft!7

Samstag, 15. Juli 2023, 19.00

Klagenfurt1, Villa For Forest
SPIELEN! – DIE 19. GALANACHT DER IMPROVISATION
Bertl Mütter & D
ie Actuelle Capelle (DAC)

Das war 2009. Mittlerweile dirigiere ich, wenn überhaupt, weit weniger imposantisch.

Das längst vom kulturellen Geheimtipp entwachsene, immer noch in einem intimen Rahmen sich ereignende Konzert, bei dem das unmittelbare Entstehen lebender Musik faszinierend hautnah erlebt werden kann. Eigentlich viel mehr als ein Konzert: ein Ereignis2!

Anschließend kulinarisches Beisammensein. Alle sind eingeladen.

Herzlich willkommen!

… und was machen Sie sonst noch so?

Ich kenne meinen Weg so wie der Bach den seinen.
Jules Renard

Es ist immer (wer oder) was im Anflug.

Dorothea Wimmer† hat das 1999 in Lienz aufgenommen.

Neben meinen hiersites dargelegten öffentlichen Aktivitäten gibt es, wie es sich für ein Künstlerleben gehört, auch sonst nichts alswie fruchtbare1 Momente, darf ich versichern.
(Gewisse Versprechen gibt man sich selber sogut alswie der Welt.)


Und sonst2 mache ich noch wie nebenher: Diese Website frischhalten – eine Heidenarbeit, können Sie mir glauben; künstlerische3 Projekte4 mit Studierenden unserer5 Musikuniversitäten; Vor-, Zu- und Nachbereitungen jedweder Art; tatsächlich wichtige Liebesdienste und Akte der Freundschaft, runde und eckige Geburts-, Jahres- und Todestage: Nennt mich6 einen Passagenpassagier.

Und – damit ich’s nicht vergess’7Posauneüben. Das höret bitte nimmer auf!8 Mir ist das Posaunespielen beständiger Quell der Freude, Rückhalt in allen Lebenslagen. So ein Glück!9