vorbei

Es ist sehr verschieden, in die Zukunft – und in die Vergangenheit zu lügen.
Jean Paul (1799)


Samstag, 5. Juli 2025

Villach, Congress Center
Carinthischer Sommer
Festakt zur Eröffnung

Jetzt haben die mich gefragt, ob ich da einen Beitrag leisten mag. Was bleibt mir übrig!? … Weil ich aber nur eine anlassgemäß kurze Einlage liefere (die Suppe, das ist stets mehr), nicht mehr hier davon und darüber. Aber, he: Was für eine Ehre, ich sag’s Ihnen!

Mittwoch, 2. Juli 2025

Goldegg im Pongau, Goldegg-Weng/Böndlsee
»Erinnerung in Bewegung«

Gedenkwanderung rund um den Böndlsee zu den Schauplätzen des 2. Juli 1944
Führung: Esche Schörghofer
Musikalische Begleitung: Bertl Mütter, Posaune

Im Rahmen der Goldegger Erinnerungstage 2025.


Danke für die Einladung, bei dieser zivilgesellschaftlich außerordentlich notwendigen Veranstaltung adressierende Klänge hör- und fühlbar machen zu dürfen. Zum zweiten Mal (nach 2023) in Goldegg, bin ich heuer bereits zu lieben Freunden gekommen. Und durfte neue dazugewinnen.

Freitag, 13. Juni 2025, nachts

Steyr, Marienkirche (Treffpunkt)
»Unterirdische Stille«

Steyr vom Turm der Stadtparrkirche © Bodipic/Wikimedia

Die Bestattung in der Gruft unterhalb einer Kirche war Geistlichen, Adeligen und finanzkräftigen Bürgern vorbehalten. Die Dominikaner errichteten im 15. Jahrhundert mit dem Bau der Marienkirche auch die darunterliegende Gruft. 1967 wurden die letzten Särge umgebettet.
Die Gruft unter der Stadtpfarrkirche wurde um 1700 erweitert. Kaiser Joseph II. verbot 1784 Bestattungen innerhalb der Kirche.
Die Gruft der Coelestinerinnen-Kirche wurde 1679 eingeweiht. 1784 wurde das Kloster aufgehoben und die Stadt Steyr errichtete im ehemaligen Kirchengebäude das heutige »Alte Theater«. In der Gruft ist das Bild des berühmten Barockmalers Johann Georg Morzer »Die Kreuzigung Jesu« zu sehen.
Nach einer kurzen Erklärung vor der Gruft wird die mit Kerzen beleuchtete Gruft in Stille betreten und meditative Musik erfüllt den Raum.
Katholische Ankündigungsprosa

So betulich die Ankündigung daherkommt: Das ist eine einmalige Gelegenheit, drei sehr verschiedene Grufträume in der indertat grandiosen Steyrer Altstadt zu erkunden. Einer ist voller Krempel, einer durch einen Geheimabgang in einem Beichtstuhl (HUCH!) zu betreten, im dritten befindet sich ein Kreuzigungsfresko eines in Steyr weltberühmten Barockmalers.

Und überhaupst: Wenn mich der Ramsmaier Charly anfragt, bin ich da. Ich bewundere sein zivligesellschaftliches Wirken (etwa im Mauthausen Komitee) und bringe gerne meine Kunst ein, wann immer ich kann (und es angebracht ist).

Die Posaune ist seit jeher den chthonischen Regionen akustisch beigeordnet. Wie meditativ also meine Musik dann wird (oder sein kann) – wir werden’s erleben.


Besinnlicher nächtlicher Parcours, und rechtzeitig zur (d.h. vor der) Geisterstunde waren wir fertig. Wohltuend die Stille, in der wir uns in den (unterschiedlich klischeenahen) Grüften bewegt haben. Ist ein Vorteil, wenn man es mit kirchenraumgewohnten Menschen zu tun hat. Und nicht die Idee von unsäglichem Smartphonemitgefilme, das sich eh nie jemand anschaut. Dafür feines, wertschätzendes Hören. Am Ende herzliche, respektvolle Verabschiedung. Ein großer kleiner Abend. DANKE.

Freitag, 16. Mai 2025

Thalgau, kulturkraftwerk oh456
Lesung + Konzert
Margret Kreidl, Lyrik
Bertl Mütter, Posaune

Margret Kreidl und Bertl Mütter treffen sich im Kulturkraftwerk zum Austausch: Gedichte und Posaune im Dialog. Der Improvisation wird Raum gegeben. Etwas Neues, Überraschendes entsteht – für das Publikum genauso wie für den Musiker und die Dichterin.
Ankündigungsprosa

Margret Kreidl ist eine profunde Darbringerin ihrer eigenen Texte, sie vermag gar – ich habe es bereits mehrmals erleben dürfen – spontan mit ihren eigenen Worten zu jonglieren, wiewohl es geschrieben vor ihr steht. Große Kunst. Somit können wir frohen Herzens bereits im voraus garantieren:

Ein künstlerisch einmaliger Abend!
Ankündigungskurzprosa


Danke für den feinen Abend, den wir letzten Freitag bei euch mitgestalten durften. Ich bin (abermals) beeindruckt von der kommunikativen Atmosphäre in eurem Kulturkraftwerk, die anregend-angeregten Gespräche – und die Schnittlauchbrote; da rede ich noch gar nicht vom köstlichen Wein und dem wohltemperierten Bier: Höchstes Kompliment! Ihr habt in eurem Verein ein wohltuend spürbares, umfassend wertschätzendes Miteinander, zu dem ich euch besonders herzlich gratulieren will!
Künstlerdank

Wer im Kulturkraftwerk oh456 auftreten darf, ist beschenkt.

Samstag, 10. Mai 2025

Steyr, Friedhof, Italiener-Denkmal
80 Jahre Befreiung
Gedenkfeier

Jedes Jahr kommen Angehörige von KZ-Opfern aus Italien nach Steyr, um ihrer ermordeten Verwandten zu gedenken.

Tant’ auguri a te!

Ich betrachte es als eine besondere Ehre, diese Feier mit meinem Posaunespiel begleitet haben zu dürfen. Zum Abschluss haben alle »Bella ciao!« gesungen, das (samt klatschen) darf nicht fehlen. Und dann war da noch Rafaela Lorenzi, deren Vater, Cesare Lorenzi, mehrere Konzentrationslager (Mauthausen, Auschwitz, das Lager der Saurer-Werke in Wien und das Außenlager Steyr-Münichholz) zuerst überlebte und dann zwei Wochen nach der Befreiung an den Folgen der Haft verstarb. Rafaela, eine Dame von sprühender Vitalität, hat genau an diesem 10. Mai ihren 90. Geburtstag gefeiert. Was für ein gelungeneres Obsiegen kann es denn geben, als dass man am Friedhof gemeinsam »Happy Birthday« anstimmt, für jemand Lebendigen!, und noch dazu auf italienisch!

Freitag, 2. Mai 2025

Fels am Wagram, Weingut Wimmer-Czerny
WeinKult 24
*** AUSVERKAUFT ***

Das hat Markus Lidauer (ein gebürtiger Eferdinger, sowas) bereits 2012 photographiert: Was für eine Kontinuität!


Karin Peschka, Lesung

Victoria Pfeil, Bariton- & Sopransaxophon
Bertl Mütter, Posaune; Conférence
Ewald Oberleitner, Kontrabass
Christoph Cech
, Wurlitzer, Schlagzeug

Hans Czerny, Winzer

Der WeinKult 24 ereignet sich im 25er-Jahr, und 24 ist allerdings eine Zahl der Fülle.

Wie sie sich bei den Literaturtagen Steyr erstmals persönlich getroffen haben, fanden sie zunächst einmal eine höchstprivate Gemeinsamkeit heraus (fragen Sie ruhig!). Rasch war klar, dass sie was miteinander machen würden müssen, brucknern, jawohl, und da sie eine Eferdinger Wirtstochter mit empathischem Blick aufs Ganze ist, musste Bertl Mütter Karin Peschka auch zum WeinKult einladen. Spontan hat sie zugesagt, dabei zu sein, kurz nach der Verleihung des Veza-Canetti-Preises der Stadt Wien, große Nachfeiervorfreude!

Musik und Wein. Je weniger Ahnung man davon hat, desto süßer mag man sie.
Richard Powers, Der Klang der Zeit

Die WeinKultKombo (WKK) konstituiert sich jedes Jahr beim Eintreffen der Geladenen. So einfach, so klar. Als WeinKultDebutantin (mittlerweile ein weitum begehrtes künstlerisches Biographiedetail) wird uns die wunderbare Victoria Pfeil in der tiefen (Bariton-) gleichwie hohen Lage (Sopransaxophon) akustisch beglücken; als gestandene Oberösterreicherin (Steyrerin, præcise gesagt) wird sie zudem der Peschkaschen Idiomatik bestmöglich folgen können. Über jahrzehntelange Worterfahrung, gewissermaßen jandlabwärts, verfügt der heuer zum bereits achten Mal unser Fest beehrende Doyen der österreichischen Jazzszene auch reichlich: Wir dürfen uns auf den unglaublichen Ewald Oberleitner freuen! Er springt, in seinem 88. Lebensjahr, für den an seinem WeinKultDebut (s.o.) kurzfristig verhinderten Tobias Vedovelli ein, der ja seinerseits, 2023, höchst kollegial für den damals erkrankten, mittlerweile erfreulich genesenen Ewald in Bertls Trio 90YA eingesprungen war: So geht (nicht nur künstlerische) Freundschaft! Christoph Cech (an Wurlitzer samt Schlagzeug), Wahloberösterreicher und hundertprozentiger Wiener und unseren Hofintendanten Bertl Mütter (mit geographisch umgekehrter Polung) müssen wir hier nicht weiter extra entrieren.

[An sich, so ward in für gewöhnlich gut informierten Kreise ventiliert, hätten wir auch ein 76-jähriges Lyriktalent, gleichfalls Freund des Hauses sowie frischgeehrter Lebenswerkpreisträger (wenn auch nicht für seine Lyrik), in unserer Mitte begrüßen dürfen. Auf freundliches Bitten wäre er, so hatte er mir persönlich versichert, gerne bereit gewesen, anlassbezogene grandiose Petitessen (und anderes) in unserem exklusiv-inklusiven Kreis zum Vortrag zu bringen. Die Nachfeiervorfreude indes wurde am Morgen des Abends durch eine Virusmeldung seinerseits jäh eingebremst, sodass uns nichts anderes übrigbleiben wird, als dass wir, ohne ihn in unsrer Mitte, einen anstößigen Genesungswunsch auf den lieben Armin Thurnher anstimmen werden. Und 77, das ist ja auch eine schöne Zahl.]

Im Mittelpunkt von Allem steht der Wein und all die Köstlichkeiten vom Hofe der Czernys. Überhaupt am wichtigsten aber sind die persönlichen Begegnungen, zu denen es beim WeinKult quasi barrierefrei kommt: Es werde wieder wärmer, und Wärme können wir allerdings brauchen, in diesen Zeiten.

Vonseiten der Intendanz steht dem Symposion nun nichts mehr im Wege.

Markus Lidauer hat 2012 auch das photographiert.

WeinKult ist ja nachgerade das ideale Symposion: Zuerst gibt’s einmal was zu trinken. Dann wird gespielt, daraufhin wird gegessen und getrunken, dann gespielt, woraufhin getrunken und gegessen wird, daraufhin spielen und lesen die Künstler:innen wieder und unmittelbar darauf gibt’s was Gutes zu essen, und zu trinken ist auch noch genug da und so weiter: Wir achteln uns hinauf, alle sind wir illuminiert, aber keine:r angesoffen, und sowas nennt man Angewandte Trinkkultur.

Der Rote Veltliner – nicht nur von Gault & Millau prämiert!

Herzlich willkommen!

Freitag, 7. März 2025

Kufstein, STADTGALERIE dia:log
»Nicht den Hass – die Liebe wählen«
Ausstellungseröffnung

Hermann Glettler, der für seine Kunstvermittlung und eigene Kunstpraxis bekannte Bischof der Diözese Innsbruck, zeigt Einzelarbeiten aus der Serie „crossfit“ sowie eine neue Rauminstallationen mit dem Titel WHOLLY REAL.
Maryam Mohammadi ist eine in Graz beheimatete Fotokünstlerin und Kuratorin. In ihren Fotoserien „über_leben“ und „Memories Icon“ reflektiert sie über die Auswirkungen von Revolution und Krieg auf ihre Biografie.
Ankündigungsprosa

Eröffnung: Maria Reitberger – Kulturamt Kufstein
Einführung: Hermann Glettler und Maryam Mohammadi zu den Kunstwerken
Musikperformance: Bertl Mütter – Posaune

So betulich-sedierend das »Motto« (s.o.) auch außerhalb christlicher Blasen klingen mag, es ändert nichts daran, dass diese Option – im Gegensatz zu den bekannt zynischen Ansagen machtwütiger Grobiane – die einzig wahrhaft alternativlose ist. Da mache ich mit. So gut ich kann. Warme Töne schaden nie.


Beeindruckende Bilder von Maryam Mohammadi, und was für eine Persönlichkeit! Alles hat sich wunderbar zueinander gefügt, und die zahlreich gekomenen Menschen haben sich, so hat es sich mir dargestellt, auf die Kunst und ihre dahinter liegende Thematik eingelassen. Etliche haben mich angeredet hernach und haben mir ihre Wahrnehmungen berichtet; viele konnten dabei zum Kern meiner Klanganliegen vordringen und sind nicht an der Oberfläche (»Wie machen Sie das, mit den zwei Tönen?« – »Waren Sie in Tibet?« etc.) hängengeblieben. Ein gutes Gefühl, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. DANKE.

Freitag, 13. Dezember 2024

Steyr, Rathaus

Persönliche Benachrichtigung, Freitag, 15. November 2024

[Hansjörg = Rangger, Geschäftsbereichsleiter GB VI (Kultur, Bildung und Sport), Magistrat der Stadt Steyr]


Ehre sei dem Mütter: Sich einfach einmal unbeschwert freuen zu dürfen ist auch was Feines. Wo ich doch konkret dafür (wie für alle Ehrenzeichen) nichts (in Worten: NICHTS) unternommen habe; außer vielleicht die Fakten für die zu gewärtigende Preiswürdigkeitsbegründung (vlg. Laudatio) gegenzulesen. Und ein bissl Biographie. Aber so ist das Leben: zuhöchst biographisch, und manchmal von Ehre(n) gezeichnet.

Eine eigene Seite im Goldenen Buch; der Kuli war, man sieht’s, hernach erschöpft.

Sapperlot (1): Einstimmig! – geht ja doch zwischendurch was weiter in unserer Aufregungspostdemokratie.

Sapperlot (2): Binnen quasi exakt eines Jahres ist mir an diesem emblematischen Datum der nächste (ich kann Sie beruhigen: undotierte) Ehrenpreis – ein kleiner Distinktionssticker (für alle Tage) und eine opernballtaugliche Blätschn – übergeben worden. Allerhand, wirklich wahr!

Die Gezeichneten: Eva-Maria Pötzl, Johannes Angerbauer, Bertl Mütter (mit Posaune). Hinter uns steht die Politik, geschlossen.

Markus Vogl, unser Bürgermeister, hat sehr entspannt durch die Feier geführt, und, besonders erfreulich, er hat in freier Rede glaubwürdig persönliche Worte zu jeder/m von uns gefunden: Seltener Fall eines Politikers, den man auch bei kulturellen Veranstaltungen im Publikum findet (und der hernach auch hilft, die Sessel zu stapeln).

Welch’ Ehr’ – welch’ Bürd’: Ab nun muss (zum Glück nicht nur) ich mich permanent ausgezeichnet fühlen. Das Restleben wird anstrengend!

Auszüge meiner im Namen aller Ausgezeichneten – Johannes Angerbauer, Eva Pötzl und (Ehrenring) Karl-Heinz Rauscher – gehaltenen Dankesadresse, für die ich mich wiederum aus Dankesschreiben meiner geschätzten Komponistenkollegen Anton Bruckner (war öfter in Steyr) und, abschließend, Johannes Brahms (kein Steyraufenthalt belegt), sie – gerade noch zeitgemäß – demokratisch adaptierend, bediente:

Mit großer Rührung nehme ich im Gefühle meiner Unwürdigkeit dies große Geschenk als bischöfliche städtische Gnade und küsse voll Dank ehrfurchtsvoll Ihre Hände, bittend, mir nie Hochdero Gnade entziehen zu wollen.
(…)
Danke Frl. Martha Dem Gemeinderate recht innig für diese Auszeichnung und bitte recht zudringlich um Ihre so schöne Fotografie.
(…)
Wie groß meine Freude ist über Ihr herrliches Bild, kann ich nicht sagen. Danke aus ganzem Herzen dafür! Das durch dieß so gelungene Bild vorgestellte wesen ist kein unbedeutendes Ding, wie Sie immer meinen, ist ein hochintelligentes, prachtig erzogenes, schönes Fräulein Gremium, ausgerüstet mit den edelsten weiblichen demokratischen Tugenden! Wer Sie näher kennt, wird Sie nur bewundern und Gott bitten, daß Sie so bleiben mögen! Danke nochmal sehr.
(…)
Danke Dir für das herrliche Fleisch.
(…)
Eure Majestät Der Magistrat haben die hohe Gnade gehabt den allerunterthänigst Gezeichneten durch die Verleihung Allerhöchst Ihres Maximilian-Ordens Ehrenzeichens auszuzeichnen. Indem ich bitte Eure Majestät Der Magistrat möge geruhen meinen so unterthänigen als tiefgefühlten Dank für diese so hohe und beglückende Auszeichnung entgegen zu nehmen, empfinde ich lebhaft wie sehr mir die Worte mangeln diesem Dank den mir genügenden Ausdruck zu geben. Erscheint dem Künstler gleich in früherer Jugend kein Ziel so hoch, zu schwer zu erringen, so kommt doch wohl auch dem Größeren nicht leicht die Zeit wo er glaubt das Ziel erreicht, den Preis verdient zu haben. Einzig das sichere Bewußtsein, durch ferneres ernstliches Streben des Ordens nicht unwürdiger zu werden, lassen mich wagen das verehrte Zeichen zu tragen und Eurer Majestät Dem Magistrate meinen unterthänigsten und tiefempfundenen Dank zu sagen.

Dabei habe ich – entgegen der Einstimmigkeit der gemeinderätlichen Beschlüsse – mit meiner Posaune mehrstimmig gespielt: Es ist mir jedoch fast nur »Happy Birthday« eingefallen (das passt immer, hatten doch oder haben noch alle Anwesenden in diesem Jahr Geburtstag) und, in Ermangelung einer Steyrer Stadthymne (die ich mich bei dieser Gelegenheit explizit weigerte, komponieren zu wollen; es hätte mich auch keiner darum gefragt), S’Hoamatlånd – das habe ich zuletzt auch, vor ein paar Jahren (2007), im Park Güell zu Barcelona, nebst einer Oberösterreich repräsentierenden Hängeblutbuche (Fagus sylvatica purpurea pendula – erstgegossen mit Wasser vom Attersee und doch mehr ein, tut mir leid, mickriger, kaum hüfthoher Strauch) zum Erklingen gebracht.

Größte Rührung unter den Umstehenden. Tiefst empfundene Dankbarkeit, allüberall.

Folgten Umtrunk am Ort der Ehrung und, im Anschluss, Ausspeisung in einem dem Anlass angemessen würdigen Restaurationsunternehmen (geschlossene Gesellschaft).

Mittwoch, 20. November 2024

Eferding, Festsaal der Raiffeisenbank, Schiferplatz 24
Peschka und Mütter BRUCKNERN
Text, Getrööte und Allerlei Rederei


Karin Peschka – Affiges und Gezupftes
Bertl Mütter – Briefe & Posaunentöne von, über & Anton Bruckner
Allerlei Rederei – Teil drei (intermittierend)

Da ginge es halt mal grob um das Buch/Stück »Bruckners Affe« und den Essay »Pizzicato«, ich hätt halt auch den einen oder anderen Brief gelesen, auf den ich mich beziehe, und generell find ich: eh wurscht! Wir kündigen einfach an und machen dann, was wir wollen bzw. was wir uns bis dahin überlegen. Schön wärs, wenn wir uns die Bälle zuwerfen am Abend, also nicht nach Norm und Form die Teile runterrattern. Vielleicht schaffen wir ja bis dahin auch eine Kleinigkeit Selbstgestricktes. Was uns eventuell bei Eiskaffee/Bier im Sommer unter roten Sonnenschirmen einfiele. Was meinst?
Karin Peschka an Bertl Mütter, 5. Juni 2024

👍👍👍
Bertl Mütter an Karin Peschka, 5. Juni 2024

Wir haben einander bei den Steyrer Literaturtagen (persönlich, endlich – ist ja wirklich Zeit geworden!) kennengelernt. Wie es halt so sein kann: Man ist sich sympathisch, entdeckt spontan frappierend Gemeinsames, (…), irgendwie war sogleich klar, dass wir was miteinander machen müssen, et voilà!


Karin ist eine wunderbare Kollegin, Freundin, darf ich sagen. Wir durften einen herrlich offenen Abend gestalten, an dem wir Bruckner als Menschen vorstellten, fern der ihm zugedachten Klischees, der alles nach der von ihm hervorzubringenden Musik ausgerichtet hat und sich dabei immer auf beeindruckende Weise treu geblieben ist, auch und insbesondere zum Preis einer ihn als kauzig bis vertrottelt rezipierenden Um- und Nachwelt. Volles Haus, freundlichste Aufnahme. DANKE.

Freitag, 15. November 2024

Wien, Franziskanerkirche
Festival Quintessenz
»Improvisations à trois«
Johannes Ebenbauer, Orgel
Jeremy Joseph,
Orgel
Bertl Mütter, Posaune

Quintessenz, das andere Orgelfestival in der Wiener Franziskanerkirche widmet sich in seinem fünften und letzten Konzertabend am Freitag, dem 15. November unter dem Titel »Improvisations à trois« wieder ganz der Kunst der Improvisation – diese, meist als Domäne der Orgel verstanden, ist auch anderswo zu Hause: so ist der unglaublich vielseitige Posaunist Bertl Mütter, dessen Soli allein schon begeistern, ebenso wieder dabei, wie Jeremy Joseph und der verdiente Gründer des Festivals und Hüter der Wöckherl-Orgel, Johannes Ebenbauer. Diese drei Musikerpersönlichkeiten lassen sich anhand weniger Notizen von neuesten Kompositionen – quasi »und die Tinte noch nass…« wie auch vom eigenen Spontanerlebnis inspirieren. Kontrolliert und emotional, virtuos in der Form und frei fliegend, das können nur Profis – und das tun sie auch für das treue Publikum in dieser Kirche, die vielleicht überhaupt die reichste (kirchen)musikalische Tradition in Wien aufweisen und vermitteln kann. Zwei Orgeln, die wunderbare alte Dame im Betchor und das stolze Rieger-Instrument werden alles hergeben müssen – und dazwischen Bertl Mütter, der nachdenkliche und ebenso zu fulminanten Ausbrüchen fähige Posaunist.
Ankündigungsprosa, Peter Sterzinger

Wir dürfen von einer schönen Tradition sprechen: Seit 2021 treffen wir uns einmal im Jahr zum gemeinsamen Improvisieren in der Franziskanerkirche mit ihrer zurecht vielgepriesenen Akustik.

Es gewährt mir ein großes Glücksgefühl, zwischen den beiden Orgeln stehend meine Klänge zu einer veritablen Raumsymphonie beizusteuern. Der Blick hinunter ins Kirchenschiff, als Altaranimation inmitten der Putti und goldenen Strahlen, hat seinen eigenen, durchaus auch skurrilen Reiz. Ein großes Geheimnis kann ich Ihnen hier vorweg anvertrauen (es ist so bei praktisch jeder wahren Musik): Das eigentliche Juwel beim Spielen sind die Pausen. In der Franziskanerkirche heißt das zusätzlich: Dem Zauber der nachgerade idealen Hallverläufe nachlauschen.


Jedes Jahr eine Riesenfreude, und mein runderneuertes, posaunenflüstererbeflüstertes Muthorn-SL mit dem neuen Schilcke 59er, das klingt sowas von klar und fein und rein – es hat sich in den Raum mitgeteilt, was für ein Beglück.