
Sonnensteher, 1. Viertel (ein Bild von Klaus Fritsch usurpierend)
Wien, Jesuitenkirche
SONNENSTAND | Schule der Wahrnehmung
Gustav Schörghofer SJ: »Das Alte neu sehen«
Bertl Mütter (Posaune): aus|cul|ta|tio|nes super RORATE

Gustav Schörghofer nennt seine Reihe SCHULE DER WAHRNEHMUNG. Das deckt sich gut mit meiner Idee einer Schule des Staunens – was wer für WAHR nimmt, ist gottlob/fürwahr jedem selbst überlassen, mittlerweile (und derweil noch). Gustav hat eine gute Viertelstunde unsere Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Putti in den Gemälden und Plastiken des Kirchenraumes gelenkt. Dann habe ich gespielt: Ausgehend vom gregorianischen Hymnus vom Tag (vierter Adventsonntag), genannt RORATE, habe ich diesen perfekten Raum abgehorcht, ein gutes Zeitl, sodass sich das Hineinhören wie von selbst ergeben konnte, wenn auch nicht ganz bis Sonnenaufgang. Zum Ende wieder das schlichte RORATE, und als Zugabe die Sarabande aus der fünften Cellosuite von Johann Sebastian Bach, eine Musik, die schwerer ist als man sie spielen könnte – und genau deshalb hab’ ich sie gespielt.

Meinem Posaunenton ist mittlerweile eine betörend stille Qualität zueigen. Und die Bindungen schmecken nachgerade cremig, verrat’ ich Ihnen. Wollen Sie sich davon überzeugen, bitteschön:
Othmar Habeler-Bergsmann hat mein Spielen aufgenommen, so dezent, dass ich kein einziges Mal gehemmt war, das zu spielen, was ich nun mal spiele. Und das habe ich denn auch getan. Sie hören alles ungeschminkt, und anders interessiert es mich auch, längst schon, nicht mehr. Ideal ist aber, jedenfalls, das unmittelbare Erlebnis.

21. Dezember 2025, Wien, Jesuitenkirche. Auch dieses Bild hat Klaus Fritsch gemacht.
Beim finalen Abapplaudieren dann findich gehört es sich, meiner Partnerin (die wahre Heldin; ohne sie bin ich presque rien) die ihr gebührende Wertschätzung zu erweisen, Please give Her a warm hand!, und so geschah’s also:

Dieses Bild hat der liebe Franz Kerschbaum gemacht, ja genau, der Astronom: Der kennt sich aus!