Rekordernte bei Äpfeln und Birnen
orfon
Die Birnen sind um noch mehr mehr geworden als die Äpfel. Man soll sie aber, bitte, nicht vergleichen. Niemals. Darf man nicht.
Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)
Rekordernte bei Äpfeln und Birnen
orfon
Die Birnen sind um noch mehr mehr geworden als die Äpfel. Man soll sie aber, bitte, nicht vergleichen. Niemals. Darf man nicht.
Studie: Wo der Apfel herkommt
orfon
(Auf ebenem Untergrund wohl nicht weit vom Stamm.)
Will heißen: Wir entkommen ihr nicht, unserer Herkunft. Das mag für lange Lebensjahre ein quälender Gedanke sein; schließlich versöhnen wir uns, in echt. Macht vieles leichter, und das Leben ist so schon hart genug.
Weich, das auch. Es gilt, zur rechten Zeit hart und zur rechten Zeit weich sein zu können, zu wollen.
Wildschweine gehören in Lainz zu den ökologischen Problembären
Bildunterschrift, orfon
Im Lainzer Tiergarten erschießen Jäger Wildtiere in großer Zahl, weil sie das ökologische Gleichgewicht gefährden.
Artikelanfang, orfon
Jetzt, wer? Und, ich wiederhole (wir müssen an den Ursachen schrauben): Wodurch?
Rolltreppen zu Christus-Statue in Rio sorgen für Streit
orfon
Ach, diese Rolltreppe!
Hanna Schygulla zugesprochen
Geht es immer weiter?
Es geht immer weiter.
E-Bike-Boom hält an
orfon
Das bedeutet: Er geht weiter. Wohin das noch führen wird?
Es geht immer weiter.
Geht es immer weiter?
Kann vorkommen, man muss niesen. Wär aber schad, das stylische Mundnasenfetzerl mit ungustiösem Auswurf zu verunreinigen: Wir husten in die Luft.
So verteilt sich alles gerecht, im Zug, im Bus, in der U-Bahn.
[30.6.2020]
Zurückdenkend dereinst wird sich wohl herausgestellt haben, dass für die allermeisten Menschen das obligatorische Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes als überzogene Maßnahme zu bezeichnen ist; ein gewöhnlicher Maulkorb (für Möpse passende Modellreihen dürften über die bestgeeigneten Konfektionsmaße verfügen) hätte es durchaus auch getan. Eine Lockerung der Verpflichtung zum permanenten Tragen dieses erwiesenermaßen wirkungsvolleren Schutzes wäre aber kaum je wieder zuzugestehen gewesen. Und gegen das Kratzen mit den Klauen hilft er halt auch nicht.
… Leinen (paarweise)?
Paare schlafen besser gemeinsam
Behauptung 1 (Schlagzeile), orfon
Paare schlafen gemeinsam besser, weil sie dadurch längere erholsame Traumphasen haben.
Behauptung 2 (Teasertext), orfon
Jetzt sollen wir vom breitstreuenden orfon auf die forderndere Wissenschaftsseite hinüberklikken. Wollen sie. Es genügt aber bereits der Abgleich von Schlagzeile und Kurztext, um dem folgend zu Lesenden eine unsaubere Wissenschaftlichkeit attestieren zu müssen. Sie ergründen jedenfalls zwei Aspekte des Miteinanderschlafens, die wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Indes, wir spüren den kalten Hauch der großen Regierungspartei, wie das halt so ist bei staatlichen Leitmedien: Sie setzen den moralischen Impetus (Behauptung 1) zuoberst.
Was es mit den erholsameren Traumphasen auf sich hat, ob sich die beiden etwa genüsslich wegträumen, darüber woll’n wir nicht weiter spekulieren.
Spekulieren, speculum, Spieglein an der Wand … spiegeln, die narzisstische Art sichselbst zu verdoppeln.
Grundsätzlich jedoch gilt: Wer allein schläft, kann nicht als Paar bezeichnet werden. (Bei Würschtln nennt man sowas Einspänner.)
Grimming, Südkrater (gesehen von Osten)
topographische Beschreibung
Heuer machen wir Urlaub in Österreich.
Uns zieht’s ganz tief ins Österreich!
Ganz tief ins Österreich zieht’s uns!
Wir machen heuer Urlaub in Österreich!
Ins tiefe, tiefste Österreich!
Urlaub, das kommt von Erlaub, sagt der Papa jedesmal (jedesmal mehrmals), wenn er Urlaub hört.
Urlaub, ach!
Männer sterben häufiger an Covid-19 als Frauen
orfon
Gemäß einem Agentenfilm ist die Anzahl der persönlichen Leben auf lediglich zwei limitiert, jedenfalls für männliche Geheimdienstagenten, und das sind wir doch alle, in eigener Sache. Für’s Sterben jedoch gilt: Jeder bitte nur ein Kreuz. Und die Damen dürfen zusehen.
Katzen wiederum müssen sieben Tode haben.
Es war ein vertrautes, merkwürdig herbeigesehntes Ritual bei jedem Besuch: die kalkulierte kulinarische Katastrophe im lokalen Caférestaurant, bestellt aus einer Speisekarte, die schon auch einen Crashkurs in Italienisch hinter sich hatte. Es faszinierte irgendwie, wie die freundlichen Leute in der Küche eigentlich recht ordentliche Zutaten derart vernichtend zuzubereiten vermochten. Er musste wohl, von ihm selbst unbemerkt, allein deshalb jedesmal wieder Pizza bestellt haben, um diese Speisenzumutung endgültig umfassend bezeichnen zu können. Nun war es soweit, es schoss ihm regelrecht ein: Fertigteilpizza! Heureka! Das war es! Eternit auf Resopal mit Linoleum, darauf Lego mit Wettex.
Er war schon nahe daran gewesen, kam ihm, erkennend, in den Sinn. Am Vorabend das Gespräch mit dem Geschäftsführer der Sprengstofffabrik musste nun, koralmtunnelsynchron, den Weg zum Durchstich endgültig freigeräumt haben.
Ab dem nächsten Mal würde an den Nudeln gearbeitet. Endlich. Und wer weiß, würde er gar Hinweise auf die sagenumwobene Zentralküche aufschnappen können, in der alle (sämtliche) steirischen Nudeln verkocht (zerkocht) werden? (Die Quelle des Nil war dagegen nichts.)
Hagelforschung zum Mitmachen
orfon
Ja, bitte, ich möchte endlich auch das Hageln erlernen! Hageln! Das echte, jenseits von Beschwerdebriefen und -emails, die es, in Briefform, stets waschkörbeweise zu hageln pflegte. (Die englischen Fotomodelle aus der Kronenzeitung ihrerseits bekamen w.körbeweise Fanpost, ach!)
Es wird Zeit, endlich das Genre der Wetterkritik als vollwertige Literaturgattung anzuerkennen. Gibt der berühmte Mime auch vor, sich nicht für das unsägliche, inkompetente Kritikergeschreibsel zu interessieren: Das behauptet er nur. Und wir, die Rezensenten, gewinnen einen unnennbaren Einfluss. Diese Chance muss bitte genutzt werden!
Putzroboter reinigen oft schlampig
orfon
Es gibt Reis
Helge Schneider
Wie wir gelernt haben, impliziere das Wort Luder ein (versachlichtes) Femininum. Aber Halt! Heißt es nicht Roboter, der? Denn die Ursache unsachgemäßer Reinigungsarbeit, die zu berechtigter Unzufriedenheit und, bei forschendem Pioniergeist, in der Folge zur Optimierung Anlass gebe, muss wohl darin liegen, dass Männer schlicht nicht so gut putzen können: Sie sind von der Natur nicht dafür vorgesehen; kleinere – weibliche – Hände kommen doch wesentlich besser in Ecken, Zwischenräume, Verschneidungen.
Es wird also Zeit, dass endlich morphologisch weibliche Putzroboter entwickelt werden, Roboterinnen, Robotinnen (wie immer es korrekt heiße). Irgendwo muss doch so eine Roboterrippe sein, aus der man das bastle.
Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.
George Best (1946-2005), Fußballkünstler
Ausgezahlt werden 1000 Euro im Monat, wobei die Zahlung in Raten erfolgen soll.
Künstlerische Unterstützungsankündigung
Wenn man einem Kunstschaffenden zuviel auf einmal in die Hand gibt, stellt er damit nichts an alswie einen Blödsinn, ganz sicher kommt nichts Vernünftiges heraus.
Nun raten wir, aus welchem Gebinde in was für einer Frequenz das Förderfüllhorn über 15.000 Menschen ausgeschüttet werden soll:
• Gießkanne (Modell Friedhof), d.h. wöchenlich: 250,00 €/Woche
• Gießkanne (mit Rosette), d.h. täglich: 33,33 €/d
• Pipette, d.h. stündlich: 1,38889 €/h
• Zerstäuber, d.h. sekundengenau: 0,000386 €/s
Man wird, so hat es sich bewährt, den Verwaltungsaufwand hoch zu halten wissen. So sichert Kunst zuverlässig Arbeitsplätze.
Kunst ist unvernünftig. Muss es sein.
In front of the train is the First Class
Zugdurchsage (InterCity, Innsbruck – Graz), ÖBB
Die Letzten werden die Ersten sein
Je nach Position (vor/nach S.) mehr/weniger beliebtes Bibelwort
Der Schreiber dieser Zeilen, als Fahrgast, saß im Zug ganz hinten. Aber nur bis Selzthal. Bekanntlich stürzt in Selzthal alles: Das Zuunterst wird zum Zuoberst und das Zuoberst zum Zuunterst. Und die Vorersten werden die Hinterletzten. Bahnmäßig ein einziges Weltgericht, und manchmal auch in Bischofshofen.
Komfort bedeutet letztlich Tröstung, Trost.
Ich schränke schon alles ein
Otto Schenk (90)
Aber, bitte, irgendwas Uneingeschränktes soll schon noch bleiben, und es sei noch lange, maßlos lange bis bis zuletzt.
Das Mundgefühl ist unauffällig
Verkostungsnotiz (positiv)
Hat da jemand destilliertes Wasser getrunken, lauwarm? Was wäre das auch, auffälliges Mundgefühl? Frisch gepierct Diana gurgeln? Schweizerkracherzigarre?
Wenn man beim Zahnarzt eine Lokalanästhesie bekommt, kann man nicht mehr seinen Speichelausfluss kontrollieren. Abgesehen von der segensreichen Wirkung der Betäubung mag ich sowas nicht.
Betrunkener nackt von Polizei aus Wiener Donaukanal gerettet
derstandard.at
Als sehr löblich ist der sorgsame Umgang mit der nicht billigen, hochqualitativen Uniform zu bezeichnen; dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob nicht, da Gefahr im Verzug, ein beherzter Sprung (bekleidet) des Organs dem Ziel (der raschestmöglichen Errettung des Betrunkenen) dienlicher gewesen sein könnte.
Indes, es ist alles gut.
Billa ebnet österreichischen Puten den Weg in die Supermärkte
derstandard.at
Es wäre ein unerträglicher Gedanke, die armen Tiere müssten über Stock und Stein hinein in die Truhe. Merke: Die Kühlkette ist so kalt wie ihr wärmstes Glied.
Im Sommer kann es ganz schön heiß werden.
Wer durch einen Blitzeinschlag stirbt, muss schon ordentlich Pech haben. Die Wahrscheinlichkeit, bei Olympischen Spielen die Goldmedaille zu erringen oder ein Super-Model zu daten, ist ungleich höher.
kurier.at
Eschatologisch gewähnt, hätte der bedauernswerte angewandte Stochastiker (ein konservativer Politiker!) nun alle Chancen, auch noch die anderen beiden Aufgaben zur erstmaligen Erlangung eines veritablen Wahrscheinlichkeitshattrick(s) zu lösen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir davon erfahren, muss als gering bewertet werden – aber eben dieses Ende der Skala ist ja der Reiz aller passionierten Stochastikadepten.
Bleibt noch die Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Olympiasieger/Supermodel durch Blitzschlag ums Diesseits kommt (im Stehen, beim Wasserlassen, an einem Strommasten)? Welche Disziplin?
Zunächst das Wetter, von und mit Verena Schöpfer
Verkündigung, Radio Österreich 1
Wir haben es, wissend, geahnt: ER ist eine Frau.
Anbei schicke ich Ihnen unser Coronainformationsschreiben. Mit der Bitte um Unterfertigung und Rücksendung im Namen ihres Vaters!
Anschreiben
Damit das Tageszentrum für Demenzkranke wieder seinen Betrieb aufnehmen kann, brauchen sie die rückversichernde Erklärung, dass sich die Besucher an alle vorgegebenen Verhaltensweisen halten werden. Dafür garantiere ich und unterschreibe Im Namen des Vaters. Und auch in meinem, des Sohnes. Und bin begeistert, dass er endlich wieder hindarf.
Was dort geschieht, ist so vielfältig hilfreich.
Nachtsittich sieht nachts nicht gut
orfon
Nachtsichtlich Nachsichtiger pass auf, vor allem auf alle schwarzen Katzen!
Nürnberg und Wien: Brüder für immer
Graffito, Wien-Floridsdorf
Jetzt wollen wir aber wirklich wissen, wer die stolzen Eltern sind bzw., vermutlich wohl, waren. Und was zuerst war, das Nürnberg oder das Ei? Das Wien oder das Würstl pardon Schnitzl?
Jeder Dritte blinkt nicht
orfon
… und vorwärts – rückwärts – seitwärts – stopp!
beliebter Marschiervers
Die Behauptung mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig erscheinen, aber nicht erst heutzutage gibt es Verkehrsteilnehmer, die durchaus auch mal, stiff upper lip, schlicht geradeaus fahren.
Die dürfen das!
(Dies zum kürzlich stattgehabten 75er von Wolfgang Schüssel.)
Großrazzia gegen Camorra in Neapel
orfon
Bei dieser Meldung kann es sich nur um eine Ankündigung handeln. Müssen schwer aufpassen, die Camorristi, die nächste Zeit.
Bald haben sie sie, alle.
Alle lebenden Ex-US-Präsidenten verurteilen anhaltenden Rassismus
kurier.at
Danke, liebe Ex-Präsidenten, für Ihre löbliche Intitiative. Ist sicherlich gut gemeint. Dennoch, bei dem ungenannt bleibenden Adressaten muss sie als, nunja, etwas ungeschickt eingefädelt erscheinen. Ist es doch ein billig verfügbares Dumpfargument der Demagogie, dass, wieviele Menschen immer sich etwa zu einer Manifestation versammelt haben mögen, dies nichts sei gegen jene, die ihre Meinung zur öffentlichen Streitsache durch ihr Daheimbleiben aktiv kundgetan hätten.
Wir halten beim 45. Präsidenten der USA; 4 Ex-Präsidenten leben noch.
Schaut nicht gut aus.
Fixtarife für Taxi und Uber in Wien nicht fix
orfon
Nichts ist fix: Fichts an!
Frau versuchte Pferd zu stehlen
orfon
In früheren Zeiten gab es noch gedruckte Heiratsannoncen, die waren nicht dynamisch, gnadenlos algorithmisch aussiebend. Für eine gewisse Alterskohorte fungierte die Suche nach einem Partner zum Pferdestehlen als fixe Wortschablone, mit der auch weniger originelle Werber sich verwegen fühlen durften.
Die bedauernswerte Dame hat einen solchen Partner ganz offenbar noch nicht gefunden. Sämtliche notorisch ungezählten Verehrer werden sich für einmal bestätigt fühlen, und hier dürfen sie’s, ohne alle Einschränkung.
Merke: Das rechtsfreie Entwenden von Gäulen geht ausschließlich zu zweit. (Bereits zu dritt kann’s schon wieder schwierig werden.)
Neuer Koala im Tiergarten Schönbrunn
orfon
Ach, war der alte kaputt?
Dieses Projekt hat keinen Nutzen, es hat Sinn.
Philipp Harnoncourt (1931-2020)
Man stelle sich vor: Ein Mensch stellt sich mit über Achtzig eine Aufgabe, die gut ein Jahrzehnt immense Kräfte von ihm fordern wird – und er bringt sie auf! Heute feiern wir die Fertigstellung der renovierten Heiligen-Geist-Kapelle inmitten des Verkehrsstrudels von Bruck an der Mur, »ein Pfeil, der in den Himmel zeigt«, wie Philipp das so typisch plastisch benannt hat.
Dass er nicht mehr dabei sein kann, erinnert daran, wie seinerzeit Moses (also Charlton Heston) nur von einer Anhöhe hinabschauen, aber selber nicht ins Gelobte Land ziehen durfte, darüber eigenartigerweise nicht grob unzufrieden war, sondern befand, dass das schon passe so. Sollen die Jüngeren weitermachen.
Philipp ist nun gut übern Berg, und wir haben die Mühen der Ebene. Im lebendigen Gedenken an seine Person und Persönlichkeit wird es uns vielleicht gelingen, den Sinn zu erkennen. Mit allen Sinnen.
Wer nicht bereit ist, sich bloßzustellen, oder wer immer nur ein gutes Bild von sich selbst darstellen möchte, sollte besser schweigen.
Philipp Harnoncourt (1931-2020)
Philipp, Mutmacher du auch. Und was für einer!
(Es gibt Menschen, die einen für sich entdecken und solange mitheben, wie man von Vorteil für sie ist. Hernach allerhöchste(n)s Achselzucken. Eine gläserne, zugleich dumpfelastische Decke richtet’s, und sie bleiben unbefleckt: Es ist doch nichts passiert. Herkunft perpetuiert sich in ungeschriebenen Codes, und manch einer riecht nun einmal nach einem minderwertigen Stall. Parvenus des Geistes, alle, woimmer sie sitzen, gesichert von und vor ihresgleichen.)
Philipp Harnoncourt war mir in den letzten zehn Jahren ein im allerbesten Sinn kompromissloser Freund. Ein so aller Dünkel barerer ist schlicht unvorstellbar.
Es ist ein ehrenhafter, traurig-schöner Freundesdienst, wenn ich heute für ihn spielen darf, da wir ihn in Grundlsee zu Grabe tragen. Die lebendige Erinnerung an seine unvergleichliche Präsenz wird wohl mein Spiel unterfüttern, durchaus auch, was den Aspekt seiner Eigenwilligkeit, ja Schalkhaftigkeit betrifft – hat Philipp sich doch stets gern mit seinem Patron Philipp Neri identifiziert, in dessen Gedenktag er – man möchte sagen: so elegant – hineingestorben ist.
Ich indes darf zutiefst dankbar sein für eine wunderbar leichte gleichwie ernsthafte Freundschaft, die Philipp und mich verbunden und vielfältig inspiriert hat.
Wozu und vor wem also bitte sich genieren?
Wärmster Tag in argentinischer Arktis seit Aufzeichnungsbeginn
orfon
Keine Sorge, die Welt wurde bald nach der Lancierung der einen gefrieren machenden Meldung raschest wieder umgepolt.
Und, hat’s irgendwer gemerkt in seinen Beinen? Na dann.
Rendezvous der heimischen Asse
orfon
Das Wesen eines Asses ist, dass es, zu seiner Gestehung, keines Gegenübers, gar Miteinanders bedarf: Es geht, bodenauf, ins Leere. Jedwedes Gegenüber, Partnerschaftliches, nichtet (annihiliert) alle Asse.
Irgendwie ist es eine sehr traurige Vorstellung, all die Asse, jedes trifft und Keiner trifft Keinen.
[25.5.2020]
Was werden wir gelernt haben? – Infiziert, nicht infesziert; Karantäne, nicht Gwarantäne. Sowie: Die Bezeichnung Corona (Koron) für eine Fermate war so antiquiert nicht; eine Koron kann das Verweilen auf dem sie überkrönenden Ton, Akkord und insbesondere Tacet als Verweile-doch-du-bist-so-schön-Moment des Innehaltens weit über die Dauer eines sich einem tiefen Atemzug verdankenden Langaushaltens übersteigen. Insbesondere im gegebenen dritten Fall kann das bedeuten: Wochen, Monate, Saisonen. Merke dabei: Die Dauer des Anhaltens (der Anhaltung) obliegt den jeweiligen Interpreten, falls vorhanden, Dirigierenden.
Jetzt aber wirklich weiter beim Doppelstrich. (Nächstens darüber mehr.)
[22.5.2020]
Bügelbretter werden vor allem im Herbst gekauft, weshalb man gegenwärtig noch keine Aussagen machen könne, inwieweit sich die Coronakrise auf den Umsatz des Unternehmens auswirke.
Saldo – das Ö1 Wirtschaftsmagazin
Hals-Nasen-Ohrenschützer, Bügelbrett, Bikinizone, Waschmaschinenbauch, Coronabund: Ein jegliches hat seine Zeit.
[22.5.2020]
Geisterfahrer fuhr 20 Kilometer in falsche Richtung
orfon
Was ein richtiger Geisterfahrer ist, der weiß stets, wie man sich als solcher zu verhalten hat, nämlich, stets korrekt in die falsche Richtung zu fahren. Alles andere würde doch jegliche Standesehre untergraben, aushöhlen, ad absurdum führen, also wirklich, in die richtige Richtung, wie könnte er sich da je offenbaren? Richtig falsch, falsch falsch, falsch richtig, (…). Wir bekommen es recht rasch mit einem doppelhelisch sich verschwurbelnden Zirkelschluss zu tun.
(Von einem Musikerkollegen haben sie einmal gesagt, das einzige, was er gut könne, sei, schlecht Akkordeon zu spielen.)
Es gibt allzu vielzuviele allzu gute.
[25.5.2020]
Neusiedler See trocknet zunehmend aus
derstandard.at
Mag sich mancher (in aller Regel reichlich passiv) eine abnehmende Zunahme wünschen, so haben wir es hier mit einer zunehmenden Abnahme zu tun. Galoppiert eine solche, braucht es zuallererst zunehmende Zufuhr, dann, nach und nach, zunehmend abnehmende Zufuhr, keinesfalls aber zunehmende Abfuhr, was kurioserweise im dietätischen Fall nicht Ab- oder Aus-, sondern Einlauf genannt wird, worüber es allerlei Witze gibt, die, je näher desto zunehmend bei Tische weniger geeignet sind, selbst wenn nur vier Erwachsene und ihre minderjährigen Kinder dort Platz genommen haben.
[22.5.2020]
Damit alle, die – maskiert – hineindürfen (also weit nicht alle), weiter herumfliegen können, müsse, zu aller Sicherheit, der Service im Flugzeug auf ein Minimum reduziert werden.
Dass es in diesen Dingen immer noch Einsparungspotenzial gibt! Bedenkt man, dass der Mittelsitz leerbleiben soll oder überhaupt vorne und hinter dir eine Reihe herausgenommen wird, müssen sie sich schwer überlegen, wie man es den verbleibenden Reisenden doch noch angemessen unbequem machen kann. Man könnte etwa tiefen- und höhenverstellbare Alulatten vor jedem Sitzplatz anbringen, die einen Zentimeter weniger Platz lassen, als das zuvor biometrisch vermessene Knie des jeweiligen Passagiers beanspruchen würde.
Wir waren, zuletzt, schon nah dran: Es gibt immer Luft nach unten.
[21.5.2020]
Niemand neuer Rektor an der Katholischen Privat-Uni
orfon
Auf ihre alten Tag’ greift nun also die Religion auf die Mythologie zurück. Vielleicht hilft’s ja.
[19.5.2020]
Ausgebüxte Schafherde frisst Garten kahl
orfon
Das Schaf ist nicht nur Rasenmäher sondern auch Gartenkähler.
Mmmääähhh!
[16.5.2020]
Möbelbranche verzeichnet Rekordumsätze
orfon
Gegenwärtig wird gewohnt auf Teufel komm raus: So gewohnt haben wir noch nie, seit Menschengedenken nicht, und selbst der Teufel bleibt daheim. Bei uns, soll heißen: in jedem Haushalt. Gewohnt.
In Wien gibt es für jeden Haushalt einen Gutschein für die Gastronomie.
Jetzt, wie?
[15.5.2020]
Mir schupft es das Blut eimerweise durch den Körper
Andreas Okopenko
Du spielst ein kleines Motiv, variierst es sinnreich, addierst deinem frühlingshaften Florilegium einen wohlklingenden Gedanken. Da passiert dir eine kleine, völlig unbedeutende Unreinheit im Ton, ein leichtes Bröseln, eine Bindung gerät etwas holprig und das Intervall ist nicht so sauber, wie du es gerne gehabt hättest und es jedenfalls sein müsste: Fehler! Um zu kaschieren, wiederholst du ihn, sie!, wörtlich, sinngemäß, in Paraphrasen, so gut es geht. Dadurch erscheint jetzt alles Erklungene wie genau so gewollt: ›Wenn du einen Fehler machst, wiederhole ihn dreimal, dann ist er richtig.‹ Diese Strategie hat als unfreiwillig verinnerlichtes Erbe der einst mehr durchlittenen Schule des Jazz in dein Spiel hineingewirkt, fein marmoriert, manchesmal auch gröber: nicht jeder hat immer das Zeug zum Kobe-Rind, und wer täte einen auch dreimal täglich wohlig und zielführend massieren, zu wessen Vorteil, der vom persönlichen Jenseits her jedenfalls anderen schmeckt?!
Beim Weiterspielen passierst du zusätzliche Unebenheiten, regelrechte Schlaglöcher klaffen auf, üble Patzer passieren. Derart steckst du mitten im dich beim Tun zunehmend abschätziger Kritisieren, gleich von allem Anfang an war es das erschreckend wohlbegründet befürchtete ausufernde Schlamassel! Nichtswürdiger du, nüchtern besehen hast du nie noch im mindesten einen klar artikulierten, korrekt intonierten Ton hervorgebracht! … Die immer verzweifelteren Rechtfertigungsaffirmationen überwuchern, umklammern jedes zarte melodische Rinnsal, wie du es möglicherweise intendieren würdest, kanalisieren es unter die Erde, ein trauriger Wienfluss dem gleichermaßen avitalen Donaukanal zu, Rattenzone im besten Fall. Bereits der erste Schritt brachte dich vom Weg aller Tugend ab. Sich verselbständigender Bestemm ist der Höllenweg zu polterndem Populismus unseligster Art. Es ist ein großes Glück für die Menschheit, dass unsereins fast nie irgendein hochrangiges öffentliches Amt zu bekleiden bekommt! Mea culpa! Mea culpa!
Derart in selbstdestruktiven Zwangsgedanken eingesponnen klingt indes draußen dein Spiel fort, es verhallt, der Meister der Aufnahme zeigt mit beiden Daumen nach oben, und du kannst dir nicht vorstellen, was er damit andeuten könnte. Was ist geschehen?
(Soviel zur gerne propagierten Mär vom achso lauteren, seelenreinen und aller Absichten frischfreien Sein im Spiel; womit ich nichts weniger als die Weltherrschaft anstrebe. Sie werden sich noch wundern!)
[14.5.2020]
Auch Flamingos haben Freunde
orfon
Derweilen vereinsamen in Japan alle Aale. Haben sie tatsächlich gemeldet.
Jaja, die Japaner.
Doch nun, o Freunde, lasset uns nicht über all das in diesen Tagen allzu präsente Unerquickliche murren, sondern woll’n wir uns besser am Guten erfreuen! (Wenn wir auch bis heute nicht genau wissen, wie und wo die Vermehrung gelingt.)
Und ob.
Aale Japaner Flamingos, und die Kirschen längst verblüht.
[8.5.2020]
Mundschutz 8€
Reinerlös für Tierschutz
Werbetafel, Einzelhandel
Schutz vor? Schutz für?
Sicher erscheint: Wir, die Mundschutzerwerbenden, schützen – und erlösen! – uns vor allen wilden Tieren, sie seien so groß und riesenhaft, wie sie nun einmal sind: Bestien, minusquamanimalische.
Nachfragen: Wie ist das mit dem Mundschutz beim Zahnarzt? Tierzahnärzte, womit schützen die sich? Wovor?
[7.5.2020]
Das Buch ist sehr gut!
Der versand war sehr dauer
Rosio Pfeiffer-Tafur, Rezension zu Decameron (Versandhandel)
Tja, die Geister, die er rief. Nämlich, wir wissen bzw. werden dieser Tage bei jeder der sich so zahlreich aufdrängenden bildungsheischerischen Gelegenheiten sinnenreich belehrt, dass, seinerzeit, 1348, als die Pest in Florenz wütete, zehn junge Edelleute (7f, 3m) außerhalb der Stadt, in faucibus etruriæ (in den Schluchten Etruriens, remember Cicero), konkret: in Fiesole (sprich: Fiësole – hat nichts mit Strankalan zu tun), einander zehn Tage lang täglich zehn Geschichten erzählt haben, Novellen, auf dass die Zeit in Neuer Normalität vergehe. Sowas dauert, und nicht erst dieser Tage auch im Versand, sind ja Bücher und Geschichten angeblich nicht von vitaler Wichtigkeit.
Im Ernst und ohne unangebrachte Humorigkeit: Wer’s nicht derwarten kann, geht ab jetzt nur mehr in die Buchhandlung des persönlichen Vertrauens, und Vertrauen verdient, wer, bei Gewinnen, Steuern zahlt, dann gewinnen wir alle.
[7.5.2020]
Der Rasierer, was für ein Wunderding. Papa hat immer einen Philishave gehabt, also musste auch der neue wieder einer sein, mit drei Rotorscherköpfen: der wankelmotorische unter den Rasiergeräten. Weil immer alles sehr sorgsam gepflegt werden muss, nimmt ihn Papa, bei beständig abnehmenden feinmotorischen Fertigkeiten, deutlich mehr auseinander (auseinanderer) als er sollte. Die Söhne dürfen sich dann spielen, und es ist wirklich eine Tüftelei, alle Teile wieder korrekt zusammenzusetzen. Ist dieses Werk schlussendlich – man kann nicht sagen, wie – doch noch gelungen, erzählt Papa (stets mit Neuigkeitswert), dass man sich mit dem Rasierer auch rasieren kann, ohne dass er an der Steckdose angesteckt sein muss, eben: ein Wunderding. – Man nennt sowas Batterie, erinnere ich ihn, woraufhin er nickt, aber er traut dem nicht recht, fragt nach dem Kabel, mit dem fühlt er sich wohler, weil da rasiert er besser. Es ist in der Lade, in der der Rasierer tagsüber ruht, die untere in der Mitte vom Allibert, und auch die verschiedenen Bürsten und Beserln sind da drin, vor allem aber, das wichtigste: der Pemsl, die kleinere Ausgabe jenes Pinsels, mit dem einem der Friseur am Ende der Behandlung wohlig weich die übrigen Härchen vom zugekreppten Kragen streichelt. Ich nehme das Kabel heraus, um es anzustecken, da wendet Papa ein, dass das wohl ein Kabel, aber eben nicht das richtige Kabel sei. Ich zeige ihm, dass es funktioniert, wenn man es vorne und hinten richtig zusammensteckt, außerdem stehe ja sowohl auf dem Rasierer als auch auf dem kleinen integrierten Trafoteil der Schriftzug Philishave drauf. – Ja schon, aber es sei doch das falsche Kabel, beharrt Papa. Das richtige habe nämlich in der Mitte so einen Hebel. Wir regen an, er solle doch im Nachtkästchen nachschauen, weil dort ist immer alles, aber es ist nicht und nicht aufzufinden, und warum auch. Schließlich gibt er sich, wenig überzeugt vom durch beruhigendes Pulsieren erkennbar korrekt ablaufenden Aufladevorgang, für ein Weilchen mit dem angebotenen Kabel zufrieden. Abermals kann er es nicht glauben, dass er sich rasieren kann, ohne dass ein Kabel angesteckt sein muss. Aber wo ist jetzt das richtige Kabel? Das hier kann es nämlich sicher nicht sein, es fehlt ja dieser Hebel. (…)
(Papa war Elektriker.)
[6.5.2020]
Schlangen vor Indiens Alkoholgeschäften
orfon
Schlangenlinien hinter Indiens Alkoholgeschäften
mutmaßlich unterbliebene Meldung, orfon
Notwendige Grundbedürfnisse gibt es eben weltweit – und gattungübergreifend: Unwillkürlich müssen wir uns den berühmten Yogi mit weiß gewickeltem Turban vorstellen, aus seinem Bastkörbchen sich emporschlängelnd die Kobra. Keine Angst, er hat sie zuverlässig im Griff: Sie reagiert auf jeden Triller.
[4.5.2020]
Jetzt dürfen auch die Museen wieder aufmachen. Aber vorerst können noch keine Interieurs gezeigt werden, nur die Landschaftsbilder. Ausnahmsweise auch Veduten, immer aber mit bzw. aus sicherem Abstand.
[1.5.2020]
Die Zahl der Todesfälle in NY geht zurück
derstandard.at
Durchatmen. Das wäre dann doch ein starkes Stück!
Indes, wir müssen davon ausgehen, dass niemand aus dem Reich der Toten zurückkehrt, was entweder, kämen sie strahlenumkränzt-verklärt daher, (zunächst) Große Freude auslösen würde oder aber (im zombistischen Fall) das Pure Entsetzen.
So aber fördert bereits kürzeste Recherche (check, re-check, double-check) zutage, dass es sich beim vermeintlichen newyorker Coronawunder um eine verringerte Zuwachsrate bei den Neuverstorbenen handelt.
Was mit ihnen in der Folge passieren wird, darüber gibt es weltweit geteilte Meinungen.
[29.4.2020]
Italien lockert Lockdown
kurier.at
In Österreich geht’s, warte nur, balde, zum Friseur, dominiert derweil die Lockdown-Locke locker das haupthaarige Trachten, dem Vater fliegen die Federn um die Ohren und über den Kragenrand hinaus, halswärts hinab.
Wir dürfen nun den oberen Knopf aufmachen. Und, das hatten wir bereits, den Gürtel noch weiter schnallen.
Lockerungen allenthalben.
[28.4.2020]
Coronavirus: Italiener entwickeln Fiebermesser für Lokale
kurier.at
Bratenthermometer lassen sich zu so allerhand Sinnvollem umfunktionieren.
Vor jeder Cooling-Down-Phase gilt: Nichts wird so heiß gekocht, wie es gegessen wird.
Zerschneiden, dieses Fieber, in seine kleinsten Bestandteile, jawohl. Atomisieren.
[24.4.2020]
Offene Fragen zu geschlossenen Berghütten
orfon
Gibt es eigentlich sowas wie geschlossene Fragen?
(Offene Berghütten ja gegenwärtig eher nicht.)
[23.4.2020]
Teufel freut sich über Öffnung der Kirchen
Presseaussendung, Freiheitlicher Klub im NÖ Landtag
Der Teufel ist ein Ingenieur. Es überrascht wenig, dass ER auch (möglicherweise vor allem) hier seine Finger im Spiel hat: Man braucht sich nun einmal gegenseitig, bedingt einander, und was wäre das auch, der Nikolaus ohne Krampus (…)?
Mit der Öffnung der Kirchen für Gottesdienste wird nun ein wesentlicher Schritt zur Erlangung der Neuen Normalität gesetzt. Halt ohne Weihwasser, was einen gewissen, möglicherweise nicht unentscheidenden Wettbewerbsvorteil für die andere Partei darstellen dürfte.
[24.4.2020]
Maskierter Bankenbesuch ist schwierig
orfon
Wir leben in einer Zeit, in der sich alles umzudrehen scheint. Galt es bislang als allgemein anerkannt, dass es sich nicht empfiehlt, einen Banküberfall unmaskiert durchzuführen, so finden sich etliche präsumtive Bankbesucher nun in der gewissermaßen reziproken Situation, ein Dilemma.
Was also tun, um zu seinem Geld zu kommen?
(Zur Sicherheit erschießen, wäre die wohlbewährte Methode in den USA, unter den gegenwärtigen Umständen eine Serviceleistung am Kunden, und bis heute hat noch keiner sich beschwert.)
[20.4.2020]
Bewaffnete Polizisten stürmen Gottesdienst in Paris
orfon
Es muss sich wohl um sowas wie aufgestaute Betwut handeln. Natürlich haben da Exekutivkräfte, bewaffnete zumal, gewisse Vorteile, als erste bis zum Altarraum zu gelangen. Ob sie jeder schön ihre Kniebeuge gemacht haben, wird nicht berichtet.
Wir wollen’s hoffen.
[23.4.2020]
Särge äußerst gefragt: Salzburger Fabrik expandiert
orfon
I’m gonna make him an offer he can’t refuse
The Godfather
Also doch auch ein saisonales Geschäft: Eine ehrenwerte Branche lebt auf.
[19.4.2020]
Kochen ist keine Raketenwissenschaft
Radio Österreich 1, help
We have a lift-off
beliebte Durchsage, NASA
Ein Kelomat kann Kartoffeln beschleunigen
Harald Gsaller, zack!
Am End’ aber gar doch?
[18.4.2020]
Das Leben gilt für alle
José Saramago, Das Memorial
Die Eltern, wie sie nach und nach Gewohnheiten aufgeben, eigentlich hergeben: Das geht jetzt nicht mehr, dann das, und so weiter. Bei den Pensionistenausflügen sind sie schon seit gut drei Jahren nicht mehr dabei, es haben ja auch die Jungen übernommen, da können und wollen sie nicht mehr mithalten. Und Mörbisch sieht man ohnehin im Fernsehen besser, außerdem: seit der Serafin nicht mehr dabei ist, heißt es eh nichts mehr, aber nichts gegen diese Deutsche, die ja auch nicht mehr ist.
All dieses Aufgeben erinnert an das zuvor für unvorstellbar gehaltene Ablegen altersgemäßer (kindheitlicher; pubertärer; adolsezenter; …) Gewohnheiten, geborgen in der Sicherheit, dass auf jede eine Lebensphase begleitende Unabkömmlichkeit sogleich die nächste folgte, von der sie rest- und schmerzlos ersetzt wurde, bis zuletzt. Jetzt legen sie ab, mit dem – allerdings entscheidenden – Unterschied, dass keine neuen Wichtigkeiten hinzukommen.
Wie ein Eisbär auf seiner in den Klimawandel hinwegschmelzenden Eisscholle.
Es schmerzt, da zuzusehen, zugleich aber ist es folgerichtig. Und selber, die Eltern, sie scheinen’s gelassen zu nehmen: Wir sind ja nicht die einzigen.
Ja schon
[17.4.2020]
Klagenfurter Gemeinderat tagt in Fußballstadion
orfon
Gehen wir, im Geiste, tagende Körperschaften anderer Städte und Länder durch, fragen wir uns, wie wohl eine adäquate Übertragung dieser weisen Klagenfurter Regelung geordneter Distanzerzeugung für willkürlich und spontan ausgewählte Orte und Länder aussehen könnte. Wir brauchen, generell, Wahrzeichen – obwohl sie sehr oft alles andere denn wahr zu nennen sind – man nehme etwa gleich die wunderliche Waidmannsdorfer Wellblechgarage. Es gilt: Wir brauchen Luft nach oben, damit der Sicherheitsabstand zwischen Schädel- und Raumdecke nicht unterschritten werde.
Der Gemeinderat von Syrakus kann im gemeindeeigenen griechischen Theater nur im Stehen tagen, leider darf man sich dort nämlich nicht auf die marmornen Sitzreihen setzen, obwohl sie seit der Antike gehalten haben – du setzt dich hin und wirst sofort von einem (schleifenlosen!) Ordner mit Trillerpfeiferl auf- und weggescheucht; immerhin, in Taormina ist’s leichter, dort besteht Hinsitzerlaubnis (Hinsetzerlaubnis?). Selbiges gilt für Lyon, sogar zweikämmrig. Carnuntum, Epidauros, Pompei, Segesta (etc.) wären auch bestens geeignet; es fehlen dort mittlerweile undalso gegenwärtig halt nur die zugehörigen Städte.
Innsbruck pilgere, wie dereinst, zum Bergisel.
Und Wien? Wien ist anders – oder war es zumindest bis zur Umstellung seiner Werbelinie vor einigen Jahren. Vorerst könnte man das Riesenrad zweckmäßig adaptieren (multipler Einkammergemeinderat), dieweil wir warten, bis das Parlament wieder zurück in seinem runderneuerten Gebäude ist und seine temporären parlamentarischen Schuhschachteln wieder abgebaut sind, dann ist wieder Platz am Heldenplatz!
So könnte es gehen.
[17.4.2020]
Klopapier – Germ – Blumenerde
zeitgemäße Begehrensabfolge
In der Volksschule und auch noch in der Unterstufe waren Aufsatzthemen mit konsekutiven Begriffen sehr beliebt. Da konnten selbst mit wenig Phantasie Begabte so einigermaßen plausible Geschichten erfinden: Geburtstag – Ball – Laterne …
Gemessen an der (immer individuell) seither vergangenen Zeit lässt sich einigermaßen widerspruchsfrei behaupten, dass bis vor sehr kurzem zur Abfolge Klopapier – Germ – Blumenerde wohl kaum jemandem eine konsistente Erzählung eingefallen wäre.
Was wir uns nicht alles nicht vorgestellt hätten.
Allerhand.
[16.4.2020]
iPhone 12 bekommt neues Design mit flachen Seiten und kleinerem Notch
derstandard.at
Wir brauchen das. Die Breite an der Spitze ist nämlich massiv dichter geworden, und das beschleunigt. Mit einem noch kleineren Notch aber könnten wir es eventuell schaffen.
Gespannt harren wir, und nach zwölf kommt 13.
[14.4.2020]
Arme sind von der Krise mehr betroffen
orfon
Die Ente bleibt draußen
Loriot
Trotzdem, bitte keinesfalls vergessen: Es gilt stets, den Schock zu überwinden. Beine also hochlagern! Sonst sind wir alle (Alle!) arm dran.
(Es kann auch helfen, tief Luft zu holen.)
[14.4.2020]
42-Jähriger gab Schüsse auf Dach in Vorarlberg ab
orfon
Lemon curry?
Monty Python’s Flying Circus, Episode 33 (1972)
Das Dach, wohl alemannische Wertarbeit, wird zweifelsohne standgehalten haben. Die alles entscheidende Frage also ist: Von wo? Sowie: Womit?
Wüssten wir beides, so wüssten wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: Wär’s etwa eine Armbrust, dann käme der Schuss vermutlich von jenseits des Rheins, wohl aus einem der urschweizerischen Kernkantone.
Kann sein, ein Apfel hat ihn gereizt, den Helvetier.
Apfelblüte?
[11.4.2020]
Genesung von Corona in Österreich: 4.512 wieder ganz gesund, 273 verstorben
kurier.at
Wieviele, zu Ostern, auferstanden sind, konnte nicht – und kann womöglich niemals – mit Sicherheit eruiert werden.
So besehen könnte Corona für die hierlands leitkulturelle(n) Konfessionen die Tore zu einem Update bis hin zur zweifellos anstehenden Reformation aufstoßen. Aber was red ich da: Wie wär’s denn überhaupt gleich mit der Gründung einer Religion? Man durchforste also dringend sämtliche Statistiken. Ihre Zahl geht in die Tausende.
Holy Boris, pray for us!
[9.4.2020]
Rückgang an Neuinfektionen hält weiter an
kurier.at
Ab er soll doch weitergehen und nicht, wie Lava an der Schwelle eines ortsangemessenen Heiligtums, erstarren!
Weiterhin halten wir den Atem an.
[7.4.2020]
Rückwärts einsteigen!
schwer realisierbare Handlungsanweisung, Wien
Nichts hinausstrecken!
(identer Anwendungsbereich)
Rückgängig oder rückläufig, was wäre wann besser?
Es gilt: Von hinten besehen, kommen einem zurückliegende (zurückgelegte) Durst- bzw. Hungerstrecken als lässlich, ja, vernachlässigbar vor, bedenkt man, was dann alles noch gekommen ist – und erst, was alles noch gekommen sein wird!
Ich möcht’s ja gar nicht wissen.
Alle müssen wir dran glauben. Und nur ja nicht die Zunge hin- bzw. (für unsere bundesdeutschen Leser) herausstrecken! Tut man nicht!
(Man nennt sowas angewandte Dogmatik.)
[5.4.2020]
Genialer Lifehack: Chipssackerl ohne Gummiring verschließen
kurier.at
Endlich eine Meldung, die wirklich aufbaut. Wir brauchen das, so dringend! Das toppt sogar Musils geniales Rennpferd. Wobei: Wozu ein Chipssackerl mitwasimmer verschließen? Man legt es doch correcte erst beiseite, wenn es eines Verschlusses nicht mehr bedarf.
(Womit wir, mit bewusst altertümlich konstruiertem Satzbau, auch einmal wieder dem – hier dativischen – Genitiv die Ehre erwiesen hätten.)
wo bleibb da
hummoooa
wo bleibb da
hummmoooooa
wo bleibb darrr
hummmmmooooooooooa
darrr kööönich vonn
hummmmmmmmoooooooooooooooooarrrrr
Ernst Jandl
Viral indes geht der Corona-Bund, das Quarantäne-Bäuchlein am seinerzeitig recht unschuldig so genannten Gösser-Muskel. Hüftgold, für die Damen von Welt.
Man verzeihe den trivialen Witz. Wir bräuchten mehr Humor!
Und möglicherweise mehr Bewegung, das auch. Obwohl, dem Textilhandel (insbesondere, zur Behebung der allerdringendsten Not, den Lochzangenherstellern) nützt’s, beim Hochfahren von Allem.
[4.4.2020]
Sperre von Kärntner Seen möglich
orfon
Man fange zunächst mit den Stauseen an, sagen wir im Maltatal; die sind dafür gewissermaßen bereits prädestiniert. Beim Aufmachen dann aber bitteschön wohl dosieren, schön nach und nach.
Zuviel auf einmal ertragen wir nämlich nicht.
Man kann sich aber an vieles gewöhnen.
[4.4.2020]
Sölden-Heimkehrer, sind das Söldner? Wer hat sie bezahlt? Wofür?
Sowie: Heimkehrer nach Sölden? Aus Sölden?
Woher? Wohin?
Was soll denn das alles, generell?
Das hat mit uns bitte nichts zu tun. Außerdem soll bitte jeder vor seinem eigenen Heim kehren!
(Gilt nicht nur, sondern auch für Ischl, Ischgl, im Stubaital oder in Zell am See.)
[4.4.2020]
DIE ER LECKT
kerze des ________
kerze des ________
________ des kerze
________ des kerze
kerze des ________
kerze des ________
________ des kerze näht
________ des kerze näht
Ernst Jandl
Schon interessant, wieviele – reichlich späte und umso plötzlichere – Kehrtwenden es von Älteren Weißen Männern gibt dieser Tage. Bedrückend, wenn auch wenig überraschend, dass es ihnen in ihrer erlernten und bewährten Machtwillkür derart an Gespür krankt, was sich, ganz hinten, im letzten Eck des Kerzi, ziemen würde. Zuletzt schüttet ein vom Staat sich Kurzarbeit finanzieren lassender Manager nach massivem öffentlichen Unverständnis nun doch keine Dividende an seine Aktionäre aus. Wenn einer ihrer Wortführer der Diskussion auch »befremdlich, ideologisch aufgeladen und den völlig falschen Zeitpunkt« attestiert.
Geht’s noch?
Vermutlich will sich der interruptierende (vom Land für ein Protzmuseum auch kulturell auf zynische Weise hochgeförderte) Großmanager für den alles andere denn intrinsisch erkannten Rückzug noch belobigen lassen, quasi gutmenscherlich.
Auf die Aufzählung der notorischen Autokraten (wie demokratisch immer sie legitimiert sein mögen) wollen wir hier verzichten; bitte nicht so viel Speicherplatz für die.
Ob wir optimistisch sein dürfen, dass sich das Wahlvolk das merke? (Meinetwegen auch die Aktionäre.)
Woll’n wir’s hoffen.
Nåsse Fetzn, des kerze.
[1.4.2020]
Wie telefonisch bereits besprochen, sind Sie ab SOFORT mündlich abgesondert. Wir übermitteln Ihnen das SARS-COV-2 Informationsblatt Verdachtsfall COVID 19. Sie werden aufgefordert, sich bis auf Weiteres strikt an die darin beschriebenen Maßnahmen zu halten.
Aus einer behördlichen Verfügung
Nach gewissenhafter Erforschung meines Terminkalenders hat sich als letzter persönlicher körperlich näherer Kontakt am 16.3. (Montag) jener beim Urologen (er war entsprechend professionell geschützt) herausgestellt. Da meine ersten Erkältungssymptome aller-allerfrühestens am Freitag, 20.3.2020 aufgetreten sind, kann ich für den in Frage kommenden Zeitraum (48h, Anm.) jedweden persönlichen Kontakt mit Menschen und höheren Tieren inkl. (allfällig gestressten) Fledermäusen (Chiroptera) und Schuppentieren (Manidae) im Sinn der Erhebung zu 100% ausschließen.
Antwort an eine Behörde (Auszug)
Laut Labormeldung vom 1.4.2020 sind Sie dzt. nicht an Covid-19 erkrankt. Ihre PCR-Testung war NEGATIV!
Aus einer Behördenantwort
Welch sich sonderbar anfühlendes Aufatmen an einem Ersten April. Bei Positivität hätte man die Sache erledigt gehabt, mit der Gewissheit eines milden Verlaufs. So hatte man lediglich eine sich lästig ziehende Verkühlung (AT) / Erkältung (DE) / Verkältig (CH), ohne allen irgendwen interessierenden epidemiologischen Zweck, mithin: Husten mit wenig mündlich abgesondertem Auswurf und ohne Schnupfen, alles für nichts und wieder nichts.
Was haben solche Nicht-Erkrankungen eigentlich für einen Zweck, generell?
(Menschliches Kausalitätsdrängen.)
[1.4.2020]
Auch Bodensee wird zum Sperrgebiet
orfon
Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen.
Sebastian Kurz
Dann wird unser Bundeskanzler halt – für diesmal und in neuer Normalität – auf dem Neusiedlersee einherwandeln müssen. Mit 33 wäre er dafür im besten Alter. Und ein Steppensee ist ja auch, weil nur untief, leichter begehbar, dazu nicht so weit von Wien weg. Außerdem kann er bequem kurz nach Ungarn einwandern, das gefällt ihm sicherlich. Dazu noch die topographisch bedingte Neigung zu plakativ pittoresk aufwallendem Wetter, der Chitinhelm sturmfest sitzend zwischen den Ohren.
Das gibt wieder schöne Bilder. (Es gibt nur schöne Bilder von IHM.)
Weißrussland, auch schön.
[31.3.2020]
Maskenpflicht versus Vermummungsverbot. Was für ein programmierter Widerstreit angewandter Verordnungsprosa zweier Administrationen!
Indes, wir können entwarnen. Gilt ja eh nur für muslimische Frauen. Also das mit der Vermummungsmaske. Wir kriegen das schon hin.
[30.3.2020]
Die Tage bis zur Eröffnung rissen sich um die Wette vom Kalender.
Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis. Berlin: List, 2005 (286).
Gegenwärtig ist es irgendwie so, als würden die Tage sich in einen umgekehrten Abreißkalender, diesen aufstapelnd, hineinzwängen. Am Ende aber steht, wie bei Vigoleis, die Eröffnung des Eissalons.
Meiner ist am Schwedenplatz.
Wäre.
[30.3.2020]
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen
Mt 18,20
Es wird mir ganz angst um die Welt, wenn ich an die Ewigkeit denk’.
Ewig, das ist ewig! Das sieht Er ein.
Nun ist es aber wieder nicht ewig, sondern ein Augenblick, ja, ein Augenblick!
Georg Büchner (adapt. Alban Berg): Wozzeck (1. Akt, 1. Szene).
Dieser Tage (Wochen; Monate) muss selbst die Kirche gewisse bislang für unumstößlich angesehene Grundsätze neu überdenken. In Scholastizitäten alert, wird ihr eine Umformulierung ohne Zweifel und mit Gottes Hilfe jedenfalls spielend gelingen. Eine schlechte Idee indes wäre, dafür Viri probati heranzuziehen.
Das käme irgendwie nicht gut.
[30.3.2020]
Österreich erlebt seine erste Krise, zu der Niki Lauda nicht befragt werden kann
kurier.at
Bei intensivmedizinisch zu betreuenden Corona-Fällen gilt der Augenmerk zuallererst der Lunge.
Ich bin einmal mit ihm geflogen. Damals gab es noch keine Selfies, ich habe also nicht einmal verzichtet.
Das müssen wir jetzt alle.
[30.3.2020]
Daheim Backen hat derzeit Hochsaison
orfon (Lifestyle)
Jetzt ist Germ das neue Klopapier
Radio Österreich 1
Also ist Klopapier nun der alte Germ. Was sind wir doch umundum beglückt, unter Aufbietung sämtlicher verfügbarer Ressourcen (kaum etwas ist knapp und Zeit übergenügend) alles zusammen aufbacken zu können. Einmal so richtig unser eigenes Süppchen kochen, aber das tun wir ja schon längst. Gewisse schmecken aufgewärmt viel besser, und Brot, vernünftig genossen, sollte auch etwas altbacken sein.
Das ist nun nicht die Umwertung aller Werte, wenn auch raschen Blicks manches so wirken mag.
Ich esse zusammen.
[30.3.2020]
AK: Tiroler Hotels setzen Mitarbeiter vor die Tür
orfon
Mitarbeiter seien die wichtigste Säule im Tourismus, sie würden behandelt wie Gold.
Ein Sprecher der Wirtschaftskammer (indirekte Rede)
Um zu Gold zu gelangen, muss man das es bergende Erzgestein mit Quecksilber behandeln. Arsen, Blei und Cadmium sind auch irgendwie dabei, Zyanid, Schwefelsäure, …
»… tut uns echt leid, aber was sollen wir denn machen?«
[27.3.2020]
Kaiserenkel Karl Habsburg offiziell von Corona genesen
kurier.at
Es macht das Wesen des Aristokraten aus, dass ihn der Pöbel nicht anficht, hat dieser ihn auch längst aus dem Sattel gehoben.
Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis. Berlin: List, 2005. (S. 274)
corona (it./kat./lat./okzit.) Subst. f., »Krone«
weit verbreitete Wortübersetzung
Vom Guten des Schlechten: Mit dieser Nachricht ist nun offiziell alle Gefahr, die unserer Republik von einer monarchistischen Restauration drohen könnte, ein für alle Mal ausgeräumt, in verantwortungsbewusstem Ton von Ihrer höchstderoselbigen After-Majestät verkündet.
Nun ist die Demokratie in Österreich gefestigt auf ewig.
I wo!
Eine Kürzestrecherche auf seiner Selbstverkündigungsplattform fördert zutage, dass sich der angeblich von allem Kronendünkel erholt Habende in Österreich weiterhin mit seinem historisch seit 102 Jahren verjährten Adelsprädikat tituliert.
Wer jetzt 1 und 1 zusammenzählt, kann sich gut ausrechnen, wer also diesen ganzen Coronawahn eingefädelt hat. Für die Ignoranten aber gilt hinfort das ähnlich wähnlich historische dictum hoferi: Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.
[26.3.2020]
Frostige Nächte lassen Obstbauern zittern
orfon
Vor allem für Lebewesen mit evolutionär bedingt reduziertem Haarkleid hat die Natur die Strategie des Zitterns entwickelt. Zittern, bibbern, zähneklappern, und alles, damit uns wieder warm wird. Wenn Sie aber in diesen Nächten jemand ins Freie stellen und er zittert nicht, dann kann es sich eben nicht um einen Obstbauern handeln. Oder es handelt sich um einen Obstbauern, aber aus nur ihm geläufigen Gründen verbirgt er sein Obstbauerntum (die Obstbauernschaft – das wäre die Gesamtheit der Obstbauern), wer weiß, weshalb, es ist doch kein ehrenrühriges Treiben, das des Obstbauern, und namentlich Marillen und Zwetschken (anderswo sagen sie Zwetschgen) stehen in hohem Ansehen, sind sie erst einmal eingestrudelt, zu Marmelade kompostiert oder vermittelst Destillierung zu ihrem edelsten, vergeistigsten Aggregatszustand, jenem der Durchsichtigkeit, gelangt, wenn du so einen Klaren zur Brust nimmst, das wärmt dann allerdings schon allerhand, und mit einemmal hört sich alles Zittern auf, du Alte Zwetschge!
[24.3.2020]
Medjugorje: Marienerscheinungen nur noch jährlich
orfon
Hat die Seuche nach Lourdes und Fatima also auch das Himmelreich erreicht. War ja schon länger zu erwarten.
Jetzt sollten sie Braunschlag reaktivieren.
[24.3.2020]
»Asterix«-Zeichner Uderzo ist tot
orfon, 24.3.2020
Es gibt so etwas wie den ungünstigsten Zeitpunkt, und Uderzos Tod geschieht zu einem ebensolchen. So müssen wir uns nun wirklich sehr alleingelassen (allein gelassen) fühlen. Gelassenheit bewirkt das jedoch nicht. Kann ihm doch kaum jemand das Wasser reichen, wenn es darum geht, breitenwirksame Symbolfigur der Selbstbehauptung gegen einen großmächtigen Gegner zu sein, Vergnügen schenkend, ein unschätzbarer Bonus.
Saramago taugt auch, wenn es darum geht, inmitten einer alles um sich zernagenden Katastrophe zu bestehen (oder, zumindest, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen), im Idealfall: die Würde zu bewahren. Aus nachgerade chirurgisch eingerichteten Plots entwickelt er seine unerbittlich folgerichtigen Monströsitäten und flicht dabei diesen fein zwischentönigen, paraboloiden Humor ein. Fangen wir einmal an mit Eine Zeit ohne Tod. Weiter geht es in die Stadt der Blinden und, es ist keine Erlösung, der Sehenden.
Ende. Ist keines abzusehen.
[24.3.2020]
»Shit is hitting the fan here«, schreibt ein Kollege aus New York. Ein nachgerade olfakto-haptisches Sprachbild, und es scheint nicht auf von wochenlanger Verstopfung wohleingedickten Trockendung zu verweisen.
Es ist genug für alle da.
[23.3.2020]
Bursche bei Streit in Innsbrucker Wohnung mit Schwert bedroht
tt.com
Muss das ein Schurke gewesen sein, ein ganz ein übeler noch dazu! Von so jemandem muss man sich bitte aufs entschiedenste distanzieren!
Jedoch, wenn’s ein Distanz sich erkämpfendes Langschwert war? Handelt es sich gar um ein bedauerliches Missverständnis? Bis zu einer näheren Klärung bin ich gerne bereit, für den behaupteten Bedroher eine Lanze einzulegen, meinetwegen auch eine solche zu brechen. Auch in derartigen Dingen gelte die Unschuldsvermutung.
Man breche doch nicht gleich den Stab über ihn. Es wäre ein in diesen Zeiten fatales Signal einer mutwilligen Verkürzung, und, Burschen, davon wollen wir bitte Abstand nehmen.
[22.3.2020]
Nach der ersten Woche verordneter sozialer Vereinzelung. Mögen die Umstände, die dazu führen, auch schwer fassbar-monströse sein, so ist es doch eine auf angenehme Art andere Welt. Auf den Straßen sind weniger mit ihren Egoismen keck und lautstark rempelnd sich veröffentlichende Menschen, und sie benehmen sich zudem noch freundlich, ja höflich (höflich ist mir lieber; weil scheißhöflich kann man nicht sein), irgendwie gehen sie (frei von Lifestyle-Gelaber) achtsam miteinander um, mit Respektabstand, und oft grüßen sie einander, augenzwinkernd, lächelnd. Dazu, es ist fast poetisch, Männer im Supermarkt, nicht beim Bier, nicht beim Grillzeug oder beim Ertrutzen eigensipplich behaupteten Klopapierbedarfs: Männer im Gemüse und beim Waschmittel, Frauen um sachkundigen Rat fragend!
Wie wäre es doch schön, wenn es eine solche Welt eingestandener Nichtsouveränität auch mit einer nicht durch die Seuche reduzierten Bevölkerung geben könnte.
Hoffnung keimt.
[21.3.2020]
Fachleute: Keine Coronavirus-Gefahr für Haustiere
orfon
Eine beruhigende Nachricht zwischendurch tut gut. Bis allerdings die Silberfischerl saisonbedingt wieder sichtbar werden (sie sind immer bei uns), wird es wohl oder unwohl noch eine Weile dauern.
Alles aber dauert, verweile noch, so schön.
Aber, ach!, verwelle doch!
[21.3.2020]
Die Predigt hat g’fallen, sie bleiben wie allen
Des Antonius zu Padua Fischpredigt
Merke
Ich spiele auch für Tiere. Selbst, wenn sie’s selbst nicht merken. (Ich auch nicht.)

Olympiasportlerinnen müssen improvisieren
orfon
Gibt’s das auch für Männer? Hätte ich da bitte kurzfristig noch eine Chance? Ich wäre doch so gern einmal bei den Olympischen Spielen, und namentlich die Improvisation halte ich für meine besondere Stärke.
Unter den Improvisiermüssern ist der Improvisierdürfer König.
[21.3.2020]
Wir müssen ja gegenwärtig alle improvisieren. Gewärtig sein, was ist, darauf reagieren, manchesmal, mit viel Glück, auch agieren. Man könnte es Selbstermächtigung nennen. »Ich muss auch dürfen können«, habe ich mir gedacht und mein Dürfenkönnenmüssen in eine verordnungskonforme … ähm … Form gebracht:

US-Amerikaner decken sich mit Waffen und Munition ein
orfon
Erwartbares (leider nicht ungläubiges) Kopfschütteln. Aber das hilft doch nicht einmal gegen zähnefletschend heranwankende Zombies!
Bitte, kauft doch Klopapier! Meinetwegen Küchenrollen. Was weiß ich, Marshmallows. Aber lasst, für diesmal, die Ballerei. Nachher, wenn alle tot sind, könnt ihr evaluieren.
Wir wissen schon jetzt: Es werden keine Fehler gemacht worden sein. Ihr könnt das dann aufs große Nationaldenkmal schreiben lassen, drunter die Zahl.
Zombiezahl.
[21.3.2020]
Wien-Energie-Mitarbeiter isolieren sich freiwillig
orfon
éklektós (gr.), »ausgewählt«
Wortverdeutlichung
Nun, sie tun, grundsätzlich, gut daran. Aber das wissen sie ohnehin selber, gehört es doch zum täglichen Geschäft eines Elektrikers, auf gute Isolierung zu achten und, im Idealfall, gewissermaßen ein Nullleiter zu sein. Sonst wird es nämlich sehr schnell sehr kurz sehr warm. Und dann ist Schluss.
Besser also freiwillig.
Gilt für alle, damit das gesagt sei. Also das mit dem Isolieren. Mit oder ohne Band.
[20.3.2020]
(Kleiner anekdotischer Nachtrag)
Vor einiger Zeit habe ich beiläufig herausgefunden, dass ich just heute exakt 20.000 Tage abgenabelt (mithin isoliert) auf Erden weile.
Ich erlaube mir also, heute Abend anzustoßen. Mit mir.
Notoperation nach Bauchstich
orfon
Alles zu seiner Zeit, und wer würde auch – noch dazu in Anbetracht der gegenwärtig prekären Ressourcen im medizinischen Bereich – eine noch so dringende Operation auf Verdacht durchführen oder je zulassen, an sich, im Vorhinein!?
(Wir wünschen gute Genesung; grundsätzlich wünschen wir jeder allen alles Gute.)
Indes, das Leben will weiter leben, wesen, auch coronaunabhängig verwesenmachenwollen. Es ist in Dingen des Weiterlebens nichts sistiert oder gestundet, und auch der alte Vater kann selbst in diesen Tagen das nächste Mal die Treppe hinunterpurzeln.
Da tun sich, wieder einmal und wie stets, die Banken samt ihrer Wirtschaft (das sind wir alle, wollen sie uns verklikkern) entschieden leichter: Wenn es sein muss, schieben sie noch Extrastunden, -tage, -wochen ein, halten den Kalender an, wie das einst nur Päpsten zu Gebote stand.
[19.3.2020]
Internetbetrüger missbrauchen Coronavirus
orfon
Bitte, missbraucht es!
In früheren Zeiten hätte man hier noch explizite Vorschläge herschreiben können, und sie gingen meilenweit über das hinaus, was weiland Herr Fellner in Indien, nun, da moribund, aller süßlichen Formalismen ledig, seiner drei-zwo-eins-Bussi!-Partnerin aus dem Spitalsbett übers Telefon ausgerichtet hat. »Wåschmaschin! … Kuchlkredenz!« – O wie das gesessen hat!
In diesem Sinn, meine lieben, geschätzten Internetbetrüger: Bitte, missbraucht es, dieses Coronavirus, missbraucht es nach Strich und Faden!
[19.3.2020]
Corona-Virus: FPÖ legt ihre Anti-ORF-Kampagne auf Eis
kurier.at
Es gibt, auch für Körperschaften, Zeiten, da läuft einem alles wie geschmiert, alles spielt dir in die Hände, im Kleinen wie in den Zeitläuften, es kann sogar gelingen, dass du die Definitionsmacht erringst, anzusagen, worüber zu reden sei, was eben wirklich wichtig ist. Die befindlichkeitsdiarrhöischen Sozialmedien können da recht hilfreich sein, schmieren weiter nach, mit erfreulichen Aussichten. Dann legt, als läge ein Schutzschalter den Hebel um, das Schicksal den Hobel an (oder ein Video ein), unten steht ein Nagel vor (das Knabenchor-Paradigma), und an allem Schuld sind die üblichen Verdächtigen, für die pauschal die Schuldvermutung gilt: Ausländer der Kategorien B bis Z, gewisse Kreise an gewissen Küsten und natürlich der ORF.
Jetzt aber! Weg mit der Gebührenfinanzierung!
Wir haben es mit einer neuen – ohne Zweifel der entscheidenden – Spur zu tun, wer den Erreger in die Welt gesetzt haben muss. Kairos, der glückliche Zeitpunkt und sein Erkennen, das Momentum, ja, Glück, beim Schopfe packen, hmm, das ist wohl so eine eigene Sache, und manchmal ist man wie vernagelt.
Generell gilt: Informieren Sie sich bei Facebook & Co. Den öffentlich-rechtlichen Medien kann man, aus dargelegten Gründen, keinesfalls vertrauen.
(Klopapier haben wir ja genug daheim.)
[18.3.2020]
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PS: Eis, Eis, war da nicht was mit Eis? … Richtig! Die Twinni-Dichotomie! – Gedächtnisauffrischung dazu gibts beim am 15.12.2019 publizierten Beitrag.
Gartenpartys der Queen abgesagt
orfon
Jetzt reichts aber endgültig!
Jetzt reichts aber, endgültig!
sowie
Jetzt reichts, aber endgültig!
(Schon irgendwie interessant, wie man uns Basismenschen mit Gelegenheit zur Empathie nach obenhin versorgt.)
[18.3.2020]
Kussverbot an Klagemauer
orfon (noch zu vertonen)
In Nischni Nowgorod, in Nischni Nowgorod,
dort gibt’s kein Kussverbott und keine Hungersnott
und es wird Morgenrott und es wird Abendrott
und alle schlafen dann wie tott!
Fritz Löhner-Beda (vertont von Richard Fall)
Wir erfahren daraus: In Nischni (kein Mensch dort sagt das Nowgorod dazu; vgl.: Attnang-Puchheim) kommen sie ohne Klagemauer aus. Oder, im Fall sie haben eine (was weiß ich, vielleicht doch: am Abhang zur Oka, als Teil der Kremlmauer, bei den Sprungschanzen mit Blick zur Wolga – Sie sehen: hier verfügt einer über Ortskenntnis), dann darf dort trotzdem geküsst werden, Menschen, Zettel, Bäume; bitte aber keine Flughunde oder sonstig verdächtiges Gekreuchfleuch.
Außerdem, nicht uninteressant, hat die Stadt zwischendurch 58 Jahre lang Gorki geheißen und war ein im Westen politisch beliebter weil wohl beklagungsgeeigneter Verbannungsort, und namentlich das Sacharow-Museum sei jedem zum Besuch empfohlen.
[17.3.2020]
Deutschland will das Einreiseverbot sofort umsetzen
orfon
(Gemeint ist die Schließung der EU-Außengrenzen.)
Das wollen wir uns aber bitteschön jetzt auf der Landkarte ganz genau anschauen dürfen.
…
»Aaah-ja«, würde Loriot wohl sagen, und der Admiralität die sofortige rigorose Abriegelung Helgolands empfehlen.
Wider die Briten.
[17.3.2020]
Beim Hören der mehrmals täglich gesendeten Verlautbarungen im Radio, dass insbesondere alte Leute, »auch, wenn es schwerfällt« Verständnis haben und es ertragen müssen, dass sie ihre Kinder und Enkelkinder jetzt für längere Zeit nicht persönlich treffen können, taucht der monströse Verdacht auf, dass die ganze Viruskrise eine einzige weltweite Verschwörung der Wegducker ist, mit zynischer Chuzpe eingefädelt, die sie (es gibt sie in fast jeder Familie) mit ihrem bereits langjährig praktizierten Social Distancing als die letztlich Liebenderen dastehen lässt, denen in der Folge wohl auch einzig das bald zu lukrierende Erbe zusteht.
Sollte alles aber garzulang dauern, können sie mit einem zwischendurch doch noch gewährten Kurzbesuch gnädig nachhelfen, mit kürzest denkbarer Inkubationszeit, das sowieso.
[17.3.2020]
Des weiteren gibt es bei den Benediktinern eine sog. Beuroner Ordenskongregation.Deren Ortsbeifügung rekurriert allerdings auf Beuren im Landkreis Sigmaringen (nebst Tuttlingen) – ohne Kauf-, kein Konsumzwang also und damit eo ipso nicht auf Weltliches erpicht. Ihre Mönche (und Nonnen; beiderlei freiwillig Gottgeweihte beten und arbeiten in jeweils eigenen Klöstern) zeichnen sich durch ein besonders kontemplativ geführtes Leben aus, wodurch sie für die gegenwärtig verordnete Vereinzelung gut vorbereitet sein dürften, und namentlich der Prior einer seiner Gemeinschaften weiß, wie bezeugt ist, schon lange um die Vorzüge, die einem heutzutage die Möglichkeiten eines privaten Heimkinos in cella bereiten können. Und kann man sich auch gegenwärtig auf Grund der gesperrten einschlägigen Handelsgeschäfte keine der dafür bislang unabdingbaren Bild-Ton-Träger beim Besorgvorgang unter den so praktischen Habit stecken, so kann man es (sich) gottlob – und höchst gottgefällig – mittlerweile längst schon streamen lassen.
Nur zu!
[17.3.2020]
Auch ein Kinokomplex im kreis- aber nicht krisenfreien bayerisch-allgäuischen Städtchen Kaufbeuren musste seinen Betrieb einstellen, trotz, wie sich herausstellen musste, prophetisch-sinniger (und zur Zeit der Benennungsentscheidung harmlos-gloriolischer) Namensgebung.
Was nun lernen wir daraus: Die schmuddeligen (heute wissen wir:) guten alten, nicht nur in Wien auf Gürtelnähe abzielenden Einpersonensaalkinos mit ihren Solo-Kabinen samt großzügig implementierter Hygieneausstattung (Mangelartikel Toilettenpapier! – »Jede/r bitte nur eine Rolle!«) dürften möglicherweise allzu voreilig aus der Angebotspalette der hiesigen Unterhaltungsbranche verschwunden sein.
[17.3.2020]