mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


frauenmesse, eröffnung

im namen der mutter
und der tochter
und der heiligen geistin!
amin.

… dazu soviel society, wie sie bei männlicheren anlässen nur höchstselten zu finden war, in der südlichen verschleierungshauptstadt am see.

wetterdramatisch, ohne moral

h: ich glaub‘, wir haben so was aus süd-nord?
w: jawohl, herr hauptmann.
h: ha, ha ha! süd-nord! ha, ha, ha! oh, er ist dumm, ganz abscheulich dumm!
georg büchner, woyzeck

wetter: der winter zieht ins land

schlagzeile (wetter), kurier (online-ausgabe)

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das wetter bleibt sommerlich

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ich glaub‘, wenn wir in himmel kämen, so müßten wir donnern helfen.
georg büchner, woyzeck

paarweise (einseitig)

wien mariahilf. die straße der sieger wird richtung innenstadt ergänzt. was lernen wir dabei? – auch mehrfache vizeweltmeister im autowettfahren haben unter ihren hand- und fußschuhen hände und füße, mit etwas massl bis zur einbetonierten verewigung sogar jeweils zwei stück.
auf der gegenüber liegenden straßenseite, wo keine maria hilft, sind keine sportlichen namen, hände oder füße im boden eingelassen. wäre aber eine ehrlich reizvolle idee; und könnte man so manchen sieger, wenn seine legende (doping- oder schmiergeldbedingt) zu verblassen anhebt, einfach jenseitig umbetten.

bildausschnittbild

nach dem (wie stets: spektakulären) kunstraub gab es in der krone (wie immer: als erstes; und: exklusiv!) das bild vom leeren rahmen.

ehrlich sehr erfreut

promenadensonnensonntag. hunde (phänotyp: heile-familie-indikator) beschnüffeln einander mit ihren saftigen nasen, an ihren leinen die glücklichen familieninhaber. vorstellung, wie es wäre, wenn die menschen wedelschwänze hätten.
haben sie. schau genau!

regieidee

herr johann tannhäuser
visitkarte

don giovanni endet durch bandscheibenvorfall (plausibel aufgrund seines langgezogenen abgangs-aaaargh!). er wird in den rollleibstuhl vom komtur gesetzt und nach hinten, mitte, abgeschoben, die innenministerin bringt ihn aus der szene, auf ein gleißendes licht (op?) zu. am sicherheitsstrich, unter dem zäh sich senkenden eisernen vorhang, tanzt der komtur (herbert haupt in seinem späten, äußerst gelungenen operndebut) cancan und wird von diesem gefällt.
doch nein, der vorhang zerbeult sich, das haus birst!
vorhang.
jedenfalls: kompliment nach graz!

kasten, frisch geöhlt

das allzurunderneuerte zentralsteirische gernegroßtukaufhaus scheint eigens ältere soignierte herren mit hademarbankhoferhalstüchern engagiert zu haben, die einem ein ichbinderseniorchefartiges, freundschaftlich-verbindliches grüßgott schenken. für jede etage gibt es da so einen höflichkeitswusler, offensichtlich wurden sie unter pensionierten herrenmodeverkaufsberatern gecastet, im wege eines steiermarkweiten offenen ausschreibeverfahrens der, nomen est omen, kleinen zeitung.


loriot, wir danken dir!

holzarbeit, recreativ

der hornbrillenton des soloklarinettisten indes harmoniert nachgerade ideal mit dem randlosbrillenklang des fagottisten, der sich seinerseits perfekt an die schilddrüsenmäßig erfreulich unverdächtige solooboe schmiegt, goldflötig schließt das gehölz nach obenhin ab, abgerundet von den beiden osmotisch grrrru-losen hörnern, grüßgott auf steirisch.

hyperstruktur

am zweiten cellistinnenpult die cellistin kaut ihren kaugummi hemiolisch.

bogenpagenrückhalt

die konzertmeisterfrisur flößt zuversicht ein und nimmt allen streichern bis fast zu den kontrabassisten jegliche angst vor – stets möglichen – bogenbehaarungsproblemen. ob sie – man kann ja nie wissen – ihr träger schon vorsorglich kolophoniert hat? stets frisierend phrasierend, wie es sich eben gehört, für einen adretten konzertisten.

Türhüterfragment

JJ Fu
Johann Joseph Fux Raum
(Durchgang zum Volksmusikraum)

Zimmerbezeichnung (links hinten), Musikgymnasium, Graz

Volxsmusik
Volksmusikraum
(Durchgang zum Johann Joseph Fux Raum
)
Zimmerbezeichnung (rechts hinten), Musikgymnasium, Graz

Was es nicht für (nicht nur) musikalische Wurmlöcher gibt, sowas!

kropflos schlank

meersalz, jodiert
produktaufschrift

gleich fängt die orchesterprobe an. alles trudelt in den saal, und keine instrumentengruppe ist klarer zu erkennen als wie die der bratschistinnen an ihrem linkshalsigen berufsekzem.
alles spielt sich mendelsversöhnlich leicht, fast, scheints, italienisch.
schön.

siegelwerk

glaubt mir, des menschen wahrster wahn
wird ihm im traume aufgetan:
all dichtkunst und poeterei
ist nichts als wahrtraumdeuterei.

richard wagner, die meistersinger von nürnberg (3. aufzug, 2. szene)

47
träumte dir an einem sommertag, du stündest vor der quälenden entscheidung, zwischen zwei irrenhäusern wählen zu müssen, dann wirf ein kleines geldstück in den fluss: bringt es dir eine schildkröte zurück, entscheide dich für das erste, bringt es dir ein fisch zurück, entschließe dich für das zweite. der fluss muss der sambesi sein und
siebenundvierzig bedeutet: sich für eines von zwei irrenhäusern entscheiden müssen. bringt glück um die mittagsstunde.
hc artmann, grünverschlossene botschaft

wobei selbstverständlich (manche würden sagen: natürlich) novembersonnenklar war, dass ein jedes dieser irrenhäuser nur in einem selbst behaust sein konnte, und ein jedes element in einem traum war man immer selber, als träumer von träumen, zumal so umfassend kompetenter weltenwahrtraumträumer, deren abenteuerlichsten einer hc artmann immer noch ist.

untiefen, vermutlich schuldlos

neonazi-homepage: abwehramt beobachtet sehr genau
orfon

schon merkwürdig, wie die alles so genau beobachten, dass natürlich immer, gerade in diesem eck, eine annähernd so umfassende unschuldsvermutung gilt wie bei den kärntnerischen fallottereien. und eingeschritten wird sowieso, aufs vehementeste und längst schon unverzüglich.
wer könnte, das nebenbei, die aktivitäten einer homepage genauer beobachten, als eine des administrierens kundige stelle?
es gilt die unschuldsvermutung, jaja.

ortsfest

e-mobility
zeitgeisterfüllt elektrisch tretunterstützendes einspurvergnügungsfortbewegungsunternehmen, steyr

laut aussprechen! (inglisch!)

permanent shopping

dringlicher auftrag, mitgenommen aus der ernst jandl show im wien museum: erstelle deine eigene einkaufsliste für immer!

Nostalgie (temperaturerhöht), zum Fürchten

Schweinegrippe explodiert!
Krawallzeitungsschlagzeile, November 2009

Die Polizei begann zu Mittag mit der systematischen Durchsuchung des Gebäudes, die eben erst angelaufene Impfaktion gegen Schweinegrippe musste wieder gestoppt werden.
orfon, 9.11.09

Erinnern wir uns jener angeregten (um nicht zu sagen und es also zu sagen: hitzigen) Diskussion über die Schweinegrippe, die, so wollte man uns hineindrücken, draufunddran war zu explodieren, ein Jahr ists her, es macht einen seufzen. Dabei ist es allerhöchstens möglich, ein Schweinegerippe, aktiv zumal, zur Explosion zu bringen, so, wie sie es damals auch mit dem vorweg noch recht aktiven weißen Hai getan haben, dessen Explosionsverwertung aber entschieden mehr gebracht hat, als heutzutage eine noch so ästhetisch perfekt gesprengte Sau einbringen würde.

Von wem jetzt die größere Bedrohung ausgehe, das kann noch nicht endgültig gesagt werden. Real aber ist in jedem Fall ihre Vorstellung.

Ich fürcht mich. Wovor? Das weiß ich doch noch nicht!

Entrückend

Wie schön wäre Wien
ohne Wiener?

Georg Kreisler

Belvederepark, seitlich, perfekt absolutistisch unterworfene Natursimulation. Wo sich Touristen überall hinzubegeben bereit sind, um noch unwürdigere Abbildungen von sich anfertigen zu lassen. Es täte einen nicht wundern, käme plötzlich ein scottyscher Transporterstrahl und entrückte die fremden Besucher zurück aufs Mutterschiff im Orbit. In diesem Lichte also wäre obige (rhetorische) Frage noch einmal neu zu – ääh – zu beleuchten.

So dachte er, still hoffend, bei sich, und gleich darauf brutzelte es wie beim Kontaktaufnehmen der Lokomotive mit der Oberleitung und es kam Bewegung in die Sache. Auch diesmal schien Helge Schneider seine Hände im Spiel zu haben, jawohl, diese Aktion trug Helge Schneiders Handschrift.

Weg war er.

rechtsdrehend, inwendig

also ich sags gleich: ich wars nicht!
filmzitat (ins hochdeutsche übertragen)

der karmelitermarkt, sehr schick, mit seinem gebildeten samstagspublikum, das sich sein gehobenes bewusstsein auch tatsächlich leisten kann (oder zumindest erfolgreich so tut als ob). im zentrum der große stand für allerbewusstestes genießen, was für ein biodynamisch korrektes gewusel. hat einer gedrängelt und war etwa gar, korrekt österreichisch, ungeduldig? – slow food, aber zack-zack! – hn?

nebelleben, prospektiv

ein licht tanzt freundlich vor mir her
wilhelm müller

verschellen, das geht ja gar nicht. er, sie, es verschellt, gerade, wenn ich das von jemand behaupten kann, dann geht er ja nicht verloren, und bleibt, dabei beobachtet, ebend, in der gegend, innerhalb des ereignishorizonts, völlig unverschollen oder unverschallt,
bis er, im shawl, idealiter nach links hinten (es ginge auch rechts), im nebeltunnelsog, aus dem ein schwaches lichtlein winke, äh, verschwunden ist.

partygemeinheit

köstlich, dieser linsensalat, köstlich, und langfristig gesichert war der furzspaß, vom ersten anschauen weg, oijoijoi. daheim wieder, zum langsamen herunterkommen auf eine ihm normal erscheinende dosis (aber was war denn das, normal: der rechte winkel, sonst überhaupt nichts), bereitete er besten buchweizen nach russischer art zu. jetzt war es ihm erstmals möglich, die tief verwurzelte wodkasehnsucht nordeurasiens annähernd authentisch zu verstehen.
hernach war alles verdaut, auch das kraut.
lüften, und der föhn, ein glück.

tcm dental

die luftaggregatsgeräusche aus der küche des chinarestaurants lassen darauf schließen, dass es sich eigentlich um eine schwarzzahnarztpraxis handelt. noch weitere indizien (entsprechendes gebiss der servierkraft, exotische dampfgerüche) deuten darauf hin, dass dieser verdacht ein wohl begründeter sein dürfte. jetzt gehe ich zum hintereingang, und wenn sie länger als zehn minuten keine nachricht von mir erhalten, rufen sie bitte die krankenkasse. aber unauffälig.

navigant

und weiter, sowieso, gehts immer. oft sieht man erst nach der kurve, die in die falsche richtung zu weisen scheint (klarerweise muss sie in die falsche richtung weisen!), dass eh alles seinen richtigen verlauf hat. und manchmal sind im navi gewisse straßen noch gar nicht eingetragen, sodass es dich dauernd in 150! – 140! – 130! (…)! metern zum abbiegen zwingen will, wenn du auch über das – wie es dem navi erscheinen mag unwegsame – gelände mit gut 100 sachen brausest. wie zum beispiel letztes jahr die autobahnumfahrung von venezia – padova. oder die neue schnellstraße von enns west nach steyr.
da schwitzts ganz schön und will dir immer neue wege vorrechnen.
gehen.

sauber eingeparkt

in der nachnacht (nachschlafen nach – stets unendlicher – frühmorgendlicher schlaflosigkeit) hatte er sein auto in einer nische der wohnung des parkhauswärters auf dem laminatboden geparkt. geparkt, mit einer brillianz wie nie und ohne es zu merken, weil sein wagen den begriff kleinwagen zu recht trug. der wärter und seine junge frau nahmen den eingriff in ihre privatsphäre mit humor, er musste, da das gefährt picobello sauber war und sich die wärterin, der er zu gefallen schien, für ihn einsetzte, nur 10 schilling zahlen. schilling, genau. er zahlte dann aber am automaten bei der ausfahrt (die es, ebenso wie die einfahrt in der wohnung gar nicht hätte geben dürfen), was ihn derart stutzig machte, dass er anstatt hinauszufahren mit einem schadegedanken an die schwarzhaarig schöne wärtersfrau aufwachte. als wärs ein italienischer film aus den frühen siebziger jahren, sah er sie im blinzeln aus dem schlafzimmer huschen.
ins bad. haare.

kalenderreform

halloween
ganztägig
☑
von 31.10.2010
bis 31.10.2010
wiederholen jedes jahr
ende nie
fertig
softwaredialog (kalenderprogramm)

endlich ende nie!
(in der zwischenzeit aber: november. – willkommen im herbsten mai!)

gefunden!

schweißer/in gesucht
stellenangebot

kann man das geld für seine eintrittskarte zurückfordern, wenn man (ohne ihn explizit gesucht zu haben) im tadellos winterreisend gekleideten konzertsitznachbarn einen gefunden hat?

gelungen geklungen!

kaum waren die samstagmittäglichen testsirenen (auch jene jeglichen ausgleichsschlaf beendenden am giebel des ruhezimmers der freunde) nach ihrem spitzenstromschonend asynchronen einsatz verklungen, als auch schon sämtliche glocken, wie zum applause das kleine alte städtchen beschallten.

gender gap (2)

jazzpant
produktbezeichnung, tchibo/eduscho

jetzt wusste er endgültig, warum er es für unstatthaft hielt, sich je weiter als jazzmusiker zu fühlen. abermals stellte sich die genderfrage, brennend drängte ihn sein aufgekeimter forscherdrang.

gender gap (1)

bügel-bh
produktbezeichnung, tchibo/eduscho

ob man so etwas anzuziehen habe, bevor man mit dem heißen eisen über die luftgetrockneten kleidungsstücke zu gleiten anhübe? männer taten sowas ja mittlerweile auch. gäbe es also gendergerechte bügelbekleidung (welche vornehmlich im eigenen bügelschloss anzuziehen sich schickte?)?
knisternde erotik, allezeit.

würschtl in saft

die beliebte militärische würschtlparade zum nationalfeiertag, mit gulaschkanone und einwandfreiem menschenferntoaster – wenn du gut zielst, das zeug richtig abfeuerst und fein triffst: bumsti!, sag ich da nur, all das natürlich zu hundert prozent in den händen der fraglos guten, die in jedem fall wir sind, wer denn sonst auch?
fest steht, abermals: von außen ist unsere sicherheit nicht bedroht. ein infekt, er ist aber drauf und dran, die humane gesundheit in diesem land völlig hinweg zu raffen. da hilft auch kein toaster.

fit mach mit

Religion
Diözese Eisenstadt: Caritas-Direktor muss gehen
Marienerscheinung: Kärntner Bischof distanziert sich

Kultur
Salzburger Landestheater: Kaufmännische Direktorin geht

Lifestyle
Beinamputierter joggt für guten Zweck

orfon

Die Welt in Österreich steht still. Alle gehen, manche laufen. Nationalfeiertag.

.

..

…

(Distanz)

körperpflegeklassiker, farbe

da es aber er war, der unter der brause stand und sich eine (messerlos) fingerreckende frauenhand über den duschvorhang streckte und seinen kopf ergriff, keine geigen in viertelnotig glissierenden clustern kreischten und überhaupt sich die ganze schreckensszene nicht in schwarzweiß abspielte, geschah nichts weiter. als letztes sah er, wie die duschschaumabwaschreste, der corioloskraft gehorchend, im ausguss verschwanden.
schnitt, nächste szene.

abgehoben

komm o geiheist vohon oben
anrufung, international

marienerscheinung: kärntner bischof distanziert sich

katholische glaubensinformation (via orfon)

da kommt also die mitzi und zieht alle mit, nach bad (sprich: baad) sankt leonhard kommt sie, und der regionalboss vom bodenpersonal, statt dass er, grüßie, frau meerstern, zu ihr sich wendet, verzieht er sich, macht meter, schaut, dass er land gewinnt.
ich glaub, da gibts jetzt bitte nichts zum gutheißen, weil so ist das ganz sicher nicht in seiner jobdescription gestanden. ein austretender bischof, so geht das bitte nicht, da sehn wir aber schwarz für ihn, für kärnten, leider, oja, leider o, sowieso.
einer fehlt.

sparlampe

silber am mondpol gefunden
agenturmeldung (orfon)

ob aber das als neuigkeit gewertet werden kann? gold, jawohl, gold, das wärs gewesen, dann hätten sie erklärungsnotstand betreffend die heutige abendnächtliche vollmondbeleuchtung hier auf erden!

geschmäcklerisch?

quetschhaus: wurm verzerrt die welt
agenturmeldung (orfon)

man wollte das unter den fingernägeln brennende thema mehrere vortragswinter hindurch am maroniofen warmhalten. merkwürdig, dass das ganze dann doch etwas ausgetrocknet (sagen wir es ehrlich: verkohlt) ins zeitungspapiererne stanitzel (dem steirischen hohlmaß entsprechend ein viertelliter) gefüllt wurde. wurm war dann aber keiner mehr drin, immerhin.

podiumsfauxpas

der bleiche zarte russische jüngling könnte einem zauberbergschen personal entlehnt sein, aber auch als bulimischer schispringer könnte er mit seinen gut einsneunzig eine glaubwürdige figur abgeben, womöglich wurde er gar von matti nykänen beim sprungbewerb von harachov backschanz gezeugt. unabdingbar für spinnengliedrige griffbrettdrücker wären aber tatsächliche manschetten (schwere, klobige), und selbst sein tadellos gestärktes dunkelweißes hemd mit dem so verwegen-abenteuerlichen siebzigerjahrekragen reicht da nicht aus, solange es nur schlichte knöpfe auf den ärmeln hat und torpediert selbst die zahnseidenste virtuosengeigerei.

gewissheit, unzukünftig

das wahre glück wäre, sich an die gegenwart zu erinnern.
jules renard (1864-1910)

und morgen dann, morgen werden wir dann wissen, was wir heute getan haben werden. weil exakt so (und nur so) funktioniert die zukunft, soll sie eintreffexakt sein. wobei, in der darstellung und wertung des gewesenen haben sich kaum noch zwei gefunden, die darüber einer meinung wären.
bliebe die gegenwart als einzig zutreffende existenzform.
jetzt (hier bitte weiterleben)

befreit, unerlöst

the future’s uncertain, and the end is always clear.
the doors, roadhouse blues

gerettete kumpel vor ungewisser zukunft
orfon

bei orfon scheinen die ausgepichtesten existenzialisten zu arbeiten. mit welcher klarheit sie die dinge in wenigen worten herauszuschälen in der lage sind, allerhand!
hatte man also den scherm auf, hatte sich so bemüht und das menschenmögliche (weil als unmöglich hatte es sich nicht herausgestellt – glücklicherweise!) getan und die dreiunddreißig bergleute samt rettern aus ihrem erdverließ befreit – und jetzt das. anstatt der recht sicheren finalen perspektive untertags nun also all das ungewisse oberirdisch, also wirklich, unerträglich, und abermals sind sie die einzigen mit diesem schicksal, sensation – von den überirdisch gewissen ungewissheiten ganz zu schweigen.
kafkas katzenlamm und die vorgeschlagene erlösung für seine merkwürdige kreuzung mag einem einfallen.

organe, geomantisch empathisch

mittag. polizeibesuch im autogrill. der eine hat ein gelbes emblem mit drei schwarzen kreissektoren, der andere eine bunte ansammlung mannigfachster zeichen, als wärs ein in den siebziger jahren bei einem landesheraldischen konsulenten in auftrag gegebenes wappen einer abspaltungskatastralgemeinde. die nachfrage bestätigt das befürchtete: gefahrenstoffkundiges organ (letzterer); strahlenspürer (der in der tat eine gewisse sensibilität ausstrahlende mit dem einer blindenbinde – sieht man es von weitem, was für den betrachteten wurscht ist – zum verwechseln ähnlichen logo).

gibt es das blindenlogo eigentlich auch zum ertasten? und das strahlenspüreremblem?

spätzeit

da es herbst war, waren die silberfischerl hier, wie nicht anders zu erwarten, schwarz angelaufen, wiewohl wohlgenährt. kein problem, man müsse ihnen nur etwas sidol ins futterschüsserl geben und sie glänzten wie neu, bis weihnachten ginge sich das locker aus, meinte die souveräne hausfrau und machte mit der hand eine geste, als ob sie mit dem christkindlglöckchen den bescherungsbeginn signalisierte. ihm aber fiel dabei nur john cleeses good night! ein, oijeoije.

goldfischli, mit sesampanzer, liefen die an und wenn ja: wie?

doing!

schildkröt haben sie geheißen die tischtennisbälle (weiß, gelb, einstern und dreistern), die besten aber kommen heutzutage aus australien und sind aus känguru(h)fleisch faschiert, erklärte er.

hinfort

die österreuchlerische zynismusministerin will kinderfreundlich abschieben lassen.
bestens.

unspielbar

der zu seinem passantenpublikum keinerlei fühlung aufnehmende akkordeonhalter mit dem – zutreffenden – blick des völlig unvermögenden spielt seine einstimmigen melodien mit einer derartig jämmerlichen, nein: brillianten unmusikalität, dass der versuch des nachempfindens schon wieder ein interessantes musikprojekt zu ergeben verspräche: wie er die perioden seiner dreivier stücke (mehr sind es nicht) an immer noch unpassenderen stellen abkürzt und wo er den melos noch tragikomischer überdehnt, das macht ihm so schnell keiner nach. so gesehen ein polarer zustand, ein unzugänglichkeitspol.
große kunst.

nachfeier, onomastisch

traumatisk
alb

produktbezeichnungsvorschlag, schwedisch (kopfpolster; überzug)

was für ein fest

natürlich, es gab heute schon produkte, die selbst dezidierte nichthausfrauen wie modellhausfrauen aus den fünfzigern ausschauen ließen. hochaktuell in jedem fall die nun auch einer breiteren bevölkerungsschicht zugänglichen weil endlich auch für die mittleren bis unteren einkommens- und konsumklassen erschwinglichen praktischen microfaserputztücher, und man hatte auf sie auch schon zugriff, wenn man in den supermarkt oder zum eduscho oder zum tchibo ging, war also nicht mehr auf eine einladung im freundinnenkreis zu einer, wenn auch beliebten so doch für die veranstalterin anstrengenden und aufwändigen, tupperparties abgekupferten microfaserputztuchparty angewiesen, was für ein fortschritt auch, sodass sich für eine eine solche party gebende microfaserdaheimherzeigvertriebsdame (wie alle anderen auch eine völlig selbständige unternehmerin!) kaum mehr die ansonsten unabkömmliche haushaltsversicherung rechnen konnte, wobei es sich ja bei den künstlich herbeigeführten kleinen malheurs strenggenommen um keine haushaltsversicherungsfälle handeln konnte, vielmehr handelte es sich um scheinmissgeschicke, deren folgen (flecken zum weglecken) ratzfatz von den praktischen und immer zur hand habenden microfaserputztüchern noch vor ihrem eintreten beseitigt werden konnten, ein sauberes land brauchen wir, vom boden- bis zum neusiedlersee, am wörther- und klopeinersee sowieso, und auch in lambichl ist alles schon wieder so schön sauber, halleiluja, um es kärntnerisch zu sagen.
was für ein fest.

legendenauffrischung

der heilige sebastian war schon immer ein beliebter heiliger. sebastian ist der schutzheilige gegen die pest und andere seuchen und beschützer der brunnen, die er gegen pestilenzen beschützt. sebastian ist patron der sterbenden, eisenhändler, töpfer, gärtner, gerber, bürstenbinder, stadt-/gemeindepolizisten (d) und (i), soldaten und schützenbruderschaften, kriegsinvaliden, büchsenmacher, eisen- und zinngießer, steinmetze, leichenträger.
wikipedia

eines nachts aber war sebastian zwecks himmelfahrt unterwegs im ortsgebiet als wärs freiland; was heißt freiland? – als wärs ein freistaat! wieweit seine kollision mit einem heimtückischen hydranten als mit seiner brunnenschutzpatronanz weiterhin kompatibel zu bezeichnen sein kann, muss noch gesondert erörtert werden. nicht zuletzt deshalb ist eine gewisse skepsis patronen gegenüber, seien sie noch so akklamiert, überlegenswert.

festschrift

wien, leopold, 15. november
niederösterreich, leopold, 15. november
burgenland, martin, 11. november
steiermark, josef, 19. märz
oberösterreich, florian, 4. mai
salzburg, rupert, 24. september
tirol, josef, 19. märz
vorarlberg, josef, 19. märz

du schreibst mir das bis morgen. neunzig mal, schön mit der hand, ohne copypaste. und, fast hätt ichs vergessen, zweimal auf einem extra blatt und in schönschreibschrift:

kärnten, sebastian, 11. oktober

also gut, bis übermorgen, sind ja zwei feiertage jetzt.
nicht nur teneleven.

mutmaßung, plusquamdental

ob man einpersonenhaushalte unter anderem daran erkennen kann, dass die aufsteckbürsten für die elektrische zahnpflege nicht mit den praktischen farbigen ringen (restringränder von aus ihnen ausgestochenen fizzers) markiert werden?

kein beweis, aber ein indiz, und fizzers als solches stand schon länger im ruche, eine vorfeldorganisation der zahnbehandlungsbranche zu sein.

großraumlauschangriff, passiv

pass also auf: am 22. august bei der klaräpfelernte hat dir der josef die brille heruntergestoßen. du hast dich dabei nicht bewegt! (erst hab ich ja gemeint, beim trampolinspringen, das ist aber nicht so gut, haben wir uns dann aber gedacht.) — ja, aber die brille müssen wir der versicherung auch schicken. schauma amal. — nein du, ich sitz grad im zug, wer weiß, ob da nicht einer von der versicherung mit im waggon sitzt.
(originaltranskript)

vorschlag für die nächste brillenschadensmeldung: mehrere unbekannte haben mir im zug beim telefonieren eine geschmiert. nein, gaaanz sicher nicht im ruhewaggon, ich gehe mit meinen augengläsern ja auch nicht trampolinspringen oder, bewahre!, zur klaräpfelernte. — nein, auch nicht ende august, da schon gar nicht.

brüderlichkeit, unverbrüchliche (konjunktivisch)

kahlenbergerdorf, hirnbrecherstiege
topographisches detail, wien

zwanz’g z’quetschte zwutschkerlzwetschkn
und
zwanz’g z’quetschte zwutschkerlzwetschkn
san
vierz’g z’quetschte zwutschkerlzwetschkn
zungenbrecher, österreichisch

[es genügt, ihn einmal fehlerfrei durchzukebommen]

die katze tritt die treppe krumm
die katze tritt die treppe krumm
die katze tritt die treppe krumm
die katze tritt die treppe krumm

deutsche antwort
[mehrmals in schnellstmöglichem tempo deutlichst zu ar-ti-ku-lie-ren]

wie weit es aber möglich sei, zungenbrecher (dt., österr.) mental zu üben, bedürfe einer gesonderten untersuchung. möglicherweise sei das aber sogar notwendig. erst der überwundene hirnbrecher ermögliche den geglückten – mithin bruchlosen – zungenbrecher.
wellenbrecher wiederum seien eine andere categorie, nicht zuletzt auch deshalb, weil derartige bauwerke im aktuellen österreich eher schwierig anzutreffen seien. (schaumschlagwellenbrechbauwerke wären, in zeiten wie diesen, also immer, bitter nötig.)

abnehmend

mehr licht!
(goethen zugeraunt)

dann wird es heller – aber nicht ganz
e.a.v.

dass das abnehmende tageslicht nichts anderes sei als eine chance, damit auch menschen frühaufstehfernerer lebensweise die reize der morgendämmerung erleben dürfen, ein ganzes halbes jahr lang, so ein glück aber auch und es kommt nur drauf an wie man die dinge sehen will.
er indes bevorzugte, ganzjährig, einen fertigen tag vorzufinden.

schuldfroh

ich habe gesündigt
in gedanken, worten und werken
durch meine schuld
durch meine schuld
durch meine große schuld

beliebtes grundsatzeingeständnis (kath)

(…)
durch meine schuld
durch meine schuld
durch meine übergroße schuld

beliebteres grundsatzeingeständnis (kath)

die schuld ist immer zweifellos
franz kafka, in der strafkolonie (oktober 1914)

was gibt das doch für eine beruhigende gewissheit. wer es also so will: herzlich willkommen! und ohne nicht nur mich.

zackzack

verweile doch! du bist so schön!
goethe, faust I

als er sich am tag der feierlichkeiten zum deutschen einheitsgebot, seiner selbst zufrieden, auf die neue superzuklappgedämpfte klobrille setzte und sich eine langsame vormittagsentspannung in bzw. unter ihm ausbreitete, schaute er arglos nach rechts zur wand, wo wieessichgehört abrollbereit eine weiße weichundfestpapierrolle hing. den blick langsam klärend las er, unbewusst erst, dann aber jäh hochfahrend, sich von eingeprägten floralen mustern, die ihn an blühende landschaften erinnerten, abhebend, den, wie er fand, hier aber wirklich allzu animierenden schriftzug

tempo

und sogleich war ihm der ganze tag verschissen. überall diese anfeuernden fortschrittsparolen, als wären seit dem aufgehen der deutschen demokratischen republik in der bundesrepublik nich bereits zwanzich jahr vergangen gewesen! schnell und immer schneller war es aber seither gegangen und musste es zweifellos weitergehen. er aber wollte und würde dagegenhalten, in toilettesachen war er nämlich trotzig, hinfort, so gelobte er sich – rrruich, brauner! – verweilend, würde er sich an diesem ort nur noch produkten von (um einige zu nennen) cosy, charmin, zewa lind, hakle, hakle plus, hakle lady, hakle feucht, hakle super vlaush, saubär, kleenex, aha soft, bess deluxe, wenn es denn sein musste auch werra krepp, kokett, sanft & sicher, floralys (nur mit fl!), regina, nivea intimo, touching, lilliputz, oder alouette hingeben.
danke, happy end!

Amnetisch-anamnetisch

Die Menschheit geht ohnehin bald zugrunde.
– Aber ob wir das noch erleben?

Dialog, geführt und registriert im zweckoptimistischen Kärnten, mittags, mithin an einem der Vorabendvorabende zu den großen Feiern zum neunzigsten Oktober. Wenn man ganz unten ist, kann es nämlich nurmehrnoch bergauf gehen. Wenn wir es nur noch erleben.

gegenwindwendig affirmativ

wohin soll ich mich wenden?
franz schubert, deutsche (sog. kompass-) messe

<— lobbying | mobbying —>
leitsystematische weggabelung, erwachsenenbildungseinrichtungshaus der wirtschaftsförderung

nun, wie sich fortbilden, damit möglichst viele was haben davon? in jeder/m falle in reinstem altruismus, nur so kommt man, sammasieahlich, weiter, und dorthin wollen wir ja: selber bzw. unsere, wie sagt man: mitbewerber haben. der gesellschaftliche fortschritt, unaufhaltsam, weiter gehts, vorne dann die richtige abzweigung nehmen, genau, links, rechtso!

univokalismus vs. leipogramm (schwedisch für fortgeschrittene)

schweden: zahmer hecht liebt warme wurst
orfon, 17.9.2010

schweden schweden
schweden schweden jeden
schweden schweden jeden berg
schweden nennen jeden berg schwedenberg
schweden nennen jedes messer schwedenmesser
schweden essen messer

ernst jandl

ich wiederhole:
schweden: zahmer hecht liebt warme wurst
(es fehlt nämlich das o, das orfonische o, deshalb ists ein leipogramm)

ich variiere:
zahmer hicht lobt wurma werst

hätten wir das auch. am selben, recht fischigen, wenn man das so sagen darf, siebzehnten september zweitausendundzehn hat man uns auch dringlich davon informiert, dass man einen hai vermittelst eines menschenbeins im maul aus dem meer gefischt habe. woher auch sonst, und vermutlich, sieht man vom steinernen ab, nicht von einem diensthabenden mitglied der österreichischen hochgebirgsmarine; wobei es sich doch um eine recht merkwürdige, nachgerade bizarre angeltechnik handelt, die, ich mutmaße, nicht gerade auf freiwilligkeit der den köderfuß reichenden person beruhen dürfte.

kinky, kinky.

abnehmend

erstmals seit 15 jahren: zahl der hungernden erstmals rückgängig
orfon

… welche hungersnot hat das diesmal, zynisch über ihre verhungernden bericht erstatten lassend, erstmals ermöglicht?

Überlebendig

Blicke mir nicht in die Lieder
Friedrich Rückert

Mittlerweile ist er längst länger tot als lebendig und doch sowas von präsent: Zu seinem eben erreichten unerreichbaren Achtziger erscheinen abermals (nun aber wirklich letztmalig!) endgültig letzte Restbestände unveröffentlichten Aufnahmematerials. Beim Ansehen der illustrativen Bilder aus Fritz Wunderlichs Bühnenkarriere drängt sich unweigerlich die assoziation Kinderfasching, Sechzigerjahre auf. Soviel echte Schminke für den natürlichen Teint und für den echt aufgemalten Bart samt den exotischen Augenbrauen und -lidern. Ich kenne das gut. Durfte ich doch auch einmal den Belmonte geben, beim Bühnenspiel, mitte der Siebziger. Gemeinsam mit Fritz im Playback bei Hier soll ich dich denn sehen.

Mit wem denn auch sonst? Und: danke vielmals.

Im übrigen, das nebenbei, gilt: Chöre (Opernchöre zumal) eignen sich allerbestens zur Darstellung von Irren. Bestens.

teilaufsichtsbehördenorgan

pelzgasse, fünfzehnter hieb. der polizist, der den sikhtempel bewachen soll, steht da, als hätten sie ihm den asphalt unter den schuhen hinweggestohlen. dabei ist lediglich bodenbelagsaustauscharbeitswochenendpause. und wäre es ja auch nicht seine aufgabe, darauf auch noch aufpassen zu müssen.
ansonsten passiert nichts.

häppchenweise

eilig einberufenes treffen im eiles. die energische frau in der nachbarloge kaut mit den schläfen. allem besprochenen wird genauestens auf den zahn gefühlt. nachdem sie von der toilette zurückgekommen ist, wird das ganze abermals durchgekaut und für vorläufig gegessen erklärt. dann wird der nächste brocken besprochen.

avartaravartar (weitar!)

springen sie für mich ins wasser
zieh’n sie meine frau heraus
und dann trag’n sie alser nasser
ein klavier noch in mein haus

hallo, dienstmann!

es ist ja so: wir lassen gerne andere für uns arbeiten (s. o.), bezahlen sie dafür, bar, auf rechnung, mit werbeverträgen. das ist gut so. wer will schon selber ohne alle extremitäten (bein- und armlos) den ärmelkanal durchschwimmen müssen. oder in den löwenkäfig. oder einen olympiaabfahrtslauf gewinnen. oder, wie zuletzt, auf alle zwei höchsten berge von allen sieben kontinenten hinauflaufen, ein einziger auflauf, in bestzeit noch dazu.
unsere vorstellung hilft uns, all diese traumleistungen durch andere zu vollbringen, vollbringen zu lassen.
wie nicht anders als konsequent zu bezeichnen also ist es, wenn so ein gladiatorischer stellvertreter sich wiederum einen stellvertreter hält, in seiner vorstellung, einen vorstellvertreter gewissermaßen, dieser vielleicht einen weiteren, und so weiter, ad infinitum, wie ein spiegel im spiegel. so gelangen wir alle noch zu den sternen, in bestzeit noch dazu.
skyrunner, wir danken dir!

Hausdünkel (nachts)

Currywurst nach Art des Hauses
Jetzt neu!

Gustomachaufschrift, Würstlstand, Taubenmarkt, Linz (nachts)

… müsste es nicht nach Art des Standes heißen? Wurscht. Wer sie etwas süßer mag, ist bei den linzer Tauben jedenfalls richtig, bestens bedient vom böhmackelnden Kesseltäubchen. Taubenstand, Würschtlmarkt: oja (nachts).

Vermahlt

Herr und Frau Thomas Mann
Türschild, historisch

Hochzeit Weidmann Hubert sen.
Hochzeit Haidler (Reischau)
Hochzeit Maderthaner Karl sen.
Hochzeit Wimmer Heinrich
Hochzeit Forster/Graf
Hochzeit Weidmann Hubert
Hochzeit Binder Ferdl
Hochzeit Fuchs Konrad
Hochzeit Fürthaler
Hochzeit Hatschenberger Bert
Hochzeit Gmainer
Hochzeit Binder Michael
Hochzeit Weidmann Karl
Hochzeit Binder Hermann
Hochzeit Dorfer
Hochzeit Stöger
Hochzeit Binder Leopold
Bildergalerie (ca. 1950–1974), Klokorridor, Gasthaus zur Mannastetten, H. u. A. Weidmann, Dambach

Über den Verlauf der Ehe Forster/Graf konnten keine näheren Informationen eingeholt werden. Ansonsten gilt: Im Dambachtal heiraten nur die Männer. Frauen? Werden – allerhöchstens – geheiratet. Indes man sich, bei Tische, vermählt.

(Aber dann!)

(Dann aber!)

bossglück

immerhin freiheit, immerhin ein besitz
franz kafka

und da gab es ja schließlich auch noch leute, in einem so engen gesellschaftlichen zwangskorsett mussten die leben, da war schon das nichtabschneiden der härchen am äußeren rand der ohrmuschel (wo sie ab gegen vierzig zu sprießen begannen) widerstand, selbstbehauptung, ausbruch, freiheit.
was für ein glück.

introspekulativ

linz wird modern
selbstbehauptender vorausaufruf einer später als hochblüte zu bezeichnen sein werdenden periode (betonung unsicher)

da lag sie, vorm badezimmerspiegel, des freundes krankenkassenbrille, modell dancer in the dark, zweimal, und verspiegelt, das ist doch klar.
anfang der achtziger jahre outete (obwohl, damals outete man sich noch nicht) man sich als hinterwäldler (hinterweltler?), wenn man verspiegelte sonnenbrillen (sunburst, mit verlauf) und einen fuchsschwanz aufm autoschlüssel hatte. und ein paar wochen zuvor war es in der stadt auch noch als modern weitverbreitet gewesen.

oberleitung

meidling hauptstraße. ein ausderspurgekommener (all seine züge aus anderen geleisen abgefahren oder ausgefallen) überwacht die ein- und ausfahrenden u-bahngarnituren und die ihnen zu- und, vor allem, entsteigenden passagiere. ohne ihn ginge rein gar nichts, soviel ist sicher.
aus meinem wagen gebe ich ihm mit blicken und sanft anmutenden gesten geheime kommandos. wir verstehen uns, wie vereinbart, auf anhieb.
noch bleibt alles ruhig. nicht auszudenken, wenn er eines nichtfernen tags ausfällt. ich berge mein haupt in meinen händen und der zug rollt seinem türschließton folgend aus der station. erst in der hütteldorfer bucht wage ich aufzublicken, besteige das auto des wartenden freundes. ins freie.
alles wird gut, vielleicht.

nischeneng

barcelona oder madrid – egal, hauptsache italien
professioneller fußballerpragmatismus

augenschein impliziert: hinschaun. ohrenklang: hinhörn.
manch einer verlässt sich lieber auf sein navigationssystem, als auf den augenschein. und bleibt mit seinem deutschen übermittelklassefahrzeug in sich verengenden altstadtgassen pfropfengleich stecken; oder springt ins hafenbecken, die brücke war eine fähre (abgefahren), er selber (leider nicht am steuer eines jamesbondautos) völlig abgetaucht blubbblubb.

grimmig freundlich fletschende zurschaustellzufriedenheit allüberall. da geisd waad worawüü. und ohne navi. (braucht er nicht, will er nicht.) eben.

weiten. dann abheben. es geht.

reset & resize

uns bleibt ein erdenrest
johann wolfgang goethe, faust II

dünnes zäh gespanntes milchkaffeehäutchen zwischen panik, selbstauflösung und, im gegenüber, stiernackig rechthabenmüssender excathedrischer angstbeißerei. dem wohlseinszustand blieb nur eine sehr exotische insel irgendwo im nirgendwo selig verhallender imagination.
was für eine unmerklich zu bleiben habende immense grundanstrengung.
in zukunft galt es, völlig nüchtern und unverschwitzt, bei null anfangen. null ist nämlich nicht nichtig.
aufbrechen, in offene (offenere) räume. weiter.

wie auch sonst

freudenstadt hbf
— eilzug —

zuglaufaufschrift, karlsruhe hbf

der retourzug aber? freudenstadt ist, trotz alle lust will ewigkeit, leider keine taugliche endstation. (vorläufig jedenfalls.)

völlig abgefahren

merkwürdige, nein: bedenkliche koinzidenz: mit dem ende seiner ärztlich verordneten zweimonatigen totalabstinenz meldete er ein fahrzeug auf seinen namen an. na dann gute fahrt!

Himmelskröte (1967)

Die Celesta, Himmelsklimperkasten, in der Sechsten, wie erfreulich gruselselig mahlertragisch, gar, wenn Barbirolli grollend darüber waltet, basiliskesk grunzend.

Worthüter

Schlafhüter zusammen
Richard Wagner, Parsifal

Den Schlaf hüten, was für ein wahrhaftiges Sprachbild. Weil so ist es doch. Und Schlafhüter, welch schönes, vom Aussterben bedrohtes Wortkleinod. Das weiche sch-l-aaa- zergeht so schön ausm Mund, der eine entspannte Phantasie anregende Binnenvierbuchstaber afhü und dieses weiche dha beim Ablauten…! Damit ist doch alles gesagt. Wir wachen, um zu essen und zu trinken, damit wir ohne zu verhungern schlafen können: Der Mensch wacht, um zu schlafen, wie Alissa Walser ihren Mesmer sinnieren lässt.

Noch einmal: Schlaafhüter.

Aaah.

Uaaah.

durchgehend geöffnet

auf gute meinung
messbestellformulierung (kath.)

tag der offenen tür
tag des offenen denkmals
tag des offenen kanaldeckels
tag des offenen mundes
tag des offenen rachens
tag des offenen leistenbruchs
(sonntag)
und der tag des offenen denkens, wo bleibt der? wurde er – offenbar – vergessen, ist er durch den – immer geöffneten – mund (der – sich – auch einmal ausrasten könnte) entfleucht?
auch das muss, sagen wir es offen, offen bleiben. (uns bleibt das hoffen.)

schmalspur

döppelte der gottelbock
ernst jandl

hazeh, belferndes gottelzicklein, allerhöchstens, wienerisch blutend.
ist ein glück aber, auch.

und den weibern ward so
pfingstig ums heil

ernst jandl

St. Salvator (2)

Schon beim Zerschtläuten mit Dopplereffekt vorbeitakkernde Stöckelschuhe: In Kürze fängt die Sonntagmesse an. O glückliches, vorauserlöstes Kärnten, feuerwehrfestes zudem.

Cisatlantisch florianisch

11. September
Feuerwehrfest
St. Salvator

Volksfesteinladung, Metnitztal (Braunkärnten)

(Mit Grußadresse an die Kameraden in New York.)

gesindebefehle

erster auftrag: holzofenbrot!
drauf (zweiter auftrag): holzofenleberkäse!
(auftrag 1 & 2: st. florian, feudalfeuerwehrdorf)
auftrag (neapolitanisch): holzofenpizza!

auf, trag! holterdipolter!

Ruckzruckzuckerl

eun stöck zöcker
ernst jandl

Zuckerwatte aber sei dazu da, um von Zuckern zuckelnd zuzustellende Zuckerstücke ruckzuck doch unzerstückt zum Ziel zu verbringen. Auch kann man Zucker darin einpacken. Und Hansi Hinterseers Flokkatimoonboots.

Puderzucker hingegen gibt es in Österreich überhaupt keinen, da staubts beim Zuckern, was eine nicht wirklich erfreulich-lustvolle Zuckelvorstellung sein dürfte.

Fertig, uff.

parcours

bitte nicht gegen die laufrichtung herummöbeln!
(zumindest samstags) fehlende hinweistafeln, hochfrequenzgroßflächenkaufhaus

ikea, schwedenbarock mit zwischengelagerten fleischbällchen. preiselt die beeren!

Nullsummenkampf

Natürlich, auch er würde den Krebs besiegen. Niemand hatte den geringsten Zweifel an der Widerstandskraft des bekannt regelmäßig windmahlend die Weltgerechtigkeit erkämpfenden Schauspielers: Nicht um eine Minute würde er ihn überleben.

Soviel war sicher, jetzt schon. Schonungslos.

zzb (geschafft!)

(zweitzahnbürste.) (elektrisch.)
((indikator aufkeimenden wohlstands.))
(((naja, zahnwohlstands, wenn ich, brav putzend, bitten dürfte.)))

jolly good fella

– alles gute zum geburtstag!, wuppte es aus dem skypedialogfenster, kurz nachdem er an die elektronische leine und durch veröffentlichen des dazugehörigen grünen hakerls dem freund ins netz gegangen war.
– aber ich habe doch im juli!
– bei uns stehst du aber mit heutigem datum im kalender!
– na gut, wir werdens in evidenz halten.
– bitte sei so gut!

(ende)
– alles gute zum vermeintlichen geburtstag!, schaltete sich einige minuten darauf der bruder und bureaucollege ein.
– wir sind gerührt. und halten die glückwünsche gerne weiterhin in evidenz. wir werden uns bei ihnen zur gegebenen zeit mit einer spontanen dankadresse zu melden wissen.
– danke, verfällt halt mit jahresende.
– nein! bei geburtstagssachen gilt das kalenderjahr nur auf grabsteinen, auf denen keine tagesdatumsangaben stehen (und bei neujahrsbabies, zu lebzeiten).
– oh, das wusste ich nicht. dann bitte gut aufheben.
– ist archiviert.

ihnen aber, wenn sie heute geburtstag haben (oder innerhalb von, sagen wir: plusminus zehn tagen): (s.o.)

erinnern wir uns aber bitte auch einer schlüsselszene in some like it hot. obacht also, wie stets.

Windstill

… mit integrierter Amnesieversicherung, abzuschließen drei Jahre rückwirkend. Gegen Aufpreis (attraktiv gestaffelt) erweiterbar auf bis zu zwanzig Jahre. Und für prominente diverser Entscheidungsträger- und Verantwortungsbranchen gibt es jetzt unser neuestes Produkt: ***** de luxe all inclusive (von vor der Zeugung bis zur vollendeten – knapp davor könnte es noch einmal heikel werden – grabauflassung). Bei uns sinkt selbst der weißeste Weißwestenträger mit überstrahlend reinem Gewissen auf sein Ruhekissen!

Wir bieten Ihnen das Nirvana, genau, wo buchstäblich nichts mehr weht! (ausgenommen vom Fön für ihre Luftmähne.)

Herbstig wirds.

Vielleicht aber auch diesmal nicht.

flügel, samtene(r)

diese unfassbar unerschöpfliche lässigkeit, laszivität, mit der der junge gulda (der alte) seinen chopin aus den tasten schludert. da stimmt (und schwingt) jedes flimmerhärchen. und bebt busig.

Zucker, letzter

Paul Flora hat in seinem Büchlein über Die brotlosen Berufe neben den Darstellungen der üblichen Verdächtigen (Geigerzähler, Fischmesser, Regenschauer, …) auch eine treffliche Darstellung des Zuckers gezeichnet.

Wie viele Möglichkeiten es doch gibt, einen letzten Zucker zu machen.

Um beim verehrten Paul Flora zu bleiben: Als er diese kleine Zeichnung gemacht hat (sie ist, zugegeben, etwas verwackelt), wird er sicherlich, nach vielleicht ein zwei Vorstudien (wenn er die denn nötig hatte), einen allerletzten Zucker gemacht haben und dann nie wieder auch nur genaggelt.

Orgasmische Konvulsionen hören sich auch auf.

Irgendwann wirst du nicht mehr zucken, wenn sie, das immediate Hier!schreien erwartend, deinen Namen rufen. Zuvor aber wirst du deinen letzten Zucker (dieser Art) machen.

Dann noch die Mitarbeiter bei der Agrana in Hohenau an der March: Bevor sie ihnen 2006 ihre Fabrik zugesperrt haben (offiziell aufgrund ständig fallender Zuckerpreise am Weltmarkt), haben sie alle noch einen letzten Zucker gemacht; ob der allerdings süß geschmeckt hat, darüber wurde uns nichts überliefert.

Und so weiter, und wer zuckt zuletzt beim Wort Zuckerbrot vor der Peitsche? (Was für ein Knall! es ist, wir wissen es, der des Überschalls, und ein jeder Zucker geht blitzschnell ins Blut, Aspartam aber kann eine Phenylalaninquelle enthalten, wenn es, bei Diabetikern,auch gut für den Blutzucker ist, zumindest aufkommensneutral.

Sie aber, können Sie sich noch an ihren ersten Zucker erinnern? (In Steyr, da kenne ich einen Touretteartisten, das war mein erster.)

herbstmütter 2010

weiche, wotan, weiche
richard wagner, das rheingold, vierte szene

liebe mba,

ab morgen kommen keine frischen fünfundsiebzigwattbirnen mehr in den handel, hat die radionachrichtensprecherin eine stunde vor dem inkrafttreten des mitternächtlichen morgens, der längstschon einem mittag weichen musste (und auch der wird sich in einen abend vertschüsst haben undsoweiter) verkündet. das war doch etwas knapp, im finstern noch dazu, unfair sowas. nachrichtentatsache aber ist, dass ein nährwert von 75 watt (wieviele joule respektive kalorien sind das eigentlich? und: wie groß ist die zugestandene toleranzschwankungsbreite?) den birnen fürderhin vorenthalten ist, zumindest jenen frischen im handel. wollen sie also fünfundsiebzigwattbirnen, kaufen sie sich unfrische, und auch die mostbirn fallen schon von den bäumen, sie sind etwas kleiner, aber, sagen wir: drei fünfundzwanziger, so lehrt uns das mittelgroße einmaleins, machen auch fünfundsiebzig, und wenn du sie ordentlich presst, kannst du sie auch in ein großes gewinde hineindrehen, drehst du dann auf, wirst du schwarz sehen, das aber ist verboten, und gerbstoffreich sind sie noch dazu, die mostbirn.

herbst herbst herbst.

heute vor einem jahr war es heiß, täuschhochsommerlich heiß. so erinnert man sich, sehnend, in der kühle, vergisst dabei aber gerne, dass ab 3. september ein voroktober anbrach, der sich gewaschen hatte, schnee am grimming, ganz unschön weit herab, jawohl. mein erster trost: hält sich das wetter diesmal an den bericht (vieles spricht dafür), wird es diesmal angenehmer sein.

sie sehen, es will mir nicht recht gelingen, allzu redundant (ein recht regionalvorwahlszeitgemäßes wort) ist die wettersache, dieses in schwankenden varianten immergleiche, als dass es mir gelingen möchterte, sie zu einem tauglichen thema zu machen, und ich frage mich, ob es nicht interessant und beruhigender wäre, an einem ort zu leben, wo es keine jahreszeit gibt, am äquator, wo alles gleich ist, gleichgemacht, am besten überhaupt in ecuador, meinen panamahut aus bestem ecuadorischem handgeflecht am kahlen kopf. oder wo, wo es, zumindest saisonal, überhaupt kein wetter gibt, in einem attnangpuchheimeligen dauernovember, von mitte september bis nach ostern (und ostern ist 2011 sehr spät: der weiße sonntag fällt mit dem tag der arbeit zusammen – wo doch noch 2008, vor nicht allzu langer zeit also, der hundertste geburtstag von giovannino guareschi, dieser erste mai, sinnigerweise mit christi himmelfahrt ident war, was für eine liebevolle referenz der gestirne vor dem schöpfer von don camillo und peppone!). dieses kommende hochnebelnangpu ist ja gerade in unseren nördlich der alpen gelegenen mäßigungsbreiten sehr populär, würfeln wir uns doch hoch von, sagen wir: frankenburg, touchieren wir den rand des hochnebelfreilands in salzburg weiter, über, weils hier auch schon immer schön war, augsburg, neuburg (nein, der leberkäs, den man nicht leberkäs nennen darf, stammt aus ulrichsberg im böhmerwald), mainburg, regensburg, nürnberg (oops!), würzburg, coburg, zur wartburg, weiter nach altenburg, mit einem abstecher (den wir uns gönnen wollen!) ins nahe frohburg, dann naumburg, über die henne und den pödelist ins unstrutige freyburg, quedlinburg, magdeburg, wolfsburg, lüneburg, hamburg, rendsburg mit seiner nordostseekanalstahlhochbrücke bis hinauf nach flensburg – um ein paar burgen (und auch einen – recht eben daliegenden – berg) aufzuzählen.

ich muss zugeben, recht aussageprall war der letzte absatz auch nicht.

zurück, dennoch, zu den temperaturen. das hitzegedächtnis ist ein nur sehr wenig hilfreiches, wenn sich der herbst anschleicht. thomas manns satan hat im doktor faustus ein taugliches bild für die hölle gefunden:

… ihr wesen oder, wenn du willst, ihre pointe ist, dass sie ihren insassen nur die wahl lässt zwischen extremer kälte und einer glut, die den granit zum schmelzen bringen könnte, – zwischen diesen beiden zuständen flüchten sie brüllend hin und her, denn in dem einen erscheint der andre immer als himmlisches labsal, ist aber sofort und in des wortes höllischter bedeutung unerträglich.

zurück also in den süden, in windeseile und nicht mit dem auto (die strecke von franken- nach flensburg hat exakt dreiundzwanzig stunden und null minuten gedauert – wäre man am 31. august 2010 pünktlich zur mitternacht gestartet, hätte, astronautengleich, nie getankt oder, anhaltend, stoffwechselendprodukte ausgeschieden und hätte man zudem in flensburg noch österreich eins aufgedreht gehabt, so hätte man als spitzenmeldung in den nachrichten obige fünfundsiebzigwattbirnenabschaffungsmitteilung  gerade nicht mehr erhalten, weil man in dem moment den schlüssel aus dem schloss herausgezogen hätte, was das licht – und das autoradio – abgedreht hätte), ab in den süden, in die dolomiten, da ist es, höllenfern, nicht allzu heiß (manchmal mag es gewittern), am pragser wildsee servieren sie dir frittata dell’imperatore, das heißt dir nicht, den italienern aber, du kriegst dafür deinen kaiserschmarrn, gute alte zeit, fürwahr, und du gibst dir, vor dem abstieg, noch einen letzten zucker drauf, zwetschkenröster dazu, himmlisch.

mit dieser süße am imaginären gaumen will ich sie dem herbst überlassen, er sei ein goldener und bitter nur dort, wo sie es so wünschen, das kann ja zwischendurch auch ganz gut schmecken.

wobei ich den thomasmännlichen höllenvergleich jetzt nicht auf die grundliegenden geschmacksrichtungen anwenden will: was für ein unseliges hetzen im pentagon (oder ists gar ein hexagon?) zwischen süß, sauer, salzig, bitter bitter, umami (und möglicherweise fettig?)!

süß

sauer

salzig

bitter

weitere letzte zucker demnächst im mütterlog.

ihr bertl mütter
(der herbst ist so ein bilderreich, diesmal also fotolos)

service

– vorbei ist vorbei.

– mütterlog (täglich, seit 1.12.2004)

– kaufen sie tonträger.

– konzerte, symposien, workshops: finden sie alles rechtzeitig auf muetter.at. ich erlaube mir, besonders auf klingenmünster (12.9., gregorianisch-hildiges mit witte-maria weber) und bingen (8.10., ähnlich hildiges, aber gaanz anders, mit ars choralis coeln) hinzuweisen. im oktober referiere ich in graz über harald kaufmann und györgy ligeti. im november bin ich zum workshopping im breisgauischen freiburg; womit auch das -burg-motiv zu seinem ende gefunden hätte, schloss damit!

– der nächste mütterbrief kommt zirka am 1. dezember 2010 zu mittag. bis dahin wird viel passiert sein (umgezogen bin ich und habe ich mich schon, und nach muetterlog.at wird auch muetter.at erneuert strahlen); die trauben werden gepresst sein, die mostbirn auch.

– ende. danke vielmals.

wahlkampf, avantgarde

ein hugohypothetischer nachtrag zum sehr speziellen preisspiel (deftig von mir tuttellotterie genannt), das ein venezolanischer provinzpolitiker zum alleinigen zwecke seiner vorwahligen popularitätssteigerung ausgelobt hat; der erste preis (streng genommen sollten es zwei preise ex à¦quo sein) soll ja eine brustvergrößerung sein, für eine dame. jetzt, geschlechtergerechtigkeit, wie schaut das bei den männern aus, kriegen die keinen preis? asso, sie meinen, der preis sei die betrachtung der vergrößerten oberen extremitäten jener dame, welche den hauptgewinn gemacht haben wird, und ein preis dieser art gehe ja letztlich immer an die betrachter, die augenblickskonsumenten also.
trotzdem, was wird den herren angeboten? penisvergrößerungen kommen in hugos reich nicht in frage, weil erstens sind die weiblichen brüste sekundäre geschlechtsmerkmale (haben wir in der schule gelernt) und zweitens sind sämtliche männer in seinem land ohnehin per definitionem die bestbestückten von der ganzen welt.
mein vorschlag, zur güte: wampenreduktion (auch ein sekundäres – oder zumindest tertiäres männlichkeitsmerkmal). dann wäre das ganze zusammen möglicherweise aufkommensneutral, was auch den umweltgedanken in diese grundsätzlich (bleiben wir objektiv) hochlöbliche lotterie einfließen ließe.
obwohl, irgendein überhang bleibt immer. – möge der beste gewinnen!

wahlkampf, vorderfront

brustvergrößerungen sind in venezuela sehr verbreitet. nach angaben des verbands der schönheitschirurgen ließen 2006 etwa 30.000 frauen den eingriff bei sich vornehmen.
information, orfon

breitbrüste seien also das aktuelle busendesign in hugos reich, und wieviele frauen (aber auch männer, kinde, hunde) den erweiterungseingriff bei anderen vornehmen ließen, darüber schweigen die gewohnt informativen orfonischen auskunftsquellen und lassen uns nach weiteren, detaillierteren nachrichten über dieses losspiel (eine tuttellotterie, um es mit deftiger freude am neuen begriff zu sagen) im venezolanischen provinzwahlkampf dürsten.
wir sind gespannt und erregt: wer wird gewinnen? und: was könnten sich da unsere aktuell wahlkämpfenden stadt- und landmänner einfallen lassen? ob manch einer wiener milch! lallen wird? um sich hernach auf eine breite basis berufen zu können? weiße wochen!

ruhe, gespannt

samstag mähen die männer. die frauen saugen, wischen dann alles ab. alles ist nun schön und es kann zu regnen beginnen.

(zur veröffentlichung an einem montag vorgesehen. damit allem seine ordnung bleibt, ja, wohl.)

Abstand gewinnen

Warum nur so viele sogenannte Fachbücher (als Allgemeinbegriff auf Buchhandelsrechnungen geschrieben ein beliebter Posten auf etlichen Steuererklärungen) überformatig waren, sodass sie nicht in die Regelregalhöhe passen wollten und spezieller Fächer bedurften, größere Abstände, so etwas machte bedeutsam, und wer wollte schon damit ernst genommen werden können, wenn er bequem in jedes beliebige Fach passen würde, na eben.

Oder hatte es mit der im Vergleich zu früheren Zeiten besseren (ausgewogeneren) Ernährung zu tun, dass alles größer geworden war, und wer würde auch heute noch in eine Ritterrüstung oder selbst eine Uniform aus dem Ersten Weltkrieg passen, na also. Wie es aber zu der dazu indirekt proportionalen Raumhöhe gekommen sein konnte, diese Frage hinterließ ihn ratlos.

Studieren, weiter.

aufhausend

träume sind wie katzen, sie gewöhnen sich als letzte ihr früheres zuhause ab.
georgi gospodinov, natürlicher roman

dieses mal hatte es seine traumkatze einfacher als zuletzt, wo man sie wohl als überfahren zu bezeichnen haben hätte können. abermals selbstbestimmt, aber zeitdrucklos und ohne den anschein einer flucht nach vorn (jawohl, nach vorn!) zog es ihn nordwärts, ein paar hausnummern allerdings nur, und jedes siedelguteinladen in einen transportkastenwagen hätte eine völlig unnötige, ja kontraproduktive zusätzliche übung dargestellt. schließlich stand jedes regal, wartete darauf, zum lager palindromisiert zu werden, ablage für die auslagerungen des gelesenen und mit- oder dagegengedachten und -gehörten, es hatte, ein glück, kein aufhängegut gebockt, er bezog also ein moltofillfreies heim, so etwas hatte die welt noch nicht gesehen. im radio spielte man zeitversetzt lebendige musik, was man mit inszeniertem szenegetöse (was denn das sei, eine szene?) für heutig halten wollte (es war eine historische manieriertheit, aber eine genüssliche manieriertheit, zum genießen obendrein), und zum ersten mal schnurrte er, leise zuerst und nur dem innenohr vernehmbar, aber es schnurrte in ihm, was für ein schweben, abheben, rechts über die schulter der fernblick funktionierte auch nachts.
schlafen, träumen, miaooo.

unhaltbar haltbar

merke: wenn du die konservendose erfindest, vergiss bitte nicht, auch den dazu benötigten dosenöffner mit zu erfinden.
obwohl: dass eben der dosenöffner, wie neulich zu lesen, erst jahrzehnte später erfunden wurde, ließe sich auch als genialer werbetrick verstehen: seht her, jetzt erst brauchen wir den öffner, weil die speise in der dose so gut da drin hält.
mahlzeit, ihr pelati und ihr käferbohnen (entbeint & entfühlert)!

ja!, ja!

gefällt mir
sozialnetzbeliebte zuspruchsäußerungsinformation (meist ungefragt preisgegeben)

natürlich nerven schostakowitschs allzuoft allzupädagogische fugati und fugensoggetti. sie werden aber durch seine aufbauarbeit in den dezent- unerbittlichen steigerungen wie auch in der beinah sachlichen innigkeit etwa des vierten satzes im klavierquintett g-moll mehr als wettgemacht.
um es unmissverständlich zu sagen: schosti verbucht klar auf der habenseite!

somatogalaktogeologisch

die bemitleidenswerte dame in der vorderreihe hatte ganze sternbilder von gelsendippeln kopfhalsabwärts über ihrem gulaschblond hellhäutigen rückenausschnitt verstreut. dann musste sie – die ärmste! – auch noch husten, an einer leisen stelle eines konzerts, das selbst schon am rande der hörschwelle angesiedelt war, und es zerriss sie aber implosiv, so zivilisiert, wie man sich einen nach allen regeln der geheimhaltung ablaufenden unterirdischen atombombentest vorzustellen hat, niemand musste es bemerken, danach aber schien ihm, als ob an ihrem rücken ein neuer vulkankegel erstanden wäre, und zeit für eine neue seismische theorie wäre auch einmal wieder.
oder zumindest eine für die sternengenese.

niederkunft, vom himmel hoch

und dann, am beginn der anflugschneise in bzw. oberhalb von kaisersteinbruch über dem leithagebirge zwischen jois und bruck halt scheint es, besonders an sonnigen sommernachmittagen, als ob die einflugschneise selbst, als ob dieses immaterielle (eigentlich: metamaterielle, in diesem sinne sogar metaphysische) gebilde, leitstrahlprodukt der flugsicherung, die flugzeuge selbst aus dem himmel pickte, sie im wortwörtlichen sinn zeuge, so ähnlich wie beim spinnen von zuckerwatte muss das sein, ein holzsteckerl, zucker, rotation und: energie.
womit die das machen, flüge zeugen? und wer entsteigt eigentlich diesen himmelskörpern, frisch geerdet?

Fuchteleien

Die Grundschwäche des Menschen besteht nicht etwa darin, daß er nicht siegen, sondern daß er den Sieg nicht ausnutzen kann. Die Jugend besiegt alles, den Urtrug, die versteckteste Teufelei, aber es ist niemand da der den Sieg auffangen könnte, lebendig machen könnte, denn dann ist auch schon die Jugend vorüber. Das Alter wagt an den Sieg nicht mehr zu rühren und die neue Jugend, gequält von dem gleicheinsetzenden neuen Angriff, will ihren eigenen Sieg. So wird der Teufel zwar immerfort besiegt, aber niemals vernichtet.
Franz Kafka (Nachlass, 1918-1922)

Früher (er wusste nicht, ob heute auch noch, und wenn ja, dann sicherlich in zeitgemäßerer Form) gab es in der Kronenzeitung, unterhalb des Kreuzworträtsels (Fränkischer Hausflur – ERN) und neben der Rubrik …wussten Sie schon? (Auflösungen im Anzeigenteil, zwischen den Traumweite 140-öffnenackt-Inseraten) ein drittes Rätselspiel, mit wechselnden, aber wiederkehrenden Aufgaben. In einem musste man aus einem angegebenen Namen durch anagrammatisches Verschieben den angeblichen Beruf der Person herausarbeiten, z.b. war zweifelsfrei Ernani Zmmm von Montag bis Freitag Zimmermann (am Wochenende hat er als Maurer gepfuscht).

Warum ihn nur dieser Dame, Dr. Veronika Prüller-Jagenteufel – Pastoraltheologin, der ihm unlängst untergekommen war, diese Hörfunkvisitkarte, obwohl sie die – rätselregelgemäß falsche! – Lösung gleich mitlieferte, ans Kronenzeitungsrätsel erinnerte, noch dazu, verzögert (der Name hatte in ihm einen sofortigen Denkgärungsprozess ausgelöst), in jener großen Abtei am pannonischen Hügel?

Eine Hirtengottesgelehrte, die durch lautstarkes Skandieren gewisser Formeln auch den bösesten Teufel in die Flucht schlägt, möglicherweise mit Schweißtuch, allerhand. Womit Kafka eindrucksvoll bestätigt wäre. Aber auch der ärmste Teufel kommt wieder, oja und gottseidank.

Abt, eil!

(Dieser Text ist, wie er selbst erzählt, rein sprachassoziativ gewachsen und hat mit der realen Person Dr. V. P.-J., einer geachteten Theologin, nichts zu tun.)

Elend, endlich

Das Elend der Welt hat sich nach seinem Erscheinen allein in Frankreich zweihunderttausendmal verkauft.
Information, Bildungsradio

Es klingt, als würde das Weh der Menschheit aus einem tiefen Ziehbrunnen geschöpft.
Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, Regieanweisung

… was für ein Griss ums Elend, und Karl Kraus hat uns immerhin einen kleinen Hinweis gegeben, wo es herkommen könnte (es dürfte kakanischen Ursprungs sein, zumindest vor etwa hundert Jahren dürfte es von dort hergekommen sein), wie es klingt können wir uns aber nur im Umkehrschluss vorstellen, und das ist ja das Schöne bei den Regieanweisungen, sie sind so plastisch, regen die Phantasie an, verbunden mit der Affirmation jetzt mach selber, ja, so!

Und das kann ja wahrlich elendiglich sein. Nachfrage danach gibt es zumindest in Frankreich reichlich, nach seinem Erscheinen halt erst.

Halt, genau.

Jetzt aber wieder zu den Nachrichten aus aller Welt.

die antwort

die rechnungsnummer, wenn du die mir noch schickst, bitte, ja!?, bat ihn die managerin bei der auszahlung seines honorars, und er versprachs gern. daheim dann ergab die recherche tatsächlich die schöne zahl zweiundvierzig, woraufhin er es sich nicht verkneifen konnte, eine textlose nachricht zu schicken, mit allein den ziffern 4 und 2 in der betreffzeile.

die nachfrage, obwohl die erstfrage nicht siebeneinhalbmillionen jahre vor der antwort gestellt worden war, folgte auf dem fuß. was für ein diebisches vergnügen, dachte es tief in ihm drinnen.

bedürftig

und eduscho/tchibo war ja nichts anderes als die alltags- und innenstadtvariante der ikeanischen daslebenistgutzuuns-philosophiebehauptung, und, genau besehen, hatten sie ja recht damit, und immer hatten sie genau die sachen im angebot, die du gerade brauchtest, akkubohrer, möbelverschiebteppichschoner, praktische portionierer und danke nein, kaffee keinen, auch nicht in schweden.

männersachen

multitasking 1: elektrisches zähneputzen (anfänger)
multitasking 2: elektrisches zähneputzen (fortgeschrittene: telefonierzertifikat)
multitasking 3: + bügeln

(volkshochschulkurseinreichungsvorschläge)