mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


easy living, prolongiert

zur unbedingten wintervermeidung fordere ich alle zum unbedingten und lückenlosen boykott sämtlicher maronistandler vor umstellung auf die sogenannte normalzeit auf.

erwünscht unverträglich

schön langsam, zu beginn der herbstsaison, wird es aber wirklich zeit, die biographie mit einer modeallergie anzureichern, herbei mit dir, lactose, besser noch, gerne zusätzlich: fructose. und noch etwas mehl dazu.
bittesehr, damit hätten wir unsere bildungsstufe ausreichend markiert. was sind wir doch für besondere. und bei jedem essen, ja, schon beim sojamilchkoffeinfreimacchiato haben wir gleich ein unschlagbar wichtiches gesprächsthema.
und unbesonders, das sind ausschließlich alle andern.

Vierklangflusssystem

üch wüll spülen!
– spül düch meun künd
Ernst Jandl

gefühlvoll bis erfrischend
individualistische Klangbeschreibung, Blechbläserquartett

Endlich, der Tonträger, auf den – wie auf alle anderen (auch die eigenen) – die Welt dringlich gewartet hat. Ein – so ihre Behauptung – Blechbläserquartett vom Bodensee, juchei-juchee! Alle vier haben eine solide musikalische Ausbildung genossen (zwei seit ihrer Kindheit in der Knabenmusik), allerhand. dazu noch Virtuosität und Klangfülle, was soll da bitte schiefgehen, erst recht, wenn die Protagonisten aus biographisch derart prägenden Ortschaften kommen, nämlich aus Stetten an der Trompete, aus Markdorf, ebenfalls an der Trompete, aus Meersburg an der Posaune und aus Friedrichshafen an der Bassposaune).

Fragen nach der Urheimat dieser wahrlich wunderlichen Edelmusikanten kommen auf: Wo befindet sich die Trompete? (Sie muss ein halbsolanges Fließgewässer sein wie die Psaune, deren Schwesterflusssystem, mit verwinkelten Kanälen, dasjenige der Bassposaune ist.) Dass sie alle zusammen über die Lippe zu weiterem, größerem, Entwässern, ist evident. Dann wäre da noch das Kndensatausspelzventil an der tiefsten Stelle, im unteren Mittellauf, nicht aber am Ende. Wie machen die das? Fragen, Fragen.

Unsere besondere Sympathie gilt jedenfalls dem entzückenden kleinen Flecken Markdorf mit dem rätselhaften, von einem Beistrich eingeleiteten Epitheton: , ebenfalls an der Trompete. Dieses , ebenfalls, wie die das machen!

Hat was.

kochkopf

grazer bedrohte koch: cobra-hund biss zu
lamm ohne kopf: „tierquäler” war ein fuchs
schlagzeilenabfolge, orfon

der werfuchs
die tagtigall
der süßwassermops
aus: christian morgenstern, neue bildungen, der natur vorgeschlagen

ein virtuell-tierischer spätsommersonntagnachmittag war es, und für die dauerpraktianten von orfon eine schöne gelegenheit, christian morgenstern verspätete referenz zu erweisen (im mai wäre er 140 geworden). lassen wir uns also den cobra-hund genüsslich auf der zunge zergehen (kam er gar zum koch in die küche, stahl er gar etwas – oder war es das nicht näher bezeichnete tier mit namen grazer?).
weiters wolln wir hoffen, dass das lamm, dem der fuchs ein ei, pardon, den kopf abgebissen hat, dabei keine „qualen” durchleiden musste und schmerzfrei den weg alles irdischen nehmen konnte. und, zur weiteren beruhigung: lämmer und kälber mit mehr als einem kopf gibt es in den beliebten naturgechichtlichen curiositätenkammern, in der sternwarte von kremsmünster etwa. die haben sicher noch wo einen über, bitte sich bei orfon zu melden, danke.

Schwerer Raucher

Mann beim Rauchen in die Tiefe gestürzt

Ein 45-jähriger Mann ist am Donnerstagabend in Pfaffenhofen beim Zigarettenrauchen aus einem Fenster acht Meter in die Tiefe gestürzt. Der Mann erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Der Mann war auf dem Fensterbrett seiner Mietwohnung im ÖBB-Hauptgebäude in Pfaffenhofen gesessen und acht Meter tief hinunter gefallen.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte war der Mann ansprechbar. Nach Angaben der Polizei erlitt der Pfaffenhofener aber lebensgefährliche Verletzungen. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber C1 in die Klinik nach Innsbruck geflogen.

Wie es genau zu dem Unfall kam, ist unklar. Auf dem Fensterbrett des 45-jährigen fanden die Ermittler ein Sitzkissen, Zigaretten und Limonade vor.

orfon, Freitagmorgen

… da ist alles drin für einen volksschulmäßigen Konsekutivaufsatz: Pfaffenhofen, ÖBB, Ermittler, Fensterbrett, Limonade, Sitzkissen – wie es scheint eine untaugliche Methode mit dem Rauchen aufzuhören. Wir wünschen gute Genesung.

Und abermals gilt weiterhin die Unschuldsvermutung, für alle (sowohl für Limonaden- und Tabakkonzerne, als auch für pathologische Rauchersheriffs) – kein weiterer Kommentar.

timeshift

back to the future
populäre fiktion

erinnerungen an bevorstehende veranstaltungen, darauf sind die selbstdarstellungs- und offenlegungsnetzwerke des virtualiversums spezialisiert. war schon eine ganz schön schöne zeit, demnächst (nicht vergessen!)

heimzahlen

es wäre ein weg in die richtige richtung, endlich den spalt zu schließen und die frauen an die männer anzupassen, so die längst überfällige gewerkschaftliche forderung.
vermutlich dann also würde man frauen im (oder sagt man am?) arbeitsmarkt für gleiche arbeit gleiches zahlen.
(mehr nicht!)

filzidylle in alu

grund zur freude hatte auch jürger melzer, der mit philipp petzschner im doppel-halbfinale steht.
sportliche meldung, orfon (c&p)

vor seinem einkauf bestellte er im grillwohnanhänger im eingangsbereich des supermarkts zwei halbe brathühner, bitte zum mitnehmen einpacken, und nahm sie danach, danke, keinen erdäpfelsalat, mit nach hause in seine dafür bestens geeignete doppelhaushälfte. seine guthörbar fernmündlich informierte bessere hälfte erwartete ihn bereits mit im wasser zusammengelaufenem mund, neben ihr der hund, es war der erwartbare idyllenindikator der marke semmelblonder retriever.
für die vermutung, man habe sich zum huhngenuss ein halbes doppelalbum auf- bzw. eingelegt, bestand kein weiterer anlass.

damals, vor werfen

wegen einer angefahrenen kuh wird sich unsere weiterfahrt auf unbestimmte zeit verzögern. wir bitten und danken für ihr verständnis.
zugdurchsage, öbb (salzachsprinter), sulzau, 11.9.2003

nach nicht allzu langem stillstand fuhr dann der zug ohne kuh wieder an. (war schon auch eine ganzschön schöne zeit, damals, vor – ja das gibt es auch! – acht jahren.)

epochenadäquat

fia wos howi nochan dà©s kriagd?
abklärungsverdunkelungsfrage

korruptionsexperte, was für ein zeitgemäßes berufsbild. die üblichen unschuldsvermutlichen wittern schon wieder satte beratungshonorare.
man überweise tüchtich!

abschottwortschotter

da hatte er schon – aus einem überlebensinstinkt – zur vermeidung des anschauenmüssens von berufspolitikern längst das fernsehen aufgegeben (er besaß gar kein gerät dafür), sollte er jetzt auch noch das radiohören beenden? zumindest die nachrichtenjournale, zumindest für die dauer, da die ehemalige innen- und nunmehrige finanzministerin immer wieder ihre keifenden wortspenden abgeben würde.

ungefähr so mussten sich die menschen in großbritannien zwischen 1979 und 1990 gefühlt haben: dieser liebreiz, diese stimme.
aber dort hatten sie zumindest spitting image.

Uije, rhetorisch

Ich fange mit der vorletzten Frage an.
resümierende Drohung (Podiumsgespräch)

Jawohl.

Es folgte ein weiterer Einleitungsblocksatzvortrag, eingeschobene Nebenabsätze, weitere rhetorische Leerlaufformeln.

Höchste Zeit für die vormalige Künstlerin, dann Großkuratorin, in die Politik zu wechseln.

zugvogel, heimgeflogen

…, er landete mit seiner frau auf dem flughafen von paris
reisebeendbericht, orfon

handelte es sich nicht um dominique strauss-kahn*, man würde keinerlei prekären subtext vermuten. so aber die versichernde nachfrage: bitte schon explizit in einem flugzeug?
danke, wir sind sehr beruhigt, alles ist gut. und nie nichts nirgendwo gewesen.

*der strauß ist ja seit jeher eher ein laufvogel, und kähne pflegen zu schwimmen; weitere assoziationen über alternative, gar einer chauvinistischen märchenwelt entstammende verkehrsmittel sind unzulässig.

druckecht

kreisky live im röda. als persönlich befreundeter sympathisant gehe ich in die konzerthölle, die ohren individuell gerüstet, versteht sich. es reicht nicht. du bräuchtest ein druckwellenschutzgestell samt privatbunker. oder ein grünmandlsches ganzkörperfutteral aus massivem schaumstoff. bevor mir die eier abfallen oder sich unabsichtlich und vorerst unbemerkt der darm entleeren würde, gehe ich ins foyer.
on tour in albanien begleite ich euch, versprochen. (jedem albanier sein bunker, war dereinst das privatkollektive motto.)

nahtlos

wiener baustellensommer geht zu ende
orfon

auch die u6 fährt nun wieder durch (bleibt sie stehen auch?) und überhaupt freuen wir sich uns alle schon sehr auf einen goldenen baustellenherbst! (meteorologisch liefe er ja bereits.)

männer (richtige männer) /2

richtige männer gehen in karenz
motivationsspruch, frauenministerium

stellen wir uns einmal, ganz nüchtern, die motivationsspruchfindundungskomissionssitzung vor: das ist eine sehr heikle aufgabe. als müsste man (bzw. frau) notorisch (crash)testosterondirigierten jungmännern freiwilliges tempo 100 auf der autobahn als voll geil he! verklopfen (und redete sich ein, dass das möglich wäre). oder als würde unser lieber herr kanzler tatsächlich glauben, das volk der kroneleser habe tatsächlich recht (ich glaubs ihm!).
jetzt, richtige männer: das traut sich was! weil richtige väter – das hätte nichts als spott gebracht (pater semper incertus…). also richtige männer, diese in der werbewelt zurückliegender jahrzehnte so einprägsam häufig aus frauen- (eher nicht mütter-) mund gesagte, an die virilität der kotelettenträger aller (bundes)länder appellierende affirmation, der dann vater(geburts)tags- und weihnachtsverzweifelte söhne und töchter im nach-bastelalter gehorsam zu folgen hatten. jetzt also aber die frauenministerin mit ihren werbeheerscharen.
wir erleben die geburtsstunde eines astreinen paradigmenwechsels. (einen monat lang.)

Männer (richtige Männer) /1

Richtige Männer gehen in Karenz
Motivationsspruch, Frauenministerium

Richtige Männer nehmen Pitralon – und bleiben dabei
Motivationsspruch (Vorbild)

Richtige Männer gehen in Karenz– und bleiben dabei
Ausbaustufe (Vision)

Denim – und Sie haben jede Situation fest im Griff
guter Rat (nützliches Zusatzangebot)

ruheenergie

eindickmittel
instantsuppeninhaltsdetail

schüssel schweigt
schüssel sitzt
meines erachtens hat schüssel zu gehen
oppositionelle forderung

aber eine schüssel ist doch eo ipso ein ruhendes gefäß, und wenn die suppe zu dünn ist, lohnt es sich auch ganz sicher nicht, darauf zu hoffen, dass man daraus irgendetwas substanzielles herausschöpfen könne. umgekehrt gibt es aber auch kaffee, so stark, dass der löffel drin stecken bleibt. (eher nicht in österreich.)
im lebensmittelhandel beginnt man mit dem anfang des meteorologischen herbsts speisekürbisse anzubieten. schmecken vorzüglich und sind durchaus cremesuppentauglich.

e viceversa?

landeskulturnachsommernachtsleistungsschau. das landesmusikschulwerk lässt es ethnographisch correct trommeln. alle freuen sich schon sehr auf das streichquartett der xingu-indios.
(schade, sie haben wohl kein visum gekriegt.)
((nichtsdestotrotz bekommen alle programmgemäß einen riesenappetit auf die kommende landeskultursaison!))

problemrodln

nix wie hin! stand sehr merkwürdigerweise auf der hinweistafel zur weitum beliebten sommerrodelbahn, und als er knapp vorm ende des seitentals seitwärts zur talstation blickte, fand er auch tatsächlich diesen sich nun als wertvoll herausstellenden warnsatz bewahrheitet: revision, wieder waren schrauben locker.
aber nein, alles funktionierte tadellos, der zweischneidige (nicht wirklich als einfallsreich zu bezeichnende) werbeslogan hatte ihn nur zu diesem gedankenausflug verführt. schienenrodeln wollte er aber dann doch nicht: viel zu heiß. im winter wieder. auf frischesten forststraßen, hochwaldbondagen.

Metanoia, zivilluftfahrtlich

μετανοεῖτε!
Mk 1,15 (kehrt um!)

Passagierin zwingt Flugzeug mit Erotiktanz zur Umkehr
orfon, sommererhitzt

Man töte dieses Weib!
Oscar Wilde

Was für eine merkwürdige Zwischenfastenzeit da in der Luft knapp nach Moskau wohl ausgebrochen sein und auf was für einem verwerflichen Weg sich das sein unrecht Tun einsehendes Aeroplan befunden haben mag: Seien wir froh und dankbar für die zur rechten Zeit aufgetauchte Tänzerin (nennen wir sie Salome) und dafür, dass das Flugzeug die körpersprachlichen Zeichen zur um- und anschließenden Einkehr zu nützen bereit war!

Umgekehrt stellt sich die Frage, was denn überhaupt ein Flugzeug heutzutage noch an seinen vorhergesagten Bestimmungsort gelangen lassen kann.

unvermutet passiert

staatsanwalt muss passen: verfahren vor einstellung
orfon (aus new york; anonymisiert)

es ist davon auszugehen, dass dem unschuldsvermutlichen notorischen schwerenöter der staatsanwalt diesesmal durchaus recht war.
passt.
(schaun wir einmal, wie es für unsere üblich unverdächtigen weiterläuft.)

plusquamlibysche fragen

was könnte die bis vor kurzem aus wörtherseeoperettensehnsüchtsgründen so gaddafifreundliche krone mit der nicht wenig prekären (vorer)stürmerischen formulierung endkampf insinuieren wollen? (was folgt dem e.?)
wann kommt endlich das exklusivinterview (claus pà¡ndi?) aus gaddafis bunkerzelt (oder sagt man zeltbunker?)?
wen erkürt die krone zum nächsten rex bizarrus? mugabe? lukaschenko? chavez?
wie wärs mit pröll? (ah nein, der ist schon unter vertrag.)
scheuch? grasser?
ja, bitte gerne, dankeschön!

composer in proellidence

bärbeißig aufgeräumte natürliche lockerheit, vorwärtsflüchtiges symptom allerhöchster verkrampfung war sein von allen kumpelhaft geliebtes markenzeichen. natürlich wussten sie (instinktiv oder explizit) von dieser verdreht verklemmten verfasstheit. aber indem sie ihn so echt wie er halt ist zu mögen vorgaben, konnten sie sich vormachen, selber ebenso locker und unverkrampft und durchunddurch originell zu sein, und all das lenkte vom andauernden kratzenmüssen aller ab, dem dieses (nicht nur nieder-) österreich längstschon anheimgefallen war, krätzekratzen als höchster ausdruck angewandt selbstverständlich natürlicher lockerheit, harharharrr und brrrrrrr!
…und klopfen sich gegenseitig und selber inanatur auf die schultern, bis zum zerfallen der sandburg (und darüber hinaus).

er-wusch!-n

marterl, besonders im schönen kärnten, sind nichts anderes als vierseitig verwendbare radarfallen. je nach richtung für kärntentreue (deutsch und ungeteilt!) prozessionen (max. 60m/min; mit den üblichen 6m toleranz), radfahrer und, vor allem in der umgebung von lambichl und weiter auf dem weg zum bärental bis fast zur bielschitza, für hochstabile hochgeschwindigkeitsgefährtengefährte. hydranten haben nur zwei detektorische auslässe, und das auch nur nebenbei. sie sind, gerade oberhalb von wasserschutzgebieten, vor allem zum löschen und zur befreiung aus höchster not strategisch sinnvoll und dienstbar zu positionieren.
schräg gegenüber dann: bildstöcke, baumarktbillig markiert.

doppelfarce, sommerlochtragisch

kempowskis echolot, dazu qualtingers einmannmarstheater der letzten tage der menschheit, welch düsterer collagenpaarlauf.
merkwürdig, also bestürzend dringend notwendig, dass das einer größeren öffentlichkeit vermittelt werde (um das unselige wort propagiert zu umgehen).

¡deo graà§ias!

ein wunder!
the life of brian

sieben gläubige knochenbrüche
orfon

die weltjugend (deren bestemmkatholischen, reisefreudigen teil) hat es bei ihrer großleistungsschau in madrid getroffen: von einem durch eine verpfuschte gebetswache herbeigerufenen sturm wurde ein lichtmast gefällt, so ein glück, dass nicht mehr passiert ist, nur die gebeine von sieben gläubigern mussten dran glauben.
der papst konnte, steht fromm zu vermuten, übleres verhindern.

lasset uns froh & munter gewesen sein

auch dieser (immer noch recht neue) papst verfolgt seine christenherde (herden werden bekanntlich nicht zum streicheln gehalten) rund um den erdball. in madrid (unbegeisterte ließen sie polizeilich wegspritzen) begab sich unlängst die diesjährige leistungsschau der frohkatholischen behauptungsjugend. wenns auch im nachhinein ist, so wünschen wir aber doch sehr gerne allen alles gute gehabt bzw. erhalten zu haben! sie mögen sich auch die abgründigen velazquez‘ und goyas im prado genau angeschaut haben, und zwar die höfischen oben und die finstern unten.
passt alles perfekt zusammen. und da reden wir noch gar nicht von guernica.

Sport Heil

Was bedeutet es, dass bei gewissen sportlichen Großveranstaltungen grundsätzlich mit tatsächlichen Gewalt- und Alkoholexzessen gerechnet wird, sodass diese nachgerade geplant erscheinen, großmächtig gefördert noch dazu? Wenn sich jemand gegen grölende Horden behaupten will, wird in der Folge er bzw. sie einvernommen, die Handhinausstrecker und sonstiges Rufenden werden nicht einmal registriert, sie tun ja nichts und wollen eh nur spielen.

Eigentlich zum Fürchten. Aber wahrscheinlich bin ich in Wirklichkeit nur neidig, dass es bei meinen Konzerten nicht entsprechend zünftig zugehen mag.

hochfrequent

ein riesenrad im miniformat drehte bei strahlendem sonnenschein seine ersten runden
orfon über das fm4 frequency festival

schon interessant, dass sich die medienberichterstattung über gewisse soziokulturelle veranstalungen zuallererst auf deren präsumtive exzessivität (gewalt, alkohol, wirkliche drogen) bezieht. man stelle sich ein konzert bei den salzburger festspielen vor, über das es im ersten absatz hieße: die festivalbesucher waren sonst sehr friedlich wie es hieß, es hat keine einzige anzeige wegen körperverletzung gegeben … mehr als tausend teilnehmer mussten medizinisch versorgt werden … in der nacht mussten auch einige stark alkoholisierte besucher versorgt werden etc.

tactum

eine asymptote ist eine tangente im unendlichen
lexikographische definition

wenn etwas zugleich voll und leer und zwar völlig voll und zugleich völlig (eig.: leerig) leer ist. wenn etwas völlig schwarz und zugleich völlig weiß ist – nicht kariert oder gestreift. undaber auch nicht grau. natürlich nicht völlig, asymptotisch beidseitig, also grenzwertig sich annähernd gegen zugleich null wie auch, jawohl zugleich, hundert prozent.
aber sowas gibts doch garnicht.
aber ja.
und parallelen schneiden einander genau dort, im unendlichen. oder haben sich von dorther, ausm unendlichen, zeit- und ortlosen,

auseinanderbewegt.

am offenen tab

recherchesurfen. kaum jemand liest bei pornos den abspann; es müsste doch ein eigener beruf (mit eigener us-gewerkschaft) sein: wer reinigt eigentlich all die modernen interieurs, die so effektiv bildflächendeckend mit sperma angespritzt und vom mösensaft imprägniert sind? ist etwa das doch allzu absichtlich unbeholfen (um nicht zu sagen: ungeübt; das dann eben doch nicht) wirkende danebenspritzen der professionell potenten ejakteure bis zu einem mindestprozentsatz gar von der führenden säubergewerkschaft bang clean kollektivvertraglich vorgeschrieben?

dieser eintrag sei ein – in zeiten des persönlichen sozialvirtuellen netzwerkens möglicherweise vergeblicher – versuch, durch plaà§ieren einschlägiger keywords (gewerkschaft, mindestprozentsatz, kollektivvertrag, …) die auffind- undalso lesefrequenz dieser diarischen bloginstitution zumindest etwas zu heben.

kann man davon leben?

… und was für ein sternzeichen bist duu? … wann genau? … um wieviel uhr? … wo? – so die ersten fragen nach der begrüßung, dann raunte sie ihrem partner zu: den musst dir anschaun, er hat ein äußerst interessantes horoskop.
womit jedes ernsthafte gespräch in der folge verunmöglicht war: überall lauerten symptome für astrologisch festgelegte syndrome. später dann, in anderer konstellation, die nachfrage, was der partner mit dem westlichen zungenschlag beruflich tue (musiker sei er ja nicht). – lebensberater.
danke. ich verzichte auf die ansonsten musikern gestellte frage. (s.o.)

sie ist es

später ist sie es, die mir mein blut abnimmt. da sie in gummihandschuhen kein gefühl hat, ist sie kurzfristig beunruhigt, als sie sich, was ihr schon seit ewigkeiten nicht mehr passiert ist, anpatzt. ich beruhige sie mit meiner negativität. wir werden sehen.

ich bin es

aa saan sie dees?, fragt die ambulanzhilfskraft mit dem buschigblonden oberlippenbart, als sie mich im wartegang sitzen sieht. ich bin mir zwar nicht sicher, bejahe aber, zögernd. es stellt sich heraus: ich bin es.

rätsel

fraglos sorglose antwort als temporäre kennzahl egozentrisch opportunistischer altruistinnen.
(doppelt, also beidendig asymptotisch – sowas kanns doch gar nicht geben!)
((aber ja.))

wir gratulieren, immer noch ungläubig kopfschüttelnd, zugleich staunend.

ghostwriter

geisterfahrer raste in gegenverkehr
orfon

zum glück waren die unfallgegner (-partner?) mittlerweile, also kaum zwölf stunden nach dem accident/incident außer lebensgefahr, glücklicherweise war dieses außer lebensgefahr als in richtung leben zu vermelden (wer tot ist, ist endgültig außer lebensgefahr).
es ist im übrigen – um weiterhin spitzfindig zu bleiben – noch sehr selten vorgekommen, dass ein geisterfahrer einen auffahrunfall verursacht hätte. so etwas wäre in der tat eine schlagzeile wert, nicht nur bei den akrobatischen sprachpraktikanten von orfon.
oder um die replik auf die nachrichtenüberschrift lakonischer zu formulieren: wem hinein denn bitte sonst?

glück, edelweiß

riesenglück hatte am samstag ein wanderer bei einem alpinunfall am galtenberg in alpbach. der 49-jährige wollte über einen grat zu einem edelweiß steigen, um es zu fotografieren. dabei stürzte er 200 meter über eine felsige wiese ab.
orfon, 7.8.2011

es gibt sie noch, die gute nachricht: wenn nicht nur der weg, sondern auch der text abbricht, sind auch die p.t. leser (heute sagt man follower, sagt man mir) glücklich.

Gelesen

insekt mund
insektmund
insekmund
insemund
insmund
inmund
imund
mund

insektenfresser
Ernst Jandl*

3. August. Die jährliche Meldung Heuer besonders viele Gelsen gelesen.

* biblioman.de zum Dichter: Ernst Jandl, kürzlich verstorbener österreichischer Gegenwartsdichter, mit eigenwilligen und nachdenklich machenden Texten. (geringe Gebrauchsspuren)
Hinweis, unterstrichen: geringe Gebrauchsspuren.

klingeling

minimundus, die kleine welt am wörthersee. die pummerin, sie läutet, nein: klingelt, permanent, als wärs ein einziges letztes staatsbegräbnis für einen letzten thronprätendenten. und alles, wie es dem längstzerfallnen reich entspricht, schön im maßstab 1:25 – klingeling, nicht pummmm…pummmm…

der hintern

warum nicht: die hintern (pl.)?, fragte er sich bikiniblickfröhlich.

bis zum beweis des gegenteils

der hut, für den die kaninchenvermutung gilt
alte zaubererweisheit

ja was glauben sie denn, sehen sie denn nicht, dass ich einen kopfschaden habe?, glaubt die blitzaggressiv junge, motorisch augenscheinlich intakte frau am behindertenparkplatz originell zu reagieren, als sie gefragt wird, ob sie nicht lieber zwei plätze weiter ihr deutsches potenzauto abstellen wolle, schließlich würde sie sich später einmal, wenn sie darauf angewiesen sein könnte, über den parkplatz gleich neben der tür des supermarkts freuen.
so sehr also hat sich der kärntner trotz im volke verinnerlicht: im unrecht sein, es wissen und dabei grinsen. aber ab der zweiten bzw. der letzten instanz würde man sich fügen, und wärs, indem man sich von einem bekannten einen haxen abschneiden ließe: der parkplatz gehört mir! (unsre parkplätz für unsere leid!)
die frage: symptom oder syndrom?
(das oder ist ein einschließendes, vel, nicht aut.)

vorsch. z. güte

um den justizfall sch. im fegefeuer zwischen den instanzen vorläufig ruhen lassen zu können und für fürderhin erreicht uns die anregung, man möge doch endlich einen eigenen gerichtshof für piraten einrichten.
er gelte auch für die gebirgsmarine am wörthersee, sowie für die gesamte drauschifffahrt.
(proponentenkomittee in aufbau)

zieeeeeh!

er habe ja überhaupt gar nicht korrupt sein können, also können gar keine korrupten absichten bestanden haben können, so sch.
als würde sich jemand in den anlauf einer schisprungschanze schnellen, knapp vorm schanzentisch aber von einem vorher unbemerkten gummibandl bungeejumpert zurückgezogen werden: einem so einen sind doch sicherlich auch keinerlei sprungabsichten zu unterstellen.
soisses.

schnittmenge

vollkommen sind kompromisse dann, wenn alle unzufrieden sind.
konsensualer gemeinplatz

vlnr: schwiegermutter – gattin – schwiegersohn/gatte

immer, wenn sich der schwiegersohn (ss) und gatte (g) egon (rechts im bild, kariertes hemd) nicht recht entscheiden konnte, konsultierte er seine gattin (g) gerti (bildmitte, gestreiftes shirt) und mit ihr, stets im doppelpack, die trudeoma, seine schwiegermutter (sm; links im bild, gestreifte oberbekleidung). auf ihrer beider rat hielt er, vor allem was kleidung, frisur und menüwahl betraf, stücke. und war, wie das bild zeigt, noch immer recht gut gefahren damit.
(für egon gab es fitnesssalat.)

voll im recht

ein korrupter (bzw. einer, der, wärs möglich gewesen, gerne korrupt gewesen wäre, aber leider nicht hat können; außerdem hat man ihn dazu verführt, diesen armen burschen, der nie nicht kein wässerchen trüben könnte) politiker wird erstinstanzlich – unter, so ist es folklore, voller aufrechterhaltung der unschuldsvermutung (im lexikon der regionalen varianten des deutschen ist dieses wort in der region südösterreich/deutschkärnten als gehäuft zu verorten) – verurteilt. das genügt anderswo (möglicherweise sogar im restlichen österreich) für einen unverzüglichen rücktritt (bei bereits seit anbeginn des verfahrens von jedem amt suspendiertem ausharren).

in kärnten aber, da dreht sich die welt anders: ermannungsversammlungen werden einberufen, jetzterstrechte transparente hochgehalten und erklärt, dass der wähler letztlich an der urne recht sprechen werde.
regeln sind also dafür da, dass sie von besoffenen anhängern interpretiert werden. stellen wir uns ein wichtiges fußballspiel in der klagenfurter wellblechgarage vor (was etwas schwer fallen muss), und der held der heimmannschaft schießt ein tor mit der hand, alle haben es gesehen, es wird aberkannt. der schiedsrichter schaut sich im tumult um (in kalabrien würde der richter nimmer leben, so eine stimme zum scheuchurteil), gibt überlebensklug an den platzsprecher, der fragt die qualifizierte mehrheit und lässt per akklamation abstimmen: aber ja, das tor ist gültig.
soisses.

dessertorakel

eine gute zukunft mit guten zinsen
werbewahrspruch, vergangenheit

als nachspeise haben wir kuchen, pudding, mousse oder eis.
– bitte in dieser reihenfolge.
(erheiterung.)
(einseitige.)
… der bestellte pudding indes wabbelte wohlig, passionsfrucht- oder kiwiförmig (das wabbeln), etwa modell werbung bawag kapital-sparbuch (die wiese hinab, 1970er ff).

stüül, fascheicht

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ins Rosental. Die Zufahrt zum Draukraftwerk wird vom Militär bewacht. Später, beim Ressnigteich, schraubt ein Heereshelikopter gut eine Stunde lang hub, beständig kreisend, die Stille der Sommerfrische zernichtend wie ein Luftrasendmähermann, alle gleichmachend, allen gerecht. Lediglich die Vorstellung, dass es sich um keine Übung* handeln könnte, sondern dass sie ihn, der nach seiner von ihm nicht zur Kenntnis genommenen Urteilsverkündung getürmt war, endlich eingekreist haben dürften, entschädigt für die entgangene Stille am See.

* Die – in diesem Teil des Österreichs alles andere denn aus der Luft gegriffene – Übungsannahme wäre gewesen: Slowenien habe nur auf diesen einzigsten Augenblick Kärntner Führungsschwäche gewartet, um es im Überraschungsangriff zu überrennen, wobei zuallererst und mit einem Schlag zwei wichtige strategische Ziele auszuschalten seien: Stromversorgung, Verletzung der Kärntner Baderuhe. Dagegen aber sei Unser Heer vor. Und sie sind es, bodens, wasserns und lüftens, auf gesichertstem Posten.

Hervorragend.

mähssaker

drüben hinterm dorfe
steht ein leiermann
und mit starren fingern
dreht er was er kann

keiner mag ihn hören
keiner sieht ihn an
und die hunde knurren
um den alten mann
wilhelm müller

der schnürlrasenmähermann
fängt pünktlich früh um sieben an
und schnürlnd rast er was er kann
der schnürlrasenmähermann
regelmäßige wahrnehmung, friedhofsunterhalb

5-4-3-2-1 zählt er auf seiner funkuhr oder synchron mit dem nachrichtenrunterzähler (die zeit: in fünf sekunden ist es sieben uhr) herunter und schon geht es, ohne sireniges anlautglissando mà©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©, und dieses mà©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©à©, es ist ein scharfes, fast auf à­, kein schafweiches bääääähiges, der zweitaktige gestank des rasenden rasenmopperls macht sich in den ohren breit und dein so dringend nötiger restschlaf ist wie weggeblasen, weggemäht, koobf ogmaat wie beim berühmten stüün und staadn grüü.

nachvorsaison in südtirol

wenn der toni mit der vroni
beliebtes lied, in: saison in salzburg (1961)

wanderreise* südtirol**
sonntag 5. juni bis samstag 11. juni 2011
quartier: schaferhof in stange auf 970m seehöhe, bei sterzing (…)
preis pro person/dz: € 435,–
zuschlag zimmertyp vroni: € 15,–
historische reisebewerbung, naturfreunde st. pölten (2011)

erbitte dringend erlebnisberichte über die stattgehabte wanderreise südtirol. bitte geordnet in drei gruppen:
1) standardzimmer
2) zimmertyp vroni
3) pay-tv (placebo = kontrollgruppe)

nachfrage 1) (zimmertypspezifisch): wie naturfreundlich konnte die reise erlebt werden?
nachfrage 2): ¿zimmertyp toni? (zuschlag?)

wir sind beständig bestrebt, unsere kundendienstleistungen weiter zu verbessern und danken für ihre mitarbeit. denn nur allerhöchste kundenzufriedenheit lässt uns zufrieden ruhen. unter allen eingegangenen rückmeldungen wird deshalb ein wochenende auf dem schaferhof verlost (bitte gewünschten zimmertyp angeben; aufpreis wird bezahlt!)

* info und anmeldung: j. humpelstätter
** grenzt bekanntermaßen, auch 50 years after, an südtirà³l.

gut geführt

kärnten. ein führer. steht auf dem buch. verfasst hat es ein siegfried. und doch, es ist kein manifest oder pamphlet, ist diesbezüglich völlig unverdächtig, stammt es doch noch aus wagners zeit, harmlos alles damals, ein wenig sturm vielleicht, vieles war grundgelegt und man wusste aber noch nicht, auf was oder gar auf wen alles hinauslaufen würde. einer – ein verheißner? – würde kommen, und er ist hoch- (oder zumindest ab-)gefahren.
zauberhaftes reich.

und dann

einen vortrag wie selbstverständlich mit „drittens” beginnen. (es ist immer das publikum unachtsam.) dann könnte man weiter sehen. und vielleicht würde es sich am ende sogar so als richtiger erweisen.

koinzident?

prinzessin dianas bruder heiratet zum dritten mal*
informationsauftrag, orfon

der täter hat aus seiner rechten gesinnung gehandelt.
richtige** radiokorrespondentenersteinschätzung

zusammenhänge sind nicht immer dort, wo sie auf den ersten blick erscheinen mögen.

*(na sie kann ja nimmer.)
** recht? richtig?

modest

die sommerlichen temperaturen, als man sie fragte, ob sie nicht etwas mehr celsiüsse wollten, antworteten abwehrend, sie seien da ganz bescheiden, danke.

austromut

wenn ich könnte, wie ich wollte, knurrte er sich ins fäustchen, schaute sich vorsichtig um, zuckte zusammen, duckte sich erneut, fing sich, richtete sich, fast ganz, auf, räusperte sich und setzte wie mutig fort: aber ich will nicht.
denen hatte er es aber wieder einmal gegeben.

im schlussverkauf

hasen sehe ich haben sie da hängen.
zwei drei werden genügen. und natürlich einen jäger.
wo hängen denn die jäger?

ernst jandl, im delikatessenladen

freizeithemden stand auf dem rollkleiderständer mit der verbilligten herrenkleidung. wo hängen denn die diensthemden?, fragte er sich. (jägerhemden, etwa)

kuzikuzizimmer

raucherlunge steht auf dem dummgesetzkonformen glaskobel des dem einkaufszentrum einmontierten espressos. und wirklich, aus der stets offenen tür hört man es im vorbeigehn demgemäß biflügelig scheppern und röcheln.

angemessen

fortsehen
oder
forzen

ernst jandl, identität

augenblicklich, als wäre ihm eine hochsommerlich verfrühte sturmzeit in den bauch gefahren, musste er den ort verlassen, er empfahl sich der sich eben rauchkrachlachend vorgestellt habenden person auf der stelle mit aha, sie sind das … nun … ich muss dringlich scheißen, wiederschaun! es war dies tatsächlich die im augenblick einzig mögliche authentische reaktion, wie eine nachgehende analyse durch die eilig einberufene untersuchungskommission zweifelsfrei ergab.
eine weitere geeignete allfällige reaktion auf eine durch fremdpersonen immediat erregte über die peristaltik hereinbrechende gärphase wäre es, zu furzen, nichts alswie furzen, furzen und dabei bzw. dadurch zumindest ein kilo zuzunehmen, so ihr vorschlag im abschließenden bericht.

g. a.

im institut war man nach kurzer abklärung doch einigermaßen recht freundlich, zu ihm. da ging die tür auf und heraus kam k, voll der wunderlichen freude, den kollegen nach so vielen jahren endlich wieder einmal leibhaftig zu treffen. man habe soviel tolles über ihn und von ihm gehört und wolle ihn nun endlich wieder einmal live erleben, wann er denn einmal spiele? – morgen, im hause noch dazu, das treffe sich doch, scheints, perfekt. – morgen? abend?! – neinnein, das gehe nicht, dann sei es ja morgen und abend und er außer dienst und auch schon im urlaub huschhusch.
(in dieser geschlossenen anstalt machte man doch tatsächlich dienst nach vorschrift. immerhin das.)

ungefönt

einfahrt klagenfurt vom osten, bei der emblematischen (unser geld für unsre leut) hypo alpe adria biegst du (es ist der kürzeste weg von hier nach lambichl) links ab, schon findest du, diagonal, das adäquate memorial für die sprichwörtlichen kärntner umständ‘: die sommervergnügliche hüpfburgenstadt für die ganze familie, völlig flach, alle aggregate ausgesteckt. und ist die hbs an, brauchts erst nur ein paar piekser, und du weißt augenblicklich: der boden der realität(en) ist näher, viel viel näher als vorgegaukelt.
die welt ist nämlich nit lei größer (etwas größer) als minimundus, ungepolsterter ist sie auch, wenn (seit?) es keinen heißlufteinbläser mehr gibt.
kärnten, hupfburgenland.
(gedankenexperiment: wie schaut eigentlich die betont betonerne hypothekenzentrale luftlos aus?)

sonstgehtsunsgut

das einzige problem ist vielleicht die versorgung mit milch und bier.
bedarfserhebung, orfon

(dekontextualisiert, aber – wie alles bei orfon – immer gut für eine weiterführende, tiefergehende meditative aufwühlaufbereitung.)

traum, kommunizierendes gefäß

(parallelen, auch schienen, im garnicht so fernen unendlichen, also im traume, treffen, also schneiden, also überkreuzen sie sich…)

am morgen erzählten sie einander ihre träume wissend, als hätten sie sie gemeinsam geträumt (mit jeweils einem hauptträumer). es war ein bisschen so, wie in der schule, am morgen oder in der ersten pause, wenn am vorabend, im vorabendprogramm, alle das gleiche (kung fu, kojak, die straßen von san franzisko, starsky & hutch) gesehen hatten und ihre recht lebhaften erinnerungen daran abglichen, wobei stets die phantastischsten versionen obsiegten.
(zustimmendes nicken.)

endspiel, irdisch

ohne zweifel entsprach die abfolge der zahlreichen seeligen momente dargestellter bewusst höchster lust (zumindest deren fünf) der hauptdarstellerinnen den tatsachen, gleichwie das einmalig konvulsivisch sich ergießen, gut sichtbar und völlig übertrieben, was seine rezeptionsaufbereitung betraf.
als würde man bei einem fußballspiel, das haushoch verloren geht, schlussendlich nur vom – zweifellos spektakulären – ehrentor berichten.
cordoba, irgendwie.

(vorm unvermeidlichen entschlummern wird dezent ausgeblendet und das hamsterradl beginnt sich von vorn zu drehen, gedreht zu werden.)

Vorspiel, himmlisch

M. W. gibt Gott mit gut geführter Stimme
Kleine Zeitung (Kärnten)

Wie gottet Gottes gut geführte Stimme? Theatralisch? Imaginiert? Im Steinbruch gar?

Zu überprüfen wären markterprobte Referenzaufnahmen.

wasserschadenlos

auch freiwillige feuerwehren brauchen verlautorgane, die vereinsinternes hinaus in die welt, die der löschbezirk ist, tragen, ein nicht zu unterschätzender sektor des heimischen vereinszeitungswesens. wie bei sonstigen griffigen slogans, die sich durch plagiativ-naheliegendes auszeichnen (z.b.: mannersdorf mag man eben oder weninger ist mehr, oder, klagenfurtlokal besonders augenfällig, dental grasser – schöner lächeln – wohl mit angeschlossener fönwellencoiffeuse), ist auch hier das sprachliche geschick mal mehr, mal weniger (sic!) ausgeprägt. das organ der freiwilligen feuerwehr steyr-münichholz (löschzug v) nennt sich löschblatt.
geglückt! (wenn sie sich bei ihren einsätzen nur nicht darauf verlassen.)

thanatokratie, monarchistische

als erster höhepunkt der totenfeier für den (mittlerweile herzlosen) kaiser der herzen wurde uns von der zusammenführung der beiden särge (des verstorbenen, der vorverstorbenen gattin) in mariazell hofberichtet.
ahhhh.
ob sich die zutiefst hinterbliebenen diskret tuschelnd zurückgezogen haben? – lassen wir sie nun ein bisschen allein. – so ein alter lauser, der otto, hihi.

schon im schuhschongang?

nun weiter denn, nur weiter
mein teurer wanderschuh

nach wilhelm müller

wir sind in einer wanderregion, alpenlaufgemeinden und wanderdörfer (nein, keine planenwagen westwärts) geben sich die klinke (oder den wanderstab) in die hand. kommst du vom pyhrn herab (ein zarathustrischer untergang!), umwirbt dich ein schuhgeschäft damit, dass es durchgehend geöffnet habe.
wenn nur die sohlen halten wollen.

le grand petit

komm, süßer tod!
beliebte bachkantate (?)

schach dem herztod
legendäre gesundheitsbotschaft

etliche geschichtchen kursieren über finale abgänge in den armen der geliebten, ein recht konvulsives sichaushauchen im letzten, höchsten augenblick, wie von einer lendenlegendengeilen nachwelt gerne dazuphantasiert wird.
dann gibt es noch ähnlich schöne erzählungen über autoerotisch verunfallte selbststrangulierer (kung fucking).
von damen, die in actu in den armen ihrer geliebten vergehen, ist hingegen wenig bekannt.
das ist ungerecht.

luftlinie, balgig gefaltet

in. servus. out.
austrian

kryptische werbebotschaft

der mann hinten in der schlange zum einsteigen war wirklich riesig. er musste ein zweites knie haben. (pro bein.)

instantvision

damals, auf elba, völlig unverbannt (campiglia marittima, dieser nichtort am festland, hatte – nicht nur für bahnreisende – besseres potential dafür), in der dom genannten pfarrkirche, sah er ihn wieder in seinem rechten seitenschiff, pulsgewärmt und mit diesem allzugütigen dauergerührten blick, jawohl, der patron der transeuropäischen transportunternehmer, des kitsches und der bigotterie, padre pio bin laden paolo coelho fisherman’s friend, einunddieselbe person.
bitte lieber ingeborg bachmann oskar werner romy schneider.
vier? – louis armstrong.

vorläufig gesichert

so wird es bleiben
so wird es nicht bleiben
ernst jandl

unlängst (verjährt), geburtstag, guten morgen wünscht der bildschirm der schnittstelle zur außenwelt, und kaum ist es scheinbar erschienen, stellt sich auch das virtualsoziale maschenwirkwerk (fontanescher tand, wie alles aus menschenhand) gratulierend ein, flächendeckend heuchelfrei wie immer. es wird wieder einmal zeit für softwareaktualisierung. kurzem bangen folgt die befriedigt zur kenntnis genommene systemmeldung: alles auf aktuellem stand. wer will das nicht gerne glauben? wobei, auf aktuellem stand, ein solcher befund winkt doch einigermaßen prekär damit, wie es wäre, wäre es nimmer so.
rasch noch alle daten sichern und dann immer nicht so weiter.

Abgefahren

Campiglia Marittima, Bahnhof im freien Feld mit jeglicher Infrastruktur (besetzter Fahrscheinverkaufsschalter, Kiosk, Bar, sogar eine Trattoria gibt es), aber tagsüber praktisch zuglos, du versandest hier. Die Gefahr, von einem durchfahrenden Zug erfasst zu werden, entspricht etwa jener, von einem Meteoriten getroffen zu werden (sowas kommt vor!). Zur Aufmunterung aber kommen in kurzen Abständen Anweisungen (auch auf englisch, strictly forbidden) über das rechte Verhalten beim Nichtüberschreiten der Geleise und, besonders wichtig, wie man korrekt dem Zug zu entsteigen hat, für den Fall, dass man es von hier aus tatsächlich geschafft haben sollte, ein derart rares Personentransportmittel zu erklimmen, oder, wie sie hier sagen, an Bord zu gelangen.

Schwimmen, das wärs.

sommernachtstrauma /3

die – vorläufig – letzte variante: nimm die gelse (gerne deren mehrere) mit ins netz. hilfreich ist gesteigerter alkoholkonsum vor dem zubettgehen, das garantiert einen festen schlaf, so sind alle zufrieden, auch die zuletzt doch recht unfair ausgetrickste doppelfoltergelse. am vormittag erfolge die rückernte aus dem dann für das insekt doch recht heimtückischen netz, sie können sich das blut durch einreiben in oberschenkel oder unterarm wenigstens symbolisch zurückholen.

sommernachtstrauma /2

nun zur gelsenfolter. es gibt eine pro nacht, und am ende (morgens) wird sie ihr leben verwirkt haben (gib bitte obacht, damit du keine eigenblutflecken verursachst).
nach dem nächsten (vorzuziehenden) ikeabesuch und demgemäß geborgen im inneren des dicht übers bett gespannten moskitonetz wird die folter eine auf gegenseitigkeit: sie kann nicht zu dir herein, aber du musst sie hören, nicht ganz so nah am ohr, aber ausreichend, damit du gezwungen bist die beiden asketischen settings (vgl. sommernachtstrauma /1) in gedanken durchzuspielen.
auch hier gibt es eine variante, von der jedoch aus noch zu erläuternden gründen dringendst abgeraten sei: die absicherung des schlafes durch das an- bzw. einlegen von ohrstöpseln, wachs, watte, wasauchimmer (bei asterix und obelix war es einmal petersilie; diese half).
zu zitieren ist, wer sonst, franz kafka: nun haben aber die sirenen eine noch schrecklichere waffe als den gesang, nämlich ihr schweigen. es ist zwar nicht geschehen, aber vielleicht denkbar, daß sich jemand vor ihrem gesang gerettet hätte, vor ihrem schweigen gewiß nicht. dem gefühl, aus eigener kraft sie besiegt zu haben, der daraus folgenden alles fortreißenden Überhebung kann nichts irdisches widerstehen.
und tatsächlich sangen, als odysseus kam, die gewaltigen sängerinnen nicht, sei es, daß sie glaubten, diesem gegner könne nur noch das schweigen beikommen, sei es, daß der anblick der glückseligkeit im gesicht des odysseus, der an nichts anderes als an wachs und ketten dachte, sie allen gesang vergessen ließ.
odysseus aber, um es so auszudrücken, hörte ihr schweigen nicht, er glaubte, sie sängen, und nur er sei behütet, es zu hören. (…)

nachtrag: beim heurigen zweiten probealarm in der steiermark schwiegen sie nicht, die sirenen. insbesondere das auf- und abschwellen gelang beispielgebend.

sommernachtstrauma /1

im nichtschlafenkönnen dachte er sich als übung (à¡skesis) folgende aufgabe aus: schlaf auf beiden ohren! übend (überflüssig, die vergeblichkeit zu betonen, sosehr er sich ehrlich mühte) ergab sich die (gleichwohl aussichtslose) variante: schließ ein ohr (willentlich)!
nichts ist bekanntermaßen so heiligkeitsfördernd, wie die behauptete vollbringung von die irdischen gesetze außerkraftsetzenden (ja, sie transzendierenden) wundertaten.
alles gelang.

sempre pronto

bitteschön die spaghetti seien aber, zumal es sich um ein explizit italienisches lokal handle, wenn es sich auch am grazer hauptplatz (dessen rathaus demjenigen triests als durchaus eng verwandt bezeichnet werden darf) befinde, doch einigermaßen breiig geraten, eher al kukidente denn al dente.
wous woullns, daou weardns in gaounz graz kane echten aldentenoudln findn
– so die antwort des tadellous fraeiündlichen oubers, der er noch hinzufügt, dass man, wie überall in graz (und in der steiermark, das die welt ist), die nudeln in der früh vorkoche und dann nur mehr aufwärme, es gehe gar nicht anders. selbstverständlich respektiere man aber meinen einwand und nehme die boulougnäis schoun zurück, auch, weil sie nicht wirklich schöün angerichtet seien.
baff extrapolieren wir verhinderte essensgenießer, dass es in graz eine zentrale spaghettiküche (spagh. & nudeln aller art) geben müsse, analog zu waschküchen, und dass in den marktamtlichen verlautbarungen zur amtlichen kleinen zeitung, neben den berichten des marktamtes (wo das aktuelle mischungsverhältnis von kernöül zu wasser nachzulesen ist), die nudelkochtage verlautet werden: wer nudeln zum kochen habe, bringe sie bitte bis 17.00 uhr des vortags gut beschriftet zur zentralen zerkochstelle, zu betonen sei die vorsilbe zer-.
weitergesponnen ließe sich demgemäß (unter transmigration in eine weitere fremdsprache) der prekäre obige wortwitz al kukidente davon herleiten, dass in graz (und, flächendeckend, in der steiermark, das die welt ist) die spaghetti deshalb so zahnprothesenträgerfreundlich auf den teller und durch ihn auf den tisch kommen, weil bei ihnen der cook ident ist. und der hat, es ist eine begehrte, einem amtsarzt vergleichbare stellung, zeit, so lange zeit, bis wirklich alle nudeln wirklich durch sind.

was sind wir international!

wohltuend resolut

der radler ist gelandet
filmzitat, in graz verortet (die unabsichtliche entführung der frau elfriede ott)

rollin‘, rollin‘, …
creedence clearwater revival

wollmersereinlassäää—?!
möglicherweise prekäre karnevalische frage, mainz

der topro-rollator der alten dame heißt troja. und in der tat, sie hat’s in sich.

triebhaft

nimm dein bett und geh
populäres jesuswort

papst steigt auf hybridantrieb um
orfon

… wie wir uns das nun wieder vorzustellen haben (ohne dabei – mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa – ins zwangshaft blasphemische abgleiten zu müssen)?
ich wills mir gar nicht vorstellen, nicht vorstellen müssen.

muramour

wir wollen nie mehr aus ein an der gehn
schlagertext, nachkrieg

graz, erzherzogjohannbrücke. die gaußsche glockenkurve am beispiel der ans geländergitter geketteten liebesschlösser. in der mitte, wo das ufer am weitesten entfernt ist, hängen die meisten. sowas gibt sicherheit, eine liebe lang.
unten jedoch, auf dem citybeach, lauern lüsterne neoprene froschmänner (ja, vor allem männer!) mit ihren stets zum herausschnellen bereiten zungen auf gefallene schlüssel.

angepasst

in linz beginz
tourismussloganikone, oberösterreich

grat’s hat’s
tourismusslogan, steiermark (verstaubt)

graz, city of dustdesign, annenstraße, früher die mariahilferstraße des steirers. es ist ein graduelles herabkommen vom bahnhof. vorbei an billigen telefon-und-internet-läden und beinahedesignboutiquen (ramschtextilien aus ehrlicher internationaler kinderarbeit zum kilopreis), immer noch tiefer. eine imbissbude unweit vom paradigmatischen gummineger bietet döner kebab um € 1,79 an. – bitte um das geld kann es aber nur vom schwein sein.
du spürst es augenblicklich, beschleunigst deinen schritt: hier ist ein wendepunkt erreicht, und tatsächlich, ab dem knick stadteinwärts geht es aufwärts. bei der kunstblase dann sind wieder designpreise ausgezeichnet.
ausgezeichnet.

mehr als drei bier zu viel

im reich des totalitären kitsches sind die antworten von vornherein gegeben und schließen jede frage aus. daraus geht hervor, dass der eigentliche gegner des totalitären kitsches ein mensch ist, der fragen stellt. die frage gleicht einem messer, das die gemalte leinwand eines bühnenbildes zerschneidet, damit man sehen kann, was sich dahinter verbirgt.
milan kundera, die unerträgliche leichtigkeit des seins (1984)

der politiker, zu dem gerhard haderer nichts einfällt, spricht von nestbeschmutzung, wenn man am falschen ort seiner meinung unpassende fragen stellt (immer noch aufrechte hitlerehrenbürgerschaften österreichischer orte) – und er bekommt auch noch argumentative unterstützung durch den österreichischen außenminister, denn so käme das land zu schaden.
soistdas und: aha.
wie sagte karl kraus, dem zu hitler nichts eingefallen ist: ich bin der vogel, den sein nest beschmutzt.

erwin, mach was!

das ungeziefer liebt den ort, weil es dort gülle in hülle und fülle gibt.
orfon

vorher durften wir erfahren: die bevölkerung kämpft schon seit längerer zeit gegen die kakerlakenplage. der kakerlakenplagenkampf ereignet sich im niederösterreichischen, wo, wird nicht verraten, aber es ist im niederösterreichischen, das, was bad news betrifft, drauf und dran zu sein scheint, das südliche schattenreich abzulösen.
wir wollen jetzt nicht in eine unselige metaphorisierung des ungeziefers verfallen, wie wir sie vom gefallenen sonnengott und seinen lehrbuben kennen und uns lieber ein weiteres mal an der poesie der praktikanten von orfon erfreuen, ich wiederhole, mit im sinne der alliteration leicht optimierter wortstellung:

das ungeziefer liebt den ort, dort gibt es gülle in hülle und fülle.

aahhh! – von wem aber ist jetzt (wir sind in niederösterreich, dem land am strome mit dem marchfeld) die hülle, von wem die fülle?
die gülle, das wird nicht so schwer.

nachtrag: geziefer, gibts das? (wir bräuchten es sosehr!)

(papperlapapp)

jünger /2

obdachlose in wien werden immer jünger
orfon

man kann es auch anders lesen, messianisch. von wem also werden die wiener obdachlosen jünger?
gut, dass das heim in der (nach einem nürnberger kartographen benannte!) meldemannstraße seit jahren geschlossen wurde.
meldemannstraßen aber ziehen sich, ein netz bildend, über die städte, breiten sich aus, zunehmend engmaschig und enger, immer mehr noch sich verengend, verjüngend nachgerade.

jünger /1

obdachlose in wien werden immer jünger
orfon

ich darf an den helvetischen jungbrunnen erinnern (die philatelie ists – oder wars, 2008). es zeigt sich wieder einmal, dass das leben (die kosten für eine prolongierte bzw. ewige jugend) in östereich noch billiger (qualitätvoller sowieso) ist, als das bei unseren geschätzten westlichen nachbarn, und da rede ich noch gar nicht von der sprichwörtlichen größeren attraktion des wiener zentralfriedhofs im vergleich zur zentralen schweizer metropole zürich.
allerdings (canetti, joyce), der friedhof fluntern, beim zoo, ist auch nicht ohne.

wachsende

berlusconi mit dem rücken zur wand
orfon

soviel mut, den dingen ins aug zu schauen, hätte man dieser einmaligen figur (die erste gehende wachspuppe) nicht zugetraut.

damit nicht abgelenkt werde: der österreichische realpolitische reim würde lauten (nein, er lautet!): regierung mit kopf im sand. lang schon, und mit wenig aussicht auf bewegung. alles völlig verwachsen irgendwie.

homophilisterei

ungleichheit macht menschen unglücklich
wissenschaftlich erschöpfende überschrift, orfon

neid macht erfinderisch
mars macht mobil
(…)
abgeleitete schlussfolgerungen (weit überzogen!)

bekanntlich aber hat die natur (die welt, der kosmos, werauchimmer) für alles, was sie auf der einen seite ungleich ausgegeben hat, auf der anderen seite einen ausgleich geschaffen: hat jemand etwa einen kürzeren fuß (für unsere bundesdeutschen leser: ein kürzeres bein), so ist ihm (oder ihr; ich erwähne hier ausdrücklich die hammerschlagsche zeile der abgeschnitt’ne haxen war mir durchaus nicht im wege nicht) auf der anderen seite ein längerer gewachsen. beim fußball: rechts und links daneben beim elfmeter ergibt 2:0 (na gut, sagen wir 1:0; sowas kann aber spielentscheidend sein). oder du hast dich im kaffeehaus verabredet und bist zehn minuten vor der vereinbarten zeit da, schon kommt der anruf, in dem dir tut mir leid, ich komm‘ ein bissl später mitgeteilt wird. auch hier gilt: in summe war man dann pünktlich und alle dürfen glücklich sein.
zu verweisen ist auf schrödingers katze. irgendwie haben wir alle was von ihr. ich meine sogar: entscheidendes.

ob, wenn das die überschrift von orfon insinuieren wollte (sinus, das ist doch auch oben und unten und in der mitte, durchschnittlich also, beim normkreis: null, zero, nix), der umkehrschluss, gleichheit mache glücklich (undzwar gleich glücklich!) zu gelten hat, da bin ich noch im wiglwagl, wie wir es in oberösterreich (zu dessen ausgleich es ein niederösterreich gibt) sagen.

nachtrag zu ober- und nieder: für tirol bedeutet dies: plus/minus/neutral. man suche sich sein teil selber aus, es gelte jedoch: in lienz begienz.

krempl, eigener

wo viel schatten ist, ist wenig sonne
altes sprichwort aus dunkler zeit

unser geld für unsere leut‘ affichiert bzw. – damit er’s, läse er’s, verstünde – plakatiert in einem fort ärmelaufkremplnd wie zuletzt die bawag nach ihrem ebenso selbstverantworteten abhausen jener herr, zu dem gerhard haderer (ebenso wie vermutlich karl kraus) nichts einfällt. das hatte man dann doch nicht für möglich gehalten, nachdem just seine partei der verängstigten und neidhammel genau dieses programm in kärnten so überzeugend und, im wörtlichsten sinn, restlos umgesetzt hat, mehr als restlos, wie die bundeshaftung für das südliche schattenreich, den freistaat von des toten sonnengotts gnaden, eindrucksvoll und kapitalintensiv bewiesen hat.

völlig unverdächtig

dass die 32-jährige spanierin dringend verdächtig ist, mit den leichen im keller zu tun zu haben, war demnach für die ermittler des landeskriminalamtes (lka, gruppe fleischhacker) nicht einmal 24 stunden nach der entdeckung des ersten toten klar.
orfon

und auch der gruppenleiter hat sich wohl nicht ganz unmotiviert einen job ausgesucht, wo u.a. zerteilte körper nicht nur aus dem betonboden, sondern auch aus der kühltruhe (sie steht bevorzugt im keller, diesem beliebtesten aufbewahrungsort nicht nur metaphorischer leichen) geholt werden.

klarstellung: mein kühlfach ist nachweislich vielzuklein und befindet sich in der küche und nicht im keller, in den ich zu den weinen gehe.

nb: die schaltung dieses textes am fronleichnamstag ist völlig unabsichtlich passiert und hat auch seine thematik mit diesem beliebten katholischen hochfeste (kult des kultes, so die bedenkenswert distanzierte haltung der orthodoxie dazu) rein garnichts zu tun.

auf einen streich

fahnder suchen parallelen
orfon

mein rat: ganz hinten, im unendlichen, anfangen. dort schneiden sie sich nämlich, und man hat zwei auf einmal. das ist dann gut für die pressekonferenz.

fritrial®

ja, wir sind eifnach die besten, was medizin angeht, vesrpochen.
selbsteinschätzung, medizinische werbenachricht

vrostaz: in usnreer so skpetschien ziet slolten wir shcön lganasm lrenen, weiedr mher jneen zu vretuaern, die nciht so sher auf irhen vrotiel schuean, snorden, graradehus, es wriklcih gut mit uns mieenn. am betsen aslo zu den betsen gheen.

lieber später

lady gaga für späten sex bei jugendlichen
informationsauftrag, orfon

beim ersten mal tuts weh, heißts; es muss aber nicht wehtun. ob aber das sexuell zweifelsohne notwendige ausprob- und –agieren besser gelingt, wenn die jungen menschen schon betäubt sind, nach zehn, halbelf, spätabends? geht beim komaficken wirklich noch alles so super?
(bin skeptisch)

lückenlos

halt, polizei!
tatort nicht betreten!

absperrungsbandaufschrift (polizei)

man sollte ein solches band vor einem jeden verbrechen um den tatort spannen: die perfekte prävention. (gilt nicht, wenn sie ein – leider allzurarer – mann der tat sind.)

wurmspur

rätsel um löcher im tunnel (…) der tunnel muss zumindest abschnittweise gesperrt werden.
(kein morgen ohne) heute

… auf den lauf-, bzw, besser: rollmetern 47 bis 234 zum beispiel. eine wahrlich interessante, ja: fordernde aufgabe für (sehr fortgeschrittene) verkehrslogistiker.
oder handelt es sich gar um eine paralleluniversielle durchschlupfoption, grad hier, am bindermichl.
bindermichl,
seit jeher merkwürdig verdächtige topographische bezeichnung.

verdutzt

als er, beiläufig, an sich hinunterschaute, bemerkte er, dass er sechs zehen hatte, an jedem fuß sechs zehen hatte, und zwar zweifellos seit eh und je, und es war ihm aber nie aufgefallen, nein wie es so etwas geben konnte, sechs zehen, beidseitig sechs zehen! allerdings hatte er diese sechs zehen nur beim sitzen im lesestuhl, mit den beinen auf dem vorgelagerten schemel beim radiohören.
für seinen schuhpark bestand nun also keine gefahr.
es pulste wohlig in seinen füßen. die große hilde zadek erzählte weiter. gespannt, den atem ruhig haltend, hörte er zu. (auf zehenspitzen, gewissermaßen.)

nicht grenznah, gefahrlos

was für eine beruhigung: die angebotene gurke hatte 100% österreich auf ihrem pickerl, das auf seiner hygienischen polyethylenschrumpfkopffolie prangte, stehen. sofort roh verzehren!, befahl ihm eine unvermutet aufwallende inwendige vertrauensbeweisinstanz, am besten vor publikum!

wir haben die welt von unseren genen nur geborgt.

beredt

adagio
adagio
adagio
adagio
adagio molto
adagio – adagio molto
satzbezeichnungen, es-moll, op. 144 (1974)

schostakowitsch fünfzehn, das streichquartett nämlich. schadet auch im juni nicht, das zu hören. es wirkt so beruhigend, weil sich danach eigentlich jedwedes komponieren erübrigen würde. irgendwie müssen wir aber weitertun.
adagio sagt uns: wir brauchen nicht zu eilen.
(mögen andere plappern.)

(macht fröhlich, tief drin.)

Redio /3

Die Konsumenten können unserem Gemüse vertrauen
Nikolaus Berlakovich, Gurkenminister

Vorwandradio: Lediglich behaupteter Inhalt, Hauptsache: Reden.

Neue Publikumsschichten seien zeitgemäß zu erschließen. Warum eigentlich? Zum Radio wie zum Buch kommst du sowieso, wenn es Zeit ist. Alkopop- und Flügerltrinken (früher: Ribiselwein, Colarot) ist eine Durchgangsphase. Manche (nicht nur die sprichwörtlichen größten Trotteln eines jeden Maturajahrgangs) werden noch in dieser Komasaufepoche Einpeitscher für Hitradios und verdummende Pseudoquizspiele im Fernsehen; etliche (immer mehr) bleiben in ihr stecken.

Es ist aber schon so: Der Weg zum Genuss eines guten Weines (Usus, nicht Ab-Usus) verläuft anderswie, anderswo. Kein ernstzunehmender Winzer wird süßen Kopfwehwein unter die Leute bringen, um neue Kundenschichten zu erschließen. Es genügt zu warten. Die richtigen kommen, zur rechten Zeit, von selber.

Habt ihr schon den Glykolskandal vergessen?

Österreichische Gurken sind derzeit im Ausland stark gefragt.

Redio /2

Zum Kotzen, Sich Übergeben und Speim, diese umsichgegriffen habende überhandnehmende, inhaltsleere Quasselei in zeitgemäß gestreamleinten (streamgeleinten? – was für eine müde Stromleine, diese Strippenlogorrhoe des Sprechdurchfalls), pleonastisch-tautologischen (exakt, genau!) Ketten kannst du, wenn dir nichts einfällt, dein plapperlaturperpetuales (sempre una!) Mobile am Schnurren halten, die Suppe wird halt immer noch dünner, aber was solls, die Sendezeit vergeht, die Wichtigkeit steigt (es ist, demgemäß, eine bedeutende Wichtichkeit, ein Wicht mit doppel-Ich).

Vorwandradio: lediglich behaupteter Inhalt, Hauptsache: Reden.

Karl Kraus, in diesen Tagen, wie zum Hohn, speziell gefeiert (ein Vorwand: Sie haben ihn usurpiert, um sich selber seine imaginären Orden des Geistes umzuhängen), er hätte seine schaurige Freude gehabt.

Redio /1

sämmertliche eigenwäscher
Ernst Jandl

Hinhören, hineinhören: Dafür war sein Radio (es war seines!) bisher gestanden, hatte es sanft und durch Beständigkeit vermittelt. Nun aber, alles hinwegspülend, war das ehemalige Kulturradio zeitgemäß geworden. Welcher Zeit gemäß?

Ganz neu, und neu ist zeitgemäß und zeitgemäß ist gut. Endlich hatten auch sie (selbsternannte, was denn sonst) Stars, und sie traten im Rudel (zumindest paarweise) auf. Allerdings, was die Sache noch schlimmer machte, agierten diese, als wären sie intellektuelle Gesamtwissende, in behaupteter, extra angesagter Ironie (damit es auch alle verstehen). Was in Wirklichkeit aber jämmerlich selbstgerechtes Gefasel zeitigte. In dieser Dichte war das neuartig für den Sender, wenngleich es sich durch wachsenden, verfolgbaren (den – auch nachts noch – wachen Hörer verfolgenden), aktiv angesteuerten Kompetenzverlust und beschleunigtes Nivellieren (nivelliert wird immer schleichend und, ja, nach unten) angekündigt hatte: Das endgültige Überhandnehmen des Quasselformats. Sie wollten gescheit und originell und achsolustig und zeitgemäß ein/e jede/r noch intarressanter sein. Und genierten sich gar nicht mehr, ihren billigen Eklektizismus auch als solchen zu benennen. Blödsinnig und dabei noch stolz drauf.

Zeitgemäß, schlimmstes aller Schimpfwörter. Zum Fürchten.

Zum Speim.