Überbelegt

20. Februar 2025

Merkwürdiges Reziprozitätsempfinden bei der Meldung, dass nach dem Umsturz in Syrien nun die Gefängnisse zugesperrt würden. Aber wenn sie offen waren, dann kann es sich doch eben um keine Gefängnisse handeln: Es ist ein fortdauerndes Himmelundhöllespiel. Aber ernst.

Wie ich einmal, knapp vor Weihnachten, an der Justizanstalt Stein vorbeigekommen bin, ist mir ein Schild aufgefallen, auf dem stand »Ausfahrt freihalten« – nicht etwa »Einfahrt freihalten« oder so. Das muss ein Komplize organisiert haben. Das Wesen des Gefängnisses besteht ja nicht im Einbruch, wenngleich es ein probater Weg ist um hineinzugelangen, über den Umweg des Erwischtwerdens und nach einer rechtskräftigen Verurteilung, also unfreiwillig, denn wer will schon ins Gefängnis, außer er arbeitet dort, bei der Justizwache etwa, keinesfalls als Sacklpicker, und bereits seit 1959 schon ist im Kittchen sowieso kein Zimmer mehr frei.

[Anm.: Mit dem Mütterlog Vertrauten ist geläufig, dass ich mich mit Vorliebe auf die (scheinbaren oder tatsächlichen) Widersprüche und Ungenauigkeiten der Sprache stürze, oftmals kann derartigem Widersinn ein beträchtlicher Zynismus innewohnen. Dessen will ich mich hier keinesfalls bedienen, sei’s gesagt für die, die’s brauchen: Man will ja nicht gekenzelt werden von all den rezenten selbstgerechten EifererInnen, die da Draußen sind, und die immer zweifellos wissen, wie Alles richtig geht, ohne je selber dafür einstehen zu müssen.]