mütterlog

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


dringliche Desiderate

Kommission will künstliche Intelligenz regulieren
orfon

Generell wäre es längst überfällig, dass endlich einmal sämtliche Intelligenz, auch die natürliche, reguliert werde. Nicht zu vergessen die besonders ausgefuchsten hybriden Formen. 

Noch problematischer allerdings sind bitte die allzu verbreiteten Spielarten künstlicher Blödheit. Wer aber säße in einer ihnen gewidmeten Kommission? Qualifikationserfordernisse?

Essschlussrechnungen

Pizza Hawaii ist angeblich die zweitmeistbestellte Pizza. Und: Ananas zweite Wahl heißen ganz sicher Bananas.

Lebten wir in einer reziproken Welt (aber tun wir das nicht ohnehin?), so müsste, gäbe es sie, Bananenpizza die meistbestellte Pizza sein.

Eisspaghetti? Von welcher Inselgruppe? Spitzbergen? 

(Antarktische Spaghetti sind reziprok pinguinanalog undenkbar.)

Abmarsch!

Wiener Höhenstraße: Spaziergänger findet Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg
kurier.at

Jetzt ist dann aber einmal Schluss mit diesen Spaziergängen! Was sonst sollen die denn bitte finden alswie unselige Relikte aus dem Weltkrieg, die bzw. den uns ihre mindestens genauso harmlos spazierenden Vorgänger eingebracht haben!?

verfahren

17 Verfahren nach Babyparty nach Haimbuchner-Besuch
orfon

Schon sonderbar, dass just Sympathisanten einer Gesinnungsgemeinschaft in Fokus stehen, aus deren Reckenreihen gerne flapsige Gleichsetzungen von Regenbogenmenschen mit Kinderschändern lanciert werden, weshalb derartige Fahnen tunlichst verbrannt werden müssen, publikumswirksam bei besorgten Spaziergängen und, wenn keiner zuschaut, auch an öffentlichen Gebäuden, Kirchtürmen etwa.

Jetzt interessiert mich aber wirklich, welcher Art diese 17 Verfahren sind, und darum klikke ich unverzüglich hin.

Normal, Super, Diesel

Dreifacher Tankstellenraub: Verdächtiger gefasst
orfon

Interessant wird’s, wenn dereinst E-Tankstellen (Gleichstrom, Wechselstrom, Drehstrom) überfallen werden werden. Gibt es da schon etwelche Erfahrungswerte? 

Stromschurken, wir erwischen euch!

Jolly good fellows

Vereinigung der Freunde Christi
Baukostenträger, Rio Grande do Sul, Brasilien

Freunde der italienischen Oper
Betonmischervereinigung, Chicago-Florida-Corleone PA

Es dürfte die italienische Oper und auch den Freund der Freunde Christi sehr freuen, solche Freunde zu haben. Vermutlich werden sie aber nie davon erfahren: Nobody’s perfect. Außerdem wird auf Nachfrage (auch ohne) beredt geschwiegen.

einspurig

Erstes fertiggestelltes Tunnelprojekt von Elon Musk enttäuscht
kurier.at

Merke (Sprachregelung): Wenn etwas Großes fertiggestellt ist, so ist das ein, nein: der Anfang. Wer dort ein Licht erwartet, bewegt sich aufs Ende zu.

Kann sein, es ist der Gegenzug.

Telebanking?

Die Wiener Polizei hat einer Bankräuberbande das Handwerk gelegt, auf deren Konto sieben Überfälle in Wien, Salzburg und Graz im Vorjahr gehen dürften.
orfon

Wie sieht so ein Überfall aus, bei dem die überfallene Bank offenbar lediglich einem banditischen Einziehungsauftrag nachkommen muss? Steht da ein seltsamer Zwang dahinter? Bei welcher Bank kann ich ein derart universalempfängliches Konto eröffnen? Muss ich mich zur Legitimation dafür maskieren und wenn ja, wie? 

Paparsifal

Ich begleite Papa zum Neurologen, ein – für mich – fixes halbjährliches Ritual. Papa fragt jedesmal, zu wem wir gehen und bekräftigt bei jeder Station (Hauseingang, in den Lift, im Lift, aus dem Lift, in die Praxis, beim Mantelausziehen, nach dem Inderordinationumschauen), dass er da aber ganz sicher noch nie war. Schließlich, wie er ihn einmal durch das Wartezimmer gehen sieht, entsinnt er sich irgendwie doch des Arztes. Oder er findet sich drein: Es hat sich als taugliche Strategie erwiesen, sich doch recht zu erinnern, denn dann wird er belobigt, und wer wird das nicht gern. 

(Muss das mühsam sein, im hohen Alter, für etwas auf die Schulter geklopft zu bekommen, was bis vor nicht so weit zurückliegender Zeit zu Recht keiner gesonderten Erwähnung bedurft hätte. Papa erträgt das alles mit einem gewissen stoischen Optimismus oder eben: Er findet sich drein: »Muas jo geh’.«)

Diesmal gehen wir vor dem Gespräch mit dem Doktor zur Assistentin. Sie macht den Vortest. Papa soll nur ein paar Fragen beantworten, nichts schlimmes, aber er ist ohnehin nicht argwöhnisch, hat sich sein offenes Wesen behalten. Nach einigen teilweise unerwartet präzise gegebenen Antworten (es waren aber auch abenteuerliche Weltkonstruktionen darunter) bittet ihn die Assistentin, einen Satz auf einen Zettel zu schreiben, irgendeinen, muss nicht lang sein. Papa muss gar nicht überlegen und fängt gleich zu schreiben an. Seine Handschrift ist schon arg deformiert, aber für mich ist es rasch klar mitzulesen, sodass ich der Assistentin, die mit vier, fünf Worten zufrieden gewesen wäre, bedeute, sie möge ihn fertig schreiben lassen, er ließe sich ohnehin nicht davon abbringen, sodass bald da steht: 

Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.

Abbusseln hätt’ ich ihn mögen: Ende November kommen wir wieder!

(Kleine Erläuterung: Mein Vater verfügt über keinerlei sog. Höhere Bildung. Aber in den sechziger Jahren hat er, da er nebenbei als Filmvorführer gearbeitet hat, sehr oft den Faustfilm mit Gustav Gründgens und Will Quadflieg gezeigt und dabei vor allem auch gehört. Das ist ihm hängengeblieben, und bis heute braucht man ihm nur ein Hölzl zu werfen, und schon sagt er seine liebsten Sprüche, ja ganze Szenen fast auf, aus seinem ansonsten mittlerweile recht hermetisch verschlossenen Gedächtnis.)

unschwer /2

Linzer Bevölkerung nimmt ab
orfon 

Wer abnimmt, schaut gerne hin: Sichtbare Displays zeigen es an. 

unschwer /1

Waage mit unsichtbarem Display 
rätselhafter Produkterwerbsanreiz

Erst wenn die Waage bricht, bist du zu schwer. 

(Macht Appetit auf mehr.)

voll auf Zug

Strafvollzug: Zadic will Fußfessel ausweiten
orfon

Aber dann rennen doch die ganzen Pülcher davon!

Lasso, das wär’s.

cojones

Zwei Männer haben sich in Mexiko als Senioren verkleidet und so Coronavirus-Impfungen erschlichen. Die beiden hatten sich die Haare und Augenbrauen weiß gefärbt.
orfon

Es ist ein Brauch von alters her
Wer Sorgen hat, hat auch Likör
Wilhelm Busch, Die fromme Helene

In Österreich gibt es Leute, die verkleiden sich als Junioren, damit sie nicht geimpft werden. Spucken in die Suppe und beschweren sich, wenn sie ihre Portion aus ebenjenem Kessel erhalten, Schweinerei!, Diktatur! und so. Die haben doch nur Angst vor dem Piekser: keine Eier.

Beim Kalypso ist dann ohnehin alles wieder gut: In Mexiko müsste man sein! 

Waschbärenzwang

Kassel ist die Waschbärhauptstadt Deutschlands
neobiotische Neuigkeit 

Oooch diese possierlichen Panzerknackerfüchse!

(Im – genauer besehen: unbegründbaren – Herzigfindenmüssen völlig be-, ja: gefangen!, vermag der Autor keine weitere Pointe für seinen heutigen Text zu komponieren oder auch nur irgend aufzuspüren.)

Spurensicherung

Steirische Seekuh wurde Opfer eines Tigerhaiangriffs
paläobiologische Neuigkeit 

Seit unvordenklichen Zeiten gilt: Seekühe sind in der Steiermark streng geschützt. Strengstens!

Gibt es eigentlich (oder gab es je) Haitiger? In der Steiermark? Sichtungen?

Auf holländisch heißt die Steiermark Stiermarken, was auf dänisch wiederum Steiermark bedeutet.

Waranwarenwaran

Eine Riesenechse hat in einem Supermarkt in Thailand für Panik und Chaos gesorgt. In einem von einer Angestellten gedrehten Video ist zu sehen, wie der 1,6 Meter lange Waran senkrecht an einem Regal hinaufklettert und dabei mit seinen stämmigen Beinen die Waren von den Brettern räumt.
orfon

Woran der Waran wohl dranwar? An Waranwaren? Wer führt Waranwaren? Welche Waranwaren wären das? Wollte er sich suhlen? Worin und warum?

Oben angekommen, macht es sich das Tier gemütlich und lässt seine lange Zunge spielen.
orfon

Oben angekommen macht es sich so mancher gemütlich; langzungzüngelnd – nunja, das gehört sich heutzutage nicht mehr so. Indes, den ins Präsens wechselnden, nachgerade poetischen Ausstieg wollen wir wohlwollend wertschätzend vermerken: vermittelt er doch eine Wandlung einer hoffnungsfrohen Zukunft zu. Irgendwie ein Erwachen. Erwachsen erwachen.

Und es war ihnen wie eine Bestätigung ihrer neuen Träume und guten Absichten, als am Ziele ihrer Fahrt die Tochter als erste sich erhob und ihren jungen Körper dehnte.
Franz Kafka, Die Verwandlung

War’s gar eine Waranin?

bestgeeignet

Seele fehlt
aus dem Katalanischen

Die leitend sachbearbeitende Person (Sachvorbearbeiter/in? Vorsachbearbeiter/in? Besachvorarbeiter/in?) verfügte zweifellos über eine gewisse Passion für die Verwaltungsabteilung, in die es sie verschlagen hatte, einzig jedoch in dem Sinn, dass sie sachbearbeite. Mit der gleichen Anteilnahme hätte sie mitteldichte Faserplatten (MDF) und Linoleumböden verwalten können, letzteres vermutlich sogar mit Inbrunst. Li-no-le-um, und Nabokov grüßt. Einziger, allerdings wesensmäßiger Unterschied: Den MDF ist ignorante Behandlung wurscht, dem Lolinoleum möglicherweise auch. 

Nun hatte die Person sich ins Rayon der sachzubearbeitenden Menschen hochgedient.

Manche blieben besser dort, wo sie herkommen.

Hoffnungsvoller Ausblick: Für die Bewerbung um die Leitung eines in Aufbau befindlichen Rauhfasertapetenarchivs werden reelle Chancen ventiliert, neben Bernddasbrot und Cyborgblümel in den Dreiervorschlag zu gelangen. Mit einem Wort: Glänzende Aussichten!

Das war nun ein Wort zuviel.

müssen können

Prinzessin Anne kann nach dem Tod von Vater Philip nicht langsamer machen
kurier.at

Oftmals ist es für die unmittelbare Umgebung eher unangenehm, wenn jemand nicht und nicht aus der Toilette kommt, und draußen warten die anderen. Insbesondere alternde Männer können davon betroffen sein, nicht schnell zu können: Die Prostata lässt es nur tröpfeln, während sie einstmals Herzen in den Schnee, ach…!

So besehen: Gratulieren wir der trauernden Prinzessin, dass sie alles andere denn hartleibig ist, ein kleinwenig Freude in diese für sie ansonsten so bedrückende Zeit; Zeit, die sie sich, bei aller Rücksicht auf ihre Umwelt, jedoch schon auch an dem Ort gönnen können sollte, wo selbst Monarchinnen zu Fuß hingehen, wie man einstens diskret andeutend gerne gesagt hat. 

ausgelocht

Norwegen: Riesiger Schiffstunnel in Startlöchern
orfon 

Jedes Loch, das wir zu graben beginnen, war, wenn wir nicht geschummelt haben, zuvor inexistent. Ab welchem Moment genau wird aus einer ebenen Beschaffenheit (Lochstart) ein Loch (Startloch)? 

Ist das Loch durch Hinwegnahme von Lochmaterial angewachsen, taucht sogleich die nächste Frage auf, die nämlich nach dem Rand des Lochs, wo exakt er beginnt und wo gerade noch und zugleich zweifellos lochloses Terrain, mithin sicherer Grund ist. 

Weiter: Weniges nur kann zugleich aus mehr als einem Loch bestehen, gar in einem solchen verharren oder harren. Tunnel jedoch gräbt man, da es die Bauzeit erheblich zu verkürzen verspricht (geredet wird von bis zu fünfzig Prozent), von zwei Seiten auf einander zu, ein Verharren oder Harren auch nur in einem Startloch wäre jedem Baufortschritt unzuträglich und jedenfalls grob unfair gegenüber der Mineurspartie am anderen Startloch, die eben schon wie wild drauflosbaggert. 

Wer sich in einem Loch befindet und herauswill, muss zuerst einmal zu graben aufhören. Tunnelbauvorhaben jedweder Art bilden hierbei eine nicht unbedeutende Ausnahme. Immer wieder kommt es etwa vor, dass sich eingesperrte Menschen (zumeist Männer) ihren Weg ins Freie graben müssen, mit oftmals wenig geeignetem Werkzeug (Löffel, Gabeln), ja selbst mit bloßen Händen: ein einziges Scharren, das zudem tunlichst verborgen zu bleiben hat. In aller Regel werden diese Menschen, haben sie sich freigegraben und vom Lochrand abgeseilt, schnell wieder eingefangen und in einem innereren Bereich der Anstalt aufs Neue eingelocht, und das Harren geht von vorne los. 

Treffen wir uns doch in der Mitte. 

mühlsam

»Die Mühlen der Ebene« habe ich verstanden, wie ich dieses Sprachbild zum ersten Mal gehört habe. Es leuchtete augenblicklich ein, weil in der Ebene, wenn ein Bächlein nur mehr zäh dahinrinnt, kein Gefälle weit und breit, wird es allerdings mühsam, fast unmöglich, so ein schweres Mühlrad anzutreiben.

Am Ramingbach, ziemlich genau in der Mitte zwischen Kleinraming und Steyr, befindet sich die Bambergermühle, eine Kunstmühle, denn korrekterweise liegt sie nicht am, sondern nur beim Ramingbach. Bei der Bambergamüü hat sich meine Mutter immer das Mehl geholt, etwas, das in den Siebziger Jahren eigentlich nicht mehr üblich war, hat es doch längst den Rimnac (Spar) und auch den Konsum gegeben, der hat niemandem persönlich (gesagt haben sie: uns allen) gehört. Die Siebziger waren ja die Hochzeit des Konsums. Mama aber hat sich beharrlich zur Mühle bringen lassen, und viel später erst glaube ich, ihr auf die Schliche gekommen zu sein, warum sie immer wenigstens ein Stück in die Raming wollte: Waren sie doch im Krieg, bevor die Wohnungen im Münichholz fertig waren, weiter drinnen einquartiert als junge Familie, direkt am Ramingbach. Später waren sie dann dahamdraußtn in Waidmannsfeld evakuiert und haben spielerisch das Pfeifen der über ihren Köpfen ausgeklinkten Bomben für Wiener Neustadt imitiert. Bald danach war der Krieg aus, aber nicht vorbei. 

Damit es mir niemand verwechselt: Bei der Ortstafel von Steyr, das ist die Greamüü, Griehmühle, vielleicht bedeutet es Grüne Mühle, Grünmühle, ich weiß nicht. Dass dort das Zollamt untergebracht war, konnte ich nicht recht verstehen, Steyr, so weit von der Grenze. Der Ramingbach war seit jeher Grenzbach, seinerzeit zur russischen Zone, und in meiner Kindheit haben sie bei jedem Brückerl mit sonderbar braun angefeuchteten Sägespänen einen Seuchenteppich zwischen Nieder- und Oberösterreich ausgebreitet, Maul- und Klauenseuche. 

Rauschen tut der Ramingbach auf seinen letzten Kilometern nicht mehr, und wenn, dann geht er über. 

Die Kindheit wächst im Hohen Alter.

Neuschreibung

Urzeit-Eichhörnchen in 2.000 Jahre alter Eiche gefunden
orfon

Im Beitrag erfahren wir: »Die Farbe entspreche dem amerikanischen Grauhörnchen, von dem man eigentlich vermutete, dass es erst viel später nach Europa eingeschleppt wurde. Für die Wissenschaft sei das eine große Sensation, da man bisher davon ausging, dass das Grauhörnchen nur durch menschlichen Einfluss von Amerika nach Europa kam.«

Da das Eichhörnchen im Schlick am Ostufer des Bodensees gefunden wurde, ist folgend zu schließen: 

1. Europa wurde von Amerika aus kolonisiert. 
2. Der Große Teich ist der Große See. 
3. Das Westufer der Bodensees reichte einst bis zu den Appalachen, mit Inseln, größer noch als Reichenau, Mainau oder Wollmatinger Ried.
4. Die Existenz von Atlantis ist hiermit endgültig erwiesen.

Heraus! Heraus!

Der Mai ist kommen
der Winter ist aus!
Wilhelm Müller

Der hoffentlich irgendwann einmal hinter uns gelassene Winter 2020/21 verhält sich wie diese vermaledeite Coronaseuche: Auch er sollte schon dringend aus sein, da, in der Nachspielzeit, kommt er mit heimtückischen Mutationen und Varianten daher, bis weit in Richtung Mai, wie’s ausschaut.

Erkenntnis zum 1. April

Es gibt kein Bier auf Hawaii
scherzhaftes Schunkellied, Paul Kuhn (1963)

Michelle, ma belle
These are words that go together well
ernsthaftes Liebeslied, Paul McCartney (1965)

Ananas harmonisieren mit Joghurt nicht ideal. Eiweißunerträglichkeit (sic!), vermutlich.

Pizza, das wär’ was!

Warten. Joghurt kühlt. Immerhin.

hundig gekommen

Lange Wartelisten bei steirischen Hundeschulen
orfon

Es wollen sich scheints immer mehr umorientieren, »vom Mundschutz zum Maulkorb« lautet die Devise. 

Wenn es ums Anstellen geht, verfügen Hundeschulen mit Baumschulen auf der gegenüberliegenden Straßenseite über einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dort gibt es lange Warteschlangen.

Tycho de Brahe soll an Harnverhaltung gestorben sein, wissen wir vom Schüler Gerber, möglicherweise infolge der Hofetikette, was, wissenschaftlich betrachtet, so nicht möglich sein kann.

Frostangstschweiß

Banges Warten im Marillengarten
kurier.at (Bezahlartikel)

Die Marillen werden heuer wohl wieder teuer.

fusselig

Ski-Star Vlhova als ›Bügeleisen‹ bezeichnet: Trainer rudert zurück
kurier.at

Bei den Beduinen hat es sich bewährt, dass sie ihre Bekleidung mehrschichtig anlegen, und auch in Robert Seegers Pullinorwegen war es seit jeher üblich, darunter mehrere Schichten Wäsche anzulegen. Zuallerunterst, bei Herren, gleitet da das Ruderleiberl über die mehr oder minder behaarten Brust-, Bauch- und Rückenzonen. Manche stecken es hinein, das wärmt besser, dem Kühneren überragt es die in aller Regel bequembreite Gummizone der Unterhose ein kleinwenig, die Kurze, über der winters (in alten Schwarzweißfilmen auch in bereits damals warmen Klimaregionen wie Kalifornien ganzjährig) die ehemals ›die Unaussprechlichen‹ genannte Lange getragen wird, in alpinen Regionen als Ausdruck eines gewissen Wohlstands oftmals ausgeführt in Angoraqualität.

Die Kunst des Bügelns wurde früher oftmals grob unterschätzt. Seit nun aber auch der moderne Mann mehr nolens denn volens damit begonnen hat, und weil ja etwas erst als bedeutsam erachtet wird, wenn es maskulin ausgeführt wird, wird die wahre Bedeutung des Bügelns möglicherweise mittlerweile etwas überhöht dargestellt. Wer es erlernen will, beginne in Ermangelung heutzutage ungebräuchlicher Stofftaschentücher (mit Monogramm) mit Geschirrtüchern und arbeite sich zur Bettwäsche vor, außer sie ist von bügelfreier Crashqualität, bei der genügt es, sie zum Trocknen aufzuhängen, idealerweise an der frischen Luft. Das erste richtige Kleidungsstück, das wir bügeln, ist das Ruderleiberl, wo wir uns parallel dem Feinrippverlauf von oben nach unten vorarbeiten, bis knapp bevor es knistert. Dann ist das Ziel erreicht.

Merke: Angorawäsche darf nicht gebügelt werden. Bereits das kürzeste Aufsetzen eines erhitzten Bügeleisens wäre ein irreversibler Vorgang und jedes Zurückrudern vergeblich. Außer, ja außer der Ironman legt zum Schutz der wertvollen Kaninchenwolle ein feuchtes Tuch zwischen Eisen und Bügelgut.

Weinentwarnung, gefaltert

Die Nachtfalter werden nicht nur mit UV-Licht, sondern auch mit speziellen Ködern angelockt, verrät Christian Wieser: »Sie sind Feinschmecker. Man macht eine Mischung aus möglichst saurem Weißwein, der mit Zucker angereichert wird. Das bringt man auf Schnüren auf und damit kann man die Tiere anlocken. Es ist eigentlich so wie Vogelfüttern.«
orfon 

Wir müssen wissen: Herr Wieser ist Zoologe und seines Zeichens Direktor des Kärntner Landesmuseums. Kennern nun tun sich mit einemmal ungeahnte Querverbindungen auf, Kennern nämlich des bei der Verkostung nur kurz im Mund behaltenen Werczyweins, auf 8,5% hat er es gebracht, mit doppelt ausgebauter Säure. 

Nun wissen wir vom wahren Zweck des Werczyweins: Kärntner Wein für Kärntner Falter! 

Es hat doch alles seine Ordnung. 

ergebnislos

Studie über Paare in der Pandemie 
orfon 

Künstliche Mischworte gibt es, deren Wortteile stammen aus unterschiedlichen Sprachen. Das Automobil etwa ist vorne griechisch, das Heck wurde im alten Rom drangehängt. Im Retourgang müsste es wohl Ipsekinete heißen, aber wer stiege dir heutzutage freiwillig in sowas ein? Man muss dazusagen, dass derartige Wortbildungen oftmals nicht ganz akkurat erfolgen. Sie werden ja in aller Regel nicht von Philologen, sondern eher von Ingenieuren geprägt und wenn es ganz blöd hergeht auch von verhaltensoriginellen Werbefuzzis mit lustigen Brillen. Kommt dann noch schlampige Aussprache hinzu, so können sich Worte gewissermaßen auswaschen, Pandemie wird als Paardemie verstanden, und wer ein bisschen nur Französisch spricht, hört hinten halb: demi. 

Paare in Pandemie sind also Singles. 

Wir sind aber noch nicht am Ende. 

(Ende (dieser Studie).)

supernormal abgefüllt

Faßmann: Ab 11. April normaler Schulbetrieb mit Einschränkungen
kurier.at

Ein ehrliches Wort: Mit Einschränkungen ist das neue Normal.

Wird Bildung hierzulande in Austro-Barrels gemessen und zugeteilt?

Normalerweise ist für alle was da.

Mutation

Am gleichen Tag, da von einem – gottlob ertappten und somit verhinderten – Schildkrötenschmuggler berichtet wird, müssen wir erfahren, dass in einem deutschen Tierpark ein – flugunfähiges! – Flamingoweibchen gestohlen wurde, von Unbekannten!

Bitte wann hört all das endlich auf!?

Nachtrag zum Datenschutz

Ob der – gottlob ertappte! – Schildkrötenschmuggler etwa mit Namen ›Hase‹ hieß, wurde nicht bekanntgegeben, kann jedoch nicht endgültig ausgeschlossen werden: Datenschutz ist auch Artenschutz.

Aber: Sie haben ihn!

Nachtrag zum Artenschutz

Auf den dringenden Rat meiner Rechtsanwälte und infolge etlicher erboster Hasspostings nach Veröffentlichung eines, wie ich finde, harmlosen Textes über Fernreisen sehe ich mich zu folgender Außerzweifelstellung gezwungen:

»Ich distanziere mich von jedweder – von mir so ohnehin niemals geäußerten – Gutheißung dem Artenschutz zuwiderlaufender widerrechtlicher Tiertransporte, mit welchem Transportmittel und in welchem Transportbehältnis immer. Wenn Personen, mit deren sonstigen politischen Ansichten ich diametral nicht einverstanden bin, einer ebensolchen Ansicht sind, so kann man mir das jedoch keinesfalls anlasten. Solange die österreichische Regierung mir nichts tauglicheres gegen die Verletzung des Artenschutzes anbietet, werde ich weiterhin auf Demonstrationen gehen, die das einfordern, selbst wenn solche Personen auch daran, schildkrötenfahnenschwenkend, teilnehmen!«

Postäsopische Fabel, mit Moral

185 Schildkröten in Koffer auf Galapagos-Flughafen
orfon

Von den Galapagosinseln ist es überallhin zuerst einmal weit. Sieht man von den nur wenigen zu Gebote stehenden Raketen ab, so ist das Reisen mit dem Flugzeug die rascheste Art, um weite Distanzen zu überwinden. Zu diesem Zweck sind von den Reisenden gewisse, aufs erste als umständlich wahrgenommene, nichtsdestotrotz logistisch sinnvolle, ja notwendige Prozesse in Kauf zu nehmen. Zentrales Relais dafür ist das Einchecken, bei dem man sich, nach etlichen zuvor daheim oder sonstwo vorgenommenen Buchungsschritten, nun auch vor Ort legitimiert und als zum Reiseantritt bereit meldet. Bei dieser Gelegenheit darf man sämtliches Gepäck, das zu groß ist, um es in die Kabine mitzunehmen, dem System anvertrauen. Man erhält es am Zielflughafen in aller Regel unbeschädigt zurück. So langsam diese Prozeduren auch ablaufen mögen, sie folgen einer genau bemessenen logistischen Kalkulation, die es einem ermöglichen, nach dem Absolvieren von Pass- und Sicherheitskontrolle und dem mehr oder minder planvollen Abäsen aller vorgesehenen Zerstreuungen im Transitbereich doch noch rechtzeitig beim richtigen Flugzeug anzukommen und sich unter gelassener Rücksichtnahme auf die p.t. Mitreisenden ohne zu mogeln in der dem jeweiligen Sitzplatz zugewiesenen Boardingkategorie einzureihen, gemächlich die Passagierkabine zu betreten, das Handgepäck in der überkopf befindlichen Gepäckablage unterzubringen, sich niederzusetzen und den Sicherheitsgurt anzulegen; schwerere Stücke können auch unter dem Vordersitz verstaut werden, es sei denn, man hat, gegen Aufpreis, einen Platz bei den Notausgängen gebucht, da muss, was jeder einsieht, alles freibleiben. Auch bis das Flugzeug dann mit großem Gebraus abhebt, scheint alles eher langsam bis zäh vonstatten zu gehen. 

All diese Vorgänge und Abläufe werden, wie dargelegt, gemeinheitlich billigend in Kauf genommen, denn ab dem Moment, da wir in der Luft sind, wird alles buchstäblich überflügelt, tatsächlich ist das Fliegen mitsamt seinen unvermeidlich inkoorporierten Kriechtempoerfahrungen ab einer gewissen Distanz die schnellste Art, um von A nach B zu gelangen: Die quasi Brownschen Molekularbewegungen, welche die Prozesse vor dem Startvorgang und nach der Landung kennzeichnen, werden, je weiter man entlang der sprichwörtlichen Luftlinie fliegt, nach und nach annihiliert. Zuletzt steuern wir die grün markierte selbsttätige Schiebetür an, nichts zu verzollen nothing to declare nada que declarar.

Schildkröten, diese Igel der Antike, gelten als Synonym für pfiffige Langsamkeit. Man stelle sich den – nennen wir ihn – Reiseleiter vor, wie er mit seinen sageundschreibe 185 Schildkröten zum Flughafen kommt, um sämtliche dargelegten Legitimations- und Eincheckprozesse zu absolvieren: Bereits das Betreten des Terminalgebäudes, zumeinst durch eine zäh und unerbittlich mahlende Drehtür, stellt eine schier unüberwindliche Hürde dar – und zudem ein ärgerliches Hindernis für die anderen Flugpassagiere. Wer würde es ihm nun also verübeln, wenn er seine Obsorge über die kriechenden Tierchen an die in aller Regel so zuverlässig funktionierende Logistik auslagerte? Die anderen Reisenden jedenfalls dankten es ihm.

Und da ist es schon wieder, dieses unbedankte Paradoxon: Wir wissen nicht, was uns alles erspart bleibt, wenn sich alle an sinnvolle Unsancen halten, da ja die Mühen und Beschwernisse nunmal nicht eingetreten sind, die ihre Nichtbefolgung verursacht hätten. Dennoch wird – um im Bild zu bleiben – bei allem verständlichen Unmut, keinem Flugpassagier einfallen, bei der Regierung gegen eine vorgeblich unerträgliche Eincheckdiktatur auf die Straße zu gehen. 

(Ob und mit welchem Vakzin die trägen Tiere geimpft waren, ist nicht bekannt.)

Kaninchen umami

Hoppel-Gen entdeckt
orfon

Immer wieder faszinierend und, ja: erfreulich!, welche wissenschaftliche Sensationsmeldungen alljährlich ausschließlich zu bestimmten Saisonen lanciert werden.

Es gibt auch Süßgurkenzeiten. Bitter, scharf, das auch.

Und natürlich umami.

Flunkar

Kein einziger Ungar ist allein!
Orbán Viktor, Gebot (7/7)

Fremde Inder, Nacht
Liedanfang (Übersetzung/Aneignung)

Spätestens seit dem »Dirty Hungarian Phrasebook«-Sketch wissen wir um eine nachgerade legendumwobene Versammlungsfähigkeit von insbesondere männlichen Ungarn, insbesondere im Ausland. Allen anderen einzigen, Indern, Slowaken, Madegassen, Usbeken und dergleichen, sowie sämtlichen Ungarinnen dräut derweil eine Einsamkeit, die sich gewaschen hat.

Marika Rökk selig soll ja, wie wiederum Max Goldt einst überlieferte, seinerzeit »nur ungern in Ungarn« gewesen sein. Aber das vermögen wir ihr (eig.: ihm, dem assonanzaffinen Flunkerer Goldt) nicht so recht zu glauben. 

Geflügel

Singuläre Wallungen, was könnten wir uns darunter vorstellen? 

Rot-, Grün-, Blauwallungen? Bauch-, Beine-, Po- und Buckelwallungen?

Killerwallungen gelten allgemein für am gefährlichsten, auch sie treten meist paarweise auf, in Flügeln. Und tauchen flossig ab.

Rechtzeitig Luft holen!

ansichhalten

Jogginghosen. Keine Sorge, ich apere nicht hinein in die Modeberichterstattung, soll jeder das tragen, was er sie es will, angemessen sei’s halt, das allemal, keiner geht im Frack schwimmen und mit der Badehose zum Opernball, außer er trägt sie, unauffällig und damit kein Aufsehen erregend, unt’risch, was umgekehrt nur denkbar aber wenig ausführbar erscheint, unter der Badehose den Frack anziehen, sei sie auch ein Bermudaflachl, man sähe ihn, den Frack, Aufsehen erregend, und zur Schwimmbrille obenauf den Cylinder,… Aber ich schweife ab, bin bereits abgeschwoffen.

Jogginghosen, damit hat es angefangen, hier, heute. Seit ich Laufen gehe, ist mir kaum ein Läufer, kaum eine Läuferin begegnet, die beim Jogging genannten selbstertüchtigenden Laufen eine vorgeblich ebendafür insbesonders geeignete Jogginghose angehabt hätte.

Wäre auch zu schade, eine Jogginghose durch Jogging zu verschwitzen.

Würden wir sie Dahamhosn nennen, wäre viel gerettet; hielten sich nur alle daran.

Grausames Wort. 

Joggen.

Frostende

Jetzt explodieren die Immobilienpreise 
kurier.at

Eine Wirtschaftsbranche durchlebt ihre Erdbebensaison. 

Wie lassen sich Preisbomben entschärfen? Vielleicht findet sich ja ein Fetzerl für mich. Preisfetzerl, dazu die Latifundie, aber bitteschön schon im ganzen. 

Mit Erdbeeren lässt sich, saisonal, gutes Geld verdienen. Wenn es nicht mehr friert, wird angebaut. Wer investiert in meine Erdbeeren? Explodierende Gewinne garantiert!

Jetzt!

FLÖRSCH!!!

Flörsch startet in DTM neu durch
orfon

Eine kurze Recherche hat ergeben: Ich kenne Frau Flörsch nicht. Dass sie aber neu durchstartet, imponiert mir, allemal und – allerhand! Die comic-assoziierte Geräuschbezeichnung neuen Durchstartens, nahe beim herausgezoomten Motorblock im Framehintergrund mit zumindest drei zackigen Rufzeichen appliziert, ist jedenfalls bereits vorab eindeutig zugewiesen.

zwischendurch, sachte

Schreiben tut man: grob. Jetzt: grob oder grob?

Beides ist möglich. Und oft/öfters notwendig. 

Aber bitte schön sachte!

Bunte Argumente

Einst hat es Das Grüne Argument im Fernsehen gegeben, in der rote Steyr-Traktoren schwarzbraune Märzäcker pflügten, dazu wenig sonst für Kinder interessantes. »Wir brachten eine Belangsendung der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer« informierte eine markige Männerstimme hernach, die auch beinah glaubwürdig »Pitralon« sagen hätte können. Etwas schwärzeres war in den Siebzigerjahren schlichtweg undenkbar, und sie haben dann ja noch ein Zeitl gebraucht, bis sie die Roten wegzuretuschieren beginnen konnten. Dem Kurz passiert sowas kein zweites Mal. Er hat noch viel vor. 

Wo ist Das Rote Argument?

(Sobald die Grünen Pässe als allgemein anerkannt gelten können, werden sie für türkis reklamiert.)

Whirl

Rätselhafte Kreisbahnen von Walen und Haien
Wale tun es, Haie tun es, Schildkröten und Pinguine offenbar auch: Laut Beobachtungen japanischer Biologen bewegen sich viele Meerestiere auf Kreisbahnen durch den Ozean. Warum sie das tun, ist unklar.
orfon

Von Pferdterln und Feuerwehrautos kennen wir es bereits, nun ist es also auch aquatisch belegt. Es muss sich um ein einziges großes Ringlgspüü handeln. Sobald es wieder geht auch im Prater. Is’ a Hetz und kost’ ned vüü. 

Elahopp!

Verschrottungsnotiz

›Sissi‹-Kutsche kommt unter den Hammer
orfon

Handelt es sich auch lediglich um die Filmkutsche von Romy Schneider und Karlheinz Böhm, so würde man doch gerne annehmen, dass ein derart sentimentalisch belegtes Objekt unter besonderem Denkmalschutz stünde. Ist uns doch jede Verfilmung tausendmal lieber als sämtliche (stets der breiten Masse unerreichbare) Originale. 

Man nennt eine solche Einstellung eine demokratische. 

50 Prozent

Eishockey: Capitals mit einem Bein im Halbfinale 
orfon

Merke: Das Halbfinale kann demgemäß lediglich die Häfte des Hauptstadtvereins betreffen, was aber nur jeder zweite wissen kann. Gespannt erwarten wir das Finale, in dem ja die glorreichen Capitalisten bereits mit immerhin einem halben Bein ganz felsenfest stehen. Stets ist jedoch beständige Bewegung vonnöten, und wer wollte dafür, mit zwei Spielbeinen, nicht zu hundert Prozent einstehen?

Des weiteren müssen wir aufpassen, das wir die richtigen Leute treffen. In der Hauptstadt ist man ja stets mit einem Bein im Häfn.

Wie sich das gehört

Hauptkehrung. Alles ok. Die freundlichen Wiener Rauchfangkehrer sind natürlich tipptopp maskiert gekommen. Eigentlich gäbe es die Masken ja auch in schwarz, und selbstredend halte ich mich mit einer solchen für sehr elegant gekleidet, obenrum, daheim, wenn die Rauchfangkehrer kommen. Die ihrigen sind weiß, ganz in weiß, wie das Käppi: Corporate identity 2.0.

Untenrum präsentieren wir uns alle schwarz, wie sa si ’kehrt: Fesch samma, und auch die Abgase sind tipptopp.

dicht gepackt

Lockerungen weiter in Schwebe
orfon

Wir verpacken Vakuum 
Viktualienmarkt, München

Keine weiteren Fragen
Tony Petrocelli

Die Neue Leichtigkeit schreitet voran, und ihre Devise laute: Immer schön locker bleiben. Es macht dich schweben.

Durchatmen: folgt. Wir bleiben indes im aerosolen Bereich.

Auf Kur

Durch die Mutationen werden die Patienten im Spital immer jünger
zeitgemäße journalistische Auskunft

Je älter wir sind, umso gefährdeter sind wir, einem uns günstig erscheinenden möglichen Fehlschluss aufzusitzen. Obacht also: Die insinuierten Mutationen machen einen nämlich nur jünger im Sinne des final erreichbaren absoluten Lebensalters. Abgerechnet wird nämlich am Schluss, von anderen. Wer früher stirbt ist länger tot, und keiner geht ins Spital und kommt jünger heraus, so ein Blödsinn aber auch.

Aber vermutlich ist da ohnehin eine einzige Große Verschwörung dahinter. Ganz sicher.

Very Special Interest

unerlaubte Babyparty
zeitgemäßes Zusammenkunftstformat

Was hätten wir uns unter einer erlaubten Babyparty vorzustellen?

Wie hätten wir uns eine derart erlaubten Babyparty vorzustellen?

Wer von der Partygang zerreißt diesmal die Regenbogenfahne, publikumswirksam und jederzeit vorbereitet, unbeabsichtigte Missverständnisse einzuräumen?

Kein Baby sei unerlaubt!

Besprechung

Sportreporter des ORF: »Wie würden Sie diesen unbeschreiblichen Moment beschreiben?«
Skispringer: »Es war unbeschreiblich.«

kurier.at

Wer es fassen kann, der fasse es. 
Mt 19,13

Danke, Peter Pisa, für die Aufzeichnung dieses wahrlich erschöpfenden Dialogs, eines Artmannschen Poetischen Actes lautersten Sinns, ganz ohne zusätzliche Beschreibung, was für einen Kommentator ja eine große Kunst ist, die größte Kunst überhaupt, jene nämlich der Auslassung.

Diese volatilen Zwischenräume sind ja das eigentliche Agens unseres Seins, und auch das kann man schwer nur beschreiben. Unser Reporter und sein Springer reichen uns jedenfalls aufs eleganteste weiter an Paul Virilio, ist ihr – idealerweise niemals zu erreichender – Horizont auch ein subjektiv positiver.

Das müsst’ ein wahrer Springer sein, dem niemals fiel’ das Landen ein: Unbeschreiblich.

auseinander!

Wir haben gemerkt, dass in der Pandemie unsere Mitarbeiter sehr zusammengewachsen sind
Elisabeth Stadler, Vienna Insurance Group

Etliche sind – zusätzlich! – einigermaßen (bis beträchtlich) auseinandergegangen in diesen Zeiten: Die Vienna Insurance Group hat eine einzigartige (clusterartige) Anhäufung von Rattenkönigen zu gewärtigen. Und nicht nur die, steht zu befürchten.

Parallelverschiebung

Und braucht man keine Klempner mehr
na dann werd’ ich halt Installateur 

Reinhard Mey

Weniger rechtsextreme Straftaten, dafür mehr rassistische
orfon

Falls es beim Arbeitsmarktservice (AMS) eine einschlägige Umschulung gibt, so ließe sich konstatieren: Sie greift. Ist aber wohl ein kurzer Kurs, eher ein Aufbaumodul, nur ein paar Vokabel. 

Wer zahlt? Wieviel?

Wer zählt? Wieviel?

Wo wollen wir uns anstellen? 

Wer das Kleine ehrt…

Mikrogravitation: Weltrekord von Wiener Physikern
orfon 

Der Rest ist Österreich 
Georges Clemenceau zugeschrieben

Österreich ist ja, spätestens seit September 1919, insbesondere im Kleinen ganz groß, und es wird immer größer.

Schön haben wir es uns eingerichtet in unserer Modellbauwelt.

Hemdenlug

Verschwörungsideologe
zeitgemäßer Beruf

Sie pöbeln, aber behaupten, zivil couragiert zu sein, weil sie seien doch schließlich das VOLK. Anheizend zeternd werfen sie denen, die Entscheidungen zu treffen haben (Entscheidungen sind eo ipso immer unvollkommen befriedigend) am Nachmittag vor, dafür verantwortlich zu sein, dass gegen Abend unweigerlich Finsternis einfällt, so ein Skandal, die müssen weg!

Wie es am nächsten Morgen wieder hell wird, behaupten sie ihrer mittlerweile in seine virtuelle Blase zurückgekrochenen Meute gegenüber, dass sie es denen da OBEN nun aber ordentlich gezeigt hätten, sie zum Einlenken gezwungen zu haben.

Nächstens seid doch gegenüber der Schwerkraft besorgt! Eurem VOLK werdet ihr es schon verdeutschen können. Und es werden euch auch (wieder) Gruppen einfallen, die daran Schuld sind, dieweil ihr euch selber gelbe Sterne anheftet.

Innere Beherztheit jedoch sieht anders aus, fühlt sich, wer’s Spüren zulässt, inwendig wärmer an. Wer sich am Schwenken von Fahnen erwärmt, dem muss es ganz schön kalt sein. 

durchhalten

»der mortadella nihilisten business bond« meint das intelligent mitlernende System, dieweil ich »de mortuis nihil nisi bonum« schreiben will, und kommt es dazu, dass jemand »de mortuis nihil nisi bonum« sagt oder schreibt, es sagen oder schreiben muss, dann ist allerdings schon Feuer am Dach, das der Sargdeckel ist, und Friede seiner Asche! Unentwegt Gutes über einen Verblichenen, das glaubt doch keiner. 

Indes, jemanden posthum zu Tode zu loben ist eine reizvoll spitzzüngige Kunst. 

Der Leichenschmaus (insbesondere der inoffizielle Teil, wer durchhält) geht ordentlich ab in diese Zeiten. Geduld!, denn selbst das Concordiaschlössl wird wieder aufsperren: Für polarisierende Persönlichkeiten empfiehlt sich dringend zu warten. (Gilt auch für Selbstmörder, und manche wollen ja, warum wohl, in Wien begraben werden.)

selbstgestrickt

›Bio-Heldentrank‹ für Kinder von zwei Vätern entwickelt
kurier.at

pater semper incertus
römische Binsenweisheit 

This is a family restaurant 
The Big Lebowski

Man muss, bei aller Entwicklereuphorie, dem vermutlich sehr bekömmlichen Getränk leider wenig Marktpotential vorhersagen: Wer schon würde so ein Produkt für seine Kinder erstehen wollen und damit einräumen, sie seien in zeugerischer Kooperation empfangen worden? (Wir wollen, generell und des familiären Friedens wegen, annehmen, ja: hoffen, dass die Zielgruppe eher überschaubar klein sei.)

Noch exklusiver indes wären Heldentränke für Kinder zweier Mütter; bio oder konventionell: Who cares?

Fauna domestica

Heimtierbedarfskette Fressnapf mit Rekordwachstum
orfon

Mein Heimtierbedarf ist ja mit den gängigen Pflichttieren (Weberknechte und sonstige Spinnentiere, Milben, Asseln, sommerliche und spätsommerliche Insekten, drosophilae et. al.) bereits mehr als befriedigt. Fressnäpfe halte ich dafür für hochgradig verzichtbar.

Merke: Viren gehören nicht zu den Tieren.

Wachsboom

Boom bedingt lange Wartelisten für Fahrräder 
orfon

Kinderräder gibt es, die wachsen mit, man kann sie im Abo beziehen (die Räder). Ein in der sprichwörtlichen Garage gegründetes und mittlerweile sehr erfolgreich und gesund gewachsenes Unternehmen erzeugt und bringt sie in Verkehr, ohne die beim Erlernen des Radfahrens mehr störenden als nützlichen Stützräder.

Wie es wäre, wenn just ein Kind eines Compagnons Wachstumsdefekte hätte, obwohl ja dem so grunderfreulichen Größerwerden der Kleinen fahrraderwerbskostentechnisch nichts entgegengestanden hätte, und dieser Umstand zugleich aber nicht zur so einleuchtenden Geschäftsidee, die man gerne selber gehabt hätte, geführt hätte?

Sätze, im Deutschen, können sich ja gehörig (möglicherweise epigenetisch) auswachsen, und auch für diese Kinderräder gibt es Wartelisten, lange schon, lange.

Wortlicht

findend, ein stück
personen
   suchend
   findend

ernst jandl

Ähnlich der sagenumwobenen Dunklen Materie gibt es wesentlich mehr Worte nicht, als die, die es gibt. So viele Wortgelegenheiten versickern ungenützt. Nehmen wir irgendein beliebiges Wort her und deklinieren wir es gewissermaßen durch, von A bis Z. 

Zum Beispiel Senf: Aenf – Benf – Cenf – Denf – Eenf – Fenf – Genf – Henf – Ienf – Jenf – Kenf – Lenf – Menf – Nenf – Oenf – Penf – Quenf – Renf – Senf – Tenf – Uenf – Venf – Wenf – Xenf – Yenf – Zenf: Es bleibet lediglich Senf aus Genf, nicht mehr als ein Reimpaar für schlichtere Gastropoeten; Kenner wissen: Der Senf kommt aus Dijon, und das liegt gut 200 km nordwestlich der so calvinistisch-frugalen Metropole.

Oder Hammer: Aammer – Bammer – Cammer – Dammer – Eammer – Fammer – Gammer – Hammer – Iammer – Jammer – Kammer – Lammer – Mammer – Nammer – Oammer – Pammer – Quammer – Rammer – Sammer – Tammer – Uammer – Vammer – Wammer – Xammer – Yammer – Zammer: Ein paar Lichte Worte mehr, dennoch, die Dunkle Wortmaterie überwiegt, bei weitem.

Eines noch, Lampe: Aampe, Bampe, Campe, Dampe, Eampe, Fampe, Gampe, Hampe, Iampe, Jampe, Kampe, Lampe, Mampe, Nampe, Oampe, Pampe, Quampe, Rampe, Sampe, Tampe, Uampe, Vampe, Wampe, Xampe, Yampe, Zampe.

Wir wissen nun, wonach wir zu suchen haben.

offen eingestanden

Grenzschließungen nicht auszuschließen
orfon

einer raus
einer rein
vierter sein

Ernst Jandl, fünfter sein

Keiner raus, keiner rein: Grenzschließungen müssen, das wissen wir nun leider, leider eingeschlossen werden.

Mit Putz und Stingl

Die Ergebnisse (der Umfrage, Anm.) sind nicht repräsentativ, da Frauen und Akademiker über-, Jugendliche und Ältere hingegen unterrepräsentiert sind.
orfon 

Befragt wurden vor allem akademische Frauen. Mit den jugendlichen Älteren hingegen hat es gehörig gehapert. Wo sind die alle hin, verdammt noch mal?

(Wurden wohl alle von Versicherungs- und Autowerbespots aufgesogen.)

karg

… ein bisschen Musik, ein bisschen Kultur und so weiter …
Markus Wallner, Landeshauptmann

dgll…
Brabbellaut (durch Verdichtung errungen)

Der Mann im sicheren Westen weiß erstaunlich genau, was unsereins den ganzen lieben langen Tag (dgll. Wochen, dgll. Monate) so vor sich hin macht. Danke, Markus.

Von Thomas ist ähnliches zu erahnen, und auch Michael kennt sich sicherlich aus.

Danke.

karottengefährlich

… Kultur eher nicht
Einschätzung zur Lage, nasvorangetragen

Österreich, Kulturnation seit eh und je: Wir bleiben kulturverliebt, und wer verliebt ist, dem ist, weil meschugge, nicht über den Weg zu trauen.

Kulturverheiratet, das wäre dann wohl sicherer: wunschlos glücklich.

(Moment, das sind wir doch!)

ex oriente lux

Die Lage ist stabil aber fragil 
Eidgenössische Einschätzung 

Weniges vermag so sehr zu beruhigen, wie graubündig felsenfestgefügter Schweizer Pragmatismus. Die Formulierung komplettiert, bewährt bewehrt, die legendäre deutsch-österreichische Dichotomie von der Einschätzung der Lage als »ernst, aber nicht hoffnungslos« (dt.) vs. »hoffnungslos, aber nicht ernst« (öst.) zu einer zentraleuropäischen Trias.

Und: Haben wir nicht recht gehabt? (Sagt ein jeder.)

Permanentes Zittern kann ja allerhand abschütteln.

recht vernünftig

Radfahrer wollte in Salzburg auf die Tauernautobahn auffahren
kurier.at

Es soll uns jemand (ein Radfahrer) als in höchstem Maße unvernünftig dargestellt werden. Das erscheint auf den ersten Blick auch zuzutreffen. Indes, was wäre ihm anderes übriggeblieben, außer dass er es von Kärnten aus versucht hätte? Im Burgenland etwa, aber auch in Vorarlberg (…) hätte ihm selbst das schlechterdings nicht gelingen können: keine Tauernautobahn weit und breit. Salzburg liegt genau richtig.

Das ist doch schon einmal recht vernünftig.

finster, aber froh

Frau fuhr mit drei Promille gegen Laterne
orfon

Was für ein Glück, so kamen 99,7 Prozent der Dame noch einmal mit dem Schrecken davon.

geerdet

Bericht: Viertel aller Trump-Postings enthielten Desinformation oder Extremismus
derstandard.at

Soo wenig? Das kommt doch einem Freispruch gleich. 

Trump, der Weltumarmer: Um etliches ärmer steht sie nun da, da Er nicht mehr waltet, hängt träge im All, in den Seilen.

Dennoch, irgendwie scheint es, die Erde hat Boden, endlich wieder Boden unter den Füßen gewonnen. Mal sehen, vielleicht kommt sie dann schön langsam auch wieder einmal in Tritt.

Tritt, nasse Fetzen, seltsame, herzensehrliche Assoziationen.

Nachsorge

Wieder erwische ich mich dabei, die Wikipediaseite des Freundes aufzurufen, in der absurden Hoffnung, das unlängst hinzugefügte Sterbedatum sei verschwunden und die Beschreibung seiner Tätigkeiten im Präsens verfasst, Pianist, Dozent, …

Keine einer leichten Grippe vergleichbare Lappalie habe ihn hinweggerafft, und ich werde noch mehrmals hinklikken, vielleicht hilft’s.

billig

Auch von Schwerkraftablehnern nicht außer Streit stellbar dürfte sein: (1) Lebende können gesunden. (2) Tote brauchen keine Heilung. Obwohl, es lassen sich da sicherlich auch renommierte Schweizer Wissenschafter herbeizitieren, die eine alternative Meinung einbringen, an die man sich effektvoll ketten kann.

Die pandemischen Hobbyethiker, die sich so meinungsgewiss präsentieren, Leben gegeneinander abwägen, Nazis bei ihren Spaziergängen begleiten, und vielleicht bekommt ja die eine oder andere Kampfmutter dereinst dafür auch das entsprechende -kreuz, sie vergessen keine. 

Was billiger und vor allem bequemer ist, echot aus den morastigen Untiefen des Internets allzu rülpsend herauf.

Lebende indes können nicht nur gesunden, sie können auch geschützt werden.

(Dies zum heutigen Festtag, da die Eltern ihre erste Teilimpfung erhalten.)

Superspreader /pt. 2

Blut ist ein ganz besondrer Saft
Johann Wolfgang Goethe, Der Tragödie Erster Teil

Auf nach Oklahoma!
Franz Kafka, Der Verschollene 

Im schönen Ischgl hat man die Körpersäfte der einwohnenden Menschen abermals untersucht. Alles ist wie immer bärig. Die Ischgler Antikörper gehören ja zu den allerbesten.

Auf nach Ischgl!

Vermittlung, dreifaltig

Übernah. steht am Display oberhalb des dritten Knopfes des Tischtelefons im Gästezimmer der katholischen Herberge. Die Statusmeldung: Ausgeloggt. Du kannst dich einloggen, und auch für eine etwaig anzustrebende Rufumleitung ist vorgesorgt. Man möchte doch gleich den Hörer abnehmen und »Hello Mr. God« hineinreden, »give me Jesus on the line«. Das aber wäre, zu Lebzeiten, nun doch etwas übernah.

Nicht nur, weil keine Informationen über die Gebühren dastehen, widersage ich der Versuchung und bleibe, freiwillig, ausgeloggt.

Hat ohnehin jeder sein eigenes multifunktionales Kommunikationsgerät heutzutage.

Haare fasten

Trotz Lockdown bleibt der Fastenboom ungebrochen
kurier.at

Der Mensch erkennt Zusammenhänge und Muster, wo keine sind. Das hat den Menschen eben zum Menschen gemacht – und letztlich zum homo religiosus.

Es wird Zeit, dass wir uns, mit Gottes Hilfe, zu einer neuen Stufe der Evolution aufschwingen.

verfahren

Nigerianer können Ölkonzern Shell vor englischen Gerichten klagen
kurier.at

Was einem so alles vorgesetzt wird (Yorkshire Pudding? Porridge? Baked Beans? Smoked Haddock? Mince Pie? Blue Stilton? Fish and Chips? Lemon Curry?), kann auch eine Frage der Tageszeit sein: vor/nach 20.00 Uhr?

Ich, wäre ich Nigerianer, ich würde ja höflich nachfragen, ob wir das Verfahren nicht in Italien abhalten könnten. Oder in China, Japan, meinetwegen Frankreich. Indonesien. Und wir wollen bitte auch nicht die österreichische Küche verschmähen.

Manches kriegst du ja beim besten Willen nicht hinunter.

Antithese

These: Stonehenge stand einst in Wales
orfon

In meiner Kindheit ist der Vierkanter noch in St. Ulrich gestanden, bei Steyr. Dann haben sie ihn abgebaut und im hinteren Stübingtal wiederaufgestellt. 

Bei Wels gibt es kein St. Ulrich, aber dort gäbe es größere Vierkanter. Wir brauchen, bitte, beides: St. U., 4 K.

Stonehenge, ältestes Freilichtmuseum der Welt: von Anfang an.

knopp daneben?

US-Waffenhersteller Colt wird Tschechisch
orfon

Tscholt. Das zischt.

Würde Colt kärntnerisch (übernommen etwa von der den österreichischen demokratischen Institutionen so ergebenen jungen Frau Glock), hieße es bold: Colt knollt.

Das hätte doch was.

Haart

Friseur Elisabeth 
Salon, Wien-Ottakring

Friseurin Manfred
Salondesiderat

Im – aus hier nicht näher zu erläuternden Gründen höchst unwahrscheinlichen – Fall einer Bewerbung um eine öffentlich ausgeschriebene Position im Kunstlehrbetrieb (es könnte sich um eine Falle handeln) sei der heutige Eintrag im Mütterlog Beleg für die unbedingte Gender-Awareness des Bewerbers: Eine solche gibt es – mit Blick nicht nur auf die polyvalente Kombination von eigenem Vornamen (masc.) mit dem Familiennamen (fem.; pl.) – seit eh und je!

sub specie aeternitatis

Fernwäremeleitung in Jena läuft nach Havarie wieder
orfon

Was es da zu berichten gebe, denkt man sich spontan: Vor der Havarie ist die Fernwäremeleitung in Jena doch auch gelaufen. Bleibt nur der beide Ewigkeiten für einen unbedeutend kurzen Zeitraum unterbrechende und zugleich verbindende Moment, da die Fernwäremeleitung in Jena, havariert, nicht gelaufen und nutzlos in der Landschaft gestanden ist.

Es ist so, wie die beiden Ewigkeiten, da wir nicht existieren, von unserer individuellen Lebensspanne für die Dauer eines Blitzes unterbrochen werden. Eine solche Spanne lang nun war es in Jena kalt. Dann ward es wieder warm.

In Jena gibt es einen Bahnhof, der heißt Paradies.

(Dies zum heutigen Aschermittwoch.)

überfällig

Hohe Wand zieht Notbremse
orfon

Ungekannt aber präexistent ist nun also der Begriff Wandbremse emergiert. War überfällig.

Kann sein, Wandbremsen schützen vor Erdgeschossen. (Forscherin fragen.)

na bumm

Erdgeschossforscherin
akademische Disziplin

Einem Radiobericht verdanken wir diese Information, und sogleich tauchen Fragen auf.

Wir wollen sie getrost vorbeiziehen lassen. Von Zeit zu Zeit darf man das.

Muss man.

abziehend

Indiz für endgültige Trennung? Kanye West zieht mit seinen 500 Paar Schuhen aus
kurier.at

Ich gehe!
geläufige letzte Worte

Was ist denn, bitte, heutzutage schon endgültig? Indiz für eine lediglich relative Endgültigkeit ist die kolportierte Anzahl der Schuhe (1.000, für Kopfrechner) von Herrn West. Da kann er immer noch einen in der Tür lassen. Und da es sich wohl um ein mehrzimmeriges Heim handeln dürfte, kann er damit bequem etliche weitere Türen unverschlossen halten. Und mehr alswie ein Paar Schuhe kann sowieso kaum ein Zweibeiner zugleich anziehen.

Soviel zum Valentinstag. Es ist der 60. Hochzeitstag meiner Eltern. Und wenn man Papa, der das nicht mehr reflektiert, darauf hinweist, dann staunt er, mit großen Augen.

(Das Staunen bleibt.)

Ergebnis: offen

Es gibt, insbesondere im Deutschen beliebt, etliche fälschliche Anglizismen, was bereits mehrmals hierlogs thematisiert wurde: Handy/mobile/cell phone; public viewing; (…). Und Gift ist ein Geschenk, das gibt es gratis.

Vermutlich ist auch die Redewendung jemand habe »den Arsch offen« nicht wörtlich ins Englische übersetzbar, und »he has his ass open« würde nicht metaphorische, sondern unmittelbare, gewissermaßen haptisch-olfaktorische Assoziationen zeitigen. Was aber würde es hingegen bedeuten, wäre man hintenunten zu, dicht? Es wäre, binnen kurzem, eine einzige Katastrophe: Selbst den Hartleibigsten überkommt irgendwann Entleerungsbedarf.

Soviel (nicht mehr/nicht weniger/ohne jedwede Häme) zu den sonderbaren Umständen, in denen sich der Herr Finanzminister seit Mitte Februar 2020 befindet. Vieles wird vermutet, unter anderem die Unschuld. 

Werden jedoch, bedürfte es dessen, alle Stellen dichthalten? 

Mampfkachel

Sachertorte beliebteste Mehlspeise auf Instagram
(…) 
Auf den Plätzen zwei und drei landeten Apfelstrudel und Kaiserschmarrn
(…) 
Gemeinsam verzeichnen die Top-3 ebenso viele Postings wie alle 112 dahinter liegenden Süßspeisen zusammen
orfon

So ist unsere Zeit. Wir genießen in digitaler Vermittlung. Es gibt sogar Kunstschaffende, die konzertieren für dislozierte Bildschirme. Im besten Fall ist das gezoomte Publikum als auf Kacheln gebranntes Memory versammelt. Was für ein Wir-Gefühl!

Ich warte noch auf die gestreamte Leberknödelsuppe. Bald haben sie auch das, und dann bin auch ich soweit.

Pflegefallreiseziel

Umarmungen in norwegischen Pflegeheimen bald wieder erlaubt 
orfon

Es gibt ja Leute, Vereinsmitglieder seit zumindest einem halben Jahr, die fahren zum Sterben in die Schweiz. Nun könnte man (wenn man dürfte) nach Norwegen reisen, um des Kuschelns zu pflegen.

Norwegen sei überall. Und wer in Norwegen war, braucht vermutlich nicht mehr in die Schweiz.

Kiefelkiefer

Menschen essen seit 6.600 Jahren eingelegte Oliven
orfon

Manche Meldungen erfordern rege Vorstellungskraft. Hier scheint es, als hätten wir es mit der längsten durchgehenden Tradition der Menschheit zu tun, sie wird von Generation zu Generation von Mund zu Mund weitergegeben. 

Ist denn das Zeug nicht und nicht hinunterzubekommen?

Öffnende

»Rückkehr zu Normalität«: Isle of Man beendet Lockdown
orfon

Was denn das sein könnte, Normalität, allgemeine, neue, rückkehrende. Wird, nunmehr sich postsolipsistisch öffnend, an einer naturgemäßen Fusion gearbeitet? Wo befindet sie sich also, die (dringend zu entdeckende) Isle of Woman?

Self-fulfilling prophecy

Rodel-WM: Für Steu/Koller gilt nur Medaille
orfon

Rodler Steu/Koller bleiben ohne WM-Medaille
orfon

Die Ansage hatte es vorweg schon klargemacht: Es konnte sich nur um einen ungültigen Bewerb handeln. Man hätte die Veranstaltung bereits im vorhinein absagen können.

Müssen.

überpersönlich

Sehr geehrte Damen und Herren, aufgrund der derzeitigen Situation ist persönlicher Parteienverkehr leider nicht möglich 
Körperspenderinformation, MedUni Wien

Vielfach aufgesplittert erscheinen die Teilnehmenden bei den so zeitgemäßen Zoom-Konferenzen!

Streubesitz, siebenbergig

Wir haben sehr viele sehr kleine Waldbesitzer
Elisabeth Köstinger (Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus)

Österreich, Land hinter den sieben Bergen! Unwillkürlich müssen wir uns nun unsere vielfach hyperqualifizierte Frau Bundesminister als Schneewittchen vorstellen und bekommen das nicht mehr aus dem Schädel.

Pures Entsetzen macht sich breit.

Umsonst

Jetzt Gratis-Geschenke zum Jahresstart
Werbeversprechen, Interspar, Internet, 25.1.2021

Was es zum Jahresstart nicht alles gratis gibt! Nun sogar schon, wenn auch mit einer gewissen Latenz, Geschenke. 

Der Bezahl-Verkauf läuft derweil eher so nebenher ab.

irrevisibel

Heidi Klum auf ungesehenem Foto aus Jugendtagen kaum wiederzuerkennen
kurier.at

(…) der braucht nimma kemma, den fotografier i auswendig
Karl Valentin, Im Fotoatelier

Wie sieht man einem Foto seine Ungesehenheit an? Ein Bild, das sich einem womöglich eingeprägt hat, lässt sich nicht mehr ungesehen machen, und wegdenken schon gar nicht.

Kann sein, es gibt zu viele Bilder, vor allem solche, auf denen man kaum wiederzuerkennen ist. Die alte Binsenweisheit: Je älter das Bild, umso jünger sind die darauf Abgebildeten. Erst recht, wenn wir es selber sind. Die Zeit wird kommen, da schaust du im Spiegel bereits jünger aus als du in Wirklichkeit bist.

Heutzutage geht ja alles so schnell.

catene catanzarese

Gefährlicher Mafioso in Süditalien festgenommen
orfon

Die anderen organisierten Verbrecher vazieren derweil in Mittel- und Norditalien. Dort sind sie aber alle völlig ungefährlich. Erst südlich der Linie Rom–Ancona wird’s happig. Also schön aufpassen. Jedoch merket, liebe Verbrecher, im Süden werden nämlich auch die Carabinieri zunehmend gefährlich! 

Wer erwischt wird, reagiere gefasst.

abgepasst

Mann schmuggelte 74 Chamäleons in Koffer
orfon

Manche haben sich, heißt es im Bericht, in Socken versteckt – und etliche wohl als solche getarnt.

Im Gegensatz zu ihrem verhinderten maskulinen Alleinimporteur wird über das Geschlecht (die Geschlechter) der Farbwechselechsen wenig verraten. Und nichts über die nicht zu überschätzende Leistung der Zollbeamten, all die Tarntierchen korrekt abzuzählen. 

Es sollen auch kaum abstandsbesorgte, umgebungsangepasste Babychamäleons darunter gewesen sein.

heruntergebrochen

Im Bezirk St. Veit sorgen seit Herbst immer wieder illegale Partys für Ärger. Zuletzt hatten sich dort acht Eisschützen aus vier Gemeinden und zwei Bundesländern (Kärnten und Steiermark) zu einem unerlaubten Turnier samt anschließendem gemütlichen Zusammensitzen getroffen.
kurier.at

Das alles stinkt doch gewaltig. Damit noch nicht genug, müssen wir weiters erfahren: Bei einem (illegalen!) Eisstockturnier versammelten sich sechs Personen auf einer Eisbahn (sic!). Damit noch nicht genug, haben bei einer (illegalen!) Party 14 Personen in einem gerade einmal zwölf Quadratmeter großen Raum gefeiert; sie erhielten 57 Anzeigen. Womit wir über das Wesentliche informiert sind.

Wir fassen, von hinten nach vorne (das nennt man rekapitulieren) zusammen: 1-14-12-57, 1-6-1 und, am klarsten: 8-4-2-1. Wer daraus nicht den zweifelsfreien Beweis ersieht, dass das alles (Alles!) System hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Die Botschaft für alle Schurken aber lautet: Uns kommt keiner aus.

deutlich

In Belgien heißen die Semesterferien Kokosferien
Radionachrichten, 10.00 Uhr

Ausgerechnet in Belgien! Muss das, heutzutage noch, sein? Aber nein, Fehlanzeige. Entwarnung. Es ist kein postkolonialer Aufklärungsdiskurs zu führen. Die Kinder in Belgien (auch jene in der Provinz Limburg), sie gehen in die Krokusferien, Krokusvakantie. Heuer von 15. bis 19. Februar.

Wir sollten, alle, deutlicher. Sprechen. Hören. 

Gehbein

Restpaare -50%
Abverkaufswerbung, Schuhhandel

In meiner Kindheit hat es noch viele Leute gegeben mit nur einem Bein. Das andere hatten sie im Krieg gelassen, die Älteren im ersten, die Jüngeren im zweiten.

Zum Glück ist bislang kein dritter gekommen.

Rostrast

Der Aufzug zum Friedhof ist mit Rostlack matt patiniert. Das konserviert und gilt als äußerst elegant. Die Aussicht über Stadt und voralpines Umland ist schlichtweg berückend. So nah beim Krematorium fühlt man sich irgendwie noch näher beim Himmel. Der Lift indes pendelt weiter zwischen den oben mit unten verkehrenden Welten.

Es geht, immer, aufwärts. Und keiner ist noch zurückgekommen.

(Gut so.)

sei bereit

Der halslose gleichwohl schmächtige Herr von Heimberger’s Bürgerforum, das zugleich die regional-rurale Amoreagentur ist (man hat auch Marktforschung, PR-Beratung, sowie, als Zusatzleistung, Wahrsagerei im Angebot), wie er geschäftig und, perfekt geschalt, im schwarzen Anzug die Kirchengasse auf und ab geht. Als wäre er zumindest fixer Einspringer beim Stigler, dem Bestatter der feinen Leute, mit der Partezettelauslage in der Enge. Es ist das mit Abstand beliebteste Schaufenster in der ganzen Stadt.

Kann ja immer was sein. Wie heißt es so zutreffend in seiner (des Amoreagenten) Auslage: »Sei bereit für die neue Liebe.«

Trauer um Brauer

(…) es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht.
Arik Brauer, veröffentlichte letzte Worte

Das Leben, das Davor, das Danach, es könnte so einfach sein. Derart aufs wesentliche zugeschnitten, ist es es.

Tiefe Verneigung hinein in die zweite Ewigkeit.

hinfällig

Fälle bei Skilehrerkurs in Salzburg 
orfon

Früher hätte man ›Stürze‹ gesagt und hätte dies nicht für weiter berichtenswert erachtet: Wer das Schifahrenlehren lernt, muss auch das Hinfallen hinreichend beherrschen. Vermutlich gibt es sogar eine eigene Prüfung dafür. 

Die Schilehrerausbildung in Österreich wird allseits gerühmt. Wer sie positiv abschließt, ist auf der ganzen Welt gesucht.

kultig

Der Leiter des Stadtarchivs mit einem noch erhaltenen Glied …
*** [Foto des Glieds] ***
… der alten Innsbrucker Kettenbrücke

orfon

Wertvolles Vergangenes hochzuhalten ist zentrale Aufgabe von Archiven, aber was sich dereinst als wertvoll herausstellen wird, können wir jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen. Deshalb ist tunlichst jedes noch so beiläufig alltägliche Objekt als Artefakt seiner selbst zu behandeln. Ob man dabei dazu neigt, dies oder das (oder beides) zu überhöhen und auf Podeste zu stellen, die ihm nicht zukommen und wieweit das Gefühle bestimmter Bevölkerungsgruppen verletzen könnte, ist tunlichst im Voraus abzuklären: Ein Zirkelschluss zwischen Vergangenheit und Zukunft. 

Es ist dem Verfasser beim besten Willen nicht möglich, wirklich täglich auf der völligen Höhe seines geistigen Niveaus zu publizieren. 

brotlos

Aus ›Tiger King‹ bekannter Jeffrey Lowe verliert Großkatzen
orfon

Eine allgemein beruhigende Tatsache ist, dass sämtliche Tiere aus der Familie felidae stets auf ihren Beinen landen. Dabei ist es unerheblich, ob sie, aktiv, selbst von wo abspringen, geworfen oder eben, was betrübt, verloren werden.

Verlöre Mister Lowe Butterbrote, so wäre das eine ganz andere Sache.