bald

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


Montag, 26. Oktober 2026, 17:00 Uhr

Steyr, ORKA
trombohuwabone. Eine Ernste Jandliade vum Bertl Mütter
Patriotische Sonderausgabe zum Nationalfeiertag

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vaterland sein kunst
deutsch sprach und österreich vaterland sein kunst —
— österreich sein ein kunstland
vaterkunstland —
— kunstvaterland… 

ernst jandl, aus: die humanisten

Wien, Stephansdom, Pummerin, 15.11.2022 © Klaus Fritsch

Ernst ist es und trombonisch und tohuwabohisch; ist das doch (Gen 1,2) der Urzustand von Allem auf der Erde, meist übersetzt mit wüst und wirr (Luther sagt leer statt wirr). Und ganz ernst sieht Gott zu.

kennen Sie mich herren? –  Irgendeiner (oder -zwei) hört immer ganz ernst zu.

Mütter führt Jandls Texte ihrem ureigenen Verwendungszweck zu – mit Inbrunst vorgetragen zu werden. (…) Mütter verkörpert die Sprache selbst, schlüpft in die Rolle der zu uns sprechenden Stimme, übernimmt zeilenweise die Perspektive einer konkreten Figur. Damit wird die Lesung zum »Spiel«, in dem keine einzige zungenbrecherische Wortspielerei verstolpert wird. Mütter agiert nicht nur text- und sprechsicher, sondern stets gekonnt innerhalb jenes Bereichs, in dem lustvoller Schalk nicht zu unterforderndem Klamauk wird. Vortrag wechselt sich ab mit avantgardistischem Posaunengetön, das Blasinstrument spöttelt und tschilpt. Der fliegende Wechsel zwischen Text und Musik verdeutlicht die Musikalität der Sprache, eines wird zum anderen, bis das andere vom einen nicht mehr zu unterscheiden ist. So hat man Jandl noch nie gehört – aber genau so sollte man ihn immer hören!
Lukas Meschik

Dreh’n Sie sich nicht um! Irgendeiner sieht immer ganz ernst zu.

Es ist nämlich bitte so: Heuer zu Pfingsten durfte ich bei den Literaturtagen im Dunklhof erstmals auch in Steyr jandln. Das hat eine derart begeisterte Zustimmung erfahren, dass sich manche meinem Gejandl noch einmal aussetzen wollen, haben sie verlautet; andere wiederum, die nicht dabei waren, wünschen sich eine zweite Chance. Solln sie haben, und dieses Mal, zur Freude aller Patrioten, mit einem ebensolchen Schwerpunkt. Welcher Tag aber böte sich dafür besser an alswie der Tag der Fahne?

auch hitler war österreicher
nicht nur christus
ernst jandl

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Eintritt freiwillig. Spenden werden großzügig angenommen.

Freitag, 6. November 2026, 14:00 Uhr

Wien, Karmeliterkirche
Wien Modern 2026
Sanftig. Erkundungen zum Sanften Gesetz

Das Bild hat der liebe Franz Kerschbaum am 21. Juni 2026 in seiner Sternwarte gemacht.

Bertl Mütter: Agitator (Posaune, Komposition, Spielertrainer)
Matthäus Schmidlechner: Rufer (Metalltenor)
Antonino Tertuliano: Entspanner (Kontrabass)
Tina Žerdin: Areal (Harfen)

Mit seiner Vorrede zu Bunte Steine (1852) lädt uns Adalbert Stifter ein, in all den noch so großen Vorgängen der Welt (des Kosmos) ein dahinter waltendes Sanftes Gesetz zu erkennen und sich demgemäß zu verhalten. SANFTIG soll eine musikalisch-performative Meditation über die Stifterschen Gedankengänge sein, Appell, das Große im Kleinen zu achten und von dort aus die Gewichter der Welt zu justieren: Plädoyer für die Bewahrung der Schöpfung. Das Publikum erwartet indes keine christliche oder sonstwie esoterische Schwelgerei in Wohlklang oder Wohlgefallen. Es gilt auch, die Ebenmäßigkeit seiner Sprache der inneren Unbehaustheit Adalbert Stifters (bis zur in maßloser Völlerei erworbenen Leberzirrhose samt finalem Rasierunglück) konfrontierend gegenüberzustellen.

Wie es gehen könnte, ob Hoffnung (Hoffnung? Kann es das noch geben, in illo tempore?) möglich ist, und worauf sie hinauslaufen könnte: Das zu untersuchen will SANFTIG anregen.

Der unseren am Modernen geschulten Sinnen so befremdlich überillustriert erscheinende Sakralraum der Karmelitenkirche wird mit mehreren Stationen eine nachgerade ideale Kulisse abgeben; Kulisse? – Was für ein abschätzig anhebender Begriff für einen Lebensraum einer wertzuschätzenden Gemeinschaft, die ihr Leben in einen besonderen Dienst gestellt hat! (Indes, derweil fällt mir kein tauglicher geeignetes Wort ein; vielleicht können wir ihn als materialisierten Ort des Dazwischen betrachten, zwischen dem Sechsten und Siebten Tag der Schöpfung: auf Erden noch, aber bereits vorhineingenommen ins Paradies, was immer das sein mag. Mehr als ein Schönes Bild allemal.

Zumindest sanft zumachen, die Tür. (Sanftig wäre besserer.)


Das SANFTE GESETZ verwende ich (nebst anderem, etwa auch von Gert JonkeSanftwut oder Der Ohrenmaschinist – oder Ernst Jandl) gewissermaßen als Folie, nicht explizit. (…) Will heißen: Durch das Schreiben dieses Teasertexts (s.o.) (…) zwinge ich mich selbst auf die Spur, das inspiriert mich am besten und zielgerichtetsten.
Ad notam SANFTIG – aus dem Email-Dialog mit Wien Modern (leicht gekürzt)


Weitere Termine
Samstag, 7. November 2026, 15:00 Uhr
Sonntag, 8. November 2026, 14:00 Uhr
Eintritt frei!

Freitag, 13. November 2026, 19:30 Uhr

Wien, Franziskanerkirche
Festival Quintessenz
»Improvisation à trois«
Johannes Ebenbauer, Orgel
Jeremy Joseph,
Orgel
Bertl Mütter, Posaune

Quintessenz setzt im letzten Konzert am 13. November mit »Improvisation à trois« wiederum ganz auf Improvisation. Die Interpreten: Bertl Mütter ist als Soloposaunist bewährter Gast bei Quintessenz, Jeremy Joseph und Hausherr und Initiator des Festivals, Johannes Ebenbauer, spielen an beiden Orgeln. Bertl Mütter, ist unkonventioneller Allrounder als Solist, Kammermusiker, Komponist, Autor und Lehrender. Jeremy Joseph, international hochgeschätzter Organist und Cembalist, leitet eine Orgelklasse an der Wiener Musikuni, mdw. Und Johannes Ebenbauer, Professor und Institutsleiter an der mdw, ist ebenfalls als Interpret international unterwegs und als Kustos Hüter der unschätzbaren historischen Wöckherl Orgel. Fliegender Wechsel an den Orgeln, eingefügte Posaunensoli, die unterschiedlichen Stimmungssysteme der beiden Orgeln sowie die Spielfreude der Musiker lassen einen spannenden Abend erwarten. Prognosen für diesen Schlussabend? Spannende mikrotonale Sounds und sicher weitere Überraschungen.
Ankündigungsprosa

Wir dürfen von einer schönen Tradition sprechen: Bereits zum fünften Mal seit 2021 treffen wir uns zum Improvisieren in der vielgepriesenen Akustik der Franziskanerkirche. Es ist indertat ein Riesenvergnügen, halb versteckt im den Raum teilenden Altarprospekt meine Posaunentöne zum Zusammenklang mit den beiden, (zueinander!) wohlverstimmten Orgeln einzubringen. Der Blick ins Kirchenschiff als Altaranimation inmitten der Putti und goldenen Strahlen, hat seinen eigenen Reiz. Und insbesondere in den Pausen, im den nachgerade idealen Hallverläufen Nachlauschen erweist sich der eigentliche Zauber des Klangs der Franziskanerkirche.

Montag, 21. Dezember 2026, 17:00 Uhr

Sonnensteher, 1. Viertel (ein Bild von Klaus Fritsch usurpierend)

S O N N E N S T A N D  [II-1]
Steyr,
St. Josef-Ennsleite
Marianne Durig (Architektin): Den Raum erkunden
Bertl Mütter (Posaune): aus|cul|ta|tio|nes super UE

Michael Atteneder hat sich das ausgedacht und gemacht und gesponsert

Ich glaube, dass ich die elementare Absichtslosigkeit lernen kann.
Peter Waterhouse

hiddenarchitecture.net – via Friedrich Kurrent. Einige Häuser, Kirchen und Dergleichen. Verlag Anton Pustet

Nach dem ersten Sonnenumlauf (Wien: Jesuiten–Steinhof–Sternwarte–Wotruba) beziehen wir eine Bahn weiter draußen: Die Kirche auf der Ennsleite in Steyr ist ein Juwel modernen Sakralbaus, das eine separate Anreise lohnt, und Steyr ja auch ausreichend zauberhaft, selbst (und nicht nur) zur Weihnachtszeit. Marianne Durig wird den Raum mit dem Blick der Architektin erschließen. Dann wird Bertl Mütter mit seinem erzählenden Posaunespiel akustische Welten öffnen. Das gemeinsame Motto sei »Ungeschützte Einfachheit«.

Steyr, St. Josef-Ennsleite. Foto: Burghard Ebenhöh

Eintritt freiwillig.
Spenden für den Musiker werden  g r o ß z ü g i g  angenommen. Und hernach gibt es wärmende Getränke.

Wer mit dem Zug um 16:45 ankommt, wird vom Bahnhof hinaufbegleitet.

… und was machen Sie sonst so?

Ich kenne meinen Weg so wie der Bach den seinen.
Jules Renard

Es ist immer (wer oder) was im Anflug.

Dorothea Wimmer† hat das 1999 in Lienz aufgenommen.

Neben meinen hiersites dargelegten öffentlichen Aktivitäten1 gibt es, wie es sich für ein Künstlerleben gehört, auch sonst nichts alswie fruchtbare2 Momente, darf ich versichern.

(Gewisse Versprechen gibt man sich selber sogut alswie der Welt.)

Und sonst3 mache ich noch wie nebenher: Diese Website frischhalten (am einfachsten ersichtlich beim täglichen Mütterlog); weltwichtiche künstlerische4 Projekte5 und dafür Vor-, Zu- und Nachbereitungen jedweder Art; tatsächlich wichtige Fürsorge- und Liebesdienste, sowie Akte der Freundschaft, runde und eckige Geburts-, Jahres- und Todestage: Nennt mich6 einen Passagenpassagier.

Und – damit ich’s nicht vergess’7Posauneüben. Das höret bitte nimmer auf!8 Mir ist das Posaunespielen beständiger Quell der Freude, Rückhalt in allen Lebenslagen. Was für ein Glück!9