mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


schokoladelesen

setz, noch einmal, d.h. immer. da hat man doch schon einige bücher gelesen, meint man, und dann das. lesen wie schokoladeessen, zum langsam auf der zunge zergehen lassen und entzückt schnalzen, in einem fort und kalorienfrei noch dazu.
das hatten wir schon.
aber, weiter, beim lesen taucht die vorstellung auf, gar kein weiteres buch mehr zu brauchen, das endgültige buch gefunden zu haben. am schluss brauchst du nur von vorne wieder anzufangen. und es ist (o-ton setz) ohnehin ein langes buch.

welt, binär

ob bipa oder dm eine ähnliche grundsatzfrage ist, die geister scheidend wie beatles oder stones?
und: schlecker? (beachboys?)

einhalt!

wie man aa in so ࢠlanger zeit aaah des a redens ä freien vortrags ää vortragens jaa aa wohlvorbereitet allein durch faktotumseraakennungsseidenaaaschal samt aaaahh knoten naja a schlinge und halbbrille aa geisteskulturundsozialwissenschaftlicher lesebrille nicht a zum lesen sondern aa aah zum aaaaa gelehrt über den aaaaaaaaaa rand schauen ࢠund das aa wollte aaa darauf wollte ich aa schon immer schon hinaaaweisen aaaa wie das a geht aa dass einer in ࢠsoo langer aaaa zeit sowas von aaaahh überhaupt nichts also aaa inhaltlich nichts ausschließlich zeit in stickiger bibliotheksaaaalluft verbrauchend buchstäblich nichts aaa sagen kann sich nichts dabei aaaa zu denken in sooo langer zeit anderer aaaaaa lebenszeit mit genau nichts an aaaaa inhalt verbrauchend sagen kann das wollte aaa darauf aaaa sollte auch endlich a einmal aaa hingewiesen werden ohne umschweife und aaaa unumaaaaaawunden wenn sie sooo aaaa lange ääh zeit a haben wie gesagt um es aaaaa auf den bungt zu a bringen direkt und ah äh aah unverblümt genau mitten hinaaaaahinein zaaaaaak wie man so aaah sagt verrät ihnen wenn sie ihn aaaa fragen (der doppelvorname bürgt für ࢠausdauer) h.-c. e.
unter a anderem bei den in wiener anhörungen ääh umzubenennenden einleitungsworten zum aaa geleitwesen eines wartenden, zuvor noch interessierten aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa bublikums.

dopingverdacht

diese merkwürdige antrittsstärke bei der privaten eröffnung der fahrradsaison, diese lust und ausdauer, auch die direttissima zu wählen, wenn es auch zwischendurch steil und zum keuchen war, aber eben nicht sosehr alswie befürchtet. woher er nur diese kraft nahm, nach einem langen lahmen winter, jedes jahr wieder war er überrascht und hatte keine letztlich glaubwürdige erklärung. vielleicht wäre die beste trainingsmethode fürs radfahren, es einfach stehen zu lassen, das radl. man musste ja nicht gleich zu irgendwelchen spezialärzten, denn außer zahnarztbesuchen konnte er sich an keine verdächtigen medizinischen begegnungen erinnern, es sei denn, er hatte alles verdrängt.
auch er würde seine hintermänner noch preisgeben müssen.

reisig (2)

aus technischen gründen heiratet zum zweiten mal innerhalb kürzester zeit meryl streep pierce brosnan, luftoperettig. jahrzehntelang war sie seit der scheidung von und mit dustin hoffmann single gewesen. diese neue ehe nun wurde lautlos vollzogen bzw. geschlossen, und aufgrund der turbulenzen möchten wir sie bitten sich anzuschnallen, alles hüpft auf den klappflachbildschirmen in der kabine, oh mamma mia. die reisigen senioren nehmens gelassen und applaudieren am schluss voll begeistert über das wunder.

reisig (1)

die reisesenioren, wie sie beim willigen warten aufs einsteigen in ihren blousons sich durch lautlos lippenspitzendes pfeifen routine vorspielend gelassenheitsmut machen. wollen.
blutdruck.

nomenomen (2)

durchschnittshässlich, das bedeutete allerdings eine ziemliche dichte ziemlich in der mitte der gaußschen normalverteilungungskurve. sich uff! und: autsch! beschwichtigend gelang es ihm, das zu schätzen, was einem im wintertourismus an rosa fleischgewabbel von wulstzombies erspart bliebe, führe man freiwillig in eine freizeitvergnügungszwangshandlungslandschaft wie das hannibalische undalso durchunddurch gottferne ischgl. oder so.

nomenomen (1)

vorm heimfliegen ausschließlich aus logistischen gründen eine nacht im pauschalhimmel, der hier los christianos hieß, und wie der name sagt, konnte es sich hier nur um zumindest die vorhölle handeln (hätte man sie nicht unlängst abgeschafft; aber diese v.h. war ja für unschuldig ungetaufte kinderseelen – eine mehrheit hierzuweltteil ist ja ungefragt unschuldig getauft – eingerichtet; sie haben noch weitere auf vorrat, mit einrichtung nach wunsch, sandammeergleich ist ihre zahl, je nach bedarf).
richtig, sandammeer gab es hier auch, und, wie gesagt, diese eine vorhölle nannte sich los christianos. es gab tatsächlich menschen, die gezielt hierher reisten, rein zum zeitverbrauchen, so fad schauten sie alle drein. und so viele durchschnittshässliche menschen (© franz schuh) auf einmal, dass es so etwas gibt. vor allem die briten wollten ganz offensichtlich wirklich wie billiger, in viel fett herausgebratener nitritpökelsalzfrühstücksspeck aussehen, sie setzten sich der sonne in all ihren erscheinungsformen aus, auch als zeitung, und sie trugen ihre streifen, wie man anderswo gamsbärte trägt.

weit zurückgesehnt

er war auf atlantis gewesen, und wie stets war es ihm erst im nachhinein bewusst (was für ein wort!) geworden, dass er in atlantis gewesen war, dem atlantis, jawohl (wenn wir auf atlantis waren, merken wir es immer erst im nachhinein). nämlich nachts, diese absolute stille, die nichts beängstigendes hatte, sondern ein gefühl des heimgekehrtseins, absolute stille, unvorstellbar, wenn die kröten mit ihrem gattungsgemäßen gesang (dem kröten; frösche quaken) aufgehört hatten und ehe der erste morgenhahn krähte, annähernd also acht stunden war es still, vollends, nur der allerleiseste lufthauch war an den härchen der unterarme zu spüren, sonst nichts als still!
(er musste ein ausrufezeichen machen, um sich der stille abermals inne zu werden, und es überkam ihn große dankbarkeit. kein untergang – ein übergang, wie von weither.)

hotel kafka

no hay salida
hotelganghinweis, spanien (landesweit)

es gibt keinen ausweg. ein verdikt von kafkaischer (hier nicht: -esker!) wucht. also nehme ich den lift, wenn ich ihn auch in der brandfalle nicht benutzeln soll. vorm hotel, entkommen, muss ich feststellen: es gibt keinen ausweg. es hat nie einen gegeben. ich aber ändere nicht die richtung. mausaus. weil no hay camino, hay que caminar – es gibt keinen weg, du musst nur gehen.
weg aus atlantis, weg aus seinem nebenhöhlengomorrah. eben. abheben. salida.

jugend, ewige

bist du auf dem land und siehst dir dort die partezettel an, so kannst du sofort erkennen, ob einer adrenalin-, taurin- und sonstnochwasverstärkt aus der kurve gefahren und nicht mehr nach hause gekommen, oder ob die urgroßmutter nach langem, mit großer geduld ertragenem leiden, versehen mit den tröstungen der hl. kirche zu gottunseremvater heimgekehrt ist: letztere hieß eher amalia oder (wirklich wahr!) euphrosyne, ersterer möglicherweise kevin, am beifahrersitz, angeschnallt (immerhin) überlebt, mit halskrause beim begräbnis, saß jennifer oder schaklin. gehen wir einmal davon aus (und hoffen wir!), dass dieser auslese (bei den jungen; bei den ganz alten ists eher die spätl.) doch etliche jetzt mit jugendlichen vornamen behaftete entkommen und rechnen wir die bevölkerungspyramide wissenschaftlich-kalt aufwärts: ab wann klingt ein name alt? mein großvater hieß dominik, das klang für mich sehr alt. in gewissen, dem prekariat ferneren schichten als jene, die ihre kinder nach aktuellen von seitenblicken erfassten sternchen nennen, werden söhne längst schon wieder dominik, sebastian etc. genannt. und schön langsam kommen auch die ersten renà©s ins lift- und haarteilanmessalter. jawohl, die ewige jugend, sie wurde uns mit dem namen mitgegeben. (an die hirschgeweih- und djötzitatoos wollen wir jetzt – bitte! – nicht denken müssen.)

passage (2)

im hafenstädtchen fand er einen platz an der sonne, der solange ruhig war, bis reisebuszeit war, der frühe nachmittag. dann teilte sich vor ihm der strom jener frischentlassenen, die ihre zur freien verfügung stehende zeit abzuarbeiten hatten: geradeaus die, die stets dorthin gehen, wo alle hingehen, und links weg, alle die, die nicht dorthin gehen, wo alle hingehen.
die individualisten, eben. deren gab es auf atlantis mehr als hundert prozent (jawohl, das ist möglich, denken wir nur an die mobiltelephonpenetrationsraten). ihrer erlebnisse sind mannigfaltig, untoppbar, zumindest.

passage (1)

alle sind anfänger, die auf besuch nach atlantis kommen. das tragische ist, dass man sich augenblicklich gegenseitig als besucher erkennt: groß, hellhäutig, trekkingschuhe, touristenblick (stabiles hohlkreuz, kopf ins genick, sodass die offene kinnlade horiziontal verweilen kann). vor und nach dem nun einmal unvermeidlichen passieren ¡holla!t es im regen austausch mit den grußfreudigen atlantikern. während der passage stummes, ausdrucksloses zubodenblicken. weil man will ja der einzige sein, der den schönsten flecken von atlantis einzigundallein (und vor allem ohne extraatlantische=menschliche zeugen) entdeckt hat. zum nachweis der existenz genügen die bilder aus den digitalen spiegelreflexkameras oder ausm mobiltelefon. das ist man sich als expeditionsleiter seiner selbst schuldig.

unintegriert

als er ankam und sich bei den busplänen schlau machte (zum hafen) sah er, dass es besser war, ein taxi zu nehmen, es ist ja nicht so weit. außerdem, so erzählte man ihm später, bleibe der bus weit oben im ort stehen. später, auf der anderen insel, wieder der blick in den busfahrplan, den er diesmal genauer studierte. man hatte ihn so gestaltet, dass der bus, der hier, immerhin, seine haltestelle gleich bei der mole hatte, vor dem eintreffen einer fähre abfuhr und nach dem ablegen wieder ankam. die fahrpläne dieser inseln waren ohne jeden zweifel von der taxiinnung ausgetüftelt worden. ihre gestaltung bot doppelt argumentative absicherung: ja, es gab öffentliche verkehrsmittel. nein, wie man ja an der fahrgastfrequenz ablesen konnte, es gab keinen allzugroßen bedarf nach einer ausweitung und verdichtung (geschweige denn einer vernetzung) der fahrpläne.
augenblicklich fühlte er sich daheim, und der fahrgast war die berühmte wurscht vom herrn edlinger, auf die er besser seinen hund aufpassen ließ, es sei das sicherste.
zugegeben, dieser vergleich ist etwas weit (und mit mehr als einmal umsteigen) hergeholt; es sind aber auch etliche meilen nach atlantis.

quid sit veritas (2)

ein volk, ein führer, ein theater
inschrift, theater im olympischen dorf, berlin, 1936 (knapp vor der eröffnung abgeändert)

quid sit veritas? (1)

weberknechte (nicht nur tränen; anderen überlieferungssträngen zufolge: dänen) lügen nicht, und tausendfüßler haben nicht annähernd so viele kurze beine.

portionieren

er musste seufzen. die ersten zeilen, die ersten seiten ließen keinen zweifel, dieses buch würde ihn über alle maßen beglücken. er mochte sich gar nicht ausdenken (das hatte ohnehin der autor für ihn erledigt), wie treffende beobachtungen, wie wunderbare wendungen auf ihn warteten. und im gegensatz zu nabokov, bernhard oder kafka handelte es sich hier um einen lebenden (und noch dazu jungen) autor, man konnte also mit dem gesamtwerk mitwachsen und müsste sich nicht, da seine unwiderrufliche begrenztheit abzusehen war, alles schön langsam, wie beste schokolade, auf der zunge zergehen lassen, immer in der hoffnung, rechtzeitig mit dem zerschmelzen des letzten stückes (ganz am ende) auch zu vergehen.
dieses buch (nennen wir es beim namen: die frequenzen), er würde es sich nur als belohnung gönnen, in kleinstmöglichen happen, homöopathisches lesen, jawohl, so nahm er es sich vor, und wusste zugleich, dass er, heißhungrig wie er nun einmal war, den ganzen schinken auf einmal verspeisen würde.
setz dich nieder, halt den mund, der dir immer wieder aufgehen wird, lies, zeile um zeile, und schnalz mit der zunge. was für ein fest.

aufstiegshilfe

denn mit dem lesen verhält es sich wie beim anstellen zum schilift (heutzutage: mindestens ein vierersessellift): eine ganze menge schiebt nach vorn, und nicht jeder, der als nächster drankommen würde, steigt tatsächlich als nächster ein, wartet vielleicht noch auf freunde seiner gruppe, andere drängen sich vor, wieder andere gehen in der singleline selbstverständlich an den scherbereiten anstelllämmern links oder rechts vorbei, sodass manche, wenn sie sich nicht wirklich engagieren, nie hinauf auf das förderband kommen, wo sie den sessel in die kniekehle geschoben bekommen, ohja, manche stehen tatsächlich bis betriebsschluss knapp davor, bleiben, trotzdem sie einen wochenpass gelöst haben, ewig zwischen durchgangskontrolle und abfahrt, es wäre besser, sie hielten nicht die anderen auf, sondern gingen auf ihr zimmer und läsen ein gutes buch (aber welches, so viele drängen nach vorn!).
wäre das lesen nur annähernd so erwünscht undalso gefördert wie in gewissen fremdenverkehrsgemeinden die zügige finanzierung der neuerrichtung oder kapazitätsverbesserung sogenannter aufstiegshilfen (helmtragen und vermeidung der diese saison so aktuellen undalso medial beliebten tödlichen politikerunfälle selbstverständlich inbegriffen). und der sport ist doch so volksgesund, sodass keiner auf schlechte gedanken zu kommen braucht.

nicht nur im hochwinter

…von der außenwelt abgeschnitten.
(innenweltläufig zugänglich, jederzeit.)

zeitverschiebung

wer sich mit lichtgeschwindigkeit bewegt, dem steht die zeit still, sagt der wissenschaftler im radio.
also steht fürs licht selbst die zeit still. warum brennen dann meine glühbirnen irgendwann doch aus? wie spät ist es bei denen?
soviel zur heutigen tagundnachtgleiche.

Erhebend

Und die Bananen, auf ihren Stauden, was für eine unglaubliche Anstrengung, derart gegen jede Schwerkraft aufwärts sich zu krümmen, sich krümmend zu wachsen, sie streben dem Licht zu, das sich wieder einmal als wesentlich stärkere, ach was, als die Kraft herausstellt.

Erregend.

verlesen

der erbsbischof mitsamt seinen suppenwürsten steckte tief in der kicherkrise, diese dauerpubertät derer, die nie gelernt hatten, ein natürliches verhältnis auch zu jenen frauen zuzulassen, die nicht ihre erbswurschtsuppenkochenden selbstverständlich jungfräulichen mütter waren.
aber selbst akne wäre heilbar. wenn man wollte.

zart vs. dumpfdominanz

holunderblütenduft zu idealtypisch spätwinterlicher grabsbesuchskleidung trägt die alte dame in erfrischender würde, sich wohltuend abhebend von den alkoholisierten rapidfans, die die vorortelinie (nicht nur) olfaktorisch dominieren.
der holler, er würde obsiegen, letztlich. (religion hinoderher.)

solarisch

bräunerhof, halbelf. herein stadlert petzners birne. das geheimnis, woher der restlebensmensch seine allzu gesunde farbe hat, es ist gelüftet. hat man ihn beim verzehr einer karottentorte beobachtet? nein, mohn wars.

fastenspeise

gelangweilte ferkel auf nacktem beton.
radioankündigung (morgen um fünf vor neun:), 11.3.2009

da rattern zwei denkassoziationen hemmungslos los. zum einen wären da legendäre filmtitel hochwertiger qualitätsprodukte der siebziger jahre wie hexen, bis aufs blut gequält; blutjunge mädchen, hemmungslos; heiße schenkel, feuchte lippen. filme dieser art waren in der legendären nachtvorstellung im biograph (nicht: pornograph) zu sehen, nicht für uns, und mit rücksicht auf den freizügig gestalteten inhalt können hier keine bilder ausgestellt werden. was haben unsere ohren vor imagination (zu der wir letztlich nicht in der lage sein konnten – und wenn, dann am ehesten bei den hexen) geglüht, vor den schaukästen, in denen es nichts zu sehen gab.
die zweite assoziation ist eine primär kulinarische (siehe: überschrift), und wir stellen uns ein sehr feines restaurant vor, beim charity-fasten, und der dompfarrer toni faber lächelt in die seitenblickkamera.
jedenfalls aber: malzeid.

berufen

herr kurti, bitte ‘neunhundertsechzig‘ rufen!
durchsage (frauenstimme), möbel leiner, wien 7, 7.3.2009

… diese macht des befehls (der seit canetti ein stachel ist, bis er erfüllt wurde)!

nicht durchgesagt wurde, wie oft, wie laut, in welchem affekt (…) diesem für eine strafaufgabenähnliche anweisung freundlichen befehl seitens herrn kurtis nachgekommen werden sollte.

geschmack, verstärkt

endlich wieder da: die shrimps.
werbebotschaft eines internationalen beinaheessunternehmens

wie das schmecken mochte, so frisch heraufgestoßen? wiederkäuerlich säuerlich.

schlankland

fast jeder zweite fühlt sich zu dick. die hälfte davon will abnehmen.
kleine zeitungsmeldung, 27.2.2009

er nahm stanlaurelgleich die finger hervor, überlegte und sagte dann zum fiktiven ollie in sich (jeder hat beide, immer, in sich): von zweien die hälfte, das ist ja jeder erste, also alle.
auch der lebensmittelhandel, er würde die krise zu spüren bekommen. erst recht bei abnehmendem mond, jo-jo.

nuschelhart

und: nuscheln? wo wäre das anzusiedeln? keine harten getränke! nur softdrinks. – sehen sie, jetzt wirds paradox.

lustrau | kuschelweich

gibt es, analog zur mohsschen durskala, auch eine der weichheit, die kuschelsche mollskala? wie weich wäre ein kuschel?

kuschelweich

der lebensfreund aber, der wieder freund des lebens werden wollte, erstand nach überstehen der katastrophe als erstes eine familienpackung weichspüler. es gelang.

lustrau

natürlich, er hatte schon davon gehört, es sollte tatsächlich menschen (entgegen einschlägigen werbungen sogar frauen!) geben, die ein weichgespültes, schonend getrocknetes frotteebadetuch zurückschrecken ließ, die es grimmig genossen, wenn sie sich mit grobem schleifpapier die muttermale vom rücken raspeln konnten. das frottee mit seinen feinen maschen sei zu keinem anderen zwecke geschaffen, als die festen hartwasserrückstände bestmöglich ans und ins gewebe zu binden. und zum trocknen nach dem wäschwaschen kamen einzigundallein auf größte hitze aufgedrehte heizkörper in frage, schockgetrocknet, jawohl, und hitzschlagstarr harrten sie im badezimmerregal, auf dass ihre derart gezüchteten widerhaken im körper anker würfen.
wenn auch sie derartig deftigen badelustgenuss suchen, kommen sie nach romanshorn (auf anfrage verrate ich ihnen das hotel, ein tadelloser zeitreisebeherbergungsbetrieb mit zeitstillstand in den frühen siebzigern, den ausläufern der resopalzeit), es ist nicht weit in diese zeit, auch aus österreich nicht, lustenau etwa oder sonstwo in vorarlberg (das ja nur vom westen aus vorm arlberg liegt, ein sezessionistischer name das seit ehundje), kaum mehr als eine stunde, das geht auch am wochenende, zur verlängerung.
merkwürdig, dass just das klopapier von einer ausgesuchten vlaushigkeit war, obwohl das ja bestimmungsgemäß in einer region zur anwendung kommt, die für rauheiten solcher art als aufs lustvollste empfänglich zu gelten hat.

teuer genug

in nicht allzuferner zukunft wird es keine kriege mehr geben.
aber dann gibt es rollerball.

kinotrailer, ca. 1975

in der früh zum flughafenzug, natürlich würde er so bald in der früh zum flughafenzug schwarzfahren, der flughafenzug war teuer genug, und wer würde auch so bald in der früh mit einer kontrolle rechnen müssen?
in der nacht davor hatte er einen traum. oder war es nur eine vorstellung, die ihn überkam, als er fühlte, wie sich langsam wie das wasser in einem überschwemmten keller in ihm der schlaf ausbreitete (in diesem dämmerzustand noch zitierte er kehlmann)?
es ist ein ausgeklügeltes system, basierend auf den allerneuesten telekommunikationstechnologischen errungenschaften. dafür ist es nötig, dass jeder mensch ein funkchip am bzw. im körper trägt, von ihm unzertrennlich in der allertiefsten bedeutung. im speziellen anwendungsfall erfolgt durch das betreten einer fahrscheinpflichtigen zone des öffentlichen verkehrs ein automatischer anmeldevorgang, der dich, so du männlich und unbescholten bist und in vitalem alter stehst, einem verfügbarkeitspool zuordnet, vergleichbar dem geschworenenamt. wirst du jetzt vom system, das die zentrale ist (es ist eine virtuelle zentrale, weil das system rein algorithmisch und jedenfalls vollautomatisch nach fuzzy-logic agiert), aktiviert (ein leichter stromstoß, der ein eher angenehmes kribbeln auf der von dir selbst zu bestimmenden hautstelle – beliebt ist unter den achseln oder im schritt), das geschieht immer zusammen mit einem dir bis dahin üblicherweise unbekanntem zweiten im selben wagen, so ergeht der ruf an dich, dass du genau jetzt ausersehen bist, vom system, kontrollorische tätgkeiten undalso pflichten wahrzunehmen. zuallererst nimmst du fühlung mit deinem kurzzeitpartner auf (ihr werdet euch erkennen), dann beginnt der kontrollgang, undzwar indem zuerst die beiden waffenbrüder einander gegenseitig den gültigen fahrausweis vorzuweisen haben. hast du aber keinen (wer würde auch um halbsechs in der früh zwicken?), ist es sinnvoller, du ziehst es vor zu erwachen.
ganz abgesehen davon, dass es wesentlich einfacher wäre, bei betreten des autobuses, der bim oder der u-bahn, bei jedem angechippten fahrgast eine registrierung vorzunehmen und, sagen wir: zweimonatlich (im voraus) den dafür zu bezahlenden betrag direkt von seinem mobilitätserlaubniskonto einzuziehen. wer bräuchte da noch kontrollore, eben, gar um halbsechs in der früh, aufm weg zum flughafenzug.
dort haben sie einen schaffner. (sagt man jetzt nicht mehr.)

parsley, yes, please

es darf kein kohl in das irish stew.
infoscreen, city airport train, wien (6.00 morgens)

ich empfehle auch ihnen: nehmen sie den grünen zug zum flughafen, wenn er auch eher grellgrün, phosphorgrannysmithgrün als kleegrün, keineswegs aber kohlrabi- oder gar kohlgrün ist. und was man da alles nützliches erfährt, so früh in der früh, malzeid.
petersilgrün ist er leider auch nicht, der stadteinwärtige neppzug, der frühmorgens hinaus so praktisch ist.

verspätet reconquistatives

genau genommen habe die neuzeitliche unterwanderung unseres hl. christlichen abendlandes mit den minaretten von neuschwanstein ihren ersten, entscheidenden sieg errungen, und damit längstschon aufs perfideste einen fuß in der tür. weiteres indiz sei, dass weiland der prinzregent sich von seinem kammerdiener (heimlich, ins ohr zu flüstern) mit hadschi ludwig anreden ließ, vor den wahlen hätte man das besser rasch noch unters volk bringen sollen, so der zurecht verunsicherte erb-el-ha (für: landeshai-erbe).
man hatte glück: es reichte wieder einmal.

naturphänomen, selten (2)

es schneite und die sonne schien. immer noch, auch gegen abend, als das licht schön schief einfiel und er allergrößte obacht übte. wieder nichts. kein schneebogen breit und weit. es musste an der inkommensurabilität der geschwindigkeit der zu boden taumelnden schneeflocken mit jener des lichts liegen. die sichtung des bogens, ein schneetor müsste es ergeben, vertagte er in seine träume.
blinzelnd erwachte er. es gelang.

naturphänomen, selten (1)

es schneite und die sonne schien. er spähte rings umher. das müsste einen schönen schneebogen ergeben.
ergab es nicht. es war nämlich fast mittag. das licht fiel viel zu steil ein. gegen abend aber. er würde sich richtig aufstellen und obacht geben.


(glückliches kiew.)

jubilant

der spätglückliche wusste alle wichtigen ereignisse in seinem leben (es gab ausschließlich wichtige) zu katalogisieren: das erste mal papa auto sagen, alle wimmerl (ort, größe, dauer, maßnahmen), sämtliche pubertären pullutionen (er hatte sie in einem eigenen kalender der nachwelt zur zurkenntnisbringung bewahrt – die daten, nicht den inhalt), alle urlaube mit binnenreiserouten, mietautotankrechungen und straßenmautbelegen (auf den touringkarten war er die gefahrenen routen mit filzstift nachgefahren, mautstrecken rot, überland grün, die landschaftlich besonders reizvollen küstenstraßen blau), etliche unverwirklichte liebesprojekte bis hin zu den trennungen von den seiner mutter doch nicht ausreichend ähnelnden lebensfreundinnen mit menükarte und rechnung des abschlussessens (bei kerzenbeleuchtung, stets). nun aber war er gelandet, und regelmäßig informierte er katalogartig und umfassend über den verlauf seines glücks, das nun ihres war, alles in die auslage, der vermessene muskeltonus bei der kniebeuge des umihrehandanhaltens, die kartographie der ersten spinatprotuberanz des wunschsohns, dem man einen edelexotischen namen verpasst hatte, welcher ihn zeit seines lebens als der bildungsschicht angehörig markieren würde.
heuer würde man nun zweiundneunzicheinhalb. es gab, mit bestemm, immer etwas zu feiern. und alle durften mitfeiern wollen müssen, genauestens informiert seit eh und je.

Haareinfall

Seit etlichen Jahren nun trug er sein Haar minimalkurz. Nach der jugendlichen Matte samt Engellocken hatte es sich bald als würdiger erwiesen, die fliehenden Stellen an der Schläfe, diese einsetzende Kähle, welche auf nichts anderes als auf frühesteinsetzende außerordentliche intellig- wie längstfristige Potenz verwies, nicht mit einer sogenannten Frisur zu antworten, etwa einen in diesen Jahren durchaus auf Creativitæt hinweisenden, mit einem Gummiringerl zusammengebundenen (in der Regel strähnigen) Haarbuschen hinten hinaus und die Schultern hinab hängen zu lassen.

So hatte er sich daran gewöhnt, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen sein Haupthaar einer Maximalwäsche zu unterziehen, für deren umfassendes Gelingen es sich als unumgänglich erwies, die mehr oder (eher) weniger kurzen Stoppel gründlichst undalso völlig vom Kopf abzuscheren. Wannimmer er also bei einem Griff auf seinen Hinterkopf eine beginnende Verdichtung konstatierte, war es Zeit zur Rasur, es galt, proaktiv die zyklisch wiederkehrende Glatze (um es umunwunden beim Namen zu nennen) herzustellen.

Woran mochte es nun liegen, dass sich in letzter Zeit in immer kürzeren Abständen immer dichteres Haar gewissermaßen von hinten anschlich? Dieser regelrechte Haareinfall würde ohne Zweifel seine Aufwendungen (Heißwasser, Schaum, Klingen, Balsam, Arbeitszeit, Gefahr) beträchtlich erhöhen.

Wenn es mäßig nützliche Wässerchen und beschwichtigende Therapien gegen Haarausfall gab, müsste da nicht auch in seinem gravierenden Fall Hilfe, Abhilfe von der hinterrücksen Hinterkopfverstrüppung zu bekommen sein?

marterl aller orten (2)

orang et laborang
lebensmenschenmotto

kärnten 2009. überall im land werden die hydranten abmontiert und durch orangerne marterl ersetzt. dieweil ziehen sie mit dem aufs phaetonrossgespann gebundenen toten cid in die schlacht gegen die mauren. brennen solls, gegen abend, der himmel ein monochromes farbenspiel, dass die feindeskarawanen wanken.

marterl aller orten (1)

nichts soll mich erschüttern
nur dann würd‘ ich zittern
wenn ich untreu könnte sein

johann gottlieb stephanie d. jüng., die entführung aus dem serail

kärnten 2009: alles streicht orange. wer soll denn da noch hineinknallen?
(pietätlos)

in zeiten wie diesen

und es sind immer zeiten wie diese, weil früher wäre das noch gegangen und es gilt symbolgefühl haben und, neu, pietät zu üben, in zeiten wie diesen kann man das nicht mehr machen, ausgeben, wasweißichauch. und dann noch, wenns einem gerade passt, dieses trotzdem, dieser schulbubentrotz, dieses kleinkindlich-machtlose, es ist, neben der ungeduld, die wesentlichste österreichische eigenschaft, nur die kärntner (kärntner, richtige kärntner, abgefüllt mit pietätspitralon) haben noch zusätzlich einen humor, einen besseren humor, den echten.
in zeiten wie diesen, killerphrase für geistlose.

vorfrühlingvorausmütter 2009

liebe mba.

nämlich nicht, weil ich es nimmer derwarten mag, dass ich ihnen endlich wieder meine sachen aufs aug drucken kann (alle drei monate, daran will ich mich halten), aber diesmal gibt es gewichtige gründe, dass ich ein paar tage früher erscheine (das ist jetzt sehr salopp dahergesagt; ich meine natürlich meine quartalsschrift), und die einzige alternative wäre zweimal strompost innert (sagen die schweizer) weniger tage, das will ich ihnen auch nicht antun, wirklich nicht, und die größte hybris, die man sich denken kann, das ist das demuthechelnde sichkleinmachen, wirklich wahr.
vorweg (bevor wir uns dem vorfrühling widmen, auf dass er sich bitteschön einstelle) der vorerscheinungsgrund:
drehen sie bitte morgen, freitag, 27.2.2009 um 22.15 das radio auf, am besten ö1, weil dann können sie die sendung hören, die ich meine: die liebe renate burtscher hat ein paar mir auf unterschiedliche weise (& nachwievor) nahe menschen (victoria coeln, josef haslinger, gert jonke, angela krauß, franz schuh) befragt, und michselbst hat sie auch daheim belauscht: beim spielen, beim posauneeinschmieren, beim raisonieren. gemeinsam mit dem sehr freundlichen und kompetenten robert pavlecka hat sie daraus ein recht umfassendes und alles andere als lobhudelndes portrait des posaunisten bertl mütter, im übertitel: der spaziertänzer gestaltet. chris pichler, eben erst zur schauspielerin des jahres gekürt, führt durch diese tonspuren. alles in allem eine große freude und ehre. und weil ich nicht will, dass sie das einfach so versäumen, schreibe ich ihnen also schon heute.
(die sendung können sie selbstverständlich weltweit per livestream im internet verfolgen, außerdem können sie sie mit einem download-abo von ö1 noch ein gutes monat lang herunterladen. weiters habe ich den spaziertänzer auch auf muetter.at geparkt, aber seien sie so fair und hören sie sie sich nicht vor freitag abend an, ja?)

hätten wir das also.

womit der vorfrühling hätte kommen können. (zumindest der vorfr.) schaut aber nicht so aus, hn? – beim schreiben dieser zeilen clausuriere ich im gastfreundlichen st. lambrecht, das zweite mal schon in diesem winter, es tut der kunst gut, die ruhe, die luft, auch die jeder großstadtbeckenlagebedingt bleinebelsuppenferne sonne und der schnee. ideen können sich einstellen (gut gekühlt, aber schön pomali, nur ned hudln), die posaune wird hier, im sauerstoffreich, annähernd exzessiv beatmet, sodass ich ihnen vom erneuten aufflammen einer instrumentalerotischen liebesbeziehung berichten kann. das schlägt sich durch bis auf die bühne (seien sie gespannt!). auch eine neue künstlerische partnerschaft im osten tut sich auf, mit der entsprechenden tonträgerwerbung werde ich sie beim nächsten mal belangen.

hätten wir das also auch.

meiner trauer (warum spricht man eigentlich von tiefer tr.?) über den tod meines freundes gert jonke habe ich umfangreich auf muetterlog.at ausdruck verliehen. beiweitem nicht nur ich habe einen mir in seiner sprache und in der regen persönlichen erinnerung stets nahe bleibenden poetisch verbündeten verloren. die arbeit mit und an seiner zaubersprache geht weiter, und bald schon werde ich ein entsprechendes projekt (über das ich jetzt noch nichts näheres verraten darf) präsentieren können.

ich bleibe dabei:

… und jeden freitag ab 15.00 gibts bis auf weiteres den kinderkreuzzug. und alle zusammen treffen wir uns, ganz sicher.

service

1. so viel schöne musik gibts, etwa auf meinen cds. bitte kaufen, vor allem in zeiten wie diesen. (die haben wir bekanntlich immer; und ich, immer noch, zuviele gleiche cds in meinen lagerräumen.)

2. im märz zur südklausur nach agulo und, gegen ende, zum literarischen restwinter, nach rauris. der mai ist kommen, der winter ist aus am ersten in fels am wagram.

3. nicht jammern, agieren. (von age, altern, also verändern)

4. überhaupt, tagesaktuell, die vorschau.

5. verfolgen sie öfter das mütterlog (zumindest täglich).

6. es bleibet dabei: vorbei ist vorbei.

7. alles wird immer noch besser. und wir freuen uns schon alle sehr darauf, nicht wahr?

etc.

herzlichst ihr,

bertl mütter

Unkunde

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exakt

romanshorn hafen. die fähren verkehren mit einer pünktlichkeit, dass die wellen ihre uhren danach richten.

gastronomie von anderem planeten (2)

china restaurant
wong seng

restaurantaufschrift (unweit karibik imbiss), romanshorn (ch)

er ließ sich einen platz am fenster zuweisen. so konnte er ungehindert zu den gegenüberliegenden perrons schauen und tatsächlich etliche wagen sehen.

warum allerdings die chinesen …
(der im restaurant einzig, annähernd stumm, ansonsten, perfekt assimiliert, schweizerische silben hervorbingend in erscheinung tretende hatte tatdellose schweizer servicemanieren: mit einer steifheit, die an oddjob, den mit dem zylinder frisbee werfenden bodyguard goldfingers erinnerten, und mit ebenso undurchdringlich mimikfreier gesichtsmaske; zum gruseln.)
… hier, im thurgau, dessen regionalzüge der bestürzend originelle schriftzug thurbo zierte (unscharf, im stehen rasend), die durchs chinesenfenster gebotenen eisenbahnaus- und einsichten in bestem oberösterreichisch anpriesen, blieb ihm auch nach seinem zweiten aufenthalt innert kürzester zeit verborgen. morgen aber morgen würde er sich gen zürich verunschärfen, abflug. daheim dann zum kineser, im hause und: gefahrlos.

gastronomie von anderem planeten (1)

karibik imbiss
döner kebab
lahmacun
schnitzelbrot
pommes
chicken nuggets
pizza
für schüler ein getränk gratis

werbetafel, romanshorn (ch)

… ab in den süden!

esto!

… welche loge?
– zur neu gekrönten hoffnung

dialog (opernballnachmittags)

teufel auch! (2)

so musste es jedes jahr ablaufen: wenn nur mehr eine kleine restmenge fasching in der spaßbadewanne übrig war (auch sie würde unweigerlich ausrinnen), sich dem abfluss (besser: dem ausguss) näherte, so ergab sich dieser berühmte strudel, und weil man nördlich des äquators positioniert war, drehte er im gegenuhrzeigersinn, weshalb man am wiener opernball, seit eh und je den naturgesetzen verbunden, den berühmten linkswalzer tanzte, unnachahmlich, die welt drehte sich um einen, seit eh und je, das corioliskraftbedingte walzozentrische weltbild, das einzig empirisch erwiesene, und manselbst ruhte, auge des orkans, felsenfest unbeeindruckt von allen turbulenzen da draußen.
grandätza, das war seit eh und je nichts anderes als ein österreichisches fremdwort gewesen.

teufel auch! (1)

winter austreiben.
fasching vertreiben.

vor allem aber:
fasnacht vertreiben (ch)
o-pern-ball! (ach!)

und bei unseren lieben diphthongarmen nachbarn im westen ist man auch mit umlauten träge. so gibt es, in manchen regionen, keine lügner.
gluckliches volk!

molto vivace

olala!, undaber zur fasnacht, fragenicht, sind etliche lokale dekoriert, mit bunten lämpchen, die zur fröhlichkeit mahnen, und purzelnden lettern – D E K O R I E R T ! – machen sie einen darauf aufmerksam, was für ein frivoles völkchen am stillen rhein, der hier so heimlich tief vorbeizäht!

molto tranquillo (3)

gemessen daran, wie tiefschlafend sich romanshorn im februar passiv präsentierte, müsste es im sommer hier ganz schön ausgeschlafen zugehen, abgehen nachgerade.
frühmorgens bestieg er, sich aus der pension schälend, bahnhofsmenschentrauben durch- und unterschreitend, den zug.

molto tranquillo (2)

ob winterschlaffe orte an südufern schweizer seen (dort, wo die sonne herkommt, aber nicht hinscheint) im sommer auftauen? wohl eher so, wie in beliebten naturfilmen über den so kurzen arktischen sommer, der, so lernen wir, nur dazu dient, alles fürs übermorgige winterschlafen zusammenzukratzen und gute nacht.
(das konzert am frühen finsteren abend begann er mit einer variation über ein lied gleichen titels.)

molto tranquillo (1)

romanshorn, verschlafene zentralperipherie. diese beruhigende gewissheit, wenn du, nach dem konzert, um sieben auf der straße (die hier eine strasse ist) stehst, ganz sicher genau nichts zu versäumen, nichts versäumen zu können, allerhöchstens einen der zahlreichen pünktlich abfahrenden taktfahrplanszüge oder das 36er-schiff ans andere ufer. zumindest die züge nehmen hier menschen auf und geben sie auch ab, pünktlich und in beträchtlicher zahl, nur woher und wohin?, keine fünfzig meter vom bahnhof sind sie vom erdboden verschwunden. eine einzige unterführung, menschenflöze unterm bodensee, der nicht umsonst so heißt.

und auch in den wenigen beleuchteten fenstern im sogenannten zentrum flackert kaum ein unruhig blaues flachfernseherlicht, nichts zu versäumen auch hier, das aber haben wir ohnehin gewusst.
eigentlich müsste r. von erholungstouristen überrannt werden. oder, gut, unterwandert.
sympathisch, letztlich.

links und rechts schauen!

wir danken ihnen, dass sie über zürich flughafen reisen.
freundliche weibliche banddurchsage im cablecar auf dem weg zum und vom terminal e unterhalb des rollfeldes des zürcher flughafens

… und warum ist eigentlich am anfang und am ende der start- und landbahn ein zebrastreifen, so ein großer noch dazu? können die nicht hier auch eine unterführung bauen? wenigstens eine luftbrücke?

zweierlei jahresregenten

börsl oder hendl?
otto brusatti (phonemgetreues transkript, radio österreich 1, pasticcio, 12.2.2009, zum bernhard- und darwintag, zum jubiläum der kaiserhymnenuraufführung etcudergl.)

klingt das nicht bissl wie blech oder blume oder fisch ohne fahrrad?
oder heinz oder fritz?, womit wir wieder beim tödlichen witz wären, auf den sich fritz so schön reimt, und wer als kind hat sich nicht in einem bestimmten alter beständig den gleichen witz vom onkel fritz erzählt, diesen protoringelnatzischen

kennst in wiez?
in wieds
von onkl frieds?
foad mim auddo
steigd aufs gaas
losd an schaas

und was habe ich immerzu lachen müssen. vor allem, wenn ich ihn mir selber erzählt hatte.

danke, otto!

bereitschaftspolizei

schwedische polizisten hielten chorprobe für notfall
orfon, 12.2.2009

was wäre das für ein notfall, für den man vorher eine chorprobe abhalten müsste? das auffinden eines tödlichen witzes, den ein constabler, bound to die, unter absingen trauriger lieder durch den polizeichor vom ort des schreckens abzuholen hat?

(wir wissen, er würde es, aller trauerklanganstrengung zum tragischen trotz, nicht überleben.)
bitte, weiterproben!

Cui bono? (3)

Es sind sehr liebe Leute.

Wir hören leider nüchterne Perfektion. Bitte: Scheitert lieber warm! Es wäre menschlicher. Und, probiert es, das Innehalten, auf einem Ton, oder, gesundender noch: Verweilen im Tacet, wäre das nicht auch einmal einen Versuch wert?

So tut es weh. Gerade im Wissen um die phantastischen Fähigkeiten der sehr lieben Leute am Podium.

Cui bono? (2)

Es sind sehr liebe Leute.

Trefflich unübertrefflich diese ganzundgar unvirtuelle Virtuosität. Zehntausend Hundertachtundzwanzigstelpunktolen innert eines Wimpernschlags, das macht dir keiner nach, wirklich wahr.

Aber wozu und wo also fährt der Zug hin? (Im Kleinbahnkreis mit Carrera-Tempo)

Es zieht, tut weh.

Cui bono? (1)

Es sind sehr liebe Leute.

Das Publikum: Stocknüchterne Bildungsmenschen. Es knistern die Architektenbrillen, es knacken die Fingerknöchel. Die Stimmung dementsprechend: Knisternd. Aber: Sehr Kunst. Und objektiv begründbar das Allerbeste am Podium, die besten ihres Fachs, keimfrei seit eh und je. Aber nichts will sich bewegen. Gar nichts, rasender Stillstand, herzschlaglos. Auf höchstem Niveau, immerhin. Vollgas mit aufgebocktem Auto und zusätzlich durchgedrückter Kupplung.

Es zieht, tut weh.

rückwärts einsteigen

17. Jänner 2009. Die Wiener Linien begehen, netzabdeckend, den Tag der Türstörung.

erfolg, grätenfrei

beim filetieren des gewohnheitsmäßigen sonntagsdiebstahls (karriere, immobilien, bildung, börsen) hatte er schon ein geschick entwickelt, das nur mehr von den besten asiatischen köchen übertroffen werden konnte, stellte er sich vor. ja, gut, seinetwegen noch von den frischaalzerteilern am fischmarkt von chioggia. warum es aber mit seiner karriere gar so schleppend dahinging, er konnte es sich nicht recht erklären. vielleicht sollte er doch einmal eine zeitung im cafà© von vorne bis hinten lesen? – dann lieber nach chioggia. oder japan. fuguverkosten.
jawohl, karriere.

zum husten

österrauch
empirischer befund

wir haben ein neues gesetz, beherzt erlassen und mit zahlreichen detaillierten anleitungen zur gezielten umgehung versehen von einer ehemaligen schweinsbratenministerin. es wird umgangsprachlich, d.h. von politikern und journalisten, raucherschutz genannt.
gelungen! bzw. -flügel!

unterm wasser

wien, im schmelzwinter nichts als ein anderer name für ins gnack (und nur dorthin!)  tropfende dachrinnen.

überschatz

buddenbrooks
von john von düffel
nach thomas nach mann
korrekt adaptierte laufschrift-
werbung, theater in der josefstadt

… und sparen sie sich die zeit fürs lesen vom wasser. auch wenn es das lieblingsbuch von der frau kulturministerin ist (oder gerade deshalb).

erwartung (2)

und probier erst gar nicht, an einem samstagabend im winter ein taxi in der donaueschingenstraße aufzuhalten, nicht einmal in der ostwindigen dresdnerstraße geht das unter zehn minuten, keines kannst du herbeischauen, obwohl, es ist wie beim autostoppen, so kurz wie gerade jetzt war die zeit bis zum nächsten noch nie, es ist das gesetz der warteschleife: ein nochmaliger anruf wird neu gereiht und verlängert daher die wartezeit, ehschowissen.

erwartung (1)

es ist immer das gleiche, und überall: st. valentin, bahnsteig 2, ostwind. palermo puntai raisi (falcone borsellino), gate 9, aria condizionata. wurscht wo, es gilt, das verkehrsmittel das verspätete herbeizusehen. mit der zeit beginnst du, verschiedene beschleunigende rituale zu versuchen, suchst, dir unterlaufene undalso dir anrechenbare, von dir zu verantwortende hemmnisse aufzuspüren, und, ja, wir sind voll, gleich kann es losgehen, und danach in rom das gleiche noch einmal, und auch, nach st. valentin, die anschluss-s-bahn in hütteldorf rollt eben gerade langsam hinaus vom gleis 21, das bedeutet zehn minuten ostwind, abermals, für diesmal genug gereist.

Die Flucht aus Ägypten

Am Morgen dann lag er matt im Bett, wie eine zweidimensionale Matte, von den Umrissen und mit den Achsenverdrehungen einer ägyptischen Malerei: Nach dem mühsamen Aufstehen suchte er das Leintuch nach Auskunft gebenden Hieroglyphen ab, aber hier war keine Information über die Ursache seiner Mattigkeit und inneren Verdrehungen zu finden.

Unten, bei der Rezeption, an der Bar dann, sah er die teilentleerte Limoncelloflasche, falsche Therapie gegen Halsweh, soviel wusste er nun, für diesmal jedenfalls, nun denn, Mineralwasser, her damit!

Schiragnu? (Schinnif auch?)

Finnisch, Ungarisch: Anagramme: Eher ja. Palindrome: Eher nein.

(Ungarisch, nach Rücksprache: Ja, schon, auch!)

ausgelagert (2)

und in sankt pölten, wo sie den heiligen sankt pölten verehren, diesen patron aller querulanten, einfahrtzuparker und jener hirnlosen egoisten, die vorm einsteigen in die straßenbahn noch einen tiefen lungenzug nehmen und diesen in den geschlossenen innenraum ausblasen, verrecken sollen sie an ihren luftröhreneinwärts ausfallenden gelben zähnen, heiliger sankt pölten, bittfüruns, kuzi kuzi.
(es handelt sich hier, wie sie sicherlich sogleich erkannt haben, um karikierende, arg übertreibende vorstellungen, mit franzobelixscher motivik noch dazu, nicht einmal selber erfunden also; eine derart pauschal untergriffige, wenngleich in ihrer formulierung barocke, nachgerade abrahamasanctaclaraeske suadenzumutung muss sich jedenfalls keinesfalls mit der ansicht des verfassers dieser zeilen decken oder nicht.)

ausgelagert (1)

100m deutsch lernen nur 250,- euro
plakatwerbung, rolltreppenwand, u1, karlsplatz. oper (auffahrt zum opernseitigen ausgang)

jetzt stellen sie sich vor, hundert meter deutsch, hundert meter, ungeheuerlich, man fragt sich unwillkürlich (unwillkürlich deshalb, weil, wenn man sich etwas fragt/frägt, dies in der regel unwillkürlich zu geschehen hat), ob man es selbst, deutschmächtig, wie man meinen könnte, auf hundert meter, einhundert meter deutsch bringt, bringen könnte und antwortet sich unmittelbar auf die willkürliche unwillkürlichkeit der ansichselbst gerichteten frage eher wirsch denn unwirsch fraglos so etwas ähnliches wie ich weiß nicht, da müsste ich nachdenken, wobei man längstschon nachzudenken angefangen hat, zu sinnieren, wie das gemeint sein könnte, hundert meter, stellen sie sich einmal vor, vermutlich in dünndruck, und wie lange brauchen sie für hundert meter, dünndruck, mein lieber, seite auf seite, bis es exakt hundert meter sind?, – ich weiß nicht, da müsste ich nachdenken, sinnieren, jawohl, und das ganze ist ja doch ziemlich ein unsinn, über den es sich nicht, keineswegs, auch nicht des rolltreppenaufwärtswegs lohnt, einen gedanken zu verlieren, da ist jede zeile der erörterung eine verlorene, weil das ganze ist ja doch ein schöner blödsinn, und eine person, der solches ins auge sticht eine notorische falsch- oder zumindest allesalscuriosverstehenwollerin, querulantin und damit aspirantin auf die ehrenbürgerschaft von, sagen wir: sankt pölten, womit es uns gelungen ist, diese saudumme frage aufs eleganteste auszulagern.

verwirt

(Aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen verlautet)

Christiane Hörbiger, auf einer Hochzeitsreise (1962) von oben den Blick gen Italien schweifen lassend: Wenn wir den Krieg gewonnen hätten, wäre das alles Österreich. Darauf Wolfgang Glück, ihr eben Angetrauter: Wenn wir den Krieg gewonnen hätten, gäbe es mich nicht mehr.

Wie gesagt: Wer wäre wir und: Wann wäre wer wir und wann nimmermehr?

NB: Ein paar Jahre blieb die Ehe heil. Man fragt warum.

abfahrtsschlapp

wehmut in wengen: riesendebakel für die ösv-herren am lauberhorn, der beste österreicher landet auf dem 18. platz. wer die ersten siebzehn sind, darüber wurde vom orf, bei androhung der ausweisung in die schweiz, eine nachrichtensperre verhängt.

Jonknach (4)

Diese paradox unpoetischen Situationen, an denen uns Gert Jonke einfallen wird, etwa wenn sich Elfjährige in prätuberant präpubertärer Penetranz ein den Waggon stinkbombendosisch umundum zerstörendes nasenzukleisterndes Redbull hineingurgeln.

Achja, den Kleistpreis hatte er auch bekommen.

Jonknach (3)

Der Himmel, der nichts anderes ist als die Wasseroberfläche, zu der wir vom Meeresgrund aufschauen, ist mit Wolkentieren bevölkert. Ab und zu schwebt mit auskragenden Augen ein Rochen oder Hammerhai ostwärts zu Boden.

Gert aber ist längst am oberen Bildrand hinausgeschwommen, lurchgleich metamorph. Die Venus steigt über die Kuppel. Vorbei an Schubert und Beethoven verlassen wir, quasi una fantasia, die Nekropole.

Jonknach (2)

Die Krähen behaupten, eine einzige Krähe könne den Himmel zerstören. Das ist zweifellos, beweist aber nichts gegen den Himmel, denn Himmel bedeutet eben: Unmöglichkeit von Krähen.
Franz Kafka

Oben auf der Treppe, beim Hinaustreten aus der Kirchkuppel, die Glocken übertönend, die Vögel (Kirschhackeramseln, Raben, Eisvögel, Haselhühner, Goldfasane, Kondorsegler, Fischadler, Weißkopfgeier, Hühnerhabichte, Mäusebussarde, Turmfalken, Spottdrosseln, Schneeeulen, Amaranten, Borstenschwänzler, Saftleckerspechte, Breitmaulbrillenwürger, Blauscheitelorganisten, Brutschmarotzstürzler, Dickichtschlüpfer, Erdhöhlentöpfer, Gelbpürzelblütenpicker, Gimpelhäher, Klippenkleiber, Lappenschnäpper, Luftröhrenschreikropfpfeifer, Molluskenschmätzer, Pfefferfresstrompetenwürger, Rotsichelspötter, Schluchtenrötelstutzhaubenpürzler, Schneeballwürger, Graubrustraupenschmätzer, Spitzschopftrugpürzelstelzer, Großschnabelkardinäle, Dompfaffdotterpinsler, Rhinozeroshelmhornputzer, Maiskolbenfagottstotterer, Schilfrohrschalmeienkeifer und Dudelsackbauchflatterer) mit ihrer betörend persönlichen Erlösungslitanei, lassen sich dieses eine Mal: heute nicht so gnädig erst bitten.

Und die Krähen, die es nicht geben kann, hinken wie die Pompfüneberer nicht und fliegen schließlich ins Abendlavendel, heim von eines kurzen Tages Arbeit, himmelwärts.

jonktraum | variante

dieser traum in der nacht vor jonkes begräbnis. wir, eine größere gruppe von freunden, haben uns in einem salon oder pavillon versammelt, hell ist es, die stimmung gelöst, nicht traurig oder gar schwer. die tafel ist mit langstieligen blumen (lilien, calla) frühsommerlich geschmückt, die kleider der damen haben auch etwas helles, maiglöckchenhaft luftiges. es ist wie bei der landpartie in fritz lehners schubertfilm, noch ist tag, aber es wird abend werden, und alle anwesenden wissen, dass es zeit wird, auf den friedhof hinauszugehen. gert aber ist unter uns, und gar nicht zentrum der aufmerksamkeit, sondern einfach heiter anwesend, was eine merkwürdig zweischichtige zeitempfindung auslöst: alle hier wissen, dass wir ihn, den verstorbenen, gleich eingraben werden, und ganz sicher liegt er schon längst aufgebahrt in der luegerkirche, zugleich ist er aber hier unter uns, eine leicht unbeholfene peinlichkeit kommt auf, aber keiner, auch ich nicht, wagt ihn anzusprechen, sodass am schluss nicht ganz klar ist, ob jetzt ein begräbnis stattfindet, stattfinden kann.

im aufwachen und nach diesem merkwürdig durchträumten tag, an dem wir uns, nach dem begängnis, im schloss concordia versammeln, diesem patinierten pavillon, dem die nicht vorhandene frühere größe von den wänden abblättert und wohin wohl schon schuberts freunde ihre damals ebenso friedhofsfernen landpartien unternommen haben, ist alles vollends klar.
ich bin nicht der einzige, der gert gesehen hat, blinzelnd aus dem halbblinden spiegel.

Jonknach (1)

Und, das wurde bei der Rede des wiener Kulturaals wieder einmal peinlich deutlich, es sind immer die Auszeichnenden, welche anhand der Ausgezeichneten sich selbst (durchaus auch persönlich) auszuzeichnen wissen. Inklusive Ehrengrab, den Jonke nimmt Wien keiner mehr weg. Aber das passt schon so. Man stelle sich nur vor: in Klagenfurt.

Vergessen wir diesen Gedanken.

jonktraum

dieser traum in der nacht vor jonkes begräbnis. wir, eine größere gruppe von freunden, haben uns in einem salon oder pavillon versammelt, hell ist es, die stimmung gelöst, nicht traurig oder gar schwer. die tafel ist mit langstieligen blumen (lilien, calla) frühsommerlich geschmückt, die kleider der damen haben auch etwas helles, maiglöckchenhaft luftiges. es ist wie bei der landpartie in fritz lehners schubertfilm, noch ist tag, aber es wird abend werden, und alle anwesenden wissen, dass es zeit wird, auf den friedhof hinauszugehen. gert aber ist unter uns, und gar nicht zentrum der aufmerksamkeit, sondern einfach heiter anwesend, was eine merkwürdig zweischichtige zeitempfindung auslöst: alle hier wissen, dass wir ihn, den verstorbenen, gleich eingraben werden, und ganz sicher liegt er schon längst aufgebahrt in der luegerkirche, zugleich ist er aber hier unter uns, eine leicht unbeholfene peinlichkeit kommt auf, und in einem unbeobachteten moment am gang meine ich zu gert, dass wir schwerlich aufbrechen können, wenn er nicht vorgehe, damit er, der unzweifelhaft tote, sich in seinen sarg legen könne, es wäre doch besser, wenn da niemand von uns zusehen müsse, und die pompfüneberer würden ihm beim besteigen seiner hölzernen raumkapsel behilflich sein, man habe da eine spezielle treppe, gangway, nur kürzer und aus schmiedeeisen, den kranzständern zum verwechseln ähnlich, eigentlich ist es ein kranzständer mit zusätzlicher treppenfunktion, weshalb sie bei begräbnissen niemandem auffalle, da sie dann den kranz an der scharnierlosen längsseite des sarges halte, der die geheimtreppe vollends verberge, und das sei auch besser so.
ob er mit seinem rabengang vor uns aufgebrochen ist oder nur eine abkürzung, ein metaphysisches wurmloch, genommen hat, etwa beim tor eins die stichstraße zur luegerkirche, während die trauergemeinde den offiziösen haupteingang zur nekropole nehmen wird, nehmen muss, wird im traum nicht bekannt gegeben.
beim begräbnis dann funktioniert alles tadellos. fraglich allerdings ist, ob er sich nicht verkehrt und so uns alle hineingelegt hat.

Jonktrauer (7)

Zu sich nach Hause auf die Terrasse seines Penthouse lädt er uns ein, wo wir jederzeit willkommen sind, aber nur, wenn wir pünktlich und vollzählig versammelt sind.

Ich habe den Text Zum Abschied stets geliebt, die Verblüffung, die sich langsam im Publikum breit macht, wenn es die Pointe kapiert und dann seine Freude, sein Vergnügen an den Variationen dieser Pointe.´

Gerts Penthouse (das einzige seines Lebens, in dem er als Kauz, wenn auch höflich, so doch weitgehend ignoriert wurde) hat jetzt die Adresse Gruppe 33 G, Nr. 41, unweit von Jandl (Nr. 29), und unbefristet: Auf Friedhofsdauer, das gibt Sicherheit. Sie brauchen aber nicht hinzukommen, weil sie nie nie nie vollzählig sein werden können.

Lesen und leben sie ihn, jederzeit willkommen, in seinen Texten.

Er macht uns so reich.

jonktrauer (7) – choreographiephantasie

ob die sargtragenden pompfüneberer bei jonkes beerdigung, die ohne jeden zweifel den gang mit gestutztem flügel gegangen sind, annähernd pinguinisch und selbstverständlich synchron, dies unbewusst oder nach tagelangem training taten, wir wollen es nicht so genau wissen, es ist letztlich egal, es ist jedenfalls im letzten poetisch.

Jonktrauer (6)

Heute um 15.30 ist die Begräbnisfeier für Gert Jonke
(Wien, Zentralfriedhof, Karl-Borromäus-Kirche)

Im Nachwort zur Schule der Geläufigkeit schreibt Jochen Jung:

Vor langer Zeit hat Jonke sogar fliegen können; im Traum gelingt ihm das heute noch. Damit er das nie vergisst, hat er sich einen Gang mit gestutztem Flügel angewöhnt.

Jonke du Mutmacher, dass jeder seinem Vogel nachfliegen darf, soll und, sich durch niemand und nichts beirren lassen dürfend, kann. Du lebst es vor, und abgehoben bist du schließlich aus deinem allzu engen Leib, mein lieber Gert.

Jonktrauer (5)

(Am 9. Jänner hätten wir in Steyr gespielt. Und im Frühjahr wollten wir gemeinsam nach Lissabon.)

Was wollen sie noch erleben?, war die letzte Frage im Filmportrait Reise zum unerforschten Grund des Horizonts von Ingrid Ahrer und Martin Polasek.

Einmal möchte ich nach Lissabon, hat Jonke geantwortet, oder nach Steyr, da war ich nämlich auch noch nie.

Und hat verschmitzt geblinzelt.

Jonktrauer (4)

Jonke hat, oft befragt, warum etwas wie sei oder was etwas bedeuten solle, geantwortet: Das weiß ich doch nicht. Das kann man nicht wissen.

Eben. Wissen in diesem quasimateriellen Sinn ist nämlich letztlich überhaupt nichts. Und sowas beruhigt, macht lächeln, darf zahnlos sein sogar, beim Frühstück im Hotel in St. Petersburg die Prothese vergessen habend, laut herauslachen. Sokratisch, besser: jonksch (jonkesk, das würde nicht so gut passen).

Jonktrauer (3)

Überhaupt hat Jonke kaum von seiner Arbeit gesprochen, war ja an ihr leidend. Glücklich, wenn er fertig war, konnte er sich nicht vorstellen, je wieder etwas schreiben zu wollen, gar zu müssen. So war er auch, nach dem Abschluss der Stücke und des Filmportraits, sehr zufrieden, ja, entspannt in der letzten Zeit. Viel lieber hat Jonke nämlich über die Musik gesprochen, Klaviermusik zumal, Szymanowski, Skrjabin, Rachmaninow, ihre Spieler, Richter, Hamelin, Michelangeli, Anderszewski, immer mit begeistertem Respekt. Ansonsten war das innigste Gespräch mit ihm, gemeinsam über die Wesentlichkeiten der Kunst, des Lebens zu schweigen. Weil es war alles klar in ihm und auch, von Anfang an, zwischen uns, nichts zu besprechen: Einfach eine Stunde im Café sitzen, warten, bis der Kaffee wirklich ausgekühlt ist, ihn hinunterstürzen, vielleicht noch einen, oder, früher, Red Bull, später zuckerfrei, ein paar Dosen binnen kurzer Zeit, dazu einige Zigaretten. Zuletzt Bitzelwasser, dann ungezuckerter Tee, dann stilles Wasser. Aber immer gestürzt.

Jonktrauer (2)

Man muss das machen, was man machen muss, und alles andere ist ja Lüge … und Opportunismus.
Gert Jonke, etwa 2005

Jonke war kein sich mit genialischem Nimbus umgürtender Großschriftsteller, hatte nicht diese irlandsausgewanderte Bedeutungsnot, war keiner, den man nur schräg von unten und mit flatterdem Grauhaar posierend ausschließlich für Apotheosen ablichten durfte. Sowas hatte er nicht nötig. Jonke kannte Borges kannte Jonke kannte Canetti kannte Jonke. Borges und Canetti hielten, auf unterschiedliche Art und Weise, Hof. Der eine hatte seinen Sprechtag, und da ließ der erblindende, schließlich blinde Seher nur zu, wen er wirklich sehen wollte, gerne und immer wieder Jonke. Canetti wiederum mochte in London das gleiche Lokal, und er schätzte Jonke, seinen Geometrischen Heimatroman, hat mir Jonke erzählt, nebenbei, ohne zu prahlen, das war ihm fremd, und er hat sofort weitere Autoren genannt, Handke, Innerhofer, andere noch. Jonke jedenfalls redete mit Canetti und Borges, über allerhand, und ganz sicher nicht über durch sie zu beförderndes Vorwärtskommen in einer zu planenden Dichterkarriere. Die er ja gar nicht plante, planen wollte. Andere sind da geschickter, keine Frage, er aber hat das gemacht, was er machen musste (siehe das Zitat oben).

Jonktrauer (1)

Mariazeller Lebenselixier
tinctura longæ vitæ
Anwendung: 3x tgl 10 Tropfen
Apo. ›Z. Gnadenmutter‹
MHD 12.2009

Arzneimittelaufschrift (50ml)

Er hat es mir, als er mir zum Geburtstag geschenkt wurde, und wir auch von Sankt Sebastian in die Stadt spaziert sind, augenzwinkernd und mit ernstem Blick, jedenfalls vollen Herzens, geschenkt. Als ehemaligem Alkoholiker war dieser alkoholische Auszug aus Passionsblume, Weißdorn, Melisse, Taigawurzel, Orangenschale, Zimtrinde und Ginkgo wohl nichts für ihn. Und er hat damals, anfang Juli, zumindest geahnt, dass dieses Elixier für ihn zu spät kommen würde. Aber es war ein wunderschöner, entspannter, befreiender Tag, Abend und Morgen mit ihm in Mariazell, beim Lurgbauern und auf der Heimreise, für den wir lebenslang, und das bedeutet: über den Tod hinaus dankbar und glücklich sein dürfen.

Gert, Paradieskauz, ganzundgar unabwesender, seit eh und je.

klarsicht

in paris blieb es mit minus 15 grad in der nacht auf mittwoch zwar eisig kalt, der eiffelturm, konnte aber wieder besichtigt werden.
der standard, 8.1.2009

nur kurzzeitig also hat sich das stahlgetüm einen weggefroren. was sind wir erleichtert.

Klirrsicht

Blasssonnenaufgang Anfang Jänner. Dass im Winter der Osten so weit im Süden liegt. Dem ist auch kalt.

verzogen

Die Route Damberg-Schwarzberg-Laussa-Losenstein war eine beliebte Schulwandertagswanderung, waldig, keine ausgesetzten Stellen, aber ziemlich ein Hatscher – ein Wort, das jungen Gymnasiastenmenschen die Strapazen der großen muslimischen Wallfahrt inkulturiert erfahrbar macht.

Die Laussa, wie man sagt, und erst recht Losenstein sind, das ist klar, hinter dem Berg, beinahe Schneewittchenland, Hügelaufhügelab. undaber hinter dem Berg ist vor dem Berg. Und du kannst, nach andern Ufern!, das Schiff besteigen und wirst nichtsdestotrotz dort aussteigen, wo du schon warst, in dir nämlich, es ist eher so, dass du deine neue Umgebung mit dir gewissermaßen kontaminierst, deine ganze Fluchtgeschichte ist mit dir, und jenseits des Ufers, hinter dem Berg, das sind doch Unerheblichkeiten. nicht nur als Boatpeople auf Pantelleria oder Lampedusa, auch innerhalb deiner Stadt, deines Landes, vor, auf oder hinter dem Berg.

verlesen

after-shame balsam
sensitiv
alkoholfrei

(produktaufschrift)

tat das gut, betupfte er sein weißes kinn, danach.

Südseetraum (2)

Ob der Fisch am Boden wohl giftig ist?, so seine Schnorchelsorgen, konnte er sich an keinen Filmdialog erinnern, in dem gefragt wurde, ob Haie giftig seien, gar der Weisse. Auch bei Walen stellte sich diese Frage nicht. und auch von Rochen würde er nicht gestochen, wachte er auf, klatschnass, badehosenlos.

südseetraum (1)

nicht nur die eidechsen, auch die krabben fliehen vor einem. auch sie haben ihren streng abgesteckten lebensraum, bei ihnen ist es das klar definierte dazwischen.
aber sie fliehen unhörbar, das rascheln der eidechsen wird ihnen vom rauschen der brandung abgenommen.

zuordnungsschemata

rotwein sei in b-tonarten zu klassifizieren, weißer in kreuz. interessant wären die quart/quintenzirkelberührungen im enharmonischen bereich (amarone? marsala? strohwein? trockenbeerenauslese?) cis/des, fis/ges, h/ces. weiters: schaumweine. brände. porter (wie es in erzählungen, die sich englisch geben, heißt).
natürlich ließen sich auch dafür ordnungen finden, neue skalen, klangfarbenmelodien, ich fühle luft von anderem planeten, kam es ihm, entrückend. denn alles braucht seine ordnung, heißt es, auch das chaos. achnein, das ist ja die höchste form der organisation, die nur krankhafte ordnungstypen (niederer ordnung) in ihrer komplexität nicht zu erkennen vermögen.
rotwein, jawohl, rotwein.

vorverkostnotizen

ach! ach!, ächelte er milde vor sich hin, heute noch würde er ihn ausgiebig verkosten den neuen jahrgang, o was freute er sich auf ihn, dem die lorbeeren gebührten, und naturgemäß würde er damit aufs freudvollste herausrücken, mit allen lorbeeren prämieren, wie ja letztlich die prämierer durch die – gewährenden – prämierten zu den reziprok undalso eigentlich ausgezeichneten wurden, jederzeit und überall. im vorgefühl von solchem hohen glück schleckte er sich ums frisch rasierte maul, was stets den größtmöglichen genuss im höchsten augenblick versprach.
alles andere als ein diesseitiger hedonist, war er jedenfalls verfechter einer umfassenden epikuräischen sinnlichkeit, hoffte er stets das beste von sich.
ach! ach!, ächelte er milde vor sich hin, abermals.
nun denn, es ging ans entkorken. erbebend sog er einen tiefen zug ein
(allzusehr im augenblick erbebend bricht der text an dieser stelle ab.)

hirnnahrung (bypass)

das nichtlesen von zeitungen und das nichtsehen von fernsehsendungen war ihm ähnlich pauli in der tat eine quelle ungetrübten vergnügens. weil was erführe man denn, als wer wo mit dem radl hingefallen, wer sich den schädel eingerannt und wer irgendwo auf dem heimweg überfahren worden sei. ihn würde dann schon mehr interessieren, von den leuten zu lesen, die gut heimgekommen sind. wolfgang pauli, so ein geistreicher geist. wegen seiner in bälde zu erwerbenden villa sollte er sich vielleicht zu allererst sein geburtshaus an der ecke anton frank gasse / weimarer straße ansehen.

vorsätzlich

fürs neue jahr nahm er, statt der üblichen, postchristlich gefärbten vorsätze (abnehmen, weniger alkohol, mehr bewegung – zum gähnen) ein praktisches ziel ins visier: hölzln [hÅ“ltchlhn] erlernen und, zum richtigen zeitpunkt, so anwenden, wie es sonst nur wichenchaftler oder literaturgrochkchritiker zusammenbringen.
der endgültige durchbruch war ihm cho chicherlich nicht mehr tchu nehmen.
weil, wie er gelernt hatte, man rechtzeitig drauf schaut, dass mans hat, wenn mans braucht, war jedenfalls klar, dass es zeit war, sich nach einer standesgemäßen villa umzutun.

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gert jonke ist heute in der früh gestorben. was für ein lieber mensch, zauberer, freund. mehr als ein freund: poetisch verbündeter.

irreprehensibilis

… der werfe den ersten schuh
irakesisch abgewandeltes bibelzitat

franz schuh im magazin des glücks spricht, knapp vor weihnachten, von einem deutlichchprecher und von einem undeutlichchprecher, beides chauchpieler, und der deutlichchprecher, horst buchholz, hatte in jungen jahren einen hochchtapler gechpielt, einen glücklichen.
ich liebe ihn, den fraanz, und seine unerreichte grandezza.

Kontinentalverschiebung

Den neuen Kineser am Wieserfeldplatz gibts nimmer, statt seiner, wie man in Steyr sagt, ist dort jetzt der nächste Türke eingezogen. Den Namen, Asian House, aber hat er sich behalten.

Mit dem EU-Beitritt (nicht nur Chinas) sieht es schlecht aus.