mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


numero zwo (10 – nachtrag – kreislerianum)

dass die fußballeuropameisterschaft eine späte bestätigung (enggeführt: bespätigung) georg kreislers gestern hier zitierten liedes wien ohne wiener zeitigen würde, wer hätte sich das damals, als er es dichtete, zu denken getraut? nicht dass das riesenrad umfiele (obwohl – wer weiß, bei der vielleicht doch nicht so winddurchlässigen werbeflächenplane?), führt sie doch dazu, dass der letzte, höchste wunsch eingelöst wird (der vorletzte wohl eher nicht):

in grinzing endlich ruh‘
und s’burgtheater zu!
(es wär‘ herrlich, wie schön wien dann wär)

morgen: elf

numero zwo (9)

die autos ständen stumm
des riesenradl fallert‘ um
georg kreisler, wien ohne wiener

bevors mit numero zwo zwostellig wird, schließen wir das bitte ab, riet mir mein endogener chefredakteur (ch: redaktor; in euro-zeiten sei stets auf korrektes a-ch-übergreifendes deutsch zu achten), wohlmeinend, weil so wichtig ist das alles nicht nein wirklich nicht.
auslöser meiner überlegungen über die mitleid erweckende entäußerung (da ist es, das wort!) unserer lieben frau vizebürgermeisterin laska war ein bild, das ich in einer gratiszeitung abgedruckt fand, ich veröffentliche es hier nicht, kann es ihnen aber nicht verheimlichen, wenn sie es sehen wollen, klikken sie das dem wort bild unterlegte link an, aber ich warne sie ausdrücklich: es zeigt die bedauernswerte zwischen zwei als kunstwesen trix und flix verkleideten undalso fußballvermummten grinsenden unbekannten (die allerdings die für diesen sport wenig geeigneten moonboots anhaben), noch dazu vorm mit zum europameisterschaftsfieber anregen sollenden bildern zugetüllten riesenrad.

die alles erhellende bildunterschrift (des hier nicht abgebildeten bildes; aus der verdrängten erinnerung zitiert): gemeinsam mit den maskottchen trix und flix freut sich sportstadträtin vizebürgermeisterin grete laska schon auf die euro.
und muss auch noch so lachen dazu. beim gemeinsamen freuen fotografiert. was für eine freude auch.
brrr.

numero zwo (8)

grete laska ist arm dran, aber sie macht eine gute miene dabei. oder dazu. seit mehr als einem jahr ist dieser stadt und diesem land nicht nur von der kronenzeitung das fußballfieber verordnet, unter hundert sind wir schon im countdown (wer kümmert sich danach um einen ordnungsgemäßen countup?), selbst unsere wintersportlerinnen heucheln begeisterung (sie haben gut fiebern, werden sie doch dafür bezahlt), anderswo wird der superfan (fächer, ventilator) gesucht, heiße luft, ein fönsturm, ich krieg jetzt schon (rein rhetorisch) kopfweh, was ich der frau stadtrat von herzen nicht wünsche.

morgen: geschaffen, für fußball zu werben (3)

numero zwo (7)

für die nicht ganz so wichtigen anlässe (oder die ihm zu blöden) schickt unser bürgermeister seine ressortzuständigen leute aus, für kulturelles abseits von zawinul oder hirschal seinen nicht minder uninterressierten, hauptsächlich für hochformatige bilder geeigneten kulturstadtrat, und für den ihn nicht minder wenig tangierenden sport seine vize, die stadträtin laska, ein name wie ein linzer fußballclub (ich sag nur: köglbà©rger), und das freut beispielsweise den peter huemer, in obersterreich sagt man ja hàº(a)ma, und wie er im gespräch dereinst ernst jandl als (allerersten) gast hatte, sagte er noch sein berühmtes adieu sagt ihnen in der linzlokal korrekt ausgesprochenen variante, was sie ihm in der folge verboten haben müssen, und wer außerhalb kärntens traut sich etwa viktring richtig sagen, wobei keiner probleme mit velden oder völkermarkt hat, das versteh ich nicht, nein.

morgen: geschaffen, für fußball zu werben (2)

numero zwo (6)

politiker haben wichtige symbolische arbeiten zu leisten, auf ubahnstollenanstichmaschinenknöpfe müssen sie drücken, großbaustellenspaten stechen, neuautobahnbänder mit der schere durchschneiden, klimaschutzbäumchen pflanzen, mit dem obervertreter der örtlichen wirtschaft (gemeinsam in einem boot – das dann allerdings in der tat sprichwörtlich voll ist) die elektrobootsaison auf der alten donau eröffnen, twincityliner taufen, nilpferdpatenschaften übernehmen, dazu irgendwas (ein lachendes gesicht, ein anlasstypisches artefakt) in die kamera halten, diese armen menschen leben von der bezahlten sichlächerlichmacherei, es ist kein leichtverdientes geld.

morgen: geschaffen, für fußball zu werben (1)

Numero zwo (5)

Als Reporter hast du ja auch eine bessere Übersicht übers Spiel, als wenn du unten am, sagen wir: Rasen bist, ganz zu schweigen vom Schwimmen, was haben die denn anschauungsmäßig von ihrem eiligen Baden, nichts, naja, immerhin das unschön anzuschauende Schwitzproblem kennen die Schwimmer nicht, dafür schwitzen in ihren Kabinen die aufgeregten Reporter, schwitzen im Trockenen, unangenehm ist das, und stinken tuts da, aber die im Kammerl siehst du nicht im Fernseher, und der Interviewheini am Feld- oder Beckenrand unten wird ohnehin zuschauerwunschkonform wohlriechend adrett herausgebügelt und geföhnt, weiter aber, ich ufere noch aus zum Boxen, also, da haben Sies, aua, bleiben sie dran.

numero zwo (4)

und teotihuacán, dieser ort, wo der mensch zu gott wird, also zum obersten, von welcher pyramide aus wäre das am besten zu bewerkstelligen? das nicht restlos entscheiden wollend, blieb hans im august 1997, knapp vor der dianischen apotheose, unten und ließ sich lieber einen bunten poncho aufschwatzen, obwohl er eh schon geschwitzt hat wie eine sau sagt man, heute ist er ein sportler, dem es alleachtung eindrucksvoll gelungen ist, die trapezform seiner frontansicht umzukehren, unten schmal nämlich, oben muscheln, da schaust! viel schwitzen hat er aber schon müssen dafür, poncholos, versteht sich.

numero zwo (3)

wir trotteln sind ja damals im 97er-jahr auf beide gekraxelt, weil von der sonnenpyramide wiederum siehst du die mondpyramide viel besser, als wenn du auf ihr oben stehst. der hans ist überhaupt unten geblieben, sein wissen hat ihm genügt, wie es wäre, wenn er die sonnenpyramide, nein, die mondpyramide emporkeuchen würde, er hat sich aber lieber dieses pyramidenbesteigpotential vor seinem damals alleinig unträgen geist ausgebreitet, und nach einer heutigen bauordnung dürftest du sowas gar nicht einmal bauen, ganz abgesehen von der flächenwidmungsplanumwidmung in kultbauland oder historyland, neinnein, in österreich hätten sie beide schon längst abgerissen oder zumindest umbauen müssen, vielzusteile stufen, kein geländer, die rollstuhlfahrerrampe fehlt, möglicherweise hätte man vom hollein einen aufzug einbauen lassen, weil im mönchsberg haben sie das auch zusammengebracht, innen vielleicht ein haus des meeres untergebracht, ein redbulloleum, wasweisich, oder das haus der geschichte, jawohl, das wärs, oder, besser noch, einen tiefspeicher für jene bilder der sammlung leopold, deren koschere herkunft nicht ganz erwiesen ist, ok, wir nehmen beide pyramiden, und sonst bauen wir halt noch ein paar dazu, lass uns stiften gehn!

numero zwo (2)

obwohl, der kleine pyhrgas ist viel schöner zum gehen und kraxeln als der große, außerdem sieht man von ihm den großen viel besser, als wenn man auf ihm oben steht, und kenner gehen in teotihuacà¡n auch lieber auf die mondpyramide, weil du von ihr die sonnenpyramide besser siehst, soistdas.

numero zwo (1)

diese armen stadtlandspitzenpolitikerinnen, gar in den vor- undalso nebengipfelpositionen, so ein undankbares schattendasein, nebelgipfel, weil ja erst ganz oben der berg sich fotogen durch die wolken bricht, denn wer geht denn bitte auf den kleinglockner, wenn er den großglockner haben kann, der glockner bricht aus, hat harald gsaller geschrieben, und wasfüreiner alswie der großg. könnte damit auch sonst gemeint sein?

schlagwetter

als sie auch im anderen keller des penthouse (wo müssen wir uns diesen tieflagerraum vorstellen? im mezzanin, bel etage?) suchten, kam es zum im ersten bezirk legendären hausbankhausbooteffekt. verdammt, das hatten sie nicht bedacht. klar wurden sie nicht fündig, kein erdöl, nicht einmal wasser. nur untiefen, kistenweise.

… was würden sie sich eigentlich von der einsamen insel mitnehmen?

autsch

die rotzrinne unterhalb der nase, diese zarteste haut des mannes, wo die rasierklinge, sind die barthaare etwas länger gesprossen, so unangenehm reißt und zerrt, man darf die rasur an dieser empfindlichen stelle als durchaus nahezu schmerzhaft bezeichnen. ist daraus zu schließen, dass die männer in den früheren jahren des vorangegangenen jahrhunderts, unsere (ur)großväter (geboren zwischen april 1889 und november 1918), so schlimm es klingen mag, wehleidige krewecherln waren?, urgrund letztlich, weshalb sich diese gesichtsmode derart durchsetzen konnte, ja, musste, und praktisch war sie ohne jeden zweifel, sie ist es heute noch, trotz unserer so segensreich mindestens vierfach beklingten aufs weichste gleitenden superrasierer, was bin ich gespannt, wo dereinst der klingengrenzwert erreicht sein wird, denn einmal muss ja bitte schluss sein damit, und die hundert meter werden sie auch nicht, nie! in zwei sekunden derrennen, also hören wir bitte endlich auf damit.

foto: maria ziegelböck - fz ist heute alt wie eine primzahl

(unterhalb der unterlippe reißts nicht ganz so. und dem franzobel alles gute zum geburtstag; wer weiß, rasiert er sich gar im kopfstand? ich frag ihn. wenn das allerdings, und daran habe ich keinen zweifel, tatsächlich so ist, muss eingeräumt werden, dass er sich sein haupthaar schon ganz schön tadellos toupiert, und so etwas ist auch nichts für wehleidige, allerhand.)

strengstens

sonstwo:
(keine hinweistafel)
in österreich:
bis auf weiteres freiwillig gestatteter durchgang

sonstwo:
verboten
in österreich:
streng verboten
strengstens verboten
strengstens verboten, missbrauch strafbar
strengstens verboten, missbrauch wird bestraft
strengstens verboten, missbrauch wird streng bestraft
strengstens verboten, missbrauch wird strengstens bestraft

das telefonieren am steuer oder das rauchen im nichtraucherbereich sind auch verboten. bei uns aber halt nicht strengstens, du-du!, winkte er mit seinem schlimmen finger.

(soviel zum 29. februar.)

bevor ichs vergess‘ (damit sie’s auch wissen): ganz österreich ist nämlich im eurofieber, der taumel steht knapp bevor. trotzdem werden die wiener hundegackistrafen immer noch in schilling beworben: 36,- euro. macht 500,- schilling. da können wir uns was vorstellen.

mutig in die neuen zeiten.

bitte umschalten!

meist alte meisterinnen

ich gebe zu, ich habe meine altmeisterlichen gedanken der letzten tage nicht dem heutzutage unerläßßlichen gendermainstreaming unterzogen.

ich darf also festhalten:

die alte mozart*
die alte lessing
die alte fitzgerald
die alte kauffmann

und, zum versöhnlichen ausklang, das unvereinte traumpaar der österreichischen großliteratur:
die alte fussenegger
der alte waggerl
(trauzeugen: elfriede ott und hans weigel)

*maria constanze caecilia josepha johanna aloisia m. – um diesen namen korrekt zu sprechen (gar: schreiben!) in der lage zu sein, braucht es mindestens jahrzehnte, kein wunder, dass sie die achtzig überschritt.

alte meister (4 – ergänzung)

(vom albertinaplatz kommend die operngasse entlangradelnd vor sich hinsinnend; dabei darauf achtend, niemanden, vor allem keinen direkter, zusammenzuscheiben:)

jaja, der alte schubert
jaja, der alte schiele
jaja, der alte kafka
jaja, der alte dean

und erst recht
da oide hrdlicka

(sentimentale mutmaßungen, ergänzt auf fünf disziplinen; und: alles gute)

erdrückend, nachgerade

die moralische überlegenheit des radfahrers in der großstadt.
zur aufmöbelung deines egos strampelst du auf die tangente. obwohl, der ringradweg reicht auch. pass aber auf, gar führst du, aus der operngasse kommend, den noch unbekannten all-museums-dirigenten zusammen. in der folge aber allein es zu schaffen, beim burgtheater vorbei zu kommen, bedeutet, zumindest dreimal überlebt zu haben. geschwollenen kamms geht es heim.
aber was nützts und wem?
helm ab, wirklich wahr.

alte meister (3)

oder james dean, wäre er nicht mit dem sportwagen gefahren? hätte er, alternd, dem siechen chet baker geglichen?
und, ein triumvirat: gà©rard depardieu spielt klaus albrecht schröder dirigiert christian thielemann. was für ein erfolg!
abernein! – allüberall verfall.
und zu wünschen sei jedem nur das beste, für ihn, für die welt.

alte meister (2)

wir können uns schiele nicht als alten mann vorstellen. gar hätte er ausgeschaut wie jener großsammler von bildern ausschließlich unzweifelhafter provenienz. oder, schlimmer noch, er hätte ihn gemalt, ein hauptwerk (was auch sonst?) und das bild wäre durch zeitläufte beutelkünstlerisch verkommen. wo also ausstellen? in lienz?
hl. leopold, bitt für uns!
und: augen auf!

alte meister (1)

der alte schubert
der alte schiele
der alte kafka
der alte dean

(sentimentale mutmaßungen in vier disziplinen)

vermodelt

herbst
ist immer wenn du
sterbst

h.c.artmann, punch & judy

wenn ich eine bitte äußern darf: bitte nicht an einem der ersten (natürlich trügerischen) etwas wärmeren tage ein herbstmodenschaumodel auf die standardtitelseite. wir können das jetzt nicht wirklich brauchen.

Fragen (über die Gasse)

Warum haben alte Frauen nur alte, sich über den Zebrastreifen schleppende Hunde, nie aber junge Springinkerl, und warum sitzen sie (die Frauen) nie am Steuer eines tiefergelegten spurverbreiterten Golf GTI (weiß)?

Altert etwa, wer einen Hund aufzieht, im Hundetempo? Oder passen sich, umgekehrt, die Hundsviecher ihren Fütterern und Veräußerlnden an? Sind also Hunde alter Menschen schon alt und weiberl- bzw. manderlgleich arthritisch geboren?

rodlergassenrot

mit geschlossenen fenstern das grätzl von seinem tiefergelegten und breitergespurten präkariatsgolf aus beschallend wummerte er sich unverwundbarkeit zu, der schallwellenairbag ersparte jedenfalls den seitlich schlaff herabhängenden gurt. eines tages würden sie auch das problem gelöst haben, in all der lautstärke gleichzeitig telefonieren können: lässig, nur manchmal gestikulierend nachfragend, hielt er den kleineren beleg seiner mobilität mit der linken zum ertaubibunden ohr.
endlich war es grün. scheiß autobus. scheiß altes weib mit scheiß altem hund. immerhin, es war einmal ein schäfer.

annahme

die jungen männer (war ein mädchen dabei?), die in ihren faschingsleintüchern ihr fangeheul mehr grölend als singend und allzu lachend mit horizontal umgeschnallten trommeln und tschinellchen durch die kärntnerstraße zogen, als wäre ganz österreich schon im eurotaumel, der aber erst in etwa 108 tagen drohte, und das war aber ein argument, der gestrigen, ein halbes jahr schenkenden fee eher doch zuzustimmen und den winter zu wiederholen. oder das angebot erst für übernächsten oktober dankend anzunehmen, wenn es (oder er selbst, wer weiß?) dann nicht verjährt sein würde.
jawohl, er würde verhandeln. wo war noch einmal das zauberwesen?

ausschlag

die fee zuckte mit den schultern und verschwand so unvermutet wie sie erschienen war, so etwas war ihr noch nicht untergekommen, da bot sie einem ihrer klienten an, ihn zu verjüngen, indem sie ihm – wie sie das im hinblick auf die restwelt bewerkstelligen mochte, verriet sie nicht – den kalender einfach um ein halbes jahr zurück drehen würde, der aber schickte sie heim (woimmer das sein mochte) und bat sie, nicht unhöflich, doch anfang oktober noch einmal einherzuflattern, jawohl, flügel hatte sie auch, völlig unproportionierte, viel zu kleine, durchsichtige, wie eine kurzflügellibelle, daran erkannte er ihr feenwesen und hatte den beweis, dass alles wirklich so geschehen war und kein traum, und der winter dauerte schon vielzulang, so blöd war er nämlich wieder nicht, auf das erste angebot gleich einzugehen.
was heuer der herbst bringen würde?

mutmaßung (2)

ich habe einen – weiteren – monströsen verdacht.

ppbfu!

padre pio ist fisherman’s friend.
und sorgte so schon zu mussolinis zeiten für frischen atem.

aaaaah!

mutmaßung (1)

wie hat eigentlich dr. best (lebt er noch?) vor seiner promotion geheißen? wenn er pharmazeut* (gewesen?) ist?
und tomaten kann man entweder mit einer dokterbestzahnbürste behandeln oder (sind sie einmal etwas faulig geworden, umso besser) in richtung bühne schmeißen.
in österreich heißen sie ja paradeiser.

*berüchtigtes reimwort

(morgen: südkatholische mm.)

sternhagelvoll (5)

ich habe noch einmal recherchiert.
ein in österreichischen prominentenkreisen aus- und beständig angerufener star-anästhesist versetzt unsere reichundschönen in einen bestellten soma-rauschschlaf, der sie glauben lässt, sie seien tatsächlich so reichundschön wie sie tatsächlich sind (und sie sind es auch, tatsächlich!), vor allem zur opernballzeit, aber auch beim sparglessn. wer wollte so einen glückskünder und die selbsttrunkenheit perpetuierenden sendboten nicht bei wichtichen ereignissen, wie die begehung eines kokoschkaausweideevents ganz zweifellos eines ist, unter sich haben?, so einer schadet nie, niemandem, wird in allen anklagepunkten freigesprochen, hat ja auch nie niemanden körperlich attakiert, und über die blauen flecken an den armen einigen wir uns verurteilungsfrei einen an das einkommen angepassten geldbetrag zahlend im zuge der diversion.

das stimmt aber alles gar nicht, wirklich wahr.

sternhagelvoll (4)

oder ist der star-anästhesist derjenige, der die in ihren schlafzentrifugen auf großer reise (zum jupiter vlg. zeus) befindlichen 2001er-argonauten praktischerweise eingeschläfert hat (und sich allerdings dann beim meuternden bordcomputer hal 9000 kalte füße holt)?
(der film hätte ja ursprünglich journey beyond the stars heißen sollen, damit sie das auch wissen.)

(aber morgen)

sternhagelvoll (3)

Star bedeutet ja im Englischen zuallererst Stern.

Ein Star-Anästhesist sei demnach ein Magier (und wasfüreiner!), der es vermag, die Sterne zu bannen (nicht nur bei Tag, da wäre es leicht, nein, auch nachts) und letztlich derart die bekanntlich in wachsender Geschwindigkeit fortrasende Ausdehnung des Universums hintanzuhalten.

Unser Sternenbanner, ein Verzögerer der Zeit.
Jedoch: Schon jetzt wissen wir allesamt nicht, was wir der wachsenden Freizeit noch alles an Vergnügen (fun) abtrutzen können, es ist schon alles so lustig, und bunt, und bussibussi.

(Morgen: Ad Astra)

sternhagelvoll (2)

zurück nach der werbepause, reden wir zuerst einmal deutsch.

amsel, drossel, fink und star
und die ganze vogelschar

beliebtes volkslied (unverballhornt)

so gesehen müsste ein star-anästhesist jemand sein, der – wohl im auftrag unter einer starplage leidenden agraringenieure vlg. bauern – auf die äcker geht und die dort eingefallenen vögel behext, auf dass sie einschliefen und nicht mehr die saat aufpücken; sobald die saat gekeimt hat undalso durchgebracht wurde, taucht er, man weiß nicht woher, wieder auf und erweckt sie zum abfluge. der star-anästhesist, ein wohltäter, der beliebte ehemals beleibte landwirtschaftsminister wird es ihm zu danken wissen, also ist so einem volkshelden die popularität sicher, und ich vergönne sie ihm auch, von herzen.

(morgen wirds englisch)

sternhagelvoll (1)

Wise Man #2: We–
Wise Man #1: We were led by a star.
Mandy Cohen: Or led by a bottle, more like. Go on. Out!
Monty Python, The Life Of Brian, scene 1 (1979)

In der Prominentenberichterstattung des besten tagesaktuellen Österreichbilderblattes wurde unlängst von einem Ereignis und dem wesentlich wichticheren Dasereignisbegießereignis berichtet, als Mitfeiernder gast sei ein allseits bekannter und beliebter Star-Anästhesist anwesend gewesen, die haben das tatsächlich richtig geschrieben, allerhand!

Ich frage mich, was so ein Star-Anästhesist tagfürtag macht.

Gehen wir davon aus, dass es sich um zumindest ein Fremdwort handelt. Ein A. ist, trivial gesagt jemand, der einschläfert, den Schlaf überwacht und dann hoffentlich wieder aufweckt, der Letzte dreht das Licht ab.

Was aber das vorangestellte Wort, Star, in diesem Kontext meint, ich will ein paar Möglichkeiten zu ergründen suchen.

(Bleiben Sie dran und schlafen Sie nicht ein!)

glashausauskunft

er muss seinen kollegen des inneren (und dieser seine fleißigen niederösterreichischen vorgänger und vorläuferinnen, allesamt nur allerseligsten angedenkens) um abhörunterstützung gebeten haben: letztes jahr habe ich 8 kilo mehr obst und 18 kilo mehr gemüse gegessen, jawohl, hat mir der abnehmminister im radio ausrichten lassen. sowas, 26 kilo mehr als vor zehn jahren!
ein vitamininformationsschock.
aber geh, so viel sind es auch wieder nicht.

enlarge (2)

als er die kollegin nach jahrzehnten unvermutet im kaffeehaus wieder traf, war er unmittelbar erleichtert, dass ihm ihr name unmittelbar (nahezu adrenalinstoßgleich) eingeschossen war. sonst war nichts mehr gleich.
oder, um es englisch zu sagen: more (much more) of the same.

enlarge (1 bis ∞)

enlarge!
enlarge!
enlarge!
enlarge!
4 doosen umsonst!
unglaübich es wirkt wirklich!

(betreffzeilen permanent aktualisierter unverlangter zusendungen.)

bescheiden

vom klebstoff einer einzigen briefmarke wird sie 12 wochen lang satt. auch bei der suche nach flüssigkeit ist sie kaum wählerischer. manchmal löscht schon ein wenig speichel aus dem mundwinkel eines schlafenden menschen ihren nächtlichen durst.
von kakerlaken und mücken,
in: richtig reisen: rà©union. dumont buchverlag köln, 1. auflage 1987.

wir erfahren weiter, dass man sie dort kaum ganz zurückdrängen kann, bei aller modernen hygiene, und ein paar habe ich tatsächlich gesehen damals vor beinah 18 jahren, nicht aber beim schlafen in der nacht.
ohja, herbschön ist es auf rà©union, ich sags ihnen, und die chamäleons heißen dort endormis, die eingeschlafenen, sie werden nur 44 zentimeter groß, auf madagaskar 48, erinnere ich mich noch. achja, und der dodo war dort einmal daheim, aber der war, da er keine feinde kannte, arglos, ist nicht davongelaufen und hat geschmeckt, zum fingerlecken.

warum ich das nach meinem aschermittwochtext geschrieben habe, ich weiß es nicht, und wenn ich den sinn wüsste, so brauchte ich dir wohl nicht erst zu erzählen. aber es ist, wie wenn du flüstern hörst oder bloß rauschen, ohne das unterscheiden zu können! (robert musil, die amsel; a. mögen k.)

leilei

manche behandeln ein problem, als sei es die ursache für seine lösung.

aaaha. danke, herr bert hellinger, selbsternannter und von einer ergebenen jüngerschaft verehrter lebenslehrer (in amerika hätte er längst schon seine eigene kirche, steuerfrei), für das wort zum aschentag. so sieht also der ganz sicher einzig mögliche positive zugang zu einer lebensbewältigung aus. so einfach geht das also, äh, wo darf ich denn was hinüberweisen?
(also ich, ich sehne mich hiermit – entgegen meinen gestrigen auslassungen – schnellschnell zum faschingsdienstag zurück.)

(in eigener sache: schu- und al- als mitberte sind mir berträchtlich und beim arsch lieber, wie man so schön sagt.)

nun aber lasst uns gemeinsam am gedeihen fu longs und anna netrebkos baby erfreuen! und fürchten wir uns für einen tag nicht vor der wurstkrise vor der em. (bedenken wir: möglicherweise ist der darm das problem, das die ursache für die lösung der wk. ist.)

Wimmerl

Nichts gegen Kunsthandwerk am Kunsthandwerksmarkt. Aber alles gegen Kunsthandwerk im Museum.

So sei es auch mit der Musik.

Bitte schreibt also kein Stück mit dem Titel 11. September 2001, so mit Streichertremolo und Kleiner Trommel, ui, da kommt mir das Grausen hoch, dass ich mich am liebsten in einen albanischen Bunker verkriechen möchte. Und für den Sonnenaufgang eine Tonleiter nach oben, und für den Sonnenuntergang spielen wir retour, diese Macht der Metapher!

Und bitte macht kein auftragsamüsantes Stück für Streichtrio und Orchester, so mit Tango und Ragtime und Paso doble und ein bissi jazzig, weil das ist nämlich schon auch seriöse Musik, die auch einem Orchestermusiker gefallen tut, und dem Publikum tuts auch nicht weh, und am Schluss dirigiert dann der Cellist in Boxershorts das vom Dirigenten verlassene Orchester komplett fertig, was haben wir gelacht.

Kunst ist Ausdruck. Nicht meinen, etwas auszudrücken.

Zum Ausdrücken.

Aschermittwoch, komm!

horch!

ich hab mein feierzeig vergessen!, sagt der freizeitsportlich, als wäre er reifenwechsler in einem formeleinsteam (wäre er nicht derart untergroß), uniformierte franke mit südöstlichem migrationshintergrund, der wohl regelmäßig nach estreich (haben die einen drolligen dialekt da) auf wochenmontage pendelt, in st. valentin am faschingsamstag, so eine gaudi auch. ok, let’s hit the road!, der allradaudi, man hört ihn durchs wirtshausfenster herein, ist schon recht unruhig.
an der theke zahlt da hauns, ein offizielles em-begeisterungskäppi auf dem roten plutzer, seine drei, vier bier, dreiviertlzehni scho.
heute würde noch ordentlich gefeiert, so seine bei den umstehend umrauchenden umtrinkern auf allgemein zustimmendes nicken treffende einschätzung.
man hört den dobblausbuffaudi richtung audobahn abheben. keiner horcht auf. weiterhin allgemeines nicken, wie ein hutablagenesel. das wird eine feier, wirklich wahr.
nichts wie zum zug!

Prognosis

Wenns zu Lichtmess stürmt und schneit
Ist der Frühling nimmer weit
Ist es aber hell und klar
Bleibt der Winter wie er war

Alte Bauernregel

Faschingsamstagmorgen in Ernsthofen (dass so etwas möglich ist?). Teleskopstockbewehrte nordische Geher in ihrer glanzstoffglänzenden Freizeitastronautenbekleidung staksen den Stausee entlang. Wie der weitere Jahreswetterverlauf (im besonderen der restwinterliche) bei weder klarer noch schneestürmischer Witterung ganz sicher sich gestalten würde? – Wenig ist darüber bekannt. Im Alpenvorlandvorland jedenfalls war es indifferent-feuchtgrau, das Wetter bezog keine klare Stellung, nicht einmal zur eigenen Zukunft.

So ist das in Österreich.

spin-off (2)

möglicherweise sollte man die raffination vom bären zum klebhonig, um die komplexheit zu unterstreichen, korrekt als gummiursomelometamorphose bezeichnen.
in keiner weise dazu passt der umstand, dass in tirol nach einem landtagsbeschluss (der umgehend von tierschützern kritisiert wurde) sog. problembären einfacher abgeschossen werden können. die bären sind demgemäß verpflichtet, auf (ausschließlich deutschen!) zuruf laut bis 100 zu zählen, erst dann dürfen sie wegrennen, wenn sie noch können, stelle ich mir vor.
gedenken wir der defensiven gedanken, die sich werner pirchner über die schützen tirols, von denen der eine oder andere doch ganz ein gutes ziel hat, gemacht hat, und halten wir devot den mund. (bärenhonig hilft dabei; er pickt so zweckmäßig.)

spin-off (1)

zu erzählen wäre noch, dass es (einem dem verfasser persönlich bekannten) gummibärgourmet gelungen war, in einem aufwändigen verfahren direkt aus gummibären honig zu gewinnen, eine schöne bärenbraun dunkle masse, mmh.
gummibärenhonig, gewissermaßen eine grenzkulinarische engführung (keine biene, kein kraxeln): direkt und frisch. raffiniert.

testen (2)

ein testesser für gummibärlis zum beispiel, so ein gummibärgourmet, wäre der zugleich qualifiziert, sagen wir: spitzenweine zu verkosten?
sofern er alt genug ist, warum eigentlich nicht? (wann aber wäre er alt genug für beides? – weder zu jung noch zu alt?)
woran unterschieden sich dabei hochstehende gourmets und dumpfe gourmands?
und wie dürften wir den abgang eines gummibären gummiursologisch klassifizieren? und: jahrgang?
ein weites feld tut sich auf.

testen (1)

testfahrer für öffentliche verkehrsmittel (vgl. herr bösel / josef hader und herr fellner / alfred dorfer als wirtshaustester) täten dringend not. im 35a etwa, die fahren immer mehr so, als würden sie zementsäcke transportieren. obwohl, die könnten sich nicht in fahrgastpanik festhalten; also täten die fahrer besser aufpassen und in den zemetsacklhaltestellen nicht derart abrupt zusammenbremsen wie in denen, wo sie mit menschenmaterial den gelenks- und bandscheibenbus einschleifen.

unter zeiten (2)

der tenor hielt sein beinahe höchstes c so lange aus, bis, mit einem gigantischen plopp!, der knödel, er hatte in etwa die größe eines köttbull (ist das der singular von -bullar?) unvermittelt aus ihm herausschoss, ja, -pfiff, in einem aufgrund des hohen drucks kaum paraboloiden bogen, direkt hinauf zu den stehplätzen, einem orsolicsschen haken gleich, knapp am linken elefantenohr des sich geistesgegenwärtig zur seite duckenden doktor sigi bergmann vorbei, dem hiermit nachträglich zu seinem siebzigsten geburtstag gratuliert sei, a wauhnsinn, normal, herr dokter.
… jjjjjeeetzd, nach dieser ewigkeit, konnte das orchester weiterspielen, langsam aber beständig nahm es seine fahrt wieder auf.
ob sich der tenor, dem derart luftröhrenschnittgleich alles entwichen war, wieder erholt hat, ist nicht bekannt.

unter zeiten (1)

das perfekt und das imperfekt
tranken sekt.

sie stießen aufs futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).

plusquamper und exaktfutur
blinzten nur.

christian morgenstern, galgenlieder

die zeitlupe, im traum, mit der alles auf die unausweichliche katastrophe zutreibt, die handbremse, die du zuerst nicht findest und die dann nicht greifen will (diese vergeblichen tätigkeiten machst du, insektennervös, in verzweifelter hast), dieses auseinanderdriften der zeit auf zwei simultanen wahrnehmungsebenen ist nur dazu da, dass dich das entsetzen auch wirklich durchunddurch hat, sodass du, im idealfall, als völlig gesättigte lösung aufwachend hochfährst und zugleich matt und gelähmt nichtundnicht aufkannst, als hätten sie dir was gespritzt.

… verdammt, er kannte den film, und er unterschied sich jeweils nur um details, der plot war jedesmal identisch. wann würde er endlich begreifen, dass man nachts keine nudeln mehr essen soll? er war doch kein bub mehr.
noch schlimmer aber war es, als das aufwachen unterblieben war. trotzdem wurde die erinnerung später zuverlässig ins traumregal gestellt, dort war sie auch sicherer.

routiniert

natürlich, es war ja nur ein routineeingriff.
aber bitte, fragte sich der derart ergriffene, was ist ein routineeingriff?
wer greift in welche routine ein, drein gar? (vgl. den gutmütigen dennis in jabberwocky, wie er mit einem einzigen tätigen verbesserungsvorschlag die werkstatt des rüstungsschmieds atomisiert.)
undaberauch: für den dokter (pfarrer, fahrprüfer, messerwerfer) ist es routine, für den umständehalber passiven bzw. sichbeweisenmüssenden eine einmaligkeit.
soviel zur relevanz der statistik für das individuum.

wie auch das schreiben dieser täglichen kolumne (heute mit der schönen ordnungszahl 1234) alles andere als routine ist und nie werden darf.
nie wird. versprochen.

ab und anfliegend

samma scho voi?
jo, mit löchern samma voi.

dialog fluggast – flugbegleiterin

die freundliche stewardess (dieses schöne wort, bei dem man als kind zuerst die weibliche form gelernt hatte, wie bei krankenschwester, kindergärtnerin; umgekehrt bei: haschbruder, wozu bis heute kein weibliches pendant bekannt ist; vermutlich wohl, weil es in einem derart illegal illuminiertem zustande allzu schwer aususchwechen wäre, vom schreiben gar nicht zu reden!) stammte aus dem dereinst beim kaiser um einen zweiten donnerstag eingekommenen schönen scheibbs.
in der luft dann, wie angekündigt, gab es etliche schlaglöcher und baustellen, der pilot scherte sich einen dreck darum und flog mit mindestens siebzig, wo allerhöchstens ein dreißiger verordnet worden sein konnte.
oder waren es die winterlichen wolkengeröllbrocken?
der photoapparat aber lag daheim auf dem nachtkästchen.

absteigend

durchunddurch vollmondkalte beine, keine rede von schlaf, jedes zählen aussichtslos. wenn er nach einer halben stunde auf die uhr blinzelte, waren zwei minuten vergangen.
(was wunder, wenn er, am bauch liegend, mitten im kalten winter nackt bergauf gerudert war.)
aber den kurs hatte er gehalten.
ob noch die aus kindheitsschüben vertrauten felsblöcke wegzustemmen sein würden?
er legte den photoapparat bereit.

nautisch

Badewannenkapitäne, Kurs halten.

Es geht ins Gebirg.

krebsgängig (almauf)

die emailbadewanne, die sich ganz sicher niemals länger im freien, gar die funktion eine tränke für almtiere erfüllend, aufgehalten hatte, begann im alter rostige pigmentflecken hervorzubringen, wo das noch hinführen würde, wo im badezimmer die unausweichlichen metastasen auftreten würden und wann man die praktische nasszelle überhaupt verloren geben müssen würde.
noch leckte sie nicht. vielleicht wäre es wannenwürdiger, sie auszureißen und auf eine alm zu verbringen. das bessere klima, die frische luft, keine belastenden badesalze und -öle, sondern mildes regenwasser, und die neue aufgabe, ja herausforderung, umgeben und gebraucht vom fleckvieh (dafür wollte er der billigkeit halber jedenfalls sorgen), könnte ihr einen sinnvollen, erfüllten daseinsabend bieten.
aber was verstand man schon vom innenleben einer wanne.

Brüsslig (5)

Ein Hotel mit einem eigenen Lift für jedes Zimmer?! (Das Treppenhaus könnte man sich ja – im Brandfalle – teilen.)

Unten wartete man unerwartet geduldig.

Brüsslig (4)

Zurück wieder in Wien, schnell in den Zweiten. Er atmete durch (innerlich nur konnte er aufatmen): Die Welt war wieder fest verankert, die Hunde schissen, Jandl ehrend, mitten auf den Gehsteig, das Rauchen gehörte mehr denn je zur untrennbaren gastronomischen Identität des Schnitzellandes, und die Wintersunn, die nur an manchen Tagen durch den bleiernen Hochnebel, Gaststubenrauchschwaden anstrahlend, scheint, drehte sich um die scheibenförmige Erde, die wie ein Schweinsbratenkochbuch aussah.

Brüsslig (3)

denken müssen nicht wollen
Ernst Jandl

Wie darf man sich die Gehsteige in den großen Chinatowns dieser Welt vorstellen? Ob das in den Auslagen wirklich alles lackierte Enten waren?

Brüsslig (2)

Er überquerte die große Straße: Kaugummi, Pistazienschalen: eine andere Bevölkerungsstruktur.

Warum waren die Pistazien in unseren Breiten so viel teurer als, sagen wir: Erdnüsse?

Brüsslig (1)

wo gehen ich
liegen spucken
wursten von hunden
saufenkotz

ich denken müssen
in mund nehmen
aufschlecken schlucken
denken müssen nicht wollen

Ernst Jandl (1925-2000), franz hochedlinger-gasse

Die Brüssler, ob das arglose Menschen seien, in phlegmatischem Gleichklang mit der Natur? Mit, um es zu präzisieren, der Natur der urban gehaltenen Hunde: Nirgendwo ein Trümmerl oder Hauferl, stattdessen, gleichmäßig von gleichgültigen Füßen in den gepflasterten Gehsteig einmassiert, Stinknutella, auf Schritt und Tritt.

Gesenkten Hauptes darüber sinnierend durchmaß er das Viertel. Muslime wohnten hier keine, soviel war sicher.

verfrühlt (2)

wann würden (z.b. in mitteleuropäischen, eher: in äquatorialen zoos geborene) eisbären arabunt?, fragte er sich noch, ehe er an ganz was anderes zu denken sich vornahm.
denken?
(aber so sagt man halt.)

verfrühlt (1)

es war kein lustiges vogelgeschrei, das sich zwischen das quaken der krähen gemischt hatte, aus dem asphalt hervorbrechendes grün vortäuschend, es waren die spitzen, schwarzweißen kommandos der elstern, wintervögel, was sonst (denken wir nur an brueghel). keiner hörte ihnen zu, nur, feist am first, die tauben.
aber: schwarzweiß.
also weiß, immerhin.

reihum

ich bevorzuge ja stehkragen
privatmeinung

die reihe
im schönbergkonzert (es war der jahrestag der wahl – nun ist das einjahresjubilaeum der regierung; alles hat nachdrücklichst beeindruckt bzw. bedrückt seither, seien es raucher, schweinsbratenköche oder schwarzpfleger – gibts eigentlich rotpfleger auch? das problem ließe sich traditionell proporzional wegkürzen).
das schnauzbartverbot (bei der reihe) hatte (jedenfalls, endlich) gegriffen. für allzu originelle krawatten aber sollte, und damit kommt die regierung als adressat erneut ins spiel, ehestmöglich so etwas wie eine waffenscheinpflicht eingeführt werden. es wäre vielen geholfen, nicht zuletzt auch jenen sich kreativ ausstellenden, die sich gedanken machen, welches teil sie sich diesmal zwischen instrument und brustbein hinbinden.
widrigenfalls…
nun, es mag etwas rustikal klingen (beim schreiben dieser zeilen hört der verfasser die meistersinger mitsamt der entzückenden keilerei zu nürnberg), statt hinbinden: herbindern.
jawohl, das wäre mehrheitsfähig bei mir.
aber zärtlich, damit sie sichs bitte merken.
und, um noch etwas klarzustellen: mascherl – leider bitte nein.

krawattlbariton

wer singt, betet doppelt
beliebter einbandspruch in katholischen gesangsbüchern

der nicht wirklich großgewachsene herr schüssel hat es noch gewusst: erst ab einer gewissen (nicht nur exekutiven) potenz sollen krawatten getragen werden dürfen.
in diesem halbsäkularen haus hatten sie einen bischof gesucht und einen firmling gekürt. einem solchen gebührt aber maximal das mascherl. besserabernoch: der matrosenanzug. jawohl, und es gibt sie auch in blonden herrengrößen.

eingegeben in der (ehemals fürst-)erzbischöflichen stadt salzburg, der stadt mit dem mozartfußtritt.

(morgen: krawatten, aus der reihe tanzend)

Laienglück

Kochanleitung für 2 Personen
Mit Wasser, Salz und Fett zum Kochen bringen (mittlere Stufe) und ca. 25 Minuten dünsten lassen.
Herrliches Aroma! Köstlich im Geschmack!
Zeitgenössische Kochanleitung (für zwei Personen)

Bekanntermaßen sind ja etliche entscheidende Entwicklungssprünge durch Laien, Anfänger, jedenfalls einer wissenschaftlichen Planung sich entziehende Zufälle in die Erlösungsgeschichte der Menschheit getreten. Oft wurden sie sogar, ehe man Näheres analysieren konnte, um verblüfft ein missing link oder ähnliches zu konstatieren, als regelrechte Unfälle angesehen: die Doppelhelix, das Penicillin, Schlagobers, ziemlich sicher der Wein, Bier, letztlich das Feuer selbst.

Unwillkürlich entsann er sich einer lehrreichen Geschichte, die ihm sein Vater oftundoft (dadurch wurde sie wahrer) erzählt hatte: Rasta Guef, ein recht dünnes indisches Männchen, habe, damals, in tiefster Not, als der Hunger unerträglich geworden war, mit gesegneter Pfiffigkeit kurzerhand die Brotsuppe erfunden, gesegneten Appetit (oder sagen sie Mahlzeit in dien?).

Da er kein Historiker der Kochkunst war, waren ihm weitere Gerichte, die zufällig oder durch ein Versehen entstanden waren, nicht geläufig. Heute aber war ihm eine Verwertungsidee für beim Kochen bzw. (so wäre es korrekt, da haben wir es!) Sieden aufgeplatzte Frankfurter (im Volksmund: Fledermäuse) gekommen: Könnte man die nicht, indem man merfenorange- bzw. betaisodonagleich weiches Weißbrot in die längs klaffende Wurstwunde einbrächte, aus ihnen (es könne nur Erfolg haben, hätte es einen international präsentablen Namen) insideouthotdogs machen?

evakuiertier

es schlummern allerlei lebewesen um uns herum, soviel ist sicher.

das universum ist bekanntermaßen durchunddurch mit information durchdrungen, überall (auch im – genau deshalb nie ganz herstellbaren – vakuum) strahlt diese kosmische hintergrundstrahlung, wenn es schneit im fernseher, dieser ameisenkrieg, das ist nichts anderes als das echo des urknalls, jawohl, so ist das.

als er heimkam schneite es nicht im zimmer des mädchens. das licht war an, die katzen, von denen zumindest das kastrierte katervieh präventiv schnurrend um seine beine zu streichen pflegte, sobald er auftrat, mussten sich verkrochen haben, und es war augenblicklich klar weshalb: der staubsager saugte auf vollen touren, und er musste sich von selbst eingeschaltet haben (eine noch so perfide katze konnte das nicht zusammenbringen, vergewisserte er sich). hatte er am ende die tieger inhaliert?, keimte in ihm ein monströser verdacht.
so musste es geschehen sein: das kind hatte die wohnung verlassen. eine viertelstunde danach, nachdem es sich vergewissert hatte, dass die luft ganz sicher rein war, hatte sich der schutzkontaktsteckerschwanz des staubsaugertiers vorsichtig schlängelnd zur steckdose geschlichen und, der heikelste augenblick – die katzen durften unter keinen umständen verdacht schöpfen -, schließlich ans stromnetz angedockt. nach dieser anstrengung war erst einmal zu verschnaufen, sich nur nicht verraten jetzt, wo alles geschafft war! diesmal gelang es, die vollendung, das selbsteinschalten ansich war ja oft erprobte routine.
jetzt aber gehörte das zimmer endgültig ihm.

wenn der hausherr nicht noch am selben abend zurück gekommen wäre, ein naturgesetz wäre abgeschafft gewesen, die völlige evakuation geglückt. hätte es auch keiner bemerkt, das universum wäre entscheidend gewandelt, insideout.

passen sie auf.

behaarte suse

wir führen auch perücken!
werbeinformation in der auslage eines erotischen fachgeschäfts
wien, mariahilferstraße

intimrasur hat heutzutage nichts verruchtes mehr. vergleichen wir nur die beim duschen im fitnesscenter gewonnenen erkenntnisse mit den einschlägigen photographien in den nachtkistlschubladen unserer väter. unserer väter, das klingt fast schon biblisch, und biblischen bärten (bzw. bartperücken, vgl. die berühmte steinigungsszene in the life of brian) nachempfunden mögen einem die blickdichten dreiecke der abgebildeten jungen damen auch vorkommen, und natürlich gibt es, da es ja alles gibt, was es nicht gibt, einschlägige neigungsgruppen, die hairy-gemeinde, gewissermaßen, samt untergruppen, red-haired, blondes, brunettes, curly und wasweißichnochwelche (hätte ich doch zeit für erschöpfende recherchen!), heimstunde täglich, rund um die uhr, join now!
im ernst: rasieren sie sich einmal im jahr da unten und gehen sie zum dermatologen ihres vertrauens, der soll schauen, ob sich ein verdächtiges, i.e. potenziell mutierendes muttermal eingenistet hat. es könnte, ein nebeneffekt, auch erotisch animieren. wenn ihnen die glätte aber nicht konveniert – siehe oben.
(wie die perücken für männer geschnitten sind, weiß ich leider nicht, und hineingetraut habe ich mich natürlich nicht, wer weiß auch, wen man da drinnen bekanntes trifft, mit oder ohne pepi.)

wolllüsterner stabreim

wir wissen was frauen wollern
ronda rutledge (per email)

das universum ist bekanntermaßen durchunddurch mit information durchdrungen, überall (auch im – genau deshalb nie ganz herstellbaren – vakuum) strahlt diese kosmische hintergrundstrahlung, wenn es schneit im fernseher, dieser ameisenkrieg, das ist nichts anderes als das echo des urknalls, jawohl, so ist das.
und, auf irdischere dimensionen heruntergebrochen, so geht es uns ja auch, nichtwahr, allüberallher information: zeitungsschlagzeilen (samt nicht ganz alliterarischen untertiteln), werbeaufschriften, radiowerbung aus vorbeiwummernden autos, befindlichkeitsbekundungen von mobil telefonierenden, billa-, hofer- und xxxllutzwerbezetteln, auslagenfenster (darüber morgen mehr), persönlich adressierte emails, und da haben wir den nahtlosen anschluss an gestern, denn heute (heute ist immer der nahtlose anschluss an gestern) hat mir meine alte stabreimfreundin ronda rutledge eine wärmende nachricht geschickt, sie informiert mich im nahmen ihrer company wir wissen was frauen wollern (wagner würde weiber sagen). im von mir mit anschwellender spannung ungeduldig angeklikkten textteil der nachricht erfahre ich, dass frauen viaaaagraaaa begehren, was ich nicht ganz verstehen kann, ist doch dieses (im ausland, per internet und vor allem via ronda wesentlich bequemer erhältliche) remedium gemeinhin als für männer, die wieder (erinnern wir uns an einen legendären werbslogan) richtige männer werden wollen (oder zumindest als solche scheinen) entwickelt worden, und ich stelle mir vor, dass die vielen aaaas im so nicht ganz korrekt geschriebenen produktnamen auf die angestrebte ausdehnung des zielorgans hinweisen soll (wobei die möglicherweise gleichzeitig angestrebte verhärtung in dieser orthographie nicht berücksichtigt wurde, obwohl dies möglich wäre).
ich schweife ab.
zwei fragen aber noch: was will das wollern? – geht es um (eventuell mitgelieferte; dehnbare, also gehäkelte) futterale? welchen schnitts? mit fewa weichwaschbar?
und: warum sind vier pillen umsonst, nur fur kurze zeit? – umsonst, wirkungslos? mein rat: nehmen sie erst die fünfte tablette dieses verlängerungsprodukts, fur kurze zeit, zu sich. (ich hoffe, sie sind nummeriert; 1 bis 4 können sie ja etwas später einnehmen, die gehen dann nämlich sowas von los.)

jetzt kenn ich mich aber nicht mehr aus.

(morgen: vor dem erotikshop)

Flatulenz, mobil, unkuriert

Der Fasching ist kurz, die Bälle boomen, die Kassen klingeln
Kurier, 7.1.2008, Seite 1 (Unterschrift zur Schlagzeile Hochsaison für Dancing Stars)

Wir konstatieren eine unvollständige Alliteration im ersten Teilsatz, diese aber bringt uns nahtlos zurück zum obergscheiten oberweißen HPMartin, dessen vornämlich nicht ganz so reich bedachter Vetter aus dem mormonischen Westen (auch so eine weiße Schweißpartie), Peter Martin, an der Universität von Utah die Auswirkungen des Telefonierens am Steuer laut orfon (3.1.2008) so beschreibt: Es ist ein bisschen, als hat (sic!) jemand Blähungen im Aufzug. jeder leidet darunter.

Schon ein schöner Schas, dass der Fasching so schnell vorüber ist heuer. Also auf zum Ball der Automobiltelefonflatulisten! oder, sinnige Alternative, nach Sierning, zum Höhlenforschergschnas.

albà­n (nachtragend)

kleines verbloses poà«m

die anschuldigung der prasserei und ihr nicht völliger freibeweis
der freibeweis der bescheidenheit
die anschuldigung der eitelkeit und ihr nicht völliger freibeweis
der freibeweis der uneitelkeit
die anschuldigung der komplexhaftigkeit und ihr nicht völliger freibeweis
der freibeweis der schlichtheit

der freibeweis der beweisfreiheit

nicht völlig
nicht völlig
vor allem aber
gegenüber presse und öffentlichkeit

die unschuldsvermutung und ihr nicht völliger freibeweis

oja

uije

albà­n (3)

beide seiten konnten sich von den anschuldigungen gegenüber der presse und öffentlichkeit nicht völlig freibeweisen. (wikipedia, hans-peter_martin)

freibeweisen – welch wort!
nicht völlig. schon einigermaßen. ziemlich. jetzt wirds aber monströs! uijegerl, ich fürcht mich.
nichts wie ostwärts! weil, es bleibt immer was hängen.

albà­n (2)

ein anderer selbsternannter weißer westlicher windmühlenritter, hpmartin, drängt sich auf (oja, bei ihm passt diese formulierung, oje!), sprachrohr der eti (ohne y), europäische transparenz-initiative, ein einziger graphischer sperrmüllhaufen die homepage, aber schon schön viel zum aufregen, und so wollen wir das auch.
robert schneider, du hpmartin der literatur. gebt auch ihm eine kolumne, millionen leser können nicht irren.

nachgestellt noch ein zitat aus dem postscriptum von hpmartin.net:
die internationale reaktion und die der wähler ist ja überwältigend. dafür immer wieder danke.
tja, reaktion, wie wahr.

(ein zweites kommt morgen)

albà­n (1)

schon schade. leider vermag er nicht sein apokalyptisches werk für sich selbst sprechen zu lassen, muss pubertär-abgeklärte (ja, das ist möglich!) befindlichkeiten und lebensweisheiten emanieren, weil, das beweist er japsend-gelassen (ja, auch das ist möglich! – denken wir, nur kurz, an schüssel und andere ihre kleinwüchsigkeit nicht kompensiert habenden), er weiß durchunddurch alles. aber allzu im voraus fassbar ist, worüber er im radio im – völlig ohne häme geleiteten, was für eine chance! – gespräch erzählt, erzählen hätte können. dieses – herbeigerufne, beschworne! – unfassbare aber verträgt keine großen worte, so ein pech auch.
du kannst nicht in riesenschlagzeilen deine bescheidenheit und schlichtheit propagieren. und ein gänseblümchen auf großbildleinwand wird monströs, zum fürchten und vor allem eines: unglaubwürdig.
weiß kann nämlich auch die behauptung aller farben sein.

… hcildnuerf tsi fle

… und fünf ist laut, das buch von daniel tammet, jenem genialen autisten, eines der sachbücher des letzten jahres, führt (nicht nur mir) (erschreckend? beruhigend?) vor augen, wieviel autistenautobiographisches in mir schlummert, weil es mir sowas von vertraut ist. ob ich mir auch noch auf die schliche komme? neige ich doch mich selbst zu überraschen.
und wie ist das mit der merkwürdigen rückwärtssprechbegabung der (durchaus kommunikativen) nirabhcan?

coriolis

kurz nur glaubte er wieder einen beleg (diesmal den endgültigen) gefunden zu haben, dass die menschheit in zwei kategorien einzuteilen war.
wohl war der jahreswechsel eine traditionell schlechte einkaufszeit, inventur allüberall, der unvermeidliche hinweis der von manchen für charmant gehaltenen (undaber völlig ungerissenen) neuen neujahrskonzertmoderatorin auf den durch die floristen von san remo besorgten blumenschmuck im goldenden saal des musikvereins aber war auch dieses jahr zugleich der startschuss für das umfassende und genaue studium pauschale individualität versprechender sommerreisekataloge, rasch hatte man sich zu entscheiden, welchen vorteil vor allen anderen man für sich und die seinen sichern wollte, ob man schnell zuschlagen und sich unverrückbar undaberdochnoch bonusberechtigt an ein fixes ziel binden (spätestmöglicher frühbucher) oder, hyänisch-geierhaft zuwartend, das verbilligt nehmen wollte, was der verreisemob achtlos übriggelassen oder, wie ein endlich fertig gestelltes undalso scheidungszuversteigerndes einfamilieneigenheim, wieder ausgespuckt haben würde, schnäppchenhaft verbilligt (dafür etwas zu verkehrsgünstig gelegen), der preis aber ein klacks!, eben, frühestmöglicher spätbucher, da waren die eigentlichen bestpreise für die reise zu erzielen, und möglicherweise waren diese beiden typen nur zwei seiten einundderselben medaille, und auch auf zypern und malta wurde nun mit euro bezahlt, da sollte man vielleicht einmal hin, gibts direktflüge vom flughafen wien?, aber wann buchen wir, was suchen wir, und überhaupt, ist es nicht bei uns auch schön, wenn die inventur vorbei ist, winterschlussverkauf mitten im hochwinter oder sagt man tiefsommer?, und wie ist das auf der südlichen halbkugel mit der wasserkreiseltricherrichtung, dort müssen wir hin, rechtzeitig buchen müssen wir halt!
und dazwischen klaffen äonen.

kuzi kuzi

fürs konzert, zumal in repräsentativen alten sälen, staatstragenden gar (stadtlandlandstadttragenden), empfehle ich ein einlassschleusensystem ähnlich dem flughafen in singapur zu zeiten von sars, nämlich eine sieche zuverlässig anzeigende gesichtswärmekamera, sodass man vorher schon sicher weiß, wer in der folge selbst den ersten satz der eroica zur symphonie für im publikum verteiltes katarrhistenquartett, keuchhustenchor und (auf dem podium) großes symphonieorchster zerhusten wird, todsicher.
aber natürlich lassen wir in unser hustschengen alle hinein, sind ja alles stützen der gesellschaft, ja, so hat man früher gesagt, und wir wollen nur die eigentlichen protagonisten kennen, wiedererkennen und – weiterverpflichten.
es ist auch schon eindrücklich gelungen, prominentest sogar – beim wiener neujahrskonzertdonauwalzer, grün nicht nur im blumenschmuck der floristen aus san remo, sondern auch im gnack der vorsitzenden.
gesundheit!

temporär

Zu Neujahr: Ganz ähnlich aber etwas kühler
Conclusio aus einem zeitgenössischen Wetterbericht, Radio Österreich 1

Sie wirken so routiniert-professionell, als würden sie es das ganze Jahr machen, die Neujahrsstandler, das Neujahrsstandln, wenn sie zwischen 27. Dezember und 1. Jänner auf alle anderen Tage des Jahres für Standler ungeeigneten Plätzen auftauchen. Aber wahrscheinlich ziehen sie nur weiter, irgendwo auf der Welt ist immer Silvester und gleich darauf Neujahr, momentan halt bei uns.

ausguss

auch die so seriöse wissenschaftsredaktion des österreichischen rundfunks im internet bringt spannende, die gedanken beflügelnde meldungen, die möglicherweise aber auch beängstigen könnten. aus diesem grund habe ich die meldung für meine sensibleren mütterlogleser bis zum ende dieses nun so gut wie erfolgreich undalso überlebt habenden jahres zurückgehalten. am 24. august 2007 meldete man nämlich auf orfon also: rätselhaftes riesenloch im universum entdeckt.

wenn es nur nicht ausrinnt, und wenn: wohin? jedenfalls bitte nicht zu uns, wir sind da nicht mehr zuständig, die schengengrenze ist bereits seit der wintersonnwend weiter im osten, ja?!

in diesem sinn: passen sie auf und rutschen sie nicht aus, zumindest nicht mehr heuer, und wenn, dann maximal gut ins gute neue jahr!

allumfassend

Eine beliebte Aufregerei ist das mit dem juvenilen Ansaufen, Komatrinken nennen sie es, wie gesagt. Ich wundere mich, dass noch kein Mateschitz oder sonstwer auf die Idee gekommen ist, ein Getränk gleichen Namens zu kreieren, ein harmloses Tschapperlwasser, und dann alle, die gegen das Komatrinken wettern, juristisch zu verfolgen, auf Unterlassung wegen Kreditschädigung Rufmord etcetera.

Im strengsten patentrechtlichen Sinn: Hiermit deklariere und reklamiere ich die Schutzmarke Koma als mein alleiniges geistiges Eigentum. Mein Gebietsanspruch ist allumfassend und gilt auch für oberkärntner Diskotheken.

Der Reichtum kann kommen.

Prosit!

appetüt

komatrinker, dieses (ich vermute) unwort des jahres ist ja beinahe so saublöd wie der ganz sicher nicht unterschwellige begriff gammelfleisch für verdorbenes nicht nur (bzw. eher nicht) in dönerbuden.
(ich persönlich mag ja dürüm lieber, nicht nur wegen der sympathischen, auch meinem namen eingeschriebenen üs; dieser herzhafte erste biss ins alu, unvergleichlich!)

an die wand (oder sonstwohin)

bitte nicht benützen steht auf jenen zettel gekritzelt, der mit einem bedruckten klebeband (selfstorage – dein lagerraum) über den wasserauslass des rechten der drei keramischen u-profile gepickt wurde, die brusthoch in die wand eingelassen das pissoir der männertoilette vom cafà© eiles bilden. unten steht das wasser, es kann nicht abfließen, und so versteht man augenblicklich, warum man hier besser kein wasser lassen soll. undaberdoch, das klebeband mit dem merkwürdig deplacierten text gibt denkraum für allerlei spekulationen. selfstorage? dein lagerraum? wofür? und sollte es nicht besser heißen: bitte nicht benetzen?

(soviel zum tag der unschuldig in ihre windeln ludelnden unschuldigen kinder.)

nach hause (4)

es lohnt sich manchmal, jene schauplätze, wo die entscheidenden ereignisse unseres lebens stattfanden, wieder aufzusuchen, um zu erfahren, dass wir nichts mit uns selbst zu tun haben.
imre kertà©sz, ich – ein anderer

wo sind meine schauplätze und was ist entscheidend? beim großen imre kertà©sz ist es (nur in diesem zusammenhang) der ettersberg in weimar.
wir haben sie alle, diese orte, undaber diese sind nur in jamesbondfilmen venedig, der eiffelturm oder die freiheitsstatue. einer von mir ist der affenbaum (er steht noch, ist aber viel kleiner als erinnert), dann noch, im gleichen wald, dem bischofswald, tief drinnen, die bombentrichter. aber auch der sand zwischen den pinien hinten hinaus, zum strand hin und vor allem zurück zur mittagspastaschutta in der pensione da mario (oö. mundart für: der mario), caorle.
zeit und ort aber lassen sich (nicht erst seit heisenberg) nicht gemeinsam aufsuchen, und das passt schon so.
oder, wie kafka es einen seiner augenblicksallmächtigen sagen lässt: gibs auf! und lässt mich stehen wie einer, der mit seinem lachen allein gelassen werden will.
auch das kann, nach vorne wie nach hinten blickend, mut machen.

nach hause (3)

basteln – was für ein wort.
etwas mangelhaft zurechtmachen, anstatt es ordentlich zu reparieren, steht darüber im etymologischen lexikon.

der papst hat gegen die konflikte in der welt geredet. womit das wohl als endgültig erledigt betrachtet werden kann, was für ein glück undaber warum nichtschon früher? – ich weiß, jetzt ist rührungshochsaison.
undaber nicht nur auf der welt sondern auch im von platttiroler gebirgsmarinegendarmen, sandkistenministranten und etlichen weiteren demutsvoll betenden regierten inselösterreich selbstgerechtes, direkt aus bethlehem via radiooberösterreichkind eigenimportiertes licht in dieser dunkelkammer. was sich da entwickeln kann?
wie hat es die tante jolesch so schön gesagt: gott soll einen hüten vor allem, was noch ein glück ist.
was für eine drohung.

(soviel zum kirchlichen hochfest der steinigung des hl. stephanus, des ersten märtyrers.)

nach hause (2)

ich kenne die vielen bereiche am großglockner, wo man unerreichbar ist, rät sichnichtaufspürenlassenwollenden der tiroler berggendarm im interview und warnt zugleich, platter gehts nimmer, auch im hochalpinen.
österreich wird euch schon noch helfen meint die kz.
na warte.

nach hause (1)

platter gehts nimmer.
das bmi, bundesministerium für inneres hat als zuständiges ressort der einem verbrecherischen regime nachfolgenden und über alle grausamen untaten ehrlich entsetzten republik eine dvd über das konzentrationslager mauthausen herausgegeben. der name des informativen und wichtigen lehrfilms: „rückkehr unerwünscht“.
damit das nichtmehrkind etwas fürs leben in der heimat (woimmer diese sei) mitbekommt, könnte man damit die medial allseits beliebte (und von christlichen und ehemals in der sandkiste ministrierenden oberpolitikern befettnapfte) arigona zogaj beschenken, stelle ich mir vor. es käme zudem aus demselben, betreuenden haus. österreich hat immer geholfen, schreibt die kz. am 20. dezember, und wenn die das sagt.
aber, nachfrage: wogegen?

traumlos

bopp
bobopp
bopp
bopp
bobobopp
bopp

(frei nach ernst jandl)

das dumpfspitze biepen der strichcodekassen in den vorweihnachtlich vorabendlich hochfrequentierten billamärkten (z.b. salzburg, griesgasse). was die armen kassierdamen für eine musik träumen, will ich mir gar nicht vorstellen müssen. und so nah bei mozarts geburtshaus. jammerschade.

bopp.

in erwartung

das schwachsinnige grinsen des völlig verblödeten lodens.
gert jonke, stoffgewitter
(in: insektarium, verlag jung und jung, salzburg, 2001)

eben. da haben wirs. christkindlgewühl am domplatz. undalso: schnell zum hum!

wintermütter 2007

(auf etwa 1100) geschätzte mba,

© dorothea wimmer
(spiegelglatt und doch eisfrei – was uns die zukunft bringen mag?)

das jahr geht zu ende. na bumm, sagen sie jetzt, aber sehen sie, es lohnt sich, diesen umstand näher zu betrachten. die zukunft (und ihre vergänglichkeit) kündigt sich nämlich, genauer betrachtet, einer spirale gleich, an, so, wie eine schraubenmuschel: der bleistift braucht fürs zeichnen von 360° immer weniger, zuerst langsam, dann etwas rascher und schließlich geht es ganz schnell, du fällst ins tiefe loch des mittelpunkts, der auch, meist sogar exzentrisch, auf dich mausmensch wartet, wie die falle an der stirnwand des hintersten zimmers, du mußt nur die laufrichtung ändern, sagte die katze und fraß sie.
so ist nun einmal mit der zukunft, jawohl, seit eh und je: alles was wir einkaufen ist von seinem verfall her definiert, ein exaktes datum steht auf der verpackung, best before, futur exakt pur: ich werde zu spät in der speis entdeckt worden sein und du musst mich wegschmeißen. iss mich also bitte vor dieser zukunft, vor der mir graut, malzeid.
bis es so weit ist, die zukunft vorbei ist, tun es die tunfisch(stück)e im glas am längsten: gegenwärtig stehen wir beim 21.1.2012, vier jahre und ein monat noch; keiner, auch nicht die dauerhafteste dauerwurscht, ist länger am besten davor zu essen. weiter geht es mit den pelati und, wo dazu?, zu den spaghetti (silvester bzw. anfang juli 2010, immerhin zweieinhalb, drei jahre). als rechter kärntner nimmst du dein pesto am 10. oktober 2010, was für ein datum, zu dir, am 11. wärs verfallen, schad drum im schönen grenzland ohne passkontrolle am loiblpass, pass also auf, das pesto iss auf und basta. baasd.
wir überspringen die verfallszukunft (2009 verfällt nichts! es wird ein gutes jahr.), in den kommenden september: neun monate inkubationszeit haben maresi (27.), soletti (19.), milka (14.9.); im februar geht es mit cabanossi (24.) und lattella* (13.) zuende. womit wir bei der silvestermozzarella sind, und das faschierte verbrauchen sie bitte noch am selben tag, besser wäre gestern.

undaber genaugenommen: die physik beweist, hat längst bewiesen, nämlich es kann gar keinen blick in die zukunft geben, alles schon dagewesen. oder zumindest dort. früher einmal. auch wenn uns dafür noch die sinne fehlen. aber sie arbeiten fest an dieser evolution, was für ein trost.

vergangenes, dazwischen; dann in die nahe vorzukunft

auf der reise in den tiroler advent (wir wissen: die christkindlmarktgrenze verschiebt sich bedrohlich nach süden, bolzano, milano, bald palermo, kairo, dieweil der winter norwärts wandert), am zweitkürzesten (was für ein langes wort) tag des jahres, kommt es vor, dass du im höchstrangigen zug des tages sitzt, ein privileg, davon kannst du ausgehen, von wien nach feldkirch nur zwei fahrplanmäßige halte, dann macht es aber die nacht vor deiner reise von salzburg nach innsbruck bumm, ein güterzug kippt um, und schon ist deine ganze reiseplanung umgekippt, so ist es im leben jawohl, und möglicherweise ist es sogar besser so, du kannst es nicht sagen, weil dir ja nur eine option zur verfügung steht, passiv noch dazu, es ist wie beim essen, wenn du an einem überreichen buffet von allem probierst um zu herauszufinden, was du eigentlich essen willst und was eher nicht, aber dann ist auch schon aller hunger, guster gar, vorbei, du bist angefüllt wie die sprichwörtliche weihnachtsgans, die aber hat einen schlichteren fressgeschmack, gehabt, den du dir jetzt auch rückwirkend wünschst, vergeblich, vergib o herr die todsünd der völlerei, zu spät, leider, du selbstschopper mit sodbrennen, soistdasnuneinmal, doch zurück zum höchstrangigen zug, rangieren müssen sie ihn, arschlings hinaus aus dem salzburger hauptbahnhof, etliche regionalzüge und güterzüge musst du (der zug, das bist immer duselbst) passieren lassen, kreuzen, bevor du nach aigen, hallein, bischofshofen, zell am see, hochfilzen!, seinehons, kitzbühel, wörgl (wo sie – früher zumindest undalso längstverfallenes – lattella* erzeugt haben) abzweigen darfst und sammasieahlich, es ist ja auch wirklich die viel schönere strecke, und in einem durch die herrlichste winterlandschaft, was für ein luxus auch.

viele unerwartete freuden in der unsichtbaren zukunft wünscht ihnen ihr

das war in langenlois

bertl mütter

rohe
eihnachten

habe ich unlängst in einem recht passiv an mich gerichteten, links etwas abgeschnitteten (dafür an viele ergangenen) email gelesen. vielleicht könnte das schon ein vorfreudiger (eher allerdings krampussiger) hinweis auf das bereits heranbrausende osterfest, am 23. märz ist ja es schon so weit, die schokoladennikoläuse werden längst überpackt, und ich wünsche ihnen jetzt schon, dass ihre gefärbten eier dann auch gut durchgekocht sind, und ein gipsernes zum pecken.

am weihnachtsabend, 24.12.2007, zwischen 18.30 und 19.30 können sie mich übrigens live im radio österreich 1 als gast von renate burtscher hören. inkl. 18.57 stille nacht, heilige nacht auf meiner schönen posaune. ahh.

der nächste mütterbrief kommt am karfreitag. zumindest im mütterlog, weil ich mich da nämlich möglicherweise im reich des winters aufhalten werde. es kann also sein, dass ich ihn erst zu ostern verschicken kann. jedenfalls aber um den frühlingsbeginn. eben.

— der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil — der serviceteil —

bald – die vorschau
da steht auch schon was über den juli drinnen. obacht nämlich: mein spielen!-kurs beim musikforum viktring-klagenfurt wurde um eine woche nach hinten verschoben und findet nun von samstag, 19. bis freitag, 25. juli 2008 statt, wird am 26. stattgefunden haben (um konsequent zu bleiben).
achja, wir suchen einen (oder mehrere) konzertpaten (-onkeln und -tanten!) für mein viktringer solokonzert am mittwoch, 23. juli 2008. die haben nämlich echte geldsorgen da unten, und ich mit ihnen, deshalb dieser aufruf. bitte sich bei mir (zahlreich; zahlend) zu melden. danke.

vorbei – der rückblick
manches, das jetzt bald ist, wird bald vorbei sein. hier zum nachlesen.

*) – die sternderlrubrik
nicht direkt im text untergebrachte links (von denen ich mich samtundsonders von fast allen distanziere):

* auf die verfallsidee hat mich, das darf ich verraten, am 8. november der blick ins molkeregal gebracht, mangogeschmack bis 1.1.2008 stand da drauf, lattellaende am neujahrstag, was für ein schicksal, *schluck*.

*mütterlog (unglaublich, wirklich täglich neu!)

einschauen

don’t shoot the banjoplayer
(‚cause we’ve done it already)
alter dixielandwitz, überliefert aus dem wilden westen (deutschlands)

samstagnachmittag. salonmusik im bräunerhof. die pianistin beginnt, kaum dass sie zu spielen anhebt (bzw. die fingerkuppen auf die tasten des salonkonform etwas ausgeleierten pianinos absenkt), augenblicklich wie eine blinde nach innen zu lächeln, die augäpfel verschwinden, scheinbar. (zumindest schauen sie so aus wie bei prinzessin diana oder heide schmidt oder karli habsburg, in ihrer besten zeit.)
es schwebt ein weicher kugelblitz um sie herum.
(ob es gleich aus der wolke zu verkünden anfängt?)

pubertierend

meine fünfzehnjährige waschmaschine will nicht mehr, schreibt die alte dame in ihrem sozialansuchen zur weihnachtszeit. ob man ihr erziehungsmaßnahmen als guten rat mitgegeben hat ist nicht bekannt.
ist so kalt der winter.
aber der marieantoinettesatz sollen sie halt kuchen essen ist so auch nie gesagt worden (auch nicht auf französisch).

endstationär

memory, am beispiel eines sehr originellen mantels am ubahnmittelbahnsteig schwedenplatz, auseinanderziehend in zwei richtungen: hütteldorf, heiligenstadt. doch beides sind doppelte endstationen (s45, u4): wir treffen uns wieder, raunen sie sich weinrotsamtig zu, die mäntel, klimtisch-originelles einzelstück ein jedes.

markierung

wir bersten vor aktivität. in den letzten jahren hat sich auf dem sektor der inwendig und auswendig anzuwendenden energiezuführungssäfte beträchtliches getan, wir werden von power und energy übermannt, es sprengt uns nachgerade den brustkorb auf, so kräftig und männlich sind wir alle geworden, man hat nämlich den sich zu waschen behauptenden mann entdeckt, guarana, taurin, koffein, am besten alles zusammen, adstingierendes glacier water & deep sea mint, dynamisch-kraftvolles dark red mit markant maskulinem duft undundund.
davor und danach aber nichts anderes als eine blaue sau, ein red bull oder, eine etwas pubertärere duftmarkierung, keine frage. und am häusl dann für das red nosed reindeer oder den sich darin schaukelnden bären von der verpackung der so zeitgemäße apfelzimtwinterduft vom klopapier, very charmin‘.
so ein scheiß. alles zusammen. damit das nämlich auch gesagt ist.

luftlosung

eine krähe war mit mir
aus der stadt gezogen
ist bis heute für und für
um mein haupt geflogen

wilhelm müller (1794-1827), gedichte aus den hinterlassenen papieren eines reisenden waldhornisten – die winterreise

langjährig getreue leser dieses meines zeitgemäßen reisetagebuchs: das warten auf den heurigen krähentext hat ein ende. obwohl, ich hatte nicht extra vor, auch heuer wieder mir wahrnehmungsgedanken zu den schwarzen galgensingvögeln zu machen. da es aber so gekommen ist wie es eben gekommen ist – hier mein heuriger krähentext, in enger assoziativer annäherung zur ersten strophe der krähe, die wir natürlich alle samtundsonders in der skurrilen schubertschen deutung im ohr haben, als gedicht allein ist es ab dem moment, wo du den text durch schubert erzählt bekommen hast, nicht mehr möglich, und wer würde etwa die ode an die freude lesen können, ohne beethovens melodie dazu im ohr zu haben, jene melodie, der die europäische union soviel übles angetan hat, aber das nur nebenbei.
mir hat nämlich eine äußerst dynamische krähe auf dem heimweg von der tagesarbeit auf den metropolischen müllhalden jenseits der donau zum schlafplatz im hugowolfpark mit unkrähenhafter verve aufs fenster gepatzt.
na sowas, sagen sie. und ich sage: ja sowas auch.
halten sie ihre fenster, so sie an lande- oder startschneisen schwarzer singvögel liegen, also nur für die so beliebte und viel zu wenig praktizierte stoßlüftung geöffnet, am besten zu normalen krähengeschäftszeiten, nicht jedoch am morgen oder am frühen abend. dies mein rat für die kürzesten tage, in denen wir uns gerade befinden.
zum abschluss noch eine frei dazu (oder auch nicht) zu assoziierende zeile, wieder vom unglücklichen herrn müller:

der reif hat einen weißen schein
mir übers haar gestreuet
da glaubt ich schon ein greis zu sein
und hab mich sehr gefreuet

(zur beruhigung: der greise kopf steht im original unmittelbar vor dem vogelvieh)

aufgeklart

rechtzeitig zu beginn der eventsaison habe ich bereits anfang november eine nachricht bekommen, deren inhalt mir leider entfallen ist, was mir nicht allzuviel ausmacht, denn wohlmeinende mails kommen täglich daher, und alle eingehenden werden selbstverständlich – äh – eingehend studiert. was mir aber an diesem elektrobrief so gut gefallen hat, dass ich ihn mir bis heute, so knapp vor weihnachten aufgespart habe, ist eben diese einleitende phrase: rechtzeitig zu beginn der eventsaison.
wann begänne eine solche saison und (wichtiger noch, da sie ja schon beg. hat), wann höre sie bittebitte wieder auf? – mein nachfragen ist freilich rhetorischer art, wird doch jahrjährlich ihre allesumrundende präsenz zelebriert, es ist wie bei der hl. kirche, die sich ja auch des advents als gleichzeitigen anfang und endes des kirchenjahres sich zu bedienen weiß (gewissermaßen: 1. advent = anfang; weihnachten, ein jahr später = ende). du kommst ihnen (wer immer sie sind) also nicht aus, nieundnimmer.
und mitten in dieser eventpermanenz hat mir dann (u.a.) mein alter freund will berry ein sehr vertrauliches mail geschickt, das ich ihnen nicht vorenthalten kann (bezügl. dessen ich mich als inkontinent erweisen muss), ich reiche es mit den besten wünschen weiter, twimc (dt. wiebm: wen immer es betreffen möge):
potenzschwache – wir haben die losung! schreibt mir der alte spezi.
darauf kann ich nur sagen: waidmannsheil!

pinups (3)

ein nachtrag (genaugenommen ein zutrag) zu den pinups in den ihnen gewidmeten mehrfärbigen hochglanzmagazinen:
könnte es am nur gorbachsch-peinlich ins englische übersetzbaren titel undoderdochauch an der etwas vergeblich-verschwitzten grundlinie des blattes liegen, dass das in der verlagsgruppe bauer erscheinende schlüsselloch (engl. wohl: keyhole) international doch nicht so recht reüssieren hat können?

ombra felice

Venezia, Schattenreich.

Zum Weintandler bringen die Leute ihre leeren Eineinhalbliterpetflaschen San Benedetto, wiederaufgefüllt kostet das keine drei Euro, salute! und cincin!

In Palermo (das nebenbei) gibt es gar regelrechte Weintankstellen, mit Zapfhähnen an Zapfsäulen, und sie führen drei Sorten: bianco, rosso, rosato. Zur Abholung fährt man mit dem cinquecento vor (dem alten wie dem – wohlgelungenen – neuen), hat aber ein eigenes Gebinde dabei, da wird nix in den Tank gefüllt, damit das klar ist.

Zurück in Venedig.

Auf einmal nämlich kommt, wer weiß von wo, einer mit einem Fünfliterkanister daher, der schaut aus, als wäre er mit (destilliertem?) Wasser gefüllt.

Ob da im Hinterzimmer so ein Weinjesus pfuschen tut? Und: Wo ist die Hochzeit? (Wer heiratete denn heutzutage noch, in Zeiten wie diesen?)

fabelhaft

aber immerhin freiheit, immerhin ein besitz.
franz kafka, forschungen eines hundes (1922)

sowas. da liest du jahrelang einen text, er wird zu einer lieblingserzählung, du kannst ganze absätze auswendig, hast ihn, in vielfacher hinsicht, verinnerlicht, aufeinmal setzt sich, wie ohne dein zutun, ein mosaik vor deinen augen zusammen, die einzelnen, garnichtsokleinen kacheln ergeben plötzlich ein neues, ganzanderes bild, und du bemerkst, dass du sehenden auges, lesenden bewusstseins, praktisch alles übersehen, drüberhinweggelesen hast. obgleich du mit diesem neuen blick das unerhörte schon vonallein und selber so wahrgenommen hast, zweifelst du doch, und sicherheitshalber – zwickt’s mi – fragst du einen freund, und nocheinen, ob du dich nicht täuschst, täuschen könntest, bitte, daskanndochnichtwahrsein!, täuschen müsstest?!
seither aber kannst du nicht mehr anders, als im text, in der textur das zu erkennen, was offensichtlich da gestanden ist, alle haben es gesehen, nur nicht du, und dabei hast du dich für einen der intimsten kenner jener geheimnisvollen fabel gehalten, bist du doch selber ein hund, seit ehundje.
im richtigen abstand betrachtet, mit leicht unscharf gestelltem blick (der bekanntermaßen zumeist präziser ist als die detailbetrachtung) können die pixel des als solches neu erkannten kachelbildes sogar eine schärfe bekommen, die ein glattes photo nie und vor allem nimmer zusammenbringt.
ohne kratzer, das auch noch. nieundnimmermehr.

feuerfest

deutsch im falle eines brandes.
heinweis: eine geschlossen und bennaste, mit feuchten turchem behangene tur, schutz fur lang zeit.
(im östlichen oberitalien trifft man einfach die besseren brandschutzmaßnahmen, in portogruaro etwa, mit seinem schiefen turm.)

pinups (2)

mein schön deutsch sprach!
ernst jandl, die humanisten

die kassandrarufer von der deutschsprachigen sprachpolizei regen sich regelmäßig (selbstverständlich völlig zurecht) darüber auf, dass immer mehr frembde wörter unsere schöne deutsche sprache durchsetzen, ja, ersetzen, sprachsklerose, jawohl so ist es, und es sind ja in der tat ereignislose zeiten, in denen wir leben, dafür hetzt der wohlerzogene freizeitmensch von event zu event. (ich erspare ihnen weitere beispiele, sie können ja die regelmäßigen leserbriefe über den sprachverfall, wie sie von pensionierten konsulenten verfasst werden in ihrem provinzblatt oder in der presse nachlesen.)
zwei miteinander korrespondierende aspekte aber möchte ich zu bedenken geben. zum einen diffundierte das deutsche durchaus auch ins ausländische, le blitzkrieg (fr.) und blitz (it. für razzia), schlagbaum, landschaft (rus.), aberjetze (zulu für ungeduldiger tourist); ins englische haben wir es nur zu rucksack oder kindergarten gebracht, reichlich unaufregend.
undaber wer würde sich, umgekehrt, für ein noch so ansprechend gestaltetes farbfotomagazin mit wohlproportionierten jungen damen interessieren, das spielbub oder dachgeschoßwohnung hieße?

pinups (1)

lee miller, deren lebensweg zwischen 1907 und 1977 von poughkeepsie nach chiddingly führte, hat viel gesehen und uns eine vielzahl eminenter bilder hinterlassen. ein diptychon der besonderen art habe ich in barcelona gefunden: links der kraftraum mit vier muskulösen männlichen halbakten, von denen zwei ruhen, während die anderen beiden sich hintereinander und ganz nah beieinander abplagen, alle lachen dabei, in die kamera, ein merkwürdiges gym-bild, in perfekter schwulenästhetik. rechts das bild zeigt den kraftanwendungsraum, damen der gesellschaft aufgereiht an der wand, es ist ein salon undalso sitzen sie unter trockenhauben, die unvermeidliche illustrierte in händen, dickliche bedienerinnen kauern zu ihren nägeln während den damen oben der scirocco durch die haare fährt. die beiden photos vom september 1944 haben den entzückenden titel hairdryers powered by tandem riders at salon gervais, paris, france.
was einem als frisurloser nur draußenradfahrer so alles entgeht, stelle ich mir vor.

aviator (2)

i mecht so gern laundn
mecht in deina nähe bleibn
dauern fliag i midm kopf
aun deine scheibm

maria bill, 1983

was hatte es nun aber mit dem merkwürdig schnarrenden aufschreckgeräusch seiner selbst aufzuziehenden und ansonsten vollautomatischen fliegeruhr auf sich? nach etlichen monaten zufriedenen tragens (und aufschreckens) war es zeit, sich darüber eingehendere gedanken zu machen, mittlerweile war er nämlich vollständig von der bewestheit seines mechanischen wunderwerks überzeugt.
das schnarren konnte nichts anderes sein als das geräusch – vergeblichen, weil eingesperrten – abhebens. ein miniaturisierter postkommunistischer kakerlak, spin-off des kalten kriegs, dem durch stellen der weckzeit für ebendiesen zeitpunkt futter versprochen worden war, wurde hungrig und machte darauf durch ungeduldiges herumflattern aufmerksam. demnach war das aufziehen des weckers das raspeln parmesanähnlichen (selbstverständlich geruchlosen) käses, wobei gleichzeitig die zu entsorgenden exkremente des so praktischen nutzinsekts vollends zerstäubt und verdampft wurden, wodurch sie unbemerkt an der spindel der stellschraube hinausdiffundieren konnten.
ungefähr genau so war es.
aviator, fliegeruhr. eben.

aviator (1)

so hieß die russische präzisionsuhr die er im touristischen hochgefühl am arbat erstanden hatte, über hundert euro undalso gut ein viertel des preises heruntergehandelt zu haben; später dann, es ließ ihm keine ruh, eruierte er (seltener werdende verben verwenden!) den eigentlichen handelspreis, und das hätte er sich besser sparen sollen. nichtso aber die schöne klobigrobuste armbanduhr, so praktisch, und sie hatte einen wunderbaren wecker, vollanalog, mit einem schnarrenden, etwas zu früh auslösenden geräusch, das ihm immer, wenn es wie wild vibrierend losging, einen wohligen schrecken durch die glieder jagte, diese erinnerung, den gegenwärtigen seinszustand zu verändern (aufstehen, zumzugegehen, nichtaber: schnellschnell einschlafen), letztlich das memento mori eines jeden weckers, sich erheben, wie ein aviator.
eben.

abb. leicht vergrößert dargestellt

morgen: der aviator im aviator

umsteigen

diese fatale zielsicherheit, mit der es ihm beim heimkommen gelungen war, stets die falscheste (der superlativ hier untertreibt noch!) verkehrsmittelwahl zu treffen, ließ ihn zweifeln, ob es überhaupt richtig gewesen sein konnte, aus dem süden heimzukehren.
nichts wie weg wieder!

Rätselhaft

Sudoku – Kreuzworträtsel für Phantasielose. Kein Wunder, dass vor allem die Profi-Hefte auf den internationalen Reiseunterhaltungskiosken so gut gehen. Beim Einsteigen in den Flieger nach Wien aber hat beinahe jede/r Zweite so ein Heftl in der Reißn. Ich schlucke. Aber eigentlich eh klar: Wozu noch selber Phantasie aufbringen, wenn wir doch schon im vorhinaus als ganzes Volk voll begnadigt für das Schöne sind?, stelle ich mir vor, odernicht?

barcelona (4)

gleich beim ikea entsteht eine konzentrische hochhaussiedlung, alles hochgestellte ziemlich in die länge gezogene schuhschachteln. die häuser werden vormontiert geliefert, in weitest entwickelter fertigbauweise.
der inneneinrichtungsexklusivvertrag mit nebenan ist evident.
und so praktisch.