vorbei

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


Sonntag, 8. Februar 2026

Ponta Delgada (São Miguel, P), Igreja do Colégio
Bertl Mütter, Posaune solo
aus|cul|ta|tio|nes super ATLANTIS

Das Bild hat Klaus Fritsch aufgenommen

O «grande individualista austríaco do trombone» (como já foi descrito) Bertl Mütter mantém uma relação de amizade com o Festival MUSIC AZORES há vários anos e já nos visitou pessoalmente três vezes. Agora surgiu uma oportunidade extraordinária de o ver a SOLO. Depois de ter ouvido sistematicamente a Catedral de Santo Estêvão de Viena (CD aus|cul|ta|tio|nes), tocou recentemente, no solstício de inverno, na Igreja Jesuíta de Viena, um espaço barroco perfeito. Agora, ele aguarda com expectativa a «Igreja do Colégio», que já lhe é familiar desde a sua última apresentação aqui em novembro de 2025.
Quando Bertl Mütter toca o seu trombone, todo o espaço é imediatamente envolvido por um som puro. Não é uma música aparentemente virtuosa que surge, mas ela penetra diretamente no coração. A sua interpretação épica, que vem do silêncio, vai em profundidade, para dentro, assustadoramente feliz, é indescritível, pois é essencial. Embora seja difícil descrevê-la, deixar-se envolver por ela e vivê-la significa voltar para casa feliz e transformado.
Ankündigungsprosa

Ein Besuchskonzert: Zuletzt habe ich im November 2025 gemeinsam mit dem lieben Antonino Tertuliano in diesem akustisch idealen Raum spielen dürfen. Nun, auf Winterflucht, gebe ich ein kollaterales Geschenkkonzert für meinen Freund Rui, den so verdienten Gestalter des Festivals MUSIC AZORES. Er wird seinerseits interessierte Freunde und freundliche Interessierte einladen.

Ich bereite mich meistens nie vor
Anton Bruckner über sein Improvisieren

Ich werde wohl genau da freifliegend weitermachen, wo ich zur Wintersonnwend in der Wiener Jesuitenkirche aufgehört habe. Also kommen Sie, es ist ein zauberhafter Raum! – Und da rede ich noch gar nicht von den so angenehmen sonstigen Umständen, in Atlantis.


Weiter hinaus, albatrosanalog, weiter fliegen. Dankbarkeitsgefühle an ein sich vorbehaltlos einlassendes Publikum.

(Geschenkkonzert.)

Sonntag, 21. Dezember 2025

Sonnensteher, 1. Viertel (ein Bild von Klaus Fritsch usurpierend)

Wien, Jesuitenkirche
SONNENSTAND | Schule der Wahrnehmung
Gustav Schörghofer SJ: »Das Alte neu sehen«
Bertl Mütter (Posaune): aus|cul|ta|tio|nes super RORATE

Gustav Schörghofer nennt seine Reihe SCHULE DER WAHRNEHMUNG. Das deckt sich gut mit meiner Idee einer Schule des Staunens – was wer für WAHR nimmt, ist gottlob/fürwahr jedem selbst überlassen, mittlerweile (und derweil noch). Gustav hat eine gute Viertelstunde unsere Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Putti in den Gemälden und Plastiken des Kirchenraumes gelenkt. Dann habe ich gespielt: Ausgehend vom gregorianischen Hymnus vom Tag (vierter Adventsonntag), genannt RORATE, habe ich diesen perfekten Raum abgehorcht, ein gutes Zeitl, sodass sich das Hineinhören wie von selbst ergeben konnte, wenn auch nicht ganz bis Sonnenaufgang. Zum Ende wieder das schlichte RORATE, und als Zugabe die Sarabande aus der fünften Cellosuite von Johann Sebastian Bach, eine Musik, die schwerer ist als man sie spielen könnte – und genau deshalb hab’ ich sie gespielt.

Meinem Posaunenton ist mittlerweile eine betörend stille Qualität zueigen. Und die Bindungen schmecken nachgerade cremig, verrat’ ich Ihnen. Wollen Sie sich davon überzeugen, bitteschön:

Othmar Habeler-Bergsmann hat mein Spielen aufgenommen, so dezent, dass ich kein einziges Mal gehemmt war, das zu spielen, was ich nun mal spiele. Und das habe ich denn auch getan. Sie hören alles ungeschminkt, und anders interessiert es mich auch, längst schon, nicht mehr. Ideal ist aber, jedenfalls, das unmittelbare Erlebnis.

21. Dezember 2025, Wien, Jesuitenkirche. Auch dieses Bild hat Klaus Fritsch gemacht.

Beim finalen Abapplaudieren dann findich gehört es sich, meiner Partnerin (die wahre Heldin; ohne sie bin ich presque rien) die ihr gebührende Wertschätzung zu erweisen, Please give Her a warm hand!, und so geschah’s also:

Dieses Bild hat der liebe Franz Kerschbaum gemacht, ja genau, der Astronom: Der kennt sich aus!

Freitag, 5. Dezember 2025

Steyr, Galerie Michaelerplatz 13
»LUISELBET«
Ausstellung Oscar Holub (1951-2023)
Musikalischer Beistand: Bertl Mütter

Es waren meine allerersten Engagements als definitiver Solist, zu denen mich weiland Oscar nach Linz (Posthofgalerie) und Steyr (Maxim) Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre geladen hatte, eine sehr wichtige Ermutigung auf meinem Weg. Im März 2023 habe ich zu seinem Geleit gespielt. Viele waren gekommen und haben über gut eine Dreiviertelstunde beim Kondolieren genau jene Klänge bekommen, die mir als angemessen hilfreich erschienen.

Wie mich nun Oscars Witwe Alke um meinen »Beistand« diesmal fragte, war von vornherein klar, dass ich den sehr gerne geben wolle, und so geschah’s.


Kleinfeine Ausstellung in einem sehr schönen Raum mit Erinnerungsstücken aus meiner ersten Oscar Holub-Vernissage, da er noch mit »COSY« signierte. Tout Steyr war da, die Redeadressen und mein Spiel erfolgten aus einer erhöhten Nische, die Menschen haben genau zugehört, auch jenen mehrfach aufsteigenden, von mir instant unbegleiteten und nach deren Ausbluten imitierten Marimbaläufen eines in China assemblierten Mobiltelephons aus Kalifornien, deren von ihnen (den Marimbaläufen) gerufene alte Dame darauf bestand, dass sie eine bestimmte dramatische Nachricht erwarte, weshalb sie vom sozial stillschweigend vereinbarten Lautlosigkeitsgebot bei Konzerten o. ä. ausgenommen sei. Sie (oder ich?) erhielt spontanen Szenenapplaus.

Generell große Zustimmung, ich war am rechten Ort. Danke.

Samstag, 15. bis Samstag, 22. November 2025

Azoren, Portugal
MUSIC AZORES 25
muet:ter:tuliano

Bertl Mütter, Posaune
Antonino Tertuliano, Kontrabass
»Amidst / Entre«

Samstag, 15. November 2025
Ponta Delgada (São Miguel), Palácio de Sant’ Ana
Einstand bestens gelungen. Standing Ovations an einem unglaublichen Ort.

Montag, 17. November 2025
Calheta de São Jorge 
(São Jorge), Museu Francisco de Lacerda
Beeindruckendes Museumsgebäude, das sich in eine pittoreske Bucht- und Klippenlandschaft schmiegt. Aufmerksames und sich auch zu einer gewissen Fröhlichkeit hinreißen lassendes, montagsbedingt nicht allzusehr mengenmäßig den gut hörbar gelüftenden Vortragssaal nicht gerade überfüllendes Publikum.

Mittwoch, 19. November 2025
Horta 
(Faial), Igreja Matriz do Santíssimo Salvador
Äußerst gastfreundliche Aufnahme durch Padre António in der nicht nur akustisch beeindruckenden Hauptkirche von Horta. Am Schluss sind die Menschen, die trotz der gelinde gesagt suboptimal erfolgten Publikumsrequirierung zu uns gefunden hatten, aufgestanden: lang anhaltender, wärmespendender Applaus.

Freitag, 21. November 2025
Lajes do Pico
(Pico), Auditório do Museu dos Baleeiros
Rückkehr – zuletzt war ich 2017 mit Florian Berner hier – an einen emblematischen Ort und Vortragsraum, der im Konzert grandios gut klingt. Akustische Interaktion mit kindlichem (innen) und caninem (außen) Publikum. Völlig anders sich entwickelndes, uns selbst am allermeisten überraschendes Programm – wir befragen uns und unsere Instrumente stets aufs neue, wie das musikalische Material gerade jetzt von uns gespielt werden will. Auch diesmal spontan sich dankend von den Stühlen erhebendes Publikum: Wir danken zurück.

Samstag, 22. November 2025
Ponta Delgada
(São Miguel), Igreja do Colégio
Gewissermaßen – wenn man so sagen will – der krönende Abschluss. Sakralkunstmuseum in einer profanierten Kirche, idealer Hallverlauf, und einigermaßen gefüllt die Hütte: Was willst du mehr. Ja, und wieder ein beglückend freigebiges Publikum, wieder sind sie am Ende aufgestanden.

Wir wollen hier einen kleinen Exkurs anstellen über die Bereitschaft, sich zum Applaus zu erheben. Eine derartige Kundgebung wird oftmals von weiter oben auf der kunstbetrieblichen Nahrungskette sich befindenden Kollegen als Hinweis auf peinliche Provinzialität gesehen. Ich widerspreche dem, nenne es Freigebigkeit: Man vergibt sich nichts, seine Zustimmung zu zeigen; wie es ja auch in einer ersprießlichen Beziehung beidseitig aufbauend wirkt, wenn man seine gegenseitige Zugeneigtheit immer wieder aufs neue bestärkt, ohne sich dadurch in die Macht des anderen zu begeben, die dieser in der Folge eben nicht toxisch böswillig ausnützt.
Mithin: Was für ein Glück, auf den Azoren spielen zu dürfen!

muet:ter:tuliano, Salzburg, 14.10.2025

»Amidst / Entre« bedeutet soviel wie »inmitten«, aber auch »dazwischen«.
Es kann sich um das Dazwischen einer Begegnung handeln: Jeder kommt aus »seiner« Welt, man bewegt sich aufeinander zu, trifft sich in der Mitte. Für dieses »Inmitten« bedarf es aber immer der Vermittlung durch ermöglichende Orte, Institutionen und, das wichtigste: Menschen. Bei MUSIC AZORES sind diese Bedingungen in beglückendster Weise gegeben, und so freuen wir uns, unser gemeinsames Spiel aufeinander zu, hier, inmitten des Atlantiks zu präsentieren und somit zur sinnlichen Wiederrichtung jenes sagenhaften Kontinents beizutragen, welches das Menschengeschlecht unter dem Namen ATLANTIS wissend erahnt.
Im klassischen Symphonieorchester spielen Kontrabass und Posaune ein je eigene, recht spezielle Rolle. Liefert der Bass das unumstößliche Fundament von Allem, so stabilisiert und definiert die Posaune oftmals mit warmen Tönen die eigentliche Harmonie. Solistisch sind beide eher im Hintergrund, ihr gewaltiges Potential aber ist jederzeit immanent und augenblicklich verfügbar, wenn es etwa darum geht, in dunkel leuchtenden Effekten den Blick ins Chthonische der Unterwelt oder bis hinauf zum Himmel zu weisen.
Im kammermusikalischen Austausch des Duos treten dazu besonders beglückende Koinzidenzen: Die Klangfarben und Frequenzen von Posaune und Kontrabass »mögen« einander, sodass das Ganze mehr (weit mehr) ist als die Summe der gespielten Töne. Darauf aufbauend haben Bertl Mütter und Antonino Tertuliano ein Programm erarbeitet, in dem sie sich von der Gregorianik bis zu experimentellen (stets ausschließlich analog und unverstärkt erzeugten) Klangfolgen mit Flügeln des Gesangs aufschwingen: Eine faszinierende Reise ins Dazwischen, und das ist immer dort, wo wir uns gerade befinden.
Ein weiteres Dazwischen ist der wechselseitig als reizvoll erlebte Abstand einer Generation, von dem jeder auf seine Art profitieren kann, zur beidseitigen Erkenntnisfreude – und der des mit offenen Ohren (und Herzen) lauschenden, interessierten Publikums.
Herzlich Willkommen!
Bertl Mütter & Antonino Tertuliano
Mission Statement, muet:ter:tuliano

Ein paar Erkenntnisse aus der ersten Probe mit Bertl Mütter: Zunächst spielte ich mit wenig Lautstärke und dunklen, aber sauberen Tönen. Bertl antwortete ohne Zögern, warm und unverschämt, seine Töne umhüllten meine, als hätte er die ganze Zeit auf mich gewartet. Wir unterhielten uns in untypischer Harmonie: »Hörst du mich?«, fragte ich mit schwebenden Akkorden. »Ich höre dich«, antwortete er mit Noten, die meine Akkorde auflösten. Wir konkurrierten nicht, sondern lehnten uns aneinander an – der Klang meines Kontrabasses traf auf seine Posaune, mein Schatten umarmte seinen warmen Klang.
Es gab viele Momente während unserer Probe, in denen ich nicht wusste, wo der Klang meines Kontrabasses endete und der der Posaune begann. Gemeinsam schufen wir etwas, das größer war als wir selbst: einen vollen Klang, gemalt nicht in Worten, sondern in Tönen.
Übers gemeinsame Spiel – Wahrnehmungen von Antonino Tertuliano

Als Bonus, zur Musik, hat es besten Fisch gegeben (die Steaks waren auch nicht ohne), dazu die allerbesten Ananas – man genießt sie scheibenweise, zart mit Zimt bestreut; Ceylon-Zimt, damit wir sich verstehn. (In Brasilien, hat mir der liebe Antonino gesteckt, heißen sie abacaxi, die Ananas.)

Donnerstag, 20. November 2025

Radio Österreich 1
Sound Art: Kunst zum Hören
»Vom Eigensinn der Schriftzeichen«
Musik von Bertl Mütter – »Alphabetische Girlanden«

Foto: Lucas Cejpek

Zu seinem 40-Jahr-Jubiläum hat der Sonderzahl Verlag unterschiedlichste Autorinnen und Autoren eingeladen, über einen Buchstaben, eine Zahl oder ein anderes Schriftzeichen zu schreiben.
Lucas Cejpek hat aus den Kurztexten eine Partitur für 3 Stimmen erstellt und beim Jubiläumsfest am 11. 11. 2024 im Semper Depot zur Aufführung gebracht. Bertl Mütter hat 7 Monate später im Studio 2 des Funkhauses »Alphabetische Girlanden«, wie er seine Komposition nennt, über den Mitschnitt gelegt.
Ankündigungsprosa, Radio Österreich 1

Idee, Konzept, Regie: Lucas Cejpek
Mit: Pilar Borower, Sebastian Egger und Katharina Rose
Musik: Bertl Mütter, Posaune
Technik: Lukas Linschinger

Lucas Cejpek und mich verbindet – auch durch seine Lebenspartnerin Margret Kreidl – eine langjährige, von gegenseitiger Wertschätzung geprägte künstlerische Freundschaft. Nun hatte er sich im blühenden Mai recht kurzfristig an mich gewandt, wir haben einen Studiotermin vereinbart (der 10. Juni war’s) und ich habe gespielt: eine klassische, dichte Radiosession, getragen von großartiger Unterstützung durch den Tonmeister Lukas Linschinger und Susanna Niedermayr, die Producerin der dem legendären Kunstradio nachfolgenden Sendereihe, wo ich denn nun also auch, finalmente, angekommen bin. Das Ergebnis ist ein zauberhaft heterogenes Konglomerat, und, sowas, kurzweilig ist es auch.

Alstern: Einschalten!

Mittwoch, 12. November 2025

Wien, Jesuitenkeller
muet:ter:tuliano: »3.595,14 km ONO«

Bertl Mütter, Posaune & Antonino Tertuliano, Kontrabass
Kick-off-Konzert: »Amidst / Entre«

Den Flyer hat in bewährter Weise Michael Atteneder gestaltet. DANKE!

Vom Jesuitenkeller in der Wiener Innenstadt zum Flughafen Wien-Schwechat sind es 18,8 km. Die Flugentfernung zwischen dem Flughafen Wien (VIE) und jenem von Ponta Delgada (PDL) beträgt ungefähr 3.572,24 km. Vom Aeroporto João Paulo II in Ponta Delgada zu unserem ersten Auftrittsort, dem hochlöblichen Palácio de Sant’Ana, das ist die Residência Oficial do Presidente do Governo Regional dos Açores, sind es 4,1 km. Macht zusammen 3.595,14 km, die wir uns ungefähr ostnordöstlich von unserem zwei Tage nach diesem Kick-off-Konzert anzusteuernden Ziel befinden. Dann aber sind wir wirklich »Amidst / Entre«.

(Das letzte Konzert, was für eine Koinzidenz/Coincidência, haben wir in der Igreja do Colégio zu Ponta Delgada zelebriert, und Colégio besagt allerdings, dass es sich um jenes dos Jesuítas de Ponta Delgada handelt. So hat alles seine stimmige Klammer; wie ja überhaupt das Meiste a posteriori plausibilisiert zu werden pflegt.)

Die genauen Konstitutiva unserer zentralatlantischen Unternehmung finden Sie im dem Zeitraum 15. bis 22. November 2025 gewidmeten Beitrag.


Eintritt frei! Im Anschluss kostenloser Ausschank besten Wimmer-Czernys (quasi AGAPE).


Genauso war’s. Und etliche liebe, teilweise lange nicht getroffene sog. Alten Freunde waren auch da. Großer, positiver Zuspruch.

[Best Kickoff ever.]

Sonntag, 9. November 2025

St. Veit an der Glan, Rathaus
St. Veiter Neue Literatur Tage

Liebesgedichte von Friederike Mayröcker und Ernst Jandl
Lese-Performance mit Frieda Paris und Benedikt Steiner
Improvisationen und Kompositionen von Bertl Mütter
Ankündigungskurzprosa

Zu diesem kleinfeinen Literaturfest eingeladen worden zu sein, empfinde ich als eine große Ehre. So durfte ich inspirierende Beiträge und feine Begegnungen erleben, namentlich mit Drago Jančar, Brigitte Schwens-Harrand und – irgendwann hat es sich ja ergeben müssen – endlich auch mit Monika Helfer, und die beiden Damen erwiesen uns tatsächlich die kollegiale Solidarität, zu unserer Matinee zu kommen. Dieselbe ist denn auch recht gut gelungen – und angekommen.

Ein großes DANKE Ulrich Hagg und seinem Team!

Donnerstag, 6. November 2025

Wien, IG Architektur
Poesiegalerie 2025 – Die jährliche Veranstaltung im November
trombohuwabone.
Eine Ernste Jandliade vum Bertl Mütter

Wien, Stephansdom, Pummerin, 15.11.2022 © Klaus Fritsch

Voller Ernst voraus!


Feiner Rahmen, most devoted audience, und das zu derart später Stunde.

Nach einer kurzen Umbaupause (…) beschließt Bertl Mütter den Abend. Sein »trombohuwabone« ist eine »ernste Jandliade«. Udo Kawasser attestiert dem Künstler in der Einführung »Musikalität, Intelligenz und Spielfreude«, und verspricht damit nicht zu viel. In Trenchcoat und Hut tritt Mütter auf, packt übertrieben unbeholfen sein Instrument aus und richtet sich umständlich ein. Die Posaune wird anfangs weniger gespielt als malträtiert, und in des Künstlers Selbstkommentierung gleiten wir nahtlos in die Rezitation von Jandls Gedichten. »Kennen Sie mich, Herren?«, fragt er mehrmals, oder doch »Können Sie mich hören?«
Mütter führt Jandls Texte ihrem ureigenen Verwendungszweck zu – mit Inbrunst vorgetragen zu werden. Der Mantel wird ausgezogen, unter dem weitere Mantelschichten lauern, die ebenfalls abgelegt werden. »Ich haben ein Hut an / Gut Hut«. Mütter verkörpert die Sprache selbst, schlüpft in die Rolle der zu uns sprechenden Stimme, übernimmt zeilenweise die Perspektive einer konkreten Figur. Damit wird die Lesung zum »Spiel«, in dem keine einzige zungenbrecherische Wortspielerei verstolpert wird. Mütter agiert nicht nur text- und sprechsicher, sondern stets gekonnt innerhalb jenes Bereichs, in dem lustvoller Schalk nicht zu unterforderndem Klamauk wird. Vortrag wechselt sich ab mit avantgardistischem Posaunengetön, das Blasinstrument spöttelt und tschilpt. Der fliegende Wechsel zwischen Text und Musik verdeutlicht die Musikalität der Sprache, eines wird zum anderen, bis das andere vom einen nicht mehr zu unterscheiden ist. So hat man Jandl noch nie gehört – aber genau so sollte man ihn immer hören!

Lukas Meschik, Rezipient vom Tag

Danke. Und sNächstemal überzieh ich nicht. Überjandln aber werd ich weiterhin.

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Wien, Österreichische Gesellschaft für Literatur
Matthias Politycki: »Meisenfrei. 99 Gedichte« (Hoffmann und Campe)
Manfred Müller, Moderation

Matthias Politycki lädt mit seinen neuen Gedichten in seine Hamburger Stammkneipe »Meisenfrei« und zu einer Grand Tour, bei der die Kellnerin, der Postbote und die Poesie des Sake, das Alltagsparlando am Tresen und der hohe Ton zu einem unverwechselbaren Sound zusammenfinden. Da steht eine Verkostungsnotiz neben einem formstrengen Sonett, ein klassisches Kalendergedicht neben einem Psalmlied und einem Objet trouvé aus einer rauschenden Nacht. Die Liebe, der Tod und die vermeintlichen Banalitäten des Alltags, die großen Umbrüche der Gegenwart und die mächtigen Aufreger am Tresen, hier sind sie frank und meisenfrei in Form gebracht.
Verlagsprosa

Weil ich den Matthias am 19. Juni 2025 (Fronleichnam, aber das war nicht der Anlass – ein Doppelsiebziger gemeinsamer Freunde war’s, also nicht einmal anteilig der seinige, den er ja heuer auch begangen hat) in den Wiener Weinbergen (auch downhill) kennengelernt habe und er, nebst anderem, eine ausgepicht kuule Socke ist, habe ich ihm angeboten, dass ich, als kleine freundschaftliche Geste, ein paar Posaunenklänge zu seiner Lesung dazuspiele, was ihn doch einigermaßen gefreut haben dürfte, mithin (außer Programm):

Bertl Mütter, Posaunistische Aperçus

Überhaupt, man kann doch wirklich überhaupt nie wissen, ob etwas einmal zu etwas gut gewesen sein wird, aber darum geht’s bitte nicht, überhaupt nicht.


Genauso wars. Super Sache, kuule Socke.

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Lienz, Museum Schloss Bruck
»Wandeln und Lauschen – Lyrik im Dialog mit Nicäa«
Wandellesung mit
Marco Michalzik, Siljarosa Schletterer und Paul Zinell
Bischof Hermann Glettler, Gastgeber
Bertl Mütter, Posaune

Susi Pop: »Christ in Glory«, nach Graham Sutherland (Ausstellungssujet)

In einer künstlerischen Klausur haben die drei einander recht stimmig ergänzenden Lyriker (gener. m.) Gedichte zur Ausstellung »BLICKE NACH INNEN. Nicäa« verfasst, die an diesem Abend im Zuge einer Wandellesung performativ präsentiert wurden. Ich bin mitgewandelt, als Trombonaut. Ob und welche weiteren womöglich wunderlichen Wandlungen sich eingestellt haben, kann nicht mit letzter Gewissheit gesagt werden, es wird sich weisen. Merke: Zur nachmaligen Bestätigung allfällig aufpoppender Wunder ist es immer hilfreich, wenn von allem Anfang an eine kirchliche Autorität zugegen ist. Da wären wir recht gut vorne mit dabei.


Tagsüber haben Hermann Glettler und ich einen impulsiven Rundgang unternommen, bei dem er mich samt meiner Posaune vor sich her durch die Ausstellung filmend, nunja, getrieben hat; aber eh seehr freundschaftlich.


Dienstag, 7. Oktober 2025
Lienz, Bildungshaus Osttirol

Eins zurück noch, wenn ich schon einmal da war: Am Vorabend hat Hermann Glettler sein gemeinsam mit Abualwafa Mohammed verfasstes Buch »Nicht den Hass, die Liebe wählen« vorgestellt, das »Hoffnung schenkt und Wege zu mehr Menschlichkeit und Dialog aufzeigt«. Die frisch gegründete »Trommelgruppe Osttirol« hat die Veranstaltung ›umrahmt‹, ihr erster Auftritt; ich habe zum Abschluss ein paar Klänge in den Raum geblasen.