mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


barcelona (3)

auf den montjuic. die seilbahn mit sageundschreibe achtundachzich überwundenen höhenmetern. pah! und ehklar geht der alpenländler da zu fuß, selbstachtung auf der schiefen ebene, eben. das in den park heraufdringende klangbild dieser zauberstadt besteht vor allem aus eingelegten lkw-retourgängen. die fahren hier nämlich gerne rückwärts, pass also auf!

barcelona (2) – gaudà­ (2)

barcelona, das scheint für etliche – zumal japanische – touristen, ausschließlich gaudà­halber aufgesucht zu werden. das aufspüren von imaginierten kindheitsorten, die bestätigung, dass es all das, was man in den märchenbüchern (mehr noch: in disneymärchenfilmen) gesehen hat, pfefferkuchenhäuser (nicht ganz ausgebacken und deshalb mit augenblicklichem genuss verzehrbar; aber pass auf, du kriegst bauchweh!), wirklich gibt.
wie ja neuschwanstein auch gipserne realität ist.
aber trifft das denn zu?

Advent (2)

(Wir bleiben noch in Wien, in einer vergangenen Zeit)

(Kolportiert:)

Sauwetter. Heller zu Qualtinger, Köhlmeier vorwegnehmend raunend: »Na bei den Wetter mecht i ka Hua sei.«
Qu. zu H.: »Aso. Bei wölchm Wetter daun?«

(Morgen: Wieder zurück ins Warme)

Advent (1)

(Szenenwechsel. Wien.)

Joggende Oger in der Hauptallee. Ihre Prinzessinnen gehen am Praterstrich aufundab.

Alles deutet auf grüne Weihnachten hin.

(In eigener Sache)
Willkommen im vierten Jahr des seit 1. Dezember 2004 täglich fälligen mütterlogs. Danke fürs Anklikken. Weiter gehts.

barcelona (1) – gaudà­ (1)

die teigigen gaudis.
das wäre doch ein toller bandname, sagen wir: für den bäckergschnas.

achtung! morgen und übermorgen!
der einbruch des advents

hochnebeln (2)

überhaupt, diese vergeblichkeit der hohen hochhäuser, je höher umso vergeblicher. erst recht in einer zugegeben nebelfreien umgebung, eine stadt am meer mit aufstrebenden erhebungen, barcelona etwa, oder sagen wir hongkong. hohe hochhäuser – als ansage vor der welt – haben nur in ebenen städten was verloren. überallanderswo sind sie nichts anderes als mickrig und vergeblich.
als würdest du am stromboli ein tischfeuerwerk zünden (roman signer hat dies und ähnliches wider die natur sich behauptendes getan; aber im vollen bewusstsein seiner kleinheit, ja, um diese zu erfahren: „ich muss ja dankbar sein, wenn er mich duldet und nicht abwirft.“) oder in die victoriafälle hineinwischerln oder, wie gert jonke in der versunkenen kathedrale, von der feuerwehr krumpendorf wasser in den wörthersee pumpen lassen.
pimpig, eben.

ab morgen wirds wieder klar und rein. (mal sehen.)

hochnebeln (1)

hochhäuser, hohe hochhäuser (männer. richtige männer), werben ja auch damit, dass sie den nebel durchstechen. das glaub ich nicht.

nebelan (4)

und erinnern sie sich, wie karl valentin und lisl karlstadt im photoatelier den scharfrichter fürs photo hinundherrichten und das objektiv für diese ganz spezielle aufgabe scharfrichten?
aber das nur nebenbei.

nebelan (3)

wie ja auch ein zahnarzt nicht griesgrämig oder sadistisch veranlagt sein müsse, fiel ihm den termin nach der rückkehr von seiner reise bedenkend, rudi, sein sonniger zahnexekutivbevollmächtigter freund ein. zu seiner grundfröhlichkeit befragt hatte er gemeint: weißt du, letztlich gehen die menschen zufriedener von mir weg als sie gekommen sind. – nona, glücklich sind sie, weil es vorbei ist, sage ich, und man könne ja diese erleichterung durch noch intensivere mundbergwerkstätigkeiten weiter vergrößern (ein verdacht, der, um das klar zu stellen, auf rudi sowas von nicht zutrifft; aber es gibt ja vergeltungszahnärzte, die über jede kariesstelle persönlich beleidigt sein wollen, im wörtlichen sinn unerträgliche imnachhineinerzieher). undaber natürlich hat er recht. zumindest bis die nebelnarkose nachlässt.
und canetti nennt den henker auch einen zufriedenen menschen und hat das schlüssig begründet.

nebelan (2)

bodenpersonal, am flughafen sein (außerkirchliches also), gar am feld draußen, mit all den menschen, die sich, von hier, von dir, erdgebundnem, weg, dem nebel entheben, ob das nicht frustrierend sein müsse? – natürlich hänge es vom naturell ab (sonniges gemüt?, trüber tüp?). aber grosso modo?
er entschied sich für: nein. weil erstens, und das betraf eher die grundgrantigen (das wort – g.g. – doch ein hinweis?), erstens mussten etwa gleich viel menschen landen als wolkendurchbrechend starten durften, und , zweitens (sonniges naturell), konnte es einen ja im herzen froh machen, seinen passagieren (und ihren gepäckstücken) zum licht zu verhelfen.
ab, hinauf. nein: sein flug hatte verspätung. der nebel.

morgen: was hat das mit dem zahnarzt zu tun?

nebenan (2)

wobei, bei ausfall des quicksunzentralgestirns, das schild bitte nebenan klopfen anzubringen wäre.
finster, finster, gar nichts kann man seh'n
(…) nie, nie werde ich jene zwei minuten vergessen – es war die ohnmacht eines riesenkörpers, (…)
adalbert stifter, die sonnenfinsternis am 8. juli 1842

nebenan (1)

wien, gürtelnähe: quick sun. sonnenstudio.
geschäftsidee, nebenan zu übernehmen: quick sin. wonnenstudio.

nebelan (1)

kurz zurück nach wien. wie das möglich ist, hochnebel undaber ein sturm bei der landung, dass der wackere pilot den flieger wie mit einer raubtierpranke aufsetzen muss. polen dagegen ein winterbuntes land. und die straßen mit einem kaltfeuchten filzfilm angeschwitzt. brrr.

Sehen

Warszawa. wegretuschiert, der Kulturpalast. Nebel.

Was aber alles doch da sein kann. Und du siehst es nicht.

Alles.

… ein Glück, nach Jahren wieder mit E. B. zusammenzutreffen. Sie hat für diese Tour alles aufs umsichtigste vorbereitet. Meine Freude war noch größer, als wir am Flughafen auch von ihr mit abgeholt wurden und dann drei Tage miteinander verbrachten. Sie machte uns mit allerlei freundlichen Menschen bekannt, wobei sie stets ein liebevolles Detail zur jeweiligen Person zu erwähnen wusste. Über zehn Jahre ist sie nun schon in Polen, das Land begeistert sie nach wie vor; was sie allerdings stört ist, dass hier bei etlichen fremdsprachigen Filmen weder synchronisiert noch untertitelt wird, sondern dass von einer emotionslosen Stimme (nüchterner als der dienstlich zu beständiger Nüchternheit verpflichtete Wienerliniensprecher – eine Utopie eigentlich) die Texte sämtlicher Schauspieler wie eine Regieanweisung eingesprochen werden; darunter kann man eine auf maximal 10% zurückgedrehte Orginalsprache hören, da kann sich keiner auf nichts konzentrieren. Unerträglich für eine Blinde, stelle ich mir vor.

Ich freue mich aufs Wiedersehen.

rechtwinkelig (2)

beeindruckend in lodz der jüdische friedhof und vor allem das monument am nazimenschenverschubbahnhof radegast. das schwarze bahnhofshüttl mit dieser sprichwörtlichen verladerampe wirkt original belassen, wie ein 1:1-modell. davor steht eine jederzeit abfahrbereite schwarze dampflok mit zwei, drei originalen viehwaggons. dahinter aber, mit einem schlichten, eindeutig heutigen, vierflügeligen gitter (einer ist offen) abgeschlossen, endet das gleis in einem prellbock im beton. ein langer, gekrümmter, sich nach hinten verjüngender betontunnel schließt an, der in einen quadratischen gewölbten gedenkraum mündet, an der wand inschriften, die die herkunft der über das relais radegast in den tod administrierten naziopfer benennen; dieser raum ist nach oben offen mit einem abgebrochenen schlot. licht. im tunnel selbst hängen originale deportationslisten der gestapo, ausgegrabene originalgegenstände (scheren, gürtelschnallen), und in der betonwand kann man lesen, was hier 1939 bis 1945 geschehen ist, der text hält sich protokollarisch kurz. beim durchgehen wird die beleuchtung über lichtschranken aktiviert, sonst ist der kühle glatte tunnel finster.
was ergreift ist die schlichtheit und klarheit hier. eindeutig heutig. dann aber diese ungemeine unmittelbarkeit mit den originalen an den wänden. die banalität des bösen wird mit geringsten mitteln veranschaulicht, dass es einen ehrlich schaudert. es ist dies alles andere als eine inszenierung mit diesem kalkulierten gruseligen lustschauer, der so manches denkmal zur hollywoodhorrorfilmkulisse verkommen lässt und in seiner vorgeblich detailgetreuen naturalität („genau so und nicht anders war es“) letztlich das ausmaß der katastrophe und damit die opfer und ihre angehörigen (die wir alle sind) beleidigt.
genau so muss eine gedenkstätte ausschauen.

rechtwinkelig (1)

was so germanisten und theaterwissenschaftler kudern können bei langen tönen mit rauen schwebungen. das unbehagen weglachen, streng akademisch. wie machen sie das und können sie normal auch spielen?, fragt mich der germanistenprofesser, noch lachend, und ich bitte ihn, das als berufsmäßig mit der deutschen sprache befasster doch genauer zu formulieren, schließlich wurden auf deutsch menschen verfolgt, weil sie einer festgesetzten normalität nicht entsprachen, und schräg ist etwas immer nur in bezug auf die beschaffenheit des horizonts des betrachters.
hat der geschaut, die sprache verloren, der germanist.
und normal, das wäre auch der rechte winkel, der muss mir, in diesem zusammenhang, suspekt sein.
19. november. schubert hat keine normale musik gemacht.

säkular

lodz (sprich: wwudsch). die große germanistentagung, zu der auch die theaterwissenschaft einlädt. knapp vor der ersten der eröffnungsfestreden schwirren helferlein (studentinnen, assistentinnen; die wenigen männer sitzen), das richtige laptopzubeamerkabel mit allen passenden steckern suchend durch den etwas zu dicht belegten undalso zu engen, tadellos renovierten gewölbesaal des biedermannpalasts. ihnen fehlt, das ist eindeutig, die souveränität des mit allen weihwassern gewaschenen und sich über lange jahre emporgearbeiteten (glöckerl-, haupt-, weihrauch-) ministranten.
diese entzückende akademische nervosität.

blindtest

heterocephalus glaber

in ihrer form erinnert sie an den nacktmull, heterocephalus glaber. die rechte unterscheidet sich von der linken durch die größere blässe, womit sie dem halbwüstensandgräber näher kommt als die regenwurmfarbene linke frühstücksbrühwurst. geschmacklich sind sie ununterscheidbar: eine division durch null ist nicht zulässig.
tadellos.

suppe

ab welcher höhe man von hochnebel zu sprechen habe, das würde er auf dieser kurzen spätherbstlichen reise noch zu ergründen suchen, fragen stellen, die den polen natürlich reichlich naiv vorkommen würden, aber das war ihm egal. beim heimfliegen dann aber, in dieser hochsensiblen startphase, würde er jedenfalls genau aufpassen. und dann die sache mit hilfe des kopiloten endgültig klären, kopiloten kennen sich nämlich aus, und oben schien ja die sonne, hieß es, den ganzen tag.
bis dahin würde bei borschtschsuppe (natürlich war die polnische die einzig richtige) die hoffnung auf ungetrübten blick (hier: bis zum suppentellerboden) genährt werden.

remake (2)

kinski spielt palm in der wadenmesser (die szene mit dem stör im mühlbach, krumau am kamp). unverzichtbar: die palmsche originalbadehose.

medium

salzburg. die internationale tascaria-kette mit ihrer standardisierten höflichkeit. tipptopp, da kannst du nichts sagen. die eilfertigflinken teammembers (vermutlich heißen die in ihren job prekarisierten so; so etwas kostet den konzern nichts, und sie haben, wenngleich jederzeit abstellbare so doch stolze angestellte) beraten bei der steakauswahl beinahe empathisch (soviel, wie halt in der einschulung eintrainiert wurde). ich widerspreche nicht und nehme bereitwillig das empfohlene rindsstück, wenngleich, individualistische undalso unvorhergesene auflehnung, ohne kräuterbutter.
sympathisch? wäre anders.

ratschlag. dank

(auch wenn sie noch so gut riecht)

kaufen sie sich nie! in st. valentin beim warten aufs umsteigen eine bosna. das ist dochnochnicht in oberösterreich, trotz der verräterischen viererpostleitzahl. eben. undaber: danke, liebe öbb, dass an diesem abend zwischen st.v. und steyr ausnahmsweise kein schienersatzverkehr verkehrt ist. ich weiß das zu schätzen. bzw. musste es zu schätzen wissen. weil im bus gibts nämlich nicht einmal ein regionalzughäusl samt unterluft. eben.

schnupperangebot

speisewagen, die dritte. bahnwerbung.

in zürich duftet es nach weihnachten.

warum man dann in den berüchtigten adventhochnebelsmog dorthin fahren soll, muss ein rätsel bleiben. ich, ich fahre erst zum duftschnuppern hin. eben, nach weihnachten. wenn ich nur nicht verschnupft bin. die erfahrung aber lehrt uns: nach dem weihnachten ist vor dem weihnachten.
hoffen.

fixiert

speisewagen, die zweite. ein platz vor den geschmacksverstärkten schwammerln. wenn auch vorhin der dünnkaffee eine kleine tischtuchkatastrophe verursacht hat, so gelingt es dem schwammigen rücksichtsvoll-ruhigen (das darf schon auch erwähnt werden) doppeltelefonisten (die kinn- wie auch telefonanzahl benennend) nicht, auf einmal aufzustehen, auch was das betrifft scheint er eine doppelexistenz zu führen. der nervige vom vordersten tisch sich selbst und mit seinem terror den gesamten waggon überlassene dreijährige hat in erfüllung einer selbstauferlegten pflicht (und welche ist das nicht?) sämtliche armlehnen heruntergeklappt, an seinem platz gegen physischen widerstand (durch den doppelten bauchumfang der doppelten schwammexistenz jenes herrn einen tisch hinter dem schwammerlgulasch). mit etwas nachdruck (dem obligaten zweiten versuch, und den sollte man jedem zugestehen) konnte er sich vorbeizwängen.
empor.

saisongericht

speisewagen. im schwammerlgulasch rechts vorne stechen die geschmacksverstärker stecknadelgleich durch den waggon. in der erinnerung gerinnt red bull im vergleich damit zum aromaneutralen tschapperlwasser.

frohe botschaft! (eingeschoben)

(eingeschoben. aus dem gedächtnis.)

bahnsteigwerbung einer freien christengemeinde, aufgeschnappt in einem deutschen eck:

wer sich zu mir im leben bekennt, den werde auch ich vor meinem vater kennen. mt 10,32
wer sich aber zu mir im leben nicht bekennt, den werde auch ich nicht kennen am gerichtstag. mt 10,33

in diesem sinn will ich mich, feig wie ich bin (man kann ja nie wissen odernicht), ingodsnaum zu mir bekennen. das urteil, wissen wir spätestens seit kafka, steht ohnehin bereits fest.

ob das allerdings jetzt eu-bedingt in österreich auch gilt, weiß ich nicht (und ich trau mich nicht zu fragen; wenauch?). sicherheitshalber aber werde ich in den nächsten monaten deutsche ecken (und das roamen in ihnen) meiden. oder zumindest die luft anhalten und keinsfalls ausm zugfenster schauen.

morgen: saisongerichtstag


XOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXO

deutscheck

mobiles internet, sehr praktisch und gar nicht so teuer mittlerweile. während der fahrt im zug von salzburg nach innsbruck (korridorstrecke durch deutschland) recherchierte er dann auf wikipedia et al. den begriff roaming.

konsolidiert (2)

ein weiterer (= hier: zusätzlicher) anzug sollte auch her. sein stil wie immer elegant aber nicht stocksteif, distingiert-anders. da er aufgrund seiner länge in so manchem großkleiderhaus bei den wenigen modellen, die ihm entsprachen, mit tut mir leid, ihre größe müssten wir bestellen abgeschasselt wurde, nahm er sich ein herz, blähte sich vorne vogelinderbalzmäßig auf und betrat das großegrößenmodehaus am unteren ende der großen einkaufsstraße. von oben herab kam ein männermodehausautorität ausstrahlender blaugestreiftelegant gekleideter herr, musterte ihn – er war ja auf der treppe – kurz von oben herab und sagte dann nur trocken: zu schlank.
er würde sich das haus merken und bei gelegenheit wieder derart aufbauen lassen, nahm er sich fest vor.

konsolidiert (1)

nach zwei saisonen war die jean an ihrer sollwetzstelle (dort, wo das gewebe sich am fahrradlsattl rieb) durch. eine neue, idente, musste her. und, markenprodukt: außer, dass sie nun (radlsattlpassender) in poland statt in truthahnland erzeugt worden war, hatte sie die gleichen maße. ich wiederhole: die gleichen maße. wie vor z w e i jahren!
die aufwärtsbewegung war gestoppt. jetzt galt es, die trendumkehr einzufasten.

Handlungsanweisung

(Ich ufere aus in die sich selbst gar nicht uneitel schlicht Kunst bezeichnende sog. Bildende Kunst (Abt. Perf. (Unterabt. Privatperf.)))

Sei aufmerksam. Schreib mit.

Ruf sodann am ersten Werktag jedes Monats alle unterwegs in Telefongesprächen anderer bereitwillig preisgegebenen Telefonnummern an und befrage die Menschen am anderen Ende der Leitung zu in den mitgehörten Gesprächen gehördenden Details.*

Sei sehr freundlich. Bitte die angerufene Person, dem für die Herstellung des Kontakts verantwortlichen Informanten einen Schönen Gruß auszurichten. Wünsche, soweit möglich, am Ende des Gesprächs noch einen schönen Tag und Alles Gute. Beende jedes Gespräch mit dem aus der S-Bahn bekannten Satz von Lohner: Wir danken für Ihre Mitarbeit.

NB: Deine eigene Telefonnummer gib unter keinen Umständen preis.

Auf Wiederhören!

*) Beginne etwa so: Guten Tag (Variante: s’Gott). Ich habe Ihre Telefonnummer in der U-Bahn erfahren und wollte Sie noch fragen, (…)

hörgrenze

was ja dann noch dazu kommt: wenn drei oder mehrere gesprächspaare (-gruppen) in einem raum zusammenkommen, und jede (nennen wir sie:) stammtischrunde mit sich selbst (der schlechtigkeit der welt, der alkoholischen autokühnheit beim letzten heimfahren u.v.a.m.) beschäftigt ist, kann es, das ist bekannt, je später, desto lauter hergehen. trotzdem wird jeder tisch für sich seine kommunikation aufrecht erhalten und nicht (sie wissen, worauf ich hinauswill) die gespräche von den anderen tischen mitabsaugen, jeder, wo er sitzt, weiß genau, wo er zuhören muss und wo nicht.
fürs lautstarke telefonieren gilt das leider nicht. wenn du (bleiben wir halbwegs beim vergleich) drei telefonisten und drei schweiger in einem raum vorfindest und du kommst als vierter hinein, hast du deswegen nicht akustisch frei, wenn auch vermeintlich zu jedem sprecher bereits ein hörer anwesend wäre, wie man denken könnte. nein, alle vier (ausgenommen die tauben) hören alles von allen dreien.
also alle jederzeit voll informiert.
soistas.

morgen: handlungsanweisung (ein versuch)

surround-sound (2)

(dem zuhörenmüssen auf der spur)

als einigermaßen empathisch begabter (in ermangelung einer in solchen situationen herbeigesehnten frei zuschaltbaren autismus-automatik – rollo runter!) bleibt einem nichts anderes übrig, als einem gespräch das hierorts nur einseitig, ohne physisch anwesenden dialogpartner geführt wird, zu folgen, so sind wir erzogen, immer schönbrav folgen, jawohl. als mithörer (mithörenmüsser) komplettierst du die ansonsten nicht bestehende sender-empfänger-integrität, grundbedingung jedes gesprächs. da wir – evolutionär betrachtet kommunikationstechnisch gewissermaßen noch steinzeitlich (siehe gestern) – nicht auf integrierte fernfünkliche komplettierantennen zurückgreifen können, müssen wir einander zuhören. später dann wird es das alles geben, sie werden die heutigen (nein: gestrigen, völlig veralteten), die raum-zeit-einheit voraussetzenden sinne ersatzlos verdrängt haben, soviel ist sicher und es ist auch gutso, sichert es doch arbeitsplätze, zumindest im äther odernicht?

morgen: schallmauer

surround-sound (1)

das mit dem telefonieren. mit dem mobilen. mit dem mobilen mithörenmüssen. und gar nicht anders können.
(sie sehen, ich verfalle in einen sonst bei mir nicht üblichen streeruwitzton; den letzten satz – und. – habe ich mir verkniffen.)
warum verfolgt man den verlauf des gesprächs zweier menschen am nebentisch links nicht, während man beim telephonat (ein wunderbar altmodisches wort, weshalb ich es ausschließlich mit dem mir wesentlich sympathischeren peha zu schreiben in der lage bin; obwohl: wir reden hier vom zeitgemäßen mobiltelefon, nirgendwo mehr ein bakelitapparat an der wand. ich korregiere also:) während man beim telefonat rechts alles (alles! – auch das gebrüll des anrufers am anderen ende der funkverbindung, es muss sich wohl um ein ferngespräch handeln und hat sich genetisch noch nicht durchgesprochen, dass mit den evolutionshistorisch gesehen brandneuen kommunikationsmedien durchaus auch leise gesprochen werden kann, auch wenn es ins nächste tal oder über den ozean klingen soll), alles alles mitbekommt, mitbekommen muss?!
die vorgefundene (und keineswegs angestrebte) versuchsanordnung: beide ohren hören überprüfterweise gleich gut, es wurde rechts und links gleich laut geredet (ja, das gespräch links war heftig) – gesagt wurde leider auf keiner seite nirgendwo irgendwas, das man sich merken wollen hätte sollen. aber darum geht es nicht. ich bleibe wissenschaftlich.

morgen: die hörvermutung

sparen

31. oktober. zeitspartag. wieder also so ein verhörer.
mich interessiert, dringlich, in welches sparbüchl ich meine mir vom mund abgesparten momente, stunden, …, äonen! einlegen kann. und: einlagesicherung?

ab morgen: übers zuhören (weiteres)

trost (quasi korinthisch)

… und hätte der mitarbeit nicht …
nach paulus

nochwas, zum trost: da kannst du einser haben soviel du willst, ohne mitarbeit* gibts kein sehr gut. nie und nimmer.

* sie entspricht, ins alltags-schulische übersetzt – dem topos der liebe aus dem dreizehnten kapitel des ersten briefs des apostels paulus an die korinther.

kontrolliert

noch eine frage taucht auf: wer kontrolliert die (zweifellos gemachten) hausaufgaben? und: verbesserung?

geschummelt

den strapazierern dieser so altbackenen metaphorik (hausaufgaben machen…) ist entgangen, dass wir uns alle erst durch mehr oder weniger gewitztes schummeln an unsere posten geputscht haben. sie vergessen es, weil es sie selber am allermeisten betrifft.
[wahrscheinlich haben sie nur in den usa und in nordkorea noch eine höhere parolenpenetration, wie man sich im leben korrekt (gott-/kimgefällig) zu verhalten habe, und all diesen ländern, bruderstaaten (oder sagt man: brüderstaaten?) nachgerade, ist die freiheit als permanent beschworenes grundheuchelgut gemein.]
ich, ich verhalte mich selbstredend im übrigen aufs strengste neutral, ich habe ja meine hausaufgaben als österreicher gemacht oder nicht?

hausaufgaben

wir danken für ihre mitarbeit, dieser so harmlose und umso symptomatischere satz am ende von chris lohners reinlichkeitsaufforderung in der s-bahn, in österreich geht der rein, ohne dass es irgendwen reißt, ohne einen zucker, hier funktioniert die omnipräsente schulpädagogik besser als irgendwo anders auf der welt, bin ich sicher.
regierungen und verantwortliche politiker müssen hier zuallererst ihre hausaufgaben machen, bzw. wird ihnen vorgeworfen, diese nicht gemacht zu haben, taferl werden in die kamera gehalten von eingewanderten kärntner volkstribunen bzw. von dessen wiener publizistischem uraltdouble auf die seite eins geknallt, der dichandismus ist letztlich (eigentlich: zuallererst) nichts anderes als die hausaufgabenaufgebe- und einforderungsvariante des journaillismus.
hausaufgaben machen müssen, gegenüber den wählern, deren tribunen, der zeitung, aber auch gegenüber – oje – brüssel!, diesem großen, unsichtbaren und so gut hassbaren überlandesschulrat.

durchtrieben

wir danken für ihre mitarbeit, und keiner merkt auf und arbeitet also erst recht nicht mit, so ist das mit der österreichischen widerständigkeit, durchtrieben, diese österreicher. karl-markus gauß hat sie (die widerständigkeit, schreiben wir dieses so grundösterreichische epitheton doch ruhig noch einmal nieder) auch aufgespürt, sie sei daran festzumachen, dass kein österreicher auch nur daran denkt, dem öffentlichen verkehrsmittelbefehl rückwärts einsteigen nachzukommen. subversiv und antiautoritär durch und durch.
soviel also zum österreichischen nationalfeiertag.
auch ich bin stolz, österreicher zu sein.

morgen: hausaufgaben

schulpflicht

wir danken für ihre mitarbeit sagt wie gesagt chris lohner, und keiner merkt auf, ganz abgesehen von den weiterhin auf den sitzplätzen herumliegen gelassenen zeitungen und zeitschriften, keiner merkt auf, dass damit alle sehr geehrte fahrgäste zurückgeworfen werden in die schule, interessant wäre, wieviele menschen nach der zwangsbeschallung mit dieser in österreich so funktionierenden wiedereinschulung nachts aus unruhigen träumen hochfahren, sie müssen die letzte klasse ihrer schule, gar die matura, noch einmal machen, ihr leben seit mit einemmal nichtig, und all das wegen des pädagogischen hinweises von frau professer lohner auf die (eben nicht) geleistete mitarbeit, passivität und wurschtigkeit in allen zügen, vor allem in der s 45.

morgen: subversiv

zugehört

s 45. chris lohner ohne kottan ist unerträglich. ich bin ja brav. ich sehr geehrte fahrgäste lasse bitte nicht meine zeitungen und zeitschriften nicht auf den sitzplätzen liegen und entsorge meine abfälle nicht nicht in den dafür vorgesehenen behältnissen, wir danken für ihre mitarbeit, nach jeder zweiten haltestelle, wenn sie halt gerade kann und nicht liebe fahrgäste die frohe botschaft verkündet, dass ab 9. dezember die s 45 an werktagen (außer samstag) von 7 bis 9 und von 15 bis 19 uhr jetzt noch öfter, im zehnminutentakt fährt, beachten sie das unterschiedliche niveau zwischen wagen und bahnsteig und wehe sie lassen mich nicht ausreden bevor sie aussteigen wir danken für ihre aufmerksamkeit.

morgen: mitarbeiten

Verhört

Linie 49, stadtauswärts. Die unsinnlichste Stimme (ganz sicher nicht nur) Wiens verkündet durch die Straßenbahninnenraumlautsprecher die nächste Station, an der auch ich aussteigen werde, und weil ich recht oft hier fahre und zudem meinen weg zweifellos kenne (in mein Café; das würde der Bedienstete der Wiener Linien aber sooderso nicht ansagen, und das ist auch gut so), höre ich hier normalerweise nicht einmal nicht zu. Heute aber, ich weiß nicht warum, bin ich aufmerksam, das heißt nicht ganz, oder habe ich eben gehört:

Urban Loritz-Platz. Durststreckengrenze. Umsteigen zu den Linien (…)?

Die Vorfreude auf den guten Kaffee stellt sich jedenfalls augenblicklich ein. Man muss die kleinen Wohltaten des Lebens viel bewusster genießen. Eben. Ich habe mich nicht verhört.

Ab morgen: Zuhörenmüssen.

Verzetteln

Dringlichkeit (das Notwendige) und Gründlichkeit (das Genaue, Pitzelige) zu unterscheiden, ob es dafür eines neuen Baums der Erkenntnis bedürfe?

Und wo der bitte stehe!

royal

Massa Marittima. Der graue Königspudel döst im Schatten und wartet auf seine Versteinerung zum Portallöwen.

Etlichen ist es schon geglückt.

volterra — massa marittima (2)

nach mehr als etlichen hügelüberquerungen in massa ankommend fragte er sich, ob wohl brunelleschi, wenn er schon nicht aus der umgebung stammte, sich hier die endgültigen anregungen für die kuppel von florenz geholt haben mochte. als diesbezüglich dauerhaft mutmachend durfte man diese sisyphoslandschaft jedenfalls getrost bezeichnen.
aber nein, mutmachend, das wäre ja ein widerspruch! oder doch vielleicht gerade das gegenteil?
hm.

volterra — massa marittima (1)

durch die toscana in erwartung der bzw. (je länger umso eher) in der hoffnung auf die endgültige, allerletzte, die oberste kuppe. aber nein, es geht wieder runter.
dann aber wirklich hinauf.
eine weltumrundung.

guten morgen

das vorsingen beginnt um elf. punkt neun (vorher, heißt es, braucht der mà¦stro absolute ruhe) erschallt das bergkloster vom vornervösen einsingen der stimmschmetterlinge. ein cremiger terzmezzo vibriert durch den innenhof, während, ihn umreigend, ein sopranschwarm fast leise in der, in die vormittagssonne unisoniert.

jedermann

gusseisern polterte der maestro herein. mit einemmal waren da selbst die künstlichen wachstropfen an den gedrechselten matten elektrokerzen in den ebenfalls gusseisernen elektrokerzenhaltern nicht mehr zu dick aufgetragen, nachgerade angemessen, jawohl, angegossen.
der hofstaat indes übte sich in hintergründiger zurückhaltung, um auf ein schnippen aus sich auftuenden spalten in den soliden wänden ungesäumt zu fragen, wes das begehr des meisters sei.
später wurden sie auch der buhlschaft und manch gutes gesellen ansichtig. ein barockes fest schien sich abzuzeichnen. allesinallem eine gesegnete vitalität, welche er auch in aller stattlichkeit und mit einer prise bärbeißigen bestemms vor sich her trug.

Luftig (etwas atemlos)

Als er nach dem Sport, bei dem er gewohnheitsmäßig und völlig zu recht verloren hatte, was aber keinen Einfluss auf die beidseitige Spielfreude hatte und noch weniger Rückschlüsse auf die individuellen Spielanteile erlaubte, wie ihm sein Gegner, wenn er es hören wollte, stets gerne versicherte, zur Pflege seines derart geschundenen Körpers den Schweiß von oben sich abwaschen zu lassen sich anschickte, gewahrte er, dass er sein zweckmäßig kleinstmögliches Handtüchlein vergessen haben musste, fand er es doch nicht bei seinen Ertüchtigungsutensilien, und so wankte er vorerst einmal in richtung Brause, auch im Club Danube wurde man zentral, d.h. von oben duschentmündigt, dazu musste man, noch so ein Zeigen wo Gott wohnt (im Kloyberschen Klotz), mindestens alle fünf Sekunden, um Warmwasser nachgerade bettelnd, den Wasserzufuhrknopf drücken, war jedoch auf Kaltwasser gedreht, rann es mindestens eine Minute auf einen herab, wobei er sich – was sein Duschethos betraf, war er da ganz Indianer oder zumindest Lex Barker am Marterpfahl – nicht einen Millimeter wegrührte und derart das Hirn tauglich abzukühlen pflegte, die eigentliche Erholung beim Sport, während des wiegesagt entmündigten Duschens und kaltwasserbedingten Wiederzusichselbstfindens wuchs der Dringlichkeit der Trockenfrage doch eine gewisse, sich steigernde Bedeutung zu, und als er die eigentliche Nasszelle verließ, trottete er also vorderhand einmal zum Bittenichtöffnenfenster, wo er sich einer ganzundgarnicht unabhärtenden Lufttrocknungsprozedur unterziehen wollte, dort aber, vor sich hin frierend und seinen Weg rekapitulierend, erinnerte er sich der Spiegelwand, vor der zur Haupthaartrockung zweckmäßige Handföns an versiegelten Steckdosen angekabelt bereitlagen, es ging ihm, beinah wickiegleich, ein Licht auf (bzw. sprudelten von seiner Nase Sterne weg), und sogleich setzte er sich, immer noch Feuchtspuren am Garderobeboden hinterlassend, dorthin in Bewegung und nahm, am Spiegelziel angekommen, je ein Warmwindgerät in seine Hände und bewehte damit so lange seinen Körper, bis auch an den entlegensten, gerne vergessenen Zonen jeglicher Wassertropfen durch die forcierte Heißluftbehandlung verdunstet war, mehrmals hatte er sich vor dem Spiegel, der in diesem Zusammenhang keinerlei Eitelkeiten sondern lediglich der reinen Information zu dienen hatte, mitsamt seinen angeleinten Trockengeräten gedreht, sodass er sich, hätte er nicht wie ein Haftelmacher aufgepasst, rettungslos verheddert hätte, keiner hätte ihn freischneiden können ohne selbst gestromt zu werden, sodass ihm unweigerlich und nicht das erstmal in sanitärem Zusammenhang der unselige Laokoon und seine Söhne in den Sinn kam, welches Menetekel wohl diesmal mit diesem Omen verbunden sein mochte?, er wollte es gar nicht recht wissen.

Trocken verließ er den Raum.

Zentral (wieder einmal)

Oh i hate ’em i hate ’em
— aaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

John Cleese

Und wieder, auch in der nördlichen Toscana. Die streng oben montierte tröpferlverteilende Brausenrosette, diese verdammte italienische Duschentmündigung. Wahrscheinlich eine als Zentralstaatsgesetz ausgegebene Verordnung gegen die allzu autonom los von Rom strebenden Regionen.

Einer der wenigen einzigen Gründe, nicht nach Italien zu wollen. Aber so leicht kriegt ihr mich nicht an!

Morgen (eingeschoben): Laokoon im Fitnesscenter

slow food (toscana) <2>

dressierte krabben, die sich selber grillen, am offenen kamin, langsam und schonend.

slow food (toscana) <1>

in das dezente steinmauerzimmer diffundierte jungweiblich halbafroamerikanische grammymusik. very stylish und also eine ohrspülung mit abwaschwasser, die das sicherlich recht gute essen unmittelbar mit einem grauen (besser: gräulichen) schleier überzog.
abermals: malzeid.

spiegelkabinett

die kuppel von florenz, außen die allereleganteste, innen. das weltgericht, so gerichtet, dass vor allem der hohe klerus, wenn er seinen blick erhebt (etwa beim hochhalten des kelches) haargenau die verdammten in der hölle vors aug gesetzt bekommt.
passt. malzeid.

graugansprägung?*

in mein erstgeborenes land,
in den süden zog ich

ingeborg bachmann

mein erstbesuchtes land, das war nun einmal italien. was soll ich also machen?, ich kann nichts dafür.

*

nicht alles was hinkt ist ein vergleich

night & day

nach italien. schlafwagentoilette, alte garnitur (so ein glück auch!), das waschbecken: sanitärbereichsjourgebäck, gewissermaßen. entzückend.

kinderuni (2)

und vor dem vortrag noch einmal die hände gewaschen. da haben wir es. mobbing. nur weil du nicht paranoid bist, brauchst du nicht zu glauben, dass sie nicht hinter dir her sind.
mobbing am beispiel schlitzoben in den spender eingelegter papierhandtücher. hohe trefferquote, geringe zielgenauigkeit.
in jedem fall aber: ein kündigungsgrund, so meine dringliche forderung.

kinderuni (1)

noch vom inkognito geschützt warte ich im foyer vor meinem hörsaal. da kommt auch schon meine horde neunbiszwölfjähriger die treppe herauf.
größenunterschiede wie bei hunden.

ablass

es funktioniert auch posthum: ein katholischer gläubiger, der für jemand anderen (besonders löblich!) die möglicherweise apokalyptischen folgen und unerwünschten nebenwirkungen seiner lebensführung versichern will, geht zur mesnerin oder, in wichtigeren kirchen, zum herrn mesner und zahlt eine messe, die wird dann in dieser meinung gelesen und alles wird gut.
dieser tage findet in frankfurt die buchmesse statt. wo ist der mesner?, er dürfte in diesem größten herbst der österreichischen literatur (aller zeiten) viel zu tun bekommen. und: was kostets?

apokalyptisch (2)

die blätter fallen
rainer maria rilke

wie geht es eigentlich einem autor, dem bei erscheinen seines neuen werkes als alles andere als nüchterner kritikervorschuss bescheinigt wird, es sei das beste buch des 21. jahrhunderts. was will so jemand noch schreiben?
chilirotehoffnung keimt am horizont.
oder war es köhlmeier? und wie geht es glavinic damit?
jaja, ein frühes spätherbstln.

apokalyptisch (1)

als sebastian seine achseln zeigt, weicht der pfeil zurück.
harald gsaller, zack! (1995)

robert schneider, vater schlafes bruders, erfindet sich, es muss wohl sein, alt neu und versucht, an seinen alten erfolg anzuknüpfen: abermals, nach fünfzehn jahren, hat er ein orgelbüchlein geschrieben und liefert bereits auf den ersten seiten munition für seine p.t. recensenten:
dürftige analysen. historisch fragwürdig. selbstverliebt ohne ende. eine stilblüte nach der anderen. schwülstig. adjektiv um adjektiv. stilistisch überhaupt das letzte! – so schneider in seinem neuen roman die offenbarung. und ich vermute (gewollt) schelmisches: das klingt, als handle es sich um wortwörtliche zitate früherer verrisse. also eine retourkutsche.
wolln wir hoffn, dass diese zeilen nicht oft re-zitiert werden müssen. die erfahrung aber lehrt uns: fürchtet euch nicht nicht.
der große herbst der österreichischen literatur, er geht weiter, kommt erst so richtig in schwung.
maranatha!

täuschung (zum welttierschutztag)

herbst ist immer wenn du sterbst
h.c. artmann, punch and judy

es herbstlte, und ein klein wenig zu mild.
aber nein, das waren doch tauben und keine geier, die um die oberen etagen der türme vom allgemeinen krankenhaus kreisten. und auch saatkrähen waren keine dabei, schien es.
auf den ersten blick

speisekarte

(von abenteurer h.c. artmann ist’s nicht weit zu den kannibalen)

erinnern wir uns, vor einem monat dichtete die bild-zeitung: DEUTSCHER ISSTÖSTERREICHER (warum nicht: wir sind österreicherfresser?)

so etwas hat er sich nicht verdient,
sagen bekannte aus dem schockstarren heimatdorf über das opfer des kannibalen. meine monströse frage an den ortsobmann des österreichischen kameradschaftsbundes: einer, der euch nicht regelmäßig hilft (wobei? beim kameradln?), möglicherweise schon?
da haben die menschenfresser aber einiges zu verspeisen.

fragen zur evolution (2)

was berichtet uns das alte testament über die skifahrerei? – nichts, herr sportsfreund.
h.c. artmann, 1975-1977

danke, lieber h.c., für diesen gastsatz, frucht ausgedehnter studien.

fragen zur evolution (1)

doch an den fensterscheiben
wer malte die blätter da?

wilhelm müller, frühlingstraum

seit doktor faustus (eigentlich zumindest seit müller), wo das phänomen näher erörtert wird, wusste er, dass es der natur, sei sie belebt oder tot, immer wieder gefällt, in völlig unterschiedlichen zusammenhängen ähnliche gestalten hervorzubringen.
in der nasszelle des gästezimmers des großen freundes perlten auf einmal spermien, wie er sie aus populärwissenschaftlichen kurzberichten im fernsehen kannte, es konnten aber auch kaulquappen (eines der schönsten wörter der welt) gewesen sein, das echtglas der gediegenen duschkabine hinab, immer von oben nach unten, wie es die schwerkraft vorschrieb.
solange es keine schaffte, sich von unten nach oben zu geißeln, wie sollte er sich das mit der urgenese des lebens vorstellen?, stellte er sich vor. es musste noch einen anderen weg geben. dem nachsinnend duschte er so lange, bis ihm schwimmhäute zwischen den fingern zu wachsen begannen.
nach gründlicherer maniküre zog er sich an und begann einen völlig neuen tag.

probati

die röm.-kath. pfarre in der krim inseriert per aushang in der auslage des krottenbachstraßenkleintierhändlers eine unmittelbar bevorstehende tiersegnung. wenn, was zu erwarten zu stehen scheint, nicht genug lebendige kommen, so steht es am zetterl, ist man gerne bereit, plüschtiere mit zu besprengen.
ob diese neue legio derart katholisch gemachter plüschwesen eine verzweiflungskreative antwort der klerischen basis auf den allgemeinen mitgliederschwund (nur in unseren breiten, seien wir beruhigt) darstellen könnte? – gibt es nicht genug animalia ordinaria*, ist ja wirklich die zulassung plüschorum probatorum** ernsthaft in erwägung zu ziehen.

* gewöhnliche (herkömmlich lebendige) tiere
** gen. pl. von: plüschi probati (pluralwort): bewährte pl.

mostly nine-eleven

mit einer abrupten drehung gelang es dem minkerl im letzten moment noch, direkt ins auge zu fliegen. eine halbe stunde später dann die nächste, ins zweite. der unvermeidliche zusammenbruch kam in form eines ausgewachsenen kapitalen sturzes, er rutschte beim fahren über die mostbirnen aus und weg.
warum fliegen fliegen immer mitten ins aug? was ist das für ein sog? und flieger mit hochhäusern, welche gravitation?

näher (2) – daneben

dann gab es afterkünstler, tieftragische, von dumpfderbem alkoholismus gezeichnete existenzen, die sich vor allem über ihr sichdanebenstellen zu größen, literaturgroßpreisträgerinnen und -träger etwa, definierten.
körperlich angewidert musste er sich entfernen.

näher (1) – drunten

ob der andauernde erfolg des populären sommerintendanzschaupielers auch damit zusammenhing, dass es ihm nicht wirklich schwer zu fallen schien, sich – wie gewisse autobusse, die zum aussteigenlassen auf der türenseite abgesenkt werden können – künstlich (so wollen wir hoffen) auf das niveau der straße (um im bild zu bleiben), auf dem sich auch die hohe politik so gerne volksverbunden fiakerhaft gebärdete, zu begeben?

stehzeit

spätsommerfest in einer werbeagentur sechzehn im fünfzehnten. wie es sich gehört alle männer schwarz gekleidet, dazu waberwabermusik, genau so laut, dass man sich gerade doch nicht anstrengungslos unterhalten konnte. die schicke herumstehen auf dem in lofts unerlässlichen bitumenboden eine visitkarte an einfallslosigkeit. dazu noch lauter nieten bei den pistazien, diesen gerösteten bioglückskeks aus kalifornien oder dem iran.
wäre da nicht – pardautz! – die aparte wursterbin, die gesellschaft mit den vielen viel zu freundlichen menschen wäre sofort zu verlassen.
die 15er im 16ten würden jedenfalls keinen auftrag von ihm bekommen.
den nicht zu mageren, nicht zu üppigen pfefferbeinschinken, den würde er sich aber schon morgen besorgen.
gedacht, gemacht.

udoman. ein traum

konzert, stadthalle, heute.

udo '69

aus dem publikum nach vorn geht udo jürgens, um jahrzehnte rückgealtert, mit glatten 69er-haaren, er kann kaum das erste wort singen, – es ist merci cherie (was auch sonst, genauso wie beim songcontest 1966), das sich aber so anhört wie rock and roll music von den beatles gesungen – und schon springen alle leute, hauptsächlich männer (alle haben sie auch die gleiche frisur, mit koteletten, und durchfallbraune sakkos mit rollkragenpullovern darunter; ist es eine wienistandersrum-veranstaltung, wie damals das weiße rössl sing-a-long in der volksoper?, aber wo sind dann die geschwister pfister?), von ihren sitzen auf, ein gekreische hebt an, dass man nicht einen ton noch von udo hören kann, und so geht das mindestens eine stunde, unter seinen begleitmusikern (es muss die pepelienhardband sein, wir kennen sie auch vom songcontest 1977, swiss lady) ist ein schmächtiges, beinahe schwindsüchtiges bürschchen, das mich, bevor es, auch mitten aus der aufgeputschten masse, auf die bühne geht, bittet, nicht zu verraten, dass es in eineinhalb jahrzehnten als prince berühmt sein wird, der wirbel jetzt wäre nicht auszudenken, wir sind ja in der rückgeblendeten gegenwart undalso alle würden wissen, was später bis inkl. 18. september 2007 geschehen würde und wer etwas sein werde und wer weiterhin nicht. udo jürgens, soviel war sicher, würde es bis zuletzt schaffen.
(robespierre, von tugendhafter gesinnung aber schwächelnder stimme, hatte damals leider noch kein mikrophon zur verfügung.)

ananüse (5)

orfon, 16.9.2007, sonntagsmittags

was weiter auftaucht, ist die frage, wie es zu diesem ominösen sche gekommen sein mag.
haben die bei orfon direkt neben der zett-taste eine fürs esch, dass sie sich so vertippen konnten? oder wollten sie – der polischeiliche schnappschapp begab sich im ländlichen vorarlberg, dortalso, wo man es bis zur am 1. juli 2005 in kraft getretenen sicherheitkörperreform ausschließlich mit gendarmen zu tun hatte – eh gendarmerie schreiben?, das ge wäre ja auf der tastatur gleich links unterhalb vom zett.
jaschon, aber warum gleich die übertragung ins lautschriftische?

herbstlbertlmütterl 2007

liebe mba,

das ist aber in isfahan, wo noch nie ein papst hinkam

knapp nach dem segensreichen papstbesuch macht sich eine umsichgreifende säkularisation nicht nur in mariazell durch überkleben von pontifexplakaten mit wie auf einem altar auf tischchen sich räkelnden fräuleins palmers bemerkbar (ein reizvolles zwischenstadium während der überklebmetamorphose zeigte man unlängst im kurier, wandlung vom weißgekleideten geistwesen ins fleischwesen gewissermaßen, möglicherweise ein gottesbeweis – wer will und wem es nützt – wovon ich mich natürlich distanziere – wovon?), sie macht sich auch beim mütterbriefschreiben breit, jawohl, so ist es: wie es nämlich ausschaut, kommen die mütterbriefe mittlerweile nicht mehr alle heiligen zeiten (gäbe es, gäbe es heilige, auch unheilige und welche wären das?), sondern an den kurvendiskussionsmäßig interessanten undalso naturwissenschaftlich einwandfreien punkten des sonnenlaufes (maximum, nulldurchgänge, minimum), und da ich ohnehin selbstauferlegt einen täglichen eintrag im mütterlog zu verfassen habe (eine merkwürdige zwangshandlung), ist mir diese sich derart entwickelnde entwicklung durchaus recht. hier also mein herbstlbrieferl.

beim betrachten des wortes herbstl fällt mir auf, dass es letztlich nicht allzuviele worte gibt, die sich mit einem ell schmücken können. so darf ich ihnen heute einige gegenstände anbieten, die, näher betrachtet, alle über diesen edlen buchstaben verfügen.

von privat an privat günstigst abzugeben wären:

1) ein fahrrad – verkauft am 25.9.
2) ein harmonium – binnen einer stunde vergeben
3) ein pianino [möglicherweise eine bewerberin]
4) tonträger (mehrere)

ad 1) fahrrad, fahrbereit – abgefahren!
schwarz, 6 gänge, eigengewicht, superweicher sitz in der mitte, praktischer korb hinten, hochbequemes fahren, ja, cruisen. seit jahren schon garagenrad, zuvor schon nur im sommer nur bergab gefahren, d.h. zustand 1a (die reifen gehören aufgepumpt, wofür gesorgt sein wird, machen sie sich keine sorgen).
bittewo ist das ell? fragen sie, völlig zu recht.
bitteschön, da ist es: bei diesem radlll handelllt es sich um ein tadelllllloses lllegendäres falllterrad, ein kullltobjekt, wie man sagt (welllcher kulllt? – s.o.).

über den preis wurde stillschweigen vereinbart; er hat 72,67 euro nicht überstiegen.

ad 2) harmonium, harmoniebereit – abgeholt, restauriert, neu eingespielt, fliehende würmer
gernhaberstück, erzeugt vor ca. 100 jahren. weiche zungen, warmer ton, cirka 10 register, einreiher.
und hier, das ell?

unter orgellllbauern wird das schöne harmonium gerne als choralmobed bezeichnet. und wenn ihnen das nicht reicht, der etwas volkstümlichere ausdruck sei ihnen auch verraten: hallllllelllujatraktor. [in deutschland, z.b. essen oder mülheim an der ruhr: psalmenpumpe]

ad 3) pianino
schwarz, massiv, gehört gestimmt, sonst aber in ordnung.
das ähällll!?
nennen wir es halt klavier. ein kleines halt. und es ist wirklich ok. und schön und alt und massiv, also nicht aus sperrholz oder resopal.
preis: ganz sicher nicht die welt
(das schöne stück gehört mir zwar nicht selber, ich werde aber gerne und so unverzüglich wie denkbar den direkten draht zur besitzerin vermitteln.)

ad 4) tonträger
was meinen sie, wo sind sie besser aufgehoben, meine so schön gemachten versilberten opera? in massen bei mir oder vereinzelt, verstreut über die interessierte und kundige welt, z.b. bei ihnen daheim? na sehnsie. na hörnsie.
etwa, brand- bzw. brennneu: grenzkà¦mpfe – elll? – meine allererste solo-cd (1993) als 2., beträchtlich erweiterte, völlig überarbeitete, vielfach verbesserte und neu gestaltete auflage.
mit neuem bonus- und! malustrack! bitte sich das keinesfalls entgehen zu lassen. beim wieser-verlag oder direkt bei müttern.
die weiteren tonträger, als da sind
muetters muellerin (das album!)
parlando
timbreplus
schubert:winterreise:mütter
written images
und etliche andere und bald auch schon
muetters dichters liebe
finden sie samtundsonders auf muetter.at
und bedenken sie: bald schon kommt allerheiligen, das letzte fest mit l vor dem heiligen abend.

vorher aber kommt der oktober und davor noch ende september. angekündigt sei eine literarische wanderung mit kurt palm inundum ried im innkreis (endstation ist senftenbach, das gasthaus kollmann) am kommenden samstag. anfang oktober spielt es sich in wien ab, zuerst die eröffnung des ignm-festes, dann spielen sie auch noch zwei stückln von mir, am 6. stump-linshalm nushu und am 7. die uraufführung von born. rondo für toypiano mit innerer stimme, mit und für isabel ettenauer, am 6. werden wolfram berger, adi hirschal, sascha lackner und bertl mütter in der galerie der akademie am schillerplatz die lange nacht der museen unter dem titel eros in öl begehen. undundund. 26.10. allein unter lauter chinesischer kunst im museum der moderne, dann, noch einmal am mönchsberg über salzburg, nushu, am 6.11. nämlich.
wollent für details die rubrik bald consultà®rn.
achja, am 28.10. vormittag ist es bei den kulturvermerken in gmunden mit gert jonke und bertl mütter nichts weniger als die hölle. höllenfurcht, um es genauer zu sagen.

eben. genug ge-ellt.
ein schönes herbstln. auf ein persönliches treffen freut sich ihr
bertl mütter (2.v.l.)

bertl mütterl (von ihnen gesehen lechts)

— der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil —

bald – die vorschau
über den weiteren verlauf der baldigkeit bis zur wintersonnwend werden sie hier bestens informiert.

vorbei – der rückblick
manches, das jetzt bald ist, wird bald vorbei sein. hier zum nachlesen.

ananüse (4)

orfon, 16.9.2007, sonntagsmittags

beim unscharfen durchlesen der obigen orfonischen sonntagslyrik, eine fortschreitende alkoholisierung imagnierend, komme ich zu folgendem ergebnis:
fffariqualischpaschwammalbolischeischnabbdalolungslenkajagdiroul

übung: schreib den kurzartikel so fort! der anfang sei, da nicht verbesserungsfähig, vorgegeben: polischei schnappt …

schönsonntachnoch. und passen sie auf, dass sie kein polischischt erwischt.

ananüse (3)

orfon, 16.9.2007, mittags

zum onomatopoesis jener wunderlichen anonymen spontanlyrik:

erfreuen wir uns zunächst an den stabreimen: formel eins – ferrari; polischei – schnappt. etwas verschachtelter finden wir sie auch in der zeile bergwacht kontrolliert schwammerlsucher, undzwar in der lautung -wacht bzw. -wammerl; zudem korrespondieren die doppelkonsonanten aufs entzückendste miteinander: kontrolliert schwammerlsucher, was besonders elegant durch das -erl im schwammerl vom schwammerlsucher abgerundet wird.
zugegeben, die vierte zeile fällt qualitativ etwas ab; was aber mein vollstes verständnis findet, bei drei derart posiegeballt vorangehenden versen.
im kurzartikel dann die abfolge verfolgungsjagd – verkehrskontrolle – vorarlberg und, abermals, verfolgungsjagd.
phantastisch.

morgen: fortdichtung im sinne einer fortschreitenden räude

ananüse (2)

orfon, 16.9.2007, mittags

inhaltlich muss man sich einmal allein die abfolge der vier schlagzeilen auf der zunge zergehen lassen (eigentlich aber ist es mir unmittelbar eingeschossen, und die zunge hat mir unwillkürlich geschnalzt):
ferrari – bergwacht – schwammerlsucher – polischei – alkolenker – unfälle.
was das für einen volkschulaufsatz ergeben würde, stelle ich mir vor.

der kurzartikel dann stellt weitere fragen auf:
– womit ist der alkoholisierte mann (alkolenker/autolenker) davongerast? zu fuß? mit dem auto?
– wurden neben den 300 fahrzeugen auch ihre 300 lenker kontrolliert? daraus die frage: wie hat man sich ein alkoholisiertes fahrzeug vorzustellen?

morgen: die onomatopoetische ananüse

ananüse (1)

orfon, du sprachquell.
am 16. september war so eine sternstunde, möglicherweise war es auch nur die berühmte berühmtheitsviertelstunde, wahrscheinlich gar minuten nur. jedenfalls als ich die erste österreichische informationsseite aufrief, fand ich da, in dieser reihenfolge:

• formel 1: ferrari dominiert qualifying in spa
chronik
• bergwacht kontrolliert schwammerlsucher
• polischei schnappt alkolenker nach verfolgungsjagd
• zahlreiche unfälle von alkolenkern in tirol

nach anklikken der polischeizeile lautete der zugehörige text:

bei einer verkehrskontrolle in walgau und montafon (vorarlberg) hat sich ein autolenker eine verfolgungsjagd mit der polizei geliefert. der alkoholisierte mann raste davon, konnte aber angehalten werden. insgesamt wurden 300 fahrzeuge kontrolliert.

neben meiner umfassenden begeisterung über derartiges sonntägliches sprachgefühl tauchen etliche fragen auf.

morgen: die inhaltliche ananüse © herbert prohaska (damit auch das, inständigst dankbar, gesagt ist)

stammbaum

dank, uni graz und uni innsbruck

als er, den teller ungehörig und umso genussvoller ansetzend, den tomatensalatinessigundölsaft, sommerkindheitsgeschmack, in einem sauren zug austrank, überkam ihn dieses wohlige schauern, das ihm das rechte auge herunterzog, grad so, als wäre er ein nachfahre oswald von wolkensteins, in direkter linie.

abschweben

die fliesen in der sanitärnische (bad wäre zu viel gesagt) der billigen absteige in der altstadt von lissabon hatten etwa das gleiche, nichts weniger als psychedelisch zu bezeichnende muster, ganz so wie der fußboden der basilika von mariazell (der, wie allgemein bekannt, deswegen denkmalgeschützt ist, weil er aus einer k&k-bahnhofshalle stammt.)
da würde sich der herr pabst aber freuen, und er würde es ihm persönlich auszurichten lassen wissen, stellte er sich vor.

Butzern

Als ihnen beim Verlassen des Zimmers die Putzfrau begegnete, verstanden sie augenblicklich den Zustand ihrer Unterkunft: Sie hatte derart dicke Augengläser (Butzenscheiben, auch Aschenbecherböden genannt), dass sie sich hauptsächlich nach Gehör orientieren musste. Was das allerdings mit dem doch recht strengen Geruch zu tun haben sollte, konnte auch das nicht vollständig erklären. Oder drückten die dicken undalso schweren Brillen derart auf ihre Nase?

dauerwelle

diese merkwürdige zeitlupe, in der sich die wellen aufwalzen und brechen, um dann ihre gischt im zeitraffer vor sich her zum strand zu spülen, ein dehnen und folgerichtiges zusammenziehen der zeit, und am ende (der einzelnen welle; nicht einmal aber die gibt es in wirklichkeit) ist alles wie es immer war, immer sein wird.
undaberdoch: wir steigen nie ins gleiche meer (weniger noch als in denselben fluss).

mhm

… und nickte mit einem kichern, das so fein und unnatürlich klang, als hätte er eine junge ziege im hals.

robert musil, pension nimmermehr (nachlass zu lebzeiten)

danke, lieber robert, für diesen dieses thema würdig abschließenden gastsatz.

morgen: feuchtes aus portugal

oral history (4)

jetzt gab es also mundkrebs fürs lutschen und blasen. eine formidable gelegenheit, es allen zu vermiesen. man musste alles gut überlegen und vorbereiten, warnhinweise waren anzubringen, soviel stand fest. in welchem alter sollte man mit der flächendeckenden prävention anfangen? tat sich ein riesengeschäft für die intimpiercing- und tatoobranche auf? wo sollte der text jeweils platziert werden? in wievielen sprachen? oder durfte hier französisch als unumstrittene weltsprache bestehen bleiben? wie stellte man die individuell optimale textlänge in welcher mindest- bzw. idealschriftgröße für männer fest? und wer sollte kontrollieren?
zwei – wenngleich, das muss eingeräumt werden, englischsprachige slogans waren ihm gleich gekommen: don’t lick/suck you sick. oder: if you suck my dick, you’ll get sick. dieser konsumentenschutztext für den naturgemäß, so wollen wir sinnenfreudig hoffen, sich ausdehnenden platz wäre dann noch durch allfällige füllwörter (z.b. fucking) beliebig verlängerbar.

oral history (3)

sagen wir: das enthält sulfite, das uns wegen ein paar verblödeter amerikanischer schwefelallergiker (die das, experten in ihrem leiden, ohnehin wissen) seit ein paar jahren den weißweindurst raubt? hat es die vorher noch nicht gegeben? oder warum sprudeln, lauernd in ungutsüßen kunstgetränken, diese unsäglichen phenylalaninquellen? kann spuren von nüssen enthalten. oder weizen. oder oder und und oder und so weiter.

morgen: zur sache

oral history (2)

Jetzt war es ja mittlerweile so, dass die Wertegesellschaft unserer sog. westlichen Welt in ihrer fortgesetzten sauertöpfischen Lustfeindlichkeit auf alles, das sie einem aus sog. wissenschaftlichen Gründen verleiden konnte, fleißig allerlei Warnhinweise aufdrucken ließ, was das derart ausgezeichnete Produkt dann auf eine unfreiwillig-subversive Art noch einmal zusätzlich bewarb. Und damit der Konsument nicht abstumpfte, dachte man sich eine große Vielfalt von Texten aus, beim Rauchen etwa von smoking kills bis Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

Morgen: Weitere Warnungen

oral history (1)

die wissenschaft forscht, das muss sie, etliche probanden stellen sich in ihren dienst, ich frage mich manchmal, wie die zu ihren testpersonen kommen.
jetzt haben sie wieder eine krebsursache herausgefunden, und sofort geistern spekulationen herum, woher der gute sigmund wohl nun tatsächlich seinen herhaben mochte.

olm or aal

jaja, der olm hat eine anregende form, als aalartig wird er auch beschrieben. und aale waren zu jeder zeit eine beliebte fastendelikatesse.

ab morgen: oral history

fauna, kath.

weil es so gut als anschluss zum gestrigen text wie auch, welch zufall, zum hochheiligen babsdbesuch bassd, alles wird weich, zerfließd, lösd sich auf, wo läge denn auch der evolutionäre vorteil von sagen wir: pigmenten für in ständiger finsternis wesende?, mir fällt der unselige pater k. ein (nein, nicht der lucifer mariacellensis, raiffeisenkonradgehassliebter), der, ich habe schon einmal davon geschrieben, derart zölibatzerstört war, dass er, wenn ihm eine unterachtzigährige nur in die nähe gekommen ist, beständig in eines seiner vielen in den kleidungsenden wartenden schnäuztücher schleimen musste, armer karl, oder die vielen durch haar- und bartstoppelschmalzproduktion allesanderealssublimierenden amdg geistlichen undalso körperlosen, pigmentlosen, sich duckenden lourdesgrottenolme.
achja, in mariazell haben sie auch die kerzengrotte neu gestaltet. bitte aber keine mitgebrachten kerzen anzünden.

fuß!

aus der wohnung schlug ihnen ein geruch entgegen, als hätten sich dreißig milizionäre gleichzeitig die zehennägel geschnitten. die uniformierten hatten sich, gerade noch rechtzeitig, in eine umfassend allergische cousine von hund, dem hund inspektor columbos verwandelt.
aus gastgemäßer höflichkeit entschied er, sich erst später zu übergeben. es gelang.

morgen: aus der katholischen fauna

slow food (3)

und doch erfreut sich in portugal eine veritable slowfoodspeise breitester beliebtheit, man trinkt super bock dazu, und es ist genaugenommen die slowfoodmahlzeit schlechthin:

hà¡ caracà³is!

caracà³is, diese kleinen schwarzweißen oder schwarzbraunen oder dunkelbraunhellbraun gestreiften – schnecken, schneckerl nachgerade (in palermo heißen sie babbaluci od. vavaluci), eine delikatesse für groß und klein, reich und arm, gerade ist saison, beeilen sie sich, sonst sind sie weg.

morgen: aus der russischen fauna

slow food (2)

auch portugal scheint bereits von der verlangsamenden essbewegung erfasst.
jawohl, diese langsamkeit. sie muss, zumindest für europa, hier erfunden worden sein und hat überhaupt nichts passiv-destruktives dienstnachvorschriftmäßiges, wie wir das vom in wien beginnenden balkan bzw. ebenfalls hier angehängten ehem. ostblock oder aus der verstaatlichten industrie wie z.b. den steyrwerken und – erschreckend – ihren privatisierten nachfolgefirmen kennen (ja, heute noch werden ferialpraktikanten von ihrer partie in der schicht zuerst im tachinieren eingeschult).
eine langsamkeit, die jeder speise, ist sie einmal im kochtopf, ausgiebig zeit lässt, bis sie wirklich gar ist, d.h., so lange, bis (bsp: karotte) eine breiige, mehr khakirote denn orange, nunja: entität überbleibt, oder (bsp: fleisch) jegliche ahnung von geschmack den fasern entweichen musste, oder (bsp: fisch, gegrillt) eine flächendeckende schwarze schutzschicht das vorher tadellos frische meeresgetier überzieht.
meine kulturhistorische frage also: wer hat da von wem abgeschaut, die engländer von den portugiesen oder umgekehrt?

morgen: und doch

slow food (1)

wie weitgehend bekannt, breitet sich seit einigen jahren eine bewegung zur förderung, verspeisung und verdauung qualitativ hochwertiger bodenständiger ernährung über unseren alten kontinent aus, langsam und stetig, und diesmal eben nicht von amerika, sondern oft vorschnell undalso oberflächlich „hektisch“ apostrophierten italien. das wappentier dieser slow food-bewegung, elite des gastrophilosophischen hedonismus, ist, sie wissen es bereits: die schnecke (jene weinbergige, mit gehäuse; die nackerten von leider mittlerweile gar nicht mehr so hungrigen indischen laufenten zu verzehrenden, kommen hingegen, caramba, aus spanien).

übermorgen: das wappentier, näher betrachtet.

low food

champignons
III. wahl
geschnitten

(konservenaufschrift, hofer, ca. 1983)

jawohl, es gibt sie noch auf pizzen in original portugiesischen pizzarias (sic). dazu, unerlässlich auf allen tischen, sangria bis zum abwinken respektive wegsinken.
da erwacht in einem die antiperistaltisch geprägte vormaturazeit (frz. landwein, walbolitschella, schnied, kolarod, ubod und eben: sangria!).

¡hossa!

nachtruhe

als er tief in der nacht aufgewacht war (ein horizont, tadellos schwarz wie nie), konnte er erst wieder einschlafen, nachdem die letzte welle rauschend gestrandet war.
am morgen dann toste das meer wieder wie es sollte um diese zeit.

vakant

Man war also dort gelandet, wo, wäre er Portugiese gewesen, Monsieur (Senhor) Hulot seine Vacances verbracht hätte. Nach dem atlantischen Sonnenverschwinden war es Teit, zur table d’hôte aufzubrechen. Wie wohl hier die Schwingtüren zur Küche aneinanderschlagen würden? Ob bald nach dem Essen das Pianola losklimpern würde? Gesichert schien jedenfalls, dass aus dem Grammpohon, das unter einer Zimmerpalme hervorwuchs, eine heiße Trompete samt Klarinette den Tigerrag hinaushetzen würde, solange, bis ein lärmempfindlicher Gast den Stecker zog.

Himmlisch.

tadellos pazifisch

Es ist, wie wenn du Flüstern hörst oder bloß Rauschen, ohne das unterscheiden zu können!
Robert Musil, Die Amsel

Als nach Mitternacht endlich die Ventilation ausgeschaltet worden war, störten nur noch die Zikaden das metarhythmische Meeresrauschen.

Um halbfünf dann war Ruhe.

tadellos atlantisch

der sonnenuntergang in der erstaunlich kühlen sandigen bucht ließ nichts zu wünschen übrig. allerdings die möwen flogen etwas zu klischeehaft, zwei gebogene striche, ein gewölbe ohne säulen, allzu parallel zur brandungslinie nordwärts.
wie dürfen wir uns die ostküste (portugals; chiles) vorstellen?

in farbe

ich was not yet
in brasilien
nach brasilien
wulld ich laik du go

wer de wimen
arr so ander
so quait ander
denn anderwo

ernst jandl, calypso

der alte brasilianer

a brasileira, lisboa, etwas später. der schmächtigdochkräftige junge mann mit seiner streng gelierten chitinfrisur (modell radlhelm goes hirschkäfer) bewegt sich auch beim ablesenden entgegennehmen einer offensichtlich unangenehmen telemobilen neuigkeit (rendezvousabsage, die wohnung ausgebrannt o. ä.) mit einer derart ernsten behendigkeit am schanigarten teilverweilend vorbei, dass ihm nur noch der flache strohhut fehlt, und wir befänden uns in einem busterkeatonfilm.

zeitlos

lisboa. ob die zur werbung ausgestellte karikatur in 5 minuten marilyn monroe, mick jagger oder hansi hinterseer darstellen sollte, war nicht ganz klar. man entschied sich, nicht so wenig zeit zu haben. wer weiß denn auch, wer sich zu einem aufs bild dazugesellen würde, wurde es doch recht rasch finster in europas südwesten.