Panorama

8. Juli 2021

Stock und Hut
steht ihm gut

ist gar frohgemut
Deutsche Volksweise

»I håb går ned gwussd, dass ma vo Klågnfuat in Daumberg siachd«, sagt Papa, wie ich ihn im Spital besuche. In der Früh war die zweite Hautoperation binnen eines Monats, nach dem Zellbefund musste man – erwartungsgemäß – tiefer hineinschneiden, damit auch wirklich alles heraußen ist: eine durchaus komplexe Aufgabenstellung für die Operateure, am Ohr, dicht bei wichtigen Gesichtsnerven und den Speichelgängen. Indes, alles scheint gut gegangen, Papa hat unter Lokalanästhesie wieder einmal brav stillgehalten. 

Seine Desorientierung aber ist bestürzend oder, wenn es einem jeweils gelingt, sich empathisch einzulassen ohne ihn für blöd zu verkaufen und somit zu verhöhnen, höchst spannend bis durchaus witzig. Und lachen, das funktioniert und macht auch ihn fröhlich. Was für ein Glück, dass er mit einem derart freundlichen Naturell gesegnet ist.

Ich erzähle ihm von unserer Wanderung letztes Wochenende, wie wir von Losenstein über die Laussa und den Schwarzberg zum Damberg gegangen sind, ganz schön ein Hatscher (ob es sich da um ein muslimisches Lehnwort handelt?). Papa meint, dass man vom Damberg (811 m) wohl einen schönen Blick nach Klagenfurt haben müsse, und es spricht ja nicht wirklich was dagegen, außer vielleicht der Triebener Tauern und, vorher schon, der Hohe Nock (1.963 m ü. d. adriat. Meere), aber den umfährt man ja mit dem Auto, auf dem Weg nach Càorle. Und Klagenfurt.

Der Blick aus dem Gangfenster, bei dem er heimgehbereit in Straßenkleidung an einem Tisch sitzt, geht übers Steyrer Spital (ähnlich den Kunstuniversitäten scheint es auch hier Mode zu sein, etwa alle drei Jahre den Namen – für diesmal aber endgültig! – zu ändern: gegenwärtig heißt es sich Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum, wie einprägsam), südöstlich über die Stadt, im Hintergrund linkerhand Behamberg und der Blick ins Kleinramingtal, ganz rechts die St. Ulricher Kirche; im Zentrum der Damberg mit Laurenzikapelle und Warte. Ich deute zuerst auf den Damberg, ja, natürlich sei der da hinten; seinerzeit, der Vater, sei noch auf der alten Warte gewesen. Und die drei Hochhäuser habe es auch schon gegeben. In der mittleren Tiefe des Panoramas mit, wenn man genau schaut, dem Turm der Stadtpfarrkirche, natürlich sei das die Stadt, wie ich denn da fragen könne. Aber gleich im Vordergrund, im näheren Umkreis des Fensters, das sei aber schon und ohne jeden Zweifel: Klagenfurt. Wenn man ihn morgen wieder heimbringe (er verspricht, einsichtig, im Spital zu bleiben, vergisst das aber in weniger als einer Minute, mehrfach) hätten sie aber weit zu fahren, von Klagenfurt bis ins Münichholz. 

Zwischenzeitlich verlagert sich die Gebäudelandschaft im Vordergrund noch ins Burgenland, Graz, genau, Klagenfurt.

Die Leute von der Rettung werden die weite Strecke sooderso ganz sicher in allerhöchstens einer Viertelstunde schaffen, und Papa nickt voll Zuversicht, frohgemut.