mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


Rücken auseinander

sobald man kann / es bleiben soll / zusammen fein zu sein
Karl Valentin

»Wir müssen jetzt zusammenstehen«, sagt der Kanzler ungewohnt unbedacht. Hat, für einmal, seine endogene mind control versagt. Rücken wir es also zurecht: Zusammenstehen, ja, aber halt nicht soo eng. Und: Hinaus! Alle brauchen wir es, hinausgehen! Selbstredend alleine (allein, mit sich selbst gesprächig), streng vereinzelt gilt es zu peripatetisieren, und aber bitte niemanden ansprechen, angreifen und anlachen schon überhaupt gar nicht, damit nur ja nichts passieren kann. Nichts nichts nichts.

In der Steiermark, so lässt sie ankündigen, führt die Polizei ab sofort »Bestreifungen« durch. Ob das nicht erst recht gefährlich ist? Jedenfalls sicher nichts Angenehmes, und ich würd’s mir eher nicht gefallen lassen, das brächte mir eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt ein, darauf will ich’s keinesfalls ankommen lassen, zu keiner Zeit, nie, nequiquam, das bedeutet aber vergeblich, und das ist doch letztlich Alles Streben, welches bekanntermaßen eitel ist.

Narzissen wir alle, und das Fest, es wird wohl abgesagt. Ob’s eine Aster-Show-Party gibt, wer weiß?

[16.3.2020]

Wie geht’s?

Nach dem Rubikon sind nun die Iden des März überschritten. Wir zählen den ersten Montag im virologischen Ausnahmezustand. Beim beliebtesten Diskonter Österreichs klafft in der Klopapierzone die nach entsprechenden Medieninformationen zu erwartende Lücke. Man hat sie mit zwei Paletten Dosen mit Silberzwiebeln (links) und Gemüsemais (rechts) gefüllt.

Jetzt bräuchten wir bitte ein Tutorial.

[16.3.2020]

Hexeneinmaleins

SINGLE NIGHT
Komm und trau dich!
Veranstaltungsankündigung (abgesagt)

… wie dich selbst
kleine Tarierübung

Der Hexenkessel, ein in Verkupplungsfragen verdientes Lokal am Rande von Steyr (wo es auf der Wolferner Straße links zum Stoffümoa hinuntergeht), hat für 20. März eine, wie sich herausstellen musste, prekäre Veranstaltung angesetzt. Wobei, wenn man das Motto wörtlich nimmt, wäre sie ja durchführbar. Es darf halt lediglich eine/r kommen. Soll sich nur trauen.

Wo stand da einst was zu lesen, dass jemand zum Standesamt gekommen war und sich selbst heiraten wollte? Das war sicher in Amerika. Mit sowas kannst du es glatt zum Präsidenten bringen.

[15.3.2020]

an/ab [on/off]

Beugung, (österr.:) Biegung
Worterläuterung

Die Sonne geht auf und zu
Ernst Jandl

Eine Prozessfortsetzung, so melden sie, wurde, des Virus wegen, abberaumt.

Abberaumen – ich beraume ab, du beräumst ab, er/sie/es beräumt ab, wir beraumen ab, ihr beraumt ab, sie beraumen ab: Denkt man, in einer Sprache, die man von mutters her (also ohne kognitives Erlernen von Grammatik und Wortschatz) beherrscht, allzuviel nach, ist man sich plötzlich ihrer korrekten Flexionsformen nicht mehr sicher.

Vermutet werden muss, leider, dass manche ganz schön (eig.: unschön) abgeräumt haben. Zu hoffen ist, dass es irgendwann für die Unschuldsvermutlichen heißen wird: Ausgeträumt. Unverjährt auf Jahre.

[15.3.2020]

Inkubatur

(Allgemeine Anmerkung)

Zu einer möglicherweise erwartbaren Tagesaktualität im Mütterlog: Da ich diesen Aschermittwoch (der 26. Februar war’s) das mütterlog als tägliches Medium einer über Ostern hinaus zu haltenden quasipermanenten Fastenpredigt wieder etabliert habe, war klar, dass ich einen gewissen Beitragspolster im Voraus verfassen müsse, damit mir keine unnötige Eile des Textverfassenmüssens knapp vor Mitternacht drohe. Das kann zur Folge haben, dass zum Zeitpunkt ihres Verfassens der aktuellen Lage entsprechende Texte im Verlauf ihrer Inkubationszeit (bis zu ca. 14 Tage) an Brisanz gewinnen, oder aber auch, dass sie von einer exponentiell galoppierenden Weltrealität rechts überholt werden.

Nehmen Sie also die jeweils erscheinenden Beiträge insbesondere der Rubrik wir sind virus als Beleg, wie sehr sich der einmal niedergeschriebene Augenschein von erst später zum Ausbruch Gelangendem unterscheiden muss, in seinen Einschätzungen, im Grad seiner Lässigkeit und seines Spotts. Beim Erscheinen sind wir alle um einiges klüger oder zumindest faktenwissender geworden. Aber keiner von uns hat es schon immer gewusst, und als Künstler darf man sich da auch nicht klüger darstellen als man ist. Oder, wie es Slavoj Žižek in einem Kommentar in der NZZ ausdrückt: »Die Antwort kennen allein die Historiker der Zukunft.«

Sie sehen: Ich stehe zu dieser zeitlich bedingten Zweigestalt meiner Fastenpredigten. Sie mögen uns auch das Prinzip Inkubationszeit anschaulich vermitteln, auf dass wir die tauglichst möglichen Schlüsse daraus ziehen. Zu beschönigen gibt es sowieso nichts.

[15.3.2020]

geschäftlich

Die erlösendere Maßnahmennachricht war jene, dass fürderhin doch auch Geschäfte für Tiernahrung offen halten dürfen. Gar auch Kleintierhandlungen? Das wäre nämlich die endgültige Abwendung der Krise: Kauft bitte aber auch Meerschweinchen! Sie sind papiermäßig genügsamer als die notorisch pingeligen (verweichlichten!) Hamster. Damit gehört das Klopapier endlich wieder uns Menschen. Wir haben nämlich zu wenig davon für unsere Rosenpopos.

Was für eine Metapher auch vom Anscheißen. Wunsch nach unbedingter Stubenreinheit auch in extremis und bis über’s Gnack, zumindest.

[14.3.2020]

zusammen gewachsen

Dreiköpfige Familie in Wien genesen 
orfon

Du liest die Meldung und denkst sofort: Chimäre! Endzeitendstimmung will dennoch (noch) nicht recht aufkommen, und bekanntermaßen tauchen, zuvor, als Zeichen, absonderlich verformte Skorpione, zweiköpfige Schlangen und/oder Kälber auf.

[13.3.2020]

Singulär

Wer hätte sich das vor kurzem noch vorstellen können: Wir derisolieren uns nimmer. Für unsere immer umfassenderem Egoismus (Egoismen? Aber nein: Egoismus kann nur im Singular seine höchste Steigerungsstufe ausdrücken) zugeneigte Gesellschaft klingt das doch einigermaßen paradox, aber es ist so. Und insbesondere auch die Gaffer (eine spezifisch isolierende, spontan sich bildende Masse) sind nun bedroht, das ist doch eine irgendwie stimmige Pointe: Unnütz-unnötiges Isolierbanddasein.

Auseinander!

[13.3.2020]

Onkel Mantra

Opel-Chef hält Manta als E-Auto für möglich 
orfon

Ist eh ein Auto, einst, gewesen. Und was für eines: Mit Koteletten, Schnauzer und Vokuhila avant la lettre. Und der Onkel Hansi hat, angeblich, seine Hinterlichter entworfen. (Beim Ascona auch.) Designt? – Ich bitt’ Sie!, das gab’s doch damals noch nicht. Überhaupt war alles noch recht arbeitsteilig, unvernetzt, täte man sagen heutzutage: Einer (der Onkel Hansi, Wirtschaftsflüchtling; mittlerweile, konsquent, der AfD zugeneigt) macht die roten Hinterlichter inkl. Blinker, der andere die vordere Stoßstange und wieder ein anderer den Auspufftopf. Den Fuchsschwanz für den Schlüssel legt der Verkäufer drauf, und lediglich die verspiegelte Pilotenbrille musst du selbst beisteuern: Ohne sie wirst du auch nicht zum Kauf zugelassen.

Und jetzt das alles noch einmal in E!

Verließverlass

Gefängnisrevolten, tödliche. Entsetzlich. 

Fidelio, heutzutage: Der am meisten vor Allem Gesicherte (aufs tiefste Verließ ist Verlass) sollte noch ein Weilchen warten, »Töt’ erst sein Weib«, sie springen eine große Terz nach unten, ein markanter Giant Step (nicht erst John Coltrane!, Beethoven hat später wieder an entscheidender Stelle, in der 9. Symphonie einen »vor Gott« gemacht), von D-Dur nach B-Dur, »noch ein Laut, und du bist tot«, zugleich erschallt das Trompetensignal, in puren Naturtönen: explizit befreiend.

Aber keinesfalls vor mehr als 100 Leuten, draußen könnten zudem noch 499 des dramatischen Showdowns harren. Vorerst.

So bleiben wir vorerst gespannt. Und verfügen, wenn überhaupt, über einen nur dünnen zivilisatorischen Firnis.

Fidelio indes lehrt uns Hoffnung. Und als Prinzip möge es uns fortwährend leiten, wie dereinst auch Ernst Bloch, durchs ganze Leben, bis zuletzt: Beim Trompetensignal begann der 92-jährige zu weinen; anderntags konnte er leicht gehen.

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PS: Man verzeihe die hereinschwappende Musiktheorie: Hören Sie sich’s einfach an, und Sie wissen sofort, was und wie ich’s meine. Es wird Zeit sein; wenn Ihnen die ganze Oper aber zu lange dauert (was ich bezweifle), vermittelt es auch die dritte Leonorenouvertüre.

[12.3.2020]

Ins Amorphe

Wasser vergessen. Wie es ist, wenn die Dichtung schmilzt. Sehr unerfreulich, allemal.

Aber: Was für eine Metapher! – Worte, lyrische zumal, unkontrollierter Hitze ausgesetzt, wie sie zerrinnen, schlussendlich gerinnen, zwischen Allem. Quasi Bacon (nicht der englische Speck) in Sprache. Welch wunderliche Formen da zutage treten. 

Nicht so aber, wenn du rechtzeitig den Ofen abdrehst und den Kaffeereaktor, möglichst unhektisch, vom Herd nimmst. 

Was wäre das größere Glück?, laute also die Frage. 

(Wir bräuchten, öfter wo, etwas mehr Wasser.)

abgebogen

In den Ellenbogen husten sollen wir, wenn wir müssen, sagen sie, aus der sicheren Distanz. Danke, das machen wir doch, gerne. Jedoch: Probieren einmal Sie, bei sich, in ebenjenen (den eigenen!) Ellenbogen zu husten, außen dran, nicht etwa in die – um etliches leichter erreichbare – Armbeuge: Sehen Sie, da haben wir’s.

Somit wäre, nein: ist Corona so gut wie abgehakt.

[11.3.2020]

Hohe Messe

Kirche erlaubt maximal 100 Besucher pro Messe
orfon

Da haben sie sich die Latte aber eh einigermaßen hoch gelegt.
(Querlatte, gewissermaßen.)

[11.3.2020]

Enigma

la talpa (it.)
(auch:) 
Tunnelbohrmaschine
(auch:) Spitzel

Vorfrühling. Du schaust, wie sicher geborgen im Norden der Alpen, aus dem Zugfenster, erinnerst dich, was du, begrifflos-unbewusst längst wusstest: Maulwurfzeit. 

Wir wesen im saisonalen Hügelland, rasch geht’s hinauf, rascher runter: Erhöhte Acht ist angebracht. 

[9.3.2020]

barbarisch

Missbrauchsskandal: Papst akzeptiert Rücktritt von Barbarin
orfon

Habe ich mich zuletzt in einer Anmerkung darüber mokiert, dass orfon seit eh und je keine französischen accents integriert, so muss ich seine Typographen für diesmal in Schutz nehmen. Umso mehr stelle ich nun die Texter selber an meinen beinharten Sprachpranger: Man muss schon recht eingelesen bzw. eingehört sein, um zweifelsfrei zu wissen, dass es sich bei der zurückgetretenen Barbarin nicht um ein (möglicherweise unzähmbares) wildes Weib handelt (die Kirche hat ja schon Probleme genug mit ihren in aller Regel durchaus zahmen und umfassend ehrwürdigen Frauen), sondern um einen Kardinal (das sind Männer, die sich gerne in roten Röcken und Roben präsentieren – so müsste es einem erscheinen, wüsste man nicht um die kultische Notwendigkeit derartig erklärungsbedürftiger Überwäsche). Barbarin, ein Kardinal, der missbrauchsmäßig niemanden gedeckt hat und der eh keinen Dreck am Stecken hat, und, Zitat: »Gott sei Dank sind die meisten Fälle verjährt.«

Gesichter sind dazu da, nicht verloren zu gehen, auch nicht mit 69, so eine schöne Zahl auch.

tacet

Stimmverlust: Andre Rieu sagt Konzerte ab
orfon

Das korrekte, quintenreine Stimmen seiner eigenen Violine gehört zu den geigerischen Basics, nicht nur bei Virtuosen, von Graden eines André* Rieu gar. Umso mehr muss es nun verstören, dass der walzerselige Terzengeiger aus Maastricht weder in Lage noch willens zu sein scheint, selber für die heute so dringlich benötigte richtige (korrekte) Stimmung zu sorgen – oder wenigstens einen entsprechend eingeschulten Assistenten mit der Behebung des Stimmverlusts zu betrauen. Und es gäbe ja Stimmgeräte, Stimmgeräte-Apps sogar, mittlerweile, für wirklich jede Stimmung, wirklich wahr.

Außerdem: Es hätte doch eh niemand gemerkt, vermutlich.

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* Anm.: Aus wenig nachvollziehbaren Gründen vermag es orfon bis heute nicht, auch nur die einfachsten französischen accents in seine Typographie zu integrieren; im Zitat belasse ich die orfon-ische Variante, im eigenen Fließtext drängt mich die pure Humanität, den Leuten und Begriffen zu ihrem wahren Namen zu verhelfen.

fällig

Erster Fall in Slowenien bestätigt
orfon

Die Welt ist alles, was der Fall ist. 
Ludwig Wittgenstein

Da wäre also einmal der Nominativ. Peripheres Wissen und ergänzende sachbezogene Recherchen ergeben die Erkenntnis, dass im Slowenischen von den acht urindogermanischen Fällen immerhin deren sechs erhalten sind, und zwar Imenovalnik, Rodilnik, Dajalnik, Tožilnik, Mestnik und Orodnik. Vokativ (vermutl. Vokatnik) und Ablativ (Ablatnik?) müssen also abhanden gekommen sein. Und weiters haben sie zwischen Singular und Plural auch noch den Dual: Was für eine reiche Sprache!

So gesehen muss die Meldung, man habe nun in unserem so schönen und freundlichen südlichen Nachbarland einen Ersten Fall entdeckt, wieder einmal als klassische Nichtmeldung … ähm … vermeldet werden. 

[5.3.2020]

Milliarden Knoten

Google sagt Entwicklerkonferenz ab
orfon

Nun, seine speziellen Kompetenzen haben ja Google und all die anderen, in üblichen zeitgemäßen (zumindest Welt-) Verschwörungstheorien selbiger verdächtigen Milliardenkonzerne eher im immer feinmaschigeren Vernetzen, und bekanntermaßen müssen nicht nur Delphine verdammt aufpassen, dass sie sich nicht in ebensolchen verheddern, wenn das auch recht dekorative (manchmal künstlerisch verwackelte) Bilder für WorldFotoAwards zu zeitigen in der Lage sein mag. Mit dem Überleben hapert es dann aber allemal, was man sich dann wieder daunddort zuposten kann, ohne dass sich allerdings irgendwas davon wieder entwickelt, und nicht nur Meeressäuger, selbst Fische können ertrinken und sich so viral verbreiten.

Uff. Genug verwickelt für jetzt: Wir bräuchten bitte echte Entwicklungen!

[4.3.2020]

Von Haus aus

Heimarbeit bei Twitter und Google
orfon

Ob es sich hier nicht vielmehr um eine Nicht-Meldung reinsten Schrots handelt? Nämlich, wer macht denn bei, bzw., richtiger: für Twitter und Google die Arbeit, wenn nicht (nach menschlichen Maßstäben) unzählige Außenposten weit draußen in der Welt, mitten – eig.: twitten – unter uns!?

Dass jedoch ausgerechnet durch derartige Heimarbeit ein Virus an seiner Ausbreitung gehindert werden soll, das halte ich für einen zynischen Treppenwitz. – Isolieren!

[3.3.2020]

globulal

Evangelikale versprechen »Immunisierung«
orfon

Wir befinden uns in der zeitgemäßen Rubrik Coronavirus. Berichtet wird uns von einer »Catedral Global do Espirito Santo in der südbrasilianischen Stadt Porto Alegre«, was soviel bedeutet wie »fröhlicher Hafen«, und schon horchen wir auf: In Häfen häufen sich heutzutage etliche munkeldunkle Viren, wollen an Land, über ein unbedarftes Binnenvolk sich hermachend. Jene Catedral Global nun verheiße eine »Salbung mit geweihtem Öl, das gegen Epidemien, Viren oder Krankheiten immun macht«.

Indes, es darf entwarnt werden. Die frohbotschaftlichen Versprechungen (irgendwie doch diesseitiger Art) zu der mit dem heimtückischen Virus assoziierten Lungenkrankheit können getrost als harmlos promillehaft, im Nano-Bereich anzusiedeln, abgetan werden, vergleichen wir sie nur mit den Verheißungen, die sie und letztlich sämtliche Religionsgemeinschaften alle Welt ins Jenseits vertröstend als ganz gewiss zusichern, wovon sich ja ganz gut leben lässt, und etliche schöne Bauwerke und Kunstwerke sonder Art und Zahl, dazu weitere fraglos Gute Werke verdanken wir ihnen auch, und damit wollen wir auch schon aufhören, denn wer nicht aufhören will muss »Au!« fühlen.

(Aber irgendwie interessieren täten mich diese brasilianischen Globuli doch, wenn sie auch im Ruche des Scharlatanismus stehen.)

Bleiben wir dran. (Denken sich auch, hirnlos, die Viren, sowie ihre medialen Verbreiter.)

[4.3.2020]

Binnensorgen

Zwei deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffs »Aida Aura« könnten mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sein. Das Schiff mit rund 1.200 Passagieren lag Dienstagfrüh im Hafen der norwegischen Küstenstadt Haugesund.
kurier.at

Lassen wir uns diese Meldung zunächst einmal schön langsam auf der Zunge zergehen, in seinen so wertzuschätzenden Einzelheiten. In der Folge danke ich Ihnen, wenn Sie mir gewähren, dass ich mir meine Topoi nicht in ihrer arithmetischen Reihenfolge, sondern nach ihrem Insaugspringfaktor vornehme, so übervoll (wie vermutlich das Aida-Schiff mit seinen neuartigen Viren) schwappt alles herein.

In Norwegen, so west-nord-ost-weit-groß das Land auch sein mag, muss man sich beim Zoomen auf der Landkarte (so macht man das mittlerweile, und des öfteren erwischt man sich, diese Aufzwickbewegung auch, völlig unnütz, auf konventionellem Papier zu versuchen, und sieht das jemand anderer, macht man eine die Verlegenheit auflösende Suppenwürfelzerbröselgeste) einigermaßen anstrengen, eine Stadt oder auch nur größere Ansiedlung aufzuspüren, die nicht an seiner (Norwegens) darmzottengleich multipelst aus- bzw. eingefältelten (also alles andere als einfältigen) Küste liegt. Bei persönlicher Recherche taucht mir, immerhin, zuerst das irgendwie Sinnliches verheißende Geilo auf. Nun, dass ein Schiff in einer Küstenstadt anlegt und eben nicht in einem (etwa geiloischen) Binnenland, das musste bitte schon erwähnt werden, danke für die knallharte Faktenrecherche! Und stellen Sie sich aber vor, nicht nur in einer Küstenstadt, sondern noch dazu im Hafen dieser Küstenstadt, allerhand aber auch!

Zum Kreuzzug gegen das Virus aus dem fernen Osten: Schade, dass es in einer heutzutage mit wenig Religiösem assoziierbaren Weltgegend designt wurde. Käme es etwa aus dem arabischen Raum, es ließe sich, in bester Tradition, besser dagegen ziehen. So ist es lediglich ein sich im Voraus ergebendes Zukreuzekriechen. Immerhin und sinnigerweise war ja Aida dereinst eine schlussendlich mit eingemauerte (also isolierte) Königstochter aus Äthiopien im Nordosten Afrikas (seit 1993 ein Binnenstaat). Außerdem ist Aida eine mittlerweile international – auch in den arabischen Raum – expandierende Wiener Café- und Konditoreikette, sowas wie »the McDonald’s of the konditorei«, den Namen hat der Gründer, ein Opernliebhaber, von Verdis Werk genommen, Tosca, ein gleichermaßen final letaler Name (Sprung von der Engelsburg, Italien!), hatte seinerzeit (1913) das Nachsehen, Klammer zu.

Ermüdet nun vom vielen Assoziieren (ein eigener Virus, ich sag’s Ihnen) möchte ich schlussendlich dem Kapitän (oder ist’s eine Kapitänin, warum nicht – speziell wenn’s ums Anlandgehendürfen geht, besitzen da kämpferische Frauen erwiesenermaßen bewundernswerte moralische Stärke, Courage, ja!) meine Hochachtung aussprechen, dass er mit dem Städtchen Haugesund eine dem Namen nach hochkompetente Anlegestelle gewählt hat. Wenn auch über die Methoden der Gesundmachung (Heilung?) eine zeitgemäßere, humanere Methode gewählt werden sollte, als sein Name implizieren mag. Aber ist human noch zeitgemäß? War es es je?

(Warum mir jetzt ausgerechnet der Name Waltraud Klasnic einfällt? – Lesen Sie Josef Haslingers Mein Fall.)

[3.3.2020]

echt abgefahren

Alkolenker raste nach Benzindiebstahl davon
orfon

Ein ganz ein Gescheiter, sapperlot. Weil es lohnt sich immer, einen vollen Tank zu haben. Weniger gescheit ist allerdings sein metaphorisch voller Tank, mit dem er sich hinters Steuer gesetzt hat. Weil sowas gehört sich nämlich noch weniger und ist zudem echt gefährlich! Beruhigend jedenfalls ist, dass sie ihm den Führerschein abgenommen haben. Dann kann er nicht mehr fahren, weil das ja verboten ist.

Zum Glück haben wir orfon als Exponenten einer der letzten verbliebenen Anstalten moralischen Rechts.

sicher nicht!

VW-Vergleich gilt nicht für österreichische Kunden
orfon

Aber ein X für ein U vormachen, das lassen wir sich uns sicher nicht, mögen beide noch so sehr anstoßen, das U vorn am V, das X hinten am W, ohne Stoßstange, knautschzonenlos, das auch noch! Nein, wirklich nicht, nicht mit uns Österreichern!

Aber mit uns können sie das halt machen.

Glauben sie.

Ist aber so.

Aus Zucker

Gespenstisch wird’s, wenn du im Zug sitzt, ein später, und nach kurzer Fahrzeit dringt ein stechender Geruch durch den Waggon zu dir. Es kann doch nicht sein, dass der bleiche junge Mann mit den zeitgemäß fettigen Haaren und dem dazupassenden Bart (diese gleichmacherische Individualität, mit der sich in sog. Barbershops – men only! – verunsicherte Männer vormachen, dass sie bedeutsame Herren seien) sich eben den Nagellack entfernt. Du gehst vor zu ihm. Er schaut dich aus feindseligen kleinen Augen an. Du fragst, höflich aber schon auch bestimmt, was das sei, weist auf das Fläschchen vor ihm, das mit der farblosen Flüssigkeit, bittest, er möge es nicht mehr öffnen, der stechende Geruch, Kopfweh und so. Er zuckt, stammelt mit unwirklicher Fistelstimme: »Sie brauchen nichts zu befürchten, … Desinfektionsmittel … da brauchen Sie gar nichts zu befürchten, es ist alles sicher, alles unter Kontrolle (…)!«

Du wechselst den Waggon, und im Vorbeigehen kannst du dir ein gut hörbares doppeltes Räuspern – ||: ehü :|| (in Oberösterreich auch [kö:zn] genannt) – in Richtung der Desinfektionszone nicht verkneifen.

Viel hat nicht gefehlt, und er hätte die Notbremse gezogen.

[27.2.2020]

Voll im Kommen

Daöist Strache am Aschermittwoch, ein Seiterl grad noch hält er hoch, mehr wäre wohl unangemessen. Oder ists ein Pfiff? Das ließe sich noch leichter anfüllen, damit es nahezu halbvoll wäre. 

Und sein Mikrophon in (nicht auf) der Prateralm ist sennheiser. Da hilft kein kühles Bier und auch kein lauwarmer Hansi:

Ist der Senn heiser, hilft nur …
[Produkt Ihrer Wahl einsetzen; auf korrekt-holpriges Versmaß und den Endreim auf -ur ist tunlichst zu achten.]

Es hilft alles nichts.

Corpora delicati

Weibliche Brüste stellen im US-Bundesstaat Utah also ein Delikt dar. Also die Brüste an sich, nicht irgendeine Tätigkeit mit ihnen (Laufen, Eincremen, Stillen gar; oder – horribile dictu – Blitzen). Also öffentlich. Das heißt: privat, weil das Private ist bitteschön öffentlich, naja, es soll es eben nicht sein. Nämlich der Schaden, den sowas anrichten könnte, anblicks, kinds.
(Was ist eigentlich der Plural von sowas? Im Österreichischen hätten wir das schöne Wörtchen söchane bzw. solcherne anzubieten.)

Frankly, to be american: Die etymologischen Verwandtschaftsbeziehungen von proud und prüde wären näher zu untersuchen. Dringlichst. Und dingfest. 

Na Mahlzeit

Schutzmasken ausverkauft
Horrorrealität, Mohren-Apotheke, Graz

Schlutzkrapfen ausverkauft
Horrorvision, Osttirol

schlutz
Ernst Jandl, die humanisten

Wir müssen uns in die Assonanz retten. Unsere Heimat bietet so viel davon. Und irgendwann gibt es sie wieder.

Schlutzmasken. Mahlzeit.

[26.2.2020]

fünf oder sieben

Die Behörden, auch die italienischen, versuchen nun herauszufinden, mit wem die Frau vor ihrem Tod Kontakt hatte. 
orfon

Es heißt, dass über fünf (oder sieben?) Ecken alle Menschen mit allen zu tun haben: Versuchen Sie einmal, nur für sich selbst herauszufinden, mit wem Sie bis jetzt Kontakt hatten. Für die ersten Jahre sind wir dabei zudem auf möglichst vertrauenswürdige Gewährsleute angewiesen. Wer könnte denn bitte von sich selbst heraus beweisen, wann er etwa exakt geboren wurde: Waren ja nur die anderen dabei, selber war man mittendrin und kaum seiner selbst bewusst (etliche sind’s bis heute). 

Zugleich wollen wir hoffen, dass wir alle noch recht lang leben: Ad multos Kontaktos!

[26.2.2020]

zizerlweis

Eiskunstlauf: Ziegler/Kiefer planen den nächsten Schritt
orfon

Posaune: Mütter plant nächsten Zug
muetter.at

So ist es recht: Schön langsam, eins nach dem andern. Sowie: Tu gutes und rede davon. Der Rest kommt (wie) von allein. Oder stellt sich ein.

Jetzt! – wird geplant. 

(Mit der Zugposaune selbstredend klimaschonend.)

Leben, Ende, Leben

Schaben fliehen weinend
Produktwirkungsbeschreibung (aus dem Ungarischen)

Tränen lügen nicht
Weltweisheit

Dänen lügen nicht
Weltweisheitsaneignung (Otto Waalkes)

Nicht mehr ändert ein Chamäleon seine Farbe, wenn es tot ist.
Athanasius Kircher zugeschrieben

… kakerlakakk!

Anm.: Vier Zitate in einem ansonsten nicht allzu eigencreativ verfassten Beitrag, das sei meine – stammelnde – Verneigung vor allen an einem 29. Februar geborenen oder (Edi, acht Jahre schon ist’s her) begrabenen Freunde und Kollegen.
Beim Czerny werden wir uns wiedersehen! (Gilt für den lebendigen Kollegen, dem mit den vier e.)

Deix schau owa

Die Therme Wien in Oberlaa hat Smartphones aus der Badelandschaft verbannt. Damit wird Spannerbildern der Kampf angesagt. Das berichtete »Heute«. Allerdings gilt das Handyverbot nur für die Becken.
orfon

Man sollte die Restriktion aber schon auch auf die im oberen Bereich der zweiteiligen sog. Bikinizone befindlichen Sekundärmerkmale ausweiten. Und sie gelte bitte auch für Herren. Denn auch sie können ganz schöne Duttalan ausbilden.

Spannend, das.

Flugshow

Fledermaus flog mit Billigflieger
orfon

Ach so, es war eine echte (keine strausssche) Fledermaus, und sie ist tatsächlich in einem Flugzeug geflogen. Die Überschrift steht ja nicht beim Kulturressort sondern in der Rubrik Panorama.
Panorama,
 was für ein Hohn für das arme Tier auf engem, echoausgelotetem Raum, den sie für ihre nicht weniger als virtuos zu bezeichnenden Flüge geschickt zu verwenden wusste. Und sie ist, schlau, mit einem Billigflieger geflogen, denn wer kein Handgepäck dabei habt, für den ist der Billigflieger ja tatsächlich eine überlegenswerte Angelegenheit. Wäre sie mit einer Marken-Airline unterwegs gewesen, so hätte sie mehr Freiraum, zum Beispiel für die Beine, vorgefunden. Oder sonst halt zum Abhängen, tagsüber, kopfunter. 

wann jetzt?

Die Zukunft hat begonnen
14.12.2014, 5:55 Uhr
Erster railjet rj551
Wien-Hauptbahnhof – Graz Hauptbahnhof 

Lokaufschrift, ÖBB

25.2.2020, 11:00 Uhr, Bahnhof Wien Meidling, Gleis (eig.: Bahnsteig) 4: Entsetzt und erschauernd muss ich gewärtigen, dass die Zukunft längstschon Geschichte sein muss. Wo war ich!? Indes, ein (womöglich lemurenhafter) Zug (ein Trieb gar?) drängt mich grazwärts. Mal schauen, ob sie in Graz schon angekommen ist.

Wir müssen lernen, mit zukünftigen Vergangenheiten verantwortungsvoll umzugehen.


In eigener Sache

Ich mag zwar fröhlich ungläubig sein, den auch durch die hiesig leitkulturellen Konfessionen geprägten zyklischen Lauf unserer Zeit(en) will ich jedoch nicht missen. So nehme ich den heutigen Aschermittwoch zum äußeren Anlass, auf vielfach geäußerten Wunsch wieder mit meinen täglichen Einträgen allhier anzufangen. Nennen wir es eine Fastenpredigt, und da ich keine eschatologischen Verheißungen anzuerkennen in der Lage bin, wird es wohl bis auf weiteres dabei bleiben müssen/dürfen*.

*Zutr. nach Belieben bzw. persönlicher Überzeugung auswählen.

ausgelassen

In der urologischen Ambulanz. Herr Doktor Ablasser wird aufgerufen. Er soll sich vor seiner Untersuchung noch einmal entleeren, aber das hat er bereits, nomen est omen, zu allseitig vollster Zufriedenheit erledigt.

Vor Fälschungen wird gewarnt

Was Louis Vuitton mit einem tennisballgroßen Diamanten vorhat
kurier.at

Was würden Sie machen, wenn es Ihnen auf die Schnelle so einen Karfunkel hereinschneien würde? … LV hat da eindeutig einen Kompetenz- und Ressourcenvorsprung, sitzen sie doch gewissermaßen an der Quelle: Sie stecken den Diamanten wohl in eines ihrer schmucken Handtäschchen.

In welches wohl? Wir wüssten’s nur allzu gern.

vermutlich nicht

Bei kurzen Waschprogrammen mit niedriger Temperatur entstehen weniger Mikrofasern, die mit dem Abwasser in die Umwelt gelangen. Das zeigt eine britische Studie. Zudem verblasst die Kleidung weniger schnell, und es wird Energie gespart.
orf.at

Ob sie auch sauber wird, die Mikro- wie die Makrofaserwäsche, erfahren wir nicht.
(Ist aber jetzt auch nicht soo wichtig. )

Zahngefühl

Kickl über sich und Hofer: »Das ist wie beim Twinni-Eis.«
kurier.at

Hofer: Die beiden (flachen) Stangerln.
Kickl: Das (wässrig-geschmacklose) Eis.
Beide(s), näher oder weiter: Braun überzogen.

geteiltes Leid

»Denkende« Ampeln in Wien haben noch Probleme
orfon

Wir dürfen die Verantwortlichen beruhigen: Anderen geht es genauso. Oder, knallhart realistisch: Das hört nimmer auf. Nicht vor dem – ampelmäßig formuliert – Finalen Rot.
(Das auch ein Grün sein kann, wer weiß das schon?)

hellweich

Tagungen sind Sonderzeiten höchstkonzentrierten Dösens. Wie wartende Krokodile hängt das kundige Fachpublikum in den Sesseln, des einen Satzes harrend, an dem sich die ersehnte Kontroverse entzünden könnte und endlich Leben ins Geschehen brächte.
»Pelzlicht«, sagt da der Soziologe.
Aber nein, er hat »Weltsicht« gemeint. Steht ja auf der Folie, die er in wenig nachvollziehbarem Tempo Satz für Satz, zugleich quälend sprunghaft abliest, seine fachlich fundierte Weltsicht vor sich her nuschelnd.

Wir bräuchten, generell, mehr Poesie: Weicher und wärmer werde es!

Hello Wien

Im Wiener Musikverein dirigiert Claudio Abbado das ORF Radiosinfonieorchester Wien.
Konzertankündigung, Radio Österreich 1, 13.11.2019

Ab 16. November 2019 ist der Festivaltitel »Wien modern« neu zu betonen.

hard facts

Nachrichtenüberblick
1 Frau schnürte Chihuahua mit BH-Träger die Schnauze zu
2 Bayern: Gebrauchtes Dixi-Klo gestohlen
3 D: 120 Schoko-Nikoläuse aus Kindergarten gestohlen

kurier.at, 12.11.2019

Die Frage ist stets: Was für welche (ich formuliere hier bewusst betont umständlich!) Nachrichten sollen unterbleiben, um ein derartiges Top-Ranking der allerwichtigsten WeltNeuigkeiten zuverlässig zu gewährleisten?

In eigener Sache

Mit dem Erwerb eines neuen Fahrrads habe ich im Jahr 2018 die Firma KTM mit einem Betrag von € 589,80 unterstützt und mir dadurch zweifellos das Anrecht auf eine unbürokratisch durchzuwinkende Förderung im 4,123-fachen Ausmaß (zumindest € 2.431,75) durch den Landeshauptmann von Oberösterreich erwirkt. Unter diesen Bedingungen wäre ich gerne bereit, das Spitzenmodell (auch mehrere) der Mattighofener Mobilisatoren zu erwerben; ich würde sie umgehend dem Kulturmuseum Motohall zur Ausstellung überlassen, so könnte man sich den Transport ersparen. Einfacherweise genügte eigentlich die Überweisung der dreifachen Summe ohne vorherigen Ankauf. Meine Kontonummer ist ihnen bekannt.

Ich bin felsenfest überzeugt: Wir werden uns einigen.

Am um im

Schwimmer am Wörthersee vermisst
kurier.at

Da hieß es suchen. Man teilte sich auf. Die einen schauten neben dem See (gute Prognose) die andern im See (weniger gute Prognose). Gegen Abend konnte, allgemeine Erleichterung verbreitend, gemeldet werden:

Schwimmer im Wörthersee wieder aufgetaucht

Ob’s in Echt ein Schwimmer war?

Sowie: Wäre der aufgetauchte Schwimmer tatsächlich, wie von der zwischenzeitlich approbierten ballhausplätzlichen Rückeroberungs-Hofzeitung geschickt insinuiert, am See vermisst gewesen, hätte es sich einzig um den Messias handeln können. Der aber weilte in jenen Tagen kurz im Silikontal, auf dass er sich gegen den schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten (»Die Mutter aller Dreckkübelübel«) teflonisiere.

Da bleibt kein Spritzer picken.

 

no problem

Tirol: Mann sichtete Bär bei Holzarbeit
kurier.at

Einen derart fleißigen Teddy wird man wohl schwerlich als Problembär bezeichnen können.

Statuswandel

Unbekannter erklomm Wolkenkratzer in London
orfon

Jetzt ist er bekannt. Na bumm. Das nächste Mal heißt es dann vermutlich »Bekannter erklomm Wolkenkratzer in London«.

Dann haben sie ihn aber.

Messias-Message

Papst: Jesus vermehrte kein Brot
orfon

Ach war das auch der Kurz?

Schwarzlochregion

26-Jähriger lieferte sich im Waldviertel wilde Verfolgungsjagd
kurier.at

»Der Berufsschüler raste im Wagen der Polizei mit bis zu 160 Stundenkilometern davon.«, erfahren wir weiter; gestellt, habe er sich dann noch hinterm Lenkrad verspreizt. Dass der Fluchtversuch also nicht einmal (schon gar nicht?) in einem Polizeiauto gelingen konnte, zeigt wieder einmal, wie schwer es ist, sich selbst zu entkommen: möglicherweise unmöglich; bis zuallerletzt und selbst im Waldviertel, wohin gewisse Wiener doch so gerne aussteigen.
Am ehesten führen ja kontemplativere Methoden (Nachsinnen, Nasenbohren) in die Nähe eines derart ereignishorizontalen Ziels: Nirvana, das ist, wo nichts mehr weht. Vergessen wir also zuallererst das windradgesättigte Weinviertel. Und leider auch jenes des Waldes, weil bekanntermaßen weht (waht) ja von dort der Wind.

Jetzt – blicken wir gespannt auf die Wahlen im Herbst, Drachensteigzeit. Sicher ist: solange sich jeder um sich selber dreht, entkommt keiner dieser Satelliten ihrer selbst.

zuviel!

Eines der größeren Rätsel unserer Zeit ist die Frage, warum die Packung Interdentalbürstchen der verdienten dm-Eigenmarke dontodent ausgerechnet 32 Stück enthält: Wo bitte befindet sich bei einem erwachsenen humanen Vollgebiss in jedem Kiefer der Zahnzwischenraum 16?

Es wirkt!

Erste Hilfe durch Homöopathie
Buchtitel

Wie dürfen wir uns ein homöopathisches Pflaster oder einen Druckverband vorstellen? Wie stillt man herausschießendes Blut, streng durch Ähnliches?

Ein homöopathischer Ratgeber für Praxis, Freizeit und Reise.
Buchuntertitel

Wenn dir einer auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die linke hin. Eh nur homöopathisch.

… vermutlich. Und: Wer’s glauben mag.

Und das im Mai!

»Sankt Pölten: Leicht erregen – Sex; Bregenz: Heiter – Sex.«
Stimmungsdurchsage, 16. Mai 2019 (morgens)

Der Jugend sei’s dringend empfohlen, sich zumindest etwas aufzusparen. Und warm anzuziehen.
Merke indes: Wir brauchen wieder mehr Beziehung, davor – und zwar vom Boden- bis zum Neusiedlersee!

(Der Moralist ist sich natürlich des leichtfälligen Belächeltwerdens inne. Er will aber, wenn man ihn später befragt, gemahnt haben; was hiermit geschehen ist.)

Florian, hilf!

Nach Notre Dame: Feuerwehren üben Kirchenbrände
nachrichten.at

Teil Eins ist ja aller Erfahrung nach recht schnell erledigt.

Einspänner

Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship
Werbewahrheit (Rollplakat)

Wir leben schon inmitten einer recht selbstverliebten Zeit. Dass sich jetzt auch schon Singles (Einzelmenschen) über zeitgemäße Plattformen zur Eigenvermittlung bewerben können, ist aber nun doch ein starkes Stück.
Zu fragen wäre, was passiert, wenn beim vereinbarten Date nichts weiterführendes herauskommt.
Man überlege sich derartige Schritte also gut.

Spätes Chrom-Molybdenium?

Toter E-Bike-Fahrer im Hallstättersee
orfon

Jetzt wird’s echt knifflig für die Archäologen. Soviel kann jedenfalls jetzt schon gesagt werden: Bei gewissen Datierungen dürften Korrekturen anstehen.

Logo

Mann in OÖ stanzte sich Loch in Handfläche
orfon

Wir wissen es: Im Hoamatlånd ist man dem Fortschritt stets einen Schritt voraus. Löcher in den Ohren (bei Menschen), das ist bitte sowas von Zehnerjahre. Hat man sich früher, um es, die Ärmel hochkrempelnd, so richtig anzugehen, in die Hände gespuckt, stanzt man sich in der Zukunft, der Oberösterreich so beispielgebend vorangeht, ein Loch, macht armgelenkdicke Durchblicker in die Hände. Ein angemessenes Logo, dieses O – oder ist’s ein Nuller?

Sooderso, ich sehe eine glorreiche Zukunft.

-e

Fettleibigkeit betrifft zunehmend ältere Männer
orfon

Wieder einmal darf ich die so anonymen wie wackeren Texter unseres geschätzten Leitmediums aus tiefstem Herzen belobigen: Rein schon zaunpfahlwinkende Kürzestsprachkunstwerke wie jene wie harmlos daherkommende Überschriftzeile müssten eigentlich jede Diskussion über eine angedrohte Einstellung des als einziges jedwede politische Vereinnahmung hintanhaltenden Gebührenfinanzierungsmodells wie von selbst im Keim ersticken.
Das Problem, steht zu vermuten, dürften zunehmende ältere Männer sein, mögen sie auch jüngst erst Jüngstväter geworden sein, und kein Segen kommt direkt vom Himmel geflogen, nicht einmal im Burgenland.

Jetzt bin ich aber traurig.

gehörig ergreifend

Im Thermenhotel. Jeden Dienstag, als eingeschobener wöchentlicher Spontanhöhepunkt der Liebenswürdigkeit, ergreift Mauro der Barman das Mikrophon und macht auf Adriano, dass den deutschen Seniorinnen ganz italianitàtisch wird um den Busen, und sie wippen, an lausroten Getränken nippend, ihr Titanhüftgold in die weich gepolsterten Fauteuils, aus denen sich garso schwer aufstehen lässt, noch einen!

Dabei sieht Mauro, dient er, gemächlich, hinter der Bar, aus wie wenn Zinedine Zidane Captain Picard spielen würde: Adriano Z. Picard, und es wäre nicht nur grob unhöflich, sondern schlichtweg unmöglich, seine freundlich bemühte Nichtaura zu durchqueren, um schlicht weg zu kommen, meine Ohren gehören mir!

Einmal hört sich alles auf.

So soll es sein.

(Die nächste Staffel, in einer anderen Sternzeit, sie kommt möglicherweise bestimmt.)

Traktortor

Traktordieb ging der Sprit aus, er flüchtete zu Fuß
kurier.at

… was sonst hätte er tun sollen? Ihn hinter sich herziehen, auf, wenn auch ebenen, Feldwegen, gen Osten?
Natürlich freuen wir uns mit dem rechtmäßigen Besitzer der Zugmaschine. Indes, wir haben es hier mit dem seltenen Fall einer, noch dazu in Schlagzeilenkürze, äußerst geschickt orchestrierten doppelten Empathieerregung zu tun: Der dreiste und zugleich bedauernswerte Traktordieb.

Merke: Erfahrene Menschen in Grenznähe (von Samnaun bis Sopron) führen, für alle Fälle, stets einen gut gefüllten Kanister bei sich.

Alert

(…), deshalb werde es mehr Aufklärung brauchen, so Köstinger. Man werde klar machen müssen, dass auf den Almen Tieren leben, dass es einen besonderen Umgang brauche und vor allem Distanz und Respekt, damit Fälle wie 2014 auf einer Tiroler Alm der Vergangenheit angehören.
Frau Minister Köstinger, via orfon

Hätten wir nicht diese beherzteste Ministerin und diese so sich um unsere uns als unmittelbare Sorgen servierten Tagesangelegenheiten kümmernde Regierung, 2014 läge ja noch immer (und weit!) in der Zukunft. Was sie allerdings sonstwie Vergangenes dortselbst zur alsbaldigen Vergegenwärtigung zusammenbraut (und wie unverfroren sie daran werkt), lässt sie recht alert hinter derartigen Kulissen verborgen.

Damit ein Morgen komme, wie es gestern war, aber mit heutigen Mitteln.

manipuliert

Ermittler der Sonderkommission fanden in einem Carport ein professionell manipuliertes Holzscheit (…)
orfon

Bitte, auf welcher Volkshochschule lernt man sowas? Und damit ist nicht (nur) die professionelle Manipulation von Holzscheiten gemeint. Wobei, wer es mit den Scheiten (Scheitern?) kann, für den dürften die (wahlberechtigten) Menschen nur mehr eine lässige (lästige?) Fingerübung sein.

(Die Inspirationen, die die Leute von orfon einem Tag für Tag taxfrei ins Haus liefern, können schlechterdings in ihrem praktischen Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden.)

verträglich

Was du bist, bist du nur durch Verträge
Fafner in Das Rheingold

Vertrag, oftmals unbedachtes Wort. Sich vertragen, vertragen wir uns wieder, Laktoseunverträglichkeit, und auch mit Gluten wollen sich bekannter- oder modischermaßen manche so gar nicht vertragen im Magen.

Engführung im Totenwinkel

In Freiburg gebe es bereits Spiegel, die alle erfassen, Inländer und Ausländer, lässt uns der schnellste Verkehrsminister aller Zeiten wissen. Und schneller geht’s wirklich nimmer, beim Generalthema zu landen.

Der tote Winkel ist rechts außen.

Hinkefinger

ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann hält nichts von der Idee von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), eine etwaige Benachteiligung österreichischer Autofahrer durch eine deutsche Autobahnmaut mit einer ähnlichen Maßnahme Österreichs auch über Studiengebühren zu beantworten. »Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich«, sagte Faßmann in einem Interview mit der »Kleinen Zeitung« (Mittwoch-Ausgabe).
orfon

… diesen Hinkesatz, den wollen wir uns jetzt aber gaaanz langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Nicht jeder, der vergleicht, ist ein Hofer-Anhänger.

Raufhändel

Hofer plant Warnsystem per SMS bei Katastrophen
Agenturmeldung

In etwa folgendermaßen: »Achtung! Achtung! Ihr Joghurt läuft übermorgen ab!« Oder was?!

Es gilt, durch Verunsicherungen und ihre scheinbare Behebung oder Beschwichtigung Sicherheitsgefühle zu wecken. Zu definieren wäre jedenfalls, was Katastrophenfälle seien. (Das Warnsystem, das nebenher, gibt es bereits; aber nicht von Hofer.)

Ich bin ein Hofer-Anhänger
Eigenwerbewahrspruch

Nachtrag: Der Pressesprecher von Hofer (dem Dabinichabertraurigminister mit dem Jörghaidergedenktempo) heißt übrigens, in echt, Höferl, Volker. Kann eigentlich gar nicht anders sein: Wer sich nicht unterordnet, kommt nie rauf.

schneestill

So still, dass man eine Stecknadel fallen hört. Nicht aufschlagen, fallen.

vorendzeitig

… Halbzeitzweite!
Sportmeldung,Österreich

Wer führte, weiß niemand, im Österreich. Als kleiner, sportsmännischer Ausgleich sei hier der Name der so hoffnungsfrohen Halbzeitzweiten nicht weiter transportiert, und auch nicht, ob sie Endzeiterste wurde oder gar knapp davor ausschied.

International (5)

Pico. Erinnerte stille Nacht. Schlaf im beständig an- und abschwellenden Rosa Rauschen aus Meer und Wind. Alle Wale am Land sind verstummt. Der einsame Hahnenwecker aktiviert den dialogischen Katzenwecker. Wie still erst Femto gewesen sein müsste.

Femto, das atlantische Femto, im Stillsten Ozean.

International (4)

Auf den Azoren sind die Bänke in den Parks belegt. Paare (nicht nur die ganz jungen) kommen zu ihnen. Weil sie sich eben küssen müssen.

Die Welt ist nicht ganz verloren.

International (3)

Auf den Azoren sind die Ploteggs lila. Ein wahrlich internationalistisches Statement.

International (2)

Airport-Lounge. Warum eigentlich benehmen sich die Menschen an sämtlichen Lounges dieser Welt so gekonnt international? Außer halt in Wien, aber das sind wir ja gewöhnt. Die Russen werden’s sein. Und die Wiener.

International (1)

schweden schweden
schweden schweden jeden
schweden schweden jeden berg
schweden nennen jeden berg schwedenberg
schweden nennen jedes messer schwedenmesser
schweden essen messer
Ernst Jandl

Lissabon. Der schwerhörige Stotterschwede am Nebentisch (dem Schwedentisch) isst Pizza Hawaii: The world in a nutshell.

ausgekocht

»Die verdächtigen Autobusse wurden in die Brühfalle der Landesregierung gebracht.«
Radioreport, Steiermark (Transkript)

Wäre der angebrachte Verdacht in helvetisch-kantonalen Zonen vorgefallen, die Busse müssten wohl, im Fall der Vergehensverdacht erhärtete sich, strengste Busse zahlen. Wessen die Busse verdächtigt wurden, lässt sich allerdings aus einer derart isolierten Meldung nicht so leicht rekonstruieren. Es muss sich um den Verdacht einer Dekonstruktion handeln, besteht der Verdacht.

oral history

Viele Traditionen werden nur mündlich weitergegeben, wie zum Beispiel die Züchtung der Lipizzaner, (…), von den Bereitern bis zu den Eleven.
Leporello, Radio Österreich 1

Vergnügt stellen wir uns vor, wie Manfred Deix diesen Aussagesatz wohl bildnerisch umgesetzt hätte.

Wartender

Kern soll in China Türen öffnen
orfon

Türe immer schließen!
Türaufschrift, Österreich

Ob es sich hier wirklich um eine sinnvolle Aufgabe für unseren eloquenten ehemaligen Bundeskanzler handelt? Ist doch im Hochtechnologieland China das – automatische! – Öffnen (und Schließen) von Türen aller Art eine längst beherrschte Fertigkeit, die kaum zusätzlich Wartender bedürfen dürfte.

Was indes in China (und sonstwo, in Afrika etwa) weniger gelöst erscheint, ist, wie mit umgefallenen Fahrrädern und insbesondere Reissäcken zu verfahren ist. Ob eine derartige Sisyphosarbeit die Kernaufgabe sein könnte?

beware!

Mann aß Eichhörnchen und starb
derstandard.at

Das Eichhörnchen auch. Vor seinem Tode sei der Mann (61) Hobbyjäger gewesen, erfährt man, und er habe auch Eichhörnchen erlegt.

Merke jedoch: Etliche Männer (Frauen auch) haben zeitlebens kein Eichhörnchen (od. dergl.) gejagt noch gegessen. Und sind dennoch gestorben. Man fühle sich also nicht allzu sicher, als Nicht-Hobbyjäger.

DuSie

Sie können Ihre Meinung jederzeit ändern, indem Sie auf den Abmelden-Link klickst, den Sie in der Fußzeile jeder E-Mail, die Sie von uns erhältst, finden kannst, oder indem Sie uns unter k…..@k….y.org schreibst. Wir werden Ihre Informationen mit Sorgfalt und Respekt behandeln.
Newsletterdeutsch

Könnte man sich eine derartige Allehineinnehmpragmatik nicht auch fürs korrekte Gendern zurechtlegen? Weiter so, kommen wir schlussendlich zu einem neuen, zeitgemäßen Esperanto, finaler Selbstlähmung jedweder Sprache.

Wohlan, lassen Sie uns also Ihre Meinung jederzeit (gerade heutzutage) änderst.

ausgepicht

Jener hochbetagte, angeblich demente Rentner, der unlängst bei einer Suchaktion, die er selber per Mobiltelefon ausgelöst hatte – er fände nicht mehr heim, setzte er ab –, nicht gefunden werden konnte, indes er aber plötzlich mit einem Korb frisch gefundener Pilze vor der Haustür aufgetaucht war, ist, zumindest in diesen, wesentlichen, Dingen als alles andere als verwirrt oder dement zu bezeichnen. Verwirrend, das ja. Und gehört sich das doch so für einen ausgepichten Schwammerlsucher. Einen Teufel täte der, seine besonderen Platzerln zu verraten.

Wir brauchen, alle, mehr Verwirrung.

sturmreif

Schülergruppe von Wespen attackiert
orfon (Samstag)

Schülergruppe von Hornissenschwarm attackiert
orfon (Montag)

Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine konzertierte Aktion aggressiver Monarchisten handelt. Zunächst kommen sie von oben, machen uns mürbe. Als nächstes kommt die Invasion der Feuersalamander. Und dann aber!

Nehmen wir uns in acht.

Aaah!

Entspannungstraining in der Reha-Klinik. Die Mutter begehrt auf gegen die Säuselmusik: Bei sowas könne sie sich nicht entspannen, das spielen sie am Friedhof zur Verabschiedung, wenn sich die Türflügel, wie von Geisterhand bewegt, pietätvoll-langsam schließen.

Streng genommen ein Verweis auf jene finale Entspannung, der wir doch alle entgegenziehen.

katholisch machen

Inspirative Arbeitszeit im Kloster. Ich bringe ein Notenstück, das ich zur Korrektur durchsehen muss, ins Büro zum Ausdrucken, die freundlichen Damen sind wirklich sehr hilfsbereit. Zur Ausführung des Drucks erscheint eine Dialogmaske auf dem Bildschirm, und es wäre die reine Routine, das Dokument einfach auszudrucken, wenn da nicht, als auffälligste Schaltfläche, die offenbar zentrale Option »KONVERTIEREN« stünde.

Ich überlege kurz – es ist ein Stück nach Mahler, komponiert nach 1897 – nein, nicht nötig. Was aber geschieht mit einem Bach-Choral? Einer Schütz-Motette? Cage? Und was, wenn ich Eigenes bringe?

Die sind schon ganzschön hinter einem her.

Wolkendichter

Gegen Nachmittag werden die Wolken Dichter
orfon

Große Wolken, kleine Wolken, große Dichter, kleine Dichter.
Und das Dazwischen.

Kann sein, es wird eng.

Staubstufe

Mars-Rover ›Opportunity‹ nach Staubsturm verstummt
orfon

Forscher suchen indes nach weiteren Opportunitäten (Anwendungsgebieten) von gezielt zu evozierenden und zu plaçierenden Staubstürmen, Verstummstaubstürmen.

Als Posaunist, der sein Instrument bei praktisch jeder Witterung problemfrei anzublasen vermag, weiß ich bescheid. Selbstredend stehe ich als Berater gerne zur Verfügung.

fad

Großes Glück hatte ein Bauarbeiter im oberösterreichischen Wolfern: Der Mann war gestern in einer Baugrube bis zum Kopf verschüttet worden.
orfon

Wieder eine dieser schönen Glücksmeldungen, wie sie einem in aller Regel und ohne viel Suchen im Chronikteil entgegenspringen – wenn man Glück hat. Solche Meldungen wären pädagogisch wertvoll einsetzbar: »Lies nicht weiter, sonst folgt möglicherweise eine allzu fade Pointe!« (Die – pah, glückliche! – Errettung.)

Wir wollen doch alle ein spannendes Leben leben. Bis über den Kopf.

Ekliptisch

Lady Sunshine und Mister Moon
können gar nichts dagegen tun,
dass sie am Himmel sich niemals trafen,
denn wenn er aufsteht, dann geht sie schlafen.
Berühmter Schlager

Beim Eduscho bedient mich Frau Nachtnebel. Unwillkürlich (wann ist je einem etwas willkürlich eingefallen, bei Prüfungen etwa?) fallen mir die beiden oftmalig gegenseitig erzählten Witze aus Unterstufenzeiten ein, warum Chris Lohner und Karel Gott bzw. Liza Minelli und Niki Lauda nicht heiraten könnten: Die allzu lustigen Namenskombinationen in Zeiten patrilinearer Namensvererbung waren’s; Niki Minelli nämlich hätte durchaus Charme gehabt, Charme für einen per definitionem uncharmanten, woran seinerzeit auch dieses Projekt scheitern musste.

Ich stelle mir, streng unwillkürlich, eine Romanze zwischen meiner Frau Nachtnebel und Herrn Herrgottsfrüh vor. Leider, leider, können sie zusammen nicht kommen:

… wenn sie auch träumen von einem Märchen,
ein Pärchen
werden sie nie.

Größeres Bitte!

Datenskandal: Höchststrafe für Facebook in GB
orfon

An sich stellt man sich ja vor, dass die von Facebook eh alles locker aus der Portokassa zahlen können. Dass man sie aber in GB davonkommen lässt, muss eine nun aber doch reichlich mager erscheinen, irgendwie ziemlich Nullerjahre. TeraByte, PetaByte, was gäbe es da noch, für FB angemesseneres? Ah, ich lese gerade nach, ganz oben (nach Zetta-) wären da die YottaByte (YB).

Man wird sich dringend um Größeres bemühen müssen.

verhaftet

»The Avengers« (warum es in deutscher Fassung ausgerechnet »Mit Schirm, Charme und Melone« heißen musste, erscheint wenig nachvollziehbar) oder andere umfangreich edierte Staffeln alter Fernsehserien anzuschauen wäre ja eine schöne Abendunterhaltung, wenn man nicht nach jeder Folge die Wohnung gründlich durchlüften müsste. In Schwarzweiß qualmen sie scheints noch mehr; jedenfalls bleibt der SW-Rauch hartnäckiger haften, in Gardinen, Teppichen und Bettzeug.

markiert

»Ihre Postleitzahl, bitte!?«, fragt, fordernd, wenn auch freundlich, die IKEA-Kassierin zum Abschluss des Zahlungsvorgangs. Und alle geben sie bekannt, ohne Zögern, die Antwort kommt, wie beim Abprüfen des Kleinen Einmaleins in der Volksschule, unverzüglich und prompt, als würden sie alle die Hacken zusammenschlagen (wenn es so etwas noch gäbe).

»4711«, sage ich, wie beiläufig, die Kassierin nickt und dankt.

4711, das müsste in Österreich zwischen Gries- und Waizenkirchen liegen; es gibt jedoch kein Postamt (und auch keinen Postpartner) mit einer derartigen Duftmarkierung.

PS: Christkindl hat 4411. Alle Jahre wieder. (Hat auch mit BigData zu tun.)

Höllenpapagei

»This is an ex-parrott.«
Monty Python

»Wie schaffen Sie es eigentlich, dass Sie jedesmal, wenn wir uns treffen, noch hässlicher aussehen?«
(aufgeschnappt bei Harry Rowohlt; nunmehr: Der Satz von Rowohlt)

(Schönheit und ihre Gegenteiligkeiten haben nichts mit Naturgegebenheit zu tun, sondern damit, was jemand aus seinem Typ macht, mehr also mit der Soft- als mit der Hardware; und ihren lebensabschnittgemäßen Updates.)

Natürlich würde er niemals irgendwem gegenüber eine derart gehässige Frage aussprechen. Dass ihm jedoch jedesmal, wenn er die Person sah, unweigerlich Der Satz von Rowohlt in den Sinn kam, konnte er nicht gänzlich (also gar nicht) abstellen. So dezent wie möglich sondierte er, wem im Raum wohl eben ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen (treffender: schossen). Bei all dem heimlichen Vergnügen war es jedoch alles andere als ein Genuss, eher ein schmerzlich-lustvolles Blickenmüssen von der Art, dass man sich, ungewollt, beständig der Begründung eines dergestalten Grauens versichern musste – ähnlich dem Nachschnoferlnmüssen nach erstmaligem Erwittern eines grob unangenehmen Geruchs (Katzenpisse etwa; jedoch ohne dieses wohlige Erschaudern): Sinnigerweise näherte man sich mit Lichtgeschwindigkeit der Kritischen Masse in der Raumzeit.

Ob er also, sollte es sich zur Abwendung größerer Schäden (Augenkrebs…) als tatsächlich nötig erweisen (sämtliche gelinderen Mittel wären ausgeschöpft), den Mut aufbringen können und endlich den Mund aufreißen würde?

Der Schrei muss so entstanden sein.

Warte nur, balde

Schwalben werden seltener
orfon

Ist ja doch mit den wenigen auch schon genug Sommer.

(Weit gefehlt.)

Beste Protektion?

Evangelische Kirche Wien: Geist neuer Superintendent
orfon

Da hat jetzt eine Konfession einen entscheidenen Wettbewerbsvorteil. Man muss allerdings in Anschlag bringen, dass just mit Geist seit eh & je & heutzutage insbesondere hierlands und -orts nicht wirklich allzuviel auszurichten war und ist.

au ja

Zeitschrift »Aula« wird eingestellt
orfon

Damit wäre die Gefahr des knallhart angedrohten politischen Karriereendes für in der inkriminierten Postille veröffentlichende Einzelfäller hundertprozentig gebannt.

Neues Magazin im Herbst geplant
orfon

Titelvorschläge für das neue Magazin soll es bereits geben, diese müssten aber noch diskutiert werden, hieß es am Samstag.
orfon (Fließtext)

Hmm…

… ¿¡Gaula!? …

Das wäre unseren ehrhaft Treuen ein wohl wahrliches Wohlgefallen, außerdem (das Alter!) müssten sie sich nicht sonderlich umgewöhnen. Und der kurzgewachsene Fußballer als kompensativer Pferdemi(ni)ster hätte auch seine Freud’ – pardon! – Befriedigung.

Schließerei? Schlosserei?

Seilbahn am Zuckerhut wegen Schießerei geschlossen.
orf

Wenn ich Schießerei lese, durchzuckt’s mich, unweigerlich. Schluss damit!, und um Längen besser lebt sich’s, in allen Breiten, zuckerfrei. Länger auch, bis zum Schluss.

Kombiniere

Den idealen Bikini zu finden, gleicht für viele einer Mammutaufgabe.
kurier.at

Ausdrücklich lobend erwähnt sei die kühne Kombination Bikini – Mammut, die den Poeten aus der Stylingabteilung da eingefallen ist. Indes, der geneigte Leser frägt sich, wo das Problem eher zu lokalisieren ist, beim Oberteil, beim Unterteil? Liegt es mehr an der Kombination? Am Dessin?

Oder handelt es sich um biotechnologische Schwierigkeiten? Die Klonfrage?

Fragen, Fragen, und wenn ich es mir recht überlege, auch ich habe meinen idealen Bikini bis heute nicht gefunden, eiere gerade einmal um die Badehosenfrage herum, auch das wahrlich eine Herkulesaufgabe.

Die Lösung muss die Weltformel sein.

honestly yours

(…)
Danke, dass Sie mit uns bankieren.
Du bist ehrlich,
Bank Bawag PSK.
zweifellos authentische Banknachricht

Selbstverständlich unterstehe ich mich nicht, keine korrekten Angaben oder eine vollständige Überprüfung anzugeben, ansonsten würde ja mein – inexistentes – Konto dauerhaft gesperrt.

Ich bin und bleibe ehrlich. Ehrlich. So glauben Sie mir doch schon!

Zug, wohin?

Josef K.
Zugbegleiter
Namensschild, ÖBB

Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.
Franz Kafka, Der Proceß

»I sogs glei, i woars ned«
Harald Sicheritz, Muttertag

Der – schön sprechen! – Schaffner indes war völlig arglos, als man ihn darauf ansprach. Woll’n wir – um seinetwillen! – hoffen, dass es eine curiose Verwechslung war, merke: Verwechslung, nicht Verwandlung.

Was täte man, träfe man in ähnlicher Situation auf Gregor Samsa? Könnte man ihn warnen, wappnen? – »Vermeiden Sie unbedingt übergroße Nudelportionen spät am Abend, damit sie keine unruhigen Träume heimsuchen!«?

Es hülfe einzig generelle Schlafvermeidung. Oder Nichterwachen.

Karacho

Kassenreform laut Hofer auf der Zielgeraden
orfon

»Wir öffnen in Kürze Kassa 3 für Sie.«
(oder, wahlweise)
»Kassa 3 schließt in Kürze. Bitte nicht mehr auflegen!«
Hofer

Freie Fahrt auf Pannenstreifen ab Juli
orfon

Frage: Gibt es beim Hofer eigentlich einen Pannenstreifen? Bei welchem?

(Rettungsgasse?)

Schnabeltier

Das Thema sei doch längst schon sowas von breigeschrieben, meinte, sich freudsch vertippend, der eine.

Well, das mag sein, beweist aber nichts gegen … (hier setze man, strikt nach persönlichem Gusto, das jeweilige Thema ein): Wurde doch gerade das Schnabelhäferl dafür erfunden (wurde es erfunden oder handelt es sich nichtvielmehr um die folgerichtige Hervorbringung der Produktevolution?), breiige Konsistenzen einnehmbar zu machen – eine wertvolle, oftmals überlebenswichtige Ernährungszufuhrüberbrückung, bis halt der Patient wieder Festes (Was Ordentliches) zu sich nehmen kann.

Schon kurios, dass diese Vorausentgegnung ausgerechnet von einem Protagonisten der Generation Smoothie gebracht worden war.

Gaumenglück

Es ist die Kombination aus Fett, Zucker und cremiger Konsistenz, die das Gaumenglück bewirkt.
derstandard.at

Gaumenglück, danke für das schöne Wort!

Ich erinnere mich an ein Stück von Oskar Mörth, das wir vor Jahren mit dem improviserenden Vokalquartett Timbre gesungen haben. Er hatte es »Ohrenblitz« genannt.

Jetzt warte ich noch auf einen dritten ähnlich … ähm … griffigen Begriff, und wir machen eine Suite. Oder, barocker, etwas sechssätziges, für Aug & Ohr, für Gaumen, Nase und zum Spüren. Letzterem sind dann zwei Sätze gewidmet, spüre ich irgendwie, und der sechste (der zweite Spür-) Satz wird ähnlich proportioniert zu den anderen fünfen sein müssen, wie beim Lied von der Erde.

Auf für Thermorezeption, Gleichgewichtssinn, Tiefensensibilität und Schmerzempfindung fällt mir noch was ein, weiters dürften die erstaunlichen Sinneswahrnehmungen gewisser Tiergattungen äußerst inspirierend wirken.

Es ist ein einziges großes Welttheater. Was für ein Fest, und es beginnt mit dem Gaumenglück.

Bis dahin schnell einen Riegel Schokolade, Noisette, schön cremig.

zweimal täglich

Je größer der Penis, desto höher ist das Selbstverstauen.
Werbewahrheit

Nöte gibt’s, und manche streben sie durch Einreiben an.

Nieten

Kein Sechser bei Lotto ›6 aus 45‹
Keine verborgenen Kammern bei Grab von Tutanchamun
orfon

Tut das gut, jederzeit topaktuell informiert zu sein!

Lasset uns also nun die beiden Aussagesätze genauer betrachten, sie widersprechen sich nämlich selbst, binnen weniger Silben zumal.

Zum Ersten nämlich ist sehr wohl ein Sechser in ›6 aus 45‹ enthalten, gleichermaßen ein Vierer, ein Fünfer sowie, nicht zu übersehen, ein Fünfundvierziger.
Zum Zweiten: Sollten eine oder mehrere Kammern beim Grab des allzujung verewigten Pharaos verborgen sein, dann würden wir das ja nicht wissen. Umgekehrt ließe sich eine entdeckte Kammer nur schwerlich als verborgene apostrophieren.

Haben wir es also hier wie da mit astreinen Nieten zu tun.

Sehr super.

Generell gilt: Alle Angaben ohne Gewähr.

überführt

Stichhaltige Gerüchte gebe es, sagt ein Klubobmann. Mehr eh nicht. Aber das genügt ohnehin, und diesen, wie hieß es, gewissen Kreisen, wird man schon noch beikommen. Sind einmal die stichhaltigen Gerüchte da, kommen die fadenscheinigen Beweise wie von selbst. Und dann haben wir euch, endlich.

Man fühlt sich zunehmend so beunruhigend sicher in diesem Land.

Am Abend ein gigantischer Meteorit über Graz. Aber sie kommen mittlerweile auch schon bei Tage. Was heißt mittlerweile: Seit eh und je!