mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


allegro stradivari /5

Das Faltblatt Reisebegleiter ist immer ausgiebigstes Studium wert. Abgesehen von den Phantomzeiten für den eigenen Zug ist das darin notierte Reisepotezial enorm, und im Geiste kannst du heutzutage ja überall hinfahren, es ist so ähnlich wie das sprichwörtliche Verreisen mit dem Finger auf der Landkarte: Nach Heidelberg oder bis Dortmund, zugleich aber nach Rosenbach, Völkermarkt und bis Kühnsdorf, oder nach Kapfenberg Fachhochschule, Wien Hausfeldstraße, Breclav, Bratislava, Warszawa Wschodnia, Mistelbach oder Fertöszentmiklos, dorthin aber nur an (1) bis (4), nicht an allg. Feiertg.
Und, wie gesagt, überallhin gleichzeitig, während der Allegro Stradivari sich von Mariahof-St. Lambrecht über Scheifling ins Murtal hinabwindet, Unzmarkt, kein Umsteigen nach Murau und Tamsweg diesmal, ein Allegrozug fährt durch, erinnern wir uns.

allegro stradivari /4

Der Allegro Stradivari ist ein Zug, der öfter nicht stehen bleibt als er Halt macht, zwischen Klagenfurt und Wien Süd nur im schönen Bruckandermur.
Mimi hüstelt. Irgendwo müssen wohl die Oxygenflaschen lagern, stelle ich mir vor, und vielleicht bleibt der Geigenzug ja außerfahrplanmäßig am Semmering stehen, der Wolfsbergkogel wäre doch ein rechter Zauberberg, wünsche ich dem armen Fräulein nebenan.

Wolfsbergkogel
Wolfsbergkogel, Semmering. © Gunar Kaune. Danke.

allegro stradivari /3

Zweieinhalb Stunden später. Mimi hüstelt weiter mit dieser entsetzlichen Regelmäßigkeit. Fehlt nur noch, dass sie über das Lautsprechersystem Puccini zuspielen. Der junge Mann mit den hohlen Wangen, die durch den schütteren Bart erst recht in all ihrer Mattigkeit hervorglühen, der gäbe doch einen passablen Rodolfo ab, stelle ich mir vor.

allegro stradivari /2

EC 32. Der Zug braust durch den schneematschigen Kärntner März. Nebenan hüstelt, in Abständen von etwa neunzig Sekunden, Mimi, (a)hh(a) rasselt es durch die dünne Abteilwand, etwa alle neunzig Sekunden, und das ist exakt so lange, dass man die neunundachtzig Sekunden zwischen den Hustern voll mitlebt, die Spannung mitaufbaut, bis – achtundachtzig – neunundachtzig – (a)hh(a) – zur Abhusterlösung.
Im Yellowstone National Park gibt es ja diesen berühmten Geysir, der hustet durchschnittlich alle einundneunzig Minuten, aber so eine Mimi ist ja kein Kelomat, stelle ich mir vor.

allegro stradivari /1

EC 32. Der Allegro Stradivari (gewissermaßen ein schneller Geigenbauer – wo man sich doch Zeit lassen soll, will man eine Geige von gehobener Qualität bauen), so heißt mein Zug, Klagenfurt – Wien in drei Stunden und exakt vierundvierzig Minuten, allerhand, wirklich wahr. Es gibt ja noch einen von der ganz schnellen Sorte auf der Südbahn zwischen Wien und Venezia, den haben sie, noch unpassender Don Giovanni genannt; der müsste, wenn schon, nach Sevilla – Achtung, Wortwitz! – verkehren, stelle ich mir vor. Zu Venedig aber fiele mir noch Herr Kasanowa ein, und, wenn es schon musikalisch sein soll, allerdings noch Antonio Vivaldi, der ist zumindest in Wien begraben. (Wo wurde eigentlich dieser Herr Johann begraben, nachdem er von diesem Steinernen Gast abgeholt worden war?)

mit beschränkter Haftung

Eigenartig. Da möchte man, sagen wir: Kafka begegnet sein. – Aber in seiner Zeit, in seinen Lebensumständen leben müssen möchte man lieber nicht.

Ich jedenfalls.

vergebens. Ein Traum

Gardenschlauch 1983
4.v.l.: Melem; 2.v.l.: Petermandl; dazw.: Mütter – Pfarrheim Münichholz, 1983

Melem, Petermandl, Mütter spielen ein Konzert, Dixie, die Nummer Cabaret (oder ist es Hello Dolly?), es ist ein großer Saal, ja, eine prall gefüllte Halle, aber wir stehen unter der Bühne, ungefähr dort, wo bei einem Boxkampf die Ringrichter sitzen, eng ist es, zwischen dem in Brusthöhe über uns sitzenden Publikum und der fast orange holzvertäfelten Wand, es muss ein Bau aus den späten Siebzigern sein, ist kaum Platz für den Kontrabass oder gar zum bei dieser Musik unerlässlichen weiten Ausfahren des Posaunenzugs, und bald schon machen wir Pause, eine sehr lange Pause, denn Petermandl will erst weiterspielen, wenn er die eben, gut zwanzig Minuten nach Beginn der Pause bestellten Spaghetti Bolognese bekommt, die Nudeln werden aber erst in ein paar Minuten ins jetzt noch nicht kochende Wasser gegeben werden, dann will er sie noch genüsslich und also gemütlich essen, vielleicht noch ein Zigarrillo hinterher, mittlerweile wird das Publikum unruhig, sie beginnen uns hereinzuklatschen, aggressiv klingt das, Petermandl ist davon komplett unbeeindruckt, ich renne nervös hin und her, bitte Petermandl inständig, hinauszukommen, flehe ihn an, schließlich kommt er, ich weiß nicht warum auf einmal, doch, und wir treten in die Halle, sarkastischer, ja, zähnefletschender Applaus empfängt uns, – so wie am Flughafen von Teneriffa, Süd, als das Gepäckförderband für den Flug aus Nürnberg nach einer dreiviertel Stunde kurz anlief, natürlich vergebens, denn es stockte gleich wieder, und der ganze Urlaub selbst drohte kollektiv versäumt zu werden, zusammen mit den aus drei anderen Flugzeugen von Glasgow, London Stansted und Göteborg Eingetroffenen, die sich als jeweils zusätzliche Schale um das Band scharten, sodass kein Durchkommen war, weder vom noch zum mit regenbogenfarbenen Kofferbändern individualisierten Gepäck, das, da das Band mit der unseligen Nummer drei stand, ohnehin nicht daherkam, unterdessen links und rechts die Bänder eins, zwei und vier prächtig funktionierten in dieser stickigen und vielzukleinen Gepäckförderbandhalle, es fand sich eine Handvoll beherzter Urlaubssenioren, die konnten jedoch auch niemand ausfindig machen, dem man die Schuld für das Versagen genau des Nürnberger Gepäckförderbandes hätte geben können, – jetzt aber ist es klar, dass wir selbst verantwortlich sind für diese aufs arroganteste überzogene Pause, empörter Hohn empfängt uns, als man, kaum ist die Tür von der Kantine in den Saal einen Spalt geöffnet, merkt, dass wir in Richtung der sogenannten Bühne unterwegs sind, – es ist wie beim Auftritt eines Dirigenten im Musikverein, wo es einen Wettbewerb zu geben scheint, wer im Publikum den Maestro als erstes erspäht, oder gibt es eine Funkverständigung vom Künstlergarderobier an einen natürlich Schmiergeld zahlenden Klatschfavoriten, oder ist der Künstlergarderobier ihm, dem Klatschfavoriten sexuell hörig und also anderweitig erpressbar, Tatsache ist, dass der Maestroersterspäher das Applausschneebrett mit seinen Handflächen lostreten darf, – beim Hinausgehen zu dieser sonderbar versenkten Bühnenzumutung stehen Leute im Weg, die sich, das merken wir unmittelbar, überhaupt nicht für unsere Musik interessieren, und während ich abseits vom Mikrophon ein paar Einblasetöne anspiele, fragt mich einer von denen, wie das geht mit dem Posaunenziehen, er greift mir in den Zug, unerträglich ist das, ich versuche, ihn mit dem Posaunenzug wegzurempeln, das beeindruckt ihn aber nicht, ich zetere, nur weil Sie von den Lions sind, brauchen Sie deswegen noch lange nicht glauben, dass Sie ein Anrecht haben, so respektlos zu stören, Sie können beim Niki Lauda ja auch nicht ins Cockpit gehen und an seinen Hebeln und Schaltern umrühren, lassen Sie mich gefälligst in Ruhe!, das ist ihm aber wurscht, endlich fangen wir doch zu spielen an, natürlich wieder Hello Dolly (oder ist es Cabaret?), jedoch kaum haben wir ein paar Takte gespielt, läutet Melems Mobiltelefon, und was macht er, der geht doch tatsächlich ran, umständlich, als müsse er erst die Telefonschnur entwirren, aber ein Handy hat ja gar kein Spiralkabel, ausgiebig und ausladend telefoniert er, völlig schamlos und unbeeindruckt, Petermandl lässt seine Trompete sinken, nimmt zunehmend Anteil an Melems Telefoniererei, abwechselnd runzelt er die Stirn, lacht auf und bestätigt oder verneint gestisch die mir, der Zusammenhänge unkundig, sinnlos erscheinenden telefonischen Abmachungen, mit einem Mal kommen mir die beiden vor wie die Gehilfen des Landvermessers K., unterdessen versuche ich, zu retten, was gar nicht zu retten ist, niemand aber scheint meinen guten Willen zu brauchen oder gar zuhören zu wollen, alles ist vergebens, und den Kollegen (bitte, was sind das für Kollegen?) ist es natürlich auch komplett egal, dazu kommt, dass mein Ton auf der Posaune jetzt nach feuchtem Pappendeckel klingt, er fühlt sich an, als hätte ich den Brei von zehn Fredikeks im Mund, während ich, natürlich vergebens, versuche, dem schamlos plaudernden Publikum die Zeit bis zum Ende von Melems Telefongespräch mit sensiblen Posaunenspaltklängen zu überbrücken, das misslingt vollkommen, und mit schalem Geschmack im Mund gehe ich aufs Häusl, unzufrieden, es nicht geschafft zu haben und trotzdem dankbar, erwachen gedurft zu haben.

Draußen regnet es.

Frohe Ostern.

Gardenschlauch 2006
5.v.l.: Melem; 3.v.l.: Petermandl; dazw.: Mütter – röda, 28.1.2006

vertschäßßt /3

Nun zur Musik. Ich rede nicht von den unsäglichen Tiefen jener plump synkopierten Jugendmessmusik an der Zeitenwende der Siebziger zu den Achtziger Jahren (und möglicherweise darüber hinaus – da habe ich die Szene nicht mehr weiter verfolgt, und habe daran gut getan, bin ich mir sicher). Gar so weit hergeholt wäre der Jugendmessmusikvergleich aber auch wieder nicht, fällt mir gerade auf…

Sei es ein sogenannter (und also marketingmäßig opportuner) Jahresregent, sei es ein überlebender Gast aus einer geographischen und/oder historischen Exotik (je superlativer umso begehrter, gelt, verehrter Konzertveranstalter; und, wenn es ein Trio ist, borg es dir am besten aus Tlön, Uqbar und Orbis Tertius) oder sei es ein ehrwürdiger Kompositionsauftrag für Großes Orchester samt populistisch einzusetzendem (über weite Strecken nur scheinvirtuos – das ist das schlimmste – gespieltem) Soloinstrument: Es existiert eine weltumspannende Verschwörung, aus allem, was an musikalischer Originalität oder instrumentalem Potenzial daherkommt, völlig respektlos und unnötigsterweise Jazz zu faschieren.

Was für ein angekratztes Geltungs- und Rechtfertigungsbedürfnis ist das, gerade in dieser, die originäre Kreativität wie keine zweite für sich beanspruchenden Musikbranche? Das ist doch Fotobibel in Musik. Lasst das bleiben. Ich bitte euch, inständig. Man muss ja auch nicht aus jeder Speise eine chinesische machen; der Apfelstrudel bleibe Apfelstrudel, der Kaiserschmarrn Kaiserschmarrn, das Gulasch (mit oder ohne Nockerl) Gulasch, und dem Wiener Schnitzel erspart, ich bitte euch, das chop suey; es kommt nämlich nichts besseres nach. Ganz sicher NICHT.

vertschäßßt /2

Wer mit Jugendmessvergangenheit kann sich nicht an die Fotobibel erinnern, ein Neues Testament in heutigem Deutsch, garniert mit sehr frei assoziierenden und umso spektakuläreren Bildern: ein Artist balanciert im Turnvereinsdress und mit so einem Balancestecken über einem Hochgebirgsabgrund; am für die späten Siebzigerjahre typischen (in eine Verkümmerungszukunft weisenden) orangen Umschlag sah man eine startende dreistrahlige Verkehrsmaschine im Profil, unter ihr im Hintergrund eine gleißende Sonne, sehr erhebend, wirklich wahr.

Mit den Fotos und der (so nahm man an) griffigeren Sprache hat man damals versucht, junge Menschen allerlei spirituell Erhebendes – von den Ungeheuerlichkeiten der Evangelien bis zu den Visionen der Apokalypse – häppchenweise schmackhaft zu machen.
Ich kenne niemanden, dem beim Anschauen dieser bible light der Drang, Theologe zu werden eingeschossen ist. Vielleicht Stewardess.

vertschäßßt /1

(Eine Art Wellness- und Lifestyle-Polemik, in drei Teilen)

Unlängst, wie man sagt, sind mir ein paar Aufnahmen bzw. im Rundfunk live Dargebotenes von ansonsten geschätzten Kollegen zu Ohren gekommen. Fassüberlauftropfen.

Jazz

Ich weiche über die Flanke aus und passe dann in die Mitte; es wird ein Kopftor.

Wellness

Zum Beispiel über den Bärlauch (Allium ursinum; Zigeunerzwiebel, Waldknoblauch) lesen wir, dass er jetzt besonders gesund ist, er reinigt uns, die Leber, die Galle, wirkt gegen Durchfall und Verstopfung, senkt den Blutdruck, entfernt unsere Wimmerl und löst den aus dem Winter mitgenommenen bronchitischen Schleim, ist überhaupt die totale Vitaminbombe, die wir gerade um diese Zeit sowas von brauchen.
Brauchen, wozu? Die auf den bunten Gesundlebenseiten die Leserinnen abbildenden Menschen („Serviervorschlag“) tun in milder Harmonie mit ihrer Umwelt den ganzen Tag doch nichts anderes, als permanent lächelnd ausschließlich Bewusstes, für sich (Körper, Seele, Geist) und ihre Familie, sich also entgifteterweise zu entgiften, entschlackt zu entschlacken, die straffe Haut zu straffen, der aufgrund der gesunden Ernährung nicht drohenden Karies und den durch ein ausgewogenes Bewegungsprogramm ganz sicher vermiedenen Haltungsschäden ihrer Kinder (Vorbild: die Jahrzehnte nicht alternde BAWAG-Werbung, seligen Angedenkens) vorzubeugen.
Also noch einmal: Von welchen, infolge welchen lasterhaft geführten Lebens kumulierten Schadstoffen und Giften müssten wir uns bitte reinigen? Noch dazu in einem so mit Bewusstsein gesegneten Land wie unsere Heimat?
Wir blättern weiter in der Sonntagskrone. Eine Kreuzfahrt, das wäre auch etwas. Ja genau, Kultur.

Lifestyle

(Eine weitere Art Nachtrag.)

Vieles an Inspiration verdanke ich ORFON, der Internetredaktion des ORF.
Geben Sie einmal bei google die Suchanfrage lifestyle bedeutet ein. – Ich darf ein paar damit beginnende Sätze zitieren: … auch Wohlbefinden und Schönheit von Innen; … auch den Augenblick genießen; … schon etwas mehr als Kosmetik und Klamotten; … für Mich in erster linie zwei dinge; … ein Gesamtkonzept einer ganzheitlichen Idee; … individuelle Lebendigkeit in zeitgenössischem Outfit… (sowie ca. 2.016 Antworten mehr.)

Am 28. März 2006 war in der fast ganz zuunterst gereihten Rubrik (tiefer stehen nur die Leute) das dominierende Thema der – Hundekot.
Danke, ORF, aus Deinem Mund dringt die Wahrheit: Hundescheiße als Wiener Lifestyle. Besser (und tröstlicher) kann man es nicht sagen.
(Beim Verfassen dieser Zeilen wurde wieder auf ORFON recherchiert. Unter Lifestyle steht da: Studie: „Frischkühlkost“ immer beliebter. – Ob es da womöglich Zusammenhänge gibt? Und: welche Lobby?)

Frisieren in Leoben /5 – Nachtrag

Ich räume ein, dass es natürlich auch in Wien einen Hairgott gibt. Diesen habe ich aber erst im Zuge meiner Recherchen aufgefunden, der andere ist mir unvermittelt begegnet, und das zählt zweifellos mehr.

Frisieren in Leoben /4 – ohne Worte

hairgott
Leoben, 9.3.2006

Ich stelle mir vor, dass ein (üblicherweise männlicher) Jugendlicher, zum ersten Mal allein beim Friseur, wenn er mit einem (üblicherweise die Mutter) nicht befriedigenden Schnittergebnis nach Hause kommt, nur jenes urösterreichisch-fatalistische Couplet* singen wird müssen, und der Freispruch ist ihm sicher; allerdings auch beim nächsten Mal der Besuch in einem weniger schnittigen Salon.

*) besonders die Zeile Renn nur nicht gleich verzweifelt und kopflos herum sei ein gut gemeinter Rat an die (stets zu Recht) entsetzte Mutter.

März 2007, Nachtrag: Mittlerweile gibt es ja im Internet für alles und jedes eine spezialisierte Seite.

Frisieren in Leoben /3

In den Siebzigerjahren ging man in Frisiersalons, die einen modischen Frauen- oder (seltener) Männernamen trugen, und manche davon haben in den Vorstädten überlebt. Einige Beispiele (orthographisch übernommen aus dem Wiener Branchenbuch): Frisörstudio Diana, Salon Monika, Alma’s Salon, Studio Vera, Friseurstuben Evelyne, Friseursalon Kahl (sic!) Edith, Coiffeur Bea, Figaro Alfredo, …
Soweit, so gut. Und schon genug.
Dann aber, ausgehend vom (ich vermute) Achten Bezirk in Wien, brach die Originalität ein, ein eigenes Friseursprachgewerbe begann mit seinem Wüten. Eine Liste haarsträubender Ergebnisse aus den Selbststricktexterwerkstätten in den Hinterzimmern diverser Frisiersalons, in alphabetischer Ordnung: absoluthaar, ansichtssache, Austrian Hairlines, Blaues Hexagon, Blizzfrizz, C’HAARISMA, Chaos hairconcept, Cutpoint, Dauerwelle, Der Drei Hauben Friseur, Donauwelle, Frohlocke, GmbHaar, Haar für Haar, Haargenau, Haarlekin, Haarmonie, Die Haarprofi’s, Haarscharf, Haarspalterei, Haarwörker, Hairbox, Hair Control, Haircraft, Hair-Factory, Hair Flair, Hairlich, Hair Line, Hairman, Hair mit Flair, Hair & Mehr, Happy Hair-Naturfriseur, Hauptsache, Heiße Schere, Hin und Hair, Kamm In, Kopfart, Kopf & Quer, krehaartiv, Le Coup, O Haara, Schery, Schneideraum, Schnipp Schnapp, Schnittpunkt, Stufenschnitt, Superkampel, Terrassenschnitt, Zum Haarbändiger, Zur flinken Schere.
Morgen: Leoben, dem Fass den Boden ausschlagend und es gleichzeitig zum Überlaufen bringend, ohne Worte.

Frisieren in Leoben /2

Ein bisschen sollte ja jeder bei dem bleiben, was er gelernt hat. – Sehen Sie, auch für diesen Ratschlag bin ich kein rechtes Beispiel, dass er zutreffe, dürfte etwa nicht dieses Diarium verfassen, gar veröffentlichen, oder die Posaune derart beatmen, wie manche es auf der Hohen Schule nicht so gern gesehen bzw. gehört haben, Ende der Abschweifung.
Es gibt ja tatsächlich Friseurmeister, deren Nachhall in der Welt nicht der modischsten Locken oder Bubikopffrisuren wegen besteht: erinnern wir uns des hier erwähnten Sepp Stöger, welcher es in Steyr nicht wegen seiner Kunst, die Scheren klappern zu lassen zu einer eigenen (wohl posthum verliehenen) Straße gebracht hat, sondern weil seine Mundartdichtungen, wie es heißt, überaus lebendig, humorvoll und besinnlich sind.
Damit ist es heraußen: Ich meine der offensive sprachliche Originalitätszwang, der uns heutzutage vom Eingang allzuvieler Frisiersalons entgegen schlägt.
(Beispiele morgen)

Frisieren in Leoben /1

Es gibt keine Branche des Dienstleistungsgewerbes, die uns mit einer derartigen Creativität beglückt, wie die des Coiffeurwesens.
Ich rede hier nicht von den Friseurweltmeistern, deren es in jeder Gemeinde ab zweitausend Einwohner allein inÖsterreich mindestens einen zu geben scheint (ich vermute, es ist eine der Bedingungen, die erfüllt sein müssen, will ein Ort zur Stadt erhoben werden – so muss es im Stadtarchiv von Steyr Belege über eine ununterbrochene Ahnenreihe von Friseurweltmeistersdynastien zumindest seit vor AD 980 geben); auch nicht von jenen das Glück beim Schüpfi packenden Innungskommilitonen, die sich durch die Abnahme und sichere Verwahrung von Locken nachmalig weltberühmter Persönlichkeiten ein zusätzliches Alterseinkommen zu sichern trachten. (Von beiden Spezies hat meine Heimatstadt würdige Vertreter in ihrer hall of fame, ich sage nur Rudi Meidl bzw. Sepp Stöger (der Hinweis auf Stöger findet sich gleich im zweiten Absatz, der auf R.M. in Absatz Nummero 8).
Eben fällt mir auf, dass ich ein Faible fürs Frisieren zu haben scheine. Verdächtig Kurzhaariger, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich dazu zu bekennen. Und morgen verrate ich Ihnen, welche der Haarschneidebranche besonders eignende Kreativität ich meine; und vielleicht auch schon, was es damit mit Leoben auf sich hat.

Frühstück in Leoben

Radiogedröhn im Frühstücksraum, dass man sich nur durch Gestikulieren verständlich machen kann. Ich winke das Fräulein herbei, ob sie bitte das abstellen könne, frage ich, ganz nah bei ihrem Ohr. Sie verzieht das Gesicht (vielleicht verbiegt das die Vokale dann so, stelle ich mir vor), a bijsl laeijser kaoun i drahn, waeijßn’S, die Gäisd wouln deijs asou. Ich schaue mich um. Der Saal ist leer. Keck lege ich nach und weise darauf hin, der einzige Gast zu sein.
Wider Erwarten hilft das. Vorläufig. Im Verlauf meines knappen Frühstücksaufenthaltes wird das solchen Lokalitäten eignende vollautomatische, stufenlose Lautstärkenzoomprogramm aktiviert. Es hält üblicherweise bei 110 % des Ausgangspegels. Das zu übertünchen müsste man schon die Staubsauger anwerfen.
So ist es auch, stelle ich, diesmal zufrieden, fest, wie ich mein Zeug zusammenpacke, Abreise.

Fortschritt in Leoben

Bis du im Hotel Kongress zu Leoben dein Zimmer beziehen kannst, musst du einige Aufgaben lösen. Die erste (und schwierigste) ist die Auffindung des vierfach besternten Beherbergungsbetriebes. Unter Hauptplatz 1, einer Adresse, für die man, möchte man meinen, an keinem Ort einen Stadtplan benötigt, befindet sich nämlich kein mit freiem Auge als solches erkennbares Hotel; es ist da lediglich ein schmaler Eingang zu einer etwas unterprivilegierten und also schmuddeligen Geschäftspassage, im Keller ist der Billa, immerhin.
Also retour quer über den Hauptplatz zum grünen i der Tourismusinformation, die beuteln den Kopf und schicken dich zurück, mit dem Hinweis, du mögest dich nur durchtrauen durch den finsteren Passagenschlauch (es seien kaum mehr als 100 Meter), oder aber, außen vorbei, an der Ecke Josef-Graf-Gasse/Langgasse, befinde sich auch schon der Eingang, das weiß doch ein jeder.
Geschafft.
An der Rezeption gelingt dir mit, gelernt ist gelernt, guter Stimmstütze doch noch das Überbrüllen des GutelaunezwangsendersÖsterreich 3 (ein Link wird verweigert), und du betrittst den mit grünem Hotelteppichboden gedämpften Lift, der bringt dich in den – ja bitte, Nichtraucherzimmer – zweiten Stock, das Ausrasten ist keine zwanzig Schritte entfernt, lehrt dich die Erfahrung.
Beim Aufgehen der Aufzugstür empfängt dich, zum bis herauf dröhnenden Radio dazu, das Getöse eines noch fernen Bodensturms, der grüne Hotelteppichboden wird gesaugt, es ist halb vier am Nachmittag. Irritiert, aber zufrieden realisierst du, dass der staubfressende Zyklon ganz sicher in der anderen Richtung wütet. Also, wo ist das Zimmer 215? – Im Verlauf der ausgiebigen Zickzackwanderung, an deren Anfang du dich befindest (ohne die kommenden Mühen auch nur zu ahnen) lernst du intuitiv und – quasi antizipando – zu begreifen, warum sie damit rechnen, dass du das Mineralwasser ung’schauter aufschrauben wirst, um, auf wundersame Weise dem sicheren Verdurstungstod entronnen, gleich einen halben Liter hinunter zu schütten (mit den entsprechenden Kohlensäurereaktionen, deren mindeste halbstündiges Rülpsen sein wird). Nach einigen Minuten des Umherirrens (eine Anlage, die selbst der Bibliothek des Jorge von Burgos zur labyrinthischen Ehre gereichen würde) stellt sich dann doch heraus, dass unmittelbar vor deiner Tür gesaugt wird, immerhin mit einem recht modischen dyson, alle Achtung. Erschöpft betrittst du dein Nichtraucherzimmer, räumst zuerst einmal den Aschenbecher weg, steckst dir die Ohrstöpsel hinein und fühlst dich wie auf einer Flugreise in staubfreie, sonnige Gefilde am Meer.
Noch soviel: Bei jedem Betreten des grünen Hotelteppichbodens wurde derselbe irgendwo gesaugt, gesaugbürstet oder geklopfsaugbürstet. Tag und Nacht und sehr sauber, wirklich wahr.

(Trotz des tadellos modernen beutellosen Sauggerätes der genannten Marke stelle ich mir vor, dass der passendere Name für das akustisch recht intensive Haus besser Hotel Progress lauten müsste.)

Wasserkrieg in Leoben

Es heißt, die Kriege der Zukunft werden nicht mehr umÖl, sondern ums Wasser geführt. So traurig dieser Gedanke (wie jeder an Krieg) ist, dieser Kampf hat längst begonnen: In den Hotels dieser Welt. Ich rede jetzt nicht von den Umweltschutzaufrufen (Können Sie sich vorstellen, wie viele Tonnen an Wäsche Tag für Tag in den Hotels dieser Welt unnötig gewaschen werden und welche Mengen an Waschmittel dabei unnötig unsere Umwelt belasten – oder so ähnlich; natürlich kann ich mir das nicht vorstellen, ich will aber auch gar nicht), ich meine das am Minibarkühlschrank oder am Tischchen neben dem Fernseher karg lockende Mineralwasser.
Es dürfte in Deutschland angefangen haben, und zwar mit dem unsäglichen Staatl. Fachingen, diesem Diuretikum für asketische Spalterbsenzähler, das in seiner 0,75 Liter Glas-Facettenflasche so streng daherkommt, das kann ja nur noch gesund sein, lustig ist es nämlich ganz sicher nicht; erst recht, wenn man den Preis bedenkt, der gerne € 5,- oder mehr ausmachen kann.
So gesehen ist das Hotel Kongress zu Leoben geradezu ein Schnäppchenschuppen, die Peterquelle, ein im Handel gegenwärtig zu einem Literpreis von € 0,37 erhältliches Sauerwasser, schmeißen sie dir dort schon um lächerliche € 3,90 nach.

Was für einen kritikunfähigen, dringend noch einmal überleben wollenden, postalkoholischen Trockenrachen unterstellen die einem?, stelle ich mir vor.

 

Piratenbank

Faschingsdienstag.
Ich betrete die Bank, um die Auflösung meines Kontos bekannt zu geben. Alle maskiert, alle maskiert; mein bisheriger Kontobetreuer begrüßt mich als Oberpirat.
Die Entscheidung, diese Bank zu verlassen (sie ist jetzt mehrheitlich in italienischem Besitz, die Maskierung also möglicherweise eine Anordnung von Ganz Oben, siehe auch die zitierte Textzeile, die mit …wo Spaß, wo Tollheit und Lust regiert fortsetzt, wir befinden uns in Johann Straußens Eine Nacht in Venedig, stelle ich mir vor), diese Überdrussentscheidung konnte richtiger und zeitgemäßer nicht sein.
Unverstanden, aber desto bestimmter entkomme ich in die Realität der Straße.
Morgen ist Aschermittwoch.

Denkmal /2

Ab einem gewissen Denkmalstatus des Vortragenden hört das Publikum auf, zuzuhören. Es will jene legendäre Persönlichkeit und also sich selbst mit seiner Bequemlichkeit nicht in Frage stellen müssen.
Als müsse, um in der Boxersprache zu reden, Ali heute noch immer The Greatest sein müssen. Und genau das wäre ja der tragische Irrtum, am Punkt des höchsten Erfolges verweilen zu wollen, wider besseres Wissen über Schwerkraft, Alter, Entropie. Dies zu beherzigen hat mit Würde zu tun. Ali hat die, und nur deshalb ist er still The Greatest. Irgendwann muss man nämlich beginnen, nach Innen zu forschen und dort Räume (wenn geht: Paläste) auszubauen.
Manchen gelingt dies besser, manche schneiden dabei weniger gut ab.
Es ist aber, das sei eingeräumt, menschlich, allzu menschlich, und fern sei jeder Vorwurf, Verurteilung gar.
Beobachten aber wird man wohl dürfen; es ist nachgerade notwendig. Weil: selber wird man auch älter.

Ein Gruß von der Neuen Frankfurter Schule:

Elche

Ich bitte um schonungslose Assistenz.

Denkmal /1

Ein berühmter und also angejahrter, groß gewachsener Entertainer gibt sich die Ehre und liest aus seynen breit mehrheitsfähigen und also inhaltlich recht banalen, zudem ein waches Publikum mit ihrem vorhersagbaren Verlauf beleidigenden und sprachlich völlig uninteressanten Prosawerken. Längst schon sollte er es vermeiden, Texte mit allzuvielen sch vortragen zu versuchen; zumal, wenn zum dentalen Problem das eine oder, nein: und das andereÖlungsachterl gekommen ist.
Da jemand wie diese Legende die publikumseigenen, hedonistischen Geistlosigkeiten rechtfertigt, akklamiert man den simplen Pointen wie überhaupt dem gesamten selbstgefälligen Auftritt des platten Mimen mit den matt glühenden Alkoholflecken.
Wenigen nur bereitet seine peinlich zur Schau gestellte, gestellte Bescheidenheit körperliches Unwohlsein. Aber immerhin, einige sind es, und das macht etwas Mut.

Tektonisches

Was hat man sich eigentlich unter Antifalten vorzustellen?

Antifaltencreme

Warum gibt es dafür Cremes?

Genf /4 – Literarisches

Mir ist Genf und die Region am Genfer See (ganz abgesehen von smoke on the water) eher eine literarisch aufgeladene, ich nenne, mich exemplarisch beschränkend, zwei Orte, das Palace Hotel, Montreux, letzte Wohnung des nicht nur als Hotelgast prawyverwandten größten Schmetterlingssammlers der Literaturgeschichte (ich nenne ihn mal Timofey Pnin, dann wieder Humbert Humbert) und Genf selbst, wo Anfang des 20. Jahrhunderts Borges, dieser Weltenerfinder und Erbauer unendlicher Bibliotheken, seine calvinistische Schulbildung genoss, um dann, als Jorge von Burgos selbst zur Romanfigur geworden, hierher zum Sterben zurück zu kehren, in seinem Fall die (erblindete) Spiegelung seines Lebens.

Die Huren haben viel Kundschaft bei so viel Internationalität, und die arabischen und levantinischen Kleinlokale im derart geschäftigen Bahnhofsviertel sind vorzüglich.
Das ist es, was ich noch zu Genf sagen wollte.

Genf /3 – Wahrzeichen

Genf/Genà¨ve. Ein annähernd 200 Meter hoch aufschießender Wasserstrahl ist das Wahrzeichen dieser unschweizerischen Stadt. Ich versuche, mir vorzustellen, was das bedeuten soll.
Andererseits: Was könnte ein vertikales Ringlgspüü (immer wieder fahrt man weg und bleibt doch stets am selben Fleck…) wie das Riesenrad im Wiener Prater bedeuten? Dass diese Stadt am Stand durchdrehe, das konnte ja wohl nicht gemeint sein. Oder?
Die grundlegende Frage, was denn Wahrzeichen seien, wie etwas dazu werde und wofür man sie brauche, sei wieder einmal zu stellen.

Genf /2 – Sissi trifft Zilk

Genf/Genà¨ve. DemÖsterreicher sei sie zuletzt von Kaiserin Elisabeth besuchte Stadt, d.h. sie ist ja nur bis zum Quai gekommen und dann mit einer Feile im Leib wieder zurück aufs Schiff. Ein ausgesucht missglücktes Denkmal steht dort

Sissidenkmal Genà¨ve
(weshalb ich nur die Schleppe des Kleides und den Sockel photographiert habe),

unweit eines von der Stadt Wien gespendeten Muhr-Brunnens, die sich ansonsten zilkseidank in ihrer entsetzlichen Amorphheit kreuz und quer über Wien ausgebreitet haben und als gigantische, nicht ganz geglückte Lapislazuli-Erektion bis in die Weichteile der Republik hinein vorgedrungen sind, späte Bürgermeisterrache am Weltbürger Kreisky (danke, Walter Stach!) auf dem nach ihm benannten, adresslosen Platz, in Wien will man diese Brunnenkunstwerke jetzt auch nicht mehr und ist froh, wenn man sie anbringt, Zeit ist es auch geworden, wirklich wahr.
Überhaupt, was will ein Tröpferlbrunnen ein paar hundert Meter vom jet d’eau?

WinterFluchtMütter 2006

Liebe MBA,

so ein Blödsinn, wirklich wahr.

Da bin ich, um dem Winter zu entkommen (und, um von meiner, wie ich hoffe, recht fruchtbaren Klausur berichten zu können), nach Gomera geflohen, und dann habe ich ihn mir dadurch um gut eine Stunde verlängert. Zwar handelt es sich lediglich um den astronomischen, aber: Winter ist Winter; ja, das kratzt mich jetzt schon, ziemlich einigermaßen sogar, wenn man sich das näher überlegt, das kann ich Ihnen schon sagen, ich ringe seither um das Wiedererlangen der Synchronizität von Zeit und Raum. Immerhin bin ich noch rechtzeitig vor der Sommerzeitumstellung zurückgekommen; gar nicht auszudenken, was da erst mit mir passiert wäre.
Die neue Kamera geht damit übrigens völlig unbeschwert um, hat sie sich doch einfach unbemerkt ganz von selbst umgestellt, schon irgendwie gespenstisch, finden Sie nicht auch?

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Wir unterbrechen diesen MütterBrief für eine wichtige Durchsage an alle AbonnentInnen.

Weil auch Sie, so wie ich, in den letzten Tagen und Wochen seit jenem 1. März (Inkrafttreten des geänderten Hundertsiebenerparagraphen vom Telekommunikationsgesetz) etliche pseudojuristisch ausgeheckte, in Wirklichkeit aber suamseitlerte sog. Disclaimer-Texte erhalten haben werden, erlaube ich mir, denselben winkeladvokatischen Zug und schreibe genauso windigen Inhalts wie alle anderen sich windenden, gesetzverbiegenden, sich selbst natürlich nie als Spam-Verursacher sehenden (das sind immer die anderen; wie bei den Touristen – mehr dazu weiter unten), dass Sie sich

jederzeit, und zwar problemlos und gratis und unverzüglich und überhaupt

Entmütterbriefen können. Einfach ein Mail mit Dankebittenichtmehr oder ähnlich unzweideutigen, meinetwegen auch beleidigenden Betreffformulierungen retourschicken und – wiedaschaun. Ehrenwort.
Umgekehrt: Wer schweigt bekennt, heißt es, und so bin ich devotest ergeben über Ihre durch keine Aktivität zu bekundende, durchunddurch passive Nichtablehnung, und das ist letztendlich doch das höchste vorstellbare Glück, eben nicht abgelehnt zu werden, von Anerkennung oder Nochhöherem wollen wir da gar nicht schwelgen, ich beliebe am (virtuellen) Boden zu bleiben, bittedanke.

Sie lasen einen Absatz kreativer Gesetzesauslegung durch einen Bürger der RepublikÖsterreich.

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Ich darf fortsetzen.

Agulo, ich war zum zweiten Mal dort, ist ein durchunddurch uninteressanter Ort, die Sonne geht wegen des nach Westen hin ausgerichteten Kessels, ein gigantisches Amphitheater, früher unter als daheim (drüben, im Walle müsste man sein, jedoch – siehe weiter unten), der Wind kann recht ungut sein, und viel zu Früh jagt dich die Sonne aus den Federn, wenn sie, nachdem sie sich hinter dem Teide angeschlichen hat, plötzlich recht kräftig hervorknallt, ungut, wirklich wahr.

Das Baden kann man in Agulo sowieso vergessen. Viel zu rau!

Wenn ich fortfahre, fahre ich fort, um fort zu sein, will, streng genommen, hier bitte nicht auf meinesgleichen treffen, will sicher sein vor meinem touristischem Spiegelbild und also vor mir selbst: Schon im Nachbarort, keine fünf Kilometer entfernt gibt es ein Lokal, in dem man auch Spanisch spricht. Warum müssen eigentlich speziell deutschsprachige Touristen immer so unwürdig daherkommen? Jene runderneuerten Permanentaussteiger, Trapper und Squaws, mit Henna- und Birkenstockzwang bis ins Grab, ein Freizeithütchen drauf, das allein schon hinreichender Klagsgrund wäre, schauderlich, wirklich wahr.
Als am gefürchtetsten gilt, wenn sich zwei Individualpärchen unbestimmten Alters im offenen Gelände (also nicht in Kreativbars oder überhaupt in jenem längst exterritorialen Bewusstlebental, dem Walle) begegnen: Noch stolzgeschwellt-heiter ob des ganz offensichtlich ohne jeglichen Akzent mit den Eingebornen leutselig ausgetauschten ¡HOLLA! (bei einer mexikanischen Fiesta sagt man, bekanntermaßen, ebenso akzentlos, ¡HOSSA!) schleichen sie blicklos an ihren eigenen Landsleuten vorbei, nur ja kein Wort reden jetzt, sonst merken die noch (ganz offensichtlich Deutsche oder so), dass man selber auch von dort kommt.
Wir reden hier von den so genannten Individualreisenden. Die tagesausflugsinselrundreisenden Seniorenfuhren werden von echten Gomerianern nicht einmal ignoriert; eigentlich sollte man dafür kassieren, wenn man sich als temporärer Aussteigerparadiesbewohner vom Autobus aus begaffen lässt.
Wie aber unterscheidet man sich selber von all den bunt bis abenteuersandbraun oder khaki uniformierten Individuellen? Wer ist sensibler Aufspürer von Verborgenem, wer bloßer Tourist?Ist es die mitgebrachte Posaune statt des günstigen Leih-Didgeridoos? Das wäre doch zu billig, oder?

Um zum Anfang zurück zu kommen: Sollten Sie also doch einmal nach Gomera kommen, meiden Sie Agulo; dort ist es komplett uninteressant, wirklich wahr.

Nicht meiden mögen Sie meine nächsten öffentlichen Aktivitäten, es sind ja nicht so viele (aber was für welche, rede ich mir immer ein, wenn – äußerlich – nicht so viel los ist).
Gegenwärtig ist etwa die beste Zeit, sich für meinen Sommerkurs beim Musikforum Viktring anzumelden, vom 16. bis 22. Juli 2006, mehr auch hier.
Verwiesen sei vor allem schon jetzt auf den 5. Mai, der alljährliche (und bereits 5.) WeinKult beim Wimmer-Czerny in Fels am Wagram, ein angemessenes Fest zur Eröffnung der warmen Jahreszeit, der Mai ist kommen der Winter ist aus!
Eben: Mütters Müllerin. Die ist CD am Fertigwerden. Muss nur noch zusammengebastelt werden.
Dann gibts auch den nächsten MütterBrief.

Herzlich,

Onkel Tuca

Bertl Mütter

(hier noch als Onkel Tuca, mittlerweile wieder zurück im Bärlauchland; und der B. hat doch, wie die Banane auch, parallelnervige bzw. zumindest unverästeltnervige Blätter)

Genf /1 – Vergleichendes

Ankunft in Genève/Genf, eisenbahnmäßig das Salzburg der Schweiz.

Eigentlich definiert sich eine Menge auf dieser Welt dadurch, dass es etwas von etwas anderem ist. (Die Riviera des kleinen Mannes, das Paris des Ostens, Klein Mariazell, …) Nun gut, wir lernen nun einmal durch Vergleichen: Bis etwas als eigenständige Größe kategorisiert ist, die dann ihrerseits wieder für weitere, verfeinernde Vergleiche dient, ist es entweder wie oder nicht wie.* So betrachtet, erscheint mir diese Form der Trivialisierung ein künstlicher Rückschritt zu sein. Als ob sich das Universum wieder in sich selbst zusammenziehen würde. Oder ist diese Beobachtung ein Hinweis, dass die Deflation bereits eingesetzt hat?

*) In einem bemerkenswerten Text hat Franzobel in überzeugender Weise den Urbegriff von Allem herausgearbeitet; er nennt ihn MAMA.

rechtsstehend

Ein weiteres Rolltreppenphänomen.
Wien undÖsterreich im Allgemeinen hat die größte, besser: gewaltigste Dichte Anstehungeduldiger und also Anstellunfähiger in der Welt; im öffentlichen Verkehr sind das die (© Herbert Hufnagl – du fehlst!) Fahrgasttrotteln, jene Leute, die etwa stets bei der Tür stehenbleiben und diesen Platz auch die nächsten zehn Stationen gegen Ein- und Aussteigewillige grimmig verteidigen, schließlich steigen sie ja bald aus.
So betrachtet erscheint es paradox, dass es just in Wien praktisch immer möglich ist, auf einer (in diesem Fall stets rollenden) Rolltreppe links an den (auf- oder abwärts, jedenfalls aber vorwärts) stehenden Fahrgästen vorbei zu huschen. Nur an den Stationen, wo eine größere Anzahl Außerwienerischer oder Autowienerischer (die sonst nicht die U-Bahn benutzen, aber heute Angst haben, keinen Parkplatz bei der Mariahilfer zu bekommen) ins öffentliche Verkehrsnetz strömen, ist das Linksvorbeigehen schwer bis gar nicht möglich.
Was mich aber immer wieder völlig fassungslos macht, ist, dass dieselben Menschen, die es vor zweieinhalb Stunden in Wien noch gekonnt haben, beim Auffahren aus den Unterführungskatakomben ins Koglergeschlinge des Grazer Hauptbahnhofs dieser sozialen Eigenschaft komplett verlustig gegangen sind.
(In Linz werde ich beim nächsten Mal auch aufpassen.)

festgefahren

Es gibt keine schlimmere Bremsung, als wenn du, sagen wir: zur U-Bahn hetzt (die Ankündigungstafel hat bereits blinkende Sternderl), um die Ecke zur Rolltreppe kommst, zwei, drei Stufen aufwärts rennst und dann erst merkst, dass sie – steht!
Wie lässt sich das eigentlich erklären, dass man auf einer rollenden Rolltreppe bequem – durchaus auch aktiv – gehen mag (treppauf wie treppab), ist sie jedoch festgefahren, erstarrt, einem die Stufen viel zu hoch erscheinen (nein: sie sind es!), bedrohlich schauen dich ihre Zähne an, und hinunter überkommen dich (ich weiß, ich übertreibe – aber nur leicht!) Sturzängste ob der Steilheit, dabei wäre die Situation bei rollender Treppe wesentlich gefährlicher, addieren sich doch die Geschwindigkeiten v1 (Rolltempo der Treppe) + v2 (Gehtempo) bis zu einem regelrechten schrägen Geschwindigkeitsrausch, der dich überkommt wenn du bereits das Zischen der U-Bahn-Türen hörst, tschuldige, darf ich durch?
(Dazu mehr morgen)

Schichtwechsel /2

Lilli geht jetzt heim, Herr Peter übernimmt. Gleich. Um fünf nach kommt aus der Tiefe des Billardsalons folgende Bestellung: Herr Peter, wenn’S dann warmgelaufen sind, mochn’S ma a Kunstwerk?
Umgehend wird die Melange serviert.

Schichtwechsel /1

Mein Vorstadtcafà©. Herr Peter geht sich umziehen, um vier beginnt sein Dienst. Ein Gast, feixend aus der Tiefe des Raumes: Ah, der Herr Peter fangt zum Arbeiten an. Herr Franz (viel Tagesfreizeit, arbeitet in der Dispo am Zentralverschubbahnhof Kledering): Na, da Herr Peter ziagt se nua um. Oabeitn tuat dea do ned.
Herr Peter, auf dem Weg zum Lager, das Hemd heraußen, laut vernehmbar (und ganzundgar gelassen): Nojo, i muas jetzad glei wieda gescheiterte Existenzen betreuen.
Ich liebe das Weingartner.

Engerl

Es gibt Freunde, die begleiten einen immer.

Angela Krauß hat die vierte ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen im Frühjahr 2004 Die Vorfreude genannt.

Deine Gedanken weiten, verleihen Flügel, machen sowas von Mut, sich wasauchimmer vorstellen zu dürfen:

Eine Musik, grenzenlos, die in einer anders strukturierten Zeit und also außer der Zeit geschieht, eine Musik, die nicht gegliedert ist als Abfolge von abmessbaren Ereignissen, sondern in der unmessbaren, imaginären (und deshalb umso realeren) Dichte von Erlebnissen.

Angela, Dein Name ist Dir wirklich Programm, und das ist ein großes Glück für alle, denen Du kündest, die Du beschenkst.

Bachweg

Leipzig. Die Musikalienhandlung gegenüber der Thomaskirche hat sonst Johann Sebastian in der Auslage. Aber auch hier und heuer herrscht das Mozartjahr, kein Bach weit und breit.
Naja, gegenüber, da liegt Er begraben, und das wäre ja auch wirklich übertrieben; obwohl es gewissen gerissenen Eventstrategen schon auch zuzutrauen wäre.

plus ultra!

Eislaufen am Neusiedlersee.
Hinaus, ganz weit hinaus treibt es mich. Wie auch ein paar Tage danach auf dem Wörtherseeeis.
Wörtherseeeisstop
Auch beim Schwimmen, am Meer, in einem See, sowie am Berg treibt es einen hinaus, hinauf.
Als wäre dort draußen, droben der Berg mehr Berg, der See mehr See, das Meer mehr Meer, das Eis mehr Eis.
Aber genau so ist es, wirklich wahr.

letzte Ruhe /3

Wohin aber hat man, um bei Citroà«n zu bleiben, die verblichenen Göttinnen geschafft?, stelle ich mir vor.
In eine geheime Tiefgarage beim Pantheon?

letzte Ruhe /2

Zur gleichen Zeit bedeckten die Elefanten ihren toten Gefährten mit großen Blättern. (Roland Heer, Am Berg)
Eine Frage kommt mir in den Sinn: Treiben sich auf Entenfriedhöfen auch skrupellose Grabräuber herum, die es, bereit, über Leichen zu gehen, nur auf das Entenelfenbein abgesehen haben?
Tarzan, hilf!

letzte Ruhe /1

Ein lose umzäuntes Rasenstück zweieinhalb Hügel südlich der Eisenbahntrasse fünf Minuten östlich von Rennes ist ausschließlich Enten vorbehalten; jede von ihnen entsprach einst dem Verkehrswert von zwei Pferden. Nun aber haben sie ausgedient und sind, einer tibetisch anmutenden Himmelsbestattung preisgegeben, am Rasen erstarrt.
Ich vermute, dass es in diesem Land noch weitere Entenfriedhöfe gibt.

polyglott /6

Jetzt sage ich Ihnen den Namen von unserem Herrn Staatssekretär:
Er heißt Sigisbert Dolinschek.

Sigisbert Dolinschek

Dieser Herr ist eine zweisprachige Ortstafel.

polyglott /5

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.

Nachem wir, gestern, den Vornamen (engl.: given n.) und, vorgestern, den Familiennamen (engl.: first n.) betrachtet haben, ist es an der Zeit, die Kombination beider näher unter die Lupe zu nehmen.

Es mag vorkommen, dass man (seien es die Eltern, sei man es selber) mit dem Familiennamen nicht recht zufrieden ist, aber es einem doch übertrieben oder auch unstatthaft erscheint, diesen amtlich ändern zu lassen. Der Vornamen kann in einem solchen Zusammenhang zum Gegensteuernamen werden; dabei kann es allerdings auch passieren, dass, um beim nautischen Bild zu bleiben, das Boot ins Trudeln kommt.
Zur Erläuterung ein paar fiktive (gleichwohl geläufige) Beispiele: Elvis Wurmberger; Aristoteles Dodlhuber; Madonna Teufel; Shakti Katholnigg; Chenyl Wrbala. Oder erinnern wir uns an Mundls Enkelsohn Renà© (gesprochen: Renne) Sackbauer.

Morgen: die polyglotte Ortstafel

polyglott /4

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.

Betrachten wir vorweg den Vornamen als solchen. Diesen können üblicherweise die Eltern frei aussuchen; im österreichischen Telefonbuch findet man etwa einhundertsiebenundsechzig Menschen mit dem Vornamen Elvis.
Möglicherweise lässt sich daraus schließen, dass die Eltern zur Zeit der Geburt ihres Kindes besonders begeisterte Anhänger von The King gewesen sein könnten.
Keinesfalls sei aber daraus zu schließen, dass sich diese Anhängerschaft automatisch auf den Buben, aus welchem dann, erinnern wir uns, (morgen) ein Bursche und schließlich (übermorgen) ein Mann werden wird, übertragen muss. Umgekehrt versteht sich von selbst, dass die Eltern ein möglichst positives Bild vom Vornamenspaten zu transportieren bestrebt sein werden. Elvis, der Erwachsene, ist sich vermutlich gar nicht der Einflussnahme auf seine lebenslange Begeisterung für das große Vorbild bewusst, und es bedarf möglicherweise eines bewussten Loslöseprozesses von dieser Prägung, oder aber eines Damaskus-Erlebnisses.
Vorausgesetzt, er möchte sich vom Schatten einer solchen Vergangenheit loslösen.

Morgen: Vor- und Zuname

polyglott /3

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.

Nämlich: Was kann uns ein Name sagen?

Ganz pauschal ist festzustellen, dass der in unserem Kulturkreis bei einer ehelichen Geburt patrilinear (ansonsten: matrilinear) vererbte Familiennamen üblicherweise auch an die Kinder weiter gegeben wird. Eine Ausnahme könnte sein, dass man seinem Sprössling aufgrund eines als möglicherweise zum Hänseln Anstoß gebenden Namens jugendlichen Unbill ersparen will. Ich entsinne mich beispielsweise eines Kollegen bei der Militärmusik, welcher zeit seiner Jugend immer wieder hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand in gröbster (und tiefster) Umgangssprache Futburli gerufen wurde, der dann seinen (hochsprachlich!) an das weibliche Genital erinnernden ersten Namensteil amtlich retuschieren ließ; allerdings erst in einem Alter, in dem es ihn, mittlerweile erwachsen und also gestärkt, eigentlich nicht mehr kratzen hätte müssen. Es wäre also möglicherweise weiser gewesen, bereits das Kind vor der Einschulung umnennen zu lassen.
Wir erinnern uns auch an einen sehr begabten Politiker, der sich, wohl nach einem Damaskus-Erlebnis, von Hojac (quasi: Saulus) zu Westenthaler (Paulus) wandelte.

Morgen: Der Vorname

polyglott /2

Ich habe ja den Namen von unserem Herrn Staatssekretär noch gar nicht genannt.
Bevor ich das tun kann, ist auf einen spontan eingesprungenen Beispringer in der sog. Kärntner Ortstafelfrage zu verweisen, welcher nicht anders als als eine regelrechte Brezn zu bezeichnen ist, und schon am nächsten Tag ließ der aus dem schönen Rosental stammende Anliegenvertreter verlauten, dass er missinterpretiert worden sei, als er seinem höchstrichterlich gerügten Parteichef japsend beisprang.
Diese armen Politiker, immer werden sie falsch verstanden, wirklich wahr; weil an der unzweifeligen rhetorischen Eloquenz kann es ja nicht liegen, dass sie sich immer so mehrdeutig ausdrücken müssen.
Zur Illustration ein reichlich abstraktes Beispiel des Ablaufes einer umfassenden und in diffamierender Absicht verbreiteten Fehlinterpretation in drei Schritten:
1) A behauptet, 1+1 sei 2.
2) Berichtet wird, A habe behauptet, 1+1 sei 2.
3) A beklagt, wieder einmal falsch verstanden worden zu sein; natürlich habe er, was auch seiner Überzeugung entspreche, gemeint, 1+1 sei sicher nicht 2, und das wisse doch ein jeder, der nicht böswillig falsche Behauptungen über ihn, A, und seine Meinung aufstellen wolle.

Morgen: Was uns ein Name verraten kann.

polyglott /1

Bleiben wir noch kurz im Sozial, genau: im Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, wie es sich so schön nennt. Dort gibt es nämlich zwei Chefs, eine Chefin und einen Chef, und damit es nicht zu zuviel Vielfalt durch allzufreie Meinungsentwicklung kommt, sind praktischerweise beide Chefs von den Orangen, dieser zukunftsträchtigsten aller österreichischen Parteien.
Beide Protagonisten präsentieren sich in sympathistischen Portraits, und besonders interessant erscheint mir der Herr Staatssekretär. Er ist, so heißt es, der direkte Stellvertreter der Bundesministerin und erfüllt ebenso wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben wie Frau Ursula Haubner selbst. Dass er ebenfalls im höchsten Maße die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertritt, versteht sich von selbst.
Mir tauchen dabei Fragen auf.
Frage 1: Was wäre ein indirekter Stellvertreter?
Frage 2: Wer ist dann zuständig, wenn was ist? Immer der/die Andere?
Frage 2a: Wer ist für den gestern hierorts erwähnten Männerbericht zuständig?
Frage 2b: Könnte diese Doppelzuständigkeit auf eine neue Bedeutung des Wortes polyglott verweisen; eine, die aus der Karlmayindianersprache stammen könnte?

(Mehr Aufschlussreiches zum Herrn Staatssekretär morgen)

Der Report zum Tag

Buben und Burschen sind die Männer von morgen.
So beginnt der dieser Tage erstmals vorgelegte Männerbericht der hochlöblichen Sektion V (bei der Gründung unter dem unverzichtbaren Minister Haupt war es noch die wesentlich symbolträchtigere Abteilung 6) im Sozialministerium.
Hauptsachen
Hier auf Englisch eröffnungsredend, Teheran, Jänner 2004 (Photo: B.M.)

Erfreuen wir uns gemeinsam an einem fürderhin legendären Ersten Satz.
Anders gesagt: Na bumm.

Vorfreude besteht außerdem auf das nicht mehr allzu ferne Jahr 2011: Da gibt es den nächsten Männerreport. Und aus Buben werden Burschen und aus Burschen werden Männer geworden sein. (Wenn der Bericht des Jahres 2006 korrekt ist.)

eschern

Wenn du von Wien oder von Zürich nach Saint-Brieuc, Heiliges Bröckerl, willst, kommst du an Paris nicht vorbei, da musst du durch. Die umständehalber zu begehenden Umsteigewege zwischen S-Bahn, Metro und schlussendlich bis zum Gleis auf der Gare Montparnasse schlingen sich unterirdisch, als wäre man in einem Gedärm, das praktischerweise mit Treppen ausgestattet wurde. Recht schnell verlässt dich jegliches Orientierungsgefühl und der damit verbundene Mut, du argwöhnst, man hätte dich in eine Escher-Kulisse gelockt, eine gigantische Möbiusschleife. Das finale Lange Marsch entlang der gut zwanzig TGV-Waggons findet, in einem leichten Linksschwung, unglaublicherweise auf einer Ebene statt.
Ich stelle mir vor: Noch einmal davongekommen.

JoJo

„Ach Gott“, dachte er, „was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tag aus, Tag ein auf der Reise. Die geschäftlichen Aufregungen sind viel größer, als im eigentlichen Geschäft zu Hause, und außerdem ist mir noch diese Plage des Reisens auferlegt, die Sorgen um die Zuganschlüsse, das unregelmäßige, schlechte Essen, ein immer wechselnder, nie andauernder, nie herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll das alles holen!“

Danke, lieber Gregor Samsa (wenngleich diese Erkenntnis bei dir leider ein klein wenig zu spät gekommen sein mag), für das einleitende Gaststatement.

Einzelkonzert weit westlich, in der Bretagne, eine Stunde hinter Rennes, das macht zwölfeinhalb Stunden von Tür zu Tür. Und morgen in der Früh wieder retour, ehklar. Stucky nennt solche Gigs (möglicherweise in Anlehnung an einen Film von Stanley Kubrick) das Reinrausspiel.

aus dem Takt

Seit nach einer kräftigen Abflussreinigung das Wasser der Badewanne nur mehr kaum halb so lange zum Abfließen benötigte, war sein morgendlicher Körperpflegerhythmus empfindlich gestört.

Spitze /2

Stockhorn, Gipfelrestaurant, 2.190m.
Ob das Röschti geschmäckcht habe, fragt die Panoramawirtin den Seilbahnführer.
Tip Top antwortet dieser.
Wie es sich halt für diese Höhenlage gehört.

Spitze /1


Stockhorn, am Gipfel (2.190m), hoch über Erlenbach im Simmental, im Berner Oberland.
Heute nicht über dem Nebelmeer, sondern mittendrinnen: Ein unglaubliches Aussichtspotenzial, viel größer noch als bei blauem Himmel, stelle ich mir vor.

Höchstes Glück vs. Katzenmusik

Der Kineser unter uns hat seinen Hack- und Schneidetisch an der tragenden Außenwand montiert. Die Schallübertragung in den zweiten Stock funktioniert perfekt.
Aber: So viel Besuch haben die doch nicht, dass sie so viel schneiden und hacken müssen.
Ich überlege mir bereits, ob Kahixin, welches angeblich Glücksgefühl heißt, soviel bedeutet wie Klopfzeichen: In mühevoller Heimarbeit werden von blauschwarzhaarfarbigen Arbeitssklaven die Gussformvorlagen für sämtliche Buddhastatuen zumindest für die Region Ostmitteleuropa aus festem Stein gemetzt; nicht zuletzt das -hix- ist ausreichendes Indiz für die Richtigkeit meines schrecklichen Verdachts.
Ich gehe jetzt nachschauen.

(Dieser Text wurde erstmals am 30. Mai 2004 veröffentlicht; umständehalber – Umstände, auf deren nähere Umstände ich hier nicht eingehen kann – sehe ich mich gezwungen, eine Gegendarstellung anzubringen. Oisdaun:)

Entwarnung. Alles in Ordnung da unten, eigentlich kochen sie eh recht gut (alles ist stets frisch gehackt, das bürgt für Qualität), ja es ist sogar so, dass wir manchmal selbst hinuntergehen, in den Schlapfen, das ist praktisch. Sehr dankbar sind wir auch, dass die chinesische Lüftung an unseren Nasen vorbei geleitet wurde, wirklich wahr.
Und: Man muss sich umgekehrt natürlich auch vorstellen, was für eine Katzenmusik tagtäglich vom zweiten Stock bis hinunter ins Exotenlokal dringt. Fiona kann nämlich schon ganz schön maunzen, vor allem wenn sie rollt. Wir werden auf sie gut aufpassen, das versteht sich von selbst, gerade in diesem Zusammenhang.

Mahlzeit.

cephalopodischer Lachsersatz

Delikatess-Maiskölbchen von Staud’s im Glas. Calamaretti, Aschermittwochsfutter für Total-Vegetarier, erhältlich in den Größen 228ml und 314ml.

KHM, akustisch

Man sollte zusätzlich zu den so beliebten und informativen Audio-Guides im Kunsthistorischen Museum auch Ohrstöpsel verteilen: Das Fischgrätparkett knarzt derart, dass man seine eigenen Gedanken nicht fertig formulieren kann.
Ich stelle mir vor, hier 4’33“ von John Cage aufzuführen. Da bräuchte keiner mehr zu husten.

Portrait /2

Dieses späte Goyaportrait Schuberts, es hinge, naturgemäß, unter keinen Umständen im Kunsthistorischen Museum, soviel wären wir dem auch schon Alten Meister Bernhard schuldig, es wäre das mindeste.
Obernathal
© Ruprecht Hattinger, Andromeda (Danke!)

(Vielleicht sollte man da nachschauen.)

Portrait /1

Trotzdem es Goya 1828 nicht bis in die Firmiansgasse (nachmalig: Kettenbrückengasse) geschafft hat (er verstarb schon am 16. April in Bordeaux, und es ist nichts über Reisepläne nach Wien bekannt), trotzdem sie sich ganz sicher nie getroffen haben, verwundert es, dass es kein Schubert-Portrait aus seiner Hand gibt.
Es hätte uns viel Überlieferungskitsch erspart.

würzig /4

Gegen 18 Uhr erreichte die Spannung dann ihren Höhepunkt: Vorsichtig wurde die Kiste geöffnet. Und darin lag, fachgerecht nach allen Regeln der Kunst verpackt, die verschwundene Saliera.
So steht es im Kurier, und bis zu sechs Journalisten haben an diesen Sätzen gefeilt.
Es ergibt sich eine Fragenkette:
Nach welchen Regeln welcher Kunst kann man etwas Verschwundenes verpacken?
(Es ist jedenfalls anzunehmen, dass man sich daür der so praktischen Luftpolsterfolie bediente.)

würzig /3

Zusatzfrage (100 Punkte): Das berühmteste und wertvollste Maggiflascherl der Republik, wo befindet sich das? Und was kostet es?

würzig /2

(Es hat ja auch eine Zeitl gedauert, bis es wieder da war; also darf ich auch mit leichter Verzögerung meinen Senf dazu geben…)

Das berühmteste und wertvollste Salzfass der Republik (©Kurier) ist wieder aufgetaucht, d.h. es wurde aus winterlich hartgefrornem Boden ausgegraben.

Leider wurde uns nicht berichtet, wo sich die in dieser Rangliste nachgereihten Menaaschn befinden und was sie wert sind. Haben die auch dreizackige Zahnstocher?, frage ich mich, stelle ich mir vor.

würzig /1

Ein wachsende Anzahl halböffentlicher Toiletten (wie man sie etwa in Kaffeehäusern vorfindet) definiert ihr olfaktorisches Erscheinungsbild in aparten Duftnoten. Gegenwärtig scheint (nicht nur im frühstücklich geschätzten Eiles Pfirsich/Pesca sehr beliebt zu sein.
Analog und in heftigster Opposition dazu stelle ich mir Feuchtpapier der Geschmacksrichtung Chilli/Chili vor.

Winterfrösche

Lichtmess war es hell und klar, das bedeutet, dass das warme Wetter, das einem das Schlafzimmerfenster zu kippen erlaubt, einem Trugvorfühling angehört. Gegen Morgen erstmals im Hinterhof schüchternes Finkengepiepse, das in den Hintergrund gedrängt wird, sobald sich die Krähen sammeln. Ich stelle mir vor, dass, bevor sie zur Arbeit nach Transdanubien fliegen, höflich und gesellig, wie sie untereinander sind, alle allen einen guten Morgen wünschen, dazu ein paar kurze Bemerkungen übers Wetter austauschen und darüber, dass es nach einem mehr oder weniger erholsamen Wochenende nun wieder ans werktägliche Geschäft gehe. Wenn das nur (und es sind sicher mehr) fünfzig Krähen sind, die sich einander versichern, sind das gleichzeitig zweitausendvierhundertfünfzig Einzelfloskeln, während, sagen wir, etwa zwanzig Minuten.
Das ist kein Krähen mehr, es ähnelt eher einem Quaken. Die schwarzen Vögel sind die Frösche des Winters, so ist es ganz bestimmt. Spätestens Mitte März werden sie ablaichen. Umgeschult, in Zeiten der Geflügelpest.

Ganz schön gerissen, diese Viecher.

Hotelleiden /2

Das Frühstückszimmer wirkt wie ein Aufwachraum, alles schweigt, nicht einmal Säuselmusik. Fast möchte man fragen, wer denn bitte der Letzte war.
Oder nein, das ist kein Spital. Mir fällt auf, dass alle Patienten in Fahrtrichtung frühstücken. Möglichst unbemerkt schaue ich unter den Tisch, ob bei den Sesseln Fesseln vorgesehen sind oder Ruderholme hereinragen.
Rechtzeitig bevor der den Takt angebende Trommler kommt, flüchte ich von der Galeere.

Hotelleiden /1

München, Kulissenstadt. Das Hotel, in dem man uns untergebracht hat, scheint die Sterne einzig aufgrund der Anzahl der Stockwerke erschummelt zu haben. Passiv-muffiger Empfang, zuerst ein Besenkammerl, dann, nach Reklamation, ein, doch, ein Zimmer, in dem offenbar seit dem letzten Umbau (wurde dieses Haus je umgebaut?) für alle Gäste Rauchpflicht bestanden haben muss, man wurde nachts telefonisch alle zwei Stunden zur Pflichtzigarette aufgeweckt, stelle ich mir vor, und das Zimmerpersonal ist angehalten, die dafür eigens in der Rauchstube (wo auch die erkaltete Asche samt Tschickstummeln aus sämtlichen hauseigenen Aschenbechern für die Dauer von mindestens sechs Wochen aufbewahrt wird) lagernde Wäsche, vor allem Kopfpolster, zum Überziehen des Bettes zu verwenden. Ein mutiger Durchschlafenwoller muss wohl vor kurzem das Telefon manipuliert zu haben. Aber ich hätte den Weckanruf um 7.00 Uhr ohnehin nicht gebraucht, wie üblich erwache ich fünf Minuten vorher, will den Portier informieren, dass er nicht mehr anrufen muss (damit es nicht klingelt, wenn ich gerade unter der Dusche stehe) und stelle dabei fest, dass die Leitung tot ist.
Einzig die Intensität des kalten Wasserstrahls wäre vortrefflich. Wenn er davor auch thermisch regulierbar und also warm gewesen wäre.

non stop

Graz Hauptbahnhof. Hier fährt kein Zug durch, ohne dass er vorher angehalten hätte.

Mein Blick schweift von meinen Zimmer im vierten Stock des österreichisch-europäisch-halbjahresadäquaten Austria Trend Hotels Europa über das Bahnhofsareal: Ganz links das hotel daniel, welches, man kann sagen, jahrzehntelang in sämtlichen (auch jenen, die Graz weitestmöglich verfehlten) IC-Zügen der ÖBB aufliegenden Faltblättern Ihr Zugbegleiter mit den Worten Modernes Hotel, zentral am Hauptbahnhof gelegen. 100% Ruhe durch Lärmstopfenster (so ein schönes Wort, wirklich wahr!) beworben wurde, bis ganz rechts, zum einem apokalyptischen Schlachtschiff gleichenden Hotel ibis. Dazwischen der eigentliche Bahnhof, und im linken Trakt das Porno-Kino, es ist eines der letzten, handelt es sich doch um eine aussterbende Spezies. Warum es aber ausgerechnet Non Stop heißen muss, will mir nicht recht in den Sinn.

Den Darstellern beider Geschlechter in den hier einem sehr interessierten Publikum vorgeführten läufigen Bildern wünschte ich nämlich schon auch eine Pause zum Auskeuchen, stelle ich mir vor. Und den Herren Zuschauern auch.

Viril

Jännervollmond in Portogruaro, einst für drei Jahre rhetorische Wirkstätte Lorenzo da Pontes, Trattoria Tre Scalini, Hinterzimmer: Außer mir gibt es noch zwei Kahlköpfe, es geht ganz schön maskulin zu heute Abend, wirklich wahr, und einer erinnert frappant an Captain Picard, er ist jedenfalls bereits ein Silberrücken und kann also ganz sicher ein Raumschiff umsichtig und entscheidungsstark befehligen. Beim Kauen wird seine Gesichtsmuskulatur bis über die Schläfen hinaus aktiviert.

Bei mir schaut das sicher ganz anders aus.

angesehen

Jetzt haben sie, das machen sie turnusmäßig, die angesehensten Berufe herausgefunden: Ganz oben, im Penthouse, räkeln sich nach wie vor dieÄrzte mit ihren Krankenschwestern, dicht gefolgt von weiteren Linderung gewährenden Pflegeberufenen. Das Handwerk hat einen Rang gut gemacht, die Lehrer sind, auch nicht unerwartet, noch weiter abgerutscht. Politiker finden sich sowieso und wie eh und je im Souterrain.
Ganz unten aber, in den Kellergeschoßen, schaut es (in aufsteigender Reihenfolge) so aus: Prostituierte, Immobilienmakler, Schauspieler und Künstler.
Ich bin ja Musiker und schreibe täglich dieses unbedeutende Diarium. Das ist doch keine Kunst.

Wettermacher

Wenn ich einmal nicht vergesse, auf eine Reise meine Sonnenbrillen zu Hause nicht zu vergessen, ist bereits die wichtigste Bedingung dafür erfüllt, dass sie auf dieser Reise ganz sicher nicht gebraucht werden.
Leider gelingt mir das Wettermachen in die sonnige Richtung noch nicht so.
Ich übe noch.

verständlich /4

(Weil es gerade dazu passt.)
Sehr verständlich äußerte sich einstens der somit sein Briefing perfekt umsetzende Herr Ingenieur Bürgermeister meiner schönen Heimatstadt Steyr, als er die im Gemeindegebiet zur Betreuung angesiedelten nordkaukasischen Flüchtlinge als Liebe Schoschonen begrüßte.
Wir erinnern uns des Buches, das Herr Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll dereinst gelesen zu haben bekannte. Und gedenken der Eloquenz des Amerikanischen Herrn Präsidenten, wie er unlängst den Turm des Buches in einen der in L.A. offenbar doch nicht gar so existenten Freiheit verwandelte. Auch er ein Belesener, ein veritabler man of lettuce.

verständlich /3

Eine Präzisierung, wie man sich das Münchner Bediendeutsch, MBD vorzustellen hat, sie noch angefügt: In einem Indianerfilm bairischer Filmproduktionsprovenienz etwa grüßte man sich mit seawus.

verständlich /2

Das Münchner Bediendeutsch, MBD, basiert auf einem imaginierten Normbairisch mit fränkischer Verflachung und, was die sprechpraktische Anlage betrifft, einem Hauch Südtiroler Tourismusfachschulhochdeutsch, STTFSHD. Beiden Sprachregionen gemein ist ja, dass der auswärtige Gast (außer natürlich der Österreicher) die lokale Umgangssprache nur schwer bis gar nicht zu verstehen in der Lage ist. Dass man sich da was einfallen lassen musste, ist jedem verständlich.

Und damit hat es sich mit der Verständlichkeit auch schon wieder.

verständlich /1

Das Südtiroler Tourismusfachschulhochdeutsch, STTFSHD, (ein jede Silbe gleich_mä_ßig be_to_nen_des Spre_chen, du kommst dir vor als würdest du für einen für blöd genommenen Schwerhörigen gehalten; dazu werden Nichtsüdtirolern ganz sicher nicht geläufige Italismen eingeflochten: Kcha_mi_onn, Se_ma_phor, Ron_dell, …), dieses durch Unverständlichkeit, verursacht durch professionelle, in der Tat aber lebensferne Hypergenauigkeit der Gleichbehandlung aller Gäste dienende Idiom hat ein Geschwisterl in der bairischen Metropole: Das Münchner Bediendeutsch, MBD.
(Mehr dazu morgen.)

Aufschwung

25. November 2005: Kaum ist in Deutschland die neue Regierung im Amt, schon steigern sie das Bruttosozialprodukt. Zum Beispiel in München, Hotel an der Oper: Ab 7.00 Uhr wird umgebaut, Luft läßt sich auch um den Gefrierpunkt zusammenpressen und damit Hammer und Meißel antreiben. Die weniger rüttel- und geräuschintensiven Pinselarbeiten folgen um 8.00 Uhr. Da sitze ich, voll begeistert, bereits beim Frühstück.
(Es wäre ein Tourneetag zum Ausschlafen gewesen.)

Mutation

Der rechte Daumen des jungen Fräuleins mir gegenüber ist ein wenig verkrüppelt: Platt, nagellos und leicht nach innen gebogen. Aus der undank charakteristischen Tastendruckgeräuschs mürbe machenden Tippfrequenz beim regem SMS-Verkehr schließe ich, dass ihr ihre – so eingesetzt durchaus praktische – Handanomalie ganz willkommen sein dürfte.
Erleichtert steige ich in St. Valentin St. Valentin aus dem Zug.

Halbzeit

21. November. Schnee auch in den Eigenheimgärten der wüstenroten Zersiedelungszone zwischen Wels und Linz. Aus dem Zugfenster schauend schießt es mir durch den Kopf: Die Grillsaison ist gelaufen.
Mittlerweile, so ist zu hoffen, ist wohl, allen äußeren Anzeichen (inkl. Lichtmess hell und kloar) zum Trotz, der Scheitelpunkt der grilllosen Zeit erreicht, wenn nicht sogar überwunden.

bescheiden /4

Muhammad Ali (I’m so bad, I’m so bad, I make medicins sick), der von sich selbst – zweifellos zutreffend – als The Greatest sprach, ist so jemand, der für mich stets eine wahrhaftige Bescheidenheit gelebt hat und noch lebt, ein wirklich demütiger Mensch, humble ist, glaube ich, eine mögliche korrekte Bezeichnung für jemanden, der, sich zwar grußtuerisch gebend, die Bescheidenheit selbst ist.
Umgekehrt, wie gesagt, mag ich’s nicht gar so gern.

bescheiden /3

Fragt mich so eine mit Euer Wenichkeit anzuredende Kaumperson dann noch, ob ich verfügbar sei, kann es passieren, dass ich böse werde. Ich habe nämlich, soweit ich mich erinnern kann, keinerlei Subordinationsgelübde abgelegt.
Im Übrigen spiele ich natürlich gerne, wenn man mich einlädt, gegen gute Bezahlung und wenn man meinen Namen richtig zu schreiben in der Lage ist.

bescheiden /2

Es dürfte bezeichnend sein, dass Ihro Wenigkeiten mit ihren derart ausgestellten Bescheidenheiten häufig bis ausschließlich in sich christlich gebenden Gesellschaftsbereichen anzutreffen sind.

bescheiden /1

Wer sich selbst gering achtet, wird dereinst groß sein.
Das ist zweifellos, kann jedoch nicht kalkulierter Weise funktionieren. Wenn mir jemand von sich unter Vermeidung der Personalpräposition ICH als meine Wenigkeit spricht, spitze ich die Ohren als wäre ich Vulkanier, und es stellen sich mir die Härchen auf den Unterarmen auf (und nicht dort, wo es wohlig wäre, im Nacken).

Taubengott

Gott sieht alles. – In der Erziehung hat dieser – zweifellos zutreffende – Zeigefingersatz etliche Heranwachsende am (z.B.) Nasenbohren gehindert oder ihnen zumindest, nachher, aber auch, obzwar eingeschränkt durch die akute Erregung, im Augenblicke selbst ein heilsam-schlechtes Gewissen (= unsanftes Ruhekissen) beschert.

Natürlich ist klar, dass Er sowieso alles weiß. Davon, dass der Allmächtige alles höre, so ein Satz jedoch ist nicht geläufig; ich wünsche es Ihm auch nicht. Mir z.B. genügt schon ein Eisenbahnwaggon: Was nämlich die Leut‘ so zusammenreden (vornehmlich bzw. ausschließlich am Mobiltelephon), ich sag’s Ihnen. Unser Herrgott (zumindest jener derer, die ihn sich nach ihrem Bild erschaffen haben) hätte sowas von Kopfweh, stelle ich mir vor.

Wenn Er aber eine Frau wäre, Sie wäre eine Taube.

Eine gehörlose Hl. Geistin.

tadellos

Porgy & Bess, NDR-Bigband, Gulda antik.
Der Trompeter und der Posaunist (1965: Freddie Hubbard bzw. Jay Jay Johnson) schlagen sich wacker. Was an ihrem netten, alles in allem harmlosen Spiel besonders ins Auge sticht ist, dass sie, um es in der, wie ich finde, trefflichen Automechanikersprache zu sagen, eine stark verzogene Spur haben: Die Trompete zieht nach links, der Posaunist – fast bei den Mahlzähnen setzt er an – nach rechts. Es wirkt, um ein anderes Bild zu verwenden, als schielten sie, und besonders beim Posaunisten ist die Blickachse arg inkongruent zur Zugachse, das tut beim Zuschauen weh. Besser also: hinhören, denn spielen tun sie formidabel, leider aber insgesamt fad, weil die Musik ist, wie gestern schon angedeutet, aufgewärmter Kaffee.
Sonst aber tadellos, wirklich wahr (wenn das noch was nützen würde).

Missverständnis

Die NDR-Bigband gastiert im Porgy & Bess. Man gibt Musik von Gulda, die er 1965 für sein Eurojazzorchester komponiert hat. Heute klingt es in doppelter Weise museal und erinnert fatal an Jazz at the Philharmonic, schon damals Ausgeburt künstlerischer Missverständnisse, missglückte Synthese, weil Beweismusik, dass klassische Form und Jazzsprache eh zusammen passen, Klassik also nicht verzopft und Jazz eh Kunst sei. Hätten beide Seiten ein gesundes künstlerisches Selbstverständnis, weder Jazz (oder was man dafür halten möge) noch Klassik (was immer das sei), hätten einen derartigen Krampf nötig gehabt.

gerecht

Akademietheater, Parterregarderobentrakt. Ganz am Ende des Ganges eine weibliche und eine männliche Klotür. Darauf der Zettel Bitte benutzen Sie auch die Toiletten im 1. Stock.
Ich setze mich auf meinen Platz und hoffe auf die Pause.

unsichtbar

17. November 2005. Ich radle meine Krähenroute (fast blau schimmert ihre Schwärze), durch den Türkenschanzpark, heim. Davor, drinnen und danach, bis hinunter zum Hugo Wolf-Park, sehe ich mindestens zehn Menschen (alle männlich; ich habe dann, mutlos, aufgegeben und dringend versucht, nur ja bitte schnell nach Hause zu kommen), die stehen einfach nur so herum, hohlkreuzig und mit, das ist ein freundlicher Hilfsausdruck, leerem Blick.
Als hätten sie einen Hund an der Leine, der gerade in die Wiese oder auf den Gehsteig scheißt und versuchten, sich so passiv wie möglich gebend, sich unsichtbar zu machen, stelle ich mir vor. Es scheint zu wirken.
Nur bei mir leider nicht.

KometenMütter 2006

Liebe MBA,

ich veröffentliche mein (Un)periodikum nicht am musikhistorisch allzu aufgeladenen Freitag, sondern habe mir erlaubt, ein bisschen zuzuwarten, naja, ansich wollte ich diesen MütterBrief bereits letzten Montag loswerden, aber, wassollichsagen, es ist halt garsoviel losgewesen, und noch mehr wird passieren, wie es ausschaut.).

Wir schalten ins Paddlerparadies Steyr, Ende Jänner, exakt ein Vierteljahrtausend nach der Erscheinung des Kometen, und der, das weiß man in der Christkindlstadt, verfügt über einen Schweif aus purem Eiskristall (für mich als Kind hat man das -christall geschrieben), Obacht! heißt es, vor allem auf der zähflüssigen Enns, wenn du nämlich paddeln willst, pass auf, denk an den April 1912 und diesen den titanischen Schiffsverkehr umsonst warnenden Funkspruch, leicht abgewandelt geht der Vorsicht, treibende Eisschollen! – Zur selben Zeit ist das Schuberthaus, Stadtplatz 16, neu zu vermieten, dem dm ist es nämlich zu klein geworden.

Tags darauf…
Elfi Marinellei presents: The Legendary Original Gardenschlauch Jazzband
Elfi Marinelli (9.v.l.) presents …

… haben es acht Exjugendliche geschafft, schließlich doch noch ins regionale Epizentrum der Jugendkultur vorzudringen …

Gardenschlauch 1983
(was damals, Anfang der Achtziger, nicht und nicht gelingen wollte)

… und in streng konservativer, fast möchte ich sagen: Altherren- und also Dixielandweise das durchunddurch rückwärtsgewandte und desto bejubeltere, alle zehn Jahre abzuhaltende The Legendary Original Gardenschlauch Jazzband Reanimation Concert vor einem durchaus enthusiasmierten, aus allen demographischen und alterspyramidalen Schichten bestehenden Publikum zu begehen.

Gardenschlauch baba
Über die Anzahl der Jahre, die bis zum Recycle Concert vergehen soll, scheint noch eine gewisse Uneinigkeit zu bestehen. Mein Tipp: 1. Halten Sie sich an denn Herrn mit der grünen Krawatte. – 2. Karten sichern.

Aber, was vorbei ist, ist vorbei, es liegt, und so ist es auch gut so, wie letzthin schon gesagt, verbraucht und wesenlos da, nachzulesen und -schauen genau, wenn Sie da herklikken. Wenn Sie aber Exekutivorgan einer jahresberichtverlangthabenen, öffentliche Subventionen vergeben habenden Stelle sind, können Sie Alles aber sowas von nachprüfen hier, bittesschneu (um es wieder einmal mit dem Hl. Ernst zu sagen)!

Vorwärts, nicht zu weit, einen Tag vor die Lichtmess, genau genommen in die Vorlichtmessdunkelheit, nämlich Mittwoch, den Abend des 1. Februar, um 19.30 werden in der Sammlung Essl, Klosterneuburg, Farben aufkommen, farbige Schatten, die mein die Posaune Spielen im Licht Victoria Coelns ebenso flüchtig wie die Musik in der Luft über die Wände huschen lassen, chroma, das ist ein Sog, dem Sie sich nicht entziehen sollten.

chroma
Ich darf Ihnen empfehlen, zur näheren Information die Vorschau auf meiner Homepage aufzusuchen, und da finden Sie auch, wie Sie das gewohnt sind, meine nächsten Aktivitäten dauunddort, zum Lesen, Hingehen, Nachfahren; Überprüfen können Sie, wie gesagt, bei der Rückschau, weil: überprüfen kann man nur das Vergangene (gewählt wird für die Zukunft, so einfach ist das).

Zum Abschluss noch ein Vorschlag, ein Guter Rat und, finalmente, der Optimistische Blick in die Zukunft.

Vorschlag: Damit uns in den nun dräuenden Verfahren keine weiteren Bilder weggenommen werden können, empfehle ich, Robert Seeger als unseren Anwalt zu engagieren; die Art und Weise, wie darüber nämlich daunddort berichtet wird, erinnert in ihrer Unparteiischheit und, wenn es das Schicksal wieder einmal nicht gut mit uns meint, Patzigkeitslosigkeit und Wehleidigkeitslosigkeit an selbige, im Augenblick veröffentlichten und uns also Sprachrohr gebenden Tugenden dieses Herrn im Norwegerpullover bei internationalen Schirennen.

Der Gute Rat: Wenn er sich bei ihm ehrlich entschuldigt hätte für die Hetz damals, im 38er-Jahr, hätte er nicht sagen müssen Jetzt ist er bös, der Tennenbaum.
Anzunehmen ist allerdings, dass es ihm so eh lieber war. Wer bliebe sonst als das bedauernswerte Opfer übrig? Und vom Herrn Karl zur Frau Elisabeth ist nun einmal in puncto Larmoyanz reschpecktive Durchblick alles andere als Entwicklung festzustellen.
Österreich, was wärest du ohne deine herrliche Tradition, zumal in Zeiten wie diesen!

Wer aber herrscht mittlerweile inÖsterreich? – Freude und Erleichterung, wir dürfen uns eine Prise Salz genehmigen. Und mit Salz hat ja aller Reichtum angefangen,Österreich, jetzt atmest du auf; besser wäre: durch.

Jetzt aber ab in den Fasching!

Bertl Mütter

P.S.: Von meiner Weihnachtsaktion zugunsten der Allianz für Kinder (vorm. Friedensdorf International) darf ich berichten, dass ich in Einlösung meines allzu leichtsinnig gemachten Verdopplungsversprechens das Zehnfache meiner monatlichen Spende überweisen musste.
Gut so. Und: Danke. Vor allem aber: Weiter so.

beflaggt /2

Gäbe es in der Himmelpfortgasse 8 (dem ehemaligen Stadtpalais des Prinzen Eugen von Savoyen; gegenwärtig – und nicht mehr lange – Sitz eines nicht kryptohomosexuellen, um nichts weniger society-bizarren prinzenhaften Parvenus aus dem Süden mit funkelnd-materieller Verankerung im Westen) einen Fahnenmasten, welche Flagge müsste dort aufgezogen werden?, stelle ich mir lieber nicht vor.

beflaggt /1

15. November 2005. Vor der Nationalbank weht, auf Halbmast, eine Trauerfahne. Heute machen sie Schwarzgeld, stelle ich mir vor.
Zumindest zur Hälfte.

Abteilung

Rohrohrzucker
Gibts jetzt beim Billa, Billiger Laden.

Ja! natürlich interessiert mich, wie man Rohrohrzucker richtig betont. Und, erst recht, abteilt.
(OK, – zucker teilt man in zuk- und -ker*)

*Nein, hat man, bis zur segenbringenden Rechtschreibreform, wurde ich eben aufgeklärt. (Nachtrag vom 29.1.2006)

Borschtsch

Lendenelend. tetesept® Muskel+Gelenk Meeressalz hilft bei der Lockerung und Entspannung von Muskeln und Gelenken. Die rote Badesäure verschafft tatsächlich die versprochene Linderung. Trotzdem werde ich den Gedanken nicht los, in Borschtsch zu schmoren.
Unlängst, als ich einen Tag in Moskau war, habe ich keine Suppe bekommen. Und nicht einmal einen Wodka getrunken.
Oder eingerieben.

Brrr

Jännerkälte. Im Atelier ist der kleine Heizlüfter für die ganz strengen Tage eingegangen. Ein neuer ist schnell gekauft. Beim Warten auf den Bus nach Hause (wenn es kalt ist, kommt er immer fünf Minuten später), stelle ich mir vor, dass meine leichte Fracht gerade eben aber sowas von nutzlos ist.
Sinnlos.
Zwecklos.
Brrr.

Synergie

Wien, Mariahilfer Straße 117, unweit des Gürtels. Direkt neben Beate Uhse ist jetzt das Österreichische Verkehrsbüro eingezogen.
Unter der gemeinsamen Hausnummer arbeitet man sich in trauter Nachbarschaft zu, stelle ich mir vor.

Buffet

Großer Neujahrscocktail bei einem international führenden Technologie- und Elektronikgroßkonzern. Als Eröffnung muss, nebst einer angeblich aus tv media populären, charismafreien Moderatorin, auch der erste Teil einer Tanzshow durchgestanden werden, der man ansieht, dass sie von einem wie in allem auch in diesen Dingen hochkompetenten Führungsteam (an der Spitze: der schweizstämmigeÖsterreich-Chef) nach etlichen, reiflich überlegten Gesichtspunkten schlussendlich einstimmig beschlossen wurde; später dann, Richtung gemütlicher Teil wird es, wie es sein muss, noch lockerer. Einstweilen kreisen, Haifischen gleich, die durch ihr zu dieser Veranstaltung als gleichermaßen sehr wichtig ausgewiesenen Männer um das noch nicht freigegebene Buffet.
Keiner aber hat einen besseren Startplatz als ich beim Schreiben dieser Zeilen.

Etüde

Ich stelle mir vor, dass, im Sinne einer therapeutischen Übung (um etwas los zu werden, übertreibe es maßlos, damit du es isolieren kannst), ein, sagen wir: Streichquartett im Carrà© sitzt, oder besser: steht, und sie halten, kreuzweise, mit fest zusammengebissenen Zähnen eine Hanfschnur mit Aufbeißnubbel im Mund. Das Seil zum Gegenüber muss aber wirklich fest spannen, wie bei den Hühnern der bedauernswerten Witwe Bolte, bevor und während jedes noch schnell ein Ei legt.

Danach erst spielt Mozart, K 421, in d-moll.

Zu-ga-be!

Fritz Kreislers Salonstück Schön Rosmarin gilt als wienerisch. Warum steht als Vortragsbezeichnung dann grazioso drüber?

Pedal

Die Pianistin überschätzt die doch beträchtlich geminderte Hebelwirkung mit ihren Bleistiftabsätzen.
Ich stelle sie mir an der Kirchenorgel vor.

Berufsekzem

Ein Geiger oder Bratschist ohne Wetzstelle am Goderl übt zu wenig.
(Wo haben die CellistInnen das Ihre?)
Ich wünsche, sie hätten zu wenig geübt. Und dafür gespielt.
Es hätte auch schöner ausgeschaut.

heilig

Orchestermusiker müssen zuverlässig und pünktlich zu spielen in der Lage sein. Für die Inspiration gibt es ja den Dirigenten.

Genau so ist diese Musikgattung nämlich nicht enstanden. Schwirren muss es, wuseln, oder, wie Morgenstern seinen Galgenliedern als Motto voranstellt:

Laß die Moleküle rasen,
was sie auch zusammenknobeln!
Laß das Tüfteln, laß das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen.

Wenn du dir aber dienstbeflissen deine Identität auswacheln hast lassen, mach uns bitte einen Gefallen: Spiel keine Kammermusik. Danke. Und schon gar keinen Mozart. Bitte.

Heizkörper

Hausmusikabend bei Freunden in einem Wienerwaldrandbezirk, es ist der Vorabend des Nationalfeiertages. Klavier und Cello sind weiblich, die Violine und Bratsche männlich besetzt, und ebenso paritätisch das freundlich-bürgerliche Publikum.
In der Pause lüftet man, damit die betuliche Katatonie des uninspiriert durchgesabelten Mozart-Divertimentos den Raum verlasse. Es nützt nicht viel, Haydn und (mehr noch) Beethoven verzeihen aber mehr; recht schnell sorgen zumindest jene Heizkörper auf den barockisierten Sesseln wieder für ordentlichen Dampf im Salon.

Moskau / aktiv

Am Moskauer Aerodrom gibt es für den Passagier immer etwas aufregendes zu tun: warten. Aber es ist nichT einfach ein gewöhnliches Warten, nein, es ist ein feinst strukturierter Ablauf verschiedener Warteakte. Die Summe des Wartens nennt sich Abflug.
Warten (1) Eintritt ins Flughafengebäude, security check. W(2) security check (mit Pickerl beim Eintritt zur Anstellzone für W(3), Anstellen zum Check-In. Unmittelbar darauf erfolgt W(4), Anstellen zur Passkontrolle, W(5), Warten bis der steingesichtige Grenzbeamte alle Zettel- und Computerdaten verglichen hat, um einem völlig unvermittelt einen Stempel in den Pass zu knallen, W(6) security check zum Eintritt in die Boardingzone und W(7), Warten aufs Einsteigen in den Flieger.
Der Flug selbst ist auf die Minute pünktlich. Und im Gegensatz zu den Warteprozessen (1)-(7) mit einem Sitzplatz verbunden. Wir haben zudem Glück, d.h. im Flugzeug reichlich Platz. Als wollten sie uns für Belgrad – Moskau entschädigen.

Moskau / American Style /2

Unser Flug nach Düsseldorf geht um 12.20 Uhr. Wir sind, Viktorseidank (er meint, man könne nie wissen), trotz Sonntagmorgen und also, wie berichtet, im Tiefflug mit 120 km/h von Zentrum bis zum Aerodrom gerast, bereits um 9.00 Uhr am Flughafen, viel zu früh, noch nicht einmal das Check-In-Gate ist bekannt, früher als früh also.
So hat derjenige von uns, der als erster ausspricht, was sich alle denken (Ikh vastehe ubahaupt nigcht, warum wir so fruh hia sein mussn?!) noch ausreichend Zeit, seinen Reisepass vom Hotel nachkommen zu lassen, der soll samt seinem Inhaber auch dabei sein bei der Ausreise; und es ist sich ausgegangen. Uff!

Moskau / Maximundus /2

Wenn man an einem Sonntagmorgen eine halbe Stunde mit 120 km/h dahinbraust (jaja, der brave Viktor!), ist selbst Moskau aus. Knapp bevor die Birken die Rolle der Häuserblocks übernehmen (landes- und also knapp ein Drittel der Welt weit) gibt es, nicht zu vergessen, noch schnell den

Ikea Moskau

(Und so schreibt sich das auf Arabisch:)
Ikea Dubai