nachtrag zum jonktag Donnerstag, 10. 2. 2011, 0:00

zum ersten licht, gegen halb sieben, am hang unterm friedhof: der erste vogelsang.
8. februar: sie sind da.
kirschhackeramseln et al.
später, krähen, sich entfernende rettungssignale.



fokkersmoker | anjonkdenk Mittwoch, 20. 1. 2010, 0:00

triebwerk rauchte: aua-maschine evakuiert
orfon, 19.1.2010

im artikel dann schreiben sie: beim starten hat das linke triebwerk zu rauchen begonnen.
ich weiß, es ist eine billige pointe (es scheint sich um eine woche der aufgelegten pointen zu handeln), aber auf flügen herrscht längst schon striktestes rauchverbot, und so eines gilt doch wohl auch außerhalb der kabine.
dass der artikel aber am 19. jänner erscheint, ein jahr nach seinem begräbnis, erinnert mich an den liebsten und ehrlichsten aller raucher, wie wir ende märz 2008 in st. petersburg auf unseren rückflug gewartetet haben (verspätung; man erwartete eine fokker 100), und wie sie im flughafengebäude den lückenlosen nichtraucherhimmel ausgerufen hatten, nicht einmal einen rauchkarzer hat es gegeben (wenn er will ist er eben noch gründlicher und europäischer alswie der westeuropäer und noch amerikanischer alswie der amerikaner, der russ), wie er zunehmend zustandsgebunden geflucht hat, auf alle und alles, hadernd mit den irdischen kräften vor allem, und sein schwur, niemehrwieder zu fliegen, das sei ja beugehaft, ehrlich erbost.
hättest du deinen flugbannfluch doch nicht so strikt eingehalten, mein lieber gert. wie du fehlst, mehr als ein jahr nach deinem tod, um nichts weniger, was soll ich sagen.



jonknach (4) Dienstag, 27. 1. 2009, 0:00

diese paradox unpoetischen situationen, an denen uns gert jonke einfallen wird, etwa wenn sich elfjährige in prätuberant präpubertärer penetranz ein den waggon stinkbombendosisch umundum zerstörendes nasenzukleisterndes redbull hineingurgeln.
achja, den kleistpreis hatte er auch bekommen.



jonknach (3) Montag, 26. 1. 2009, 0:00

der himmel, der nichts anderes ist als die wasseroberfläche, zu der wir vom meeresgrund aufschauen, ist mit wolkentieren bevölkert. ab und zu schwebt mit auskragenden augen ein rochen oder hammerhai ostwärts zu boden.
gert aber ist längst am oberen bildrand hinausgeschwommen, lurchgleich metamorph. die venus steigt über die kuppel. vorbei an schubert und beethoven verlassen wir, quasi una fantasia, die nekropole.



jonknach (2) Sonntag, 25. 1. 2009, 0:00

die krähen behaupten, eine einzige krähe könne den himmel zerstören. das ist zweifellos, beweist aber nichts gegen den himmel, denn himmel bedeutet eben: unmöglichkeit von krähen.
franz kafka

oben auf der treppe, beim hinaustreten aus der kirchkuppel, die glocken übertönend, die vögel (kirschhackeramseln, raben, eisvögel, haselhühner, goldfasane, kondorsegler, fischadler, weißkopfgeier, hühnerhabichte, mäusebussarde, turmfalken, spottdrosseln, schneeeulen, amaranten, borstenschwänzler, saftleckerspechte, breitmaulbrillenwürger, blauscheitelorganisten, brutschmarotzstürzler, dickichtschlüpfer, erdhöhlentöpfer, gelbpürzelblütenpicker, gimpelhäher, klippenkleiber, lappenschnäpper, luftröhrenschreikropfpfeifer, molluskenschmätzer, pfefferfresstrompetenwürger, rotsichelspötter, schluchtenrötelstutzhaubenpürzler, schneeballwürger, graubrustraupenschmätzer, spitzschopftrugpürzelstelzer, großschnabelkardinäle, dompfaffdotterpinsler, rhinozeroshelmhornputzer, maiskolbenfagottstotterer, schilfrohrschalmeienkeifer und dudelsackbauchflatterer) mit ihrer betörend persönlichen erlösungslitanei, lassen sich dieses eine mal: heute nicht so gnädig erst bitten.
und die krähen, die es nicht geben kann, hinken wie die pompfüneberer nicht und fliegen schließlich ins abendlavendel, heim von eines kurzen tages arbeit, himmelwärts.



jonktraum | variante Samstag, 24. 1. 2009, 0:00

dieser traum in der nacht vor jonkes begräbnis. wir, eine größere gruppe von freunden, haben uns in einem salon oder pavillon versammelt, hell ist es, die stimmung gelöst, nicht traurig oder gar schwer. die tafel ist mit langstieligen blumen (lilien, calla) frühsommerlich geschmückt, die kleider der damen haben auch etwas helles, maiglöckchenhaft luftiges. es ist wie bei der landpartie in fritz lehners schubertfilm, noch ist tag, aber es wird abend werden, und alle anwesenden wissen, dass es zeit wird, auf den friedhof hinauszugehen. gert aber ist unter uns, und gar nicht zentrum der aufmerksamkeit, sondern einfach heiter anwesend, was eine merkwürdig zweischichtige zeitempfindung auslöst: alle hier wissen, dass wir ihn, den verstorbenen, gleich eingraben werden, und ganz sicher liegt er schon längst aufgebahrt in der luegerkirche, zugleich ist er aber hier unter uns, eine leicht unbeholfene peinlichkeit kommt auf, aber keiner, auch ich nicht, wagt ihn anzusprechen, sodass am schluss nicht ganz klar ist, ob jetzt ein begräbnis stattfindet, stattfinden kann.

im aufwachen und nach diesem merkwürdig durchträumten tag, an dem wir uns, nach dem begängnis, im schloss concordia versammeln, diesem patinierten pavillon, dem die nicht vorhandene frühere größe von den wänden abblättert und wohin wohl schon schuberts freunde ihre damals ebenso friedhofsfernen landpartien unternommen haben, ist alles vollends klar.
ich bin nicht der einzige, der gert gesehen hat, blinzelnd aus dem halbblinden spiegel.



jonknach (1) Freitag, 23. 1. 2009, 0:00

und, das wurde bei der rede des wiener kulturaals wieder einmal peinlich deutlich, es sind immer die auszeichnenden, welche anhand der ausgezeichneten sich selbst (durchaus auch persönlich) auszuzeichnen wissen. inklusive ehrengrab, den jonke nimmt wien keiner mehr weg. aber das passt schon so. man stelle sich nur vor: in klagenfurt.
vergessen wir diesen gedanken.



jonktraum Donnerstag, 22. 1. 2009, 0:00

dieser traum in der nacht vor jonkes begräbnis. wir, eine größere gruppe von freunden, haben uns in einem salon oder pavillon versammelt, hell ist es, die stimmung gelöst, nicht traurig oder gar schwer. die tafel ist mit langstieligen blumen (lilien, calla) frühsommerlich geschmückt, die kleider der damen haben auch etwas helles, maiglöckchenhaft luftiges. es ist wie bei der landpartie in fritz lehners schubertfilm, noch ist tag, aber es wird abend werden, und alle anwesenden wissen, dass es zeit wird, auf den friedhof hinauszugehen. gert aber ist unter uns, und gar nicht zentrum der aufmerksamkeit, sondern einfach heiter anwesend, was eine merkwürdig zweischichtige zeitempfindung auslöst: alle hier wissen, dass wir ihn, den verstorbenen, gleich eingraben werden, und ganz sicher liegt er schon längst aufgebahrt in der luegerkirche, zugleich ist er aber hier unter uns, eine leicht unbeholfene peinlichkeit kommt auf, und in einem unbeobachteten moment am gang meine ich zu gert, dass wir schwerlich aufbrechen können, wenn er nicht vorgehe, damit er, der unzweifelhaft tote, sich in seinen sarg legen könne, es wäre doch besser, wenn da niemand von uns zusehen müsse, und die pompfüneberer würden ihm beim besteigen seiner hölzernen raumkapsel behilflich sein, man habe da eine spezielle treppe, gangway, nur kürzer und aus schmiedeeisen, den kranzständern zum verwechseln ähnlich, eigentlich ist es ein kranzständer mit zusätzlicher treppenfunktion, weshalb sie bei begräbnissen niemandem auffalle, da sie dann den kranz an der scharnierlosen längsseite des sarges halte, der die geheimtreppe vollends verberge, und das sei auch besser so.
ob er mit seinem rabengang vor uns aufgebrochen ist oder nur eine abkürzung, ein metaphysisches wurmloch, genommen hat, etwa beim tor eins die stichstraße zur luegerkirche, während die trauergemeinde den offiziösen haupteingang zur nekropole nehmen wird, nehmen muss, wird im traum nicht bekannt gegeben.
beim begräbnis dann funktioniert alles tadellos. fraglich allerdings ist, ob er sich nicht verkehrt und so uns alle hineingelegt hat.



jonktrauer (8) Mittwoch, 21. 1. 2009, 0:00

zu sich nach hause auf die terrasse seines penthouse lädt er uns ein, wo wir jederzeit willkommen sind, aber nur, wenn wir pünktlich und vollzählig versammelt sind.
ich habe diesen text zum abschied stets geliebt, die verblüffung, die sich langsam im publikum breit macht, wenn es die pointe kapiert und dann seine freude, sein vergnügen an den variationen dieser pointe.
gerts penthouse (das einzige seines lebens, in dem er als kauz, wenn auch höflich, so doch weitgehend ignoriert wurde) hat jetzt die adresse gruppe 33 g, nr. 41, unweit von jandl (nr. 29), und unbefristet: auf friedhofsdauer, das gibt sicherheit. sie brauchen aber nicht hinzukommen, weil sie nie nie nie vollzählig sein werden können.

lesen und leben sie ihn, jederzeit willkommen, in seinen texten.

er macht uns so reich.



jonktrauer (7) – choreographiephantasie Dienstag, 20. 1. 2009, 0:00

ob die sargtragenden pompfüneberer bei jonkes beerdigung, die ohne jeden zweifel den gang mit gestutztem flügel gegangen sind, annähernd pinguinisch und selbstverständlich synchron, dies unbewusst oder nach tagelangem training taten, wir wollen es nicht so genau wissen, es ist letztlich egal, es ist jedenfalls im letzten poetisch.


jonke (als webern) und schönberg, berlin, ca. 1926



jonktrauer (6) Montag, 19. 1. 2009, 0:00

heute um 15.30 ist die begräbnisfeier für gert jonke
(wien, zentralfriedhof, karl-borromäus-kirche)

im nachwort zur schule der geläufigkeit schreibt jochen jung: vor langer zeit hat jonke sogar fliegen können; im traum gelingt ihm das heute noch. damit er das nie vergisst, hat er sich einen gang mit gestutztem flügel angewöhnt.
jonke du mutmacher, dass jeder seinem vogel nachfliegen darf, soll und, sich durch niemand und nichts beirren lassen dürfend,  k a n n.  du lebst es vor, und abgehoben bist du schließlich aus deinem allzu engen leib, mein lieber gert.



jonktrauer (5) Sonntag, 18. 1. 2009, 0:00

(am 9. jänner hätten wir in steyr gespielt. und im frühjahr wollten wir gemeinsam nach lissabon.)
was wollen sie noch erleben?, war die letzte frage im filmportrait reise zum unerforschten grund des horizonts von ingrid ahrer und martin polasek.
einmal möchte ich nach lissabon, hat jonke geantwortet, oder nach steyr, da war ich nämlich auch noch nie.
und hat verschmitzt geblinzelt.



jonktrauer (4) Samstag, 17. 1. 2009, 0:00

jonke hat, oft befragt, warum etwas wie sei oder was etwas bedeuten solle, geantwortet: das weiß ich doch nicht. des kann man nicht wissen.
eben. wissen in diesem quasimateriellen sinn ist nämlich letztlich überhaupt nichts. und sowas beruhigt, macht lächeln, darf zahnlos sein sogar, beim frühstück im hotel in st. petersburg die prothese vergessen habend, laut herauslachen. sokratisch, besser: jonksch (jonkesk, das würde nicht so gut passen).



jonktrauer (3) Freitag, 16. 1. 2009, 0:00

überhaupt hat jonke kaum von seiner arbeit gesprochen, war ja an ihr leidend. glücklich, wenn er fertig war, konnte er sich nicht vorstellen, je wieder etwas schreiben zu wollen, gar zu müssen. so war er auch, nach dem abschluss der stücke und des filmportraits, sehr zufrieden, ja, entspannt in der letzten zeit. viel lieber hat jonke nämlich über die musik gesprochen, klaviermusik zumal, szymanowski, skrjabin, rachmaninow, ihre spieler, richter, hamelin, michelangeli, anderszewski, immer mit begeistertem respekt. ansonsten war das innigste gespräch mit ihm, gemeinsam über die wesentlichkeiten der kunst, des lebens zu schweigen. weil es war alles klar in ihm und auch, von anfang an, zwischen uns, nichts zu besprechen: einfach eine stunde im café sitzen, warten, bis der kaffee wirklich ausgekühlt ist, ihn hinunterstürzen, vielleicht noch einen, oder, früher, red bull, später zuckerfrei, ein paar dosen binnen kurzer zeit, dazu einige zigaretten. zuletzt bitzelwasser, dann ungezuckerter tee, dann stilles wasser. aber immer gestürzt.



jonktrauer (2) Donnerstag, 15. 1. 2009, 0:00

man muss das machen, was man machen muss, und alles andere ist ja lüge … und opportunismus.
gert jonke, etwa 2005

jonke war kein sich mit genialischem nimbus umgürtender großschriftsteller, hatte nicht diese irlandsausgewanderte bedeutungsnot, war keiner, den man nur schräg von unten und mit flatterdem grauhaar posierend ausschließlich für apotheosen ablichten durfte. sowas hatte er nicht nötig. jonke kannte borges kannte jonke kannte canetti kannte jonke. borges und canetti hielten, auf unterschiedliche art und weise, hof. der eine hatte seinen sprechtag, und da ließ der erblindende, schließlich blinde seher nur zu, wen er wirklich sehen wollte, gerne und immer wieder jonke. canetti wiederum mochte in london das gleiche lokal, und er schätzte jonke, seinen geometrischen heimatroman, hat mir jonke erzählt, nebenbei, ohne zu prahlen, das war ihm fremd, und er hat sofort weitere autoren genannt, handke, innerhofer, andere noch. jonke jedenfalls redete mit canetti und borges, über allerhand, und ganz sicher nicht über durch sie zu beförderndes vorwärtskommen in einer zu planenden dichterkarriere. die er ja gar nicht plante, planen wollte. andere sind da geschickter, keine frage, er aber hat das gemacht, was er machen musste (siehe das zitat oben).



jonktrauer (1) Mittwoch, 14. 1. 2009, 0:00

mariazeller lebenselixier
tinctura longæ vitæ
anwendung: 3x tgl 10 tropfen
apo. ‚z. gnadenmutter’
mhd 12.2009

arzneimittelaufschrift (50ml)

er hat es mir, als er mir zum geburtstag geschenkt wurde, und wir auch von sankt sebastian in die stadt spaziert sind, augenzwinkernd und mit ernstem blick, jedenfalls vollen herzens, geschenkt. als ehemaligem alkoholiker war dieser alkoholische auszug aus passionsblume, weißdorn, melisse, taigawurzel, orangenschale, zimtrinde und ginkgo wohl nichts für ihn. und er hat damals, anfang juli, zumindest geahnt, dass dieses elixier für ihn zu spät kommen würde. aber es war ein wunderschöner, entspannter, befreiender tag, abend und morgen mit ihm in mariazell, beim lurgbauern und auf der heimreise, für den wir lebenslang, und das bedeutet: über den tod hinaus dankbar und glücklich sein dürfen.
gert, paradieskauz, ganzundgar unabwesender, seit eh und je.



Schule des Staunens 6.5 Sonntag, 15. 2. 2015, 12:00

(Materialien, eingewoben in meine Schule des Staunens am 9. bzw. 10. Februar 2015 im Wiener Konzerthaus)

«Bedenken Sie, meine Damen und Herren Blechbläser, was Ihr Instrument alles von Ihnen zu erleiden hat. Im Grunde genommen wird so ein Blechblasinstrument während des Spielens von ihnen pausenlos vollgespuckt. Sie bemerken es ja selbst, wenn Sie den Schalltrichter ihres Instrumentes nach dem Konzert über dem Konzertpodium ausschütteln und ausleeren. Die Konzertpodien der ganzen Welt sind vom ausgeschütteten Speichel der Blechbläser überall richtiggehend gebeizt. Das können Sie, wenn Sie den Boden genauer anschauen, überprüfen. Und bei den meisten Blechbläsern vieler Orchester habe ich den Eindruck, dass die Instrumente von ihnen weniger gespielt als genotzüchtigt werden. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, ob Sie das auch wünschenswert fänden, wenn jemand sie zum Mund führt – sie mundeinwärts vollspuckt, dann nachblasend das vollgespuckte weiter durchstößt, nur damit auf ihrer anderen Seite irgendein Ton herauskommt?»

Gert Jonke, Chorphantasie (2003)



westwärts, naturgemäß Montag, 24. 2. 2014, 0:00

dampfpfeifen pfeifen
regieanweisung, thomas bernhard, immanuel kant

es gibt arten von dramen, die erfordern ein sehr spezialisiertes vorstellungsvermögen, will man sie mit gewinn lesen.
bernhard, das geht, halbwegs. jonke, o ja, auch!
bitte laut und deütlich lesen!



kikerigluck Montag, 4. 3. 2013, 0:00

hahn sieht keinen grund für „wasser-aufregung”
orfon

viel ist schon getan,
mehr bleibt noch zu tun,
sprach der wasserhahn
zu dem wasserhuhn
robert gernhardt

ob es sich um einen künstlich entfachten sog. sturm im wasserglas handelte? wodurch aber war das glas zum wasserglas geworden? wielange muss der sperrschieber bei einem rohrquerschnitt von x cm2 aufgedreht sein, damit ein gefäß vom volumen y cm3 bis zur höhe z der markierung vollgelaufen ist? wollen wir dazu – schlag nach bei nabokov – herrn pnin fragen?
indertat, viel gibts noch zu tun! (immerhin, den wörthersee dürften sie jetzt wieder auffüllen – postumer dank dafür auch an gert jonke!)



soisserhalt (zum geburtstag) Dienstag, 8. 2. 2011, 0:00

NOVENE ZUM HEILIGEN JUDAS THADDÄUS
IN GANZ AUSSICHTSLOSEN ANGELEGENHEITEN
diese novene muß 6x täglich konsequent 9 tage lang gebetet werden.
9 exemplare dieser novene, müssen jeden tag in einer kirche ausgelegt werden.
spätestens am 9. tag, wenn nicht früher
und ward noch nie unerhört.

(gläubisches originaltranskript; in welchem betzentrum das rückseitig notierte zaubersprüchlein ausliegt, wird – unter dem siegel der verschwiegenheit – auf nachfrage gerne mitgeteilt)

gert jonke, einen tag vor thomas bernhard geborener, was ihm entschieden mehr fröhlichen irrsinn, gänzlich gallelosen (man könnte auch sagen: karamelligen) irrsinn, gegeben haben dürfte. mit ihm zu sein, es war so ein geschenk, seine heilige sturheit, die einem nur ein soisserhalt übrigließ (alles andere wäre auf kosten seiner fraglosen, immer präsenten unbedingten authentizität gegangen), dieser undirigierbare dirigent, der, die luft durch nase, aug und ohr einkopfend, mit seinen ohren das ganze universum überblickt hat, jawohl überblickt!

die zeit zwischen drittem jänner und sechs tage nach lichtmess: was für ein merkwürdiges zeitniemandsland, immer noch aussichtslos, völlig. jedoch: drei und sechs macht neun. lasset uns denn ein novenisches mantra intonieren. aber, bitteschön, einen jonkepsalm!

und ward noch nie unerhört.



glück im flug (2) Dienstag, 4. 1. 2011, 0:00

studie: das glück ist kein vogerl
studieninformation, orfon

wenn wir jetzt weiter noch die glücksvogerlmetapher auf weniger davon begünstigte überzuwälzen versuchen (versuch eins war der mit dem meschuggenen auerhahn zu johnsbach), gäbs noch die möglichkeit, weitere (unselige?) vögel herbeizuzitieren, in jonkscher steilvorlage übernommen wären das etwa kirschhackeramseln, raben, eisvögel, haselhühner, goldfasane, kondorsegler, fischadler, weißkopfgeier, hühnerhabichte, mäusebussarde, turmfalken, spottdrosseln, schneeeulen, amaranten, borstenschwänzler, saftleckerspechte, breitmaulbrillenwürger, blauscheitelorganisten, brutschmarotzstürzler, dickichtschlüpfer, erdhöhlentöpfer, gelbpürzelblütenpicker, gimpelhäher, klippenkleiber, lappenschnäpper, luftröhrenschreikropfpfeifer, molluskenschmätzer, pfefferfresstrompetenwürger, rotsichelspötter, schluchtenrötelstutzhaubenpürzler, schneeballwürger, graubrustraupenschmätzer, spitzschopftrugpürzelstelzer, großschnabelkardinäle, dompfaffdotterpinsler, rhinozeroshelmhornputzer, maiskolbenfagottstotterer, schilfrohrschalmeienkeifer und dudelsackbauchflatterer.*

oder, die unseligkeitsmetapher schlechthin (es ist auch eine unsegligkeitsmetapher, das nebenbei), die dronte, auch dodo genannt: schlechte prognose übertroffen. so gesehen könnte das glück doch ein vogerl sein. oder zumindest bis zu seinem aussterben eines gewesen sein. mahlzeit!

*gert jonke, immer noch fehlst du. sosehr.



kommsommer (oder herbst) Montag, 28. 6. 2010, 0:00

die wettervorhersage für die kommenden tage ist wenig vielversprechend
kurier, 19.6.2010

ein trost, mitten im klirrkaltfeuchten sommer, das interview mit dem gewerkschaftsboss: er verspricht uns, immerhin, einen heißen herbst.
ja, gut, es hat schon originellere metaphern gegeben, aber was will man, sprachbescheiden geworden, von einem gewerkschaftschef oder seinem ihm zu schlagzeilenschlagkraft verhelfen sollenden orfonpraktikanten mehr verlangen? erinnern wir uns seines penthäuslichen vorgängers, der einmal seine antwort auf eine frage mit dem bekannten zitat der weg ist das ziel eröffnete, um noch lautet eine französische autowerbung hinzuzufügen.
so gesehen sind wir mit dem hehe (heißem h.) noch gut weggekommen, und wir freuen uns alle schon so, nicht wahr? (gert jonke)



realvieh Dienstag, 1. 6. 2010, 0:00

blitz, triff mich! blitz, triff mich!
gert jonke, freier fall

wald am schoberpass. auf der südlichen talseite weidet eine herde schwarzer schafe, und nirgends ist auch nur ein sog. weißes zu sehen, ein lämmlein gar.
ehrliches wald. hierher sollte man ziehen.



gestürzt Montag, 8. 2. 2010, 0:00

will you still need me?
will you still feed me?

populärmusikalische frage, 1967

23 jahre nach 1946 war das, und 1946, das war vor 64 jahren, was für eine merkwürdiger ziffernsturz, eine regelrechte zahlenjonglage, und in ihrem brennpunkt steht der jongleur, und natürlich ist jeder geburtstag ein völlig willkürlicher feier- oder gedenkanlass, tafeln werden angebracht werden, nachdem man aufs peinlichste abgewogen haben wird, ob ihm die textauswahl und das format (8 x 8?) und die schriftgröße recht gewesen wären und ob es dieser oder jener ihm einstmals nahestehenden person damit gut oder doch eher nicht so gut ginge und was der offizielle portraitbiograph noch dazu meinen könnte, eine riesige parallelaktion, wie seinem fröhlich schwirrköpfigen werk entnommen, er aber hat absurditäten dieser art stets nur gespiegelt, war selber klar, sowas von klar in seinem kopf, klarer gehts nicht, das haben viele bis heute nicht verwunden, völlig unterformatig allesamt, das aber ist keine schande, es kann ja gar nicht anders sein und es wär ihm sowas von wurscht gewesen, weil wer so ein format hat, der braucht keinen genierer, und wenn der geniebegriff auch längst als obsolet gelten muss, den jongleur umschwirrt er alswie die elektronen in einem atommodell den kern, und 64 wäre er heute geworden, er füttert uns weiterhin mit seinen zauberwelten, und dass wir ihn brauchen, was für eine frage auch.
gert jonke, du fehlst so.



hörlos | angebot an die ornithologie Dienstag, 6. 10. 2009, 0:00

was immer man tut,
eine pause tut gut:
pocket koffieh.

beliebter ohrwurm, werbefunkundfernsehen

flink herbei, ihr ohrfinken!
… ohja, hiermit steht der jonkfink der ornithologie als zu vergebender name willigst zur verfügung. – so greift doch schon zu!



unk. rufe fuer fuenf optimisten und einen ténor (2) Freitag, 21. 8. 2009, 0:00

hinter dem vorhange
jorge luis borges in seiner bibliothek
gert jonke in seinem insektarium
m. cioran, planschend im seinem nichts
und
vladimir vladimirovich nabokovs chronophobiker, den so etwas wie eine panik ergriff, als er zum ersten male einige amateurfilme sah, die ein paar wochen vor seiner geburt aufgenommen worden waren. er erblickte eine praktisch unveränderte welt – dasselbe haus, dieselben leute –, und dann wurde ihm klar, dass es ihn dort nicht gab und dass niemand sein fehlen betrauerte. er sah seine mutter aus einem fenster im ersten stock winken, und diese unvertraute geste verstörte ihn, als wäre sie irgendein geheimnisvolles lebewohl. aber was ihm besonderen schrecken einjagte, war der anblick eines nagelneuen kinderwagens, der dort vor der haustür selbstgefällig und anmaßend stand wie ein sarg; auch er war leer, als hätte sich im umgekehrten lauf der dinge sogar sein skelett aufgelöst.

cameo
schubert und -mann (dieser mit eichendorff), mozart
etliche weitere habe ich sicher vergessen

u never know



luftboden Donnerstag, 30. 7. 2009, 0:00

blitz triff mich!
blitz triff mich!

gert jonke, freier fall

wenn es so blitzt und die donner derart durchs tal grollen, bei so einem wetter steigt nur ein lebensmüder in die dusche, blieb er einen ganzen der dieses jahr so häufigen wetterumsturzvormittage in seinem wennauch zukleinen bett in den bergen und lauschte den berichten vom mond mit kaum vierzigjähriger verzögerung, die funkdauer auf diese entfernung noch nicht miteingerechnet, aber das geht ja blitzschnell im vergleich.
hernach, vorsichtich, wusch er sich. ohne vorherige erkrankung genas er zuinnerst.



vorfrühlingvorausmütter 2009 Donnerstag, 26. 2. 2009, 12:00

liebe mba.

nämlich nicht, weil ich es nimmer derwarten mag, dass ich ihnen endlich wieder meine sachen aufs aug drucken kann (alle drei monate, daran will ich mich halten), aber diesmal gibt es gewichtige gründe, dass ich ein paar tage früher erscheine (das ist jetzt sehr salopp dahergesagt; ich meine natürlich meine quartalsschrift), und die einzige alternative wäre zweimal strompost innert (sagen die schweizer) weniger tage, das will ich ihnen auch nicht antun, wirklich nicht, und die größte hybris, die man sich denken kann, das ist das demuthechelnde sichkleinmachen, wirklich wahr.
vorweg (bevor wir uns dem vorfrühling widmen, auf dass er sich bitteschön einstelle) der vorerscheinungsgrund:
drehen sie bitte morgen, freitag, 27.2.2009 um 22.15 das radio auf, am besten ö1, weil dann können sie die sendung hören, die ich meine: die liebe renate burtscher hat ein paar mir auf unterschiedliche weise (& nachwievor) nahe menschen (victoria coeln, josef haslinger, gert jonke, angela krauß, franz schuh) befragt, und michselbst hat sie auch daheim belauscht: beim spielen, beim posauneeinschmieren, beim raisonieren. gemeinsam mit dem sehr freundlichen und kompetenten robert pavlecka hat sie daraus ein recht umfassendes und alles andere als lobhudelndes portrait des posaunisten bertl mütter, im übertitel: der spaziertänzer gestaltet. chris pichler, eben erst zur schauspielerin des jahres gekürt, führt durch diese tonspuren. alles in allem eine große freude und ehre. und weil ich nicht will, dass sie das einfach so versäumen, schreibe ich ihnen also schon heute.
(die sendung können sie selbstverständlich weltweit per livestream im internet verfolgen, außerdem können sie sie mit einem download-abo von ö1 noch ein gutes monat lang herunterladen. weiters habe ich den spaziertänzer auch auf muetter.at geparkt, aber seien sie so fair und hören sie sie sich nicht vor freitag abend an, ja?)

hätten wir das also.

womit der vorfrühling hätte kommen können. (zumindest der vorfr.) schaut aber nicht so aus, hn? – beim schreiben dieser zeilen clausuriere ich im gastfreundlichen st. lambrecht, das zweite mal schon in diesem winter, es tut der kunst gut, die ruhe, die luft, auch die jeder großstadtbeckenlagebedingt bleinebelsuppenferne sonne und der schnee. ideen können sich einstellen (gut gekühlt, aber schön pomali, nur ned hudln), die posaune wird hier, im sauerstoffreich, annähernd exzessiv beatmet, sodass ich ihnen vom erneuten aufflammen einer instrumentalerotischen liebesbeziehung berichten kann. das schlägt sich durch bis auf die bühne (seien sie gespannt!). auch eine neue künstlerische partnerschaft im osten tut sich auf, mit der entsprechenden tonträgerwerbung werde ich sie beim nächsten mal belangen.

hätten wir das also auch.

meiner trauer (warum spricht man eigentlich von tiefer tr.?) über den tod meines freundes gert jonke habe ich umfangreich auf muetterlog.at ausdruck verliehen. beiweitem nicht nur ich habe einen mir in seiner sprache und in der regen persönlichen erinnerung stets nahe bleibenden poetisch verbündeten verloren. die arbeit mit und an seiner zaubersprache geht weiter, und bald schon werde ich ein entsprechendes projekt (über das ich jetzt noch nichts näheres verraten darf) präsentieren können.

ich bleibe dabei:

… und jeden freitag ab 15.00 gibts bis auf weiteres den kinderkreuzzug. und alle zusammen treffen wir uns, ganz sicher.

service

1. so viel schöne musik gibts, etwa auf meinen cds. bitte kaufen, vor allem in zeiten wie diesen. (die haben wir bekanntlich immer; und ich, immer noch, zuviele gleiche cds in meinen lagerräumen.)

2. im märz zur südklausur nach agulo und, gegen ende, zum literarischen restwinter, nach rauris. der mai ist kommen, der winter ist aus am ersten in fels am wagram.

3. nicht jammern, agieren. (von age, altern, also verändern)

4. überhaupt, tagesaktuell, die vorschau.

5. verfolgen sie öfter das mütterlog (zumindest täglich).

6. es bleibet dabei: vorbei ist vorbei.

7. alles wird immer noch besser. und wir freuen uns schon alle sehr darauf, nicht wahr?

etc.

herzlichst ihr,

bertl mütter



vorsätzlich Sonntag, 4. 1. 2009, 0:00

fürs neue jahr nahm er, statt der üblichen, postchristlich gefärbten vorsätze (abnehmen, weniger alkohol, mehr bewegung – zum gähnen) ein praktisches ziel ins visier: hölzln [hœltchlhn] erlernen und, zum richtigen zeitpunkt, so anwenden, wie es sonst nur wichenchaftler oder literaturgrochkchritiker zusammenbringen.
der endgültige durchbruch war ihm cho chicherlich nicht mehr tchu nehmen.
weil, wie er gelernt hatte, man rechtzeitig drauf schaut, dass mans hat, wenn mans braucht, war jedenfalls klar, dass es zeit war, sich nach einer standesgemäßen villa umzutun.

_____________

gert jonke ist heute in der früh gestorben. was für ein lieber mensch, zauberer, freund. mehr als ein freund: poetisch verbündeter.



universalgröße Freitag, 31. 10. 2008, 0:00

ein besonderes zuckerl für unsere friends!
praktischer regenmantel mit kapuze
allzweck – praktisch – griffbereit
• bei autopannen
• für freizeit und hobby
• bei plötzlichem platzregen
• (etc…)
„wir lassen sie nicht im regen stehen.“

gabe für friends of merkur (zur freien entnahme)

danke vielmals. nun weiß ich mich umfassend sicher, vor allem bei plötzlichem platzregen, mit herzlichem gruß an gert jonke.
(hülfe es auch bei unvermittelt kurvenfeuchter fahrbahn?)



kontinent k Samstag, 30. 8. 2008, 0:00

f. k.
eins vor (vornämlich), (nachnämlich) eins zurück
macht g. j.
jonke, du kafkaplanet.

(heute abend etwa am toplitzsee)



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