Otto M. Zykan (1935-2006)

26. Mai 2006

Gestern schreibe ich hier noch von der rechtzeitig zu Christi Himmelfahrt eingetroffenen Radlklingel. Dann ist dieser merkwürdige christliche Feiertag und Otto fällt vom Radl und ist tot. Plötzlich, wie so vieles in seiner Kunst.

Wir verlieren einen liebenswürdig-ruppigen Menschen und Freund und Menschenfreund, einen, den man gar nicht anders als agil, interessiert und zum Staunen bereit kennt und den man sich sicherlich in keinerlei Ruhestand hätte vorstellen können.

Wie wahr, wie traurig wahr.

Otto M. Zykan (1935-2006)
© Photo: Victoria Coeln

Otto, Du warst uns einer, der scharf beobachtete, ein, nun ja, unentbehrlicher Zwischenrufer, durchaus emotional und angreifbar, jedenfalls aber ehrlich und authentisch um die (Herzens-) Sache bemüht. Dass Du manchmal als Wurschtl verkannt wurdest, adelt Dich nur, ist es doch Hinweis auf das zynische Weltbild manch professioneller Beurteiler des Kultur- und Gesellschaftsbetriebs. Dazu passend: Wissen die Dinosaurier eigentlich, dass sie ausgestorben sind?

Beim Auszählreim (dem das Zitat entstammt), 1986 zur Eröffnung der renovierten Grazer Oper so unvergesslich realisiert, habe ich ihn das erste Mal kennen gelernt und war unmittelbar fasziniert von dieser übersprühenden Originalität und diesem Mut zur Kompromisslosigkeit im besten Sinn, eingebettet in einer, wie er es nannte, grandiosen Heiterkeit des Scheiterns.

Mit Otto M. Zykan geht ein großer Mutmacher, und das finale Zitat aus Der Zurückgebliebenen Auszählreim lautet:

Die Lücke, die ihr hinterlassen werdet, wird euch restlos ersetzen.

(Ja, das macht Mut!)