mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


vorüber wie ein pfeil

rückrufaktion: listerien in forellenquintett
orfon (flüchtigkeitsverleser)

da war er aber aufgeschreckt, war er doch im begriffe gewesen, sich durch einlegen einer interpretation dieses allzu berühmten, mit seiner heimatstadt so merkwürdig verbundenen werks (es klebte regelrecht, indirekt proportional zur fugativen entität seiner letzlich tragischen heldin, nachgerade an der steyrstadt) den abend zu veredeln.
in welchem teil allerdings die so gefährlichen keime lauerten, darüber wagte er nicht näher nachzudenken. wenn es nur nicht der variationensatz (des werkes filet) wäre, was allerdings zuvorderst zu befürchten stand.
seine ohren jedenfalls wollte er weiterhin peinlichst sauber halten, dass ihm durch sie keine keime kämen.

Nasenrad

Nächster Halt: Herzograd
Stationsansage, ÖBB

Herzograd, was für ein Name, und als in der Nachnachkriegszeit Herangewachsener war ihm noch das Gerede der alten Leute von ihrem Überleben bzw. (eher) über jene Kameraden, die in jenem Kessel, welcher ebenso auf -grad endete, geblieben (dafread, gfoin, faschoin), waren, und tatsächlich schien auf der Geraden ein paar Kilometer hinter Ernsthofen die kontinentale Weite endgültig loszugehen, vor allem im Winter, und waren ja erst ein paar Jahre vergangen, dass sich die Russen zurückgezogen hatten von hier (wo immer noch das Nibelungenwerk, nun halt landwirtschaftliches Gerät erzeugend, in Betrieb war), einzigundallein wegen der figlschen Reblaus, wie man uns weiszumachen versuchte.

Was es wohl bedeuten wollte? Es klang so ähnlich wie das ihn seit jeher irritierende Der Zwerg Nase: Der Herzog Rad.

Genauso war und ist es, jetzt haben wirs.

nachwuchs, unerhört

da hatte er sich seit jahren an seinen jede weitere frisurfrage verobsoletierenden zyklischen kürzesthaarschnitt gewöhnt (wenn es am hinterschädel zu dicht wurde, wurde rasiert), nun kam es ihm vor, als müsse er diese ansich nicht unangenehme verrichtung in immer kürzeren abständen in seine morgentoilette integrieren. hatte ihn, obwohl er nie zu ihm gefleht hätte, ein ominöser hairgott erhört? hatte gar jemand anderer für ihn gebetet? hatte man sich gar bei der haarzuteilung in der himmelhairlichen fürbitterfülladministration vertan?
ob nun sein haarwuchs, wenn das so weiterginge, sich historisch rückwärts entwickeln bzw., eigentlich, zunehmend statt abnehmend, verwickeln würde und er als hellblonder wuschelgreis dereinst vergehen würde?

bis das geklärt wäre (er würde in berufung gehen) nahm er sich vor, nicht mehr an der sein heiligtum bergenden hairgottstadt leoben vorbeizufahren (oder allerhöchstens für eine gratisvollschur einen zwischenschnitthalt einzulegen).

was für eine verfilzte welt, die sich von hinten anschlich.

ach glatzenhimmel.

popkingback

philipp kirkoroff
king of pop in russia

informative bildunterschrift

das bild auf dem plakat beweist es: er ist nur übersiedelt (umgezogen: kaum). und es geht ihm blendend.
beim näheren betrachten des bildes erscheint es allerdings unsicher, ob es sich nicht doch um den original rexgildozombie handeln könnte.

hans im glück

wer erinnert sich nicht der schönen gefühle, die des martiniwolfs in den wind gereimte, in wahrheit natürlich gegen den wind geschiffte verhetzgedichte zum halali auf prominente künstler (vorwiegend dichterinnen und dichter) im wahlvolk, dem man selber angehören durfte, hervorriefen:
letzter dreck – jelinek
thomas bernhard – ein narr, wer so wen gern hat!
wart nur, bis ich dich fasse, menasse!
turrini peter – wir rechnen ab später!

der ahnherr all dieser solcherart verhassten und verfemten antiheimatromanschreibkakophonie aber, zudem neffe alban bergs (eines komponisten also, den wölfe sich nicht sehr schwertun, als entartet zu bezeichnen), hans lebert, schien bisher ungeschoren (ungewolft) davongekommen zu sein, und wem fiele ein auch nur einigermaßen tauglicher reim auf diesen namen ein, mag man meinen.
gefehlt, man hat ihn, in holz geschnitzt (nicht also in den wind gereimt), längst verarbeitet, den lebert: in der kleingartensiedlung, gleich gegenüber der pizzeria gabriel, wo bei jeder hütte ein überdimensionierter bräunlicher kochlöffel für die satellitenverbindung zur außenwelt sorgt, prangt der alles andere denn diffamierende spruch:
und hätt ich nicht geschrebert,
wer weiß, ob ich noch lebert.

welch übergroßes (überlebensgroßes) glück.

fugato, umkehrung et al.

…und natürlich sind wir dem anderen bald böse über die hohe bzw. unseren wünschen (sehnsüchten) gemäße meinung, die wir von ihm gehabt haben. es ist aber die meinung, der wir grollen sollen.
weiter gehts.

Schwellenwert et al.

Stellenwert, was war das noch einmal? Bei den Brüchen gab es Zähler und Nenner (idealerweise fürs bequemere Weiterrechnen: gemeinsame). Und, ja genau, wenn man die Brüche zu Dezimalzahlen auseinanderdividierte, musste man feststellen, was vor und was nach dem Komma kommen nicht nur konnte, nein: musste. Wenn man da nicht genau aufpasste, konnte man sich vertun, was die Rechnung (dieses Stellenwertweichenstellwerk) an Stellenwert hergeben konnte. Es nützte auch nicht, sich irgendein Ergebnis zu wünschen, so eine Rechnung war nämlich ein mathematisches Gebilde, nüchtern, objektiv und konnte also nicht einmal gefühllos sein, so eine Stelle mehr, vorm oder hinterm Komma, das war gar nichts, und immerhin, eine Dezimalzahl war zumindest kein logarithmisches Gebilde, was für ein – ebenso fühlloser – Trost auch, hümmifixnuamoi.

explantatrat

nasenscheidewandpiercing: vernickelte stereorotzglocken. jetzt auch antiallergenetisch erhältlich. ihr ideales schnupfales permanentmemento. praktische demontage beim schnäuzen.
variante bikinizone (männlich; weiblich) auf anfrage gegen aufpreis. prompteste blechschadenreparatur nach intimkollisionen: verlangen sie unseren spezialkatalog.
(zahlreiche dankschreiben aufliegend)

körperpflege, weltabbildend

ice shine
shampoo
für stumpf aussehendes, glanzloses haar

produktaufschrift (vorderseite)

hatte man also endlich ein zeitgemäßes produkt für den aufgeklärten geist (eig.: kopf) auf den markt gebracht, das es zumindest in duschkabinen welt- und umweltbewusster gastgeberinnen wie der seinigen geschafft hatte. dieses misstrauen gegenüber die hochglanzwelt, immer musste alles strahlen, es war so anstrengend das durchzuhalten. viel ehrlicher also nun das neue, ja: neuartige shampoo, das zudem menetekel des so prekären weltklimawandelindikators gletscherabschmelze war, ice shine, dieser wohlbefinden zu vermitteln behauptende produktname konnte doch nur metaphorisch-hohnlachend gemeint sein, und stumpf aussehendes, glanzloses haar, das verwies auf den stumpfen ice shine steinalter gletscherzungen vor ihrem abfließen ins tal, das immer weiter oben begann, und auch das haar zog sich ja im laufe des lebens immer weiter nach oben zurück.
heftigst rieb er sein haupt ein. stumpf und zufrieden verließ er das haus.

volo d’angela

zwischen den beiden in den lukanischen dolomiten gelegenen bergdörfern castelmezzano und pietrapertosa, weit hinter eboli, haben sie ein eineinhalb kilometer langes seil gespannt, auf dem kannst du den engelsflug, volo d’angelo antreten: ein ziemlich rasantes erlebnis von etwa neunzig sekunden, begeisternd vor allem nach bestandener mutprobe.

wesentlich inniger und nachhaltiger aber, so mein jedweder äußerlichen action entbehrender rat: fliegen sie mit angela, angela krauß. ihre sprache, ihr feines spüren sind lebenslängliches glück, das zudem, völlig unspektakulär, keines seiles bedarf. und: was für ein gesang!

jeder ton, den ich heute, an deinem geburtstag, spiele, gehört dir!

Zukunftsorientiert

Mit uns zieht die neue Zeit
sozialistische Affirmation

Begräbniszettelaushangswelthauptmetropole Steyr. Am Morgen (gewissermaßen nach Redaktionsschluss) stehen Schlangen älterer Menschen (und schon auch ein paar jüngere) vorm Schaukasten vom Bestatter Stigler, gleich neben dem Fleischhauer Zellinger, und schauen sich die neueste Ernte an. Die Stadt als solche ist groß genug für eine gewisse Distanz (bei fast keinem Begräbnis spielt die Blasmusik), jedoch kennt jeder jeden, vom Werk (von der Bude). Zufriedenes Geraune über die Selbstvergewisserung. Man lebt, noch.

Am ersten Mai gibt es keinen Aufmarsch mehr, dafür spielt die sozialistische Gewerkschaftsjugend von 11.40 bis 11.50 einen kritischen Sketch.

Die Jugend war schon immer die Stärke der Partei. Mit ihr geht die neue Zeit.

palaver, postparlamentarisch

regierung in belgien bricht auseinander
agenturmeldung

i break together
schneider (helgier)

zu definieren wäre die unterscheidung von: zusammenbrechen; auseinanderbrechen. jedenfalls sollte man sich endlich einmal zusammensetzen, um sich damit auseinanderzusetzen, sich dann neu zusammensetzen.
so geht das.

polypolar

und das beständige drehen, sichwinden der ebenen fiktion – realität (das sog. sachlich korrekte), das ist doch das eigentlich interessante; dieses weltenwandern vor und hinter den spiegel, undaber du musst – ja: darfst! – jedesmal etwas zurücklassen beim durchschreiten, in beide richtungen nämlich, und es sind mehr als zwei, genau betrachtet.

aufwachens schwester (postresurrectio)

eingeschlafen auf der lauer, nein: auf der couch, der chaiselongue, der ottomane, war er, beim kontrollierenden abhören der bertinischen mahlerzweiten, bertinis mahler, den er jetzterst zu entdecken begann, was für ein eminentes interpretations-, also übersetzerwerk, ein kluges navigieren zwischen kalt-analytischer sachlichkeit und überbordend semimentalen sentimentalitäten. es musste im freirhythmischen teil vor dem schlusschor geschehen sein, beim dialog zwischen flöte und ferntrompete, und als er gut eine stunde später, lange nach der auferstehung, aufwachte, fühlte er sich halbtot und ging, so gut es ihm in seinem wobinich? möglich war, endgültig zu bett, schwerwiegende träume würden ihn erwarten, ahnte er und so war es dann auch.
immerhin aber, das genick hatte soweit gehalten.
den auferstehungschoral wollte er später, wenn er sich erholt haben würde, nachholen, tagwach, und, ja, das ganze noch einmal überprüfen, das war, bei aller sympathie, unumgänglich, sowieso.

au–wau

unvermittelt fand sich der im freien übende posaunist – für richtig arbeitende menschen war nachdienstschlusszeit geworden – im stadtnahen hundeveräußerlungsrevier am fluss. keine angst, der will nur spielen, versuchte man sich gegenseitig zu beschwichtigen, und ein jeder schüttelte sich ab, nach seiner art.

wahlnach

das wahlergebnis nach dem mit größter geduld ertragenen wahlkampf kurz zusammengefasst:
weiterhin der gleiche geht und steht in den schuhen des fischers.
die stimmen, die dem christlichen kandidaten fehlten, staken sicher in den vielen nichtwählern; die nichtwahl- oder weißwahlwähler haben das und überhaut es ohnehin gleich bzw. schon vorher gewusst.
und die bürgerlichste kandidatin aller zeiten, die dafür angegriffen worden war, was sie nicht (nie nicht!) gesagt hatte, war auch sehr froh über den doch unter diesen umständen (andere umstände, als jene, die sie mutterkreuzig so gut kannte) beträchtlichen wahlerfolg.

ich gratuliere allen.

annähernd aufrichtige anteilnahme

begräbnisaushangszelebrationsmetropole steyr.
alle leidenden, zumindest die verstorbenen, haben ihre langen, schweren leiden ausnahmslos und durch die bank mit großer, wenn nicht mit größter geduld ertragen, abgedient. sowas auch.
bei einem selber einmal, was man da zusammenlügen werden würde müssen möglicherweise völlig würdelos.

soviel aus steyr, partezettelzentrale, zur heutigen bundespräsidentenwahl.

verkehrsoffen (2)

oder, kurz gesagt: er liebte die seine phantasie sosehr anregende präzision und pragmatik des ostdeutschen sprachgebrauchs. verkaufsoffen, und die menschen hier fanden gar nichts dabei, schüttelten den kopf über seine assoziativen protuberanzen, und, nüchtern betrachtet, sie hatten ja völlig recht und daran aber lag ja das grundmissverständnis – wenn auch beide seiten sich um guten willen bemühten, mit wechselndem, aber immerhin: erfolg.

verkehrsoffen (1)

der garten der lüste
berühmtes gemälde, hieronymus bosch

verkaufsoffener sonntag las er vom handelswerbeplakat aus dem im bahnhof paradies einfahrenden zug auf. jena, thueringensis, du lustgarten, völlig versoffener (ab einer gewissen geschwindigkeit verkürzt sich nicht nur die zeit, sondern auch so manches wort). zur weiterfahrt über den scheitelpunkt der frankenwaldbahn (554,94 müdm, gar am frankenstein?) fiel wieder einmal (und bei ihm stets, als sprächs una poenitentium, früher gretchen genannt: ohnegleichen) die neigetechnik aus. starren blicks und fahlwangig ließ man sich intercityexpress bis gegen lichtenfels schleppen, dann waren die passagiere wieder weiter heiter, wenn auch matter weil sodverbrannt.

Romvögel

Wohl war auch ich in Rom.
Richard Wagner, Tannhäuser

Dicht am Abhang, unterhalb der Schlossterrasse, am abgestorbenen Geierbaum hocken sie, manchmal begleitet von Turmfalken oder auch Gabelweihen, in ihrer Ganzjahresschwärze.

Und natürlich, after all, am besten wäre gewesen, dem armen Heinrich wärs im Traume nie so gewesen, als hörte er der Glocken frohes Geläute. Hätte ihn die, oja: Gütige, Göttin, Königin doch einfach nicht ziehen lassen! Dann wäre er im Schoße der Venus geblieben und alle wären glücklich und zufrieden bis übers nie eintreffende Ende, Nektar und Ambrosia aus einander schlürfend, ewig.

Wolfram, du empörend rechtschaffener Freudenvernichter.

… die Nachtigall, die mir den Lenz verkündet, sie ist aber noch nicht zu hören: Raben, Raben, guten Rabend.

Spätes Jahr.

movens

die kinder, wie sie selbst für wege von dreivier metern hüpfen, laufen müssen. vorstellung, es wäre umgekehrt und die erwachsenen würden jedwede, auch die geringste distanz springen, hopsen; die kinder aber schlenderten versteiften halses mit hinter dem leicht gebeugten rücken verschränkten armen am spielplatz oder schulhof herum.

wurmeingedenk

erbleicht der wurm im sonnenschein?
das ist der fall, sagt wittgenstein

(aus einer lyrikanthologie)

die regenwürmer mussten bei regen ihre wohnungen verlassen, weil es hineinregnete und sie sonst dort ersöffen, so eine ungeschickte wohnortwahl aber auch, sie kamen also an die oberfläche, im regen, dort sah sie jedermann, drum hießen sie ja auch regenwurm, nicht erdwurm oder, was immerhin vokalisch homogenen charme hätte, humuswurm, sie flüchteten also würmlings an die asphaltierten wohnvierteloberflächen, aalten sich im regennass, das machte auch manch amsel spaß, und von den bereits wenigen, die nicht aufgepickt wurden, fanden die meisten nicht zurück ins feuchte erdreich, sie verdorrten, sehr schnell konnte sowas gehen, jedenfalls in überwurmgeschwindigkeit. so betrachtet konnte als erwiesen gelten, dass die erde selbst in ihrem schollenschoß das wurmgetier gebar, in großer anzahl, und sie vermehrten sich nicht durch teilung wie die talent genannten wurmzuggarnituren zu st. michael i. d. ostmk. (= in der obersteiermark, wasauchsonst? – vorne: richtung schladming; hinterer teil, die richtung ändernd: villach), so ein regenloch auch.

mählich, alles mählich (drei tempi)

über die allmähliche verfertigung der gedanken beim sprechen
essay, heinrich von kleist

über die allmähliche verfertigung der räume beim hören
raumklangliche eigenerfahrung, teilbar

über die allmähliche verfestigung des stuhles nach dem absetzen der antibiotika
darmflorale eigenerfahrung, zahnschmerzursachenabschwellbehandlungsbedingt

nachthellenach sinnenerhellend

morgenlich leuchtend in röthlichem schein
richard wagner, die meistersinger von nürnberg

frühstückssonderangeboth im ice richtung n.: croissant – hg (heißgetränk; diesmal: ronnefeldt assam). das charmante sonderzusatzangeboth: es bediente sie frau morgenroth.
alles bestens.

rrrrrrchtččččšššš

angeblich superpraktisch: klettverschluss, erbarmungsloser schnitt ins hörfleisch, in großaufnahme und superzeitlupe um zehn vor sieben im nachtzuganschlusszug und nicht nur dort, leider.
angeblich haben sie den klettverschluss sogar der natur abgeschaut. abgehört aber nicht.

adagietto (nocturne)

dieser merkwürdige mechanismus, der demnächst zu altern beginnen werdende männer (zu denen er sich, davon konnte er sich überzeugen, derweil noch nicht rechnen müssen zu meinen glaubte) sich moralisch emporschwingen lässt, wenn sie an einem abend bei zumindest drei attraktiven frauen (hintereinander) unter ausführlichem einsatz ihrer gewissen prominenz zuerst interessant zu erscheinen meinen, worauf sie baldschon nur noch völlig klassisch braten (nachgerade ein brutzeln, ein hummelbrummen wie zu studentenzeiten, unter heftigem verweis auf wichtigste gesellschaftsverändernde prozesse, an denen sie selbst zumindest als zaungast teilgenommen hatten – für das wesentlich jüngere gegenüber unmöglich selbst erlebbar – wodurch sie unfreiwillig den altersunterschied, der zu ihren ungunsten ausgehen muss, weiter vergrößern), und denen schließlich lächelnd (mit einem hauch mitfühlender wehmut) eine schöne nacht gewunschen wird.
hernach mimen sie stolz. man hat sich wieder einmal als moralisch einwandfrei erwiesen. und die süße der trauben wäre eh nicht so bekömmlich gewesen. ein bisserl aufn zucker schaun, das würde auch noch kommen.

nonlok

taurus, die diatonische lok aus den werkstätten der öbb, und bei der none, die es nach oben zieht, fährt sie dann los. wie es bei einer richtungsänderung ist (lokomotiven werden ja immer öfter als schubfahrzeuge = schokomotive eingesetzt), ob da – gewissermaßen logischerweise – mit und durch umkehrung der tonfolge gestartet wird, gilt es noch zu untersuchen.
jedenfalls sind wir österreicherinnen und österreicher mächtig stolz auf unseren so potenten botschafter der österreichischen musikalität, auch auf den schienen wird gesungen.

leichtern

schneid dir die pulsadern der ungeduld auf, es ist ja nur ein kleiner schnitt und tut auch nicht weh, dann rinnt diese überdrucksungeduld heraus, wärmend ist das, beglückend, und im gegensatz zum suizidalen badewannentango überlebst du nicht nur, nein, du lebst neu auf, es ist ein aderlass des überdrucks, du wirst gelassener, achtsamer, und dein hirn produziert weniger spaghetti – oder geradesoviel wie du verzehren kannst, ohne dass du diese schweren nudelträume haben musst zum morgen hin.
wache ruhe.

schwein gehabt

befreiung, d.h. reduktion aufs wirklich nötige, wie es (das nötige) auf der siebenteiligen hansimglückskala (gold – pferd – kuh – schwein – gans – schleif-/feldstein – völlige unbeschwertheit) abgebildet ist. zumindest was den empfang allzu informativer elektronischer werbepost betraf, war er ein schönes stück die leiter hinaufgeklettert, befand sich etwa an der sprosse zwischen schwein und gans. er würde auch noch die steine vom brunnenrand stoßen, ungeplant und unbeabsichtigt, versteht sich.
und, so hoffte er, nicht nur virtuell.

brüllz, kath.

… und brüllzten wesentlich
ernst jandl

quid est veritas?
rhetorische frage

wir kennen das aus der psychologie, vor allem (aber nicht nur) von großkörperschaften: was man nicht selber einlöst, muss man zum einen von den einem untergeordneten umso heftiger einfordern, vor allem aber es umso lauter vor sich herbrüllen, drinnen und draußen auch, ohomaharihiahahilf.
veritas nennen sich die lautsprecher des beschallungssystems im kirchenbunker aus den sechzigerjahren.
stimmt aber nicht.

[das leben an der basis aber, und das ist es, was – leider nur – lokal zählt, wird als vertraut menschenfreundlich wahrgenommen. das erfreut, nützt aber wenig nach oben zu zur spitze. die tritt dumpf nach unten und verbreitet dummes geschwätz von dummem geschwätz, nichts also als veritas, veritas, veritas (s.o.)]

zugvogel, reziprok

und die elstern, das waren ja so umgekehrte zugvögel, die nämlich anfang april, wenn es ihnen in unseren breiten zu warm zu werden begann, einfach – und paradoxerweise – in die tropen flogen, sich ihr federkleid umzogen und den rest des sommers als papageien spazierenflogen. auch ihren gesang verbunteten sie entschieden. wenn ihnen das wiederum reichte, nach vierfünfsechs monaten, krähten sie ab in den norden zurück ins schwarweiße.
was für ein leben.

geschüttelt, völlig ungerührt

unser handeln braucht werte.
wahlwerbewahrspruch

unser wandeln braucht härte!
vorschlag für die gegenkandidatin, wiewohl ja bereits explizit implizit verwirklicht, mit all dieser distanzierungskunstgreiferei.
geiferei.

Pünktlichkeitsbesorgt

Pendler-Umfrage: Kritik an Pünktlichkeit und hohen Kosten
orfon, 28.3.2010

Da horcht der geeichte und gar geprüfte Bahnfahrer (pendelnd zwischen Klagenfurt und Innsbruck) aber auf. Die wollen nicht pünktlich zur Arbeit, und wenn sie immer noch zu pünktlich befördert würden, so drohen exakt 16% damit, aufs Auto umzusteigen. Dann gibts da nix mehr zum Kritisiern. Und billiger ists auch, jaja.

(Mit welch kundenfreundlich eilfertiger Informationsbeflissenheit die Durchsagebevollmächtigten der Österreichischen Bundesbahnen, seis am Bahnsteig, seis im Zuge, mit der Begründung für die fahrplanmäßige Verspätung ausschließlich dann herausrücken, wenn sie die Absolutionsformel wegen verspäteter Grenzübergabe, die Verspätung wurde verursacht durch die Deutsche Bahn AG ins vielzulaut eingestellte Pfeifmikrophon feixen dürfen. Selber aber sind sie die besten. Zug um Zug. In Klagenfurt zurück dann raus ausm Zug, eine Bonusstunde ist für diesmal genug undalso ausgependelt.)

lungenzugvogel

umsteigen in schwarzach-st. veit. zug um zug zog er den zug daher, am ende war das packerl gar, aber immer noch kein zug in sicht, sein ziehen war wohl zu kraftlos gewesen. mit einem reservepackerl hätt ers vielleicht derpackt. (es ist – für nichtgenussraucher – immer empfehlenswert, proviant dabei zu haben.)

zuckvögel

die spatzen im hof, wie sie durch ihr flügelzucken aufwärts fallen, tschilpende ejakulanten ihrer selbst.

traum vom fliegen

innsbruck, mariatheresienstraße, die sie knapp über den hausdächern querenden verkehrsflugzeuge, startende, faszinierend-bedrohlich näher noch: die niederkommenden in ihrer prächtigen landelaszivität.
so ist es alles andere denn ein wunder, dass in den folgenden nächten ein flieger nach dem anderen abstürzt, vor allem beim start sich nicht hochkriegt und, knapp an der triumphpforte vorbeischrammend, sich ins casino hinein explodiert, etc…
und jedesmal bist du hilfloser zeuge, händeringend, mit staunoffenem mund.
aber geil ist das schon, nicht nur im traume.

disclaimer (aus gegebenem anlass): liebe rechte hetzpartei: dies ist kein verschlüsselter aufruf, euern führer noch seine kandidierende katholische gebetsschnur zu meucheln, wovon ich mich jetztschon zu distanzieren mich genötigt sehe. und chefs eurer art entsorgen sich früher oder später ohnehin von selbst, worauf wir aber auch nicht offen hoffen wollen. (wir wählen, wen wir wollen. – um eure beliebte infantlistische trotztautologie zu zitieren, hier allerdings ohne betà³nvorschrift.)

nomenomen (oweowe)

brannte nicht unser herz?
ostermontagswort

völlig abgebrannt: auch dieses jahr gibts kein valosn der verlustzone. (verlustzone, was für ein zungenschnalzer.) der neue vorstand will seine schuldige bank auf die hälfte schrumpfen. so bleibt, streng arithmetisch, die bank also abgezogen, nur noch das, worauf die andern sitzengelassen wurden, hypo, die hypothek, valosn, valosn.
halb, das ist ein vielstfaches, und kärnten wird ehrlich.

kärntnataxi

die alte gräfin, wie sie sie nennen, sie wird bestimmt heesters (anm.: korrekte bezeichnung für unbestimmt überalt), bei der gallenkonzentration in ihrem vorgeblich blauen blut. im restaurant, in das sie zumindest täglich kommt, hat sie ihren winkerlplatz, sodass man ihre knappen befehle gut durchs gewölbe hören kann – sie benutzt eine nur von ihr belegte frequenz -, auch ihre halblauten kommentare zu den regenbogenbunten informationen aus dem lesezirkel am kamin. von zeit zu zeit (die abstände verkürzen sich mit ihrem zunehmendem damenspitz) teufelt sie ab, genau so, wie man sich als kind die knusperhexe vorgestellt hat. beim zahlen dann die augenzwinkernde frage des obers: a kärntnataxi, frau gräfin? sie nickt, energisch, und lallt: bei mia gibts nua a kärntnataxi, dos wissn sie doch eh, in a aundos steig ih do goanit ein! zehn minuten, in denen sie nicht weiß, ob sie sitzen oder stehen soll, muss sie warten, dann kommt der schwarzhaarige echtkärntna, sie hängt sich bei ihm ein, und sie verlassen den salon.
der ober, befragt, achselzuckend: jaja, sie werde eh kaum mehr von taxis mitgenommen, etliche verweigerten ihr bereits die mitnahme. und wenn sie erführe, dass er in seiner herkunft ein halber tscheche sei, sie würde sich nicht mehr von ihm bedienen lassen, gonz sihalih nit. – ob man ihr nicht einfach hausverbot geben solle, und die sache hätte sich? – ja, eh, sie haben schon recht, und das ist ganz meine meinung. aber die würde so einen wind machen, was glauben sie was das für ein skandal wäre in diesem land.
d a s  ist der skandal. es wäre nämlich so einfach.

machet weiter so!

ein beispiel habe ich euch gegeben
angeblich original messianische überlieferung (übersetzt)

der junge mann damals sei durch die watschn des nachmaligen bischofs aufgewacht, sie habe ihm nicht geschadet, nein, und heute sei er selbst priester.
also um des heuchelhimmelreichs willen wurde und wird getachtelt, hergebindert, gestreichelt und hygienisiert. und grad jetzt geht das grad so schwer, es unweitergesagt zu tun. kein wunder, dass die seminare sich weiter leeren, wenn keine buben mehr erweckt werden können. man führe einen kirchlichen watschentag ein, am besten zum fest des hl. elmar.

fastenhirnspeise

scheiße, warum sind die österreicher, grad die idealtypischsten kroneleser und strachewähler, immer so scheißfreundlich zu den frischgeschleppten passvertauschern und reingarnichtsverstehern in den chinarestaurants? ihr bestes holperhochdeutsch und das braziligste lächeln bis zu den sechserzahnlücken holen sie hervor, so echt freundlich sind sie, bi-tte ain-mal hüh-ner-flajsh tshop su-e-i mit la-is, hihi, es ist zum glutamatspeim, verdammt!
man selber auch, danke für den pflaumenwein!
so weiß man wenigstens den grund des spontananalabortus.

zugtiere

die waggons des wieselzugs bei der einfahrt in den sackbahnhof, wie sie von gleis zu gleis über die weichen schlenkern und dabei jaulbrüllzen, alswie ein seehund oder eine robbe im erlebnisaquarium, wenn sie meinen, ein kunststück bestanden zu haben und jetzt bitte aber schon schön schnell einen frischen fisch verdient zu haben. oder otter, das sind ja auch so wiesel, und bei den karpfenbauern im waldviertel aber sind sie nicht so beliebt, ja es sind regelrecht verhasste tierchen, obzwar ihnen so gern das eigenschaftswörtchen possierlich zugedacht wird: die possierlichen otter, man möchte fast sagen ötterchen.
(oppossums werden eher nicht als possierlich apostrophiert. reiher auch nicht, weder fisch- noch zwei, blaue zumal mit goldenen knöpfen und kapitänsmützen drüber.)

Jojo (als ja, ja)

Und Philemon und Baucis sind nämlich gar nicht so alt. Man kann sie, mitten im Leben stehend, antreffen, in Paaren etwa, wo er, wenn sie fragt, ob er wisse, wie spät es sei, dies nicht nur bejaht, sondern auch, ungefragt, mit der korrekten Zeitangabe antwortet; oder wo beide die gleiche (gleichfarbige) Zahnbürste verwenden.

Und so weiter.

ausblick, dental

unvermittelt war er wieder da, und wieder in der nähe des unzugänglichkeitspols, sein zahnschmerz (es war ein sehr persönlicher), linksoben sechs oder sieben, und, vor allem: dumpf darüber, bei und um die wurzelspitzen. dabei hatten sie (er als schweigender hinhalter, der zahnarzt seines nachwievor uneingeschränkten zutrauens als drinnenherummacher und redner) alles so schön gerichtet, wie es aussah. so schnell aber würde er nicht aufgeben, jetzt noch nicht, es würde noch lange dauern, bis er von mentadent auf rent-a-dent (samt kukident) umsteigen würde, übte er sich in zweckmäßigem optimismus und trainierte im geiste sein schönstes zahnlückriges lächeln und dachte dabei an die ferne geliebte, das half.

ohne worte / senza parole

non parlate all’autista
hinweis für reisende, italien

der einigermaßen psychologisch gebildete weiß es ohnehin: es wäre zwecklos. undaber gerade im dochmitihmreden, immerwiederreden bestünde die heilungschance.
sein fahrstil zwischen den beiden nichtorten piombino und campiglia mma. macht seiner berufsbezeichnung alle ehre. grün und grußlos steigen die passagiere aus und um zum zug, plaudern mit dem conduttore, buongiorno.

viel zu hoch

beim wiederaufnehmen seiner studien und dem damit verbundenen eindringen in die elektronischen innereien seiner universität, musste er feststellen, dass er ende der 80er-jahre für drei jahre auch das konzertfach trompete (!) studiert haben musste, ganz ohne es selber bemerkt zu haben.
die einzige nähe zu einem professor der klassischen trompete war die zu einem kleinwüchsig kurznamigen (inkl. spitzname) mit sehr langem titel am zimmer vor seinen audienzräumen, der sich selbst der – musikalischen – sm-szene zurechnete (swing & musical), mit fug & recht allerdings, denn bei ihm wurde mittwochs gnadenlos um punct acht in der früh zum morgendlichen dixielandgetröte vlg. interpretation von werken des historischen jazz eingezählt. welche interessen (so es welche geben könnte) könnten mit so einer anmeldung (noch dazu ohne aufnahmsprüfung) verbunden gewesen sein? – seltsam, sehr seltsam.
jedenfalls war er bereit, ohne alle scham zu bekennen, nicht annähernd trompete studiert zu haben (viel zu schwer und laut und hoch für ihn tumben tromboniste).

bumsti!

bumsti!
Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit

Der Italiener, und damit ist er dem Österreicher nicht unähnlich, hat einen Hang zu spezifischen Diminuitiva, also Verkleinerungs-, ist gleich Verniedlichungsformen. Die Gaskartusche für den Ofen oder (wahlweise; wenn du eine in Reserve hältst, gehen beide gleichzeitig aus, samstagabends, versteht sich) den Kühlschrank, wird, ihrer Form und wohl auch ihres Potenzials wegen, sehr familiär la bombola genannt, also Bömbchen (dt.) bzw (austr.) Bomberl.

Ins assoziative Zwangsbild tritt das Urnderl, also Ürnchen, was bei Vergnügungslotterien bekannterweise eine Tombola genannt wird, nämlich das zur zweifels- und betrugsfreien Siegerermittlung unabdingbare Behältnis.

(Das sonntägliche Leichenbegängnis indes war eine dem Katholischen gemäße reguläre Erdbestattung, die Siegerin stand Tage voraus bereits fest.)

suum cuique

natürlich, man würde dem aus dem mittmärzlichen bestemmwinter in den elbischen vorfrühling enteilten bei seiner rückkehr die frage aller fragen an heimgekehrte stellen (heim? was war denn das? wer machte die vorgabe, was das zu sein habe, wonach – um es latinisiert auszudrücken – es ein sich zu sehnendes sei, sein müsse? – schollenpathos, überkommenes!), die frage also nach dem wetter. eingedenk (bleiben wir im so entsetzlichen altaltphilologendeutsch) des tageweisen heizenmüssens würde er es sich jedoch nicht verkneifen können noch wollen, die antwort der antworten an die zurückgebliebenen abzuliefern, die da zu lauten hatte: naja, am abend dann hat man schon ein westerl brauchen können.
so bekam jeder, wonach ihm verlangte und alle waren glücklich insgeheim unzufrieden. man war also wieder daheim.

existenzen, raschelnde

in der übung, es war eine nachgerade zenische, wer es länger (besser eigentlich: als ganzes – vermutlich inkl. puls und atmung) in völliger reglosigkeit aushalten könne, musste er feststellen, dass er den eidechsen nicht im entferntesten ein tauglicher wettkampfpartner sein könne. obwohl, auch in seinem erweiterten bekanntenkreis gab es lebende arbeiterdenkmäler, die, so betrachtet, den reptilien zuzurechnen wären; auch sie raschelten bei ihren einem wie plötzlich erscheinenden bewegungen: das jausensackerl (früher einmal: butterbrotpapier) verriet ihre vitalität und die bereitschaft, aktiv etwas zu tun, damit ihr leib am leben blieb, malzeid.

beuget die knie (und was recht ist)!

padre pio, der patron der abergläubigen (deshalb ist er garso populär) und der bigotterie, zugleich immerwährender pate der transport- und betonmafia, mit seinem kindchenschematisch vom eigenen herzigsein (zum knuddeln und irgendwie wie aus lebkuchen) verklärtem antlitz (deshalb ist er garso populär). herr berluskoni spendet ihm täglich eine kerze; er wird noch lange regieren.

nur falls

… quando fa caldo sotto la sotana
kompositionstitel, johann karl steiner (ehem. stiftszögling, seitenstetten)

wenn er den buben schmerzen und traumata zugefügt habe, dann tue ihm das leid, so sehr konditional der pater, kuttenvater. jedenfalls aber, so fügt das (eines der) kremsmonster hinzu, er möchte ihnen schon allen ausrichten, dass er sie alle schon sehr gern gehabt habe.
danke auch und gern geschehen, denken sich die derart hingehaltenen vormaligen hinhalter.
gehts eh noch?! (wo bleibt bitte der bewährte terrygilliamfuß bzw. die fünf tonnen von oben?)

hinterglas, andersrum

die vertreibung in das paradies. man betrachte nur die diversen himmelundhölleszenarien, um sicher (ganz sicher) zu wissen, wie unendlich (ewig) fad, dröge und eindimensional abwechslungslos es zu seiner rechten zugeht. im vergleich dazu die äkschn im höllenreiche, heißa und juchei.
und z.b. böse hochgeistliche kindafazara können ohnehin eoipso nichts dafür für was für sauereien sie qua system an wehrlosen verbrechen. zur strafe aber müssen sie dann auf ewig im himmel lauwarm dahinschmoren, alswie ein hansi oder kalter bauer, brrrr und äčbäč.

freispiel

das ist der teu
fel si cher lich

emanuel schikaneder, die zauberflöte

also der vatikaninisch-exorzistische aufruf an alle schweinsbeidln, wenn sie ihre organisierten schweinereien an den ihnen anvertrauten wehrlosen schutzbefohlnen begehen, dass sie zuvor turnusmäßig nicht dem teufel entsagen, sondern dass sie bei gelegenheit irgendwo vor zeugen festhalten, achwas garnicht an ihn zu glauben, neinnein, den gibts doch nicht, altes pfaffengeschwätz sowas, und schon haben sie das freispiel der freispiele, lasset die kinder zu mir kommen, ich kann eh nix dafür, das war nicht ich, das war der teufel sicherlich, dens nicht gibt, har har.
preiset den herrn.

menschenfischer

wir müssen hier von etwas reden, das den aufs lustvollste selbstverwalteten bereich der (in der tradition hl. selbstbeurteilung lässlichen) sünde übersteigt, wir befinden uns im bereich der organisierten kriminalität, gegen deren weltumspannungsmacht, die die nicht erst seit herrn berluskonis gesetzesbeugeübungen einigermaßen ordentlich verbreiteten cose nostre recht klein ausschauen lassen, minimundial nachgerade.
und es gilt, unter allen umständen, weitere potenzielle opfer zu vermeiden. wer etwa als junger unfertiger mensch von seinem katholischen jugendleiter mit, sagen wir: vier vierterln cappy-rum (halb orangensaft, halb achtzigprozentiger strohrum – die deutschen beneiden uns seit ehundje drum) alkoholisiert und handwurschtig behandelt wurde, der trete, auch wenn sich seine verwundungen durch einen baldigen abbruch des kontakts nach erfolgter ausnüchterung in grenzen gehalten haben dürften, vor. zumal es vor etwa neunundzwanzig jahren auch noch andere lieblingsfreunde dieses – bereits erwachsenen – feingeistes und dilettierenden hobbysängers gegeben hat. und zumal er, aus dem einzelhandel spätberufen, den priesterberuf ergriffen hat, und berufungen sind ja heutzutage so selten. damit aber sind ihm menschen anvertraut, auch junge mädchen, sowie etliche zur hoffnung (zu hoffnungen?) anlass gebende gefirmte und ungefirmte knaben.

dranglaubenmüssen (um himmelreichs willen)

der feuerreiter aber war zentraler und selbstgenerierter bestandteil des systems selbst, das auf dem glauben (hier: abschaffung des sexuellen durch negation, zölibatären triebverzicht und freiwillige zwangssublimation) beruhte, aber auch dieser glauben war allzu durchschaubar einem wunschbeschwörungsdenken entsprungen, wie ja all diese sog. glaubensgewissheiten induktiver (vom menschen zum wunsche, wie es sein möge) widernatur waren.
feuerreiter, in genügender anzahl, würden, was zu hoffen war, flächenbrände, möglicherweise die – ohnehin in zungenredlicher angstlust herbeigesehnte – apokalyptische ekpyrosis hervorbringen, wallendes kardinalstugendrot flächendeckend.
und auch der bet-reuer seiner knospbaren jugend (hätte er einen gehabt), wäre er später pfarrer oder dechant oder dem domspatzerlerregens sein bruder geworden, sollte sich schön langsam von selber melden, haha, selbstanzeige für steuersünder, das war doch modern, und gab es tausende datenträger, in denen eingebrannt war, dass so ein armes katholisch verklemmtes handwürschtl triebgesteuert danebengefahren war, mitten hinein nämlich und etliche anvertraute existenzen nachhaltig (lebenslänglich und, werdranglaubte, weiter) zernichtend per sà¦cula sà¦culorum himmökruzifixnuamoi.
(zwischen niederschrift und erscheinen vermutlich bereits triebhaft zu tag gekommenes untertreibend, von kremsmünster, wilhering – ostwärts, linzzu etwa – ists nicht weit, zudem nähern sich diese fronten dezentral, inseln aber wachsen zu kontinenten zusammen. und gilt es stets, weiterem schaden vorzubeugen.)

paululum post (forts.)

schon damals, als er noch regulär studierte (zwanzig jahr wars heuer her), hatte p. diese typischen studienabbrecherbrillen, fiel ihm jetzt auf, und studienabbrecher zeichneten sich ja bekanntermaßen dadurch aus, dass sie jahrzehnte durchinskribierten, ohne unterlass und prüfungs- wie vorlesungsfrei: bruchlos eben.

schneeelba

morgenlich, nein, leider leuchtend nicht, mehr missmutig eher lugte er durch den feigenbaum vorm fenster, der ein essigbaum war, und erst der erregende schneeregen erklärte ihm mittäglich, dass er nicht chopin in valldemossa war, und ein schneeregentropfenprà¦ludium für posaune, was wäre das denn auch, wie rotzglocken am wasserlassventil des posaunenzuges, schneeelbahn zum winterende und vor der küste treibende eisbären oder brecher, und so weit wärs mit den schlittschuhen auch wieder nicht.

elbawärts

dann überquerten sie die elsa. an der brücke der mann im lodenjanker wollte nicht und nicht seinen namen preisgeben. der abend ergraute vom blau, von grün aber keine spur.

gleichmut, toskanisch

durch den schneegebirgsstau über den apennin: entschleunigung als wärs die einstimmung zum eso-seminar. bei der mautschlange dann gibts slowfood, nomenomen a posteriori.

Erregenstag

zabtbitter
erzabend
steck am drecken
drücken duck duck
im regen zabt ein abt
penitenzpenetriert
ein abtstab mit gazellenbart t.b.a. nie

hygienischer Bussvers (kath.)

Vision: Die ganze katholische, achwas, die ganze, alle Kirchen und sonstigen Religionsvereine treten geschlossen zurück, weltweit.
Dann ist auf der Erde Ruh. Und Frieden.

Wer keine Visionen hat, braucht einen Arzt, sagt Derregens.

paralleel

graz, herrengasse. in streng paralleler symmetrie zu den vierfachen straßenbahnschienen werben wehend an holzmasten angebundene rote fahnen für die diagonale.
(thema verfehlt.)

auseinanderdividiert

kettensägenmassaker am praterstern. orfon berichtet, dass die vier involvierten, von denen im übrigen alle locker überlebt haben, in verschiedenen wiener spitälern gelandet sind. trotzdem, die frage drängt sich auf: in welcher aufteilung?
wenn sie dann wieder heimkommen, werden sie sich aber hoffentlich schon zusammensetzen und wieder vertragen, samma wieda guad? so wird es sein. denn der österreicher (im besonderen der wiener) war immer schon ein gutmütiger kampel.

castering

topfterrorist in pakistan gefasst
orfon, 8.3.2010

verlesen, uije.
dabei kann man die eh so leicht fangen, am ausgang der diversen fernsehstudios mit ihren dauerkochwerberbesendungen. oder in ministerien, wo durch schützend die hand über sie haltende landesfürsten überförderte abhauser (die mit ihrem blauäugigblondscheitligem gfries gut für gewisse filme castbar wären) staatsverträge mit deren neffen zu deren ernährung bzw. gesunden mästung abschließen.

Same Seitz but different

Die indertat annähernd identen Zwillingsschwestern an Harfe und Hackbrett bedienten sich konsequenterweise des gleichen Stimmgeräts: Auch dieses unterschied sich lediglich um die Fabrikationsnummer.

speibbs

selbst um halbdrei nicken sie freundlich und devot, wenn du reinkommst und fragst: beim chineser kriegst du immer noch was zu essen. und ist es grad da besonders schön, weil sie sich, nachdem sie dich als letzten gast bedient haben (ein kurzer blick aufs buffet bekräftigt deine alacarteentscheidung), so nett und asiatisch familienintakt zum eigenen mittagsmahl versammeln. diesmal aber (in scheibbs wars): pizza ausm karton. die werden schon wissen. fluchtartig und über den umweg zur dringlichen toilette verlassen wir die stätte. die glückskekse mit ihrem gewaltigen potenzial bleiben ungeöffnet.

nüchtern betrachtet

Das Geheimnis der Liebe endlich und endgültig entschlüsselt hat ein für seine sachlichen Recherchen bekanntes austropatriotisches Blatt. So läuft auch die Ehe Unverheirateter wieder wie am ersten Tag.

Notieren wir doch das Datum, als alle Romantik fahren gelassen wurde: 1. März 2010, faktisch Frühling.

Soviel zum Frauentag. Aus partnerschaftlicher Sicht.

rosenumkränzt, ungebeten

schönborn: rosenkranz „nicht wählbar”
orfon, 5.3.2010

aber lieber herr kardinal, der ihr selbst für ernst fuchs, diesen fürst unter den malern, unmalbar seid (den kann ich nicht, der hat mir ein zu gütiges gesicht – nicht aufgrund von du sollst dir kein bildnis machen), wir wissen das doch schon längst (zumindest seit ihrem so marienverliebt knabenfreundlichen vorgänger im erzbischofsamte), nämlich, dass es gar keine wahl bezüglich rosenkranz ja oder nein gibt, weil den rosenkranz muss man beten, da gibts gar nichts zum herumfackeln.
reihen wir uns also ein mit allen legionärinnen dieser welt zum großen sühnekreuzzug, und entweder der siegreiche oder der schmerzreiche wird gebetet werden 25. april, und könnte man das wahldatum fürs gebet nicht vorverlegen auf den, sagen wir: 20. april?

aushelfen, dringlich!

arbeitslose sollen beim heer aushelfen
orfon, 4.3.2010

da haben wirs, und staatlicherseits geben sie es schon zu: das heer der arbeitslosen. auch diesem begriff werden nunmehr völlig neue, bislang ungeahnte bedeutungen zugewiesen (vgl. webgasse, austria email u. dergl.). die frage ist: rückt dieses heer aus oder ein? und, wer dabei war, weiß es: es gibt derart wenig zu tun, dass arbeitslose mit sicherheit beim bundesheer perfekt aufgehoben sind. und wer lust auf eine spritztour hat, der kommt sowieso.

österreich ist sicher.
(anmerkung/fragen: warum schaut der bebrillte panzerkommandenat aus wie der herr verteidigungsminister? und was will es bedeuten, dass das kettenungetüm beim nach rechts wegfahren abkotet, ja, sagen wir es so: gackt?)
jedenfalls aber, wiederholt seis: österreich, sicher.

wie am schnürrchen

reizende kätzchen abzugeben!
nur wohnungsplätze!

kundmachung, geschäftsauslagenfenster, wieserfeldplatz

… und gerade im sich verschiebend heraufdräuenden frühling gilt es vermehrt darauf hinzuweisen, dass unsere immer herzlosere gesellschaft allzuwenig für (bitte einsetzen und nichtzutreffendes streichen; zur auswahl stehen: die armen tiere / unsere senioren / sich alleinerziehende mütter / obdachlose / asylwerber / allergiker) tut.
und naht ja schon der palmkätzchentag, miaooo.

rangierrevier

stationsaufsicht
passionsfrucht
stationsfrucht
passionsaufsicht

ubahn, kalvarienberggasse (noch zu errichten)

verschieben aber tut man züge oder valuten (die tut man schieben, worauf schon der große georg kreisler im ausgesprochen schönen heinrich hinweist: sie verbluten für dich, schieben valuten für dich…)
wer aber weder ausgesprochen schön ist noch, zugleich, heinrich sich heißt, soll, umgekehrt, auf der hut sein, auf dass er nicht verschoben werde alswie ein tankwaggon auf ebener erde, der zuvor leergepumpt worden ist. oder versetzt, wie altes zahngold.
auf sei der hut, und es ist keine gefahr.

wirbelfest

das herabstufen tropischer wirbelstürme geht nach und nach, sie verlieren auf ihrem wuselweg an kleinen unbewohnten inseln oder durch ansich unbedeutende abkühlungen des meeres unter ihnen unerwartet stark an zerstörungskraft, während sie zuvor in amerikanischer angstlust sehr schnell ganz oben angesetzt wurden, es könnte ja aaah! einen rekordwirbel geben, lawinenwarnstufe 6 von 5 für stürme, und dann würden alle umso stolzer vergehen, im dienste der patriotischen sache gewissermaßen, und wer papierener wollte denn bitteschön von einem lüfterl nur erfasst und niedergeschmettert werden, das es nicht auch zu einem hollywütigen blockbuster brächte?
selber aber, wie könnte man sich davor schützen, vollends durcheinandergewirbelt zu werden?
festzurren und – ja, das geht! – selber die sache herabstufen, ihr ihre wichtigkeit nehmen, das hemmt seiner kraft die nahrungszufuhr. und allemal besser sind mehrere kleine, ja, belebende lüfterl, als ein völlig devastierender, eo ipso rücksichsloser orkan (die natur hat nun einmal keine moral u. dergl.), so reizvoll sein spiel auch sein mag – streng ästhetisch betrachtet, versteht sich.
und sind wir ja nicht, keinesfalls, in den subtropen, so ein glück. bei uns weichen allemal noch die winterstürme, möglicherweise sogar dem wonnemond.

interessante frage

wenn er musik höre, so als ganzes, ob das etwa so sei, wie wenn andere ein buch läsen?
er jedenfalls würde nicht müde werden daran zu arbeiten, beim stummen lesen von musik, diese besser zum erklingen zu bringen, innen. und, in der folge, nach außen auch, oja.

frühlingsmütter 2010

liebe mba,

erster märz, mit einemmal ist alles olympische von uns abgefallen, vor allem von uns österreichern, etliche andere sind nämlich um etliches weiter geflogen aber kürzer gefahren, haben uns die ansich uns zustehenden ersten treppenplätze, die ja die letzten treppenplätze sind – ganz hinauf müssen die klettern, nachdem sie sich eh schon beim sporteln selber am schwersten und immerhin effizientesten geplagt haben – wegeschnappt, vorenthalten, ja, gestohlen, wir können unsere sportlichkeit, den sog. olympischen geist, vor allem im sog. alpinen nicht durch gönnerhaftes schulterklopfen und staunen über die doch schon beträchtlichen leistungen der anderen, genetisch nicht so fürs schifahren ausgestatten nationen (schweiz, deutschland, italien, slowenien, kroatien, norwegen, finnland, schweden, usa, canada, marokko, jordanien) ausdrücken, verdammt, schafft doch all diese wettbewerbe ab oder unterdrückt hinkünftig informationen zur herkunft der gladiatoren, die sollen einfach für sich selber fahren, springen, schlifitzen oder geschliffene granitgewichter mit griff aufs eis schlenzen dürfen und uns bliebe das chauvinistische dummsprech in den massenzeitungen und fernsehkanälen erspart, oder, besser, weil erstens durchführbarer und zweitens und vor allem lustiger: engagiert doch bitte harry rowohlt als sportreporter, der kann von sich – glaubwürdig – behaupten, dass sein ausländerhass durch seinen inländerhass bei weitem aufgewogen wird, wenden wir uns nun aber wichtigeren, der warmen jahreszeit zugewandteren informationen zu, tiger woods nämlich, ein verwandter der tigerente, manche meinen, er sei gar die tigerente selber, und hölzern steht er ja auch da, wenn er mit seinem durch meine schuld, durch meine schuld, durch meine große schuld vor den medien abbitte leistet, dass er seine verfehlungen nicht vor ebendiesen auch begangen hat, so schönes bildundtonmaterial hat er uns vorenthalten, wofür er deeply um entschuldigung bitten möchte, er aber verliert einen weiteren sponsor, wir müssen uns sorgen machen um sein durchkommen, über die runden kommen, lasst uns also sammeln für die golfspielende tigerente, verbunden mit einem generellen aufruf zur ruhe verdammt noch einmal!

tut das gut. endlich ruhig.

das wird aber nix. draußen nämlich, wenn ich nicht in der seltener besuchten, ein gutes schwaches halbes jahr schon nimmer bewohnten großstadt weile, das ist ein gezwitscher und getschilpe, ein pfeifen undaber kein singen, weil auch sogenannte singvögel (wie alle rabenviecher; zu denen, wieder einmal, später) singen nicht, und wenn, dann mit schlechtester textverständlichkeit, nicht einmal messià¦n hat das ganz zu transkribieren vermocht, allerhöchstens als vokalisen könnte man das bei bestem willen korrekt bezeichnen, und gilt es doch die wirklichkeit korrektest möglich abbildende worte zu finden, dazu selbstredend die entsprechenden fußangeln, pardon, -noten, ich gelobe mich zu bessern, abermals. draußen nämlich also schreien die vögel die krokusse herbei, brüllen die knospen an den zweigen in lauerstellung, der gosecker ginkgo etwa, ein riesenbonsai, den schon goethe gesehen haben soll (wenn er ihn nicht gar gepflanzt hat, was hat goethe nicht alles gesehen und gepflanzt mit seinem holden belebenden blick?), ist von präprotuberant-pubertären pickeln übersät, er kann es gar nimmer erwarten, bis dass er seine zweilappigen blätter an die luft lassen kann, ahh wird er sagen (auf ginkgisch) und über naahhcht ergrünen, so ist das nämlich, wenn auch noch nicht gleich und dann erst noch eine stunde später, wie das halt ab ende märz so ist sommerzeitbedingt.

großstädtisch aber haben längstschon die krähen alles andere getier vertrieben, sie bleiben das ganze jahr über vor ihren fleischtöpfen ägyptens, welche bei ihnen die müllhalden der zentraleuropäischen peripherie sind, nachts kehren sie von ihrer arbeit heim in die bis dahin stillen hinterhöfe und auf die platanen der parkanlagen, hugo wolf ist vor 150 jahren geboren worden, mahler auch, dem aber hat man in wien keinen park gewidmet, dafür durfte er (wolf) nicht hofoperndirektor werden, er wärs aber gerne geworden und hat dem mahler einen bösen bösen brief geschrieben, irr und wirr vor krankheit. in den kanariknasten bürgerlicher wie auch proletarischer haushalte aber werden in absehbarer zeit auch krähenvögel einziehen, rälfe und hanshuckebeins allesamt, die hansis und bubis werden letztlich selbst aus den wiener kleingartenanlagen verschwinden, keine zukunft auf der schmelz, und jetzt ists dann aber wirklich zeit für den frühling, in dem ich sie und uns alle vorfrühlend willkommen heißen mag.

wird schon werden. und nicht lang wirds dauern, da werden wir jammern, zweng derana hitz.

drinnen aber ists angenehm temperiert. kommen sie also zu meinen – wenigen, dafür feinst abgestimmten – konzerten und klangpräsentationsereignissen, nach salzburg in die franziskanerkirche, die max gandolph-bibliothek oder ins museum der moderne, nach klagenfurt in den dom zu pergolesi, nach wien in die alte schmiede oder nach fels am wagram zum wimmer czerny. und sonstnochdaunddorthin. steht ja alles rechtzeitg auf muetter.at in der vorschau.

und aufläufe und fleischtöpfische ruhekissen aber sind zu meiden, ja, fliehen, wenns auch unbequem sein mag. ist aber besser so.

ihnen aber jetzt viel ruhe und einen angenehmen frühling, ganz ohne aufmärsche u. dergl.,

herzlichst, ihr

bertl mütter, steyr und sonstwo, ende februar 2010


service

– vorbei ist vorbei.

– mütterlog (täglich, seit 1.12.2004)

– kaufen sie tonträger.

– konzerte, workshops, symposien: finden sie alles rechtzeitig auf muetter.at.

– der nächste mütterbrief kommt zirka am 1. juni 2010 zu mittag.

haschemithilfe

es war längst schon finster, gegen ende februar, der opernballabend war es, im ersten drittel der prater hauptallee, wo man ein weißes partyfeldherrnzelt aufgestellt hatte, um für den sommer-opernball zu werben, der ab diesmal genau ein halbes jahr vor dem jeweils zum faschingsende stattfindenden abgehalten würde, eben hier in der prater hauptallee, noch mehr society-event, bis zur f-prominenz hinab wollte man seinem grußtuerisch sich gebenden publikum einen ort zur selbstbetäubung des esgeschaffthabens geben. etwas seitlich abseits, es muss in der halle des – alten – bahnhofs wien nord am praterstern gewesen sein, war ein fleischer, und direkt neben einer vitrine mit halbfesten würsten sollte ein rind geschlachtet werden. das gelang nicht, und das tier (vermutlich schon ein stier, aber im körperbau nicht so vor energie berstend) machte sich los und rannte allen (allen!) hinterher. ganz egal wo man sich in sicherheit bringen wollte, das laufen nutzte nichts, immer war das tier hinter dir, die waden schmerzten schon vom vergeblichen davonlaufen, und eine panik ergriff alle, sie griff über auf die hauptallee und, wie die flämmchen beim anzünden eines gasherdes, aufs ganze land: ganz österreich flüchtete vor dem zum angriff übergegangenen rindsvieh, es wurde der gesamtstaatliche notstand ausgerufen und bis zum ende des folgemonats wurde österreich kommissarisch von jordanien regiert, menschenmassen gingen in steter flucht auf hügeligen vorfrühlingslandstraßen, ein trek wie ein großer fitmachmitwandertag, aber in angst, und warum es jordanien, ausgerechnet jordanien war, das die lage wieder beruhigen sollte, muss ein rätsel bleiben. das tier, dessen aufgabe es gewesen sein musste, die einsetzung der haschemiten in wien durchzusetzen, indes verschwand ins nirgendwo. es gab auch keine verletzten.
wie es im april weitergehen wird, weiß keiner.

spinnenfraukusssorgen

was nun aber das gemeinsame des weberknechts mit der fieberblase sei, darauf würden aus einem anderen deutschen sprachraum stammende von selber nicht kommen, ganz sicher nicht. weiters bedächten nur wenige, dass kein weberknecht (er spinnt nicht, webt nicht einmal) je für die staubübersäten spinnweben wenig bewohnten gemäuers verantwortlich sein kann. wievielweniger erst für fieberblasen.
er jedenfalls war von allen anfängen darauf konditioniert, drüberzublasen: franzbranntwein drauf und geht schon: tätärätää! und: lippenkrank, das war etwas für tachinierer und militärmusikanten.

aussetzung des allerheiligsten

am klagenfurter flughafen (der tägliche flug steht bevor) haben sie derart zahlreiches (und freundliches) securitycheckpersonal, als gälte es, die urne des landeshauptmanns zur himmelauffahrt zu bringen.
(der kapitän hieß, demgemäß, frankenstein.)

wohnstatt, karmakonform

woran es wohl liegen mochte, dass künstlerzimmer in den ihnen gebuchten hotels ausschließlich neben dem aufzugschacht zum taxistandplatz hin (mit ganzjährig laufengelassenen motoren bei gleichzeitig ewigem stillstand) lagen?
er würde schön langsam beginnen, sich um ein besseres karma umzuschauen. und bitte rückwirkend, also für dieses, diesseitige leben, wenns geht. aber immerhin, der lift, ein aufstieg, und alle so freundlich.

knödellager stephansplatz

als er in die ubahn kam, stank es am bahnsteig nach pferdedreck. der einfahrende zug aber war dennoch kein fiakergespann. wo waren aber die pferde oder zumindest ihre toilette? und: womit wurde die ubahn eigentlich betrieben?

metallbeißhemmungslos

es kommt immer besseres nach.
sinnspruch

obs ein teil des olympischen schwurs ist, dass die medaillengewinner diese in einer jämmerlichen geste anknabbern müssen, fürs foto, so ein entsetzlicher blödsinn, sie sollens vonmiraus gleich aufessen, damit auch alle überzeugt sind, dass sie sich freuen, na was denn sonst, lebenshöhepunkt und so, und von nun an gehts bergab.
was unbedingt gegen jedwede olympiateilnahme spricht. wie ja auch der herbeigerufene schönste tag des lebens als drohendes verdikt über jeder eheschließung schwebt, was ebenso unbedingt gegen jeden auch nur gedanken auf eine eheschließung spricht.
es kommen immer bessere nach (ist im plural neutral, gewissermaßen).

vor dem beben



ich habe einen stempel!
– ich nicht
– – ich habe ein stempelkissen!
– – – ich stemple gern!
– – – – reden wir darüber?
– – – – – wann ficken wir?
– – – – – – heil antifa

ferngespräch (zeitversetzt), häuslwand, cafà© eiles, wien

eine direktere konsekutivität als dieses eindrucksvolle dokument, wie schnell es in östereich politisch werden kann (sieben stufen!) ist schlichtweg unvorstellbar. eher noch der nicht völlig unpenetrante pfirsichduft (in der warmen jahreszeit erfahrungsgemäß duftiger, in der nase cremiger).
in österreich brodelts. soistes.

big business

wo gehen ich
liegen spucken
wursten von hunden
saufenkotz

ich denken müssen
in mund nehmen
aufschlecken schlucken
denken müssen nicht wollen

ernst jandl, franz hochedlinger-gasse

und das sicherste mittel, z.b. in wien, nicht in die hundescheiße zu steigen, wäre, selber so ein vermaledeites vieh an der leine zu führen.
jenen soziopathen aber, die immer noch glauben, ihre scheißköter aus ihren därmen aufs erbärmlichste stinkschläuche auf den asphalt pressen lassen zu können, ohne dieses geschäft dann wegräumen zu müssen, mögen die jandlschen visionen wahr werden, hundertfach ernst.

gefriergetrocknet

zwar ging die historische heizlampe links oberhalb der klomuschel nicht, aber es machte irgendwie ein gutes gefühl, während man auf der brille anfror. ja, ein wärmendes, so absurd das klingen mochte. und, immerhin, ob der kälte blieb die ausscheidungszelle zumindest den ganzen, mittlerweile – in dieser hinsicht nicht – vielzulangen winter nahezu geruchsfrei. und das bananenbild an der wand neutralisierte – auch thermisch – zusätzlich.

naturnah

die mittelsüdostasiatische ziergrotte an der nordinnenwand des vietnamesischen restaurants in der märzstraße, es tropft wenig sauerstoff einbringend ins kleine bassin, die goldfische schnappen nach luft alswie waldviertler karpfen oder die sibirischen amure vom waldschacherteich beim abfischen im herbst, nur kleiner.
vorstellung, mit einem flamingo an der leine, wie es sie bereits südlich von cagliari im brackwasser gibt (die f., ohne l.) den das bassin angrenzenden speisesitzplatz einzunehmen (flamingos stehen lieber; man wird also den sessel zur seite stellen.). der flamingo ansich ist ja bekannt für seine perfekten fischmanieren – kein vergleich zum allzuderben pelikan.

mondkalenders doppelletterdilemma

aussaattermineevaluation. ohne die nämlich geht gornix, willst du für vollmündigen verzehr ernten einstmals. – was für monde hat eigentlich der merkur?, fragte sich der friend-of im off.
mondlos, voll mondlos. (auch bei vollmond, anderswo; achja: wie müssen wir uns den vollmond am jupiter vorstellen? – und: welchen?)

Wider Betätigung

Betätigen der Schalter durch Unbefugte wird als Bahnfrevel bestraft!
Warnung, ÖBB

Bahnfrevel, was für ein wuchtiges Wort, es ruft zu uns aus einer anderen Zeit, klingt alttestamentarisch, als wärs im Zug der Israeliten gestanden. Bahnfrevel, Grabschändung, Blutschande. In jedem Fall droht eine standrechtliche Hinrichtung nach Strich und Faden, womöglich in Mantua, oder in Banden, oder am Karl Marx-Hof, weil wo kämen wir da hin.

Österreichs nichttotalitäre Oberfläche ist dünn wie die Haut vom Gaugau, genau.

schneeuntertreiben

es sind uns keine stifterschen symphonien überliefert. sie hätten auch die dimensionen von hochwalddurchquerungen. gehst du also im schneetreiben auf oder über die grebenzen, wobei du bei der schönangerwirtin auf einen reindling und einen jagatee (nicht zu verwechseln mit dem abgestanden tauchgesottenen schmelzwassergesöff brüllender schihütten) einkehr halten wirst, eine kluge frau ist das, so unvermittelt mitten im schnee (sie könnte auch die frau holle sein), so stapfst du entweder schweigend mit der imaginierten stiftersymphonie bergwärts oder aber du nimmst dir die 76er aufnahme der neunten von den salzburger festspielen mit im ohrenscheuklappenhut. drei sätze. bruckner, karajan, die wiener: die möglichkeit einer vollendung. weil bruckner, das ist stifter in musik.
so ein glück, das hier nicht nur ein gefühl ist, sondern viel mehr.
viel mehr, was für eine untertreibung.

bitte zurückrufen!

zusätzlich zum rückruf aller autos werden demnächst auch alle schuhe zurück in die werkstatt gerufen: bei einigen schnürsenkeln, aber auch zippverschlüssen und schnallen können sich unter gewissen umständen unhaltbar lockere zustände ergeben, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass man, wenn man etwa dem autobus hinterherläuft, unbeabsichtigt ihrer verlustig geht, sehr witzig. eben.
… aber hinter welchem autobus? sind die nicht auch dann schon alle längst eingezogen?
bliebe noch, eine cycling tour zu unternehmen. wenn sich die pumpe nur nicht beim hosenbein verfängt:

¡holla frau holle!

polizei stellt 200 kilo kokain in wien und nö sicher
orfon (letzte meldung), 10.2.2010

womit der bedarf für die nächste zeit gesichert wäre. die wiener szene kann beruhigt aufschnaufen und sieht sich gelassen aufgekratzt die breite weiße straße in den frühling hineinziehen. und im april, wie schon der herr prinz wußte, kann es auch noch manchmal schneien.
ach polizei, du freund und helfer!

zahngst

angst vor dem zahnarzt sinkt mit sozialem status
orfon, 9.2.2010

… aber das ist ja in schweden, für uns gilt das nicht, gell? und zum glück gibts ja bei uns keine rechte oberschicht; man würde sich hüten, dazuzugehören: dieses bangen und heulen und zähneknirschen, wenn der halbjährliche vorbeugenistbesseralsheilentermin heranrückt.
also soo gut gehts uns doch gar nicht, das hat sich doch schon längst herauskristallisiert. eine allfällig überfällige angst vorm friseur fönfrisierter altfinanzministerieller defraudanten sei jedenfalls gesondert zu untersuchen. aber haare  tun ja bekanntermaßen nicht so weh wie dentale hohlräume. zumindest nicht den sie in die szene tragenden.
soviel zum valentinstag.

untermalt (abermals)

nur weil du nicht paranoid bist,
brauchst du nicht zu glauben,
dass sie nicht hinter dir her sind.

sinnspruch, poesiealbum

das würde ein harter tag werden. schon in seinen träumen (war er auch – an sich beglückend – geflogen, so war er dabei stets auf der flucht gewesen) hatte er es gewusst. da zog er sich, der ruhe und des konzentrierten arbeitens wegen, in sein kloster in den bergen zurück und wurde tagtäglich punkt sieben von pressluftunterstützten stemmarbeiten direkt unter seiner zelle ins halbbewusste gebröht, die zweite hirnhälfte wurde vom nebenan mit seiner tuba christliche hymnen desorientiert intonierenden pater stefan aufweckbetäubt, das klang, als hätte er eingespeichelten oblatenpapp im mund. um sich abzulenken, studierte er ein paar über nacht hereinkommene emails, zwei programmankündigungen schmetterten ihn, den bereits am boden liegenden, endgültig hin: ein veranstaltungshinweis mit hinausposaunt und, natürlich seine hochsensible musikalische gestaltungskunst direkt betreffend, das unvermeidliche untermalt.
man sollte weniger empfindlich sein und alles wäre einfacher.
schon gut. aber dann wärs die musik auch: bleampalad, plump, hump oder dump, für die derrischen, das wäre zudem demokratischer, weil der überwiegenden mehrheit gerecht.
da behaupte einer, die kunst solle nicht abgehoben sein!
um es klarzustellen: er liebte es kontakte herzustellen, zu verbinden, communio. und pater stefans gegenüberübungen stand (oder lag) er voll sympathie gegenüber.
viertelneun. alles still. ’sgibt kein gebrumm. vollendetes silentium.
auf, auf!

was könnte ich werden?

waffenlobbyist mit gut und unschuldsvermutung!, entfuhr es wie aus der mp geschossen seinem altklugen kindermund, so ein gescheites kerlchen aber auch. borges muss auf ihn in seiner universalgeschichte der niedertracht vergessen haben. nein, hat er nicht. die literarisierung, sie wäre einer veredlung, mithin verharmlosung gleichgekommen.
was geht in einem solchen menschen vor? – aber was haben sie denn, ist doch alles streng legal und was legal ist hat auch moral, das ist doch normal.
tüpen gibts, die sind zum speim.
soviel zum 12. februar. (es gilt, zumindest beide seiten auszurüsten, zuzurüsten, je nachdem.)

es is wos gscheng

3.000 hühner auf dem weg zum schlachthof tödlich verunglückt.
apa

… das können nur max und moritz gewesen sein!

es muaß wos gscheng

Bäuerlichen Schritts wankten die Landjugendlichen in die, wenngleich inkorporierte, so doch merkwürdig extraterritoriale Zeitgeistvinotheque. Ihr Bellstimmenbelfern schien direkt aus einem Egger-Lienz-Gemälde herabgestiegen zu sein, hätte sich die Szenerie im ost- oder im südtirolischen Puschtatol begeben. So aber gab man sich grebenzensteirisch (mit diesem gewissen kärntner Einhauch), und könnten sie in ihrer samstagabendlichen Dumpfbackigkeit für irgendeine große Idee (für die es sich lohnen würde) ins Feld ziehen, sie würdens glatt und ohne mit den Wimperwülsten zu zucken, mir no an Weißn mid Rum, ja genau, Kruzifixe in alle Autos, statt oder besser: zusätzlich zum gleichermaßen verpflichtenden Wunderbaum.

Speiset den Herrn!

Die Wurscht als solches
hat prozentuell
um die wenigere Hälfte mehr Fett
als die andere

Padre Latrini, Seitenstetten, etwa 1980 (überliefert von J. K. Steiner)

Was es nicht alles zum Essen oder Trinken gibt, das uns deshalb schmecken soll, weil es sich mit dem Namen eines Großen schmückt, sich auf ihn beruft. Populär etwa sind Mozartkugeln, Bachwürfel, ja, im Konfektbereich hat es sogar Webern (in Mittersill, woauchsonst) zu einem (in jedem fall postmortalen) Webernzigarrl gebracht. Weiters warten wir auf Weberwaffeln, Glinkagolatschen, Dittersdorffdatschkerl, Brucknerbuchteln und Chopinschöberl, letztere als nicht mehr ganz so süße Suppeneinlagen, und wo bleibt die allzulangerwartete Suppésuppe eigentlich?

Die Compositöre verlassend kringeln sich Schillerlocken, E. T. A. Hofmannstropfen (schon die Vornamensinitialen zu Ernst, Theodor und Amadeus tropfen nachgerade wirklich), womit wir in Königsberg angekommen wären. Wie es aber der andere dem von der Krone einfach gehaltenen Volke nicht übermäßig geläufige Herr aus dem heutigen Kaliningrad zu einer derartig deftigen Beliebtheit gebracht haben mag, muss dem Philosophen in mir ein rätsel bleiben, und dafür aber eben sei die ancilla theologiæ gerade eben recht: Dringend zu erstellen sei, als fürderhin grundsätzliches akademisches Standardwerk, die umfassende Monographie über die Kantwurst.

Und die Kantwurst, wenn man sie von hinten überfällig über die rübe gezogen bekommt, ist deswegen noch lange keine Gnackwurscht. Knackwürste (so die korrekte Schreibweise) hierzulande (nicht etwa in Sachsen oder in Sachsen-Anhalt oder in Thüringen; aber wo sei denn das, hierzulande?) kann man sich als Kranz um den Hals hängen, Ehrenpreise für verdiente Hunde etwa sehen so aus, das aber nur nebenbei und zur generellen Absteckung des Terrains, wie es heißt.
an die Arbeit nun. Halleluja.

gestürzt

will you still need me?
will you still feed me?

populärmusikalische frage, 1967

23 jahre nach 1946 war das, und 1946, das war vor 64 jahren, was für eine merkwürdiger ziffernsturz, eine regelrechte zahlenjonglage, und in ihrem brennpunkt steht der jongleur, und natürlich ist jeder geburtstag ein völlig willkürlicher feier- oder gedenkanlass, tafeln werden angebracht werden, nachdem man aufs peinlichste abgewogen haben wird, ob ihm die textauswahl und das format (8 x 8?) und die schriftgröße recht gewesen wären und ob es dieser oder jener ihm einstmals nahestehenden person damit gut oder doch eher nicht so gut ginge und was der offizielle portraitbiograph noch dazu meinen könnte, eine riesige parallelaktion, wie seinem fröhlich schwirrköpfigen werk entnommen, er aber hat absurditäten dieser art stets nur gespiegelt, war selber klar, sowas von klar in seinem kopf, klarer gehts nicht, das haben viele bis heute nicht verwunden, völlig unterformatig allesamt, das aber ist keine schande, es kann ja gar nicht anders sein und es wär ihm sowas von wurscht gewesen, weil wer so ein format hat, der braucht keinen genierer, und wenn der geniebegriff auch längst als obsolet gelten muss, den jongleur umschwirrt er alswie die elektronen in einem atommodell den kern, und 64 wäre er heute geworden, er füttert uns weiterhin mit seinen zauberwelten, und dass wir ihn brauchen, was für eine frage auch.
gert jonke, du fehlst so.

verhörverstand

der mann (79, anm.) fragte nach dem weg, der mitarbeiter (d. bank, anm.) verstand nur „pistole“. daraufhin lief eine großfahndung.
orfon, 1.2.2010

der gute, in der berufsberatung – was die action-komponente seines seins betrifft – eindeutig und beiweitem unterschätzte undalso fehlberatene bankbeamte hat den dreisten wegefrager (zu verstehen sei: wegelagerer) wohl für einen bankräuber gehalten, nicht aber gleich ihn, sondern lediglich die luft angehalten: so zirka sechzig minuten währte seine schrecksekunde, dann aber ist alles schlag auf schlag gegangen, großfahndung, das gesamte straßen-, eisenbahn-, straßenbahn-, ubahn- und luftnetz österreichs wäre bis zum ende des monats gesperrt gewesen, hätten sie den schurken nicht baldschon dingfest gemacht. ein weiterer peinlicher misserfolg für die polizei, musste sie doch durch den leiter der wiener polizeipressestelle dass sich später die unschuld des mannes herausstellte, könne „immer passieren“ verlauten lassen. weil wie wir schon und spätestens seit kafka wissen: die schuld ist immer zweifellos (und im zweifel größer!).
den in seiner jobdescription zum anzugtragen verpflichteten schalterwalter möchten wir dem wiederzuerweckenden team von kommissar rex anempfehlen. oder, nagut, kottan. aufdass es endlich einen wirklichen inspekter gebe.
der 79-jährige aber, er möge dochnoch gut im bristol angekommen sein.

steinheilig

wie denn das zu verstehen ist, wenn sich der hl. stuhl sorgen macht wegen neuer englischer gleichbehandlungsgesetze, weil es gebe ja ein naturgesetzliches gesetz, das direkt vom herrn gott komnt, das müsse, zumindest was die hl. kath. kirche betrifft, vorrang haben, für uns gilt das nicht, gell?, und wie käme die kirche auch dazu, gezwungen werden zu können, auch (sic?) homosexuelle und transen anstellen zu müssen?
… der werfe den ersten stein, steht wo, wo etliches steht, auf das sich, wenns frommt, berufene sehr gerne berufen.

dogwalk

hundekot
sackerl – spender

automatenaufschrift, graz, stadtpark

bei näherer betrachtung konnte er nur den auslassschlitz zur entnahme der sackerl erkennen. wo man den – kostenlosen! – kot beziehen konnte, war nicht erkennbar, außerdem war der steiermarkfichtengrüne spenderständer merkwürdig klein, sodass er sich fragte, wo der hundekot denn nun gespeichert war, auf dass man ihn sich spenden lassen und, zum beispiel, ins profil einmassieren könne.
die taubenkotabgabe aus den bäumen funktionierte indes tadellos, konnte er sich am gestreuten asphalt beruhigt überzeugen.

nasszellenzauberein

bad design
heizung

fahrzeugaufschrift, wien

da war er und lauerte auf ihn, frühmorgens, der einhandmischer im bad der gastfreundlichen wohnung, und was denn das überhaupt wäre, ein einhandmischer, ähnlich schwer zu verstehen wie damals in der zweiten klasse gymnasium das wort schiefe ebene. einhand. mischen. welches kartenspiel? im bad? zilk?
der duschvorhang indes hielt, was die armaturen versprachen.

wohnvorfühling

völlig unvorbereitet gewahrte er den käfig mit vier spatzengroßen buntvögeln. in diesem hause aber vermisste er die zoologisch korrekte bezeichnung, links unten: name (hansi etc), art (streng nach linnà¦us, selbstverständlich latein), verbreitungsgebiet (in freier wildbahn). sie quakten froschartig (wie auch sonst?) daher und flatterten panisch im ihnen zugestandenen hochquader umher. etwas später redeten zwei offensichtlich artgleiche mit ihren karottenfarbenen finkenschnäbeln miteinander in großen sekunden. aber erst minuten später (er belauschte sie, heimlich interessiert) schwang einer (wohl der nur spatzenfarbene von ihnen) sich zu einem betörenden gesang auf, oja. da aber lichtmess war, hell und klar, war der frühling noch weit.
den käfigexistenzen dürfte das egal gewesen sein. waren ja keine murmeltiere oder ötscherbären.

knackig, steif, sehr spannend

Eingeknickt eingenickt auf der Knautschcouch erwachte er mitten in der Nacht und fühlte sich wie ein Frischgehenkter, wenn sich Frischgehenkte noch fühlten, drüben halt irgendwie, und Lichtmess bedeutete auch mit kopfhalsnackenstarrem Einknickschmerz eine Stunde mehr, was man damit Sinnvolles anfangen hätte können, hämmerte sein Panzer aufs Genick gnack.