mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


sommerpoetisches (2)

möchtet ihr nicht auch die wurst versuchen?
david,
in: richard wagner, die meistersinger von nürnberg

erl
erle
erlen
allee
alleen
erlenalleen
erlerlenalleen
erlenalleeerste erlen
erlerlenalleeerste erlen
erlerlenalleeerlebnis
erleebnisse
erleebnisse!

(seine versicherungen hatte er alle auf die option à©rleben hin abgeschlossen. sollte das nicht hinhauen, dann würden sie aber was erleben.)

sommerpoetisches (1)

wie wars besucht? –
– lauter hässliche leute!

(nach der premiere)

noch konnte sie sich als zuschauerin ihrer zuschauer ihr publikum nicht ganz aussuchen. bis dahin solle sie sorge tragen, dass das saallicht bis zur unkenntlichkeit gedimmt werde. möglicherweise aber solle sie versuchen, beim film anzuheuern, dort wimmelte es doch nur so von schönen menschen.
die erste rolle indes versprach vielversprechendes.

schafes bruder

orpheus in der unterwelt
(mythologische erzählung, cancanträchtig)

morpheus in der munterwelt

(spiegelung; obacht beim tanzen mit den eingeschlafenen füßen!)

an welchem nullpunkt die beiden brüder (oder sind es doch cousins? welchen grades?) einander treffen mögen?

auzahn!

wir spielen nicht, es tut nur weh!
beliebte beschwichtigungsformel

der faymann-ohne-eigenschaften, bundeskanzler der republik österreich, bittet beherzt, an einem strang zu ziehen. leider, und sein rat wäre doch ein gewichtiger, verrät er uns nicht, in welche richtung (horizontal: links?! rechts!? – vertikal: auffe? owe?). es wird wohl, zum übel, die mitte bleiben, damit es halt nicht weh tut, ist ja nur ein spiel.
man lasse ihn ziehen.

am ziel. und weiter

… das zugteam verabschiedet sich im namen der öbb personenverkehrs ag von den reisenden, die ihr ziel erreicht haben; ladies and gentlemen, next stop wells …

so final es klingen mag, ich steige doch nicht aus. weiter nach attnang-puchheim. es ist ja zum glück eine wahrhaft ungeheure reise.

Nur weg!

Auf der Brücke (hier ist nur Platz für einen von uns) rechtzeitig die Seite wechseln, so tun, als ob man den Blick zu den sich vereinigenden Wassermassen der wieder halbwegs in ihr Bett zurückflutenden Flüsse suche, anstatt den Leuchtturm der ohrenglüh-creativen Jugendzeit, der sich, wesensgemäß und fatalerweise, mit zunehmend unterspültem Fundament, noch an der gleichen Stelle befand (längstschon mit ausgebranntem Leuchtfeuer, völlig strahllos), ihm und seinem Gejeiere begegnen zu müssen, seine gleichgebliebenen Sentenzen müde abzunicken, sie im Geist träge heimlich vorsagen… nein, diesmal war er im Ersterspähen schneller, und das Spiel des Wassers war indertat um ein vielfaches spannender, dynamischer, lebendiger.

Wenn es sein müsste, er würde springen, ein garkleines Übel, im Vergleich.

bildungsauftrag

einfach gut aussehen, werben zwei etwas ungut aussehende kleiderschränke der klitschko-klasse testimonialisch für ein völlig neuartiges fitnessstudio für eine vollendete ausbildung auch deines körpers.
gut, dass das plakat hintergrundbeleuchtet ist, dachte er heimlich bei sich. weil im finstern wollte er denen nicht auf einer engen gasse (hier ist nur platz für einen von uns) begegnen müssen.
er würde sich wohl einschreiben lassen müssen, zur sicherheit.

groß und weid

… mei bua is jo agademika, der kuumt vüü umanaund. zerscht wora in australien, neiseelaund, kina, jetz kumta noch kasachstan.
– ned schlechd, durtn is a schene gegnd …

seniorendialog, s-bahn, wien

memorial

mit wirklicher erinnerung oder gar vorausblick ist ja bei superlativausspeiern hollywoodesker art keinesfalls zu rechnen. geschichte geschrieben wird: jetzt; gelesen: wann denn bitte? – wir müssen ja geschichte schreiben und haben doch schon umgeblättert!

… am schluss des bestverwerteten trauerevents augenblicklich aller zeiten bleibt allein der leere lichtkegel von mr. bean. zumindest der passt so. (seine rede aber hat gefehlt.)

unsterblich

helnwein (das double seines portraits von haderer) & shicoff (naturbraun das haupthaar) im da caruso, um sie scharwenzelnd der geschäftsführer.
das am tag, da man michael jackson veröffentlicht verabschiedet.
(die zombies, sie sterben nicht aus. per definitionem nicht.)

kafkanachtrag (orange)

kafka? – nein, kenn ich leider nicht; ich lese nur fachliteratur.
callcenterdamenantwort auf kundenfrage betreffs k. anmutungen beim verkehr mit einem bewegliche fernmündlichkeit vermittelndem unternehmen

(als ob k. keine fachliteratur wäre!)

Restposten (2)

Sommerschlussschuhverkauf auch in Klagenfurt, ebenfalls zu Sommerbeginn (wann auch sonst hört es sich auch auf mit dem Sommer?). Und auch hier verspricht man Einzelpaare. Möglicherweise, hier in Kärnten, für Bitchvolleyball- oderaberauch verschwörunstheoretisierende Bleifußinvaliden (der Franzose ist ja feiner noch in der Unterscheidung, er gedenkt auch des semivalide.)

Nachfrage: Gibt es eigentlich mehr rechte oder mehr linke Paarreste?

Sonstwo? In Kärnten?

Restposten (1)

(Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.)

Sommerschlussschuhverkauf. Stets besonders günstig: Einzelpaare.

Wie sie auf ihrem Restposten auf gleichermaßen ergänzungs- undalso paarungswillige Individuen (genau genommen eigentlich: Induplikablen) bzw. Zwillingshälften lauern (eineiige? – einbeinige!).

nordpolnah 100% p.c.

eisneger mit fettglasur nennt sich ein offenbar gutgängiges produkt des softeiswagens (vanille, erdbeere, schokolade – jede weitere sorte bringt verwirrung) in der dortmunder innenstadt, in vollster sprachpolizeilicher korrektheit, weil: zu einem inuit darfst du heutztage nimmermehr (keinesfalls!) eskimo, also roheis-, pardon: -fleischfresser sagen, das gebietet allein schon der gebildete respekt, dem sich auch der piefkeine eiswagenschausteller in seinem kingsize-waggon zwischen marien- und reinoldikirche aufs selbstverständlichste unterwirft, und mit einem lappen wischst du mittlerweile höchstens die softeispatzer auf, und schönen dank auch für die umfassende verwirrungsvermeidung!

originnel

wo bleibb da
hummoooa
wo bleibb da
hummmoooooa *
wo bleibb darrr
hummmmmooooooooooa
darrr kööönich vonn
hummmmmmmmoooooooooooooooooa
rrrrr

ernst jandl

* nach schweizerkühen und lippizanern anderswo, alle creativ cünstlerisch designt, setzt dortmund diesem beliebten stadtmöblierungswahn die krone des humors auf: mit kunterbunten polyesternashörnern, geflügelten noch dazu. was für eine erhebende trostlostigkeit, nicht nur bei fronleichnamsregen. 
ein wunder, dass so was lustiges nicht der zur verantwortung zu ziehenden stadtgestaltungsverhinderungspolitikerin der wiener innenstadt eingefallen ist. (als startrampe für den abflug der eleganten flugsäuger schlage ich den soravia-wing der albertina vor; sollten dortselbst schäden auftreten, wäre alles bereits im vorhinein unproblematisch, weil sicherlich wieder dann keiner schuld sein können würde.)

triple bat

als er am morgen nach dem sturm (wann war diesen sommer nicht sturm, starkregen, überschwemmerung, o.ä.?) vom dochnoch haftenden balkon blickte, gewahrte er tief drunten drei hinfällige knirpse, abgestürzte flughündchen oder merkwürdig schwarzwelke platanenblätter, wie sie, völlig zu nichts mehr nutze, auf dem bürgersteig lagen.
eine trauerfeier dürfte anstehen, raunte dieses menetekel bereits am 11. juni zu dortmund, und welche münze man wohl dem von charon über zu führenden unter die zunge legen mochte?

triple bad

ich brauche keine lebensversicherung;
ich möchte, dass alle richtig traurig sind,
wenn ich einmal sterbe.

kurzatmiger ratschluss
quelle: für gewohnt hundertprozentig zuverlässige internetfama aus originalunterlagen

… oder wessen namen sollte man in die begünstigtenzeile setzen, damit auch wirklich alle richtig traurig sind, hernach (zumindest die anfechtenden tieftraurigen hinterbliebenen)?
(ansich legte er seine dürftigen lebensversicherungen auf à©rleben an. aber was konnte man schon wissen?)

indertat unsterbliches als nachspann:


erika stucky | by marc raoult | stucky, mütter, sass & jensen | cd princess, traumton 4481

bravour m. b. horiz.

aus gründen des personenschutzes wird keinesfalls freigesetzt, wann und wo sich die beobachtung ereignet hat oder gar der name der prominenten (sog. prominenz an sich weist ja schon auf einen gewichtigen obacht!-faktor hin, dass es möglicherweise mit der einordnung von preis & wert bissl hapert). mein rat, im guten: fragen sie nie (nie!) einen anwesenden künstler (er mag klavier oder geige oder klarinette oder meinetwegen posaune spielen), er solle sich nicht garso bitten lassen und bitte endlich ein bestimmtes, hochkünstlerisches sog. bravourstück zum besten geben, vor allem, wenn sie nicht wirklich informiert sind, oder wenn ihr horizont kaum weiter als zu für elise oder zum (verdienstvollen) hummelflug, meinetwegen sogar bis zum legendären csardas von monti reicht. – würde so jemand spielen, er wäre aftermusiker, kommerzbandstar mit schärpe, der seinen möglichen durchbruch vor illustrer schar wittert. uije.
der gast spielte dann nicht, kein flohwalzer von brendel am klavier, leider.
dafür aber kannte man sie vom fernsehen, und so eine muss sich ja – ich bin doch selbst auch musikerin, ich kenn mich aus – auskennen.
was war er froh, über kein tv-gerät zu verfügen. glückliches nichtwissen.

knigg, knagg

mit stöckelschuhen takkert man nicht durch kirchen, konzertsäle, museen o.ä.. rote teppiche, kopfsteinpflaster, lüftungsgitter: oja, gerne.
ob er langsam zum stöcklnörgler wurde?, fragte er sich, und so revidierte er selbstgerecht wie eh und je sein strenges verdikt: gerne sei mit stöckelschuhen (aber auch mit männlich hartsohligem schuhwerk) in kirchen, konzertsälen, museen und ähnlichen akustisch sensiblen orten völlig unmotiviert herum zu takkern, solange dies mokassinsamtpfotig schmeichelschleichend geschehe.
wie ja auch für gewisse soziale schichten (medizinisches personal, gewisse heranwachsende & geistliche) und bei gewissen anlässen (begräbnisse, nuits blanches) auch jede farbe erlaubt sei, solange sie schwarz bzw. weiß sei.

Ausschlecker

Wir suchen SIE als Aushilfe/Urlaubsvertretung
SCHLECKER

Vorsommeraushang einer für ihre Personalausbeutungsstandards bekannten Diskontdrogeriewarenfachhandelskette.

Encore: Was für eine Drohung.

ausbürsten

als er die klobürste aus ihrem für dieses nichtdiskonthotel allzu billigen untersatz nahm, bellte dieser, kurz und vergeblich, auf den fliesen.
was für eine drohung.

comeback, endgültig

(morgens, im bad – wo sonst? – notiert)

rechtzeitig vor seinem endgültigen comeback hat es peter pan geschafft, endgültig nicht erwachsen werden zu müssen, sondern völlig endgültig ins längst schon von ihm belegte zombiefach hinüberzuwechseln, eine weitere idealbesetzung: binnen eines jahres leuchtet eine weitere vom himmel gefallene sonne (alles peter pans) nun als unvergänglicher nächtlicher wiedergänger am aufgemalten nachthimmel der kinderzimmer von menschen aufblickenwollenden gemüts, fürchtet euch nicht, ich bleibe bei euch alle tage bis ans ende der welt.
was für eine drohung.

erschöpfung (4)

jede noch so als abstrus offenbare darstellung von lehren sog. heidnischer gottheiten und ihrer baalspriester ist mir tausendmal lieber als dieses zurückwärts gewandte jubelgebell der schöpfung, das uns ja heute noch zur erbauung (was bitte soll da erbaut werden?!) dargebracht wird. das ist eine gefahr (ich wiederhole mich), und wehret den fortgesetzten anfängen, weil das ganze ist nichts anderes als absolutistische wiederbetätigungspropaganda, rokokogips in schmelzkäsezubereitung. niedlichkeitsjihadismus.

erschöpfung (3)

auf jede komplizierte frage gibt es eine einfache antwort – und die ist falsch
umberto eco oder g.b.shaw

zur friedenssicherung und gegen die verdummung sei, für alle zeiten, ein aufführungsverbot für die schöpfung verfügt. blöd und wider alle evidenz dummheiten und inszenierte harmlosigkeiten zu verbreiten, mit bestemm, und dann noch dümmlich grinsend stolz drauf zu sein, mirdochwurscht, das ist das schlimmste. (es greift zu kurz und verharmlost den tatbestand der verhetzung, dass es sich halt um eine kindliche staunerei handle.)
gäbe es eine eindimensionale scheibe, van swieten und haydn hätten sie auf den punkt gebracht. hätte er doch beim (musikalisch auch einigermaßen spannenden) chaos aufgehört, meinetwegen auf eineinhalb stunden und länger ausgewälzt, es ist und bleibt ja in der tat unermesslich, per sà¦cula sà¦culorum, esto! (kein amen)

erschöpfung (2)

schon auch irgendwie bezeichnend, dass haydns abgangs- und darwins auftrittsjahr dasselbe war; wie das zwischen februar und mai 1809 dann genau abgehandelt wurde, sei noch genauer zu untersuchen.

Erschöpfung (1)

Design ist Kunst, die sich nützlich macht
Design ist Kunst, die an Fakten scheitert

M.A., DA, Wahlspruch

… und wer bei den gschmackigkeimfreien und beschwichtigungsverlogenen Dur!Dur!!Dur!!!Orgien der Schöpfung nicht mürbe oder aggressiv wird, an dessem gesunden Instinkte sei aufs heftigste zu zweifeln. Sie seien allein ausreichender Grund, aufgeklärter Darwinist zu werden, wenn man das nicht schon vorher gewesen sei.

fernsehdirigent, tv-los

der zärtelnde dirigent schwelgte trunken von der von ihm zumindest ausgelösten musik. hätte sich, sagen wir: ben hur bei seinem wagenrennen ebenso an seinen schimmeln berauscht, er wäre nicht einmal um die erste säule herumgekommen, weil nämlich ein dirigent muss die zügel in seinen händen halten, allerhöchstens ein paar takte beim neujahrskonzert ists ihm erlaubt sich tändelnd zu wiegen, dem erschöpfungsdirigenten aber hätte eine tonusförderliche gurke im arsch gut getan, mit chili, das hätte bis nach adam und eva angehalten.
aber ausgeschaut hat er schon schön, den zusehern hat es sehr gut gefallen.

präferenz

je mehr er sich mit der schöpfung und, parallel, mit dem ring beschäftigte, umso plausibler wurde ihm das – logische – konzept einer götterdämmerung. (und auch sympathischer.)

anima(l) triste sed felix

mime muss wohl sein gebräu im saal versprüht haben. da ging er, kurz entschlossen, ins opernhaus und war dann für zumindest vierundzwanzig stunden unfähig, einen anderen (irgend einen) gedanken zu fassen, zu lesen, selbst radio zu hören, nicht einmal beim geschirrabwaschen.
diese merkwürdige lähmung allein spräche bereits gegen die zyklische aufführung des rings in rekordzeit. obwohl, es wäre innerhalb einer ästhetik geborgen – dann aber sei geistesquarantäne zu halten, im strengsten wörtlichen sinn!
(es ist eine beglückende erschöpfung.)

Fibonacci Air

Sein Mittagsflug mit der Nummer 145 boardete um 1235, schon seine Sitzreihe konnte er sich leicht ausrechnen (8, was sonst), und exakt 13 Minuten danach (wann sonst) startete der Bus vom ebenerdigen Wartezimmer zum Flugzeug.

Selbstredend war er für Verschwörungstheorien, die sich aus der Kombination vorgefundener Informationen errechneten, völlig unempfänglich.

wahlomatod

als sie heimkamen, lag die erwartete post vor der tür. man trauerte nicht so sehr um die verstorbene (die fortgegangene, die heimgekehrt war), sondern mehr um die, an die man sich, weiter zurück, doch noch (und nun wieder leichter) erinnern konnte.
das begräbnis fand bei jedem wetter statt.

futur, exakt (postproceßual)

vielleicht sind es tenöre
franz kafka, der proceß

am 22. april 2013, seinem 31. geburtstag, bekam der berühmte brasilianische fußballspieler ricardo izecson dos santos leite, genannt kakà¡, von zwei tenören, in gehröcken, bleich und fett, mit scheinbar unverrückbaren cylinderhüten, ein f geschenkt.
es musste wohl eins übrig sein.

stellungswechsel

ich habe immer beste erfahrungen mit frauen gemacht.
gerhard d., postsolarer landeshauptmann
orfon, 13.6.2009

so zieht er denn hin, des lebensmenschen lebensmensch, und eine frau nimmt seine stellung beim herrscher des südreichs ein.

haltbar

unken sind optimisten. wer nimmer ruft, hofft nimmermehr.

unhaltbar / bombenfest

was gott nicht hält – das hält nicht.
erbaulicher aushang (luther zugeschrieben), ev. st. marienkirche (wiederaufgebaut nach dem kriege), dortmund.

(g., ein superkleber?!)

weidmanns dank!

der südwärtige blick aus der s-bahn beim bahnhof penzing, nah beim viadukt, schweift immer wieder gern über das beliebte an die wand gebrüllte JESUS LEBT!, daneben wechselnd weitere werbebotschaften, diesmal: danke unseren milchbauern für ihr engagement!
in seiner leichten kurve neigt sich der zug.

reinst

wie man sich das vorzustellen habe, wenn jemand die goldene st. georgs-ehrennadel beurkundet bekommt, in würdigung der verdienste um die pferdezucht in österreich, samt ehrenmitgliedschaft, 1989, fünfzig jahre rassenpflege, sauber, allerhand.

mario-nett

dieser nichtgeradegeistesmensch, den man als bundeskanzler verkleidet hat und dessen namen nicht haften will, jetzt weiß ich, woher einzigundallein sein erfolg gründet (ja, auch die erwählung durch onkel hans), die ursache ist nämlich, dass er die inkarnation des auch in der kronenzeitung beliebten liebe-ist-mandls ist, und ähnlich personslos, bravfrisiert, hüftsteif und marionettenbewegt kommt er ja, nicht nur beim nachwahluntertauchen, daher, wohin ihn wohl sein fadenkreuz, den pendelgesetzen und der schwerkraft gehorchend noch wankeln lassen mag?

tatüü

das wahlauseinandersetzungsniveau (wie überhaupt das des öffentlichen politdiskurses) im eventland österreich funktioniert in schauerlicher regelmäßigkeit so, als würden automarken um die gunst des käufers nicht mit speziellen features (einzelverstellbare und beheizte scheibenwischer, bunte seitenairbags, feinstaubpartikelfilterbeutelentleerungsautomatik, …) oder dem jeweils als grandios empfundenen design werben, sondern sich freiwillig einzigundallein damit messen, wer die lauteste hupe hat, wobei dann völlig darauf vergessen wird, dass der, der dieses spiel anleiert, erstens hupenfabrikant ist und zweitens das von ihm als das ideale zum vorwärtskommen angepriesene modell gar kein auto ist, sondern ein schäbiges seifenkistl, mit kotbraun verdreckten traktorreifen, das nur rollt, wenn es schon etwas steiler bergab geht.
und jedesmal wieder taucht die frage auf, ob es noch tiefer geht. für das nächste rennen zwischen illmitz und apetlon werden schon die rampen gebaut.

gartenzwergland

die gekrönte groteskpartei (eine einpersonengruppe), deren europawahlerfolg einzigundallein einen sieg der wählerinnen und wähler markiert, der noch größer gewesen wäre, wenn ihre kleingeistig weißmehlige madigmacherei auch von anderen zeitungen, etwa den salzburger oder oberösterreichischen nachrichten aufgegriffen worden wäre, neinnein, die querulanz, die so wunderbar mit dem leidernicht erwählten volksanwalt in brüssel harmonieren würde, zieht als vertretung einer schlumpfrepublik überzeugend konsequent ins legoland ein, weil europa ist das nicht, worüber hierlands abgestimmt wurde, tendenz weiter fallend, hirntot bald schon.
mir graut es.

vor dem gesetz

seit kurzem nun hatte er einen exclusivvertrag bei einem mobilität verheißenden orangen fernkommunikationsunternehmen abgeschlossen. bald schon erwies es sich jedoch als dringend nötig, um eine, für ihn günstigere, geringfügige änderung einzukommen. er kontaktierte also die einzige zum direkten verkehr mit dem kunden vorgesehene allerunterste behörde, die ihm freundlich aber bestimmt beschied, dass sich die verfügungsgewalt über dieses ansinnen (es war ein einfaches, jedem verständnis sich augenblicklich öffnendes) weit über ihren befugnissen lag, sie selbst würden diese beamten niemals selber zu gesicht bekommen, wenngleich es allgemein als erwiesen angesehen werde, dass es diese richter tatsächlich gebe, daran bestünde keinerlei zweifel, und auch nur der geringste zweifel an dieser zugegeben unbewiesenen tatsache werde von den ihnen nächsthöhern vorgesetzten, deren stimme und blick sie schon nicht mehr ertragen könnten, mit exemplarischer härte bestraft, eine vorgangsweise, die sie, wollen sie einmal aufsteigen, billigen, wenn es auch schmerze, so sei es doch jedenfalls gerecht, daran bestünde kein zweifel. also riet man ihm nach einigem abwägen, ob er so seiner sache eine günstige wendung geben könne, eine eingabe zu machen (es war unsicher, ob es vorteilhaft war, bereits in diesem allerfrühesten stadium des verfahrens einen beschwerdebogen auszufüllen), dann würde man sich mit ihm schon in verbindung zu setzen wissen, eines aber solle er sich gewärtigen, stets bereit zu sein für das orange gesetz, es galt keine ruhe zu halten, du weißt nicht, wann die tür sich auftut, wenngleich von solchen äußerst raren vorkommnissen zwar in legenden berichtet wird, beweise dafür aber strenggenommen völlig fehlen. nun, es verlief günstig, wenn auch nicht ganz, näher betrachtet handelte es sich um eine scheinbare freisprechung, der tarif konnte gewechselt werden, natürlich nur unter zudrücken aller augen und hühneraugen, wie man ihn wissen ließ, und gegen eine nicht näher benannte zuwendung an eine stelle, die man ihm beizeiten nennen würde (er möge sich weiter bereit halten, um die zeichen erkennen zu können), nicht zuletzt auch aufgrund von versäumnissen seitens der behörde, wie man einräumen musste, und für die der allerunterste beamte, dessen schuld erwiesen war, heute noch ausgepeitscht würde, das versprach man ihm, wobei es nichts änderte, dass er das keinesfalls forderte, sogar dagegen protestieren wollte, nur so aber würde der es sich merken, versicherte man ihm, und es nutze nichts, wenn er sich für diesen noch sehr jungen kanzleidiener verwenden wollte, da konnte das gesetz keine milde kennen, musste er schließlich einsehen, und seitdem wartete er auf ein neues zeichen, er würde bereit sein. der schutz der behörde sei oberstes prinzip, ließ man ihn noch wissen, darum weißt du nie, mit wem du es zu tun hast, es kann ein mandarin oder gar der orang selbst sein, mit dem du es zu tun bekommst, du aber wirst es nicht merken können, die tore und vorhänge sind dicht gewoben in unserm labyrinth.
schließlich hob er ab.

hadisch

zu vermeiden sei, sich dem stoßzeitverkehrsuntergrund (stoßverkehrszeituntergrund?) anzuvertrauen, es ereignet sich stets ein systemhalt (halt ein! – das system hält!), zumeist in der vorsommerhitze, und dabei kafka (der bau, der proceß, …) zu lesen. der untertreibt, in allem.

doppelgänger

mir graut es
wenn ich sein antlitz sehe

heinrich heine

vielleicht liegt ja ein teil dieses widerlichen österreichischen osthasses daran, dass bis ins jahr 1989, dem heuer hierlands so heuchelnd gehuldigt wird (samt obligatorischer nachspiel- und latenz- = übernaserungszeit), an den östernord- und ostgrenzen der deutsche sprachraum nicht aus war, sondern überhaupt die welt, keine slawischen und ungarischen zumutungen, nichts mehr bis china und die mongolei. so war man sich nicht der prekären begrenztheit des deutschen bewusst (und wollte es keinesfalls wahrhaben), pflegte mit seinen volksschauspielern und operettengrafbobbys gefahrlose nostalgie mit ungarischem oder böhmackelndem akzent, das wars. dann aber plötzlich: sollen doch die deutsch lernen (wir könnens ja schon).
auch für mich war am moldaublick die welt aus, die tschechei, das war ein irreales land, so wahrhaftig erfunden wie das märchenland etwa pan taus oder des conducator-lookalikes; der graue, der für die hetzpartei weitweitweg fliehen wird, nach brüssel! für uns in die höhle des löwen, dieser heldenhafte ritter, wenn er nur nicht aufgefressen wird, und jetzt putz ich mir aber die fingerkuppen.

geschäftsidee

der weißgeschminkte statuenmann in seiner ritterrüstung mit plastikhelm steht derart schlecht auf seinem schamerl im schmucken steyrer innenstädtchen (es will ein ritterstädtchen sein), als bäte er direkt ums wegschauen, eine aufforderung, der man nur zu gerne nachkommt. würde der kreativwegelagerer, der zu allem überfluss blöde grinst und peinlich unbeholfen winkt, so, als wollte er seine völlige unprofessionalität komplettieren, seinen obulus dafür einheben, er würde binnen eines nachmittags ein reich erben.

read my lips

sie wissen, dass die eu gestattet, lobbying zu machen für bestimmte unternehmungen, wenn man das meldet; ich werde das nicht tun. (strasser, lobbyist & kandidat, im journal zu gast, 2.6.2009)

… so lässt sich schonungslos beim wort genommen werden: hab ich ja eh gesagt, wird er sagen, selber nichtzuhörer von eigenen gnaden.

leckortung

was für ein wort.
stammt mit sicherheit aus der zoologie: das kängurujunge, auf dem weg zur zitze im kängurumutterbeutel, vielleicht ja auch der kleine panda. womit wir unmittelbar in der autowerkstatt sind. und so weiter.
was für ein wort. leckortung. da ist alles drin (bzw. gewesen).

Bucke bucke Kuchen

Dumpfbäckerei, steht in ulten Lettern auf dem schmucken Rokokohäuschen, und Feinkosthandlung und Espresso; natürlich gibt es Meinl-Kaffee, wasauchsonst.

Aufgabe: Hol dir ein Mohnflesserl, mit reichlich Salz. Aber stell dich gescheit an.

sommermütter 2009

liebe mba.

pfingstn dunnerts, so der unvermeidlich-pawlowsche kurzkommentar meines vaters zum reizwort pfingsten (reis is xinda wia eis ist ein anderer), den auch ich nimmer aus dem kopf bekommen mag, zu oft habe ich ihn gehört, und darum fällt mir pfingstn dunnerts zuallererst ein, wenn ich weiß, dass der sommermütterbrief ansteht und das festgelegte versanddatum auf pfingstmontag fällt, pfingsten, dieses lange wochenende mit lehrergewerkschaftsbonustag, wo alljährlich im vorfeld über die bevorstehende aktion scharf der verkehrsüberwachung berichtet wird, dieses jahr wird wohl die straßenverkehrstodesstatistik positiv (immer in relation zu jahren mit durchgehendem schönwetter undalso verstärktem motorradaufkommen im kurvenreich österreich) ausfallen, ein erfolg, den sich der jeweilige verkehrsminister (gegenwärtig ist das ja eine dame) als persönliche leistung anzurechnen pflegt, wohingegen die erwischten verkehrssünder der habenseite der innenministerin zugerechnet zu werden pflegen, keiner war für diesen ressortteilbereich allein vom namen her besser geeignet, nein: prädestiniert, als der europawahlspitzenkandidat niederösterreichs undalso der österreichsichen volkspartei, strasser, eben, auch aber, dass er aus dem land mit den idealtypischen kurven stammt, gemeint sind nicht die kehren am annaberg und josefsberg zum politikerdank-, bitt- und umkehrwallfahrtsorte, sondern die unendliche ideale kurve schlechthin, niederösterreich, kreisverkehrsland, eine einzige regionaltypisch (mostviertelmostbirn, industrieviertelschrauben, eisenwurzeneisenwurzen, waldviertelwackelsteine, weinviertelweintrauben, gartenschaukunstwerke, gymnasialkunsterzieherkunstziehbrunnen, semperitreifenstapel,…) behübschte kreisverkehrsinsel, dieses möbiusschleifenland, und die insel inmitten aber ist wien, von wo ich ihnen diesmal (wie auch sonst fast immer) schreibe, womit wir mitten und ohne die geringsten umschweife bei der sache wären, die aber habe ich vergessen, was nichts zur sache tut, gilt es doch, in zeiten wie diesen, vollste geschäftigkeit (vollbeschäftigung) zu repräsentieren, was mir nachhaltigst gelungen zu sein scheint, weil waidwundes vieh wird zuerst gerissen, vom bär, vom luchs oder von der krise.

natürlich, früher wärs noch gegangen, aber heutzutage, neinnein.

nungut, geschäftigkeit, beschäftigtsein, was einen so beschäftigt halt. das gibt einem halt, und wir haltlosen, die wir so frei sind und auch, wie mein breinletternder freund in seinem letzten circular trefflich zu formulieren wusste (sollte er unlängst, als mir ein adressenverdeckmalheur passierte, in der folge irgendjemandem von ihnen einen nichtbestellten brief zugestellt haben, so lässt er die besten grüße ausrichten, verbunden mit empfehlungen auch an die frau gemahlin), über keinen nennenswerten werbeetat verfügen – den wortlaut, den ich vollundganz unterstütze, finden sie hier (punct 8; aber, weil wir schon dabei sind, lesen sie doch auch punct 7 und unterzeichnen sie bitte die petition) –, wir werbeetatlosen müssen stets den eindruck stetiger gefragtheit vermitteln (die direktesten fragen stellt das leben selbst), die gefragtheit aber, um die es hier geht, ist die, die sich in angeboten für auftritte, kompositionen und großartige projekte äußert, und wenn du nicht gefragt bist, kräht kein hahn nach dir, kikeri-no gewissermaßen, soistdas. und da lauert eine etwas merkwürdige gefahr, die fragegefahr (ein fast perfektes anagramm, das nebenbei) nämlich, dass in frage kommende nachfrager gar nicht erst nachfragen, weil sie arglos annehmen, dass man sowieso vielzuviel gefragt sei, es sich gar nicht lohne, unsereins zu fragen, weil wir ohnehin nicht zusagen können würden, da wir garso gefragt seien, ungefragt fragen die einen gar nicht erst, wodurch fraglos manches unterbleiben muss, sapperlote aber auch.
selbstverständlich, um keine missverständnisse aufkommen zu lassen, wir sind gefragt, die nachfrage ist eine stetig steigende, sonochnichtdagewesene. aber trauen sie sich trotzdem, uns zu fragen, meist findet sich doch noch ein loch im kalender, treffer, versenkt.

zu berichten sei auch von meinem neuen posauneninstrument, das ich unlängst beim schagerl abholen durfte, d.h. ich habe es gar nicht abholen können, weil ich es schon ein paar wochen hatte, aber severin distelberger, der schagerlposaunenbauer meines vertrauens, hat es mir noch einmal für einen halben tag wegnehmen müssen, zum finnischen, wie man sagt, was nicht bedeutet, dass es vorher, sagen wir: schwedisch gewesen sei oder gar ungarisch (weil dafür hat er ja die kissbone gebaut). wir haben es jedenfalls das muthorn! genannt, es ist gewissermaßen ein jaguar kombi, jawohl, sowas gehörte endlich einmal erfunden, ich brauch sowas nämlich: von ganz unten bis ganz nach oben in beachtenswerter geschwindigkeit bei höchster geschmeidigkeit. das muthorn!, meine klingende raffinerie mit den zwei ventilen und ihren nach meinen anregungen von severin aufs kunstvollste gebogenen röhrln, die in der nacht manchmal beleuchtet sind und blinken, wenn ich halt auf der bühne stehe, sowas auch und danke!

und mit diesem neuen muthorn! hatte ich schon das vergnügen, ein paarmal öffentlich zu konzertieren, stellen sie sich vor.

und kommen da auch etliche schöne anlässe, das wunderding zum klingen zu bringen. somit sind wir beim

service

1) tagesaktuell, die vorschau. ich darf besonders auf den 5. juni (nachmittags: kremsmünster; nachts: weyer – nicht nur aus mank und steyr gut erreichbar) hinweisen; leider musste die veranstaltung am 9. juni (wein hören im radiocafà©) abgesagt werden.
alle weiteren termine seien ihnen auch aufs herzlichste anempfohlen, aber wer kann sich denn das alles merken, bei der gefragtheit des protagonisten? – genau dafür gibts ja die vorschau. tagesaktuell.

2) vorbei ist vorbei.

3) verfolgen sie noch öfter das mütterlog (täglich, zumindest).

4) spielen! restplätze (so wie jedes jahr auch für z.b. daniel p.) gibt es noch, und hier haben sie den flyer-on-demand. achja, 19.-25. juli, im umundum entzückenden viktring.

5) das tonspuren-radioportrait der spaziertänzer – portrait des posaunisten bertl mütter von renate burtscher können sie kostenfrei auf muetter.at anhören bzw. herunterladen.

6) tonträger, entgeltliche, aber letztlich unbezahlbare, bitte jedes quantum hier bestellen.
herzlichst ihr,

bertl mütter

gegengegenwärtig

und wenn sie ins spital oder zum zahnarzt müssen, werden sie auch nicht verlangen, dass man ihnen bitte nur ja keine behandlung angedeihen lasse, die auf nach 1900 errungenen forschungserkenntnissen basiert. und auch das rettungsauto wird, wenn es sie von ihrem weiträumigen landsitz abholt, dank allerneuester navigationshilfen zu ihnen gefunden haben.
soviel, wieder einmal, zur unbedingten notwendigkeit heutiger kunst für menschen von heute.

raumräumer

und wenn ihnen eine landschaft oder die von ihr übriggebliebene schallschutzumgebung, die sie gerade (auto, zug) durchmessen, nicht so behagt, werden sie auch nicht reißleineziehend aussteigen, um dann genau mitten in dieser umgebung zu verharren, verdarbend.
soviel zum türenschlagen zivilisierter menschen bei konzerten heutiger musik.

selbstbräuner

rühm, dessen haare mit genaudemgleichen mittel nicht gefärbt wurden, wie die des namensgleichen deutschen altkanzlers auch nicht (das schuppenmittel hat nur für einen – den anderen – gereicht, da ist der gerhard schon großzügig in seiner pergamenthaut, wobei er sich mit den handflächen parallel die schläfen nach hinten entlangfährt, anstatt, wie es sich für ein reptil gehörte, doppelzuzüngeln.

kurze beine, ehrliche

(rubrik: wir begrüßen unsere neuen großiigen mitarbeiterinnen – die drei portraitfragen zum abschluss.)

1) ihr motto? – die kurzen jahre des lebens sinnvoll nutzen.
2) welches buch haben sie zuletzt gelesen? – leben nach dem tod.
3) welcher versuchung können sie nicht widerstehen? – gebratene stelze.

durch geschicktes manipulieren der reihenfolge könnte eine kluge lektorin durchaus insinuativ gestaltend eingreifen, was wir uns nicht in allen permutationen (1-2-3; 1-3-2; 2-1-3; 2-3-1; 3-1-2, 3-2-1) vorstellen wollen, so kurz das leben auch nach dem tod auch sein und wenn das auch etwas gestelzt klingen mag.

einzelkämpfer

i oda i?
hamletfrage, österreichfassung.

tennis: nur melzer bei french open weiter
orfon, 27.5.2009

stets monopolitisch bestens informiert erleben wir die sportwelt in ihren grundfesten erschüttert. österreich aber darf (nach dem einzigundallein aus eigener kraft gegen die übelwollende restwelt errungenen palmebringenden sieg zu cannes – mir fehlt die schlagzeile: unser michl k_a_n_n_e_s_!) wieder triumphieren, wenn bereits nach der ersten runde alle anderen ausgeschieden sind. es wird zwar etwas langweilig werden im verlauf des turniers bis zur entgegennahme des siegerpreises, aber das sitzen wir auch noch aus. melzer kann sich jetzt nur noch selber besiegen: österreicher der er ist, ist als nicht ganz unwahrscheinlich anzunehmen, dass es ihn auf der stiege zum podeste doch noch strudelt.

durchgegangen

die schuhe (eine art sporthufe), nicht der alkohol (sicherlich sicher nicht) waren für seinen taumelnden wandel verantwortlich, so war es ganz gewiss und ohne jeden zweifel. sonst war ihm auch sicher nichts durchgegangen, wie man an seinem hosenboden nicht sehen konnte.

leerstellen, weggelachte

der sehr korpulente körper an der tafel nebenan prustete in einer weise los, dass offensichtlich war, dass er, im tiefsten kern erheitert, jeglicher verbergungsvorsicht vergaß seine exorbitanten zahnlücken betreffend. das bunte plastikknicktrinkrohr nicht nur einer portion zitronensorbet mit einem schuss wodka klemmte in der folge perfekt, nicht zu leicht, nicht zu eng, und auch der fehlende kleine finger (welcher fisch ihm den wohl abgebissen haben mochte?*) fehlte überhaupt nicht mehr im sonntagnachmittagspiran, sapperlote!

* hinweis: man beachte das ortangabewort und ergänze portugiesisch. (aber vielleicht war es eh ganz anderst.)

zurück

der neue lieferwagen des weinbauern am hügel gegenüber hatte ein retourgangpiepen, auf das der ganze ort mit stolz sein dürfen musste.
montagsfrühmorgens und in zukunft bitte doch wieder die glocken, auch nach der – wenn auch mit pannen – absolvierten erstkommunion, ja?

verwandelt

am sonntagvormittag dann, während der erstkommunionsmesse wohl, wollten die glocken gar nicht mehr zu läuten (von: laut) aufhören. irgendetwas bei der wandlung musste schief gelaufen sein. eine kleine unachtsamkeit des zelebranten, wer weiß.
man würde verstärkung brauchen, nationalgarde, carabinieri, bundesgrenzschutz, gendarmerie, oder wie immer man hier sagen mochte.
kafka wiederlesen, notierte er in sein notizbuch.

maikäfer, flieg!

regelmäßiges wiederlesen der verwandlung. und jedesmal mit gregor mithoffen, dass alles ein irrtum gewesen sein muss. diesmal würde er es schaffen, und wenn doch nicht, dann eben noch nicht und halt beim nächsten mal. wichtig war das wiederlesen, eine neue gelegenheit sich bieten lassen. das ungeziefer durfte nur ein larvenzustand sein. bitte! (es war doch so einfach!)

erwachend

das ideale theater, das nach dem wir uns sehnen, sei eines, das in seiner zwingenden unmittelbarkeit dem traum am nächsten käme, auch mit der möglichkeit/pflicht/ohnmacht, einfluss zu nehmen. o dieses nichtvermögen, in die geschicke des spiels, das stets das leben ist, durch neigen der blickekliptik über ein kippen des spielraums hinaus einzugreifen, dieses glück in diesem lähmungswohlgefühl, zum vergehen.

für immer jung

als ihn die professionelle zahnreinigungskraft fragte, ob er viel schwarztee trinke (sie erkannte es an den schneidezähnen), sah er endgültig ein, dass es keinen sinn hatte, ihr (und sich selbst) weiter was vorzumachen, und als sie ihm kurz den mund freigab, gestand er, dass er wohl lebenslänglich ein teenager bleiben würde. dass dies gleichzeitig den dochnochbeweis seiner kindlichen erstetymologie bedeutete, gab ihm doch auch das gefühl einer gewissen genugtuung, ja, man konnte sogar von einem kurzen schauer des glücks selbst sprechen, trotzdem er in sitzfliehender haltung fixiert war.
der zahnarzt morgen aber würde nichts von seinem jugendwahn bemerken, versprachen die putzdüsen.

Aufstrich – Abstrich

Bei der PZR (pezetterr), wie Frau Fichtinger (Tanne nicht) die professionelle Zahnreinigung nannte, versuchte ihm die resolute Reinigungskraft die korrekte Handhabung seiner Zahnbürste von Grund auf und für alle Zukunft zu erklären. Nachdem er sich schließlich doch noch von der Maulsperre befreien konnte, bemerkte er, dass ihn ihre Vorführung an das Halten eines Geigenbogens erinnerte (Bratschen-, Cellobogen auch; nicht aber – das behielt er für sich – an die hierzulande übliche kraftvolle Kontrabassbogenhaltung mit dem Wiener Bogen). So leicht also solle er seine Zähne von den rotierenden Elektrobürsten, ja: streicheln lassen. Er gelobte, wehrlos, Putzbesserung. Wie er die Geigenstreichelmotorik allerdings in sein in den Leib eingeschriebenes System umdeuten können würde, war ihm zunächst unklar. Vielleicht sollte er den Kopf um 90° drehen.

Die Posaune taugte nun einmal eher für Presslufthammervergleiche. Das war aber nicht gut fürs Zahnfleisch. In einem halben Jahr würde man ja sehen, meinte die Fachkraft, und er gurgelte bange Zustimmung.

Angstheuchler.

vom eise befreit

als er das gefrierfach öffnete, glitt zwischen den beiden kühlmanschetten der verlorne cioran heraus, vom nachteil geboren zu sein. als ob just der es nötig gehabt hätte, zur abkühlung des gemüth’s sich ins eis zu begeben.
natürlich, so viel war bekannt, inwendig glühte er magmatisch. und dafür war es ohne zweifel von vorteil, gefroren zu sein.
(hitzköpfen zu misstrauen war seit eh und je eine königsdisziplin der skeptiker. sie verdampfen rückstandsfrei.)

bezaubernder weberknecht

flaschengeistgleich unterleibslos enthob sich der kreiselnde klarinettist seinem behältnis, das sich dem auge des hörenden betrachters hinter der oberkante des notenpultes und verdeckt vom läuferläufig diagonal zum podium platzierten publikum entzog. oder war es ein bastkörbchen, aus dem sich die cobra wand, die sich brillantissime selbst mit der schalmei betörte?
(bei weber funktionierte das am besten.)

sing, vogel! (2)

das knarzende rebhendl, man bringe es zu den tümpeln in den donauauen, da ließe sich bei den kröten trefflich unterricht nehmen, die singen nämlich in der tat betörend. gut, auch nur je einen laut, diesen jedoch weichrund tönend.
tagsüber zumindest.

sing, vogel! (1)

frühmorgens, das rebhuhnknarzen vorm fenster zum land. die kommunizieren via joghurtbechertelephon am gespannten stacheldraht, direkt in dein trommelfell hinein und selbstverständlich unter strom.
der wohllaut erliegt in den ohren des betrachters. guten morgen.

grünwärts vor! (europawahl, die dritte)

den grünen: nur weil am europaplakat menschen (die man auf einem resopalgestell festgeschraubt haben muss und denen man ihre hände mit unsichtbaren fäden fürs sozialistisch-realistische emporrecken nach oben gespannt hat, damit die kraft für die belichtungsdauer ausreiche) steif grinsen, daneben zwei brillenrandlose pallasathenen (eine wohl volksschuldirektorin, die andere die frau vom schulwart) hingestellt hat, beweist die grüne partei, die sich eben erst demokratisch einwandfrei aufs eindrucksvollste selbstzerzaust hat, noch lange keine kompetenz, engagement oder humor (gar: pfiffigkeit).
ihr bedient euch der äußerst bedenklichen ästhetik einer erwiesenermaßen weitgehend humorfreien protestzeit oder von broschüren der zeugen jehovas (mache deine jugend zu einem erfolg! bzw. fertig fürs paradies!) bzw. freikirchlicher evangelikaler pfingstgemeinden.

jeder grünwähler unterstreicht mit seinem kreuzerl eine außergewöhnliche demokratische reife, wenn er|sie|es euch trotz dieser dümmlichen campaign wählt. und: mit der geballten hand kann man nichts, aber schon gar nichts angreifen, aufgreifen, berühren. die boxhandschuhe lasst den männerparteien, denen ihr vor allem die jungen wählerinnen und wähler, die euch mit diesem plakat dankbar als grüne chaoten hinstellen können, scharenweise in die offenen arme treibt.

(eure agentur könnte um ein beratungsmandat in nordkorea einkommen, dazu diejenigen, die diese entscheidung zu verantworten haben werden, nach der wahl.)

a – a (europawahl, die zweite)

haben die schwarzen unlängst ihr verdientes fett abgekriegt, gilt es auch die beiden anderen demokratischen parteien (= parteien, die nicht unter ausnutzung demokratischer prozesse ein diktatorisches herrschaftssystem bzw. die hegemonie einer jetzt schon alleinherrschenden tageszeitung anstreben) in dem maß einzutunken, in dem sie es verdienen. d.h. eintunken muss ich sie nicht, das tun sie schon selber; meine aufgabe hier ist, dies aufzuzeigen.

(swobo)das a-team also. weil was für die schwarzen gilt, muss auch für die roten gelten, wenn ich kantönli-geist (ein zugegeben nicht sehr eu-europäisches wort) orten muss. meine frage zur europäischen gleichberechtigung: habt ihr a-team-spielerinnenundspieler euch keine gedanken über die derart arg diskriminierten zyprioten gedacht oder die vorarlberger – aber nein, das gehört hier nicht her oder nicht? jedenfalls ich will mich lieber von einem abiszett-team in brüssel vertreten wissen, für europa (für was denn bitte sonst?)!

morgen: die grüne peinlichkeit.

multi

in österreich aber ging weiter alles seinen lauf, in sturer ruhe zäh stromabwärts.

… neben seinen zahlreichen funktionärsfunktionen wurde er zuletzt vom nicht ganz aus der luft gegriffenen vorwurf der ämterkumulation freigesprochen, indem man ihn in den unvereinbarkeitsausschuss berief. als ersatzmitglied, vorerst.
(warum eigentlich nicht als experten und konsequenterweise, nach einer respektfrist, als vorsitzenden?)

bildunterschrift, ausgedämpft

in österreich aber ging weiter alles seinen lauf, in sturer ruhe zäh stromabwärts.

… dieses nette pärchen hier, das sich eben gefunden hat, freut sich, zusammen seiner gemeinsamen passion, dem nichtrauchen, zu frönen.
(quelle der negation: kronenzeitung; manche polemiken funktionieren eben nur eindimensional.)

simple ≠ easy & retour

und auch: müssen gebundene ensembleimprovisationen stets von so einer jedwede verfeinerung und dramaturgie, kontrapunktik und rhythmus negierenden plattheit und formaler dürftigkeit sein? aus negation (das hatten wir schon) bzw. nichtwissenwollen ist noch nie großes entstanden, und enthaltsame klarheit, das müsste was anderes sein alswie denkfaule negation von –  nennen wir es, meinetwegen: disziplin.

Schlampart

Erlaubt sei, darüber nachzudenken. Laut, lauter nachzudenken: Wie schaut es mit den sich selbst als eine Speerspitze deklarierenden Formen aktuellster Kunst aus? Meine beobachtungen beziehen sich auf die akustische Kunst, im speziellen Fall auf die Strenge Kammer der Freien Improvisation zwischen Jazz und sog. Neuer Musik. Es dürfen aber mit Grazie Extrapolationen auf die anderen Disciplinen der Cunst gemacht werden, fühlen Sie sich frei!

Meine Frage ist die gerne als spießig abgetane nach dem Handwerk. Ob die Ungenauigkeit (nicht zu verwechseln mit Unschärfe aus Klarheitsgründen) in rhythmischen oder (mehr noch!) intonatorischen Belangen, die uns als antiphilharmonische Genialität* verkauft werden soll, deshalb mehr Kunsthaltigkeit bedeuten muss, darüber gibt es zwei grundsätzlich gegenläufige Überzeugungen.

Meine ist die andere.

We man ja, sagen wir: Spaghetti (oder: Rindsrouladen) selbstverständlich aufs aufregend-creativste zubereiten kann (ja, soll!). Aber zerkochte (Rindsrouladen, Spaghetti) will ich mir nicht auf der Zunge zergehen lassen müssen.

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*Obacht! was sich als Anti- definiert, ist stets beherrscht von dem, wogegen es zu sein vorgibt. – Denken Sie bitte nicht an: Rot! (oder: Titten)

media(set)message

natürlich ist er mir zuwider, kann einem denkenden menschen nur zuwider sein (was jetzt nicht impliziert, ich sein ein d.m.), aber irgendwie braucht nicht nur italien diesen nichtundnicht altern könnenden polterer. ob das aber dann nicht doch un poco troppo dreist vom herrn berluskoni ist, wenn er seiner zukünftigen exfrau vorwerfend ausrichten lässt (über die medien), sie habe zuviel den vielen lügen geglaubt, die in den medien verbreitet würden?

Winterüberwindungsentrundungskummer

Jetzt, wo die Langwinterdepression von ihm abgefallen war, wäre es ihm auch recht gewesen, wenn sich der zu ihrer Überwindung angemampfte Bauchumfang mitentsorgen hätte lassen, sagen wir, per 1. Mai (zu spät!), na gut, dann halt zur Himmelfahrt.

Das Herrenmieder, ein Kummerbund.

mehr licht!

die fengshuibananenstaude im lichtlosen halbstock vom kellerabgang zum fliesenklo vom böhmerwaldhof in ulrichsberg bräuchte etwas licht, damit sie nicht ganz verkommt.

oder ist es ihr eh so auch recht? man befasse den gemeinderat in dieser sensiblen botanischen angelegenheit!

(klikken sie hier, wenn das möglicherweise zum einbetten deaktivierte video oben nicht erscheint.)

durchgesessen (europawahl, die erste)

linz, europäisches kulturhaupt, ende april 2009. es dräut die europawahl, pain-in-the-ass. ein feistgesichtiger juliusmeinlderfümftebescheitler (üben!) herr dokter paul rübig verspricht auf niederösterreichisch-blaugelben plakaten, er werde oberösterreichs interessen durchsetzen.
da hat einer aber voll verstanden, worum es geht. ich schlage ihn für den landtag vor, mit dem programm.
obwohl, der diskret-chromatische nö-verweis deutet auf wachsende welthaltigkeit hin. oö+nö=kleineuropa, gewissermaßen. (wo das noch hinführen mag!)

bildungsauftrag

aus bildrechtlichen gründen (ringel, grosz, vor allem aber: ensor) wurde die brilliante journalistin ausschließlich im radio eingesetzt. auch so vermochte sie es spielend, bilder in einem hochkommen zu lassen.

schwerkraft, bewölkt

sie rauchte so laut, wie andere telefonieren und hatte zähne wie firnbonbons. das gesetz, es war gescheitert, an ihr.
mit einemmal, als ihm das durch den kopf schoss, war ihm klar, dass jenes gesetz nur das finale sein konnte, in voller kafkascher konsequenz. eher würde ein apfel vom baum in den himmel plumpsen, als dass dieses gesetz wanken würde. und es gab auch kein anderes, alle menschengemachten waren nur homöopathische potenzen, derivate. und, weitere konsequenz, plötzlich wusste er nicht mehr weiter, auch nicht, wie er zu diesen weitreichenden denkfolgen gekommen war, was es in ihm meinte, ungewissermaßen, jedoch doch so klar.

hoch der erste mai!

eros ist vielleicht was für toreros (…)
ein politiker – hat politik

georg kreisler

als er, passivdenkend, durch die wenigbeleuchtete nachtstadt fuhr (unterwegs hatte eine baustelle an der liechtensteinstraße sein aufsehen erregt), durchzuckte es ihn mit einemmal, als er (zum wievielten mal?) eines dieser rotfrühlingshaft (nicht biparosa) hervorgesprossenen plakate näher und ganzundgar unwillkürlich tiefenschärfer betrachete, ein großflächeninformationsmedium, das den aktuellen bundeskanzler zeigte (namen und stimme weigerte sich sein rezeptionsapparat zu erinnern), diesen buchstäblich wortwörtlichen musilmann. vom plakat also lächelte (lächelte?), wenn der denn altern hätte können, der startrek-android data [lautumschrift: täter]. oder handelte es sich beim abgebildeten um ein für ein interstellares raumschiff nocht nicht ausreichend ausgereiftes vorläufermodell?
ein monströser verdacht kroch in ihm hoch. aber irgendwie war der gedanke schon auch (um es mit datas vorläufer zu sagen) fas-zi-nie-rend.

pein, stufenlos

liechtensteinstraße stadtauswärts, links: sie bauen die strudlhofstiege um, in eine rolltreppe. nicht ganz: eher eine art horizontalpaternoster. bauleitung: hulesch & quenzel ltd. & co keg.

methodikproblematik

ergo est concilium
ut sit hominem discendum

wilhelm busch, max et moritz, dolus quartus (trivialübertragung: bm)

im ceterumcetern seiner von der moquierzielgruppe garantiert unerhörten brandrede schwoll der salon-provoquateur ob der zahllosen empörten zuschriften und emails, die pro ausgesprochener silbe einlangen würden. aber nur so würde er, dem schulstreikalter dochschon entwachsen, auf unabsehbare zeiten quotenquaiser seines mediums bleiben.
sollte er es doch direkt mit der krise aufnehmen, nicht mit ihren symptomen und opportunistisch perpetuierend pubertierenden protestierern, stellte er sich vor. die welt, sie wäre wohl endgültig heil. bloß, es leckte die methodik, und zweifellos waren seine absichten ausschießlich die allerlautersten.
und, ebenfalls stimmte stets: man darf nicht an die lösung eines problems herangehen, indem man jene wege beschreitet, die zu ihnen geführt haben; sowas geht auch nicht in die gegenrichtung.
wo waren die wurmlöcher, der bildung, der krise, der bildungskrise? (postuliert waren sie längst.)
die umfassende krisenbildung, sie ward abermals bekräftigt. zum anschwellen geil.

krisenlogistik!

allüberall werden die konjunkturpakete geschnürt & gestapelt. sie nützen vorerst allerdings bestürzend wenig, zumindest solange die exporte im keller sind. man nutze für sie also eher die ebenerdigeren lagerräume, so verlädt es sich leichter und effizienter.
aber nicht dass mir einer ein konjunkturpaket mitnimmt!

dringliche sofortmaßnahmen!

die krise, ein unwetter. man müsse warten, bis es sich verzogen habe und bereits jetzt in großem maßstab für die zeit danach vorbauen. also während des gewitters anstatt in blitzableiter, regenschutz, abflussgräben etc. zu investieren, palettenweise badehosen, sonnenschirme und speiseeis zu ordern. jawohl, so kommen wir durch.
journalismus kann so blöd sein.

wahre aussage

zu ostern ist jesus christus von den toten auferstanden. ein fest der freude für die menschen. so behaupten hintergrundbeleuchtet biparosa plakate, erzdiözesen-, wenn nicht sogar kirchenprovinzweit. lüge! hat jemand (ein vandale) mit schwarzem stift am glas eines citylights unweit der votivkirche drübergeschrieben; damit kann er (man geht bei vandalismus immer von einem oder mehreren männlichen urhebern aus) nur eine früher hier eingespannte andere frohe werbebotschaft (ist ihnen schon aufgefallen, dass sich das f auf der tastatur gefährlich nah beim d befindet?) gemeint haben. und das kann kein mensch sein, dem das kein fest ist oder nicht.

brodeln (4)

wie gesagt, die krise, die persönliche, sie neigte sich dem ende, die bergkuppe war überschritten, die talsohle durchmessen (beides zugleich, das sparte zeit). es galt noch, eine befreiende tat zu setzen, das heilritual: auf zum ikea, heute würde ein arbeitsplatz gesichert. er würde ordentlich aufladen, viel kleinzeug, von da und dort, das größte wagerl würde überquellen. und knapp vor der kassa, ah!, beim letzten lagergang links, das wusste er schon, war der beste dauerparkplatz. beim durchgehen dann das muttertagsberühmte danke, i hob nur gschaud (kein hustinettenbär breit und weit), danach meinetwegen noch ein würschtlkombiangebot und, falls vom arzt nicht anders verordnet und je nach lust und laune und not noch ein, zwei weitere aufgüsse.
jetzt konnte die zukunft wieder kommen. jene zukunft, die es nie ganz bis zu uns schaffte. aber das war im augenblick nicht so wichtig.

brodeln (3)

und wielange muss man spaghetti (meinetwegen auch: ein ei) ins kalte wasser legen, bis sie essfertig die richtige aufbissqualität haben. jetzt, wo alles krist, man zeit en gros gewinnt, ließe sich auf diese weise etlich energie sparen. oder, wie man uns kindern nonsenreimend naseweis undalso nicht wirklich lebenspraktisch riet:
host an hunga
beis in d’zunga
host an duaschd
beis‘ in d’wuaschd

und trauen sie sich einmal eine durchgekochte, ausgekochte wurscht am würschtlschtand zu beanschtandln.

brodeln (2)

Es gilt stets den richtigen Moment zu erkennen und dann, unvermittelt, zu handeln. Auf diesen Moment gilt es hinzubrodeln, und, wie wir gesehen haben, kann das ein inwendiges Brodeln sein, von dem nichts an die tektonischen Oberflächen dringt, und beschleunigen lässt sich überhaupt nichts, wozu also hektisch herumtun. Die klassische und klischeegewordene Beamtentugend also. Zäh, unübertrefflich passiv, verzögernd, wartenlassend, jeden Aufbruch verhaltend. Inwendig aber möglicherweise kelomatgleich am Siedepunkt. Ein Brodeln zur kalten Fusion hin.

Das ist vielleicht das Wesen des Brodelns.

brodeln (1)

kindern (und sind wir nicht, mit jahresringen ausgestattet, unser leben lang kinder, auch – manche vor allem?), kindern, wenn sie nichtundnicht weitertun, das regenmanterl nicht anziehen, nicht in den linken socken hineinschlüpfen, sondern versonnen die gegenüberliegende wand (die eigentlich steht) anstarren, kindern, wenn sie anstatt weiter zu tun ins narrenkastl schauen, sagt man in gewissen regionen österreichs jetz tu nicht so herumbrodeln.
ich habe das oft gehört.

durch

die tage (wochen!) des brodelns, sie neigten sich dem ende, er spürte, dass er langsam mürbe wurde. es galt, ganz von vorn wieder anzufangen. bloß: womit? (die wozufrage weigerte er sich zu stellen, wozu auch?) und, ohne sich absichtlich entmutigen zu wollen: du kannst ein ei noch so lange kochen, weich wird es nie mehr. zum ei aber verhält sich der spaghett reziprok. wichtig ist, die grundlagen und die daraus anzuwendenden methoden genau zu studieren. vorher (aber das hat uns niemand gesagt, am anfang!).
nun gut, hier würde es weitergehen, ganz konkret.

(nach diesem kleinen existenzialistischen manifest ab morgen mehr darüber, was es mit dem brodeln an sich an sich hat.)

Nam Jun Jet

Was freut sich Chris Lohner, dass uns im Railjet, diesem angeblichen Hochgeschwindigkeitsspitzenprodukt der Österreichischen Bundesbahnen (es ist eine rumpelnde Mogelpackung auf Schienen), achtzig (in Worten: achtzig) Monitore aufs vielfältigste über alles, was wir gar nicht wissen wollen, informieren. Welche Ordnungsnummer der Wagen mit der an Nam Jun Paik gemahnenden Videoskulptur hat und in welcher Form sie arrangiert wurde, verrät uns Chris nicht. Vielleicht bei der nächsten siebenminütigen Durchsage, wie sie alle fünf Minuten passieren, dazwischen (ja, das geht!) Musik: These Boots Are Made For Walkin‘.

Bahnfahren entspannt. (Hier: beim Aussteigen; Sie glauben gar nicht, wie ruhig einem Wien vorkommen kann.)

lebensmitte, binär

der völlig überraschten autorin wurde zum sehr runden geburtstag vor versammelter weltöffentlichkeit die paradoxie einer ofenfrischen (oder sagt man rohrfrischen?) sachertorte zur unvermeidlichen geburtstagsmelodie überreicht. mit 1 (einer) dünnen, wenngleich drechselung vortäuschenden gegossenen kerze in der tortenmitte; aber so jung bzw. junggeblieben war die jubilarin auch wieder nicht, das wäre dann doch eine sensation gewesen, nicht zuletzt mit blick auf ihr beeindruckendes Å“uvre. also musste es sich um eine (0, 1) binär kodierte schreibweise handeln, der sich der sachertortenmacher aufs geschickteste zu bedienen verstand.
allerhand.

autoritär

wir alle werden eher so tun, als verstünden wir große kunstwerke, als dass wir zugeben würden, ihr sinn – so vorhanden – sei uns entgangen.
george bernard shaw

die literatur jenes autors gab sich obsessiv unübersetzbar. schön langsam überkam ihn der verdacht, dass er es liebte, pathetisch liebte, unverstanden zu bleiben. und wehe, einer gäbe das zu. das wäre doch ein trottel. seine verkaufszahlen jedoch schnellten trotzdem nicht in die höhe.

songma

üch wüll spülen –
spül düch meun künd
Ernst Jandl

Im alpinen Hotel gab es neben der Tennishalle und der Bade- und Erlebniswelt auch einen Seminarraum und, gleich daneben, den Kinderspielraum. Er stellte sich vor, wie, mitten im Mittelstandsmanagementaufputschseminar die Sichselbsterfahrungsstunde am Programm steht, und alle gehen nach nebenan und spielen, raumzweckgemäß, Kinder. oder, auch gut, Vatermutterkind.

Einmal noch! O unschuldge Zeit!

haustiertauschvorschlag

föhrenzapfen, gürteltierkot. tritt- und geruchsbeliebt.
noch vor den (noch immer nicht angekündigten) neuwahlen würde vom rathaus eine große tauschaktion ausgerufen: jedem wiener sein gürteltier! und die hunde, sie hätten ausgeschissen.
was war er gespannt auf die in der geistigen unterschicht so benötigten kampfgürteltiere (welchen gürtel hat denn das ihrige?). und: innerhalb oder (eher doch?) außerhalb des gürtels? an der leine oder am gürtel?
und: wie würden sich die dachse im wolfpark darauf einstellen?

knödelreif

die eismarillenknödel auf den platanen am donaukanal (im hugowolfpark sind sie größer – die platanen), wie sie anfang april noch hängen, in ihrem ausreifendem hängen noch sichtbar, bis die eissaison (am schwedenplatz, aber auch in ihrer erfinderregion, am reumannplatz) endgültig und unwiderruflich eröffnet ist und die schanigärten unter den blättern sprießen, wenn früh am morgen, nach allen sprayern, alle eismarillenknödel von den platanen abgeerntet werden und – ausschließlich am reumannplatz beim tichy – als eigenerfindung angeboten werden, dann gehen sie weg alswie die warmen semmeln.
(am schwedenplatz die mangocreme aber ist auch nicht ohne.)

honiglauf

heuer hatte ihn eine arge ostergrippe erwischt. am besten, er würde sich den ihm kathartischen katarrh im schlaf abschwitzen. zuerst schaute er sich den film slumming an. im traum dann kam das therapeutisch so wertvolle erschöpfend-erschöpfte zähe rennen, hinterherrennen (man wartete, dringend, auf ihn), in einem so zähen medium, als ränne er in honig. er kam nicht vom fleck.
das bett in der früh war nass, als hätte er sich aus einem beinahe zugefrorenen karpfenteich rettend aufs eis gewälzt. hartbrandwichtel schwappten hoch, knapp vor der wasseroberfläche allerdings entschwanden sie und alles andere auch: kein inländerrumgeschmack mehr, nicht in wien, nicht in znojmo, im mund nicht.
das ärgste war überstanden.

unabdingbar

er (hanns schimansky) sagt: für das flüchtige ist zeit nötig. am meisten nötig ist müßiggang. müßiggang in sprödem milieu.
womöglich handelt es sich jedesmal um eine idee, die einen streift, außen war gar nichts. was aber täuscht. denn das feste zerfällt in einem fort, indem es vom flüchtigen abgeschliffen wird.

angela krauß, schimansky, der großonkel und ich (1998)

angela, du seismologin des müßiggangs.

… ist gerettet!

seit ende märz etwa, rechtzeitig zum alljährlichen abendlichtrettungsprogramm, dem umstellen auf die sommerzeit, hatte die bürgerlichkatholische qualitätszeitung österreichs damit begonnen, den sonntag zu retten, so der etwas abgegriffen klingende werbeslogan, für den sein frontdressman posierte. diese sonntagsrettung gelang, zweifellos, bedeutete aber keine verbesserung der lebens- oder gar der lesensqualität in diesem land, weil mit der erfüllung dieses katholischen grundsatzwunsches wurde leider in einem aufwaschen, wie man sagt, das ganze wochenende versaut. nämlich das spectrum, diese einzige nennenswerte feuilletonartige beilage österreichs (an sich gelte: man vermeide das wort österreich im zusammenhang mit dem zeitungswesen), erschien weiterhin in der – nun eintagsfliegenden – samstagsausgabe. wollte man durch diese unnötige sonntagsrettung die brauchtumsartige bargeldlose selbstentnahme der wochenendausgabe verhindern? weil: hätte man nämlich die wochenendausgabe wie bisher (gerne ohne lifting) beibehalten und sie gar zur kostenlosen entnahme auch für grundehrliche menschen (zu denen er sich rechnen wollte) freigegeben, dafür aber auf die sonntagspresse verzichtet, der verlag hätte sich, sicherlich, etliches erspart. den lesern übrigens auch, stellte er sich – … ist gerichtet! – vor.
(seinen osterspaziergang aber wollte er sich davon nicht betrüben lassen.)

setzkasten

setz verzaubert.
indem er den dingen eine wesenheit, persönlichkeit, ja, eine person gibt bzw. seine traumwandlerisch erläuternden vergleiche einer kindlichen welt entnimmt, die wir alle auf immer in uns tragen und die uns deshalb vertraut ist. und der macht (setzt) das ganz ohne selber kindlich, gar infantil daherzukommen. l’enfant et les sortilà¨ges fällt mir ein. aber viel weiser.